Montag, 13. November 2017

[ #Vorarlberg ] Die Vorarlberger Wappen in der Wiener Votivkirche

Die Votivkirche wurde als Dank für ein misslungenes Messer-Attentat (18. Februar 1853) während eines Spazierganges auf Kaiser Franz Joseph I. erbaut und am 24. April 1879 anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares Franz Josef und Elisabeth "Sisi" eingeweiht. 

Der Attentäter Janos Libènyi hingegen wurde schon acht Tage nach dem gescheiterten Messerattentat bei der Spinnerin am Kreuz unter den Blicken zahlreicher Schaulustiger hingerichtet. Zu den damals gehandelten Verschwörungstheorien (Ungarn) halten sich auch hartnäckig   eher tiviale Grund für das Attentat des jungen ungarischen Schneidergesellen, dass nämlich der Kaiser bekanntermaßen seinen weiblichen Bediensteten nachstellte und die Schwester des ungraischen Schneiders entehrt habe.

Errettung. Wie auch immer: Die “Votivkirche” weist auf den Anlass des Baues hin. Votivgaben sind aufgrund eines Gelübdes (votum) als symbolisches Opfer insbesondere für die Rettung aus einer Notlage und häufig an einer kultischen Stätte dargebrachte Gegenstände. Zu Ehren des Kaisers Rettung bat nun sein Bruder, Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser Maximilian von Mexiko, um Spenden der Bevölkerung um eine neue Kirche zu erbauen.  Die Spenden für diese österreichische Walhalla kamen aber aus den Kronländern der Monarchie nur sehr spärlich, so dass sich auch der Bau länger als gewünscht hinzog und erst anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares, am 24. April 1879 geweiht werden konnte.  Diese Kirche sollte Propaganda für die Bedeutung von Monarchie und der (gegenreformatorischen konservativen) katholischen  Kirche als einigendes Band des Vielvölkerstaates symbolisieren. In einem multikulturellen Staatsgebilde kaum ein weitblickendes Unternehmen. Immerhin hatte die göttliche Errettung des Kaiser dessen öffentliches Ansehen wieder verbessert.


Dynastie + Katholizismus. Die programmatische Vereinigung von Dynastie und Katholizismus findet in der zentralen Ehrung des  Grafen Niklas von Salm (1459 –1530) als gleichsam in der Verteidigung Wiens gegen die Türken ("Erste Türkenbelagerung") gefallenen Mannes in diesen Walhalla-Plänen ihren Ausdruck. 1878 wurden die Grabplatte und der  Sarkophag in die Votivkirche überführt.  Dabei gab es sichtlich auch einen Bezug zur Walhalla in Donaustauf (Bayern), welche auf Veranlassung des bayerischen Königs Ludwigs I. geschaffen worden war. Der Märchenschloss-Verstand des Ludwig II. von Bayern, ein Cousin der Kaisersgattin "Sisi", wurde zur Entscheidung über den Ausschreibungsgewinner aus den 75 eingereichten Projektenn für die  Votivkirche beigezogen.


Ismail Pascha. Dass die politische Botschaft an die Untertanen und die politische Praxis weit auseinanderklafften wird allerdings daran deutlich, das Ismail Pascha, bekannter als "Ismail der Prächtige" von 1863–1879 osmanischer Vizekönig von Ägypten "prächtige Stücke" ägyptischen Alabasters aus den Steinbrüchen von Beni Suef zum Bau der Votivkirche  gespendet hatte. Tatsächlich sind aus diesem sechs Säulen des Hochaltars, Säulen und Füllflächen der Kreuzkapelle wie auch der achteckige Taufstein in der Taufkapelle gefertigt.

Vorarlberger Wappen. An den Arkadenwänden der kaiserlichen "Denkmalskirche" finden sich auch die Wappen des Kaiserhauses, besser gesagt: der Kronländer. Im Kern sind das alle Wappen der Länder, welche im "Großen Titel des Kaisers von Österreich" enthalten sind. Der Große Titel verstand sich wie der kaiserliche Doppeladler, das kaiserliche Wappen, die Österreichische Kaiserkrone, Zepter und Reichsapfel sowie der kaiserliche Hofstaat mit seinem Hofzeremoniell als Ausdruck der von Gott gegebenen und daher unumstößlichen monarchischen Macht. Der große Titel musste in Österreich zur Zeit der Monarchie von allen Schulkindern auswendig gelernt werden.


Und dort sind eben auch aufgeführt "Graf von Hohenems, Feldkirch, Bregenz, Sonnenberg etc." Und genau diese vier Vorarlberger Wappen finden sich unter den 20 Wappen der Kronländer in der Votivkirche.  Die habsburgischen  "Herrschaften vor dem Arlberg", die Österreich in einem 450jährigen Prozess Stück für Stück erwarb, wurden erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einem „Land Vorarlberg“ integriert, dem als landesfürstlicher Verwaltungsbezirk seit 1786 der „Kreis Vorarlberg“ entsprach.

Die landesfürstlichen Behörden in Vorarlberg unterstanden bis 1918 den Regierungsstellen in Innsbruck, (mit einem vorderösterreichischen Intermezzo von 1752 bis 1782). Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert war meist von den „Herrschaften vor dem Arlberg“ die Rede, häufig von den „vier Herrschaften“, auch wenn in Urkunden gelegentlich mehr als vier genannt wurden (siehe im großen Titel "etc.").  Die "operettenhafte" (Nachbaur) Nennung der vergleichsweise kleinen "Herrschaften vor dem Arlberg" im Titel hatte wohl auch einen praktischen Grund: Der neue „Kaiser von Österreich“wäre sonst  jedenfalls bereits 1804 als Herrscher eines überwiegend slawischen, ungarischen und italienischen Reichs ausgewiesen gewesen.

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