Montag, 10. Juli 2017

[ #Rheintal ] Bekassine, die Himmelsziege im Vorarlberger Artenhimmel

2013 war das Jahr der Bekassine. Nicht mehr in Vorarlberg. 

Seit der Erstellung der Roten Liste der Brutvögel Vorarlbergs ist der Bestand innerhalb von nur 10 Jahren von 16-19 Brutpaaren (2001) auf nur noch 4-5 Brutpaare (2011) geschrumpft. Im Frühling allerdings kann man die Männchen dieser etwa amselgroßen Schnepfenart mit etwas Glück im Rheindelta oder den Wolfurter Riedgebieten bei ihren beeindruckenden Balzflügen beobachten und sogar hören.

Himmelsziege. Die Bekassine war Vogel des Jahres 2013. Sie ist eine Schnepfenart. Mit ihrem untersetzten Körper, kurzen Beinen und dem braunen Gefieder bewegt sich die Tarnkünstlerin geschickt und nahezu unsichtbar durch feuchte Riedwiesen. Ihr langer Schnabel ist das perfekte Werkzeug für die Suche nach Würmern und anderen Insekten im lockeren Boden. Am leichtesten zu entdecken ist der Vogel im Winter, wenn er sich in Uferzonen von Seen und Bächen aufhält oder im Frühjahr, wenn die Männchen bei ihren Balzflügen sich mit abgespreizten Schwanzfedern rasant in die Tiefe stürzen.

Für das merkwürdige „Meckern“ in der Balzzeit ist ein besonderes Flugmanöver erforderlich. Die Männchen lassen sich im Ausdrucksflug über dem Revier in einem schrägen Flug mit aufgefächerten Flügeln und breit gefächertem Schwanz heruntergleiten. Dabei werden die äußersten Schwanzfedern nach außen abgespreizt, und ergeben aufgrund der Schwingungen durch den Luftstrom beim Herabfallen einen Instrumentallaut, das erwähnte „Meckern“.

Gallinago gallinago. Die Bekassine (Gallinago gallinago) ist eine sehr langschnäbelige, mittelgroße Art aus der Familie der Schnepfenvögel und ist ungefähr so klein wie eine Drossel, besitzt relativ kurze und kräftige Beine und eine bräunliche Tarnfärbung mit markanten Längsstreifen am Kopf. Charakteristischstes Merkmal ist sicherlich der lange Schnabel, der dem Watvogel die Futtersuche in nassen Untergründen und schlammigen Flächen an und in Binnengewässern und Küsten erlaubt. Spezielle Sensoren an der Schnabelspitze ermöglichen dabei das Auffinden der Nahrung im schlammigen Boden. Und noch eine Besonderheit steckt im Schnabel: die Schnabelspitze ist – unabhängig vom Rest – beweglich. So kann die Beute noch während der Schnabel im Boden steckt, mit Hilfe der langen Zunge aufgenommen und verschluckt werden. Schnecken, Würmer, Insektenlarven aber auch Samen und Früchte von Binsen werden so "geerntet". Die tierischen Nahrung wird aus der oberen Schlammschicht mit dem Schnabel selektiert.


Am Bodensee faktisch ausgestorben. Die Bekassine wird von der Weltnaturschutzorganisation IUCN als nicht bedroht („least concern“) eingestuft. Der europäische Gesamtbestand wird auf 930.000 bis 1.900.000 Brutpaare geschätzt. Hohe Populationsdichten in Europa erreicht die Bekassine in Russland, dem Baltikum, Skandinavien und dem östlichen Mitteleuropa. Größere Bestände gibt es auch noch auf den Britischen Inseln und im Bereich der Nordsee.

Vorarlberg. Für die Bekassine ist das Riedgebiete im unteren Vorarlberger Rheintal das einzige verbliebene Brutgebiet im Bodenseeraum. Dort brütete die Bekassine und in den großen Riedgebieten bis Meiningen. Im Jahre 1988 wurden noch 60 Brutpaare gezählt, 2001 waren es noch ca. 20 und 2012 konnten nur noch 3 bis 4 Brutpaare im Rheindelta festgestellt werden.

Die Bekassine ist Zugvogel und Bodenbrüter.
Das Nest ist in der Regel eine gut ausgebildete Mulde im Boden, die mit dürrem Gras und Seggenblättern ausgekleidet ist. Ein Vollgelege enthält vier, mitunter auch nur drei oder zwei Eier. Fünf Eier wurden mehrfach gefunden, ganz ausnahmsweise sogar sechs Eier. Die Bebrütung erfolgt nach Ablage des letzten Eies. Die Brutdauer beträgt in Mitteleuropa 18-22 Tage. In Vorarlberg beginnen Bekassinen - so sie noch da sind - in der zweiten Aprilhälfte mit dem Brutgeschäft. Bei Verlust des Geleges kommt es zu Ersatzgelegen.

Die Bekassine ist ein Zugvogel und sucht während der kalten Jahreszeit wärmere Gebiete im Mittelmeergebiet, in West- oder Ostafrika auf. Nur wenige Individuen überwintern in Vorarlberg. Während der Zugzeit sind nährstoffreiche Nasswiesen und nasse Äcker wichtige Rastgebiete um Energiereserven für den Weiterflug aufzutanken. Zwischen August und Oktober konnten Trupps von bis zu 100 Individuen im Vorarlberger Rheintal beobachtet werden.

Österreich. Auch gesamtösterreichisch gesehen ist die Bekassine ein vom Aussterben bedrohter Brutvogel; sie war früher weit verbreitet, heute ist ihr Lebensraum aber durch Entwässerung und Biotopverlust eng geworden. Durch die Entwässerung fallen die Wasserstände im Jahr früh ab; trockenerer Boden bietet aber nicht mehr genügend Nahrung für die Art. Weitere Gefährdungen sind Bodennivellierungsmaßnahmen im Rahmen intensiver Landwirtschaft, zunehmende Zersiedelung der Brutareale, Verbuschung und Verdichtung der Böden durch schwere Landmaschinen. Dadurch wird eine Futtersuche mit dem „Stocherschnabel“ unmöglich.

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung Einleitung 3

1....Allgemeine Angaben 4
1.1. Europarechtlicher Schutzstatus 4
1.2. Gefährdung 5

2....Bestandssituation 6
2.1. Bestandssituation in Europa 6
2.2. Bestandssituation in Österreich 7
2.3. Bestandssituation im Bodenseeraum 7
2.4. Bestandssituation in Vorarlberg 8
2.4.1. Bestandsentwicklung 8
2.4.2. Aktuelle Bestandssituation 10
2.4.3. Verbreitungskarte 11

3.... Ökologie Ökologie Ökologie 13
3.1. Brutbiologie und Habitat 13
3.1.1. Heimzug und Revierbesetzung 13
3.1.2. Nestbau, Legebeginn und Brutdauer 13
3.1.3. Schlüpftermine und Jungenaufzucht 14
3.1.4. Mauser und Wegzug 14
3.1.5. Überwinterung 15
3.1.6. Bruthabitat, wichtigste Brutgebiete 16
3.1.7. Neststandorte 16

4.... Gefährdung 19

5.... Aktionsplan –––– Bekassine Bekassine Bekassine 21
5.1. Mindestziele für die Erhaltung der Art 21
5.2. Erhaltungs- und Fördermaßnahmen 21
5.3. Erfolgskontrolle 24

6.... Fotos 25

7.... Literatur Literatur Literatur 28

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