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Donnerstag, 17. August 2023

[ #Vorarlberg ] Kleine Warenkunde zum "Sura Kees" (Vorarlberger Sauerkäse)


Sura Kees (zu deutsch: Sauermilchkäse) wird auf den Alpen Vorarlbergs - so zumindest der nicht ganz ungewöhnliche Glaube der Landwirtschaft - seit Beginn der Nutzung der Bergweiden hergestellt.  Im Montafon kann die Erzeugung von Käse schon 1240 belegt werden.

Eine Website präsentiert Informationen über das regionale Erbe unserer Lebensmittelkultur - viele traditionelle Lebensmittelspezialitäten haben eine große wirtschaftliche Bedeutung und tragen wesentlich zur Stärkung der kulturellen Identität einer Region bei.

Kulinarisches Erbe. Auf Initiative des Lebensministeriums wurde in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Kulinarisches Erbe Österreich ein Register der traditionellen Österreichischen Spezialitäten erstellt. Traditionsreiche Produkte und Spezialitäten aus Österreich sollen so bekannter und deren besonderer Wert bewusster gemacht werden. Aus der Region Vorarlberg sind derzeit acht Produkte indexiert: Fraxner Kirsch / Fraxner Kriasiwasser, Subirer, Großwalsertaler Bergkäse, Jagdberger Heumilchkäse, Vorarlberger Alpkäse, Vorarlberger Bergkäse, der Ländle Apfel und der Montafoner Sura Kees. Dieser ist sicherlich mehr als nur eine Marketingbezeichnung sondern tatsächlich ein traditionelles regionales Produkt ohne welches Käsknöpfle niemals wie Käsknöpfle schmecken.

Sura Kees. Sura Kees (zu deutsch: Sauermilchkäse) wird auf den Alpen Vorarlbergs - so zumindest der nicht ganz ungewöhnliche Glaube der Landwirtschaft - seit Beginn der Nutzung der Bergweiden hergestellt. In Vorarlberg werden heute jährlich rund 2,5 Millionen kg Milch zu rund 250.000 kg Sura Kees verarbeitet. Für die Herstellung eines Laibes Sura Kees benötigt man je nach Eiweißgehalt zwischen 10 und 12 Liter Milch. Auf den zwölf Sennalpen im Montafon produzieren rund 800 Kühe die Milch für den Montafoner Sura Kees. Zusätzlich werden auf diesen Sennalpen 30.000 kg Sauerrahmbutter für den Eigengebrauch hergestellt.

Historische Belege. Jedenfalls kann im Montafon die Erzeugung von Käse bis in das Jahr 1240 zurückverfolgt werden; aus diesem Zeitraum stammt die erste urkundliche Nennung des Namens Montafon ("Jacobus, der Priester von Satteins und sein Bruder Rudophus zinsen jährlich zehn Käse (üblichen) Wertes...." aus dem "Necrologium Curiense" des Churer Domkapitels, um 1240). Mit sehr großer Sicherheit wurde aber schon lange vorher in Vorarlberg Käse hergestellt, denn die Kelten, sie gelten als die Pioniere der Käserei im Alpenraum, besiedelten Vorarlberg bereits vor Christi Geburt. Das beweisen Funde von Gebrauchsgegenständen der Kelten nicht nur in den Tälern, sondern auch auf Alpen und Bergpässen Vorarlbergs.

Alp-Sennerei. Wurde in späterer Folge die Sura Kees-Erzeugung auch durch den aufkommenden Labkäse auf die Seite gedrängt, ist das Wissen um das SauerKäsen bis heute erhalten geblieben. Dies verdanken wir den Alpen im südlichen Teil Vorarlbergs, auf denen noch heute Sura Kees produziert wird, und aufgeschlossenen milchverarbeitenden Talbetrieben, die sich der traditionellen Sura Kees-Erzeugung angenommen haben.


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Sonntag, 28. Mai 2023

[ #Montafon ] Download: Die Via Valtellina - Ein historischer Alpenübergang als Weitwanderweg


Was verbindet das Montafon, Davos, das Engadin, das Puschlav und das Veltlin?

Die Via Valtellina verläuft von Tirano, der Hauptstadt des norditalienischen Veltlins, durch das Val Poschiavo (Buschlav) über den Berninapass in Richtung Davos und dann weiter über das Schlappiner Joch ins Montafon, wo Schruns als Umschlagplatz gewissermaßen die Funktion des Zielortes der Via Valtellina einnimmt. Die Route spielte bis in die Zeit nach der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle im grenzüberschreitenden Handelsverkehr. Alte Wegverläufe und daran befindliche Reste früherer Gaststätten erinnern an die einst stark begangenen Pfade.


Beziehungen gab es vermutlich schon in vorgeschichtlicher Zeit über die Pässe hinweg. Im 13. und 14. Jahrhundert siedeln Walser in Davos, Klosters, Schlappin und im Montafon. Sie treffen auf eine romanisch sprechende Bevölkerung, wie Flurnamen zeigen. 1496 wird das Prättigau österreichisch, 1649 kauft es sich los. Die Engadiner am Transitweg vom Maloja- zum Reschenpass pflegen intensiven Kontakt zum Süden und zum Tirol. Ihre direkten Nachbarn jenseits des Berninapasses, die Puschlaver, haben seit je enge Beziehungen zum Veltlin. Die wichtigste Gemeinsamkeit in dieser langen Zeit ist neben der Landwirtschaft der Handel.
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!

 

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Samstag, 20. Mai 2023

[ #Bartholomäberg ] Die Pfarrkirche St. Bartholomäus von Bartholomäberg


Der älteste und zugleich kostbarste Kunstschatz der Kirche ist das romanische Vortragekreuz (~1150).

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus ist eine römisch-katholische Kirche im Montafon. Sie befindet sich inmitten eines alten Bergbaugebietes. Die landesweit einzigartige barocke Pfarrkirche aus 1732 mit einem gotischem Knappenaltar (um 1525), einer bedeutenden Orgel und einem romanischen Vortragekreuz aus dem 12. Jahrhundert steht an einer beherrschenden Stelle in der Siedlung am Berghang (1.087 m). Die Lage macht Bartholomäberg zum der Sonnenbalkon des Montafons. Die kürzeste im Dezember beträgt noch immer über 6 Stunden.


Pfarrkirche Hl. Bartholomäus
"Romanisches Vortragekreuz"
(Quelle: Bundesdenkmalamt)
© bda
Siedlungs- und Kirchengeschichte. Der Grundstein für diese Kirche wurde am 26. Mai 1729 gelegt. Die feierliche Einweihung war am 6. Juni 1743 von Bischof Benedikt von Rost aus Chur. Bartholomäberg war bereits um das Jahr 1100 die erste Pfarre im Montafon. 1383 nennt eine Urkunde die Erhebung und Abtrennung Bartholomäbergs von Bludenz. Bartholomäberg und war bis ins Spätmittelalter der Hauptort des Montafons. In alten Chroniken aber wird immer wieder angeführt, dass der Ort schon um 1100 eine Seelsorge gehabt haben soll. Den ersten schriftlichen Nachweis finden wir allerdings erst 1230 nach Christus im Zinsbuch der Pfarre Bartholomäberg.

Für ein hohes Alter der Seelsorge zeugt auch das romanische Vortragskreuz. Es ist der älteste und kostbarste Kunstschatz der Kirche um die Zeit um 1150. Ein Vortragekreuz ist ein auf einer Stange befestigtes Kreuz, das in der Römisch-Katholischen Kirche beim feierlichen Einzug zur Heiligen Messe, bei Prozessionen, Begräbnisfeiern, der Gräbersegnung oder bei Wallfahrten vorangetragen wird. Das gegenständliche spätromanische Vortragekreuz von Bartholomäberg gehört zu den qualitätvollsten und wertvollsten Kleinodien des Landes Vorarlberg und befindet sich noch in Kirchenbesitz.

Früher galt das Montafon in der Vorarlberger Landesforschung erst seit etwa 1.100 nach Christus besiedelt. Neuere prähistorische Ausgrabungen brachten jedoch gar Fundstücke aus der Bronzezeit, datiert mit 14. und 13. Jh. v. Christus zutage.


Bergbau. Bartholomäberg gehört jedoch zu den ältesten urkundlich erwähnten Bergbaugebieten im Alpenraum. Die ältesten noch erhaltenen Urkunden stammen aus der Zeit Ludwigs des Frommen aus den Jahren 814 und 820 n. Chr. Neben einer Vielzahl von teils neu entdeckten Dokumenten spielt auch das churrätische Reichsurbar, das bischöfliche Einkünfteverzeichnis aus dem Jahre 842 n. Chr. eine bedeutende Rolle. Darin wird erstmals direkt auf den Eisenerzabbau hingewiesen. Um 1550 nimmt die Bergbautätigkeit im Montafon jedoch dramatisch ab. Ertragreichere Bergwerke brachten den heimischen Bergbau kurz nach 1600 weitgehend zum Erliegen.

 
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Donnerstag, 18. Mai 2023

[ #Vorarlberg ] Der Liberalismus im nicht-urbanen Vorarlberg (1830 - 1914)


Der Kampf zwischen Liberalismus und seinem ultramontanen Widerpart in Form eines christlichsozialen Klerikalismus bestimmte Vorarlbergs Politik seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert noch bis in das ausgehende 20. Jahrhundert. 

Die sichtbaren Zeichen in Form von Zensur und Bevormundung sind erst mit der Unkontrollierbarkeit der digitalen Medien verschwunden. Die ultramontane Reform- und Lernverweigerung in der Politik löst sich hingegen nur zäh, zäher als unter den Klerikern selber.

Fortschritt wider Rom. Der liberale Widerpart war in der „Fortschrittspartei“ organisiert, später noch durch die „Deutschfreisinnigen“ repräsentiert, schließlich in der Sozialdemokratie, welche offen oder still häufig mit den Liberalen gegen den Ultramontanismus koalierten.  Liberale wie Sozialdemokraten wurden von den Konservativen und der katholischen Kirche wiederum als „Abschaum der der Menschheit“ dämonisiert. Trotzdem hatten die liberalen Ideen ihrerseits eine Anziehungskraft die über die urbanen Räume hinaus bis in die Täler sichtbar wurde. Die Verbreitung liberaler Ideen erfolgte vor allem durch die „Feldkircher Zeitung“. Die ländlichen, nicht-urbanen Räume waren also keineswegs eine Terra incognita für den Liberalismus, dort umsomehr nicht, wo die konservativen Kräfte jedweden Fortschritt und jede ökonomische Selbstbestimmung zu vereiteln suchten und damit selber den Widerstand provozierten.

Terra incognita. Die nicht-urbanen Regionen Vorarlbergs, lassen sich im Wesentlichen durch fünf Kategorien definieren: politisch-administrativ, wirtschaftlich, infrastrukturell, geographisch und kulturell. Selbst in modernen Definitionen wird auch das demographische Element noch hinzu gefügt. Dieses enthält in sich jedoch eine gewisse Problematik, da es ausgesprochen variabel ist. Zwar ist die „Stadt“ („urbs“) per se als verdichteter Lebensraum definiert, ausserhalb ihrer bestimmen sich jedoch nicht allein ländliche Gebiete durch eine „geringe Bevölkerungsdichte“. Im Vorarlberg des 19. Jahrhunderts war der ländliche Raum von Ab- und Auswanderung betroffen, während die ursprünglich ländlichen Industriegebiete, wie vor allem natürlich der Walgau, während dieser Epoche aufgrund ihrer infrastrukturellen Erschliessung zum urbanen Raum zu zählen sind. Orte wie Frastanz, Nenzing oder Nüziders, einmal ganz abgesehen von Rheintaler Gemeinden wie Rankweil, standen damals in puncto Urbanität formell städtischen Gemeinwesen wie Bludenz in nichts nach.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf den Inhalt:
 Vorwort 7
1. Einleitung 10
 1.1. Bestimmung des Begriffs „nicht-urbaner Liberalismus“ 10
 1.1.1. Der aufklärerische Liberalismus 10
 1.1.2. Der politische Liberalismus 11
 1.1.3. Der wirtschaftliche Liberalismus  14
 1.1.4. Der soziale Liberalismus 15
 1.2. Historische Einordnung der liberalen Bewegung im nicht-urbanen Vorarlberg 16
 1.3. Definition des Begriffs „nicht-urban“ 19
 1.4. Der Liberalismus im nicht-urbanen Vorarlberg: Fragestellungen  24
2. Der Liberalismus im Montafon 25
 2.1. Personen  25
 2.1.1. Bonifaz und Hermann Sander 25
 2.1.2. Johann Josef Zudrell 27
 2.1.3. Franz Josef Vonbun 29
 2.1.4. Josef Durig 30
 2.1.5. Johann Baptist Biedermann  32
 2.1.6. Heinrich, Robert und Wilhelm Mayer 33
 2.1.7. Hans Barbisch 34
 2.1.8. Eduard Fleisch 34
 2.1.9. Johann Wiederin 36
 2.1.10. Johann Bitschnau  37
 2.2. Institutionen 38
 2.2.1. Die Landtagsabgeordneten 38
 2.2.2. Die Vereine 42
 2.2.3. Die Gastwirte 42
 2.2.4. Die Schule  43
 2.2.5. Die Unternehmer 45
 2.3. Konfl ikte  46
 2.3.1. Persönliche Konfl ikte  46
 2.3.2. Politische Konfl ikte 47
 2.3.3. Ökonomische Konfl ikte  50
 2.3.4. Religiöse Konfl ikte 51
 2.4. Charakterzüge des Montafoner Liberalismus 523. Der Liberalismus im Bregenzerwald 56
 3.1. Personen  56
 3.1.1. Franz Michael Felder und sein Kreis  56
 3.1.1.1. Franz Michael Felder und sein Kreis: 1839 bis 1861 57
 3.1.1.2. Franz Michael Felder und sein Kreis: 1861 bis 1869 62
 3.1.1.3. Franz Michael Felders Beziehung zu Rudolf Hildebrand  69
 3.1.2. Gallus Moosbrugger  71
 3.1.3. Franz Xaver Moosmann  74
 3.1.4. Johann Konrad Bechter  76
 3.1.5. Andreas Fetz  79
 3.2. Institutionen 80
 3.2.1. Die Landtagsabgeordneten 80
 3.2.2. Die Schule  84
 3.2.3. Vereine  87
 3.3. Konfl ikte  93
 3.3.1. Persönliche Konfl ikte  93
 3.3.2. Religiöse Konfl ikte 95
 3.3.3. Politische Konfl ikte 96
 3.3.4. Wirtschaftliche und soziale Konfl ikte 97
 3.3.5. Die Tagebücher des Kreishauptmanns Ebner 99
4. Der Liberalismus in den Walsertälern und auf dem Tannberg 104
 4.1. Personen  104
 4.1.1. Besonderheiten des Tannbergs und des Kleinwalsertals  105
 4.1.2. Die liberalen Reformer des Kleinwalsertals und des Tannbergs  107
 4.1.3. Die anti-kirchliche Opposition im Großen Walsertal 114
 4.2. Institutionen 119
 4.2.1. Die Schule  119
 4.2.2. Politische Behörden  123
 4.2.3. Vereine und Genossenschaften 123
 4.2.4. Gastwirte 124
 4.3. Konflikte  126
5. Der Liberalismus im Klostertal 129
 5.1. Personen  129
 5.2. Institutionen 132
 5.3. Konflikte  136
6. Exkurs: Die Gemeindewahlen nach dem Ende der liberalen Ära im Jahr 1870 139
7. Ergebnisse  143

Dienstag, 16. Mai 2023

[ #Montafon ] Das Montafon als Mutationswerkstätte der Natur


"Eine solche Mutationswerkstätte der Natur für die Gerste ist das hinterste Montavonertal, namentlich die Gegend um Gaschurn und Parthenen am hintersten Talausgang, wo die zahlreichen Alpenübergänge beginnen."

Getreideanbau. Die Tatsachen, dass mit Grundnahrungsmitteln spekuliert wird, dass immer mehr Fläche für den Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung verwendet wird und die dadurch entstandene enorme Preiserhöhung, haben unter anderem dazu geführt, dass sich Menschen in vielen Regionen der Erde nicht mehr durch den eigenen Anbau ernähren können. Unter den Produkten des Pflanzenbaues ist das Getreide deshalb am wichtigsten, weil mit einem Minimum an Produktionsaufwand ein Höchstmaß an Nährstoffleistung erzielt werden kann.

Gerste. Im alpinen Raum ist Gerste ein häufiges Anbauprodukt gewesen: Die Gerste hat zwar keine geringeren Wärmeansprüche als beispielweise der Roggen, sie steigt jedoch bis in den höchsten Anbaulagen, weil sie die Wachstumszeit verkürzen kann durch den starken Blühimpuls der dazu führt, dass die Blüte bereits während des Ährenschiebens stattfindet. Das wichtigste während der Bronze- und Eisenzeit hier angebaute Getreide war eben die Gerste. Archäologische Funde in Graubünden erlaubten es die Gerste auch als mehrzeilige Spelzgerste zu identifizieren.

Die Gerste ist 17 000 Jahre alt und damit das älteste Getreide der Menschheit. Gerste ist aber nicht nur alt, sie hatte auch stets einen ausgezeichneten Ruf: Im kaiserlichen China zählte sie zu den fünf heiligsten Pflanzen, im antiken Griechenland war sie der Erdgöttin geweiht, und der griechische Philosoph Platon malte sich für seinen idealen Staat Menschen aus, die sich hauptsächlich von Gerste ernähren sollten.

Gerste galt schon im Altertum als Kraftnahrung. Den römischen Gladiatoren wurde sie gekocht vorgesetzt. Tatsächlich bietet Gerste eine solche Vielzahl von Mineralstoffen und Vitaminen wie kaum ein anderes Getreide und enthält reichlich Kieselsäure.

Gerste
  • Kennzeichen: Strohgelbes, rundliches Korn, die rauhen Spelzen sind mit Fruchtsamenschale verwachsen. Nach der Form der Ähre unterscheidet man eine zwei-, vier- und sechszeilige Gerste.
  • Anbau: Gerste ist anspruchslos und gedeiht daher in allen Erdteilen.
  • Arten: Nach der Verwendung: Braugerste, Schälgerste (Speisegerste), Futtergerste. Auch bei Gerste produziert Österreich in guten Erntejahren mehr als im Inland verbraucht wird. Gerste wird zum Teil exportiert.
Montafoner Gerste. Die "Montavoner Gerste" wird als extrem kurzährige Form beschrieben. Paläobotanischen Untersuchungen der letzten Jahre bezeugen nicht nur eine extensiv betriebene Viehwirtschaft im Montafon, sondern auch bereits für das 9. und 10. Jahrhundert den Anbau von Weizen, Hirse, Gerste und Roggen. Die Bestellung der Äcker, die sich aufgrund der topographischen Gegebenheiten vielfach an den Hängen, auch in sehr steilen Lagen, befanden, erfolgte fast durchwegs im arbeitsintensiven Hackbau. Die sechszeilige Gerste konnte hier nur deshalb lange erhalten, weil die Bauern alle 5 bis 6 Jahre eine Ährenauslese vornehmen, damit die sechszeilige Form nicht von der vierzeiligen verdrängt wird.

Wie zu Pfahlbauzeiten. Braungart Richard, der Agrarökonom der Monarchie begründet in seinem Standardwerk (Die Urheimat der Landwirtschaft aller indogermanischen Völker. 1912 S. 374) die Notwendigkeit der Auslese durch ständige Mutationen in lockerährigen sechszeiligen und auch in zweizeiligen Formen, er bezeichnete das Montafon (Montavon) dabei als "Mutationswerkstätte der Natur".
"Ich gehe davon aus, dass die gefundenen abweichenden Ährenformen bei der Auslese nicht zu 100% weggelassen wurden und sie sich, weil sie scheinbar konkurrenzfähiger waren, immer mehr Überhand nahmen. Die Bauern bevorzugten die kurze, sechszeilige Form. Dies wird auch deutlich bei seiner Suche nach dem "Pfahlbauweizen", also Anbaugebieten der im Zuge der Entdeckung der Pfahlbauten auch sichergestellten archäologischen Funde:
Von den (sechszeiligen) Pfahlbaugersten hatte ich in der Tat bis weit hinein ins hinterste Montavon sozusagen nichts gesehen. Als ich aber nach dem Dorfe Gurtepohl, die Flur von Gaschurn (etwa 950 bis 1100 m Seehöhe) erreicht hatte, sah ich zu meinem nicht geringen Erstaunen ganz grosse Feldstücke in fast völlig reinem Bestande mit der langen sechszeiligen Pfahlbaugerste (Hord. hexast. densum) besetzt, die eine geradezu staunenswert schöne Entwicklung hatte.
Das Dorf Gaschurn und - wie ich bald auch sah - ebenso das hinterste und höchste Montavoner Dorf Parthenen (etwa 1050 m ü. M.) bauen auf Hunderten von herrlich bestellten Feldern, welche an den Hängen wie zur Pfahlbauzeit nur mit Karst oder Haue bearbeitet werden, die lange Sechszeilgerste, teils
ganz oder fast ganz rein, teils mehr oder minder stark mit Hord. dist. erectum, auch H. dist. nutans und Hord. vulg. gemengt, wobei es aber nur selten der Fall ist, dass die letzteren im Gemenge herrschend werden. … "

Braungart (1912, S. 374): Das Montafon als Mutationswerkstätte:  „Eine solche Mutationswerkstätte der Natur für die Gerste ist das hinterste Montavonertal (Vorarlberg), namentlich die Gegend um Gaschurn und Parthenen am hintersten Talausgang, wo die zahlreichen Alpenübergänge beginnen. Da findet man die dichtährige Sechszeilgerste noch in Hunderten von Feldern bis hoch hinauf angebaut; die Bauern können aber diese für sie wertvollste Art (Brotfrucht) nur dadurch erhalten, dass sie alle 5 bis 6 Jahre die besten sechszeiligen Ähren heraussuchen und davon den Samen nehmen. Im ersten und zweiten Jahre merkt man wenig vom Ausspringen, da ist alles oder fast alles noch herrliche Sechszeilgerste. Aber vereinzelt schon im zweiten, dann im dritten, sehr stark schon im vierten, fünften und im sechsten Jahre nach der ersten Saat, welche auf die Auslese folgte, finden sich in der im Erntegemenge mehr und mehr zurücktretenden Sechszeilgerste, in Menge eingemengt, die sogenannte Imperialgerste (Hordeum distichon erectum); reichlich, wenn auch minder massenhaft, auch die gemeine oder sogenannte sechszeilige, etwas minder reichlich auch die zweizeilige, lange nickende Gerste; in späteren Jahren mehren sich die gemeine oder vierzeilige, die Zweizeil- und die Imperialgerste; so zeigt sich dieser Bildwechsel überall, und man kann keinen Augenblick mehr im Zweifel sein, dass die gemeine Gerste (Hord. vulgare), die zweizeilige kompakte (sogenannte Imperialgerste), und die zweizeilige, lange, nickende Gerste, Mutanten der dichtährigen Sechszeilgerste sind. Man sehe das Bild der Grundform (Hordeum hexastichon densum a) und der drei Mutanten (Hordeum vulgare c, Hordeum distichon erectum b und Hordeum distichon nutans d), welche ich aus diesen Gerstenfeldern von Garschun-Parthenen im hintersten Montavonertal mitgenommen habe.“

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Dienstag, 21. März 2023

[ #Montafon ] Das Montafon im Mittelalter: Muntavun - das Almgebiet mit Tobeln


Die Berge sind es, welche die Geschichte des Montafons entscheidend beeinflussen.

Das Montafon wird von drei mächtigen Gebirgszügen umgeben: im Nordwesten sind es die markanten Kalkfelsen des Rätikons, im Süden begegnen Sie dem kristallinen zentralalpinen Gestein der teilweise vergletscherten Silvretta und im Nordosten dem Verwall. Das Montafon ist somit ein idealer Ausgangspunkt für alle Bergfreunde. Kein geringerer als Ernest Hemingway verliebte sich in das urige Tal - in die Berge, die Gletscher, so dass er zwei Winter in Schruns mit Frau und Sohn verbrachte.

Name. Wer weiß aberschon, dass schon der Name einen alpin(istisch)en Bezug hat? Die Berge sind es letztlich auch, die den Verlauf der Geschichte dieses Tales ganz entscheidend beeinlusst haben: Die alpine Lage prägte die Menschen und ihre Kultur. Ein verschriftlichter Vortrag von Dr. Alois Niederstetter führt über 15 Seiten in die Geschichte Monatfons im Mittelalter ein.

Erstmals genannt wird der Name "Montafon" in einer Handschrift des Jahrzeitbuchs der Churer Domkirche. Dort ist von einer Wiese zu Maysaran die Rede, von der es heißt, dass sie in Muntavun – eben im Montafon – liege. Diese erstmalige urkundliche Erwähnung eignet sich leider nicht für Jubiläumsfeierlichkeiten – sie ist nämlich nicht eindeutig datierbar. Die Handschrift wurde etwa 1196 begonnen und bis über die Mitte des 13. Jahrhunderts fortgeführt, eine genauere Zuordnung des Eintrags steht aus.

Almgebiet mit Tobeln. Der Name gilt als rätoromanischen Ursprungs. Einmal wird Montafon als durchlöcherter Berg, der auf die Bergbautradition des Tales hinweist, ein anderes Mal als Bergbrunn, Stillalpenberg oder gar als Verdoppelung des Wortes Berg verstanden. Eine andere Erklärung spricht vom Tal des Wassers oder der zwei Wasser. Am naheliegensten erscheint aus den vielen Erklärungsersuchen, dass es sich um eine Zusammensetzung aus munt (lateinisch mons = Berg), der romanischen Bezeichnung für Almgebiet, und tovone (= Tobel aus tovo für Rinneoder Graben, vgl. lateinisch tubus = Röhre) handelt, Montafon darf man also auch als "Almgebiet mit Tobeln" übersetzen.

Archäologie. Bronze- und eisenzeitliche Funde um Gargellen, in Partenen, Bartholomäberg sowie bei der Tschaggunser Mittagsspitze belegen die Answesenheit von Menschen im Montafon schon zweiten und ersten vorchristlichen Jahrtausend. Dazu könnten die "Verkehrsverbindungen" über das Schlappiner Joch ein besonderer Grund gesewesen sein.

Mittelalter. Im Laufe des Mittelalters nahm die Bedeutung des Montafons Ansiedlungsraum zu. Vorerst nur als sommerliche Alm- und Weidenutzung durch Walgauer und Engadiner Bauern, allmählich auch als Objekt von Dauersiedlungen. Im Hochmittelalter entstehen dann erste rätoromanische Dauersiedlungen. Den Zuzug der Siedler förderte im besonderen der seit dem Hochmittelalter nachweisbare Bergbau im Gebiet von Silbertal-Kristberg-Bartholomäberg, wo vor allem Silber und Kupfer abgebaut wurden. Bartholomäberg ist die älteste Ortschaft des Montafons. Dazu kamen die im 14. Jahrhundert aus dem Schweizer Kanton Wallis eingewanderten Walser für die Bewirtschaftung hochgelegener Gebiete.

Verba volant. In der Reihe "V e r b a v o l a n t" Onlinebeiträge des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 36 vom 10.9.2008 beschäftigt sich Alois Niederstätter mit dem Montafon im Mittelalter. Das Papier steht als kostenloser Download zur Verfügung.

Prof. Alois Niederstätter. Alois Niederstätter (* 1955 in Bregenz) ist Professor für Historische Hilfswissenschaften und alemannische Landesgeschichte, seit 2001 Direktor des Vorarlberger Landesarchivs in Bregenz (Nachfolger von Karl Heinz Burmeister), Lehrtätigkeit an den Universitäten Innsbruck und Salzburg, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Zahlreiche Publikationen zur Geschichte des alemannischen Raumes sowie zur habsburgischen Geschichte des Spätmittelalters.


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Freitag, 18. November 2022

[ #Montafon ] Die Zimbaspitze (2643 m) - Erstbesteigung im Damenrock: Mary Fairbairn

Die Zimba, umgeben von Nebelschwaden, 15.10.2009 . Wikimedia
(Urheber: Cinedoku Vorarlberg - Hanno Thurnher Filmproduktion)

Die Zimba gilt als der bekannteste Berg des Montafons und sogar der gesamten Gebirgsgruppe Rätikon.

Nicht nur Gaststätten und Alpinhotels benennen sich nach der Zimpaspitze: Dancingbars, Shopping-centers, Unterwäsche, Lichtanlagen, Modeartikel, Kosmetika, ... . Schon daran kann man erkennen, welche zentrale Bedeutung der Zimpa zukommt.

Zimperspitz. Die Zimba (früher Zimbaspitze) ist ein 2643 Meter hoher Berg im Rätikon, einer Gebirgsgruppe der westlichen Zentralalpen in Vorarlberg (Österreich). Sie ist die höchste Erhebung der sogenannten Zimbagruppe, einem Seitenkamm des Rätikons.  Der Berner Fürsprech Gottlieb Sigmund Gruner (1717 —1778) hat dank seinem fleißigen Studium der Literatur und den vielen Nachrichten, die er sich durch Korrespondenz verschaffte, in seinem Werk Eisgebirge (1760) Material über die Schweizeralpen zusammengebracht. Im Zuge des Rätikons kam er auch auf die Vorarlberger Seite und benennt den Zimperspitz, die Zimbaspitze, heute nur: Die Zimba.

Erstbesteigung im Damenrock. Die erste dokumentierte Besteigung der Zimba gelang am 8. September 1848 dem Brunnenmacher Anton Neier aus Bludenz im Alleingang. Er brach in Brand auf, wanderte hinauf zur Sarotlaalpe, hielt in südöstlicher Richtung auf das Kargebiet mit dem Namen Steintäli zu, kreuzte den Ostgrat und erreichte den Gipfel durch einen Kamin auf der Südseite in mühseliger Kletterei.

Mary Fairbairn. Mary Fairbairn, die Tochter des schottisch / vorarlbergerischen Textilunternehmers und Alpinisten John Sholto Douglass (vergleiche Douglas-Hütte)  steht am 18. Juni 1893 als erste Frau auf dem Gipfel der Zimba. Geführt wurde sie vom Bludenzer Bergführer Ferdinand Heine, der dreißig Jahre zuvor bereits mit ihrem Vater John Sholto die Zimba bestiegen hatte. Wohl kaum im Rock, aber im Rucksack hatte sie wohl auch einen Rock zu tragen, denn es wäre damals undenkbar gewesen, in Hosen ins Dorf zurückzukommen.


Geologisch interessant.  Die weithin sichtbare Zimba wird häufig das Matterhorn Vorarlbergs genannt. Sie hat eine ebenmäßige Form und sendet nach Nordosten, Osten und Westen gleichmäßige Grate aus. Die Gestalt gleicht stark der Form einer Pyramide, was sie zu einer wahren Sehenswürdigkeit macht und wodurch sie sich von den anderen Gipfeln des Monatfons und Rätikons deutlich abhebt.

Große Teile des Rätikon bestehen aus Sedimentgesteinen. Aus geologischer Sicht ist der Rätikon somit den Nördlichen Kalkalpen zuzuordnen.  Die Zimba ist geologisch aber weitaus interessanter, als damit zum Ausdruck gebracht werden könnte. Sie besitzt eine geschlossene Schichtfolge von der Grauwackenzone bis zur Kreide. Diese Schichtfolge ist an ihrer Südseite im Rellstal recht gut sichtbar. Außerdem ist eine Reliefüberschiebung von selten klarer  Formung und Entwicklung erkennbar.

Der Rätikon wird zur Hauptsache aus einer mesozoischen Sedimentserie aufgebaut, die dem Oberostalpin angehört und der Lechtaldecke zugerechnet wird. Die oberostalpine Deckplatte besteht aus einer Schichtfolge, die vom Buntsandstein bis zur Kreide (Cenoman—Turon) reicht. Sie ist in einzelne große Schollen zerbrochen, die vor allem in südlichen Bereichen schuppenförmig übereinander liegen. Danach folgen von unten nach oben: 1. Die Heuspielscholle, 2. Die Dreischwestem Fundelkopf Scholle, 3. Die Gorvionscholle, 4. Die Zimba-Schesaplana-Scholle, die nach Osten mit dem Davennastock zusammenhängt. Dazu noch einige kleinere Schollen am Nordrand des Rätikon.


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Donnerstag, 27. Oktober 2022

[ #Montafon ] Online-Wörterbuch: Montafonerische Mundart


Vorarlberg ist ein sehr kleines Land. Trotzdem weist da Vorarlbergische zahlreiche Regionaldialekte auf, die für Nicht-Vorarlberger teilweise schwer verständlich sind. 

Vorarlberg ist ein sehr kleines Land. Trotzdem weist da Vorarlbergische zahlreiche Regionaldialekte auf, die für Nicht-Vorarlberger teilweise schwer verständlich sind. Umso erstaunlicher ist es wiederum, dass man jemanden nur ein paar Sätze lang zuhören muss um ihn geografisch sehr genau einordnen zu können. Die am schwersten verständlichen Dialekte sind der Montafoner, Lustenauer und Bregenzer Wälder Dialekt. Vor allem das "Wälderische" teilt sich noch in weitere Unterdialekte. Kleinere Eigenheiten gibt es noch im Dornbirner Dialekt und den Dialekten im Raum Bludenz. Die restlichen Mundarten unterscheiden sich nicht so stark voneinander.

Im Montafoner Dialekt gibt es unzählige alte Ausdrücke und Redewendungen, deren Bedeutung nicht direkt aus dem Hochdeutschen abgeleitet werden kann und die somit ein ganz spezielles Erbe darstellen. Weite Gebiete in Vorarlberg und im Westtirol  waren ehemals (räto-)romanisch. Am spätesten (nach dem 11. Jahrhundert) eingedeutscht wurden Gegenden, deren Ortsnamen nicht auf der ersten Silbe betont werden, z. B. Ragaz, Sargans, Vaduz, Montafon, Tschagguns und Galtür.

Weiters wurde die Montafoner Mundart durch die zugewanderten Walser erheblich beeinflusst. Der Dialekt ist zwar niederalemannisch, enthält aber viele alte Formen und Ausdrücke, die in der Schriftsprache längst verschwunden sind. Das Montafoner Wörterbu
ch versucht diese sprachlichen Schätze zu sammeln und allen Interessenten zugänglich zu machen.


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Donnerstag, 13. Oktober 2022

[ #Montafon ] Die wichtigsten Talschaften Vorarlbergs im Sachunterricht: Das Montafon

 


Das Montafon ist ein 39 km langes Tal in Vorarlberg (Österreich), das von der Bielerhöhe bis Bludenz reicht und von der Ill durchflossen wird. 


Das Tal wird im Norden von der Verwallgruppe und im Süden vom Rätikon und der Silvretta begrenzt. Die höchste Erhebung in der Umgebung ist der 3312 m hohe Piz Buin in der Silvretta-Gruppe.
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Dienstag, 6. September 2022

[ #Vorarlberg ] Vorarlberg auf der Mercator Europakarte

British Library - Online Gallery: Teil von Vorarlberg:
The Tyrol and part of Lombardy, f.28

Die British Library hat in ihrer Reihe "Turning the Page" Mercators Europakarte von 1554 digitalisiert online gestellt. 

Das fast 100seitige Werk zeigt auch eine Karte "Tyrolis" in der Teile Vorarlbergs dargestellt sind: Vom Arlberg übers Klostertal nach Bludenz bis Feldkirch und das Montafon mit dem "Illfluß".
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Freitag, 8. Juli 2022

[ #Montafon ] Montafoner "Hofbrief" vom 1. März 1382

Montafoner Hofbrief
© VLA: Pfarrarchiv Bartholomäberg, Urkunde 313

Der Montafoner „Hofbrief“ ist die älteste erhaltene Urkunde über einen Vorarlberger "Landsbrauch".

Seit dem ausgehenden Mittelalter sind in verschiedenen Teilen Vorarlbergs regionale, für bestimmte Personenkreise verbindliche Rechtsordnungen ("Landsbräuche") nachweisbar, die zunächst als Gewohnheitsrecht mündlich überliefert, schließlich aber niedergeschrieben wurden. Das älteste im Vorarlberger Landesarchiv original erhaltene Beispiel eines Landsbrauchs ist der für die Bewohner des Montafons ausgestellte "Hofbrief". Der Name rührt von ihrer Zugehörigkeit zum Hof St. Peter auf der Platte bei Bludenz her.
Alois Niederstätter: "Im Beisein herrschaftlicher Amtsträger – Ulrich von Brunnenfeld als Meier das Hofs und Hartmann von Braz als Vogt zu Bludenz – wurde das überlieferte Recht der Montafoner geoffnot und der besseren Rechtssicherheit wegen vom Landesherrn, Graf Albrecht III. von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz, verbrieft. Meist gingen solchen Aufzeichnungen Streitigkeiten oder Unklarheiten voraus, so dass die niedergeschriebenen Texte nicht ausschließlich uralte Normen festhalten, sondern durchaus auch Kompromisse und obrigkeitliche Satzungen. Landsbräuche enthalten in erster Linie jene örtlichen Normen, die vom allgemein anerkannten Kanon des 'gemeinen' Rechts abwichen."
Ständische Verfassung. Montafon war auf den Landtagen und anderen ständischen Zusammenkünften durch die zwei Vorgesetzten und den Landschreiber vertreten. Sie waren die Repräsentanten des "Landes Montafon". Denn das Montafon fühlte sich als ein in sich geschlossenes Gemeinwesen auf der rechtlichen Grundlage des Montafoner Landsbrauches. Der Landsbrauch war sozusagen die Rechtsordnung des Montafons, in der das zu jener Zeit geltende Privatrecht, Gerichtsverfassungsrecht, Strafrecht und Polizeirecht festgehalten war. Nach Auflösung der ständischen Verfassung durch die bayrische Herrschaft im Jahre 1806 verlor auch der Montafoner Landsbrauch seine Wirksamkeit.

Landsbrauch. Die Bestimmungen des Montafoner Hofbriefs stellen nach lokaler überhöhter Montafoner Standesgeschichtsschreibung so eine Art Verfassung dar, wie sie ja auch für den Bregenzerwald gerne in Anspruch genommen wird. Die Wirklichkeit dürfte jedoch in der Mitte zwischen Weistümern und Landsbrauch liegen, einer Art Landrecht aus Weisung und Satzung.

Weistümer.  Sie regeln seit dem Spätmittelalter meist das Verhältnis zwischen dem Grundherrn und seinen Hintersassen. Die Bedeutung der Weistümer liegt demnach in Aussagen über die Wirtschafts-, die Sozial- und die Rechtsgeschichte. Viele stellen sich als einfache Zusammenfassung des bäuerlichen Rechtsstoffes und/oder als Vereinbarungen zwischen der bäuerlichen Genossenschaft und der Herrschaft dar. So spielte etwa der herrschaftliche Waldbesitz und dessen Nutzung durch die Bauern auch im Montafon eine Rolle und teilt den Stand Montafon bis heute.

Der Landsbrauch ist also heterogen: Er besteht aus "gewiesenem" Gewohnheits-Recht, aus Kompromissen und Vereinbarungen zwischen den Genossen (Satzung) und mit der Herrschaft als auch obrigkeitlichen (An-)Ordnungen.

Erbrecht. Der Montafoner Landbrauch lässt sich in drei Kategorien teilen: 
  • Gerichtsordnung, 
  • Privilegien der Montafoner in güterrechtlicher Hinsicht und überwiegend: 
  • Erbrechtliche Vorschriften. 
Sie sollten angesichts zersplitterter nachbarschaftlicher Herrschaften und ebensolchen Rechtsystemen den bäuerlichen Familien Rechtssicherheit für ihr Familienleben und über ihr eigenes Leben hinaus für ihre Nachkommen leisten. 


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Mittwoch, 1. Juni 2022

[ #St.Gallenkirch ] Der Zuggawald Hof in Gargellen an der Via Valtellina


An der historischen Via Valtellina, liegt der eindrucksvolle Montafoner Paarhof "Zuggawald".

Das Bundesdenkmalamt berichtet auf seiner Website von einem interessanten Denkmalschutzprojekt im Montafon. An einem alten Säumerpfad von Vorarlberg in die Schweiz, der sogenannten Via Valtellina, liegt der eindrucksvolle Montafoner Paarhof "Zuggawald". Er ist in der für das Montafon typischen Stein-Holz-Mischbauweise errichtet und hat sich auf Grund der stetigen Bemühungen seiner Besitzer heute noch in tadellosem Zustand erhalten.

Saumweg. Vom Montafon in Vorarlberg bildet das Schlappinerjoch die Verbindung in die Schweiz und weiter nach Mailand. Hier wurden auf Saumrossen unzählige Handelsgüter zuerst nach Klosters ins Prättigau und dann weiter in den Süden gebracht. In der Gegenrichtung folgt heute der Weitwanderweg "Via Valtellina" den Spuren der Säumer. An diesem Säumerweg ist das Anwesen "Zuggawald" gelegen, das in der für das Montafon typischen Stein-Holz-Mischbauweise errichtet ist.

Durch einen in dicken Bruchsteinen gemauerten und verputzten Vorbau mit einem offenen Rundbogen betritt man den zweigeschossigen Wohnteil der in einer sehr steilen Hanglage erbauten Anlage. Bereits im Flur ist die schmale gewendelte Treppe ins Obere Geschoss in ihrer reinen Steinbauweise ein besonderer Blickfang. Dem massiven Teil des Wohngebäudes - Flur und der daran anschließenden Küche mit offenem Rauchabzug - ist ein Wohnbereich in Holzblockbauweise vorgelagert. Unter der Stube und der Nebenkammer befindet sich ein ursprünglich einräumiger Kellerraum, der von der Küche über eine Treppe erreicht werden kann.

Bautechnologie. Das - wie bei Paarhöfen üblich - ursprünglich nicht direkt verbundene Wirtschaftsgebäude ist wie der vordere Wohnbereich in Holzblockweise errichtet. Hier kommt auf Grund der unterschiedlichen Bearbeitung der Rundhölzer die spezielle Charakteristik der Montafoner Stallgebäude zum Ausdruck: Zur besseren Winddichtheit für die Viehställe wurden die Stämme behauen, tiefer ausgekerbt und zusätzlich die Zwischenräume mit Moos ausgestopft. Im Gegensatz dazu wurden im oberen Bereich des Heulagers zur besseren Durchlüftung die Balken mit größerem Abstand eingebaut. Die Dreiteilung der Heukammern im seitlich auskragenden Obergeschoss ist noch erhalten, wobei die mittlere davon als Dreschtenne gedient hat.

Dem Wohntrakt und dem Wirtschaftsgebäude wurde nun durch die im Auftrag des BDA ausgeführten dendrochronologischen Untersuchungen ein Entstehen um 1611/12 nachgewiesen.

Eine Seltenheit ist der in den Hang – zwischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude - an die Küche angebaute, tonnengewölbte Kellerraum. Dieser jedoch könnte früher entstanden sein: Eine Baufuge zwischen den beiden Räumen weist darauf hin, ebenso lässt die eingekerbte Jahreszahl 1590 an einem Stubenwandbalken und wieder verwendete Holzbalken (auf 1545 datiert) auf einen Vorgängerbau aus der Mitte des 16. Jh. schließen.

In einer weiteren Bauphase um 1730 wurde neben kleinen Änderungen im vorderen Kellerraum bergseitig die bestehende Stallscheune durch den Anbau eines Kleinviehstalles erweitert. Nordseitig wurde in den 1950er Jahren noch ein Anbau getätigt.

Zuggawald Hof. Auffallend gut erhalten ist die historische Ausstattung des "Zuggawald Hofes": Schon beim Eintreten sticht einem das barocke Türblatt der Eingangstüre, das neben geschwungenen Füllungen mit Christus und Marienmonogramm ein barockes Türschloss mit offener Mechanik besitzt, ins Auge. Die andern Türrahmen in beiden Geschossen zeichnet ein besonders niedriger Eselsrücken mit einem eingegerbten Kreuz als Türstock aus.

Als Heizung dient heute noch ein für die Region damals typischen gemauerten Ofen in der Stube und auf die Herdstelle in der Küche mit offenem Rauchabzug hat sich ebenfalls erhalten.

Die kunstvoll weiß umrandeten Sprossenfenster heben sich mit ihren grünen Läden vom dunklen Holz des Hauses ab und unterstreichen das Gesamterscheinungsbild des Hofes in traditioneller Montafoner Bauweise.

Beim Anwesen Zuggawald ist Dank des verantwortungsbewussten Umganges der Besitzer eine sehr seltene Verbindung von rätoromanischem Steinbau und alemannischem Holzbau erhalten geblieben. Im Hinblick auf die sich ansonsten durch den Tourismus stark verändernden Baulandschaft im Montafon zeigt sich hier sehr deutlich, wie wichtig die Rolle jedes einzelnen Bürgers bei der Bewahrung der Zeugnisse der gebauten Geschichte ist.

Die Anlage steht seit dem Herbst 2009 unter Denkmalschutz.


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Samstag, 2. April 2022

[ #Montafon ] Die Montafoner Oberschicht zwischen 1780 und 1830

[eText/PDF] Im Jahr 1808 wurde im Königreich Bayern eine neue Gemeindeordnung erlassen, die zusammen mit vielen anderen Neuerungen in den Jahren zwischen 1780 und 1830 einen bedeutenden gesellschaftlichen Wandel mit sich brachte.  

Die Bayern waren in Vorarlberg - entgegen den verbreiteten Freiheitskämpfermären ein Reformmotor für Vorarlberg und damit auch für das Montafon.

Für die Montafoner Führungsschichten hatten diese Veränderungen weit reichende Folgen. Die soziale Stellung der Eliten wurde in Frage gestellt. Die Umbrüche und von den Eliten geschürten Unruhen hatten bereits mit Maria Theresia und Josef II. eingeleitet. Die Bayrischen Jahre haben dann aber jene Veränderungen gebracht, welche ohne diese mit wesentlich mehr Reibungsverlusten hätten nur umgesetzt werden können.

Die Veränderungen begannen mit einem Bedeutungsgewinn für das Montafon. Kaiserin Maria Theresia bewilligte 1774 die Errichtung eines selbstständigen Gerichtes im Montafon und das Montafon erhält 1790 nach endgültiger verwaltungsmäßiger Trennung von Bludenz mit Johann Joseph Batlogg seinen ersten durch Kaiser Leopold II. ernannten Landamann und Richter. Aber schon 1796 wird im Kloster St. Peter in Bludenz der der Kreishauptmann Indermauer ermordet, woran auch die Montafoner Bürger waren beteiligt waren. Die Fortschritte waren Kirche und Montafoner Eliten nicht willkommen und auch die Aufwertung von Schruns als Sitz des Landegerichts Montafon durch die Bayern zu einem staatlichen Gerichts- und Verwaltungszentrum bedeutet zuerst einen Bedeutungsverlust für die reichen Montafoner Führungsschichten, welche sich die Verwaltungsposten teilten.

  

Armes Tal. Von 1822 – 1850 war Kreishauptmann Johann Nepomuk Ebner der oberste Landesbeamte und Landeshauptmann Vorarlbergs. Seine einzigartigen Tagebuchaufzeichnungen sind eine der wichtigsten Quellen für die Landesgeschichte Vorarlberg in der Zeit der Frühindustrialisierung. Er berichtete für das Jahr 1832, dass allein aus Vorarlberg 1800 bis 2000 Kinder ins Schwabenland gingen. 1834 sollen es allein aus dem Montafon 400 gewesen sein. Der Hauptteil waren meist Buben von 10 bis 16 Jahren, die das Vieh der Bauern beaufsichtigten. Mädchen wurden als Kindermädchen verwendet. Wie überhaupt viele der Männer aus dem Tal im Sommer als Verputzer, Maurer, Stukkateure und Krautschneider in Süddeutschland, der Schweiz und in Frankreich Arbeit suchen mussten. Auch zusätzlicher Verdienst als Sensenhändler, Ährenleserinnen und Hirten im benachbarten Ausland wurde versucht.

Die Bevölkerung im Montafon war also arm und die Bevölkerugnszahl stagnierte. Gegenüber 7.442 Einwohnern im Jahr 1754 erhöhte sich die Zahl zwar langsam auf 8.669 im Jahr 1837, ging in den folgenden Jahrzehnten aber sogar wieder auf den Stand der 1750er Jahre zurück.

Dagegen gab es sehr wohl Reiche und deren Einkommen resultierte - wie der Autor am Beispiel der Vermögensaufstellung von Oswald Tschohl für das Jahr 1809 deutlich zeigt -, nicht die Landwirtschaft sondern das Kreditgeschäft.

MMag. Michael Kasper. Geb. 1980, Lehramtsstudien Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, Geographie und Wirtschaftskunde (2006) sowie Katholische Religion (2008) in Innsbruck. Seit 2007 Stipendiat und Projektmitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethnologie der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Regionalgeschichte Tirol und Vorarlberg, Sozialgeschichte, Geschichte der Neuzeit.


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Freitag, 17. Dezember 2021

[ #Bludenz ] Vorarlberger Grenze: Von Pilgern und Pülchern


Erlass Landespraesidium Innsbruck 1819 © VLA

1819 wurden die Behörden angewiesen, Wallfahrten aus Bludenz und Montafon nach Einsiedeln in der Schweiz zu verhindern.

Pilger genossen durch die Zeiten einen mitunter zweifelhaften Ruf. Schon Maria Theresia ließ angesichts des aufkommenden Rationalismus ausufernde Wallfahrten als Müßiggang bekämpfen. Kaiser Joseph II. untersagte um 1780 überhaupt Wallfahrten, was zum Erlöschen so mancher Wallfahrt beitrug. Einer der Gründe, für die Untersagung weiter und mehrtägiger Wallfahrten war eben auch die Tatsache, dass es bei Nächtigung und Heimmarsch so heilig nicht zuging.

Auch schon das ganze Mittelalter hindurch spielten Pilger(ströme) natürlich auch eine Belastung für die ansäßige und am Wege liegende Bevölkerung, Mit Rechtsvorschriften wollte man die Gefahren einengen. Ja selbst die bepilgerten Orte, welchen ja durchaus daraus auch wirtschaftliche Erfolge erwuchsen, bemühten sich um Aufenthaltsbeschränkungen.

Obwohl im frühen Mittelalter prinzipiell nur wenig gereist wurde, gab es doch einige Gruppen, die nahezu dauernd unterwegs waren. Hierzu gehörten unter anderem Bettler, Gaukler, Wandergesellen, Hausierer, Musikanten, Korbflechter, Holzfäller, Lehrer, Priester, Wahrsager, Sterndeuter, Schatzgräber, Schausteller, Reliquienhändler, Puppenspieler, Fuhrleute, Bartscherer, Kaufleute und eben auch Pilger. Und mit den sich entwickelnden Verkehrswegen, mit dem Wachstum von Zentralstaaten wuchs auch die "wandernde" Bevölkerung. Für das 18. Jahrhundert dann geht die Geschichtswissenschaft von einem ständig wandernden Bevölkerungsanteil von mindestens zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Sinnsuche. Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten gelten in unseren Breiten als Phänomene katholischer Volksfrömmigkeit. Europa kennt ja bis heute noch eine unermessliche Zahl von Wallfahrtsorten, welche auch in säkuläreren Zeiten noch immer nicht nur ein touristisches Angebot sondern auch religiös motiviert sind: Die berühmten wie Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela, die jedes Jahr hunderttausende von Pilgern anziehen, und die unzähligen kleineren und kleinen wie Altötting, Einsiedeln, Mariazell, Kevelaer, Lourdes oder Tschenstochau, die häufig nur regionale Bedeutung genießen. Freilich hat die unendliche Zahl von Jakobswegen heute nur noch selten religiöse, häufig esoterische oder sportive Motive, von den Sinnsuchern bis hin zu jenen ehrgeizigen Sammlern von Jakobswegen mit einer Collect-them-all-Mentalität.

Pilger und Pülcher. In Metternichs Polizeistaat kamen bei Pilgerreisen ins Ausland politische Verdachtsmomente hinzu. Die Vorbehalte waren so groß, dass sich in der deutschen Sprache das positiv besetzte Wort Pilger auch zu einer Bezeichnung für einen Strolch geformt hat. Aus dem Pilger wird der Pülcher, ein Halbverbrecher, verdächtiges Subjekt.

Erlass Justiz- und Polizeikommission
St. Gallen 1834 © VLA
Samen der Schwärmerei. Am 10. September 1819 wies das Landespräsidium für Tirol und Vorarlberg die Behörden an, zunehmende Wallfahrten aus den Landgerichten Meran, Schlanders, Glurns, Nauders, Ischgl, Landeck, Bludenz und Montafon nach Einsiedeln in der Schweiz zu verhindern, da dadurch der "Samen der Schwärmerei" leicht auch ins Inland getragen werden könnte. Die Route führte über Feldkirch und Liechtenstein. Auch die St. Galler Regierung musste 1832 einen Beschluss vom 1. Oktober 1827 einschärfen, ausländischen Pilger ohne Papiere nicht einreisen zu lassen oder wieder über die Grenze abzuschieben, da sich häufig gefährliche Personen als Wallfahrer tarnten, um in den Kanton St. Gallen einzuschleichen.

Fremde Vagabunden. Das Wort Pilger kommt aus dem Lateinischen (peregrinus = ausländisch, eigentlich der außerhalb des ager romanus Wohnende). Schon darin liegt auch eine Ausgrenzung und es ist kaum vorstellbar, dass die mittelaterliche Welt den Fremden und das Fremde offener empfing als es heute geschieht. Selbst wenn man anerkennt, dass die Armen in der mittelalterlichen Gesellschaft auch eine wichtige soziale Funktion erfüllten, indem sie den Reichen erlaubten, sich durch Almosen auf ihre Kosten in das Himmelreich einzukaufen, so musste das Bettlen an den Pilgerrouten doch auch als Belastung empfunden worden sein. Pilger waren ja häufig auf das Betteln angewiesen, mussten also mit einem gewissen Nachdruck ihren Lebensunter- und Lebenserhalt organisieren, ganz zu schweigen von jenen, welche überhaupt nur vorgaben zu pilgern aber vom Bettel lebten.

Zu dem unbekannten Fremden und den verwirrend fremden Sitten, Gebräuchen, Sprachen und kulturellen Ausdrucksformen kam dazu, dass der Pilger-Ansturm per se nicht nur Fromme mitzog. Nicht nur wer vor Strafe, Schande und Gläubigern fliehen musste, konnte da gut untertauchen. Unter den Pilgern waren ja auch Personen die aus Buße für Verfehlungen die Pilgerreise antraten. Kaum zu glauben, dass sie auf der abenteuerlichen Pilgerreise die Disziplin finden konnten, neuerlichen Verfehlungen und Versuchungen zu widerstehen. Auch Wallfahrten, die ja beinahe ausnahmslos mit dem Versprechen des Sündenablasses verbunden waren, waren doch wohl kaum ein geeignetes Mittel die Rückfallquote zu senken.

Zudem wurden seit etwa Mitte des 13. Jahrhunderts Wallfahrten auch als Sühnemittel bei Vergehen wie Meineid, Unzucht, Betrug oder sogar Totschlag von weltlichen und kirchlichen Gerichten verhängt. Zwar wohl eher selten zugunsten der gemeinen Bevölkerung sondern einflußreicherer Kreise. So waren die Sühne- und Bußwallfahrten möglicherweise zwar auch mildere Strafen, welche die frühere Strafen des dauerhaften Exils, der Vertreibung, der Auswanderung ablösten. Man war mißliebige und unangenehme, vielleicht sogar gefährliche Zeitgenossen so zumindest auf Zeit los.

Diese Büßer spielten im mittelalterlichen Pilgerwesen eine bedeutende Rolle und dürften damit auch ihren Teil zum negativen Bild vom Pilger beigetragen haben. Ein mittelalterlicher Führer für Pilger, das Liber Sancti Jacobi warnte schon davor und selbst in Santiago de Compostela wurden Aufenthaltsbeschränkungen erlassen. Räuber, Diebe, Betrüger tummelten sich in den Pilgerscharen ebenso wie auch die Prostitution Angebot und Nachfrage fand.

Vorboten der Moderne. Die Pilgerreisen waren nicht nur Vorbote der modernen Reiselust und eine frühe touristische Attraktion, ein Abenteuerevent. Sie kannte auch die gezielte wirtschaftliche Nutzung und die Massenproduktion. Aus Einsiedeln wird für das Jahr 1466 der Verkauf von 130.000 Pilgerzeichen berichtet.

Massenproduktionen und bewegliche Lettern. Die Pilgerspiegel waren Gebilde aus Metall, Muscheln, Pergament oder Papier. Die metallenen meist als Flachrelief aus einer Legierung aus Blei und Zinn, gegossen in Modeln aus Schiefer oder Speckstein. Im 14. und 15 Jahrhundert war die Aachener Heiligtumsfahrt die größte Wallfahrt in Deutschland. Die Quellen berichten von bis zu 150.000 Pilgern. Von Johannes Gensfleisch Gutenberg wird berichtet, dass er von Strassburg aus um 1439 Aachen mit Pilgerzeichen versorgte. Aus diesem Geschäft und dem Gießen der Pilgerzeichen wird seine Erfindung der beweglichen Lettern, die Erfindung des modernen Buchdrucks hergeleitet.
 

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