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Mittwoch, 8. März 2023

[ #Vorarlberg ] Vorarlbergs "erster" Arbeits-Migrant: Der Steirer-Hans


"Fremdhäßige", weil sie eine andere Kleidung trugen (Vorarlberger Mundart: "Häß" = Kleidung, Gewand),

Im Jahr 1927 kam ein 18jähriger Steirer nach Vorarlberg. Bis zu seinem Tod im Jahr 1939 arbeitete er im "Sternbräu" in Rankweil als Bierbrauer und Bierfahrer. Er war von Nenzing bis Hohenems als der "Steirer-Hans" bekannt, weil sich niemand seinen Nachnamen (Purkathofer) merken konnte oder wollte. Es war wohl dasselbe "Integrationsproblem" wie heute, denn im Vorarlberger Sprachgebrauch waren solche Zuwanderer "Fremdhäßige", weil sie eine andere Kleidung (Vorarlberger Mundart: "Häß" = Kleidung, Gewand) trugen (also "integrationsunwillig" waren). 1930 heiratete der "Steirer-Hans" eine Beamtentochter aus Hohenems, mit welcher er sieben Kinder hatte.

Innerösterreicher-Ausweis. Freilich hat es Zuwanderung auch schon während der Monarchie gegeben. Aber bevor in den 1960ern Arbeitsmigranten aus der Türkei und Exjugoslawien angeworben wurden, wurden solche aus Kärnten und der Steiermark nach Vorarlberg geholt. Schon ab 1955 wurde die Anwerbung von Arbeitskräften in der Steiermark und in Kärnten betrieben. Dieser Zuzug von österreichischen Staatsbürgern, der in kleinerer Zahl schon vor 1955 bestand, war von der Vorarlberger Landesregierung bereits als alarmierend genug empfunden worden, um einen eigenen Lichtbildausweis für innerösterreichische Zuwanderer zu kreieren, was aber vom Verfassungsgerichtshof untersagt wurde. Am Symbol hielt die Landesregierung dennoch fest und stellte ein dunkelgelbes, gefaltetes Kärtchen aus, nur eben ohne Lichtbild.

Alemannen-Erlass. 1945 war ein enger Mitarbeiter (Elmar Grabherr) des Tiroler NS-Gauleiters Hofer Vorarlberger Landesamtsdirektor geworden und leitete nun die Vorarlberger Beamten weiterhin zu "fremdenfeindlicher" Politik an. Nur waren die "Fremden" damals noch Österreicher. Auf eine besondere Art berühmt geworden war sein "Alemannen-Erlass", ein amtsinternes jedoch öffentlich gewordenes Rundschreiben, das empfahl, bei Stellenbesetzungen im Landesdienst, bei der Vergabe von Fördermitteln und dergleichen in erster Linie die "landsmannschaftliche Herkunft" der Bewerber zu berücksichtigen, die sich durch "objektive Tatsachen wie Abstammung (siehe hier u.a. auch Familiennamen), Geburtsort, ehem. Besitz des Heimatrechtes, langjähriger Aufenthalt, Beherrschung der Mundart ..." zu erkennen sei. 

Wir sehen also, schon die österreichischen Arbeitnehmer aus der Steiermärk oder Kärnten wurden in einer deklassierenden Art als "Ausländer" behandelt.


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Dienstag, 7. März 2023

[ #Feldkirch ] Mauereidechsen in Vorarlberg


Größere Populationen an Mauereidechsen sind in Frastanz, Feldkirch und Rankweil und auch schon am Rheindamm in Hard beobachtet worden. Es kann angenommen werden, dass die Bestände - zumindest um Feldkirch zusammenwachsen, wiewohl sie aus verschiedenen Ursprungsorten stammen. 

In Vorarlberg sind Mauereidechsen - wie sehr häufig nördlich der Alpen - erst durch aktives Handeln der Menschen heimisch geworden. Sämtliche Vorkommen gehen hier auf ausgesetzte Tiere zurück. Mit dem Auftauchen der Mauereidechse (Podarcis muralis) kommen somit insgesamt vier Echsenarten in Vorarlberg vor:
  • Die Mauereidechse (Podarcis muralis
  • Die Zauneidechse (Lacerta agilis),
  • Die Berg- oder Waldeidechse (Zootoca vivipara)
  • Die Blindschleiche (Anguis fragilis) als beinlose Echsenart , von den "Städtern" häufig als Schlange verkannt.
Ardetzenberg. Größere Populationen an Mauereidechsen sind in Frastanz, Feldkirch und Rankweil und auch schon am Rheindamm in Hard beobachtet worden. Es kann angenommen werden, dass die Bestände - zumindest um Feldkirch zusammenwachsen, wiewohl sie aus verschiedenen Ursprungsorten stammen. Im Internet findet sich eine schöne und fundierte Darstellung mit reichlichem Bildmaterial über das (allochthone = gebietsfremde) Vorkommen von Mauereidechsen in Vorarlberg (WOLFRAM SCHURIG & JÜRGEN GEBHART Juni 2009, siehe unter Links).

Dort wird erzählt:
"Die Eidechsen haben sich während der letzten ca. 20 Jahre über den nicht bewaldeten südlichen und östlichen Teil des Ardetzenbergs ausgebreitet und besiedeln mittlerweile das ganze Altstadtgebiet und dort schwerpunktmäßig den Bereich der Schattenburg. Von dort aus erfolgt nun die Besiedelung Ill aufwärts, wo die Gemeinden Göfis und Frastanz erreicht werden. Als Korridor für die Ausbreitung in diese Richtung fungiert die Felsenau-Schlucht, die mit natürlichen Felsen, Mauern, Uferbefestigungen, aufgelassener Straße sowie der stillgelegten Eisenbahntrasse eine Fülle von geeigneten Habitaten aufweist. Nach Süden haben die Eidechsen die Ill überschritten. Hierbei wurde bis zu ihrer Renovierung im Jahr 2007 die historische Hl. Kreuz–Brücke sogar direkt besiedelt. Von dort gelangten die Tiere an den im Süden angrenzenden Blasenberg, der sich bis fast an die liechtensteinische Grenze erstreckt."

Mauereidechse (Podarcis muralis). Die "Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde" hatte die Mauereidechse (Podarcis muralis) zum Reptil des Jahres 2011 gekürt. Damit wird zumindest in der Bundesrepublik Deutschland ein interessantes Schutz und Förderprogramm verbunden.


Doch die Mauereidechse hat hier nicht sein lange angestammtes Habitat, auch wenn man sie bereits die "heimische" Mauereidechse nennt. Sie ist meist vom Menschen eingeschleppt, verfügt aber auch über kluge Anpassungsstrategien, in dem es als Kulturfolger den Veränderungen durch den Menschen folgt und Ersatzhabitate (synanthrop) besetzt.

Zürich Hauptbahnhof. Die Mauereidechse ist im Kern von Nord-, Nordost- und Mittel-Spanien ostwärts über Mitteleuropa und die Balkanländer bis zur Westküste des Schwarzen Meeres verbreitet. In Deutschland kommt die Art schwerpunktmäßig im Südwesten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor. Dabei werden klimatisch begünstigte Hanglagen bevorzugt. Bevorzugt finden sich die Tiere auf nach Südosten oder Südwesten exponierten Flächen. Weil sie sich diese räumlichen Bedingungen mit Weinabaugebieten teilen, werden sie gerne auch als "Weintrinker" tituliert. Als typischer Kulturfolger ist die Mauereidechse eben auch in Weinbergen, an Bahn- und Straßenböschungen sowie an Gebäuden in Siedlungen und Städten anzutreffen.Ihre Anpassungsfähigkeit kann man mit nichts besser beschreiben: Die größte Population nördlich der Alpen lebt auf dem Gelände des Zürcher Hauptbahnhofs.

Streifjäger. Mauereidechsen sind tagaktiv und bestreifen ihren Lebensraum mehrmals am Tag nach Insekten und Spinnentieren ab. Sie sind uns also auch in den Gärten nützlich und ersparen chemische Insektenvernichtungsmittel. Ihr größter Feind dürfte hier die Hauskatze sein. Aber auch Greifvögeln dienen vor allem die Jungtiere in der Nahrungskette. Sie sind mit kräftigen Beinen mit langen Zehen ausgerüstet und ihr Schwanz ist rund doppelt so lang ist wie ihr eigentlicher Körper. Damit sind sie flink und ausgezeichnete Kletterer. Das Gelege wird unter Steinen oder in kleinen selbstgegrabenen Gängen abgelegt. Es umfasst zwei bis zehn Eier. Die Jungtiere schlüpfen - abhängig vom Wetter und der Wärme - nach etwa sechs Wochen von Ende Juni bis Anfang August. Ein früher Schlupf erhöht natürlich die Chancen der Jungtiere, genügend Reserven anzulegen, um erfolgreich überwintern zu können..


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Sonntag, 29. Januar 2023

[ #Rankweil ] Die Rankweiler Dorfordnung von 1596


von Rankweil vom 10. Januar 1596, betreffend die Nutzung des Gemeindegutes, die Gemeindefronen, die Bestellung der Geschworenen, das Nichteinhalten der Flur- und Weggrenzen, das Schließen der Gatter, die Deckung des Holzbedarfs der Bäcker, Färber, Gerber, die Nutzung der Maiengüter, die Wahl des Säckelmeisters, die Gültigkeit der Ordnung auch für die Rodsäumer. 


Im Anhang folgt eine Beschreibung der Grenzen zwischen Rankweil und Altenstadt von 1552.  

Den Ortschaften des Gerichts Rankweil-Sulz standen seit dem ausgehenden Mittelalter in den Urkunden aufscheinende Kollegialorgane vor, die aus einer von der Größe der Siedlung abhängigen Zahl so genannter „Geschworener“ bestanden. Den Rahmen für diese frühe Form der Gemeinde gaben aber nicht die einzelnen Dörfer ab, sondern in der Regel die Pfarren. Ihnen standen Kollegialorgane vor, die aus einer von der Größe der Siedlung abhängigen Zahl so genannter „Geschworener“ bestanden. In Rankweil beispielsweise amtierten sieben „Geschworene“ als „Siebener“. Außerdem gab es dort den „Achtzehner“. Der „Achtzehner“, war ein erweiterten Ausschuss, der vor allem über die Grenzen zwischen Eigentum und Gemeindebesitz zu richten hatte sowie auch über die Anbauordnung entschied.

Die Rankweiler Dorfordnung von 1596. Diese Gemeinden besaßen für den eigenen Zuständigkeitsbereich ein Satzungsrecht, das bedeutet die Gemeinden (meist identisch mit der Pfarre) können selbst Rechtsquellen schaffen. Zu dieser frühen Form des "Kommunalismus" zählt die „Dorfordnung“ welche der „Siebener“ und der „Achtzehner“ namens der Gemeinde Rankweil 1596 festsetzte. Das Satzungsrecht ist ein wichtiger Schritt zur Ablöse des Gewohnheitsrechtes. Sie bietet keine vollständige Kodifikation aller im örtlichen Bereich geltender Normen. Aufgezeichnet wurde vielmehr, was aufgrund von Veränderungen, von Unklarheiten notwendig erschien. Im Mittelpunkt der Rankweiler Ordnung standen die Nutzung der Gemeindewaldungen, die Schonung von Bannwäldern und bestimmter Baumarten, der Feldfluren und der Viehweiden sowie die Organisation des Gemeinwerks zur Erhaltung von Wegen und Wuhren.

In Rankweil, Sulz, Altenstadt, Götzis, Göfis oder Tisis amtierten jeweils sieben Geschworene als „Siebener“. Noch im 18. Jahrhundert hieß es, dass  in Rankweil, die Gemeinde vom Säckelmeister, fünf Geschworenen und zwei Bannwarten „dirigiert“werde.

Säckelmeister, Bannwart, Geschworene. Den Säckelwart kennen wir noch als "Kassier" aus verschiedenen Vereinsstatuten, die Geschworenen waren auf das Gemeinwohl vom Landamann vereidigt. Nach Ablauf der ein- oder zweijährigen Amtszeit hatten sie den neuen binnen zwei Monaten Rechnung zu legen.  Der Säckelmeister musste jährlich vom Siebener und Achtzehner Ausschuss neu bestellt werden. Gewählt wurden die Geschworenen von der „Gemeinde“, das waren aber nur die hausbesitzenden Männer.

Ein Bannwart  musste die ordnungsgemäße Flurnutzung überwachen und dafür Sorge tragen, dass nur die Allmendberechtigten ihr Vieh auf die Weide trieben. Unerlaubterweise weidende Tiere pfändete er und übergab sie dem Tavernwirt, der sie bis zur Erlegung einer Geldbuße im Pfandstall behielt.

Es war also keineswegs so demokratisch wie dies auf den ersten Blick erscheinen mag, aber immerhin eine Art Selbstverwaltung. Und auch die Macht war zeitlich begrenzt, wenngleich die ausscheidenden Geschworenen ein Vorschlagsrecht für die neuen hatten und damit ihre Interessen wohl zu tradieren wussten. Interessant wäre zu wissen, wie sich dieses frühe "Rotationsprinzip" denn auch auswirkte. Kein Zweifel kann aber auch darüber bestehen, dass diese Verwaltung auch sehr auf das eigene Gemeinwesen eingeschränkt und eingeengt war, dass es nicht nur Gemeinwesen organisierte sondern auch Trennung und  Ausschluss von der Gemeinschaft.





Allmende. Ein Sachverhalt, der sich in den Problemen mit den "Agrargemeinschaften in Vorarlberg bis in die heutigen Tage erhalten hat.  Rechtsanwalt Dr, Gottfried Waibel erläutert dazu:
"Die Allmende ermöglichte allen Gemeindebewohnern gemeinsam Güter land- bzw. forstwirtschaftlich zu nutzen (Gemeindegut). Diese Nutzung von Wald und Weide lässt sich bis in die voralemannische Zeit zurückverfolgen. Dabei waren alle Gemeindebewohner stets voll gleichberechtigt. Mit der Zunahme der Dorfbewohner und mit dem Aufkommen neuer Berufsgruppen neben dem traditionellen Bauernstand änderte sich dies. Der Anteil der sogenannten nutzungsberechtigten Gemeindebewohner nahm ab, der Anteil der „rechtlosen“ Gemeindebewohner nahm laufend zu. Nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 80er Jahre verloren dann zahlreiche Gemeinden das Eigentum an neu gegründete Argrargemeinschaften." 
So hat die Agragemeinschaft Rankweil heute etwa 800 Mitglieder und die Marktgemeinde Rankweil ist mit  rd. 12.000 Einwohnern lediglich mit 22,75 Prozent daran beteiligt.


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Donnerstag, 17. November 2022

[ #Rankweil ] NS-Euthanasie: Die ermordeten Patienten der Valduna


In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Behinderte und psychisch Kranke ermordet.

Eine Ausstellung erzählt sechs Lebensgeschichten von Menschen aus Tirol, Vorarlberg und Südtirol. Von ihrer Kindheit und Krankheit. Von Abtransport und Tod. Von Versuchen, Leben zu retten. Vom Überleben. Und von Menschen, die Familienmitglieder verloren haben.




Valduna. Dazu die folgenden Zahlen aus "Euthanasie" in Vorarlberg - Die Ermordung von "Geisteskranken" aus der Valduna und den Versorgungshäusern" (Gernot Kiermayr-Egge , 1990):
  • "Aus der "Landes- Heil- und Pflegeanstalt Valduna" wurden insgesamt 592 Personen deportiert.Darunter waren 145 Schweizer Bürger, die an die Grenze gestellt wurden. 220 Menschen, davon 125 Frauen, wurden im Februar und März 1941 direkt nach Niedernhart bzw. Hartheim gebracht und dort - mit einer einzigen Ausnahme - sofort vergast.
  • 227 Insassen der Anstalt Valduna, unter ihnen 106 Frauen, kamen zunächst in die Anstalt Hall in Tirol. Von diesen wurden 43 nach Hartheim gebracht und dort vergast; 32 davon nach dem Stopp der Vergasungen im Herbst 1941.
  • 68 Personen, die in Hall hatten bleiben können und zum Teil in den Jahren 1942 und 1943 in angeschlossene Anstalten und Versorgungshäuser (Mils, Imst und Ried) verlegt worden waren, starben unter nicht ganz geklärten Umständen. Ihr Tod ist aber jedenfalls zum Teil eine Folge der Deportationen.
  • Somit sind 330 Patienten der Anstalt Valduna im Rahmen der Deportationen zu Tode gekommen, 262 davon vergast worden. 87 von ihnen sind unmittelbar vor den Verlegungen aus Vorarlberger Armen- und Versorgungshäusern nach Valduna gebracht worden. Ungefähr 300 Patienten haben die "Euthanasie" überlebt, allerdings fast die Hälfte nur deswegen, weil ein Zugriff auf sie aus staatsrechtlichen Gründen nicht möglich war. Unter Einrechnung der Schweizer Patienten ist in etwa jeder zweite Patient der Valduna getötet worden; läßt man sie in der Bilanz weg, sind von gut 500 Patienten aus Vorarlberg und Liechtenstein 330 oder 66 Prozent zu Tode gekommen." 
Ausgelöscht. "Ausgelöscht. Opfer der NS-Euthanasie aus Tirol, Vorarlberg und Südtirol" ist der Beitrag des Instituts für Geschichte zu den Aktionstagen der "Jungen Uni 2004". Von Oktober 2003 bis Februar 2005 lief am Institut für Geschichte an der Leopold Franzens Universität Innsbruck eine dreisemestrige Lehrveranstaltung unter dem Titel "Wissenschaftliches Recherchieren und
Schreiben für Ausstellungen / Planung und Organisation von Ausstellungen". Das Ziel der "Projektgruppe Zeitschatten" war es, eine Ausstellung für SchülerInnen zum Thema der "NS-Euthanasie" in Tirol, Vorarlberg und Südtirol zu erstellen. Die Ausstellung richtete sich vor allem an die 9 bis 14-jährigen SchülerInnen. Deshalb war die  Projektgruppe besonders bemüht, das vielschichtige und sensible Thema der "NS-Euthanasie" nicht nur verantwortungsvoll aufzubereiten sondern auch altersgerecht und verständlich zu präsentieren. Die gegenständliche Webseite wurde mit dem Ziel erstellt, die Texte für SchülerInnen lesbar und verständlich werden zu lassen.


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Freitag, 21. Oktober 2022

[ #Rankweil ] Der "Russen-Friedhof" ober der Valduna in Rankweil


Ober der Valduna gibt es einen Waldfriedhof mit dem sogenannten Wehrmachtsfriedhof und dem Russenfriedhof. 


1952 wurden mehrere hundert deutsche Wehrmachtssoldaten, welche am ganzen Friedhof verstreut bestattet waren exhumiert und zu einem  „Wehrmachtsfriedhof“ zusammengelegt. Die Soldaten starben an Hunger und Tuberkulose, an der schlechten Versorgung in der "Heimat".

Russischer Ehrenteil. Unvergleichlich noch weniger Überlebenschancen hatten allerdings die russischen Kriegsgefangenen, welche aus einem Salzburger Lager hierher kommandiert waren. 43 von ihnen sind auf dem "Russenfriedhof" bestattet. Ihr Tod war buchstäblich vorprogrammiert. Das Schwarze Kreuz nennt ihn den "russischen Ehrenteils des Waldfriedhof Valduna-Rankweil", Der Ehrenteil erhielt bei seiner Sanierung 43 Pultsteine aus Granit, in welche die Namen der russischen Kriegsopfer eingraviert wurden. Das Landeshochbauamt errichtete zusätzlich einen Obelisken mit einer Gedenkinschrift. Auch wurde der russische Teil erweitert: 1965 wurden die Leichen russischer Kriegsgefangener an verschiedenen Orten Vorarlbergs exhumiert und ebenfalls auf dem orthodox geweihten Friedhof beigesetzt. Wenig Einfühlsamkeit zeigte man allerdings, als man 1996 einen Gedenksteines für in Russland gefallene deutsche Soldaten ausgerechnet im Bereich des Russenfriedhofes errichtete.


Friedhof für früh verstorbene Kinder2009 wurde auch eine würdevolle letzte Ruhestätte für früh verstorbene Kinder im Waldriedhof, der ansonsten stillgelegt ist, eingerichtet und damit einen wichtigen Beitrag bei der Trauerarbeit der Betroffenen (von totgeborenen) Kindern geleistet. Dieser neue Bereich ersetzt den bisherigen provisorischen Bestattungsbereich, in dem seit 1999 jeweils zu Ostern und zu Allerheiligen zeremonielle Beisetzungen stattfanden. Seit den 1970er Jahren wurden auf dem landeseigenen Friedhof beim Rankweiler Krankenhaus 60 bis 80 Totgeborene pro Jahr beerdigt.

Friedrich Schmidt. Wenig bekannt ist, dass der Waldfriedhof seinerzeit einen angesehenen Planer hatte. Die Planung stammt von dem aus Württemberg stammendenden Pastorensohn und Wiener Dombaumeister Friedrich Schmidt, der bekanntlich nicht nur das Wiener Rathaus gebaut sondern auch in Vorarlberg durch Bauwerke repräsentiert ist: die Pfarrkirche Hl. Sulpitius in Frastanz, die  Pfarrkirche Hll. Josef und Nikolaus in Silbertal und die Pfarrkirche zum Heiligsten Herzen Jesu in Weiler.

Ersatz-Lazarett. Im Ersatz-Lazarett Valduna der deutschen Wehrmacht hatten auch russische Kriegsgefangene des Kriegsgefangenen-Lagers Markt Pongau (Salzburg) "Dienst zu versehen. Russische Kriegsgefangen waren bei der deutschen Wehrmacht Freiwild und wurden ihnen - im Gegensatz zu anderen Kriegsgefangenen - die Rechte nach der Genfer Konvention verweigert.  Aus den auf den Gräbern des "Russenfriedhofes" Rankweil-Valduna in Vorarlberg eingravierten Todesjahre der 43 Opfer des dortigen Reservelazarettes ergibt sich, dass im Jahr 1942 dort 20 sowjetische Kriegsgefangene starben; im Jahr 1943 noch 15 Opfer, von diesen zwölf in den Monaten Jänner bis März. Im Jahr 1944 verstarben noch sechs und im Februar 1945 schließlich noch zwei Kriegsgefangene. Somit verstarben allein bis Frühjahr 1943 fast 75 Prozent der Gesamtopfer des Reservelazarettes Valduna.


Wehrmacht als Mörderbande. Die Bestimmungen für das Verhalten der Wachmannschaft bzw. der Angehörigen der Wehrmacht gegenüber den kriegsgefangenen Angehörigen der Feindmächte war völlig unterschiedlich und wurden auch völlig unterschiedlich gehandhabt. Der Grund dafür lag weit von den Bestimmungen des Kriegsvölkerrechts entfernt und waren ausschließlich rassenideologisch motiviert. Die Kriegsgefangenen der Deutschen Wehrmacht sollten nämlich grundsätzlich nicht gleich behandelt werden, sondern abhängig von ihrem "Volkstum". Es waren aber keineswegs nur die verrückten Gedankengänge der Nationalsozialisten, die Wehrmacht erfüllte die Forderungen der politischen Führung durch die Herausgabe entsprechender Befehle willig und gründlich.

Damit waren die russischen Kriegsgefangenen ihren Peinigern bis zur gänzlichen physischen und psychischen Zerstörung ausgesetzt. Während etwa die amerikanischen Kriegsgefangenen weitgehend nach den Bestimmungen der Genfer Konvention behandelt wurden, wurde in der Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen die Genfer Konvention völlig außer Acht gelassen. Man zielte auf ihre Vernichtung hin. Während man die Todesfälle von Kriegsgefangenen auch in Deutschland grundsätzlich beurkundete, wurden die Todesfälle unter sowjetischen Kriegsgefangenen erst gar nicht in die "Beurkundungen" aufgenommen. Sie zählten nicht. Nach Schätzungen der Historiker betrug die Zahl der Opfer unter den sowjetischen Kriegsgefangenen bis zu 3,3 Millionen toten sowjetischen Kriegsgefangenen in deutscher Hand, was einem Prozentsatz von beinahe 60 Prozent der Gesamtzahl der sowjetischen Kriegsgefangenen entspricht. Ein Verbrechen.

Hohenems. Das Gebiet um den Breitenberg in Hohenems ist geologisch sehr unruhig und aufgrund unterschiedlicher Gesteinsschichtungen seit vielen Jahrhunderten bekannt für massive und unkontrolliert auftretende Felsstürze. Im Januar 1943 war es längere Zeit sehr kalt mit Temperaturen von −16° auch am Tag. Am 13. Jänner 1943 kam es zu einem plötzlichen Föhneinbruch. Durch das Tauwetter lösten sich im Steinbruch Büchele in Unter-Erlach, am „Spitzenegg“, große Steinmassen. Durch den Felssturz wurden sechs russische Kriegsgefangene und drei Einheimische sofort getötet und je drei russische und einheimische Arbeitskräfte schwer verletzt. Einer der verunglückten russischen Gefangenen konnte wegen der akuten Gefahr weiterer Felsabgänge nicht mehr geborgen werden und soll bis heute unter den Steinmassen liegen. Die anderen Opfer wurden auf dem Friedhof bei der Kapelle hl. Sebastian und hl. Antonius (Hohenems) beigesetzt. Die Gräber der russischen Kriegsgefangenen sind heute beim LKH Rankweil (Valduna) auf dem dortigen "Russen-Friedhof.


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Donnerstag, 19. Mai 2022

[ #Bregenz ] Retrodigitalisat online: Buch aus 1839 zur Bregenzer Ehreguta-Sage


1839 erschien in Wien im Verlag von Kaulfuß' Wittwe  "Ehrgute", das auch in die kaiserlich königliche Hofbibliothek Aufnahme fand. Heute ist es als Digitalisat bei der Österreichischen Natiuonalbibliothek online. 

Die Sage berichtet, dass in einer Rankweiler Taverne die alte Dame Guta die Anführer der Appenzeller deren Plan, Bregenz zu überfallen, unfreiwillig mithörte. Als sich die Anführer  das alte Weiblein entdeckten, wollten sie sie natürlich nicht gehen lassen. Erst nachdem Guta Stein und Bein geschworen hatte, keinem Menschen davon zu erzählen, ließen die aufständischen Appenzeller sie laufen. Noch in der Nacht und bei angeblich fürchterlicher Kälte sei Guta nach Bregenz geritten und habe dort alles dem Ofen im Rathaus erzählt. So brach sie nicht den Schwur und habe so Bregenz vor den Appenzellern gerettet.  Seither hätten die Nachwächter ihren Warnungsrufen vor den Gefahren der Nacht und Feuer "Ehret die Guta" beifügen müssen.

Nun das alles ist Sage  oder zumindest vokstümliche, regionalpatriotische oder herrschaftsnützliche Verklärung. Doch als solche hat sie ein langes Leben und auch mehrfache literarische Verarbeitung erfahren. Die Bludenzer Dichterin Grete Gulbransson-Jehly (1882-1934) schrieb 1927 beispielsweise bei einem längeren Aufenthalt auf Burg Gutenberg in Balzers die Ballade "Ehreguta".

Friedrich Wilhelm Arming. Der Arzt und Schriftsteller Friedrich Wilhelm Arming (*1805, Pseudonym William Fitz-Berth, gestorben zu Brooklyn bei New-York in Amerika 4. März 1864) kam als kaiserlich königlicher.Kreiswundarzt 1832 nach Bregenz und wird dort diese Geschichte erzählt bekommen haben. Dass er an historischen Geschichten interessiert war und daraus historische Romane produzierte, ist ja aus anderen seiner Werke, insbesondere über die oberösterreichischen Bauernaufstände bekannt. So erschien 1839 in Wien im Verlag von Kaulfuß' Wittwe  "Ehrgute", das auch in die kaiserlich königliche Hofbibliothek Aufnahme fand. Arming wanderte 1854 mit seiner ganzen Familie nach Amerika aus, wohl unglücklich über die politischen Zustände in Österreich nach der gescheiterten 1848er-Revolution. Dort war er mit Romanen über die amerikanischen Kolonisten weiterhin erfolgreich.  "Ehregute" ist als Retrodigitalisat aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek ebendort online.

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Dienstag, 9. November 2021

[ #Rankweil ] Harald Walser: Der "Fall Beer" und die Vorarlberger Kulturpolitik


Am 2. Juli 1983 sendete der Österreichische Rundfunk ein Interview mit der Vorarlberger Schriftstellerin Nathalie Beer. 

Das darin ausgesprochene Bekenntnis Beers zum nationalsozialistischen Gedankengut im allgemeinen und zu Adolf Hitler im besonderen, die Abschwächung und teilweise Leugnung der Judenverfolgung bzw. -Vernichtung, die Behauptung, Österreich sei keine wirkliche Demokratie, diese und andere Aussagen der Achtzigjährigen sorgten für einen Skandal.

Es muß schon einiges passieren, bis es in Vorarlberg zu Auseinandersetzungen und Diskussionen über Literatur bzw. Literaten kommt, bis sich die Öffentlichkeit – vom "Mann auf der Straße" über die Medien bis zum Landtag – in hitzigen Wortgefechten über die "heimische Szene" ereifert. Letzthin war es der Fall. Mit Gertrud Fussenegger, Eugen Andergassen und Natalie Beer wurden drei Schriftsteller mit der erstmals verliehenen "Franz Michael Felder-Medaille" ausgezeichnet, deren politische Vergangenheit der radikaldemokratischen Einstellung eines Franz Michael Felder wohl kaum gerecht wird. Dies hätte außer einer kleinen Minderheit jedoch wohl kaum jemanden im Lande gestört, zumal politische Lernprozesse auch Dichtern zuzubilligen sind. Gertrud Fussenegger, einst mit Hitler-Panegyrik beschäftigt und illegal für die NSDAP tätig, hat beispielsweise Ehrungen durch die reaktionäre Konrad-Adenauer-Stiftung abgelehnt.

Doch bei Natalie Beer trifft das genaue Gegenteil zu: "Wir sind nicht die Letzten von gestern, sondern die Ersten von morgen", so das Motto der rechtsextremistischen Kommentare. Keine Lektüre für Bonzen und Parasiten. Am 2. Juli 1983 sendete der Österreichische Rundfunk ein Interview mit der Vorarlberger Schriftstellerin. Das darin ausgesprochene Bekenntnis Beers zum nationalsozialistischen Gedankengut im allgemeinen und zu Adolf Hitler im besonderen, die Abschwächung und teilweise Leugnung der Judenverfolgung bzw. -Vernichtung, die Behauptung, Österreich sei keine wirkliche Demokratie, diese und andere Aussagen der Achtzigjährigen sorgten für einen Skandal. Denn Natalie Beer ist nicht irgendwer, sie ist die höchstausgezeichnete Schriftstellerin des Landes, sie ist die einzige Schriftstellerin, die monatlich von der öffentlichen Hand ohne irgendwelche Bedingungen einen stattlichen Betrag erhält, und sie ist Trägerin hoher Auszeichnungen. Sie erhielt – den "Ehrenring dem deutschen Gedicht" (München 1967) – den "Boga-Tinti-Lyrikpreis" (Wien 1973) – das "Silberne Ehrenzeichen" des Landes Vorarlberg (1975) – den Titel "Professor" durch den Bundespräsidenten (1977) – den "Goldenen Ehrenring" der Marktgemeinde Rankweil (1978) – die "Franz Michael Felder-Medaille" (1983).

Die Johann-August-Malin-Gesellschaft macht Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Harald Walser online bzw. als kostenfreies PDF zum Herunterladen.


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Montag, 27. Oktober 2014

Ein (statistischer) Blick auf die Gemeinden Vorarlbergs


"Ein Blick auf die Gemeinde"ist eine regionale Information der Statistik Austria und bietet anhand von Tabellen und Grafiken einen durchgehenden Vergleich der gewählten Gemeinde Vorarlbergs mit dem politischen Bezirk bzw. dem Bundesland, in dem sie liegt. Insgesamt sind es 55 Datenblätter die in ihrer Gesamtheit kostenpflichtig sind.

Acht der insgesamt 55 Datenblätter werden allerdings auch kostenlos online bereit gestellt. Zusätzlich zu diesen acht ausgewählten Blättern werden weitere wichtige Daten aus der Großzählung 2001 und zur Bevölkerungsentwicklung angeboten. Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre.


Ein Blick auf die Gemeinde
* Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsveränderung nach Komponenten
* Wohnungen (Hauptwohnsitze) nach Wohnraumanzahl
* Wohnbaustatistik
* Land- und forstwirtschaftliche Betriebe und Flächen nach Erwerbsart
* Ordentliche Gebarung der Gemeinde
* Außerordentlicher Haushalt und pro Kopf-Ziffern
* Steuereinnahmen und Gemeindesteuer pro Kopf
* Erläuterungen

Probezählung 2006
* Einwohnerzahl 31.10.2006

Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung
* Einwohnerzahl und Komponenten der Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsstruktur

Volkszählung 15. Mai 2001
* Wohnbevölkerung und Bürgerzahl
* Demografische Daten
* Wohnbevölkerung nach Ortschaften
* Lebensunterhalt
* Bildung, Schüler/Studenten, Familie, Haushalte
* Erwerbs- und Schülerpendler; berufliche und wirtschaftliche Merkmale
* Erwerbspendler nach Pendelziel
* Erläuterungen

Gebäude- und Wohnungszählung 15. Mai 2001
* Gebäude und Wohnungen
* Erläuterungen

Arbeitsstättenzählung 15. Mai 2001
* Arbeitsstätten und Beschäftigte
* Arbeitsstätten und Beschäftigte im Vergleich zu 1991
* Erläuterungen

Mehr + Download:
Ein Blick auf die Gemeinden in Vorarlberg

Dienstag, 28. Februar 2012

Biotopinventare der Gemeinden Vorarlbergs zum Download




Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorne herein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Der Bericht steht für jede Gemeinde Vorarlbergs als PDF-Download zur Verfügung.


Mehr + Download:
Aktuelles Biotopinventar (2010) der Gemeinden Vorarlbergs zum Download
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