Sonntag, 19. Februar 2017

[ #Hohenems ] Vertriebene Wissenschaft: Link Irene

Link Irene (geb. 5.11.1908 Hohenems, + 28.09.1986 Baltimore)

Mit einer Portraitserie erinnerten die Innsbrucker Universitäten 2008 an jene Mitglieder der Universität Innsbruck, die 70 Jahren früher – nach dem "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland am 12. März 1938 – aus "politischen" und "rassischen" Gründen – wie es im NS-Jargon hieß – von der Universität ausgeschlossen und vertrieben wurden. Darunter findet sich auch eine Hohenemserin: Link Irene (geb. 5.11.1908 Hohenems, + 28.09.1986 Baltimore)

Am 5. November 1908 kam Irene Link als Tochter des Hohenemser und später Innsbrucker Rabbiners Dr. Josef Link in Hohenems zur Welt. Seit 1914 lebte die Familie in Innsbruck. Dr. Link war beinahe 25 Jahre Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Tirol und Vorarlberg und wurde kurz vor seinem Tod im November 1932 noch mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich geehrt.  Im Jahr 1932 erkrankte Dr. Josef Link an Magenkrebs, woran er am 7. November desselben Jahres verstarb.

Der 1905 geborene Bruder von Irene Link, Ernst Link promovierte im November 1926 zum Doktor der Staatswissenschaften und  dreizehn Monate später zum Doktor der Rechte. Er war mit Regina Alt, einer Tochter der berühmten Kaufhausfamilie Bauer verheiratet. Nachdem die Rechtsanwaltskanzlei in der Maria Theresien Strasse 51 im Frühsommer 1938 aufgelöst werden musste, flüchtete das Ehepaar nach Palästina.

Irene Link beendete das 1927 begonnene Medizinstudium im März 1933. Irene wie Ernst waren Mitglieder zionistisch orientierter Vereine, Irene bei der Innsbrucker Ortsgruppe des jüdischen Jugendbundes Blau-Weiß, Ernst beim Sportklub Hakoah.

Irene begann nach der Promotion eine Facharztausbildung für Psychiatrie. Für kurze Zeit arbeitete sie als Assistenzärztin an der Universitätsklinik in Innsbruck, von 1933 bis 1938 im Nervenkrankenhaus Maria Theresien-Schlössel in Wien.  Mutter Helene Link, die inzwischen auch in Wien lebte, erhielt im Dezember 1938 eine Ausreisebewilligung, gelangte über Triest nach Palästina zu ihren Söhnen und verstarb 1962 bei ihrer Tochter Irene in den USA.

Irene Link hatte Dr. Max Hitschmann, einen Wiener Juristen, geheiratet. Hitschmann war nach den Novemberpogromen für kurze Zeit im Konzentrationslager Dachau interniert gewesen. Er wurde entlassen und musste sofort mit seiner Frau emigrieren. In Shanghai fand das Ehepaar ein erstes Exil und im April 1940 erhielten sie die Einreisebewilligung in die Vereinigten Staaten. Dr. Irene Hitchman-Link arbeitete nach ihrer Ankunft in den USA zunächst als Krankenschwester bis sie ihre Prüfungen wiederholt hatte und als Psychiaterin tätig sein durfte. Von 1941 bis 1962 war sie am Springfield State Hospital in Baltimore tätig, anschließend bekleidete sie bis 1968 den Posten eines Director of Hospital Inspection and Licensure, von 1969 bis 1974 den eines Deputy Commissioner beim Maryland State Department of Mental Hygiene. 1946 wurde die einzige Tochter Eve geboren.

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