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Sonntag, 14. August 2022

[ #Ludesch ] Der Kaiserin Sisi Vorarlberger Wellness-Guru: "Net lugg lo"


War Dr. Ludwig Seeger als Landarzt in Ludesch nur für die "Wehwehchen" der Blumenegger zuständig, so war er nach seinem Umzug nach Wien höchstpersönlicher Trainer von Kaiserin Elisabeth (im Volksmund Sisi).

"Net lugg lo" heißt der dichterischer Wahlspruch und der einzige Gedichtband des Vorarlberger Arztes Ludwig Seeger und gehört damit in der Vorarlberger Literaturgeschichte in die erste Reihe der frühen Mundart-Dichter. Weniger beachtet sind seine Leistungen als Arzt, Lebensreformer, Pionier der Ergonomie und Fitness- und Ernährungsprogramme.
Bild aus Seegers Buch: "Diätische und ärztliche Zimmer-Gymnastik für beide Geschlechter und jedes Alter", Wien (1878)
© Wikimedia Commons

Anleitung und Behelfe zur richtigen und gesunden Schreibhaltung. Wer denkt daran, dass sich der kaiserliche Wellnessberater mit den ergonomischen Problemen der Beamten und Fabricsangestellten, der Schüler und der schreibenden Arbeiter auseinandersetzt. Schon 1876 publizierte er die Broschüre "Anleitung und Behelfe zur richtigen und gesunden Schreibhaltung". Bildschirmarbeit und Schreibmaschine gab’s zwar noch nicht, wenngleich die Erfindung der Schreibmaschine schon im Gange war und die kaiserlichen Gutachter den Wert der Erfindung Peter Mitterhofers noch nicht erkennen wollten. So war das "Wiener Modell 1869" bereits mit Volltastatur und Walze sowie mit Lettern als Typen ausgestattet und stellte bereits eine gebrauchsfähige Schreibmaschine dar. Sie wurde zwar für 200 Gulden vom Wiener Hof angekauft und als Geschenk von Kaiser Franz Joseph I. in die Modellsammlung des Polytechnischen Institutes aufgenommen, aber sichtlich als Spielerei, Spinnerei und Tüftlerei verstanden, nicht als technologischen Fortschritt. Daraus allein lässt sich schon die Fortschrittlichkeit Ludwig Gabriel Seegers - vulgo "Seeger an der Lutz" erkennen. Und dass es seinen ergonomischen Ratschlägen eigentlich nicht viel besser beschieden war, das zeigt sich an der bis in die heutigen Tage andauernden Diskussion um die Ausstattung der Schulen mit ergonomisch vertretbaren Stühlen für die Kinder! Bereits zu Seegers Zeiten gab es - selbstredend nur in vornehmen privaten Schulen - bereits nach seinen Plänen gebaute ergonomisch verstellbare Schülertische und Stühle.

Wellness. Ludwig Gabriel Seeger war als Arzt in Ludesch ab 1856 tätig und übersiedelte nach dem Tod seines Vaters nach Wien, wo er sich einen größeren Wirkungskreis als Heilgymnastiker erwartete. So die offizielle Geschichtsschreibung. Die inoffizielle weiß davon zu erzählen, dass er seinen Zeitgenossen gegenüber ein scharfer Beobachter war, der sich mit seinen Gedichten und Aktivitäten nicht nur Freunde machte. Der Konflikt mit der Kirche führte schlussendlich sogar zu seiner "Vertreibung" aus der Provinz, ins "Exil" nach Wien. Wie dem auch sei, die an sich gänzlich unpolitischen und um Gesundheit bemühten Werke das "Das Zimmerturnen mit Kugelstab, Hantel und Wurfnadel" (1863) oder das gar im damaligen Geiste geradezu emanzipatorische "Diätetische und ärztliche Zimmer-Gymnastik für beide Geschlechter (sic!) und jedes Alter" (2. Aufl. 1878) werden in der Provinz und bei der Geistlichkeit nicht unbeachtet gebliebenes "Treiben" gewesen sein.

"Wenn ma rupft an'ra Kutta nu a bitzle am Som,
so gnappan d'r alle bis ahe gi Rom".

Citoyen. Jedenfalls trat er für den Bürger ein. Als Wiederbegründer des Blumenegger Schützenvereines, Gründer des Blumenegger Männerchores und Gründer der Ludescher Feuerwehr setzte Dr. Ludwig Seeger deutliche Zeichen. Als "Querdenker" stand Dr. Ludwig Seeger auch hinter der liberalen Presse und damit im Kreuzfeuer des Klerus. Da war sogar vom "lutherischen Dorf" (Ludesch) die Rede. Der Überlieferung zufolge soll der junge Kaplan Anton Walter als Prediger in Ludesch gegen die liberale Presse zu Felde gezogen sein, sodass schließlich nur noch in vier Ludescher Haushalten die "kirchenfeindliche" Feldkircher Zeitung gelesen wurde. Seeger wird dabei als "Seele der kirchenfeindlichen Bewegung" zitiert. Mit seinem "Net lugg lo" hat er den Generationen danach einen Auftrag hinterlassen und mit "Gibile Gäbile Rechazah, s'Wib isch Meister und net dr Ma" hat Seeger bereits der Emanzipation das Wort geredet. Mit der Lebensweisheit "Bist grad wia-na Latta, stoßt öftermol aa. Bist krumm wia-n-an Schwiischwanz, bist no letzter dra" hält Dr. Ludwig Seeger den Spießbürgern den Spiegel vors Gesicht.

A Wässerle, so kli und klar,
ma ment, as künn nit si -
und doch, es grift vertüflet a,
’s ist Kriesewasser gsi!

Net lugg lo. Im "Exil" in Wien bewährt sich Ludwig Seeger. Als Lebensreformer zählte auch die damals noch junge Elektromedizin zu Seegers Forschungsgebieten. Und so baute er ab den 1860er Jahren im Wiener Krankenhaus auf der Wieden eine entsprechende Abteilung auf, die später dann von seinem Sohn Ludwig Eduard Seeger (1862-1927) übernommen wurde. Er wirkte also in Wien einerseits als Elektrotherapeut und Leiter der Station für elektrische Behandlung am Krankenhaus Wieden (Man vergegenwärtige sich: 1884 begann Siegmund Freud "nervöse" Krankheiten mit der Elektrotherapie zu behandeln. 1860 begannen amerikanische Zahnärzte, Gleichstrom zur Lokalanästhesie einzusetzen. 1859 ließ sich der Zahnarzt Oliver die Elektroanästhesie sogar patentieren).

Anderseits hatte er auch seine eigene, von ihm gegründete Anstalt für orthopädische Gymnastik im ersten Bezirk in Wien, wie er überhaupt zu den Pionieren dieser Bewegung zu zählen ist. Zu seiner Klientel zählten die höchsten Kreise der Geburts- und Geldaristokratie, ebenso die so beliebte Kaiserin "Sisi". Immerhin war Dr. Seeger einige Jahre als Landarzt in Ludesch nur für die "Wehwehchen" der Blumenegger zuständig und nach seinem Umzug nach Wien nun höchstpersönlicher Trainer von Kaiserin Elisabeth (im Volksmund Sisi). Sie hielt sich mit den von Seeger eigens entwickelten Trainingsgeräten fit und folgte brav seinen aufgezeichneten Übungsanweisungen. Er entwickelte spezielle Übungsreihen mit seinen Turnstäben, Kugelstab, Hantel, Ringe, Wurfnadel, Schaukel, Turnstuhl und Stangenreck als "Turnbehelfe". Mit seiner Vortragsreihe "Rationelle Volksernährung" darf man ihn auch als Vorreiter der ganzheitlichen Ernährungsberatung nennen.


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Freitag, 25. Februar 2022

[ #Ludesch ] Seeger an der Lutz: "Uf da Berga ischt mi Läba"

"Uf da Berga" von dem aus Thüringen stammende Arzt Ludwig Seeger aus dem Gedichtband "Nit lugg lo".

"Uf da Berga" von dem aus Thüringen stammende Arzt Ludwig Seeger aus dem Gedichtband "Nit lugg lo".
1889 schrieb der Vorarlberger Sängerbund für ein großes Sängerfest in Wien zwei Dichtungen in Vorarlberger Mundart zur Preiskomposition öffentlich aus. Eines der Gedichte war "Uf da Berga", das der aus Thüringen stammende Arzt Ludwig Seeger alias Seeger an der Lutz (1831 - 1893) drei Jahre zuvor in seinem Gedichtband "Nit lugg lo" veröffentlicht hatte. Aus dem Wettbewerb um dieses Lied ging der Feldkircher Kirchenmusiker Wunibald Briem (1841 - 1912) als Sieger hervor. Das Lied wurde nicht nur in Wien mit stürmischem Applaus aufgenommen. Es eroberte in kurzer Zeit den Vorarlberger Volksgesang. Wie eine Umfrage im Auftrag des Landesarchivs 2003 ergab, zählt es auch zu Beginn des dritten Jahrtausends noch zu den fünf populärsten Heimatliedern Vorarlbergs.

Seeger an der Lutz  (Ludwig Seeger, * 30. Jänner 1831 in Thüringen, Vorarlberg; † 8. Jänner 1893 in Wien) war in eine alte Vorarlberger Medizinerfamilie am 30. Januar 1831 in Ludesch/Thüringen hineingeboren. Verstorben ist er am 8. Januar 1893 in Wien. Er selber war der Sohn eines Landarztes, der wiederum schon eines Arztes. Nach Besuch der Volksschule in Ludesch und des Gymnasiums in Feldkirch absolvierte 1849 an der Universität München Philosophie und an den Universitäten Würzburg (1850–51) – hier widmete er sich bereits dem Turnsport – und Wien (1851–56) Medizin. Ab 1857 war er Dr. med., ab 1858 auch Dr. chir. Er wirkte  vorerst an der Seite seines Vaters ab 1856 als Arzt in Ludesch.


Seeger an der Lutz. Unter diesem Pseudonym kennt man Ludwig Seeger am besten in seiner Heimat, vor allem mit dem Sprichwort "Net lugg lo!" "Net lugg lo" heißt sein dichterischer Wahlspruch und sein (einziger) 1886 veröffentlichter Gedichtband. Dass er sich nach dem Bächlein Lutz benannt hat, wird oft als Heimatverbundenheit apostrophiert. Die Lutz ist der "Hauptfluss" des großen Walsertals in Vorarlberg. Sie entspringt im Hochbergsattel, zwischen Braunarlspitze und Hochberg. Die Lutz mündet in die Ill oberhalb von Nenzing. Es bestand wohl aber auch ein anderer Druck für einen regional differenzierten Eigennamen.  Denn zu etwa gleicher zeit wirkte Ludwig (Friedrich Wilhelm) Seeger der "schwäbische" Heinrich Heine.

Der Querdenker wird hier in Vorarlberg als der Mundartdichter in einer Schublade gefeiert, die ihn weit unter seinem Leisten misst. Schon früh war er ein Förderer von Franz Michael Felder und erkannte dessen Leistung. Wie Ärzte in den Anfängen der Vorarlberger (Mundart-)Dichtung offenbar eine besondere Rolle spielten: So verdanken wir dem Arzt Franz Josef Vonbun aus Nüziders (1824–1870) die erste Sammlung der Sagen und Märchen aus Vorarlberg. Am bekanntesten ist vielleicht auch heute noch das Lied "O Hoamatle, o Hoamatle" des Bregenzer Stadtarztes Kaspar Hagen (1820–1885).

Das Lied "Uf da Berga ischt mi Läba" von Seeger an der Lutz gelangte zu besonderer Popularität nachdem es der Feldkircher Kirchenmusiker Wunibald Briem (1841-1912) 1893 vertont hatte und zählt noch heute  zu den bekanntesten Volksliedern Vorarlbergs. Trotz "Exils" in Wien war er Vorarlberg und vor allem seiner Heimat Blumenegg sichtlich tief verbunden und besang sie in dem Gedicht: "Frei, sunnig und grötig, an lieblige Fleck, suach umma, wo findscht en as wia’s Bluamanegg". Den Sommer verbrachte Seeger über viele Jahrzehnte hinweg in seinem Ludescher Haus. Dabei schloss er sich dem so genannten Walgauischen Weimar an, einer Art freien Sommerakademie von Künstlern, Gelehrten und Lebensreformern.

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Freitag, 26. Mai 2017

[ #Vorarlberg ] Biotopinventare der Gemeinden Vorarlbergs zum Download






Das Vorarlberger Biotopinventar erfasst und beschreibt die besonders wertvollen Lebensräume (Biotope) Vorarlbergs. Insgesamt sind 113 Großraumbiotope (20,55 % der Fläche Vlbg) und 1385 Biotope (10,43 % der Fläche Vlbg) katalogisiert.


Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Kriterien. Folgende Kriterien sind für die Aufnahme in das Biotopinventar entscheidend:

* Natürlichkeitsgrad
* Seltenheit
* Vorkommen geschützter Arten (Tier- und Pflanzenarten)
* Vorkommen gefährdeter Arten und Gemeinschaften
* Ökologische Wohlfahrtswirkung
* Landschaftsplanerische Bedeutung
* Landeskulturelle Bedeutung
* Wissenschaftliche Bedeutung

Definition. Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorneherein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

Digitalisierung. Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Die Berichte zu den Gemeinden Vorarlbergs stehen als PDF-Download zur Verfügung.

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Dienstag, 28. Februar 2012

Ein (statistischer) Blick auf die Gemeinden Vorarlbergs

"Ein Blick auf die Gemeinde"ist eine regionale Information der Statistik Austria und bietet anhand von Tabellen und Grafiken einen durchgehenden Vergleich der gewählten Gemeinde Vorarlbergs mit dem politischen Bezirk bzw. dem Bundesland, in dem sie liegt. Insgesamt sind es 55 Datenblätter die in ihrer Gesamtheit kostenpflichtig sind.

Acht der insgesamt 55 Datenblätter werden allerdings auch kostenlos online bereit gestellt. Zusätzlich zu diesen acht ausgewählten Blättern werden weitere wichtige Daten aus der Großzählung 2001 und zur Bevölkerungsentwicklung angeboten. Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre.


Ein Blick auf die Gemeinde
* Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsveränderung nach Komponenten
* Wohnungen (Hauptwohnsitze) nach Wohnraumanzahl
* Wohnbaustatistik
* Land- und forstwirtschaftliche Betriebe und Flächen nach Erwerbsart
* Ordentliche Gebarung der Gemeinde
* Außerordentlicher Haushalt und pro Kopf-Ziffern
* Steuereinnahmen und Gemeindesteuer pro Kopf
* Erläuterungen

Probezählung 2006
* Einwohnerzahl 31.10.2006

Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung
* Einwohnerzahl und Komponenten der Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsstruktur

Volkszählung 15. Mai 2001
* Wohnbevölkerung und Bürgerzahl
* Demografische Daten
* Wohnbevölkerung nach Ortschaften
* Lebensunterhalt
* Bildung, Schüler/Studenten, Familie, Haushalte
* Erwerbs- und Schülerpendler; berufliche und wirtschaftliche Merkmale
* Erwerbspendler nach Pendelziel
* Erläuterungen

Gebäude- und Wohnungszählung 15. Mai 2001
* Gebäude und Wohnungen
* Erläuterungen

Arbeitsstättenzählung 15. Mai 2001
* Arbeitsstätten und Beschäftigte
* Arbeitsstätten und Beschäftigte im Vergleich zu 1991
* Erläuterungen

Mehr + Download:
Ein Blick auf die Gemeinden in Vorarlberg