Montag, 11. Mai 2015

[ #Dornbirn ] Die Gloriette am Dornbirner Zanzenberg

Im Jahre 1856 hatte der als Textilindustrieller wirkende und immer an technischen Neuerungen interessierte Dornbirner Fabrikant Johann Georg Ulmer (1807-75) den Aussichtspavillon am Dornbirner Zanzenberg die "Gloriette" errichten lassen. Heute kennt kaum jemand mehr den imposanten Park und seinen baulichen Höhepunkt, ebenso wenig die politische Bedeutung im 19. Jahrhundert.


Johann Georg Ulmer.  Karl Ulmer und seine Söhne sind ein Teil einer fast vergessenen Vorarlberger Industriegeschichte. Sie gründeten in den Parzellen Schwefel-Rohrbach die erste ausgeprägte 'Industrielandschaft' des Landes. Nach seinem Tod führte sein Sohn Johann Georg Ulmer den Betrieb fort. Als Erster in Vorarlberg errichtete Ulmer eine mechanische Weberei. Die Gebrüder Rosenthal aus der Hohenemser jüdischen Gemeinde richteten 1838 auf dem Betriebsgelände des Johann Georg Ulmers in Dornbirn eine Spinnerei ein. Später gingen die meisten Gebäude in den Besitz der Firma Franz Martin Rhomberg über.

Die Familie Ulmer ist schon vor ihrer industriellen Pionierleistung aufgefallen. Karl Ulmers Onkel Franz Josef Ulmer war der Löwenwirt im Hatlerdorf und führte in den Jahren 1789 bis 1791 einen Aufstand gegen die religiösen Neuerungen Kaiser Josephs II. an. Er starb deshalb im Gefängnis. Karl Ulmers Vater Adam war Vorsteher im Oberdorf. Er fiel einem Mordanschlag zum Opfer. Mit dem Untergang der Firma Rhomberg droht auch die Geschichte dieser Familie und ihre enorme Modernisierungsleistung für Vorarlbergs Industrie vergessen zu werden.

Nicht nur die Gloriette am Zanzenberg auch am Marktplatz erinnert das Ulmer-Haus an die Familie. Die Johann Georg Ulmer Straße im Schwefel behält den Namen in ihrem ursprünglichen Wirkungsgebiet im Umfeld des Schwefel in Erinnerung.

Kulturkampf um die Gloriette. Die Gloriette spielte er in der Stadtgeschichte und im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts eine wichtige und symbolträchtige Rolle. Freilich war sie dort schon in den Besitz des Textilindustriellen Viktor Hämmerle übergegangen. Ein Zitat aus aus dem Beitrag von Karin Schneider "Im kaiserlichen Blick. Bürgerliche Selbstdarstellung in Dornbirn":

Auf dem Zanzenberg wurden ausschließlich Festlichkeiten begangen, die im weitesten Sinn mit dem liberalen Lager in Zusammenhang standen. Das ging so weit, dass dieses Plateau für die Klerikal-Konservativen bzw. Christlichsozialen den Hort des Liberalismus per se symbolisierte. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch die Person seines Besitzers, Viktor Hämmerle, der sich politisch auf Seiten der Liberalen engagierte.  

Eine satirisch-polemische Zeichnung, die anlässlich der sozialen und wirtschaftlichen "Vernachlässigung" des "Bauernstandes" von konservativer Seite angefertigt wurde, wählt nicht etwa die von der liberalen Mehrheit beherrschte Gemeindestube, sondern den Zanzenberg zum Ort des Geschehens. Die Illustration zeigt den licht bewaldeten Zanzenberg, auf dessen Bäumen Dutzende von Bauern an den Zehen aufgehängt sind. Im Schatten der Bäume spazieren die liberalen Fabrikanten und Bildungsbürger, einige lesen auch in Zeitungen. Diese enthalten lange Artikel über das Volkswohl, die Aufklärung, Bildung und Fortschritt. Am Fuß des Zanzenberges stehen abgemagerte Arbeiter "voller Furcht vor der liberalen Hebung des Bauernstandes".  


[Zeitreiseführer-Vorarlberg]⇒

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