Dienstag, 26. Juli 2016

[ #Andelsbuch ] 19. Februar 1953: Ein Denkmal für Jodok Fink

Am 19. Februar 1953 wurde im Vorarlberger Landtag aus Anlass seines 100. Geburtstag Jodok Fink geehrt. 

Landeshauptmann Ulrich Ilg kündigte an, das Land werde endlich ein Denkmal für ihn in Auftrag geben. Den Anstoß dürfte ÖVP- und  Bauernbundsekretär Josef K.  Naumann (1904 bis 1980) gegeben haben, kein in sich gewaschener Vorarlberger.  Ebensowenig offenbar war Jodok Fink ein klassicher ÖVP-Funktionär. Er stand gegen den politischen Trend dieser  Jahre und es hat wohl darum so lange gebraucht, bis die Mächtigen Vorarlbergs ihn zu ehren wagten.  Anders in Wien: Ihm zu Ehren, dem ersten Präsidenten der provisorischen Nationalversammlung hat  der Wiener Gemeinderat breits 1929 nach seinem Tod den Platz vor der Piaristenkirche im 8. Bezirk in Jodok-Fink-Platz umbenannt.

Anlässlich seines Todes im Alter von 76 Jahren würdigte die "Kölnische Volkszeitung" Finks Leben:  
"Immer, wenn Verständigung mit dem Gegner notwendig wurde, schickte man Fink voran. Ein Protokoll, unter dem sein Name stand, war nach rechts wie links gesichert. Allein das Anschauen dieses bis in die letzten Jahre hellen Bauerngesichts ließ eine menschliche Brücke zwischen den Anschauungen als möglich erscheinen."

Seine beinahe 50 jährige politische Laufbahn begann 1878. Als er mit 26 Jahren in den Gemeinderat berufen wurde. 1888 wählte ihn seine Heimatgemeinde Andelsbuch zum Bürgermeister, 1890 Vbg. Landtag, 1897 Reichsrat, Mitbegründer der Republik Österreich, 1919 erster Vizekanzler in der Regierung Renner und Präsident der christlich sozialen Partei. Der geniale Verhandlungskünstler erhielt die höchsten kaiserlichen Auszeichnungen und wurde zum Ehrendoktor ernannt. Er stand aufrecht und quer zum politischen Trend dieser Jahre. Fink nahm eine Vermittlerrolle ein und trat in der 1. Republik für die Zusammenarbeit der beiden großen Parteien von Bauern bzw. Bürgern und Arbeitern ein, machte sich um die Einführung und Verbreiterung des Wahlrechts verdient und war ebenso ein Gegner der vorarlbergischen Anschlussbewegung an die Schweiz als auch des Anschlusses an das Deutsche Reich. Damit stand er quer zu den Traditionen der beiden austrofaschistischen Funktionäre den beiden Landeshauptleuten Dr. Otto Ender und Ulrich Ilg, welche sich mit dem Faschismus nicht nur arrangierten sondern deren aktiver Teil geworden waren.

Eigenständiger Kopf. Selbst in der Vorarlberg-Chronik wird Jodok Finks Verdienst um die Selbständigkeit Vorarlbergs relativiert. Nicht er wird als der Vater des selbständigen Vorarlbergs sondern der austrofaschistische Funktionär Otto Ender gefeiert. Und weil er im August 1918 noch die Monarchie bejahte, werden seine republikanische Gesinnung bestritten.  Fink war jedoch demokratischer Pragmatiker und nahm eine Vermittlerrolle ein und trat in der 1. Republik für die Zusammenarbeit der beiden großen Parteien von Bauern bzw. Bürgern und Arbeitern ein, machte sich um die Einführung und Verbreiterung des Wahlrechts verdient und war ein Gegner der vorarlbergischen Anschlussbewegung an die Schweiz.

Dies und die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten hatte man in seiner politischen Heimat, der Christlichsozialen Partei und auch in Vorarlberg ihm wohl nie verziehen. Als Mann des Ausgleichs und der Großen Koalition war er nach dem deutlichen Sieg der Christlichsozialen Partei bei den Nationalratswahlen 1920  - ein polisicher Erfolg der eben auch seiner war - jedoch in Regierungsverantwortung für die Christlichsoziale Partei (nachher ÖVP) nicht mehr denkbar. Statt der Zusammenarbeit begann jetzt die Konfrontation, die schließlich mit dem Untergang der jungen demokratischen Republik endete. Fink blieb bis zu seinem Tod am 1. Juli 1929 einfacher Nationalratsabgeordneter und wurde nicht mehr Zeuge des Verrats der christlichsozialen an der Demokratie. Er wurde auf dem Andelsbucher Friedhof bestattet.

Fink, Jodok, * 19. 2. 1853 Andelsbuch (Vorarlberg), † 1. 7. 1929 ebenda, Bauer und Politiker (Christlichsoziale Partei). Ab 1890 (für 30 Jahre) Vorarlberger Landtagsabgeordneter, ab 1897 im Abgeordnetenhaus, 1911 Landeshauptmannstellvertreter (Statthalter) von Vorarlberg, während des 1. Weltkriegs Direktor des Volksernährungsamtes, nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 einer der 3 Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung und später Staatsrat, 1919/20 Vizekanzler in der Regierung Renner, 1920-29 Abgeordneter zum Nationalrat, ab 1922 Obmann des Christlichsozialen Klubs. 1925 Ehrendoktor der Universität Innsbruck.

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