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Montag, 19. Juni 2023

[ #Vorarlberg ] Die ersten "Mohren" in Vorarlberg


1784 eröffnete Herr Josef Mohr in Dornbirn eine Gaststätte mit angeschlossener Brauerei, benannte das Haus "Zum Mohren" und verwendete hierfür das Familienwappen, welches einen Mohr abbildete. 

Auf dem Flaschenetikett prangt über dem Namenszug "Mohren" der Scherenschnitt eines Kopfes, der allen "Schwarzen-Klischees" entspreche: enorm wulstige Lippen, krauses Haar, affenartige Gesichtszüge, markante Nase.  Freilich hatte der Josef Mohr wohl kaum einen wirklichen "Mohren" je zu Gesicht bekommen, wiewohl es ja doch bereits ein paar seltene Anlassfälle - wie wir heute wissen - gegeben hätte.

Dass das historische Mohrenbild nur dem Dornbirner Bierbrauer als "rassisitisch" angelastet wird, ist eine arge Verkürzung.:
  • Das höchstoffizielle Wappen der Gemeinde Mandach, einst Habsburgerbesitz, im Schweizer Kanton Aargau trägt ein vergleichbares Bild, welches  den hl. Mauritius darstellen soll, welcher auch der Schutzpatron der Kirche von Mandach ist. 
  • Die kreisfreie Stadt Coburg in Bayern zeigt ein noch in dem erwähnten Sinne weitaus "rassistischeres" Signet. Das Wappen zeigt auch hier den heiligen Mauritius, den einzigen Heiligen, der im Mittelalter mit dunkler Hautfarbe dargestellt wurde. 




Gertrude Fussenegger. Ein "Mohr" belastete auch die Vorarlberger Schriftstellerin Gertrude Fussenegger zweifach. In der Mohrenlegende (1937) wird die "Errettung" eines nach Tirol entführten afrikanischen Buben berichtet. Dieser beobachtet im Tiroler Schnee die Heiligen Drei Könige und muss fortan "kein rechtloser Fremdling" mehr im fernen Kreuzfahrerland bleiben.(DerStandard). Die Mohrenlegende, eines ihrer ersten Bücher, wurde von den NS-Gutachtern als Kritik an der Rassenideologie und „katholisches Machwerk“ verfemt. Nichtsdestotrotz war sie bekennendes Mitglieder der NSDAP. Im Zuge der Vergangenheitsbewältigung in Österreich wurde dasselbe Werk später wiederum als „rassistisch“ verurteilt.

Vorarlbergs Mohren. Bislang galten zwei Mädchen, die 1855 ins Kloster St. Peter bei Bludenz gebracht wurden, als die ersten bekannten Afrikaner im Land. Sie waren  nur zwei der mehr als 800 Mädchen, die zwischen 1847 und 1864 von Pater Nicolò Olivieri und seinen Helfern auf den Sklavenmärkten in Kairo und Alexandria freigekauft und zur Erziehung nach Europa gebracht wurden, um - entsprechend dem Missionsziel der Zeit - ihre Seelen zu retten." Es galt, die Seelen der verfluchten Kinder Chams (Gen 9,24-25) durch die Taufe vor der ewigen Verdammnis zu bewahren und «diese Kinder für den Himmel zu retten. An den ungetauften Heidenkindern fürchtete man denn dennoch ihre sogenannte Rohheit, Wildheit, Unerzogenheit, ihren Egoismus, ihre Undankkeit" usw. Die Bludenzer Schwestern nahmen die ihnen anvertrauten Kinder, mit denen sie nicht recht fertig wurden, damals als "wilde Thiere in Menschengestalt" wahr. Die meisten der so geretteten Kinder starben übrigens nach weniger als drei Jahren in Europa. Todesursachen waren schwerwiegende Kinderkrankheiten aus ihrer traumatischen Vergangenheit, aber auch die Ansteckung durch europäische Viren, gegen die sie nicht immun waren und wofür es keine Impfungen gab; dies sind klassische Migrationsschicksale früherer Zeiten.


Raphael Antoni Pau. Doch nun hat das Vorarlberger Landesarchiv aufgetan, dass es schon 1763 zumindest einen Afrikraner, einen sogenannten "Mohren" in Vorarlberg gab. Im Januar 1763 leitete der Bludenzer Vogteiverwalter Franz Josef Gilm von Rosenegg ein Gerichtsverfahren ein, bei dem der Angeklagte widerstandslos den Diebstahl einer hohen Geldsumme in Außerbraz gestand. Obwohl die Schärfe des Gesetzes dafür den Tod durch den Strang vorsah, wurde der Delinquent nur zu zwölf Peitschenhieben und zum Verweis aus allen habsburgischen Erblanden verurteilt, denn es handelte sich bei ihm laut dem Vogteiverwalter um einen gutmütigen, ziemlich geschickten und besserungsfähigen Menschen.

Sein Name lautete Raphael Antoni Pau. Er war 1708 oder 1709 in Amachuté oder Amande in Abbessinien geboren worden. Auf einer Handelsreise in Afrika sollen ihn Negrer oder Schwarze zusammen mit zahlreichen Landsleuten gefangen genommen, nach Japonien gebracht und dort an Holländer verkauft haben. Von diesen sei er daraufhin über Jakarta nach Amsterdam verschifft und dem polnischen König August nach Leipzig veräußert worden. Dieser habe ihn später einer Gräfin in Breslau verehrt, wo er sich um 1730 katholisch taufen ließ. Ab den Vierzigerjahren sei Pau in adeligen und militärischen Diensten zu Frankfurt am Main, in Frankreich und wiederum in Schlesien gestanden. 1757 habe sein Weg über Prag nach Norditalien und später über Tirol (Pians) nach Braz geführt. Seit Herbst 1762 betätigte er sich im Klostertal mit geringem wirtschaftlichen Erfolg als Heiler. Seine Künste wollte er vor 10 oder 12 Jahren von der angesehenen ungebornen türckischen Doctorin bei Mainz erlernt haben.


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Sonntag, 6. November 2022

[ #Braz ] Der weltberühmte Exorzist aus Vorarlberg: Johann Joseph Gaßner


Johann Joseph Gaßner (auch: Gassner; * 20. August 1727 in Braz bei Bludenz in Vorarlberg; † 4. April 1779 in Bendorf, Rheinland-Pfalz) war ein katholischer Pfarrer, der am 20. August 1727 in Braz zur Welt kam.


 Gaßner studierte in Innsbruck und Prag und wurde 1750 in Chur zum Priester geweiht. In Dalaas war er ab 1751 Frühmeßner und 1758 Pfarrer in Klösterle. Bis er zum Exorzisten wurde, sollte noch einige Zeit vergehen. Man mag ihn und seine Techniken heute belächeln, trotzdem gehört er zu den bedeutendsten Vorarlbergern. sogar den Papst in Rom beschäftigte er und er gehört zu den Vorläufern der hypnotischen Behandlungen in der Psychotherapie.

Selbstversuch. Ein Selbstversuch brachte ihn darauf. Heute werden die Auseinandersetzungen mit und um Gaßner zur Frühgeschichte der Hypnose und Psychotherapie gezählt. Johann Joseph Gaßner erkrankte um 1760 heftig an Kopfschmerzen mit Übelkeit und Schwindelgefühlen. Diese Symptome traten hauptsächlich während seiner priesterlichen Obliegenheiten auf. Er trieb sich selbst den Teufel aus, befahl dem Teufel ihm wieder Kopfschmerzen zuzufügen, bekam sie und trieb sie wieder aus.

In der Folge dehnte er diese "Techniken" gegen seine Migräneanfälle auch auf seine Pfarrkinder aus und begab sich auf Wanderschaft. In einem von ihm verfassten Lehrbuch beschreibt er verschiedene Formen der Besessenheit und deren Heilung durch hypnotische Techniken (die er freilich als eine besondere Form des Exorzismus beschrieb). So versuchte er zunächst durch Provokation den Beweis der Besessenheit zu führen. War dieser erbracht, so ließ er zunächst Krämpfe in verschiedene Glieder fahren und die Teufel im Menschen dort verschiedene Gefühle und Verhaltensweisen ausüben. Anschließend befahl er durch die somit erhaltene Macht über diese Teufel, deren verschwinden. Die von Gaßner geschilderten Symptome der Besessenheit würden heute wohl eher dem Formenkreis der Dissoziativen Störung zugeschrieben werden.

Bayern. 1774 ließ er sich in Meersburg nieder, bis ihn der Fürstprobst zu Ellwangen und Bischof von Regensburg einlud, in Ellwangen im Allgäu seine Exorzitien fortzusetzen. Bald kamen bis zu 1500 Kranke und Schaulustige täglich, bis April 1775 sollen es über 20.000 gewesen sein. So entstand allerdings auch ein Treiben, welches den meisten aufgeklärten kirchlichen und vor allem auch den weltlichen Würdenträger bald zu bunt wurde.

Komödienstadel. Aus einem Bericht (zit. Rheticusgesellschaft, Drei Wunderheiler aus dem Vorarlberger Oberland, 1986) geht folgende Darstellung hervor: "Die seltsamen Gebärden, Zuckungen, Stellungen usw., welche die Patienten machten, die Blähungen, die nicht ohne Geräusch abgingen, die Liedlein, die sie sangen oder trallerten, gefielen dem Wunderthäter und dem Haufen der Zuschauer so herzlich, erschütterten oft so angenehm ihr Zwerchfell, dass er sie mehrmals wiederholen, vermehren, abändern und noch lächerlicher werden ließ (...) Die Kapelle, wo sie meistens vorgenommen wurden, wurde oft so sehr vom lauten, schallenden Gelächter erfüllt, daß man sie eher für ein Komödienhaus oder für die Bude eines Zahnbrechers hätte halten sollen, wo einem die lustigst Farce vorgestellt würde".

Schwabenstreiche. Solche lächerlichen Zurschaustellungen waren für viele kirchliche Würdenträger alles andere denn ein gesittetes Exorzieren und manche Aufklärer des schwäbisch - bayerischen Raumes schämten sich ganz einfach für ihre Landsleute zu Tode. Der Herausgeber der Deutschen Chronik (1774) schreibt in voller Verzweiflung: "Der Pfarrer zu Klösterle Gaßner fährt fort, den dummen Schwabenpöbel zu blenden. (...) Und da giebts noch tausend Menschen um mich her, die diesen Narrheiten glauben. Heiliger Sokrates, erbarme dich meiner! Wann hören wir doch einmal auf, Schwabenstreiche zu machen"

Unbefugte Unternehmungen. Im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph und der neugegründeten Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde gar der Magnetiseur Franz Anton Mesmer (er stammte eigentlich aus Konstanz) von Paris nach München gerufen, um in der Causa Gaßner zu urteilen. Dies geschah 1775, vermutlich nach einer Bodenseereise. Diese gutachterliche Tätigkeit Mesmers war anscheinend ausschlaggebend, dass dem Pater Gaßner schließlich weitere öffentliche Auftritte verboten wurden. Dabei war Messmers Wunderheil-Methode nicht weniger umstritten, der Magnetismus passte aber besser als Gaßners modernisierter Hexenwahn in das aufgeklärt-naturwissenschaftliche Zeitalter. Wenn Messner auch in Paris eine Modeerscheinung war, eine von Ludwig den XVI. eingesetzte Untersuchungskommission lies Mesmers Versuch, den animalischen Magnetismus wissenschaftlich anzuerkennen scheitern. Aber sowohl Mesmers "Magnetismus" als auch Gaßners "Exorzismus" werden heute als hypnotische Phänomene begriffen – und waren die Grundlagen für ein schnelles Aufblühen der Hypnose in der Medizin.

Man sollte nicht vergessen, es war die Zeit der Aufklärung und selbst der Salzburger Erzbischof Colloredos wandte sich 1776 eigens in einem Hirtenbrief gegen die "Unternehmungen" des Johann Joseph Gaßner: "Gegen die unbefugten Unternehmungen gewisser Exorcisten." Als Joseph II. ein generelles Verbot des Exorzismus für das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation erließ, wurde Gaßner in das kleine Pondorf an der Donau "verbannt", wo er 1778 starb. Heute werden die Auseinandersetzungen mit und um Gaßner zur Frühgeschichte der Hypnose und Psychotherapie gezählt.

Besessenheit. Nach Johann Joseph Gaßner (Nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten. Kempten, 1774; S. 20.) : "Gleichwie der Satan alle Menschen an der Seele pflegt anzufechten, also kan er auch alle Menschen ohn Unterschied des Geschlechts oder Stands anfechten am Leib, durch Nachahmung der natürlichen Krankheiten. Daher kommt es, daß so viele Menschen unheylbare Krankheiten haben, obwohl sie alle mögliche natürliche Hülfsmittel von denen Arzneyverständigen gebraucht, weil nemlich sehr oft die Krankheit entweder nicht natürlich, oder weil bey dem Natürlichen etwas Unnatürliches sich vereiniget findet. Dessentwegen will ich aber nicht verstanden werden, als wann es keine natürlichen Krankheiten geben sollte, sondern nur andeuten, daß sehr oft Unnatürliche vom bösen Geist gemacht werden, durch eine pure lauter Versuchung, welche man natürlich zu seyn vermeinet, und zwar auf dreyerley Weise, erstlich Physice , oder durch würkliche Schmerzen, auf eine dem Teufel bekannte Weise, applicando activa passivis . Zweytens imaginative durch eingebildeten Schmerzen, da der böse Feind in der Phantasie oder Einbildungskraft, als wie bei einem traumenden Schmerzen vorstellen kann, als wenn sie würklich wären, da sie in der That keine sind. Drittens per naturam, oder daß er natürliche Feuchtigkeiten, Flüß, Geblüt und andere Sachen also weißt, Vermög seines beybehaltenen Verstands, von einem Ort zum anderen zu führen, wodurch das Uebel zugleich natürlich, aber auf und von unnatürlicher Kraft ist verursacht worden."


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Donnerstag, 16. Juni 2022

[ #Braz ] Wahnsinnige Nazis: Suche nach dem Vorarlberger Johann Joseph Gaßner


Welche Wahnsinnigen hinter dem NS-Regime - nein an vorderster Stelle - standen, zeigt folgendes Fundstück. Die SS und der SD fahndete nach "germanischen" Hexen.


Einer der gesuchten "Zauberer" war der Pfarrer Johann Joseph Gaßner aus Braz. Scans des Aktenbestandes des Reichssicherheitshauptamtes, des RSHA, das im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde lagert (BArch R 58 7484, Blatt 01-69, komplette Akte) findet man im Web.

Johann Joseph Gaßner. Eine der merkwürdigsten Gestalten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist der Pfarrer Johann Joseph Gaßner. Durch seine "Wunderkuren" erregte er so großes Aufsehen, dass sich die höchsten weltlichen und kirchlichen Behörden gezwungen sahen, zu seiner Tätigkeit Stellung zu nehmen. Er wird heute zu den Vorläufern der (esoterisch orientierten) Hypnose- und Psychotherapie gezählt, kann aber ebenso gut als ein Modernisierer des Hexenwahns begriffen werden.

Die Nazis - zumindest Himmlers völkische "Wissenschaftler" - zählten Johann Joseph Gaßner, den Teufelsbanner zur deutschen Hexengeschichte. Im bundesdeutschen Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, (BArch R 58 7484, Blatt 01-69) befindet sich ein Aktenbestand des Reichssicherheitshauptamtes, das als ein Arbeitsergebnis des H-Sonderauftrages des Reichsführers SS Heinrich Himmler zur Hexenforschung verstanden wird. Dabei spielt der Vorarlberger Johann Joseph Gaßner eine wichtige Rolle. Von den 69 Seiten von den Nazis erhobener Bibliografie zur deutschen Hexengeschichte füllt er immerhin 14 Seiten, also ein Fünftel der gesamten Sammlung.

Himmlers Hexenkartothek. Bereits 1935 wird auf Betreiben von Heinrich Himmler innerhalb des Sicherheitsdienstes der so genannte H-Sonderauftrag (Hexen-Sonderauftrag) eingerichtet. Die Geschichte der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung soll "wissenschaftlich" aufgearbeitet werden. Das Projekt ist einer von vielen Versuchen die politische Macht ideologisch zu untermauern. Die Ziele sind von Beginn an klar vorgegeben: Es soll möglichst viel Material gesammelt werden, um die antikirchliche und antijüdische Propaganda zu unterstützen. Des Weiteren sollen die Überreste einer heidnischen, altgermanischen Volkskultur und -religion gefunden werden.

Das größte Interesse an den Hexenverfolgungen hat der Chef der Schutzstaffel (SS) Heinrich Himmler. Von Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft an ist Himmler ein großer Freund okkulter Feierlichkeiten und pseudogermanischer Brauchtumspflege. Er ist stets auf der Suche nach altgermanischen Wurzeln, kombiniert wahllos germanische Symbole und romantisiert historische Ereignisse und Personen. Bei offiziellen Feiern lässt er rituelle Hexentänze vorführen. Seine Vorliebe für die frühneuzeitliche Verfolgung der Hexen ist in seiner eigenen Familiengeschichte zu suchen. Eine Urahnin von ihm sei einst im Rahmen der Verfolgungen gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Himmler betrachtet die Hexenprozesse als Verbrechen am deutschen Volk. Schuldig daran sei die katholische Kirche gewesen, die altgermanisches Erbe vernichten wollte. Zudem vermutet er, wie bei fast allen vermeintlichen Verbrechen am deutschen Volk, eine jüdische Verschwörung als Hintergrund. Das Thema fasziniert Himmler so sehr, dass er es schon bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in großem Stil erforschen lässt.

Bis 1944 suchen 14 hauptamtliche Mitarbeiter systematisch in über 260 Archiven und Bibliotheken des gesamten deutschen Reiches nach Akten über Hexenprozesse. Die Ergebnisse werden auf etwa 33.000 DIN A4-Karteiblättern festgehalten, die heute unter dem Namen "Hexenkartothek" bekannt sind. Jedes Blatt enthält 37 vorgedruckte Felder, in die unter anderem detaillierte Angaben zur Person des Opfers, zu den Verfolgern und zum Prozessverlauf eingetragen werden. Die Karteiblätter sind nach Ortsnamen in Mappen zusammengeheftet und alphabetisch geordnet. Insgesamt sind so 3621 Ortschaftsmappen zusammengestellt worden. Angesichts der Größe des Projektes und der relativ geringen Mitarbeiterzahl ist die wissenschaftliche Auswertung rasch zum Scheitern verurteilt. Die Arbeit des H-Sonderauftrags kommt über das Stadium der Materialsammlung nicht hinaus. Eine nennenswerte Auswertung findet nicht statt: Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stirbt auch das Projekt.

Neopaganer, völkischer und esoterischer FeminismusHinter der Beschäftigung mit den Hexenprozessen stehen auch heute ganz bestimmte zeitgeschichtliche Fragen: Die feministische Forschung sucht in den Hexenprozessen die Unterdrückung der Frau, kirchenkritische Kreise eine "Schuld der Kirche". Und nicht zu übersehen die ganze Palette an esoterischer Hexenliteratur, die in die "Hexen" alles zwischen homöopathisch erfahrenen Kräuterweiblein bis keltischen Priesterinnen hineingeheimnissen.


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Dienstag, 21. September 2021

[ #Bodensee ] Magische Säule Meersburg: Joseph von Laßberg und Johann Joseph Gaßner

Peter Lenks Gaßner-Figur in Meersburg - Wikimedia

Das außergewöhnliche Kunstwerk des deutschen Bildhauers Peter Lenk zeigt satirische Portraits bekannter Persönlichkeiten aus der Meersburger Stadtgeschichte und verdeutlicht deren Wirken anhand ihrer Darstellung. 

Die Enthüllung der „Magischen Säule“ im Rahmen der 36. Flottensternfahrt auf dem Bodensee am 28. April 2007 lockte tausende Besucher an die Hafenmole. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff wurde dabei ebenso charakterisiert wie ihr Schwager, der Sammler mittelalterlicher Handschriften Freiherr Joseph von Laßberg. Neben Amor als Liebesschütze von Meersburg werden auch das  Edelfräulein Wendelgard von Halten, der Exorzist Johann Joseph Gassner und der „Wunderarzt“ Franz Anton Mesmer in satirischer Weise dargestellt.

Johann Joseph Gassner. Der Vorarlberger Teufelsaustreiber Johann Joseph Gassner (auch: Gaßner; * 20. August 1727 in Braz bei Bludenz in Vorarlberg; † 4. April 1779 in Bendorf, Rheinland-Pfalz) bediente sich bei der Teufelsaustreibung in der Ausübung der uralten Methode des “Handauflegens“.

Dabei setzte er die rechte Hand auf die Stirn und die linke auf den Nacken des Kranken, zur Unterstützung seiner Verbalsuggestion berührte er die kranken Körperpartien. Auch die Techniken der Faszination und Fixation (Kruzifix) spielten eine Rolle. Der Exorzist Gassner praktizierte auch an anderen Orten der Bodenseeregion und stellte seine Fähigkeiten u. a. bei öffentlichen Auftritten unter Beweis. Nach  Meersburg kam er, um sich am fürstbischöflichen Hof vorzustellen. Der Fürstbischof war dieserzeit jedoch mehr der Gesinnung der Aufklärung zugetan und orientierte sich an Franz Anton Mesmers Heil-Therapie. Gassners übernatürliche Kräfte stellt der Bildhauer Peter Lenk durch den Prozess der Austreibung an sich dar. Dem Besessenen fahren Teufel aus dem Hintern, währenddessen Gassner seine Gebete mit erhobenem Kreuz gegen den Himmel richtet.

Freiherr Joseph von Laßberg. Auch der Freiherr Joseph von Laßberg (1770-1855) ist auf der Säule "verewigt". Auch er hat mit Vorarlbergs Geschichte zu tun, denn er erwarb  1815  die Handschrift C des Nibelungenliedes, welche in Hohenems aufgefunden wurde.

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Donnerstag, 2. September 2021

[ #Klostertal ] Digital: J. J. Gaßner: ... nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten.


Digital: J. J. Gaßner: ... nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten.

Johann Joseph Gaßner war ein Exorzist, der 1727 in Braz zur Welt kam. Er studierte in Innsbruck und Prag und wurde 1750 in Chur zum Priester geweiht. In Dalaas war er ab 1751 Frühmeßner und 1758 Pfarrer in Klösterle. Hier seine 1775 in Augsburg erschienene Anleitung für die Teufelsaustreibung als Digitalisat online.

Das Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) digitalisiert seit 1997 die historischen Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek und anderer Gedächtnisorganisationen. Es bietet eine der größten und am schnellsten wachsenden digitalen Sammlungen in Deutschland.  In diesem Rahmen liegt das Werk des Vorarlberger Exorcisten als Retrodigitalisat vor und kann auch als "Book on Demand" bestellt werden:
Gassner, Johann Joseph: Des Hochwürdigen Und Hochgelehrten Herrn Johann Joseph Gaßner, der Gottesgelahrtheit und des geistlichen Rechts Candidaten, freyresigniren Pfarrern zu Klösterl nun Hofcaplan, Und geistl. Rath Sr. Hochfürstl. Gnaden des Bischoffs von Regensburg, Probsten und Herrn zu Ellwang [et]c. Weise fromm und gesund zu leben, auch ruhig und gottseelig zu sterben, oder nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten: durch Beantwortung der Fragen: I. Kann der Teufel dem Leibe der Menschen schaden? II. Welchen am mehresten? III. Wie ist zu helfen?

 

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