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Freitag, 17. März 2023

[ #Feldkirch ] Die Eiszeit des Gasserplatzes in Göfis

Naturdenkmal Gletschertopf Göfis © Gemeinde Göfis

Im Rahmen der Bauarbeiten des Ambergtunnels wurde im Gemeindegebiet von Göfis ein Gletschertopf entdeckt.


Naturdenkmal Eiche in Göfis auf dem
Gasserplatz © Gemeinde Göfis
Naturschutzgebiet. Das Naturschutzgebiet Gasserplatz ist ein Feuchtgebiet, das von Wissenschaftlern als Flach- und Zwischenmoor ausgewiesen wird. Es bietet heute seltenen Moorpflanzen Lebensraum.

Der südliche Bereich des Gasserplatzes, der über die Landesstraße von Göfis-Hofen in Richtung Feldkirch erreicht werden kann, ist als Erholungsbereich zum Verweilen gestaltet.

Naturdenkmalbuch. Am nördlichen Waldrand des Gasserplatzesist eine Eiche in das Naturdenkmalbuch eingetragen. Mit einer Höhe von zirka 30 Metern, einem Umfang von rund 3,5 Metern und einem Alter von etwa 250 bis 300 Jahren erhält die Eiche somit den Schutz des Naturschutzgesetzes.

Hinrichtungsstätte. Auf dem Göfner Gasserplatz erfolgte im Jahr 1864 die letzte Hinrichtung. Von dem Delinquenten hat der Platz seinen heutigen Namen.

Vorzeit. Die Gesteine der heutigen Alpen wurden während der Trias und dem Jura an den Küsten des sog. Penninischen Ozeans abgelagert, der damals Afrika im Süden von Europa im Norden trennte. An den Küsten kam es zur Bildung von ausgedehnten Karbonatplattformen, die z.T. von großen Riffkomplexen gesäumt wurden. Durch die Bewegungen des Afrikanischen Kontinents nach Norden wurde der Ozean subduziert, die Kalksteine der Küsten deckenartig übereinandergeschoben (Kreide bis Miozän) und damit der neue Gebirgszug der Alpen "aufgetürmt".

Gletschertopf Gasserplatz - Naturschutzgebiet © Gemeinde Göfis
Eiszeit. In den Eiszeiten bildeten sich in diesem Gebirge große Gletscher, die sich tief in diese Decken einschnitten und die so die heutige Form der Alpen bildeten.

Vor 20.000 Jahren erreichten die Gletscher der letzten, der Würm-Eiszeit ihre grösste Ausdehnung. 2.000 Jahre später begannen der Rückzug. Vor 14.000 Jahren war das Rheintal bereits wieder eisfrei. An diese Kälteperiode erinnern unsere heutigen Gletscher. Auch sie sind ständigen Schwankungen unterworfen. Während der mittelalterlichen Warmzeit zwischen 900 und 1100 n.Chr. waren sie weit zurück geschmolzen. Ab 1570 führte kühleres Klima mit Neuschnee im Sommer bis unter 1000 Meter Seehöhe zu einem ersten Gletscherhochstand um 1640. Es folgten starke Schwankungen mit durchaus warmen Einzeljahren, bis zum letzten Maximum von 1850. Seither schmelzen die Gletscher rasch zurück.

Das Moorgebiet Gasserplatz befindet sich im Konfluenzbereich des eiszeitlichen Rhein- und Illgietschers und ist von ehemaligen Eisrandlagen der Schlussvereisung (Feldkircher Stadium) umgeben. An dieser Stelle entstand beim lokalen Abschmelzen des Illgletschers bereits im Ältesten Dryas ein kleiner See, der bis zum Beginn des Holozäns existierte und sich mit einer ungestörten Ablagerung von Seekreide (Kalkgyttja) füllte.

Die Schlussvereisung im Bereich Göfis - Gasserplatz und das Entstehen dieses Sees wurden untersucht. Die biostratigraphische Zonierung der feinlaminierten Seekreideablagerungen zeigt die Vegetationsgeschichte der direkten Umgebung und die lakustrische Entwicklung des spätglazialen Gasserplatz-Sees, wie mittels einer Pollen- und Makroreste-Analyse festgestellt werden konnte. Dünnschliffanalysen, geoelektrische Aufnahmen und zwei 14C-Altersbestimmungen ergänzen das Bild.


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Dienstag, 13. September 2022

[ #Göfis ] Die Hinrichtung des Josef Gasser in Göfis (1864)


Am 9. September 1864, morgens um 9 Uhr, fand die letzte öffentliche Vollstreckung eines ordentlichen Todesurteils in Vorarlberg statt. 

Gasser-Platz. Der Ort war der nach dem Delinquenten Josef Gasser aus Lauterach, damals 36 Jahre alt,  seither so genannte Gasser-Platz (im Steinwald in Göfis). Der Platz ist heute ein Naturschutzgebiet. Nicht wegen des Josef Gasser, sondern weil es ein Feuchtgebiet ist, das von Wissenschaftlern als Flach- und Zwischenmoor ausgewiesen wird. Es bietet seltenen Moorpflanzen Lebensraum.

Die "Archivale des Monats" des Vorarlberger Landesarchivs für den September 2014 stellt das Protokoll der Hinrichtung online und vermerkt: 
Als zwei Gendarmen am 17. Jänner 1864 in Lauterach den gewalttätigen Josef Gasser entwaffnen wollten, erschoss er einen, den anderen verletzte er schwer. Dann tötete er einen Verwandten, der ihn besänftigen wollte. Gasser verbarrikadierte sich in seinem Haus. Bei Schusswechseln kam ein weiterer Mann ums Leben.
Vor dem Kreisgericht Feldkirch wurde Gasser der Prozess gemacht. Mit der „Feldkircher Zeitung“ berichtete ein modernes Medium aus dem Gerichtssaal. Mord war nach dem Strafgesetz 1852 mit dem Tod zu bestrafen, die Strafe durch den Strang zu vollziehen. Das Urteil wurde bestätigt, ein Gnadengesuch an den Kaiser abgewiesen.
Hinrichtung. Gasser wurde am 9. September zum Richtplatz im Steinwald in Göfis gefahren. Die Hinrichtung war nach der Strafprozessordnung von 1853 öffentlich und das Publikum hatte so großes "Interesse", dass man der damaligen Feldkircher Rösslewirtin den Ausspruch „A so a Henggate ischt mir lieber als zehn Primiza“ nachsagt.

Das zeigt, dass auch in dem damals erzkatholischen Vorarlberg auch noch ganz ohne Einfluss einer Yellow-Presse die Moral eine andere war als sie sonst an Kirchtagen fromm gezeigt wurde. Aber auch die Predigt des Geistlichen nach der Hinrichtung war alles andere denn eine feine und anständige: Er beschuldigte die Eltern des längst erwachsenen und für sich selber verantwortlichen Josef Gasser, dass sie ihn religionslos und religionswidrig erzogen hätten.

Reform. Der exzessartige Publikumsauflauf bei den Wiener Hinrichtungen hat 1873 zu einer Reform der Strafprozessordnung geführt. Danach hatten Hinrichtungen innerhalb der Gefängnismauer stattzufinden. Die letzte Hinrichtung fand in Vorarlberg am 15. September 1947 um 5:30 früh statt. Hingerichtet wurde der "Doppelmörder von Altach" Egon Ender.


[Zeitreiseführer-Vorarlberg]⇒

Freitag, 22. April 2022

[ #Göfis ] Die frühneuzeitliche Raumplanung in Vorarlberg


Göfis: Urkunde vom 29. November 1529 © VLA

Kaum zu glauben: Schon damals galt das Interesse der Zersiedelung entgegen zu wirken.

Die frühneuzeitliche Raumplanung in Vorarlberg hört sich auch aus heutiger Sicht fortschrittlich an. Sie war auf eine Raumplanung ausgerichtet, die heute oft nur verhalten angestrebt wird: Allmende, Wald- und Landwirtschaftsflächen sollten vor Zersiedelung geschützt sein. Gesiedelt wurde innerhalb der Stadtmauern und wie man an der Stadt Feldkirch sehen kann, wurde dort auch platzsparend mehrgeschossig gebaut.

Freilich wurde das städtische Baumischgebiet sehr wohl auch zünftisch geteilt, wie Straßennamen uns noch kundtun: Gerberstraße, Schlossergasse, Sägerstraße, Schmiedgasse weisen darauf hin und versammelten die Konkurrenz und Betriebe an einem Ort. Auch der Handel hatte seinen Point of Sale im Ort: Viehmarkt, Kornmarkt, Obstmarkt, ... . Die Kirchenherren wohnten in den Herrengassen, in Hohenems, einer Gemeinde mit der einzigen langandauernden jüdischen Besiedlung, gab es im Ortskern die Judengasse und die Christengasse.

Vorbehaltsflächen gab es sowohl für öffentliche Bedürfnisse (Rathaus, Zeughaus, Dogana, Schulhaus und Spital) wie auch für religiöse Zwecke, für Kirchen und Klöster.
Die Archivale des Monats April 2011 des Vorarlberger Landesarchivs zeigt eine Urkunde vom 29. November 1529, welche die seinerzeitigen Raumplanungsmotive anhand der landwirtschaftlichen Gemeinde Göfis als Schutz der landwirtschaftlichen Flächen darlegt.
Prof. Alois Niederstätter vom Vorarlberger Landesarchiv führt dazu aus: "Die sieben Dorfgeschworenen von Göfis hatten sich in ihrer Funktion als Gemeindeorgan („Siebener“) bei Graf Hugo von Montfort, dem österreichischen Vogt der Herrschaft Feldkirch, darüber beklagt, dass man außerhalb ihrer Dorfmarken Grundstücke bebaue sowie Wohnhäuser errichte und auf damit der Gemeinde Schaden zufüge. Der Vogt nahm sich der Angelegenheit an, beauftragte eine aus den herrschaftlichen Beamten in Feldkirch und dem Rankweiler Landammann bestehende Kommission mit der Erhebung der Marken von Göfis, Hofen, Runggels, Tufers, Pfitz und Dums, ließ diese aufzeichnen und untersagte schließlich wunschgemäß jegliche Bautätigkeit außerhalb derselben.

Matthäus Merian - Feldkirch
("Topographia Sveviae" 1643)
© Wikimedia
Die grundsätzlich nicht auf Expansion, sondern auf Bestandserhaltung fixierte spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Gesellschaft wusste dem damals nicht unbeträchtlichen Bevölkerungswachstum nur mit Restriktionen zu begegnen. Insbesondere sollten Siedlungserweiterungen zu Lasten der Feldfluren sowie der Allmende – des gemeinschaftlich genutzten, aus Weideflächen und Wald bestehenden Gemeindelandes – unterbunden, Neubauten nur innerhalb der bereits bestehenden Dorfgrenzen gestattet werden. Solche „raumplanerischen“ Regularien, die wir auch aus zahlreichen anderen Vorarlberger Ortschaften kennen, wurden zur besseren Durchsetzbarkeit in aller Regel im Zusammenwirken mit der Landesherrschaft bzw. ihrem regionalen Vertreter, dem Vogt, erlassen."


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Donnerstag, 24. März 2022

[ #Göfis ] Dr. Carl Lampert aus Göfis


Aus dem Verhörprotokoll: „Das Evangelium ist Gottes Wort und verkündet die Liebe. Das Buch des Herrn Hitler ist das Werk eines Menschen und predigt den Hass!“

Am 13. November 1944 um 16 Uhr endete das Leben des österreichischen Priesters Carl Lampert im Zuchthaus "Roter Ochse" in Halle an der Saale durch das Fallbeil. Nun ist er am 13. November 2011 selig gesprochen worden.

Carl Lampert, Priester (1918)

Carl Lampert (* 9. Januar 1894 in Göfis; † 13. November 1944 in Halle (Saale)) war das höchstrangige NS-Opfer im österreichischen Klerus und dort aus Sicht der Nazis der "gefährlichste Mann".

Carl Lampert begann sein Wirken als Kaplan in Dornbirn, wo er sich vor allem um die Jugendarbeit bemüht machte. Im Jahr 1930 zog er nach Rom, um dort das Studium des Kirchenrechts aufzunehmen. Im Jahr 1935 wurde er in den Rang eines Advokaten erhoben und zum Monsignore ernannt.

Am 1. Oktober 1935 trat Lampert seine Stelle in der Diözese Innsbruck an. Hier sollte er den Aufbau des kirchlichen Gerichts überwachen. Er war Geistlicher im Innsbrucker Priesterseminar sowie ab 1936 Präsident des katholischen Verlagshauses Tyrolia. Am 15. Januar 1939 wurde er zum Provikar ernannt und somit zum Stellvertreter von Bischof Paulus Rusch.

Tabellarische Biografie:


9.1.1894 Geboren in Göfis
1914 Matura im Gymnasium Feldkirch
12.5.1918 Priesterweihe in Brixen
26.5.1918 Primiz in Göfis
1918–1930 Kaplan und Religionslehrer in Dornbirn St. Martin
1930–1935 Kirchenrechts­ und Rota­Studium in Rom
1.10.1935 Ernennung zum Gerichtsvikar (Innsbruck­Feldkirch)
15.1.1939 Ernennung zum Provikar in Innsbruck
1940 Dreimal im Gestapo­Gefängnis von Innsbruck
24.8.1940 Einlieferung ins KZ Dachau
30.8.1940 Überstellung ins KZ Sachsenhausen
14.12.1940 Rücktransport ins KZ Dachau
16.8.1941 Verbannung nach Stettin
04.2.1943 Inhaftierung im Gefängnis von Stettin
06.12.1943 Überstellung ins Gefängnis „Roter Ochse“ in Halle/Saale
20.12.1943 Erstes Todesurteil in Halle/Saale durch das Reichskriegsgericht
14.1.1944 Überstellung ins Gefängnis „Fort Zinna“ in Torgau
08.9.1944 Zweites Todesurteil in Torgau wegen Spionage
10.11.1944 Überstellung ins Gefängnis „Roter Ochse“ in Halle/Saale
13.11.1944 Enthauptung in Halle/Saale
17.11.1944 Beisetzung der Urne im Gertraudenfriedhof in Halle/Saale
13.11.1948 Beisetzung der Urne in Göfis
1.10.1998 Beginn des Seligsprechungsverfahrens in Feldkirch
27.6.2011 Anerkennung des Martyriums durch Papst Benedikt XVI.
13.11.2011 Seligsprechungsfeier in Dornbirn St. Marti

Gauleiter Franz Hofer.
Der nationalsozialistische Gauleiter von Tirol und Vorarlberg, Franz Hofer, betrieb eine rigorose Anti-Kirchen-Politik, ließ Klöster schließen und Ordensleute verhaften, darunter im November 1938 das Canisianum und in den ersten Märztagen des Jahres 1940 auch das Kloster der Ewigen Anbetung in Innsbruck.

Mehrmals wurde Lampert in Gestapo-Haft genommen. Wegen seines Eintretens für den 1940 im KZ Buchenwald ermordeten Tiroler Pfarrer Otto Neururer begann für Provikar Lampert im August 1940 ein Martyrium durch die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen-Oranienburg. 1941 wurde Lampert verboten, den Gau "Tirol-Vorarlberg" zu betreten und nach Stettin verbannt. Ein Gestapo-Spitzel sorgte für seine neuerliche Verhaftung. Am 13. November 1944 wurde Provikar Lampert in Halle an der Saale enthauptet.


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Montag, 20. Dezember 2021

[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Wilderergeschichten: Tödliche Jagd auf die Jäger

Screenshot Vorarlberger Jagdzeitung
Am 13. Juni 1915 wird am Ufer der Ill unterhalb von Feldkirch die nackte Leiche des Jagdaufsehers Gebhard Scheyer aus Göfis aufgefunden. 

Die beiden Täter konnten in den Kriegsjahren - die Menschen hatten anderes im Sinne - erreichen, dass das Verfahren gegen sie eingestellt wurde. Doch beinahe zwölf Jahre später wurden sie zu zwölf Jahren schweren Kerkers verurteilt.

Keine Schonzeit. Doch es war nicht die einzige Gewalthandlung gegen Jäger in Vorarlberg. Eine ganze Reihe von Angriffen (von Wilderern) berichtet die Vorarlberger Jagdzeitung (Ausgabe März-April) 2011 zwischen den Jahren 1902 und 1926. 


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Montag, 28. Juni 2021

[ #Bregenz ] In monasterio Prigantino: Ältestes Vorarlberger St. Nikolaus-Patrozinium in Bregenz (1172)

Schiedsspruch 1172 © VLA

1172 wurde eine St.-Nikolaus-Kapelle in Bregenz Mehrerau zugespochen. Dieser Schiedsspruch ist das älteste schriftliche Zeugnis für die Verehrung des hl. Nikolaus in Vorarlberg.

Die monatlichen Kleinausstellungen von Archivalien des Vorarlberger Landesarchives sind ein Beitrag zu einem "Online-Gedächtsnis" Vorarlbergs. Monat für Monat wird aus den Archivbeständen des Vorarlberger Landesarchives ein "Fundstück" präsentiert, wobei sichtlich möglichst ein aktueller Bezug hergestellt wird.

In monasterio Prigantino. Im Dezmber 2012 wird eine Urkunde eines Schiedsspruches vorgestellt: Unter Vorsitz des Bischofs Otto von Konstanz wird in Gegenwart vieler Laien und Kleriker wird 1172 "in monasterio Prigantino" also im Kloster in Bregenz, dem Kloster Bregenz durch Richterspruch die Nikolauskapelle an der Nordseite der Mutterpfarre Bregenz zugesprochen, welche der Leutepriester Eberhard für sich beanspruchte. Vier Mitglieder des Konstanzer Domkapitels waren ebenfalls anwesend, sogar der Stellvertreter (Vicedominus). Die Rechtssprechung scheint offenbar als eine Gemeinschaftsaufgabe des Domkapitels im Sinne einer Chorgerichtsbarkeit wahrgenommen worden sein.

Neben der ersten Erwähnung eines Nikolaus-Patroziniums in Vorarlberg wäre eben wohl auch der damit dokumentierte frühe Interessenskonflikt zwischen mächtigem Kloster und einfachem Leutepriester, bzw. Kloster und Stadtkirche interessant.

Univ.-Prof. Dr. Alois Niederstätter stellt die Archivalie folgendermaßen vor:
"Im Jahr 1172 kam im Kloster Mehrerau eine illustre Runde zusammen, um einen Streit zu schlichten. Den Vorsitz führte Bischof Otto von Konstanz, ihm zur Seite standen Domherren, Archidiakone, der Abt von Kreuzlingen, weitere Geistliche und eine Reihe von Adeligen. Es ging um die Verfügungsgewalt der hier erstmals urkundlich genannten, an der Nordseite der Bregenzer St. Gallus-Pfarrkirche bestehenden St.-Nikolaus-Kapelle, die der „Leutpriester“ (plebanus) Eberhard gemeinsam mit dem Zehnt für sich beanspruchte.
Nach langer Rede und Gegenrede wurden Kapelle und Zehnt der Mehrerau zugesprochen, allerdings sollten die Mönche in jedem dritten Jahr Gemüse und Wein mit Eberhard teilen.
Damit liegt das älteste Zeugnis für die Verehrung des hl. Nikolaus von Myra im heutigen Vorarlberg vor. Sein Kult stammt aus dem byzantinischen Raum, im 10. Jahrhundert gelangte er aus Italien in den deutschsprachigen Raum. Zu seiner Verbreitung trug vor allem bei, dass 1087 Seefahrer aus Bari die dem Heiligen zugeschriebenen Gebeine in Myra entwendeten und in ihre Heimatstadt brachten. Im Verlauf des Mittelalters benannte man nördlich der Alpen etwa 2200 Kirchen nach ihm.
Zunächst in erster Linie Patron der Seeleute und Händler, wurde der hl. Nikolaus nach und nach zum Helfer in allen Lebenslagen, seit dem 16. Jahrhundert ist er als Gabenbringer für die Kinder bezeugt."

Hl. Nikolaus, Kirchenfenster
Göfis, um 1230 © VLA
St. Nikolaus-Scheibe aus Göfis. Die 78 cm hohe und 34 cm breite Scheibe ist die einzige erhaltene romanische Glasmalerei in Vorarlberg und zählt zu den ältesten und besten in Österreich. Durch Stilvergleiche wird ihre Entstehung von Kunsthistorikern auf die Zeit nach 1200 angesetzt. Die Scheibe ist im unteren Teil vermutlich bei einer Renovierung beschnitten worden. Sie ist heute im Besitz des Landesmuseums.

Die Nikolausverehrung nahm zur Zeit der Kreuzzüge einen besonderen Aufschwung. Die Scheibe aus Göfis ist neben der erwähnten urkunde ein Beleg früher Nikolaus-Verehrung in Vorarlberg. St. Nikolaus galt als Patron der Reisenden. Der Heilige, durch den Namenszug im äußeren Bogenrand oben eindeutig identifiziert, hält in der linken Hand den Bischofsstab und erteilt mit der rechten den Segen. Die flächige, stilisierte Formgebung der Figur, unter Beigabe einfacher geometrischer Ordnungselemente mit feinen ornamentalen Auszierungen (besonders im hellen Hintergrundfeld) ist ein Merkmal der romanischen Glasmalerei.

Alois Niederstätter.
Leiter des Vorarlberger Landesarchivs und Universitätsdozent. Geb. 1955 in Bregenz, Studium der Geschichte und Germanistik in Salzburg, Dr. phil. 1980, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsfor­schung, Habilitation für Historische Hilfswissenschaften und alemannische Landesgeschichte, Gastprofessor in Innsbruck im Som­mersemester 1997 und im Sommersemester 2002; Forschungsschwerpunkte: zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Mittelalters, insbesondere des Spätmittelalters, sowie zur Regionalgeschichte des Bodenseeraumes.

Ao.Univ.-Prof. Dr. Alois Niederstätter ist Lehrbeauftragter am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck. Lehrtätigkeit: Geschichte des Mittelalters, Vorarlberger Landesgeschichte, Historische Hilfswissenschaften.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

Montag, 27. Oktober 2014

Biotopinventare der Gemeinden Vorarlbergs zum Download




Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorne herein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Der Bericht steht für jede Gemeinde Vorarlbergs als PDF-Download zur Verfügung.

Mehr + Download:
Aktuelles Biotopinventar (2010) der Gemeinden Vorarlbergs zum Download

Dienstag, 28. Februar 2012

Biotopinventare der Gemeinden Vorarlbergs zum Download


Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorne herein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Der Bericht steht für jede Gemeinde Vorarlbergs als PDF-Download zur Verfügung.

Mehr + Download:
Aktuelles Biotopinventar (2010) der Gemeinden Vorarlbergs zum Download

Sonntag, 3. Juli 2011

Ein (statistischer) Blick auf die Gemeinden Vorarlbergs

"Ein Blick auf die Gemeinde"
ist eine regionale Information der Statistik Austria und bietet anhand von Tabellen und Grafiken einen durchgehenden Vergleich der gewählten Gemeinde Vorarlbergs mit dem politischen Bezirk bzw. dem Bundesland, in dem sie liegt. Insgesamt sind es 55 Datenblätter die in ihrer Gesamtheit kostenpflichtig sind.

Acht der insgesamt 55 Datenblätter werden allerdings auch kostenlos online bereit gestellt. Zusätzlich zu diesen acht ausgewählten Blättern werden weitere wichtige Daten aus der Großzählung 2001 und zur Bevölkerungsentwicklung angeboten. Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre.


Ein Blick auf die Gemeinde
* Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsveränderung nach Komponenten
* Wohnungen (Hauptwohnsitze) nach Wohnraumanzahl
* Wohnbaustatistik
* Land- und forstwirtschaftliche Betriebe und Flächen nach Erwerbsart
* Ordentliche Gebarung der Gemeinde
* Außerordentlicher Haushalt und pro Kopf-Ziffern
* Steuereinnahmen und Gemeindesteuer pro Kopf
* Erläuterungen

Probezählung 2006
* Einwohnerzahl 31.10.2006

Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung
* Einwohnerzahl und Komponenten der Bevölkerungsentwicklung
* Bevölkerungsstruktur

Volkszählung 15. Mai 2001
* Wohnbevölkerung und Bürgerzahl
* Demografische Daten
* Wohnbevölkerung nach Ortschaften
* Lebensunterhalt
* Bildung, Schüler/Studenten, Familie, Haushalte
* Erwerbs- und Schülerpendler; berufliche und wirtschaftliche Merkmale
* Erwerbspendler nach Pendelziel
* Erläuterungen

Gebäude- und Wohnungszählung 15. Mai 2001
* Gebäude und Wohnungen
* Erläuterungen

Arbeitsstättenzählung 15. Mai 2001
* Arbeitsstätten und Beschäftigte
* Arbeitsstätten und Beschäftigte im Vergleich zu 1991
* Erläuterungen

Mehr + Download:
Ein Blick auf die Gemeinden in Vorarlberg