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Samstag, 21. Januar 2023

[ #Arlberg ] Schipionier Hannes Schneider: Der weiße Rausch


In der Geschichte des Vorarlberger Schipioniers Hannes Schneider, der in dem Dorf Stuben am Arlberg geboren ist, verdichtet sich die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts auf eine eigenartige Weise. 

Hannes Schneider (Johann Schneider * 24. Juni 1890 in Stuben am Arlberg / Klösterle; † 26. April 1955 in North Conway, New Hampshire, USA) ist jener  Vorarlberger, welcher den Schilauf  revolutionierte. Als erster leitete er dazu an, in den Kurven das Gewicht zu verlagern, um dann die Schier mit einem kräftigen Schwung in die richtige Bahn zu lenken. Für Schussfahrten ging er in die "Arlberg-Hocke". Seine spektakuläre Technik zog immer mehr Menschen an und der Pionier gründete im Winter 1921/22 die erste Schischule der Welt.

Filmstar. Die Popularität steigerte sich vor allem durch die Schifilme von Dr. Arnold Fanck, der in Schneider einen kongenialen Partner zur Umsetzung seiner Ideen fand. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war Fanck auf Hannes Schneider aufmerksam geworden. Mit ausgesuchten Kameramännern präsentierte er 1920 schließlich im Film „Wunder des Schneeschuhs" den Schilauf der damaligen Zeit im Film, wobei die Fahrweise Hannes Schneiders die Umsetzung erst ermöglichte.


Das gleichnamige Lehrbuch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es folgten weitere Filmproduktionen, die teilweise – wie etwa „Der große Sprung" – in Stuben am Arlberg , dem Geburtsort von Hannes Schneider, gedreht wurden. Die größte Breitenwirkung erzielte der 1931 produzierte Tonfilm „Der weiße Rausch", in dem Hannes Schneider neben der Hauptdarstellerin Leni Riefenstahl in der Rolle "Leni" zu sehen ist. Auch wenn der Film, der in Österreich unter dem Titel "Sonne über dem Arlberg" vertrieben wurde,  eine recht dünne Handlung hat, so hat er doch für den Wintersport und den Wintertourismus eine enorme Bedeutung erreicht.

Staatssekretär Guido Schmidt mit Bundeskanzler Schuschnigg (Mitte) und Hannes Schneider (links) 1937 in St. Christoph am Arlberg

Verhaftung. Wenig bekannt ist, dass sich Hannes Schneider mit den Nationalsozialisten angelegt hatte. In den Morgenstunden des 13. März wird Hannes Schneider verhaftet und in das Gefängnis von Landeck verbracht. Dort waren neben vielen Geschäftstreibenden und Funktionären der Vaterländischen Front und anderen politischen Funktionären auch der damalige Landecker Bezirkshauptmann  inhaftiert.  Gegen Schneiders Verhaftung wehrte man sich nicht nur in St. Anton, auch aus dem Ausland wurde interveniert, nicht zuletzt von Arnold Lunn, dem britischen Skiverbandspionier, der 1927 mit Schneider das Arlberg-Kandahar-Rennen ins Leben gerufen hatte. Am 6. April wird Schneider endlich freigelassen, darf aber nicht nach St. Anton zurückkehren. Zu groß war der Widerstand und der Neid der Nazis gegen den erfolgreichen Hannes Schneider. Andere Hoteliere hofften wiederum auf die deutschen Gäste.

Zum Vorwurf wurde Schneider aber nicht nur sein geschäftlicher Erfolg gemacht, sondern seine "Judenfreundichkeit".  Er unterband in seiner Schischule von Anfang an antisemitische Umtriebe. Seine Freundschaft mit dem Juden Ing. Rudolf Gomperz, der 1904 nach St. Anton am Arlberg gekommen war, und zusammen mit ihm Unglaubliches für den Tourismus und den Schisport geleistet hatte.

Gleich nach dem Anschluß an das deutsche Reich wurde Ing. Gomperz, der nach den Nürnberger Rassengesetzen als Jude galt - wiewohl er längst zum Protestantismus konvertiert war - , aus allen Ämtern enthoben und von der Gestapo angewiesen, St. Anton zu verlassen.  Um seine beiden Söhne vor Verfolgungen zu schützen, kommen er und seine Frau, sie ist "arisch", auf eine ungeheure Idee. Die Frau erklärt den Behörden, die Söhne seien nicht von ihrem jüdischen Gatten. Tatsächlich bekommen die Söhne so einen Arier-Ausweis. Die St. Antoner Bürger ziehen sich völlig von Gomperz und seiner Frau zurück und es setzt eine Art Kesseltreiben gegen sie ein. Auch ihre finanzielle Lage wird immer schwieriger. 1942 muss Gomperz auf Veranlassung der Nationalsozialisten seinen Wohnsitz nach Wien verlegen. Er wird von dort in einem der so genannten "Judentransporte" nach Minsk deportiert. Von diesem Transport überlebt nur einer. Seine Frau hört nie mehr etwas von ihrem Mann.

Auswanderung in die USA. Abenteuerlich ist auch Schneiders Weg in die Vereinigten Staaten. Hanno Loewy (Wunder des Schneeschuhs? Hannes Schneider, Rudolf Gomperz und die Geburt des modernen Skisports am Arlberg) zeichnet diesen Weg nach: "1937 hatte der aus North Conway stammende Präsident der Manufacturers Hannover Bank Harwey Dow Gibson, das Skigebiet erworben und begonnen, es in großem Stil mit der Errichtung eines eigenwilligen Skiliftes, dem Skimobil, auszubauen. Seine Funktion als Vorsitzender des Kongress-Komitees für kurzfristige Auslandskredite an Deutschland brachte ihm zugleich die Chance, den 'Vater des modernen Skilaufs' in die USA abzuwerben. Seine Verhandlungen mit Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht blieben geheim. Aber im Januar 1939 konnte Hannes Schneider seiner Familie in St. Anton mitteilen, dass man sich in Paris treffen werde, um auf große Reise zu gehen. Am 9. Februar kommen sie mit der Queen Mary von Cherbourg in New York an. Zwei Tage später wird Hannes Schneider in North Conway triumphal empfangen."


Der Hindukusch am Arlberg. Ebenso lehrreich ist Schneiders Intiative für das Kandahar Rennen in St. Anton. Das Arlberg-Kandahar-Rennen war schon vor Winter-Olympiade und FIS-Weltmeisterschaften eine Institution im alpinen Schisport. Kandahar, die Stadt in Afghanistan spielt eine Schlüsselrolle im aktuellen politischen Geschehen am Hindukusch. Doch welche Verbindung besteht zwischen dem Traditions-Skiwettbewerb und der Stadt Kandahar, die seit 200 Jahren Unruheherd und Schauplatz erbitterter Kämpfe ist? Die Engländer waren Anfang der 1920er Jahre des vorigen Jahrhunderts, was Skireisen anbelangte, allen anderen europäischen Ländern voraus. Und da die Briten mit Bergen wenig gesegnet sind, tummelten sie sich überall in den Alpen. Auf Bitten von Sir Arnold Lunn, einem der britischen Skipioniere und unermüdlicher Kämpfer um die Anerkennung der alpinen Disziplinen Abfahrt und Slalom, stiftete der Brite und Vizepräsident der "Public School of Wintersport", Frederick Roberts, 1911 einen Pokal für ein Abfahrtsrennen. Roberts hatte 1879 als Kommandant der britischen Streitmacht im zweiten Afghanischen Krieg die britische Garnison in Kandahar befreit. In Anerkennung seines Sieges wurde er zum "Earl of Kandahar" ernannt. Das Rennen wurde somit zur "Challenge Roberts of Kandahar". Sir Arnold Lunn intervenierte bekanntlich auch gegen die Inhaftierung von Hannes Schneider erfolgreich beim Deutschen Reich.

Filmografie:
  • DAS WUNDER DES SCHNEESCHUHS.  D 1919/20, Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; Drehbuch: Arnold Fanck, Deodatus Tauern; Kamera: Sepp Allgeier, Arnold Fanck; Schnitt: Arnold Fanck; 1822m. Darsteller: Hannes Schneider, Ernst Baader, Sepp Allgeier, Arnold Fanck, Bernhard Villinger.
  • IM KAMPF MIT DEM BERGE. D 1921, Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Sepp Allgeier, Arnold Fanck; Musik: Paul Hindemith; Schnitt: Arnold Fanck; 1536m. Darsteller: Ilse Rohde, Hannes Schneider.
  • DAS WUNDER DES SCHNEESCHUHS. 2.TEIL: EINE FUCHSJAGD AUF SKIERN DURCHS ENGADIN. D 1921/22, Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Sepp Allgeier, Arnold Fanck; Schnitt: Arnold Fanck; 2466m. Darsteller: Hannes Schneider, Ernst Baader, Hans Schneeberger, Dagfin Carlsen, Vigo Christensen u.a.
  • DER BERG DES SCHICKSALS. EIN DRAMA AUS DER NATUR. D 1923/24 Regie: Arnold Fanck; Produktion: Berg- und Sportfilm GmbH, Freiburg; in Zusammenarbeit mit Alpenfilm AG; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Arnold Fanck, Hans Schneeberger, Herbert Oettel (Außen), Eugen Hamm, Sepp Allgeier (Innen); Schnitt: Arnold Fanck; 2432m. Darsteller: Hannes Schneider, Erna Morena, Frida Richard, Luis Trenker, Gustav Oberg, Hertha von Walther.
  • DER HEILIGE BERG.  D 1925/26 Regie: Arnold Fanck; Produktion: Universum-Film AG (Ufa); Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Helmar Lerski, Hans Schneeberger (Innen), Sepp Allgeier (Außen); Musik: Edmund Meisel; Schnitt: Arnold Fanck; 3100m. Darsteller: Leni Riefenstahl, Luis Trenker, Ernst Petersen, Frida Richard, Friedrich Schneider, Hannes Schneider.
  • DER WEISSE RAUSCH  D 1930/31Regie: Arnold Fanck; Produktion: H. R. Sokal-Film GmbH; Drehbuch: Arnold Fanck; Kamera: Richard Angst, Kurt Neubert (Außen), Hans Gottschalk (Innen); Musik: Paul Dessau; Schnitt: Arnold Fanck; 2565m. Darsteller: Leni Riefenstahl, Hannes Schneider, Guzzi Lantschner, Walter Riml, Rudi Matt u.a.

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Sonntag, 6. November 2022

[ #Braz ] Der weltberühmte Exorzist aus Vorarlberg: Johann Joseph Gaßner


Johann Joseph Gaßner (auch: Gassner; * 20. August 1727 in Braz bei Bludenz in Vorarlberg; † 4. April 1779 in Bendorf, Rheinland-Pfalz) war ein katholischer Pfarrer, der am 20. August 1727 in Braz zur Welt kam.


 Gaßner studierte in Innsbruck und Prag und wurde 1750 in Chur zum Priester geweiht. In Dalaas war er ab 1751 Frühmeßner und 1758 Pfarrer in Klösterle. Bis er zum Exorzisten wurde, sollte noch einige Zeit vergehen. Man mag ihn und seine Techniken heute belächeln, trotzdem gehört er zu den bedeutendsten Vorarlbergern. sogar den Papst in Rom beschäftigte er und er gehört zu den Vorläufern der hypnotischen Behandlungen in der Psychotherapie.

Selbstversuch. Ein Selbstversuch brachte ihn darauf. Heute werden die Auseinandersetzungen mit und um Gaßner zur Frühgeschichte der Hypnose und Psychotherapie gezählt. Johann Joseph Gaßner erkrankte um 1760 heftig an Kopfschmerzen mit Übelkeit und Schwindelgefühlen. Diese Symptome traten hauptsächlich während seiner priesterlichen Obliegenheiten auf. Er trieb sich selbst den Teufel aus, befahl dem Teufel ihm wieder Kopfschmerzen zuzufügen, bekam sie und trieb sie wieder aus.

In der Folge dehnte er diese "Techniken" gegen seine Migräneanfälle auch auf seine Pfarrkinder aus und begab sich auf Wanderschaft. In einem von ihm verfassten Lehrbuch beschreibt er verschiedene Formen der Besessenheit und deren Heilung durch hypnotische Techniken (die er freilich als eine besondere Form des Exorzismus beschrieb). So versuchte er zunächst durch Provokation den Beweis der Besessenheit zu führen. War dieser erbracht, so ließ er zunächst Krämpfe in verschiedene Glieder fahren und die Teufel im Menschen dort verschiedene Gefühle und Verhaltensweisen ausüben. Anschließend befahl er durch die somit erhaltene Macht über diese Teufel, deren verschwinden. Die von Gaßner geschilderten Symptome der Besessenheit würden heute wohl eher dem Formenkreis der Dissoziativen Störung zugeschrieben werden.

Bayern. 1774 ließ er sich in Meersburg nieder, bis ihn der Fürstprobst zu Ellwangen und Bischof von Regensburg einlud, in Ellwangen im Allgäu seine Exorzitien fortzusetzen. Bald kamen bis zu 1500 Kranke und Schaulustige täglich, bis April 1775 sollen es über 20.000 gewesen sein. So entstand allerdings auch ein Treiben, welches den meisten aufgeklärten kirchlichen und vor allem auch den weltlichen Würdenträger bald zu bunt wurde.

Komödienstadel. Aus einem Bericht (zit. Rheticusgesellschaft, Drei Wunderheiler aus dem Vorarlberger Oberland, 1986) geht folgende Darstellung hervor: "Die seltsamen Gebärden, Zuckungen, Stellungen usw., welche die Patienten machten, die Blähungen, die nicht ohne Geräusch abgingen, die Liedlein, die sie sangen oder trallerten, gefielen dem Wunderthäter und dem Haufen der Zuschauer so herzlich, erschütterten oft so angenehm ihr Zwerchfell, dass er sie mehrmals wiederholen, vermehren, abändern und noch lächerlicher werden ließ (...) Die Kapelle, wo sie meistens vorgenommen wurden, wurde oft so sehr vom lauten, schallenden Gelächter erfüllt, daß man sie eher für ein Komödienhaus oder für die Bude eines Zahnbrechers hätte halten sollen, wo einem die lustigst Farce vorgestellt würde".

Schwabenstreiche. Solche lächerlichen Zurschaustellungen waren für viele kirchliche Würdenträger alles andere denn ein gesittetes Exorzieren und manche Aufklärer des schwäbisch - bayerischen Raumes schämten sich ganz einfach für ihre Landsleute zu Tode. Der Herausgeber der Deutschen Chronik (1774) schreibt in voller Verzweiflung: "Der Pfarrer zu Klösterle Gaßner fährt fort, den dummen Schwabenpöbel zu blenden. (...) Und da giebts noch tausend Menschen um mich her, die diesen Narrheiten glauben. Heiliger Sokrates, erbarme dich meiner! Wann hören wir doch einmal auf, Schwabenstreiche zu machen"

Unbefugte Unternehmungen. Im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph und der neugegründeten Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde gar der Magnetiseur Franz Anton Mesmer (er stammte eigentlich aus Konstanz) von Paris nach München gerufen, um in der Causa Gaßner zu urteilen. Dies geschah 1775, vermutlich nach einer Bodenseereise. Diese gutachterliche Tätigkeit Mesmers war anscheinend ausschlaggebend, dass dem Pater Gaßner schließlich weitere öffentliche Auftritte verboten wurden. Dabei war Messmers Wunderheil-Methode nicht weniger umstritten, der Magnetismus passte aber besser als Gaßners modernisierter Hexenwahn in das aufgeklärt-naturwissenschaftliche Zeitalter. Wenn Messner auch in Paris eine Modeerscheinung war, eine von Ludwig den XVI. eingesetzte Untersuchungskommission lies Mesmers Versuch, den animalischen Magnetismus wissenschaftlich anzuerkennen scheitern. Aber sowohl Mesmers "Magnetismus" als auch Gaßners "Exorzismus" werden heute als hypnotische Phänomene begriffen – und waren die Grundlagen für ein schnelles Aufblühen der Hypnose in der Medizin.

Man sollte nicht vergessen, es war die Zeit der Aufklärung und selbst der Salzburger Erzbischof Colloredos wandte sich 1776 eigens in einem Hirtenbrief gegen die "Unternehmungen" des Johann Joseph Gaßner: "Gegen die unbefugten Unternehmungen gewisser Exorcisten." Als Joseph II. ein generelles Verbot des Exorzismus für das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation erließ, wurde Gaßner in das kleine Pondorf an der Donau "verbannt", wo er 1778 starb. Heute werden die Auseinandersetzungen mit und um Gaßner zur Frühgeschichte der Hypnose und Psychotherapie gezählt.

Besessenheit. Nach Johann Joseph Gaßner (Nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten. Kempten, 1774; S. 20.) : "Gleichwie der Satan alle Menschen an der Seele pflegt anzufechten, also kan er auch alle Menschen ohn Unterschied des Geschlechts oder Stands anfechten am Leib, durch Nachahmung der natürlichen Krankheiten. Daher kommt es, daß so viele Menschen unheylbare Krankheiten haben, obwohl sie alle mögliche natürliche Hülfsmittel von denen Arzneyverständigen gebraucht, weil nemlich sehr oft die Krankheit entweder nicht natürlich, oder weil bey dem Natürlichen etwas Unnatürliches sich vereiniget findet. Dessentwegen will ich aber nicht verstanden werden, als wann es keine natürlichen Krankheiten geben sollte, sondern nur andeuten, daß sehr oft Unnatürliche vom bösen Geist gemacht werden, durch eine pure lauter Versuchung, welche man natürlich zu seyn vermeinet, und zwar auf dreyerley Weise, erstlich Physice , oder durch würkliche Schmerzen, auf eine dem Teufel bekannte Weise, applicando activa passivis . Zweytens imaginative durch eingebildeten Schmerzen, da der böse Feind in der Phantasie oder Einbildungskraft, als wie bei einem traumenden Schmerzen vorstellen kann, als wenn sie würklich wären, da sie in der That keine sind. Drittens per naturam, oder daß er natürliche Feuchtigkeiten, Flüß, Geblüt und andere Sachen also weißt, Vermög seines beybehaltenen Verstands, von einem Ort zum anderen zu führen, wodurch das Uebel zugleich natürlich, aber auf und von unnatürlicher Kraft ist verursacht worden."


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Donnerstag, 16. Juni 2022

[ #Braz ] Wahnsinnige Nazis: Suche nach dem Vorarlberger Johann Joseph Gaßner


Welche Wahnsinnigen hinter dem NS-Regime - nein an vorderster Stelle - standen, zeigt folgendes Fundstück. Die SS und der SD fahndete nach "germanischen" Hexen.


Einer der gesuchten "Zauberer" war der Pfarrer Johann Joseph Gaßner aus Braz. Scans des Aktenbestandes des Reichssicherheitshauptamtes, des RSHA, das im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde lagert (BArch R 58 7484, Blatt 01-69, komplette Akte) findet man im Web.

Johann Joseph Gaßner. Eine der merkwürdigsten Gestalten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist der Pfarrer Johann Joseph Gaßner. Durch seine "Wunderkuren" erregte er so großes Aufsehen, dass sich die höchsten weltlichen und kirchlichen Behörden gezwungen sahen, zu seiner Tätigkeit Stellung zu nehmen. Er wird heute zu den Vorläufern der (esoterisch orientierten) Hypnose- und Psychotherapie gezählt, kann aber ebenso gut als ein Modernisierer des Hexenwahns begriffen werden.

Die Nazis - zumindest Himmlers völkische "Wissenschaftler" - zählten Johann Joseph Gaßner, den Teufelsbanner zur deutschen Hexengeschichte. Im bundesdeutschen Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, (BArch R 58 7484, Blatt 01-69) befindet sich ein Aktenbestand des Reichssicherheitshauptamtes, das als ein Arbeitsergebnis des H-Sonderauftrages des Reichsführers SS Heinrich Himmler zur Hexenforschung verstanden wird. Dabei spielt der Vorarlberger Johann Joseph Gaßner eine wichtige Rolle. Von den 69 Seiten von den Nazis erhobener Bibliografie zur deutschen Hexengeschichte füllt er immerhin 14 Seiten, also ein Fünftel der gesamten Sammlung.

Himmlers Hexenkartothek. Bereits 1935 wird auf Betreiben von Heinrich Himmler innerhalb des Sicherheitsdienstes der so genannte H-Sonderauftrag (Hexen-Sonderauftrag) eingerichtet. Die Geschichte der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung soll "wissenschaftlich" aufgearbeitet werden. Das Projekt ist einer von vielen Versuchen die politische Macht ideologisch zu untermauern. Die Ziele sind von Beginn an klar vorgegeben: Es soll möglichst viel Material gesammelt werden, um die antikirchliche und antijüdische Propaganda zu unterstützen. Des Weiteren sollen die Überreste einer heidnischen, altgermanischen Volkskultur und -religion gefunden werden.

Das größte Interesse an den Hexenverfolgungen hat der Chef der Schutzstaffel (SS) Heinrich Himmler. Von Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft an ist Himmler ein großer Freund okkulter Feierlichkeiten und pseudogermanischer Brauchtumspflege. Er ist stets auf der Suche nach altgermanischen Wurzeln, kombiniert wahllos germanische Symbole und romantisiert historische Ereignisse und Personen. Bei offiziellen Feiern lässt er rituelle Hexentänze vorführen. Seine Vorliebe für die frühneuzeitliche Verfolgung der Hexen ist in seiner eigenen Familiengeschichte zu suchen. Eine Urahnin von ihm sei einst im Rahmen der Verfolgungen gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Himmler betrachtet die Hexenprozesse als Verbrechen am deutschen Volk. Schuldig daran sei die katholische Kirche gewesen, die altgermanisches Erbe vernichten wollte. Zudem vermutet er, wie bei fast allen vermeintlichen Verbrechen am deutschen Volk, eine jüdische Verschwörung als Hintergrund. Das Thema fasziniert Himmler so sehr, dass er es schon bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in großem Stil erforschen lässt.

Bis 1944 suchen 14 hauptamtliche Mitarbeiter systematisch in über 260 Archiven und Bibliotheken des gesamten deutschen Reiches nach Akten über Hexenprozesse. Die Ergebnisse werden auf etwa 33.000 DIN A4-Karteiblättern festgehalten, die heute unter dem Namen "Hexenkartothek" bekannt sind. Jedes Blatt enthält 37 vorgedruckte Felder, in die unter anderem detaillierte Angaben zur Person des Opfers, zu den Verfolgern und zum Prozessverlauf eingetragen werden. Die Karteiblätter sind nach Ortsnamen in Mappen zusammengeheftet und alphabetisch geordnet. Insgesamt sind so 3621 Ortschaftsmappen zusammengestellt worden. Angesichts der Größe des Projektes und der relativ geringen Mitarbeiterzahl ist die wissenschaftliche Auswertung rasch zum Scheitern verurteilt. Die Arbeit des H-Sonderauftrags kommt über das Stadium der Materialsammlung nicht hinaus. Eine nennenswerte Auswertung findet nicht statt: Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stirbt auch das Projekt.

Neopaganer, völkischer und esoterischer FeminismusHinter der Beschäftigung mit den Hexenprozessen stehen auch heute ganz bestimmte zeitgeschichtliche Fragen: Die feministische Forschung sucht in den Hexenprozessen die Unterdrückung der Frau, kirchenkritische Kreise eine "Schuld der Kirche". Und nicht zu übersehen die ganze Palette an esoterischer Hexenliteratur, die in die "Hexen" alles zwischen homöopathisch erfahrenen Kräuterweiblein bis keltischen Priesterinnen hineingeheimnissen.


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Montag, 27. Oktober 2014

Biotopinventare der Gemeinden Vorarlbergs zum Download




Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorne herein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Der Bericht steht für jede Gemeinde Vorarlbergs als PDF-Download zur Verfügung.

Mehr + Download:
Aktuelles Biotopinventar (2010) der Gemeinden Vorarlbergs zum Download

Dienstag, 28. Februar 2012

Biotopinventare der Gemeinden Vorarlbergs zum Download



Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorne herein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Der Bericht steht für jede Gemeinde Vorarlbergs als PDF-Download zur Verfügung.

Mehr + Download:
Aktuelles Biotopinventar (2010) der Gemeinden Vorarlbergs zum Download

Samstag, 25. Juni 2011

Ein (statistischer) Blick auf die Gemeinden Vorarlbergs

"Ein Blick auf die Gemeinde"
ist eine regionale Information der Statistik Austria und bietet anhand von Tabellen und Grafiken einen durchgehenden Vergleich der gewählten Gemeinde Vorarlbergs mit dem politischen Bezirk bzw. dem Bundesland, in dem sie liegt. Insgesamt sind es 55 Datenblätter die in ihrer Gesamtheit kostenpflichtig sind.

Acht der insgesamt 55 Datenblätter werden allerdings auch kostenlos online bereit gestellt. Zusätzlich zu diesen acht ausgewählten Blättern werden weitere wichtige Daten aus der Großzählung 2001 und zur Bevölkerungsentwicklung angeboten. Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre.


Ein Blick auf die Gemeinde
* Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsveränderung nach Komponenten
* Wohnungen (Hauptwohnsitze) nach Wohnraumanzahl
* Wohnbaustatistik
* Land- und forstwirtschaftliche Betriebe und Flächen nach Erwerbsart
* Ordentliche Gebarung der Gemeinde
* Außerordentlicher Haushalt und pro Kopf-Ziffern
* Steuereinnahmen und Gemeindesteuer pro Kopf
* Erläuterungen

Probezählung 2006
* Einwohnerzahl 31.10.2006

Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung
* Einwohnerzahl und Komponenten der Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsstruktur

Volkszählung 15. Mai 2001
* Wohnbevölkerung und Bürgerzahl
* Demografische Daten
* Wohnbevölkerung nach Ortschaften
* Lebensunterhalt
* Bildung, Schüler/Studenten, Familie, Haushalte
* Erwerbs- und Schülerpendler; berufliche und wirtschaftliche Merkmale
* Erwerbspendler nach Pendelziel
* Erläuterungen

Gebäude- und Wohnungszählung 15. Mai 2001
* Gebäude und Wohnungen
* Erläuterungen

Arbeitsstättenzählung 15. Mai 2001
* Arbeitsstätten und Beschäftigte
* Arbeitsstätten und Beschäftigte im Vergleich zu 1991
* Erläuterungen

Mehr + Download:
Ein Blick auf die Gemeinden in Vorarlberg