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Mittwoch, 26. Juli 2023

[ #Arlberg ] St. Christoph am Arlberg: Die Mär von der Bruderschaft


Die Geschichte von Hospiz und Taverne, Kapelle und Bruderschaft, von Brücken, Wegen und Straßen, Säumern, Wirten und anderen Menschen an einem Alpenpass (Ende des 14. bis Mitte des 17. Jahrhunderts) als kostenloses eBook.


St. Christoph. St. Christoph liegt direkt unterhalb des Arlbergpasses (1793 m über der Adria.) an der Grenze zu Vorarlberg, zwischen Vallugagruppe der Lechtaler Alpen und Kaltenberggruppe des Verwallgebirges. Das Dorf umfasst etwa 25 Gebäude und gehört zur Gemeinde St. Anton am Arlberg.

Die häufigsten Erwähnungen über St. Christoph am Arlberg sind im Wesentlichen eine Geschichte der dortigen Bruderschaft, ergänzt durch Beiträge zur Verkehrsgeschichte. Robert Büchner zeigt eine andere Geschichte, gestützt auf umfangreiches neues Quellenmaterial und rollt noch einmal die Geschichte des Hospizes und der Kapelle seit 1386 auf.  


Marketing Bruderschaft. Danach muss das Bild korrigiert werden. Wichtigstes Ergebnis ist der Nachweis, dass die Bruderschaft zu St. Christoph reine Fiktion, eine Erfindung geschäftstüchtiger Almosensammler und Wirte war.

Aber nicht nur darüber ist zu lesen. Vor allem handelt das Buch von jenen Menschen, die am und vom Arlberg lebten oder ihn überquerten. Seit Ende des 15. Jahrhunderts bis in die Zeit Kaiser Josefs II. führte nur ein Saumweg über den Arlberg, und der Verkehr wurde von Säumern aus Vorarlberg und der Schweiz bestimmt, die Schmalz nach Innsbruck und Hall brachten und von dort Salz zurücktransportierten. Daneben kommen Wegmacher, Bergführer, Vieh- und Salzhändler, Bergleute, Wächter, Postboten, Soldaten, Pilger, Reisende, Kaufleute, Bettler, fahrendes Volk, Gesindel u. a. zu Wort. Für sie war der Arlberg einmal, gelegentlich, häufiger oder immer Station und Mittelpunkt ihres Lebens und sie hatten gelernt, sich an die raue Natur im Hochgebirge anzupassen, mit Nebel, Sturm, Eis, Schnee, Lawinen, Muren, Steinschlag, Felssturz, Hochwasser, Wetterumschwung zu leben.

Der Autor. Robert Büchner war Professor für Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit an der Universität Innsbruck und ist Spezialist für spätmittelalterliche Alltags- und Sozialgeschichte.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den INHALT: 
Vorwort
Teil 1: DAS HOSPIZ
1. Die Alpen in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reiseberichten 3
2. Alpenpass und Hospiz 14
3. Der Arlberg, Heinrich Findelkind und die Gründung des Hospizes auf dem Arlberg (1386)  22
3.1 Der Verkehr über den Arlberg  22
3.2 Heinrich Findelkind und die Stiftung des Hospizes auf dem Arlberg 27
3.3 Die Hilfsrnaßnahmen zur Rettung von Reisenden 31
3.4 Die ersten Förderer Heinrich Findelkinds nach der Münchner
Totenliste    34
3.5 Ein angeblicher Hospizverein vor 1386  45
3.5.1 Wolhon Züllnhart  45
3.5.2 Fürst Johann 11. von Anhalt 47
3.5.3 Herr Johannes \Veissegradt  48
4.0 Die Almosensammler 50
4.1 Die Antoniter  51
4.2 Das St. Bernhard-Hospiz  53
4.3 Andere Kirchen, Klöster, Spitäler  55
4-4 St. Chnstoph auf dem Arlberg 56
4.4.1 Die Ablass- und Almosenbriefe  57
1-. t.2 Die Boten vom Arlberg und ihre Almosenfahrten  63
4.4.3 Spender und Spenden  69
4.4.1 Nachlassen der Spenden und Ende der Almosenfahrten 75
5 Heinrich Findelkind und Ulrich Moseck    83
6. Die "Bruderschaft" St. Christoph im 14. und 15. Jahrhundert  90
6.1 Bruderschaften allgemein   92
6.2 Bruderschaften in Tirol   93
6.3 Orden und Bruderschaft 95
6.4 Auf der Suche nach der mittelalterlichen Bruderschaft St. Chnstoph 96
6.4.1 Die Ablass- und Almosenbriefe  96
6.4.2 Der Begriff "Bruderschaft" in den Wappenbüchern 98
6.4.3 Der Tiroler Adel und St. Christoph auf dem Arlberg  102
6.4.4 Rudolfvon Lassberg und Jörg von Zwingenstein 107
6.4.5 Fehlende Organisation  111
6.4.6 Die angebliche Bruderschaftsfahne von 1406  113
7. Der Plan zur Errichtung eines Karmeliterklosters auf dem Arlberg (1404) 115
8. Die Wappenbücher vom Arlberg  119
8.1 Vigil Raber  119
8.2 Veit Graf vom Thurn und Freiherr zum Kreuz  121
8.3 Die Entstehung des Codex NLA und seine Vorlagen 124
8.3.1 Codex Figdor  125
8.3.2 Codex Wien  127
8.3.3 Codex München  129
8.3.4 Die verschollenen Vorlagen 131
9. Das Hospiz zu St. Christoph: Gebäude, Ausstattung, Gastlichkeit 134
Teil 2: KAPELLE UND TAVERNE, WEGE, STRASSEN, BRÜCKEN UND IHRE BENUTZER
1. Der Bau der Kapelle 141
2. Die Ausstattung der Kirche  146
3. Der Friedhof  149
4. Stephan Hofkircher und die Kaplanspfriinde von 1421  152
5. Die Kirchtage auf dem Arlberg  158
6. Die Taverne 160
7. Fahrstraße und Saumpfad, Wegzoll und Wegmachen   164
7.1 Die Fahrstraße über den Arlberg  165
7.2 Der Saumweg über den Arlberg  170
7.3 Die Fahrstraße durch das Tannheimer Tal und die Verbesserung der Straße über den Fernpass  173
7.4 Pläne zur Wiedererrichtung einer Fahrstraße über den Arlberg174
7.5 Schneebrechen und Bergführer    185
7.6 Lawinen und andere Naturkatastrophen  189
8. Warenverkehr  193
8.1 Viehhandel 199
9. Die Säumer  204
9.1 Salz gegen Schmalz 207
9.2 Weide und Heu, Verköstigung und Quartier 210
9.3 Unterbrechungen des Saumverkehrs  213
9.3.1 Seuchen  214
9.3.2 "Verschnibne" Säumer  217
9.4 Pfandungen 220
9.5 Abwege  223
9.6 Nebenbeschäftigung oder Hauptberuf    228
10. Bergleute 232
11. Soldaten     238
11.1 Befestigung und Kriegswachen 242
12. Seuchen und Sterbhut  246
13. Post  261
14. Fahrendes Volk, herrenloses Gesindel   271
14.1 Gartende Landsknechte   272
14.2 Falsche Pilger   273
14.3 Handwerker auf der Wanderschaft und Stör  275
14.4 Ausländische Hausierer   275
14.5 "Starke" und fremde Bettler 278
14.6 Zigeuner  280
Teil 3: DIE WIRTE
1. Wolfgang Zängerl
2. Ulrich Schweicker
2.1 Regulierung der Preise fur Speisen  289
3. Claus Linser    291
4. Adam Regenspurger und seine Konkurrenten 295
4.1 Ulrich Ärni 296
4.2 Anthoni Matt   297
4.3 Peter Rodt  299
4.4 Adam Regenspurger 300
5. Hans Weissenbach   302
6. Hans Gom    305
7. Hans Schueler    308
7.1 Der Pachtvertrag von 1581  309
7.2 Krankentransport  312
7.3 Wirt auf dem Arlberg  314
7.4 Wirt im tanzertal 316
7.4.1 Familie  316
7.4.2 Der Wirt und die Saumer  317
7.4.3 Grundbesitz und Landwirtschaft, Kredit und Handel 319
7.4.4 treitigkeiten und Prozesse. 324
7.4.5 Leben abend   333
8. Jonas Dietrich  337
8.1 Inventar der Fahrnis im Tal 339
8.2 Inventar der Fahrnls auf dem Arlberg  341
9. Christof Weißkopf 344
10. Cristan Krissimer   347
11. Crisostimus Amann     350
12. Oswald Hueber     353
13. Cristan Seeberger 355
13.1 Familie  356
13.2 Grundbesitz, Geschäfte, Schulden 357
13.3 Wirt auf dem Arlberg    361
14. Hans Fritz 367
15. Josua Zürcher  371
15.1 In Perfuchs (Landeck) 371
15.2 In Grins  372
15.3 Wieder in Landeck 375
15.4 Wirt auf dem Arlberg  376
15.5 In Graf    379
16. Bonifazius Schueler     383
17. Hans Amann  387
17.1 F1üchtlinge  388
17.2 Die Arlberg- oder St. Christophalpe (Alpstern)    389
18. Resumee und Vergleich    393
Teil 1: DIE BRUDERSCHAFT DES 16. UND 17. JAHRHUNDERTS
1. Die "Bauern"-Bruderschaft  409
2. Der Zugriff der Bruderschaft auf Kapelle und Gasthaus auf dem Arlberg 413
3. Die Gebäude von Wirtshaus und Kapelle zu St. Christoph im
17. Jahrhundert 425
4. Jacob Feuerstein und die Konfirmation der angeblich "uralten" Bruderschaft  427
4.1 Falsche Interpretationen, unterschlagene Dokumente  427
4.2 Erfindungen  433
4.3 Fälschungen  434
5. Die neue Bruderschaft   438
5.1 Statuten, Organisation, Mitglieder  438
5.2 Jacob Feuerstein  440
5.3 Das Ende  445
Zusammenfassung    447
ANHANG
1. Pfleger von Landeck 1377-1651
2. Richter von Landeck 1385-1670
3. Pfarrer von Zams 1379-1657   461
4. Wirte zu St. Christoph 1518-1659 462
5. Falkenbundmitglieder, die für St. Christoph spendeten 463
6. Abkürzungen und Sigeln  465


Dienstag, 7. Februar 2023

[ #Arlberg ] Historische Schneeräumung "Schneebrechen" am Arlberg

Ortskern St.Christoph mit dem Hospiz vor dem Arlbergpass
jorchr, St. Christoph am Arlberg, CC BY-SA 3.0

Die Wintermaut am Arlberg war schon um 1630 preisgeregelt.

Von 1450 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Pass nur als Saumpfad und weitgehend nur lokal genutzt. Trotzdem erforderte der lokale Verkehr eine Winterräumung des Arlbergpasses. Das Anlegen einer für Fußgänger, Saumtiere und Schlitten benutzbaren Trasse nannte man  damals „Schneebrechen“. Das Freihalten des Passweges scheint wichtig gewesen zu sein, aber wohl mindestens ebenso die Preisregelung der Mautgebühren.

Mittelalter. Schon seit dem Mittelalter wurde der Arlbergpass nach Möglichkeit auch im Winter für Reisende und den Warenverkehr offengehalten. Als Raststation und Zufluchtsort diente das 1386 von Heinrich Findelkind (auch: Heinrich von Kempten) in St. Christoph gegründete Hospiz. Der Arlbergpass hatte aber lange keine große Bedeutung, auch wenn er mit seiner relativ niedrigen Passhöhe und vergleichsweise kurzen Wintersperre die Konkurrenz ausstechen hätte können.

Hauptgegner Lindau. Schuld daran war wohl die Konkurrenz, insbesondere die Interessen der Lindauer und anderer schwäbischer Städte, welche beim Kaiser erfolgreich intervenierten, damit der Ausbau des Arlbergpasses unterblieb. Schließlich wollten sie alle ihre Zollstätten erhalten.

Anordnungen des Vogteiamts
Bludenz 1633, 1631
Gleichwohl ist schon ab dem Jahre 1218 eine Regelung des Saumverkehrs am Arlberg nachzuweisen. Bereits 1312 wurde am Beginn des Arlbergweges in Landeck/Perfuchs ein Wegegeld erhoben, das für den Erhalt und auch Ausbau des Weges dienen sollte. Aus dem Jahr 1330 stammt auch die erstmalige Erwähnung von Stuben (am Arlberg, Ortsteil von Klösterle), als Poststation, „des Kaisers höchste Stuben“. Der Name Stuben stammt nach dieser Überlieferungen von der Bezeichnung „Wärmestube“ ab - Stuben war letzter Ort für Rast und Einkehr vor der Arlbergpasshöhe und in den langen Wintern die letzte Wärmestube für die Fuhr- und Säumleute. 

1363 kam Tirol zu Habsburg. Habsburger und Montforter teilten sich noch das heutige Vorarlberg. Die Grafen von Montfort-Feldkirch begünstigten verständlicherweise den Zugang von Feldkirch via Bludenz zum Arlberg und konnten so auch Bregenz wirtschaftlich überflügeln. Auf dem Fahrweg setzte verstärkter Verkehr ein, wobei dem Transport von Handelswaren aller Art, insbesondere dem Salztransport und den militärischen Gütern samt Truppenbewegungen größte Bedeutung zu kam. Die Dörfer dies- und jenseits des Arlbergs erblühten und neue Siedlungen entstanden. Freilich änderte sich das mit den Appenzellerkriegen. In der Folge verlor der Arlberg nach und nach seine wirtschaftliche Bedeutung. Auch das ehemals begehrte Konstanzer Leinen verlor an Nachfrage und wurde durch Baumwolle verdrängt, sofern es überhaupt den Weg über den Arlberg gefunden hatte.
Sturz des Papstes Johannes XXIII. (Gegenpapst) auf der Fahrt über den Arlberg
zum Konstanzer Konzil (Richental-Chronik) Wikimedia

Konzil. Nur während des Konstanzer Konzils (5. November 1414–22. April 1418) stieg die Bedeutung des Arlbergs. Papst Johannes XXIII. (Gegenpapst) kam selbst nach Konstanz und eröffnete das Konzil am 5. November 1414. Er reiste über den Arlberg(pass) zum Konzil an, stürzte dort auch prompt samt seinen Wagen dann auch auf der Passhöhe in den tiefen Schnee. Der Papst soll sogleich den Teufel dafür verantwortlich gemacht haben. Auf seiner Flucht aus Konstanz vermied er den Arlbergpass. Nach dem Konzil versank der Arlbergpass wieder zu bloß regionaler Bedeutung. Im Laufe des 15. Jahrhunderts verfiel die Straße über den Arlberg derart, dass er mit Wagen nicht mehr befahrbar war. Wegen des schlechten Zustandes mied man den Arlberg ab ca. 1450 über Jahrhunderte hinweg und nahm weite Umwege über den Fernpass in Kauf. Von 1450 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Pass nur als Saumpfad und weitgehend nur lokal genutzt.

Noch 1788 hatte Johann Wolfgang von Goethe den Lindauer Boten (Mailänder Bote, war ein Transportdienst zwischen den Städten Lindau und Mailand) für die Überquerung der Alpen anlässlich seiner ersten Italienreise 1788 genutzt. Die Reisedauer betrug für die etwa 325 Kilometer mehr als 5 Tage und führte per Schiff von Lindau nach Fußach, per Pferd oder Wagen durch das Rheintal, über die Via Mala per Pferd oder zu Fuß über den Splügenpass und, nach Überquerung des Comersees, nach Mailand.

Schneeräumung und Preisregelung. Trotzdem erforderte der lokale Verkehr eine Winterräumung des Arlbergpasses. Das Anlegen einer für Fußgänger, Saumtiere und Schlitten benutzbaren Trasse nannte man damals „Schneebrechen“. Das Freihalten des Passweges scheint wichtig gewesen zu sein, aber wohl mindestens ebenso die Preisregelung der Mautgebühren.

Das Vorarlberger Landesarchiv berichtet in der Archivale1/2012:
Es war Pflicht der Anrainer, auf Vorarlberger Seite der Bewohner von Klösterle und Stuben, die dafür von den Reisenden ein „Bruchgeld“ einheben durften. Nachdem ein Ortskundiger die Route sondierte hatte, legten ein bis zwei Pferde eine Spur, die von Fußgängern, die Rinder und Pferde mit sich führten, verbreitert und zu einer festen Bahn getreten wurde. Zuletzt glättete man den Winterweg mittels einer an einem Schlitten quer gespannten Kette und markierte ihn mit Stangen. Wenn es weitere Schneefälle oder Verwehungen notwendig machten, musste diese mühevolle Arbeit erneut verrichtet werden.
In diesem Sinn befahl Hans Jakob Rudolf, Untervogt von Bludenz, am 5. Januar 1633 den Geschworenen von Klösterle und Stuben, die dortigen Untertanen unverzüglich zur Öffnung des passwegs anzuhalten, sobald „nit lewsorg“ (Lawinengefahr) bestünde. Rudolf schrieb seine Anordnung auf einen gleichlautenden, im November 1631 ausgefertigten Auftrag des Bludenzer Vogts Ulrich von Ramschwag, in dem als Entschädigung ein „Bruchgeld“ in der Höhe von vier Kreuzer je „Reitroß“ bzw. drei Kreuzer je Saumpferd festgelegt worden war.

Vorarlberg. Berge wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts nur in Ausnahmefällen bestiegen und waren vor allem ein Hindernis auf dem Weg zur anderen Seite. Über die Berge ging man bis dahin immer über den effizientesten pass. Im 14. Jahrhundert vergaben die Grafen von Montfort noch unbesiedelte Gebiete (Tannberg, Kleinwalsertal und Großwalsertal) im Erblehen an die als gute Viehzüchter, Sennen, Söldner und Säumer, Wehrbauern bekannten Walser. In der Sprache der Walser bedeutet Berg bis heute einen passübergang sowie das Gebiet zu beiden Seiten.

Der Name Vorarlberg ist damit auch ein multikulturelles Phänomen. Mit dem Untergang der Walsersprache im 19. Jahrhundert wurden deren Flurnamen größtenteils übernommen. Arlberg bezeichnet damit die Passhöhe und keineswegs einen Arl(en)berg. In diesem Sinne sind Arlberg und Arlbergpass identisch, das beigefügte Wort "pass"eigentlich eine Verdoppelung, eine Tautologie, ähnlich dem Wort "Hochaltar".

Der „Arl“ gab auch der 1406 in den Appenzellerkriegen zerstörten „Burg Arlen“ auf der Tiroler Seite den Namen. Vom Namen Arlberg leitet sich in der Folge auch der Name Vorarlbergs ab, welches – aus Sicht des Heiligen Römischen Reiches als auch der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie der Burg der Habsburger – vor dem Arl(berg)pass liegt. Die Verwendung von Arlberg und Arlbergpass ist auch heute nicht eindeutig, was dazu führt, dass man den Namen weiter (mit: -straße, -bahn, -tunnel, -gebiet) verwendet, obwohl weder Arlbergbahn noch -tunnel über den Pass führen.


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Samstag, 21. Januar 2023

[ #Arlberg ] Schipionier Hannes Schneider: Der weiße Rausch


In der Geschichte des Vorarlberger Schipioniers Hannes Schneider, der in dem Dorf Stuben am Arlberg geboren ist, verdichtet sich die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts auf eine eigenartige Weise. 

Hannes Schneider (Johann Schneider * 24. Juni 1890 in Stuben am Arlberg / Klösterle; † 26. April 1955 in North Conway, New Hampshire, USA) ist jener  Vorarlberger, welcher den Schilauf  revolutionierte. Als erster leitete er dazu an, in den Kurven das Gewicht zu verlagern, um dann die Schier mit einem kräftigen Schwung in die richtige Bahn zu lenken. Für Schussfahrten ging er in die "Arlberg-Hocke". Seine spektakuläre Technik zog immer mehr Menschen an und der Pionier gründete im Winter 1921/22 die erste Schischule der Welt.

Filmstar. Die Popularität steigerte sich vor allem durch die Schifilme von Dr. Arnold Fanck, der in Schneider einen kongenialen Partner zur Umsetzung seiner Ideen fand. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war Fanck auf Hannes Schneider aufmerksam geworden. Mit ausgesuchten Kameramännern präsentierte er 1920 schließlich im Film „Wunder des Schneeschuhs" den Schilauf der damaligen Zeit im Film, wobei die Fahrweise Hannes Schneiders die Umsetzung erst ermöglichte.


Das gleichnamige Lehrbuch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es folgten weitere Filmproduktionen, die teilweise – wie etwa „Der große Sprung" – in Stuben am Arlberg , dem Geburtsort von Hannes Schneider, gedreht wurden. Die größte Breitenwirkung erzielte der 1931 produzierte Tonfilm „Der weiße Rausch", in dem Hannes Schneider neben der Hauptdarstellerin Leni Riefenstahl in der Rolle "Leni" zu sehen ist. Auch wenn der Film, der in Österreich unter dem Titel "Sonne über dem Arlberg" vertrieben wurde,  eine recht dünne Handlung hat, so hat er doch für den Wintersport und den Wintertourismus eine enorme Bedeutung erreicht.

Staatssekretär Guido Schmidt mit Bundeskanzler Schuschnigg (Mitte) und Hannes Schneider (links) 1937 in St. Christoph am Arlberg

Verhaftung. Wenig bekannt ist, dass sich Hannes Schneider mit den Nationalsozialisten angelegt hatte. In den Morgenstunden des 13. März wird Hannes Schneider verhaftet und in das Gefängnis von Landeck verbracht. Dort waren neben vielen Geschäftstreibenden und Funktionären der Vaterländischen Front und anderen politischen Funktionären auch der damalige Landecker Bezirkshauptmann  inhaftiert.  Gegen Schneiders Verhaftung wehrte man sich nicht nur in St. Anton, auch aus dem Ausland wurde interveniert, nicht zuletzt von Arnold Lunn, dem britischen Skiverbandspionier, der 1927 mit Schneider das Arlberg-Kandahar-Rennen ins Leben gerufen hatte. Am 6. April wird Schneider endlich freigelassen, darf aber nicht nach St. Anton zurückkehren. Zu groß war der Widerstand und der Neid der Nazis gegen den erfolgreichen Hannes Schneider. Andere Hoteliere hofften wiederum auf die deutschen Gäste.

Zum Vorwurf wurde Schneider aber nicht nur sein geschäftlicher Erfolg gemacht, sondern seine "Judenfreundichkeit".  Er unterband in seiner Schischule von Anfang an antisemitische Umtriebe. Seine Freundschaft mit dem Juden Ing. Rudolf Gomperz, der 1904 nach St. Anton am Arlberg gekommen war, und zusammen mit ihm Unglaubliches für den Tourismus und den Schisport geleistet hatte.

Gleich nach dem Anschluß an das deutsche Reich wurde Ing. Gomperz, der nach den Nürnberger Rassengesetzen als Jude galt - wiewohl er längst zum Protestantismus konvertiert war - , aus allen Ämtern enthoben und von der Gestapo angewiesen, St. Anton zu verlassen.  Um seine beiden Söhne vor Verfolgungen zu schützen, kommen er und seine Frau, sie ist "arisch", auf eine ungeheure Idee. Die Frau erklärt den Behörden, die Söhne seien nicht von ihrem jüdischen Gatten. Tatsächlich bekommen die Söhne so einen Arier-Ausweis. Die St. Antoner Bürger ziehen sich völlig von Gomperz und seiner Frau zurück und es setzt eine Art Kesseltreiben gegen sie ein. Auch ihre finanzielle Lage wird immer schwieriger. 1942 muss Gomperz auf Veranlassung der Nationalsozialisten seinen Wohnsitz nach Wien verlegen. Er wird von dort in einem der so genannten "Judentransporte" nach Minsk deportiert. Von diesem Transport überlebt nur einer. Seine Frau hört nie mehr etwas von ihrem Mann.

Auswanderung in die USA. Abenteuerlich ist auch Schneiders Weg in die Vereinigten Staaten. Hanno Loewy (Wunder des Schneeschuhs? Hannes Schneider, Rudolf Gomperz und die Geburt des modernen Skisports am Arlberg) zeichnet diesen Weg nach: "1937 hatte der aus North Conway stammende Präsident der Manufacturers Hannover Bank Harwey Dow Gibson, das Skigebiet erworben und begonnen, es in großem Stil mit der Errichtung eines eigenwilligen Skiliftes, dem Skimobil, auszubauen. Seine Funktion als Vorsitzender des Kongress-Komitees für kurzfristige Auslandskredite an Deutschland brachte ihm zugleich die Chance, den 'Vater des modernen Skilaufs' in die USA abzuwerben. Seine Verhandlungen mit Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht blieben geheim. Aber im Januar 1939 konnte Hannes Schneider seiner Familie in St. Anton mitteilen, dass man sich in Paris treffen werde, um auf große Reise zu gehen. Am 9. Februar kommen sie mit der Queen Mary von Cherbourg in New York an. Zwei Tage später wird Hannes Schneider in North Conway triumphal empfangen."


Der Hindukusch am Arlberg. Ebenso lehrreich ist Schneiders Intiative für das Kandahar Rennen in St. Anton. Das Arlberg-Kandahar-Rennen war schon vor Winter-Olympiade und FIS-Weltmeisterschaften eine Institution im alpinen Schisport. Kandahar, die Stadt in Afghanistan spielt eine Schlüsselrolle im aktuellen politischen Geschehen am Hindukusch. Doch welche Verbindung besteht zwischen dem Traditions-Skiwettbewerb und der Stadt Kandahar, die seit 200 Jahren Unruheherd und Schauplatz erbitterter Kämpfe ist? Die Engländer waren Anfang der 1920er Jahre des vorigen Jahrhunderts, was Skireisen anbelangte, allen anderen europäischen Ländern voraus. Und da die Briten mit Bergen wenig gesegnet sind, tummelten sie sich überall in den Alpen. Auf Bitten von Sir Arnold Lunn, einem der britischen Skipioniere und unermüdlicher Kämpfer um die Anerkennung der alpinen Disziplinen Abfahrt und Slalom, stiftete der Brite und Vizepräsident der "Public School of Wintersport", Frederick Roberts, 1911 einen Pokal für ein Abfahrtsrennen. Roberts hatte 1879 als Kommandant der britischen Streitmacht im zweiten Afghanischen Krieg die britische Garnison in Kandahar befreit. In Anerkennung seines Sieges wurde er zum "Earl of Kandahar" ernannt. Das Rennen wurde somit zur "Challenge Roberts of Kandahar". Sir Arnold Lunn intervenierte bekanntlich auch gegen die Inhaftierung von Hannes Schneider erfolgreich beim Deutschen Reich.

Filmografie:
  • DAS WUNDER DES SCHNEESCHUHS.  D 1919/20, Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; Drehbuch: Arnold Fanck, Deodatus Tauern; Kamera: Sepp Allgeier, Arnold Fanck; Schnitt: Arnold Fanck; 1822m. Darsteller: Hannes Schneider, Ernst Baader, Sepp Allgeier, Arnold Fanck, Bernhard Villinger.
  • IM KAMPF MIT DEM BERGE. D 1921, Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Sepp Allgeier, Arnold Fanck; Musik: Paul Hindemith; Schnitt: Arnold Fanck; 1536m. Darsteller: Ilse Rohde, Hannes Schneider.
  • DAS WUNDER DES SCHNEESCHUHS. 2.TEIL: EINE FUCHSJAGD AUF SKIERN DURCHS ENGADIN. D 1921/22, Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Sepp Allgeier, Arnold Fanck; Schnitt: Arnold Fanck; 2466m. Darsteller: Hannes Schneider, Ernst Baader, Hans Schneeberger, Dagfin Carlsen, Vigo Christensen u.a.
  • DER BERG DES SCHICKSALS. EIN DRAMA AUS DER NATUR. D 1923/24 Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; in Zusammenarbeit mit Alpenfilm AG; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Arnold Fanck, Hans Schneeberger, Herbert Oettel (Außen), Eugen Hamm, Sepp Allgeier (Innen); Schnitt: Arnold Fanck; 2432m. Darsteller: Hannes Schneider, Erna Morena, Frida Richard, Luis Trenker, Gustav Oberg, Hertha von Walther.
  • DER HEILIGE BERG.  D 1925/26 Regie: Arnold Fanck; Produktion: Universum-Film AG (Ufa); Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Helmar Lerski, Hans Schneeberger (Innen), Sepp Allgeier (Außen); Musik: Edmund Meisel; Schnitt: Arnold Fanck; 3100m. Darsteller: Leni Riefenstahl, Luis Trenker, Ernst Petersen, Frida Richard, Friedrich Schneider, Hannes Schneider.
  • DER WEISSE RAUSCH  D 1930/31Regie: Arnold Fanck; Produktion: H. R. Sokal-Film GmbH; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Richard Angst, Kurt Neubert (Außen), Hans Gottschalk (Innen); Musik: Paul Dessau; Schnitt: Arnold Fanck; 2565m. Darsteller: Leni Riefenstahl, Hannes Schneider, Guzzi Lantschner, Walter Riml, Rudi Matt u.a.

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Dienstag, 6. September 2022

[ #Vorarlberg ] Vorarlberg auf der Mercator Europakarte

British Library - Online Gallery: Teil von Vorarlberg:
The Tyrol and part of Lombardy, f.28

Die British Library hat in ihrer Reihe "Turning the Page" Mercators Europakarte von 1554 digitalisiert online gestellt. 

Das fast 100seitige Werk zeigt auch eine Karte "Tyrolis" in der Teile Vorarlbergs dargestellt sind: Vom Arlberg übers Klostertal nach Bludenz bis Feldkirch und das Montafon mit dem "Illfluß".
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!

 

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Donnerstag, 9. Juni 2022

[ #Arlberg ] Technischer Bericht über das Projekt der Arlberg-Bahn (Bludenz-Landeck) aus dem Jahre 1872 online


Am 14. Juni 1880 beginnt man mit den Bauarbeiten an der Ostseite des Arlberg-Tunnels und am 22. Juni an der Westseite des Arlberg-Tunnels. 

Aber bereits 1872 schien alles fertig projektiert. Diesen Eindruck hinterlässt jedenfalls der als Retrodigitalisat im Internet vorliegende Technische Bericht des im Auftrag k.k.Handels-Ministers vorgelegte Bericht der Bau-Abteilung der österreichischen Eisenbahnen.


Am 20. September 1884 eröffnete Kaiser Franz Josef feierlich die Arlbergbahn. In nur vier Jahren Bauzeit war die faszinierende, von Julius Lott geplante Gebirgsstrecke mit dem mehr als 10 Kilometer langen Arlbergtunnel gebaut worden, welche Vorarlberg mit den restlichen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie verband.

Bereits in den 1850er Jahren befasste man sich mit dem Bau einer Arlbergbahn. Doch die Pläne gelangen so schnell nicht. Besonders verdient machte sich dabei der liberale Feldkircher Textilindustrielle und Präsident der Handelskammer Feldkirch: Carl Ganahl.








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Freitag, 16. Juli 2021

[ #Arlberg ] Alpine Verkehrskultur am Arlbergweg von Landeck bis Bludenz


Für Vorarlberg bietet sich am Arlberg eine echte Chance, einen Erlebnisweg anzubieten.

Im Bemühen, die Sommersaison zu beleben, versuchen Touristiker immer häufiger, die von den Sommergästen vorrangig nachgefragten Wanderangebote zu verbessern. Das Vorarlberger Wanderwegenetz ist auch in dieser Richtung eine Attraktion.

Kulturweg Alpen. Meistens sind diese Wege aber nur lokale und räumlich recht begrenzte Wege und überregionale Angebote sind noch kaum entwickelt, wiewohl es sie auch andernorts gibt. So haben die Schweizer Naturfreunde schon 1999 einen „Kulturweg Alpen - zu Fuss vom Lac Léman ins Val Müstair" lanciert. Die Initiative "Get-Together" führt beispielsweise eine Sprachenwanderung durch die vier Schweizer (Amts-)Sprachenregionen.

Arlbergweg. Möglichkeiten bieten sich auch in Österreich, wurden bis jetzt aber noch nicht in dieser professionellen Weise genutzt. Für Vorarlberg bietet sich am Arlberg eine echte Chance, einen Erlebnisweg auf vergleichbarem Niveau anzubieten. Auf der Grundlage des 1995-99 erarbeiteten Wanderwegekonzeptes Klostertal wäre ein solcher Schaupfad zwischen Bludenz und St.Christoph auch bereits kurzfristig realisierbar. Freilich könnte die Gesamtattraktivität eines Arlbergweges wesentlich gehoben werden, wenn er nicht am Pass enden, sondern auch durch das Stanzertal bis Landeck führen würde. Für alle Überlegungen in dieser Richtung müssen aber vorweg grundsätzliche Fragen der Machbarkeit abgeklärt werden.

Free eBook. Eine Vorstudie über die historisch-geographischen Voraussetzungen für einen verkehrsgeschichtlichen Erlebniswanderweg über den Arlberg wurden im Auftrag des Amtes der Vorarlberger Landesregierung, von der Abteilung VIIa - Raumplanung - unter Federführung von Helmut Tiefenthaler - bereits durchgeführt und in der gegenständlichen Publikation veröffentlicht. Die Arbeit enthält jede Menge verkehrsgeschichtliches Material und harrt auf entsprechende Wanderinitiativen.

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