Samstag, 28. Juni 2014

[ #Vorarlberg ] Ethnische Flurbereinigung: Die Umsiedlung der Südtiroler (nach Vorarlberg)


Ein großer Teil der durch die Nazis vertriebenen  ("umgesiedelten") Südtiroler siedelten in Vorarlbergs Südtiroler-Siedlungen.

Der Entwurf einer Broschüre über Auftrag des Verbandes der Südtrioler in Vorarlberg, Bezirksstelle Bregenz vom 10.4.1975 ist bei "austrian literature online" (alo) unter dem Titel "Aus der Heimat vertrieben" ist als wertvolles zeitgeschichtliches Dokument sowohl digital als auch als PDF oder Book on Demand online.

Die Integration in Vorarlberg. Die Integration der Südtiroler "Umsiedler" in Vorarlberg in Wirtschaft und Gesellschaft wird in einem Beitrag für die Zeitschrift Montfort von Mag.Gebhard Greber hervorragend ausgeleuchtet und ist ebenfalls als Digitalisat bei "austrian literature online" (alo) onine lesbar und auch als PDF herunterladbar (Gebhard Greber: Die Südtiroler Umsiedler in Vorarlberg, in: Montfort 31 (1979), S. 259-294.).

Zeitzeuge Dr. Anton Piccolruaz. Verfasser ist der "Bludenzer" Dr. Anton Piccolruaz, seinerzeit auch Mitglied des Berg-Iselbundes, Landesgruppe Vorarlberg. Dr. Piccolruaz hatte sich auch besonders um die ladinische Volksgruppe in Südtirol bemüht. Bei alo sind auch weitere Dokumente aus seinem Nachlass einsehbar.
Die Umsiedlung der Südtiroler, seine Hintergründe und Folgen - Entwurf einer Broschüre über Auftrag des Verbandes der Südtiroler in Vorarlberg, Bezirksstelle Bregenz, vom 10.4.1975 von Dr. Anton Piccolruaz, Gesamtverband der Südtiroler in Österreich, 1975, Elektronische Version: Universitätsbibliothek Innsbruck, 43 Seiten, Digital, pdf, Book-on-Demand.
Ethnische Flurbereinigung. Im März 1938 zog Hitler aus Dankbarkeit über die "positive Haltung" Mussolinis beim Anschluss Österreichs eine "klare Grenze" gegenüber Italien am Brenner. Kurz darauf begannen Gespräche über die Optionslösung. Im Jahre 1939 verlangten die Kriegsplanungen Italien als Bündnispartner und damit die auch die endgültige "Lösung" der Südtirolfrage.

Am 23. Juni 1939 wurde im Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin die Vereinbarung zwischen deutschen und italienischen Vertretern über die Umsiedlung der Südtiroler besiegelt. Erste Etappe:  Alle Reichsdeutschen, soweit sie gebürtige Südtiroler waren, sollten innerhalb von vier Wochen auswandern. Zweite Etappe: Auswanderung der nicht bodengebundenen Südtiroler (Handwerker, Industriearbeiter, Kaufleute) und auch der bodengebundenen Südtiroler. Sie konnten bis zum 31. Dezember 1939 für die deutsche Staatsbürgerschaft optieren. Wer nicht optierte, bekannte sich zur Beibehaltung der italienischen Staatsbürgerschaft.

Das Hitler-Mussolini-Abkommen aus dem Jahre 1939 wurde zum Experiment einer "ethnischen Flurbereinigung" : 86 Prozent der Südtiroler trafen damals die "Wahl-Option" das Land zu verlassen und "Reichsdeutsche" zu werden; rund 75.000 gingen dann tatsächlich.



Generalstab des Widerstand der Südtiroler. Neben dem Dokument des Zeitzeugen Dr. Anton Piccolruaz gibt ein Dokument der GESTAPO (Niederschrift der Besprechung über die Südtiroler Frage, stattgefunden am 23. 6. 39 von 16-17.50 im Geheimen Staatspolizeiamt, Berlin) einen Einblick nicht nur in diese konkrete und mit höchster Bruatalität durchgeführte Zwangsumsiedlung sondern leuchtet mit diesem konkreten Beispiel das verbrecherische nazistische System mit kaum zu überbietender Deutlichkeit aus. Gleichzeitig demaskiert es das völkische Getue der politischen Rechte bis in die heutigen Tage. Einen ihrer eigenen Ortsgruppenleiter, der der völkischen Propaganda der Nazis geglaubt hatte und nun diesen "Wandel" nicht mitmachen wollte, schickte man einfach ins Konzentrationslager.

Zitat:

"Die praktische Durchführung und Abwicklung der ihm übertragenen Aufgabe sähe der Reichsführer-SS in folgenden drei Etappen als zu verwirklichen an:

    1. Etappe:

    Innerhalb von vier Wochen sollen unter deutschem Druck alle Reichsdeutschen aus Südtirol auswandern, soweit sie gebürtige Südtiroler sind; also nicht im Altreich geborene Reichsdeutsche, die als Handelsvertreter deutscher Firmen usw. in Südtirol tätig sind.

    2. Etappe: Rück- und Auswanderung derjenigen italienischen Staatsangehörigen volksdeutscher Art, die nicht bodengebunden sind, z. B. Industriearbeiter, Handwerker, Kaufleute usw.

    3. Etappe:

    Also: Rück- und Auswanderung der italienischen Staatsangehörigen volksdeutscher Art, die bodengebunden sind.

    Der Reichsführer-SS bat den italienischen Botschafter, zu diesen Vorschlägen Stellung zu nehmen und alle italienischen Wünsche freimütig zu äußern.

    ließ als Antwort durch den Gesandten Graf Magistrati eine schriftlich ausgearbeitete Denkschrift verlesen, die zum Ausdruck brachte, daß der italienische Botschafter in der Durchführung des gemeinsam vom Führer und vom Duce beschlossenen Planes einen Akt höchster politischer Weisheit erblicke, daß es jedoch notwendig sei - wie er sich ausdrückte -, alle Würmer zu vernichten, die an der Realisierung der Aufgabe nagten. Sehr erschwerend sei der starke Widerstandsgeist der Südtiroler, vor allem im Alto Adige, Trento, Belluno.

    Der Duce wisse sehr wohl, daß diese schwierige Aufgabe nicht ("nicht" - handschriftlich verb. d. V.) durch die Berührung des Problems mit einem Zauberstab im Handumdrehen gelöst werden könne, jedoch erscheine ihm besonders wichtig, daß einmal ein Anfang gemacht werde.

    Die Hauptschwierigkeiten gingen von den Tausenden ehemaliger österreichischen Untertanen aus, die durch die Heimkehr der Ostmark ins Reich nunmehr Reichsdeutsche geworden seien, jetzt aber sozusagen den Generalstab des Widerstandes der Südtiroler bildeten, und hier müsse der Anfang gemacht werden. - In der Tatsache, daß der Reichsführer-SS vom Führer mit der Durchführung dieser Aufgabe betraut worden sei, sähe der Duce die beste Erfolgsgarantie für die Zukunft. ..."

[Zeitreiseführer-Vorarlberg]⇒
  1. Dokument: Die Vereinbarung über die Umsiedlung der Südtiroler (23.6.1939) Niederschrift der Besprechung über die Südtiroler Frage, stattgefunden am 23. 6. 39 von 16-17.50 im Geheimen Staatspolizeiamt, Berlin SW 11, Prinz-Albrecht-Str. 8. (Text der deutschen Delegation) 
  2. Dr. Anton Piccolruaz: Das Nationalsozialistisch-Faschistische Umsiedlungsübereinkommen vom 23. Juni 1939.  
  3. Gebhard GREBER: Die Südtiroler Umsiedler in Vorarlberg, in: Montfort 31 (1979), S. 259-294. 
  4. Die deutsche Rechte und das Südtirolproblem 1919-1933 (Daniel Maul: "Von der Etsch bis an den Belt...?) 
  5. [Google Search] Ethnische Flurbereinigung: Die Umsiedlung der Südtiroler (nach Vorarlberg)
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  7. 28.6.14 [Letzte Aktualisierung, online seit 14.2.11]
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          1 Kommentar:

          Kurt Greussing hat gesagt…

          Dazu der Hinweis auf die ausgezeichnete Arbeit von Gebi GREBER: Die Südtiroler Umsiedler in Vorarlberg, in: Montfort 31 (1979), S. 259-294.
          Im Internet unter
          http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=mft&datum=19790003&seite=00000259&zoom=3