Dienstag, 19. Juni 2018

[ #Bludenz ] Mord im Kloster: Sankt Peter in Bludenz


Das vermutlich um 1286 gegründete Sankt Peter gilt als ältestes bestehendes Kloster im Land Vorarlberg.  Am Vormittag des 10. August 1796 ermordete eine fanatisierte Menge den Kreishauptmann Indermauer und seine Begleiter auf bestialische Weise.

Das vermutlich um 1286 gegründete Sankt Peter gilt als ältestes bestehendes Kloster im Land Vorarlberg. Die erste urkundliche Nennung der St. Peterskirche stammt aus dem Jahr 1278; 1286 erhalten die Nonnen vom Churer Bischof Friedrich von Montfort die Regel des Hl. Augustinus sowie als urkundliche Schenkung die St. Peterskirche. Um 1420 weiht der Churer Weihbischof Pantaleon eine neue Klosterkirche ein. 1525 wird das Kloster von einem schweren Brand heimgesucht; alles wird vernichtet.

Ignaz Anton von Indermauer. In der Neuzeit erlangte das Kloster St.Peter in Bludenz besondere Aufmerksamkeit durch die Ermordung des Vorarlberger Kreishauptmannes Ignaz Anton von Indermauer am 9. August 1796, gemeinsam mit dem Oberamtsrat Franzin und dem Bregenzer Bürgermeister Weber durch rebellische Bauern aus Bürs und Montafon.

Auswanderungsverbot! Als Kreishauptmann unter dem Reformer Joseph II. schuf sich Indermauer viele Feinde in den konservativen Kreisen der Bevölkerung. Er führte die Untersuchungen über die Unruhen gegen die josephinischen Reformen und hatte im Ersten Koalitionskrieg die Ausfuhrsperre sowie das Auswanderungsverbot in die von der Französischen Revolution erfassten Länder zu überwachen. Ja - richtig gelesen! Die Vorarlberger Bevölkerung erregte der Umstand, dass sie nicht auswandern durften! Diese unpopulären Maßnahmen trafen sowohl die in der Textilproduktion Beschäftigten wie auch die zahlreichen Vorarlberger Saisonarbeiter, die traditionsgemäß den Sommer über in Frankreich arbeiteten.

Konservative Schulfeindlichkeit. Das ist aber noch lange nicht die "ganze Wahrheit". Bludenz weigerte sich beispielsweise schon 1777 die Kosten für die Lehrerausbildung zu bezahlen, was dazu führte, dass Bürgermeister und Bürgerschaftsvertreter 1779 für fünf Monate inhaftiert wurden. Vorarlberg zeigte sich schon damals kirchlich konservativ. Die Konflikte setzten sich jedoch fort, selbst nachdem die Stadt 1780 – wie schon zuvor Feldkirch und Bregenz – direkt der kaiserlichen Regierung unterstellt worden war. Seit Sommer 1786 amtierte in Bludenz anstelle von Stadtrat und Bürgermeister ein kaiserlicher Administrator.

Mord im Kloster. Im Frühjahr und Sommer 1789 äußerte vor allem die ländliche Bevölkerung der Pfarre Bludenz ihre Unzufriedenheit mit den neuen politischen Verhältnissen. Sie widersetzte sich mehrfach den josephinischen Kirchenreformen und ihrem Hauptvertreter, dem Pfarrer. Bei den bald darauf folgenden Abwehrkämpfen gegen die Franzosen, die im Zug des Ersten Koalitionskrieges auf Vorarlberg vorrückten, standen die Bludenzer Schützen unter dem Kommando des Kronenwirts Bernhard Riedmiller, der aus der Gegend von Memmingen stammte. Im Verlauf der Ereignisse kam es im Sommer 1796 im Kloster St. Peter zu dem schwerwiegenden Vorfall: Eine aufgebrachte Volksmasse aus der Region ermordete dort den Kreishauptmann Ignaz Anton von Indermauer und zwei weitere Beamte, die des Landesverrats bezichtigt wurden.

Bernhard Riedmiller.
Der Bludenzer "Freiheitskämpfer" Bernhard Riedmiller war übrigens nicht nur "Freiheitskämpfer" gegen die französischen Freiheiten sondern entzog sich 1809 den Gläubigern durch die Flucht ins benachbarte Tirol, wo der hoch Verschuldete sich den Tiroler Aufständischen anschloss. 1810 hatte er englische Unterstützungsgelder für die Aufständischen zu verteilen, wo er dann der Unterschlagung großer Summen beschuldigt wurde. Eine Untersuchungskommission erklärte den Bludenzer Freiheitshelden 1823 teilweise für schuldig und pfändete seine Pension zur Hälfte.

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[ #Vorarlberg ] Zensur in Vorarlberg: Sergej Eisenstein "Panzerkreuzer Potemkin"

Bild: Arbeiterzeitung vom 1.9.1926
Panzerkreuzer Potemkin ist ein Stummfilm des Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925. Er wurde am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der Revolution des Jahres 1905 uraufgeführt.


Am 29. April 1926 wird im Apollo-Kino in Berlin der Berlin in Deutschland erstmals aufgeführt. Die kommunistische Berliner Filmfirma Prometheus produziert 1926 sogar eine Fassung mit deutschen Zwischentiteln und beauftragt den jungen Wiener Komponisten Edmund Meisel eigens dafür Filmmusik zu komponieren. Vier Jahre später stellt Meisel sogar eine komplette Tonfassung für den Film her, die Geräusche und gesprochene Dialoge enthält, welche die obligatorischen Zwischentitel ersetzen.

In Vorarlberg lässt der spätere Kurzzeit-Bundeskanzler und Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender trotz gesetzlichen Verbots der Zensur 1926 die Vorführung des Films untersagen. Die junge österreichische Erste Republik kannte eigentlich seit 1918 keine Zensur mehr. Hatte der Film ursprünglich ohne Probleme vorgeführt werden können, so änderten die Zensoren doch noch rasch ihre Meinung und verhängten ein Verbot auf Grund „subversiver Tendenzen“.

Der international so berühmte Stummfilm steht nun endlich auch "zum Abspielen" online.

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Samstag, 16. Juni 2018

[ #Dornbirn ] Dornbirner Sagen


Dornbirner Sagen spielen im Dornbirner Grundschulunterricht häufig eine wichtige Rolle. 

Besonders in der vierten Schulstufe sollen solche Sagen nacherzählt werden und nicht selten wird fächerübergreifend bereits in der dirtten Klasse im "Dornbirn-Sachunterricht" darauf eingegangen. Das ist schon für alle nicht in Dornbirn und mit Dornbirner Eltern aufgewachsenen Kindern schwer, insbesondere wenn Dialektausdrücke die Sage durchziehen. Noch schwerer ist es für Kinder die aus anderen Kulturkreisen kommen und diese Dornbirner Geschichten nicht einordnen können.
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!
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Freitag, 15. Juni 2018

[ #Klostertal ] Digital: J. J. Gaßner: ... nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten.


Digital: J. J. Gaßner: ... nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten.

Johann Joseph Gaßner war ein Exorzist, der 1727 in Braz zur Welt kam. Er studierte in Innsbruck und Prag und wurde 1750 in Chur zum Priester geweiht. In Dalaas war er ab 1751 Frühmeßner und 1758 Pfarrer in Klösterle. Hier seine 1775 in Augsburg erschienene Anleitung für die Teufelsaustreibung als Digitalisat online.

Das Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) digitalisiert seit 1997 die historischen Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek und anderer Gedächtnisorganisationen. Es bietet eine der größten und am schnellsten wachsenden digitalen Sammlungen in Deutschland.  In diesem Rahmen liegt das Werk des Vorarlberger Exorcisten als Retrodigitalisat vor und kann auch als "Book on Demand" bestellt werden:
Gassner, Johann Joseph: Des Hochwürdigen Und Hochgelehrten Herrn Johann Joseph Gaßner, der Gottesgelahrtheit und des geistlichen Rechts Candidaten, freyresigniren Pfarrern zu Klösterl nun Hofcaplan, Und geistl. Rath Sr. Hochfürstl. Gnaden des Bischoffs von Regensburg, Probsten und Herrn zu Ellwang [et]c. Weise fromm und gesund zu leben, auch ruhig und gottseelig zu sterben, oder nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten: durch Beantwortung der Fragen: I. Kann der Teufel dem Leibe der Menschen schaden? II. Welchen am mehresten? III. Wie ist zu helfen?
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            [ #Dornbirn ] Die Gloriette am Dornbirner Zanzenberg


            Im Jahre 1856 hatte der als Textilindustrieller wirkende und immer an technischen Neuerungen interessierte Dornbirner Fabrikant Johann Georg Ulmer (1807-75) den Aussichtspavillon am Dornbirner Zanzenberg die "Gloriette" errichten lassen. Heute kennt kaum jemand mehr den imposanten Park und seinen baulichen Höhepunkt, ebenso wenig die politische Bedeutung im 19. Jahrhundert.


            Johann Georg Ulmer.  Karl Ulmer und seine Söhne sind ein Teil einer fast vergessenen Vorarlberger Industriegeschichte. Sie gründeten in den Parzellen Schwefel-Rohrbach die erste ausgeprägte 'Industrielandschaft' des Landes. Nach seinem Tod führte sein Sohn Johann Georg Ulmer den Betrieb fort. Als Erster in Vorarlberg errichtete Ulmer eine mechanische Weberei. Die Gebrüder Rosenthal aus der Hohenemser jüdischen Gemeinde richteten 1838 auf dem Betriebsgelände des Johann Georg Ulmers in Dornbirn eine Spinnerei ein. Später gingen die meisten Gebäude in den Besitz der Firma Franz Martin Rhomberg über.

            Die Familie Ulmer ist schon vor ihrer industriellen Pionierleistung aufgefallen. Karl Ulmers Onkel Franz Josef Ulmer war der Löwenwirt im Hatlerdorf und führte in den Jahren 1789 bis 1791 einen Aufstand gegen die religiösen Neuerungen Kaiser Josephs II. an. Er starb deshalb im Gefängnis. Karl Ulmers Vater Adam war Vorsteher im Oberdorf. Er fiel einem Mordanschlag zum Opfer. Mit dem Untergang der Firma Rhomberg droht auch die Geschichte dieser Familie und ihre enorme Modernisierungsleistung für Vorarlbergs Industrie vergessen zu werden.

            Nicht nur die Gloriette am Zanzenberg auch am Marktplatz erinnert das Ulmer-Haus an die Familie. Die Johann Georg Ulmer Straße im Schwefel behält den Namen in ihrem ursprünglichen Wirkungsgebiet im Umfeld des Schwefel in Erinnerung.

            Kulturkampf um die Gloriette. Die Gloriette spielte er in der Stadtgeschichte und im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts eine wichtige und symbolträchtige Rolle. Freilich war sie dort schon in den Besitz des Textilindustriellen Viktor Hämmerle übergegangen. Ein Zitat aus aus dem Beitrag von Karin Schneider "Im kaiserlichen Blick. Bürgerliche Selbstdarstellung in Dornbirn":
            Auf dem Zanzenberg wurden ausschließlich Festlichkeiten begangen, die im weitesten Sinn mit dem liberalen Lager in Zusammenhang standen. Das ging so weit, dass dieses Plateau für die Klerikal-Konservativen bzw. Christlichsozialen den Hort des Liberalismus per se symbolisierte. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch die Person seines Besitzers, Viktor Hämmerle, der sich politisch auf Seiten der Liberalen engagierte.   
            Eine satirisch-polemische Zeichnung, die anlässlich der sozialen und wirtschaftlichen "Vernachlässigung" des "Bauernstandes" von konservativer Seite angefertigt wurde, wählt nicht etwa die von der liberalen Mehrheit beherrschte Gemeindestube, sondern den Zanzenberg zum Ort des Geschehens. Die Illustration zeigt den licht bewaldeten Zanzenberg, auf dessen Bäumen Dutzende von Bauern an den Zehen aufgehängt sind. Im Schatten der Bäume spazieren die liberalen Fabrikanten und Bildungsbürger, einige lesen auch in Zeitungen. Diese enthalten lange Artikel über das Volkswohl, die Aufklärung, Bildung und Fortschritt. Am Fuß des Zanzenberges stehen abgemagerte Arbeiter "voller Furcht vor der liberalen Hebung des Bauernstandes".  


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              [ #Altach ] Ein statistischer Blick auf die Gemeinde ALTACH in Vorarlberg - (GKZ 80401)


              "Ein Blick auf die Gemeinde" 80401 - Altach ist eine regionale Information der Statistik Austria und bietet anhand von Tabellen und Grafiken einen durchgehenden Vergleich der gewählten Gemeinde Vorarlbergs mit dem politischen Bezirk bzw. dem Bundesland, in dem sie liegt.  

              Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre. Insgesamt sind es 55 Datenblätter die in ihrer Gesamtheit kostenpflichtig sind. Acht der insgesamt 55 Datenblätter werden allerdings auch kostenlos online bereit gestellt. Zusätzlich zu diesen acht ausgewählten Blättern werden weitere wichtige Daten aus der Großzählung 2001 und zur Bevölkerungsentwicklung angeboten. Ein unverzichtbarer Behelf für örtliche Gemeindefunktionäre.

              Gemeindekennziffer (GKZ) 80401 - Altach. Nach den Bestimmungen der österreichischen Bundesverfassung (Art. 115 bis 120) ist der Wirkungsbereich der Gemeinde ein eigener und ein vom Bund oder vom Land übertragener, das heißt, dass die Gemeinde sowohl eine Gebietskörperschaft mit dem Recht auf Selbstverwaltung und zugleich Verwaltungssprengel ist. Das Gemeindeverzeichnis bildet diese Verwaltungsgliederung ab. Es enthält alle Gemeinden Österreichs, der Gemeinde ist eine 5-stellige Gemeindekennziffer (GKZ) zugeordnet. Die Vergabe der Gemeindekennziffer obliegt Statistik Austria (Adressregisterverordnung – AdrRegV, BGBl. 218/2005, §1).

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                INHALT:  Ein Blick auf die Gemeinde Altach in Vorarlberg - (GKZ 80401)

                80401 - Altach

                  Ein Blick auf die Gemeinde

                  Statistik des Bevölkerungsstandes gemäß §10 Abs. 7 Finanzausgleichsgesetz 2017

                  Abgestimmte Erwerbsstatistik 31. Oktober 2015

                  Registerzählung 31. Oktober 2011

                  Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung

                  Volkszählung 15. Mai 2001

                  Gebäude- und Wohnungszählung 15. Mai 2001

                  Arbeitsstättenzählung 15. Mai 2001

                [ #Bodensee ] Magische Säule Meersburg: Joseph von Laßberg und Johann Joseph Gaßner

                Peter Lenks Gaßner-Figur in Meersburg - Wikimedia
                Das außergewöhnliche Kunstwerk des deutschen Bildhauers Peter Lenk zeigt satirische Portraits bekannter Persönlichkeiten aus der Meersburger Stadtgeschichte und verdeutlicht deren Wirken anhand ihrer Darstellung. 

                Die Enthüllung der „Magischen Säule“ im Rahmen der 36. Flottensternfahrt auf dem Bodensee am 28. April 2007 lockte tausende Besucher an die Hafenmole. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff wurde dabei ebenso charakterisiert wie ihr Schwager, der Sammler mittelalterlicher Handschriften Freiherr Joseph von Laßberg. Neben Amor als Liebesschütze von Meersburg werden auch das  Edelfräulein Wendelgard von Halten, der Exorzist Johann Joseph Gassner und der „Wunderarzt“ Franz Anton Mesmer in satirischer Weise dargestellt.

                Johann Joseph Gassner. Der Vorarlberger Teufelsaustreiber Johann Joseph Gassner (auch: Gaßner; * 20. August 1727 in Braz bei Bludenz in Vorarlberg; † 4. April 1779 in Bendorf, Rheinland-Pfalz) bediente sich bei der Teufelsaustreibung in der Ausübung der uralten Methode des “Handauflegens“.

                Dabei setzte er die rechte Hand auf die Stirn und die linke auf den Nacken des Kranken, zur Unterstützung seiner Verbalsuggestion berührte er die kranken Körperpartien. Auch die Techniken der Faszination und Fixation (Kruzifix) spielten eine Rolle. Der Exorzist Gassner praktizierte auch an anderen Orten der Bodenseeregion und stellte seine Fähigkeiten u. a. bei öffentlichen Auftritten unter Beweis. Nach  Meersburg kam er, um sich am fürstbischöflichen Hof vorzustellen. Der Fürstbischof war dieserzeit jedoch mehr der Gesinnung der Aufklärung zugetan und orientierte sich an Franz Anton Mesmers Heil-Therapie. Gassners übernatürliche Kräfte stellt der Bildhauer Peter Lenk durch den Prozess der Austreibung an sich dar. Dem Besessenen fahren Teufel aus dem Hintern, währenddessen Gassner seine Gebete mit erhobenem Kreuz gegen den Himmel richtet.

                Freiherr Joseph von Laßberg. Auch der Freiherr Joseph von Laßberg (1770-1855) ist auf der Säule "verewigt". Auch er hat mit Vorarlbergs Geschichte zu tun, denn er erwarb  1815  die Handschrift C des Nibelungenliedes, welche in Hohenems aufgefunden wurde.

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                Freitag, 8. Juni 2018

                [ #Hohenems ] Stoffels Säge-Mühle Hohenems


                Das Freilichtmuseum wurde von 1981 bis 1987 in unermüdlicher Kleinarbeit von Alois Amann errichtet, der selber, wie seine Vorfahren, die beiden Handwerke Sägerei und Müllerei beruflich ausübte.

                Eine historische, wasserradangetriebene Säge und Mühle sind in Originalgröße in ihrer ursprünglichen romantischen Umgebung zu sehen und somit der Nachwelt sehr anschaulich erhalten.

                Öffnungszeiten
                Vom 25. April bis 31. Oktober,täglich von 9 bis 18 Uhr.Filmvorführung für Gruppen:"Vom Korn zum Brot".

                Führungen
                In deutscher und in englischer Sprache. Abendführungen nur nach Vereinbarung.

                EintrittErwachsene € 2,20Studenten € 1,50Kinder € 1,10

                Das Museum dokumentiert auf 600 m² über 2000 Jahre Mühlentechnik und ist dadurch zu einem europaweit, nach Meinung von Fachexperten sogar zu einem weltweit bedeutenden Mühlenmuseum geworden. In den letzten elf Jahren besuchten Personen aus insgesamt 88 verschiedenen Staaten aus fünf Kontinenten dieses Museum.

                Auf dem Anwesen Sägerstraße 11 bestanden ursprünglich auch zwei herrschaftliche Sägen, die 1803 bzw. 1812 in private Hände verkauft wurden. Seit damals lässt sich der ununterbrochene Betrieb als Säge und später, ab 1878, als Mühle nachweisen. Die Anlage, soweit bekannt, die immer mit zwei Wasserräder angetrieben wurde, ist seit dem Jahre 1835 im Besitz der Familie Kick-Amann mit Hausnamen "Stoffels". Im Jahre 1956 wurde der Mühlebetrieb und im Jahre 1979 der Sägebetrieb eingestellt. 22.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden in achtzehn Jahren haben Vater und Sohn in die Errichtung dieser Museumsanlage investiert, nicht nur um ihren eigenen Vorfahren ein Gewerbedenkmal zu setzen.

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                Dienstag, 29. Mai 2018

                [ #Bregenz ] Bürgermeister A. Kinz führt in Bregenz eine Vermögenssteuer ein



                In Bregenz ist die Politik seit gut 150 Jahren immer wieder stark mit der Familie Kinz verbunden. Heute repräsentiert die Familie in Vorarlberg vorwiegend die FPÖ. 

                Der Weinhändler Anton Kinz  - ein Kinz-Vorfahre auf den die Nachfahren noch heute sehr stolz sind - war bereits etwa von 1861 bis 1864 und von 1870 bis 1872 Bürgermeister in Bregenz. Und kaum zu glauben, von ihm stammt ein Vermögenssteuer-Entwurf für die Stadtgemeinde Bregenz aus dem Jahre 1863.

                (Zum Lesen vergrößern: Bild anklicken)

                Grund dafür war, dass seit Ende  der 1840er Jahre "wie in jedem Privathaushalte" die Ausgaben stiegen und so ein Defizit entstanden ist. 1863 sah man die Vermögenssteuer als gerechter an als etwa die Besteuerung von Grund, Gewerbe und Einkommen, damit der "Kapitalist" nicht steuerfrei ausgeht.

                Warum man das wohl heute im "Hause Kinz" anders sieht?

                Kinz Anton:
                Bregenzer Bürgermeister von 1861 bis 1864 sowie 1870 bis 1872
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                Donnerstag, 17. Mai 2018

                [ #Vorarlberg ] Denkmalverzeichnis Vorarlberg: Aktuell 1607 Objekte unter Schutz

                 "Lünersee" in Bürs: 6-stöckiges Fabriksgebäude mit 121 Holzfenster mit Sprossenteilung
                In Vorarlberg zählt das Denkmalamt 1607 unter Schutz gestellte Objekte per 1.1.2018 auf. BeachtenSie aber, dass sich diese Zahl täglich ändern kann und informieren sich im konkreten Fall in der Linkliste

                Gemäß § 3 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 25.9.1923, BGBl. Nr. 533/23 (Denkmalschutzgesetz), in der Fassung BGBl. I Nr. 170/1999 und BGBl. I Nr. 2/2008 veröffentlicht das Bundesdenkmalamt jährlich die Liste der unter Denkmalschutz stehenden unbeweglichen Denkmale.

                Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass diese Liste rechtlich nicht verbindlich ist. Die Liste ist nach Gemeinden, innerhalb der Gemeinden nach Adressen, und zwar jeweils alphabetisch geordnet. Der Umfang der Unterschutzstellung ist in der tabellarischen Übersicht nicht angeführt.

                Die Tatsache der Unterschutzstellung unbeweglicher Denkmale ist im Grundbuch ersichtlich gemacht. Die entsprechenden Unterlagen finden sich in der Urkundensammlung des Grundbuchs.

                Bewegliche Objekte. Unter Denkmalschutz stehende bewegliche Objekte sind in dieser Liste nicht enthalten.

                Kulturgüterschutzliste. Die Kulturgüterschutzliste und Denkmalliste sind zwei unterschiedliche Verzeichnisse. Die nach dem österreichischen Denkmalschutzgesetz (DMSG) unter Schutz stehenden Objekte sind in der Denkmalliste angeführt. Die Kulturgüterschutzliste bezieht sich auf die Haager Konvention von 1954. Diese internationale Vereinbarung, die Österreich 1964 ratifiziert hat, regelt den internationalen Schutz von Kulturgütern im Fall zwischenstaatlicher bewaffneter Konflikte.

                In Österreich ist das Bundesdenkmalamt mit der Auswahl dieser Objekte beauftragt (§13 DMSG) und führt (gemäß der Verordnung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur vom 23.02.2009) eine Kulturgüterschutzliste, die derzeit insgesamt 135 Objekte (Einzelobjekte, Denkmalanlage, Ensembles) umfasst.

                In Vorarlberg umfasst diese Liste derzeit:
                Auskünfte. Auskünfte zu den einzelnen Objekten können auch bei der zuständigen Abteilung Vorarlberg bzw. bei der Zentrale des Bundesdenkmalamtes eingeholt werden.


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                Dienstag, 15. Mai 2018

                [ #Vorarlberg ] Schlafen auf dem Buchenlaub


                Bettlaubsammeln als Streu- und Waldnutzung in Vorarlberg. Im St.Galler Rheintal wurde Buchenlaub nicht nur als Einstreu gesammelt, nein man schlief mancherorts noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts darauf. 

                Im St. Galler Rheintal war das Sammeln von Bettlaub noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet und erst die moderne Matratze verbunden mit der ökonomischen Entwicklung hat dem Bettlaubsammeln ein Ende gesetzt. Mit Hilfe von Zeitzeugen-Berichten haben Wissenschafter das Wissen über diese aufgegebene Waldnutzung im St.Galler Rheintal zusammengetragen.

                Heimatmuseum Walsertal. Es ist anzunehmen, dass auch in Vorarlberg die Bettlaubnutzung in ähnlicher Weise erfolgte, besteht doch der Wald in Vorarlberg in tieferen Lagen aus Mischwälder mit verschiedenen Edellaubhölzern (Buche, Ahorn, Esche, Eiche, Ulme). Im Heimatmuseum im Großen Walsertal wird über das ausgestellte Schlafzimmer (Gaden) berichtet: "Im Schlafzimmer im Obergeschoß wundern sich Eltern und Kinder über das ziemlich enge Doppelbett. Es hat einen Laubsack statt einer Matratze. Dieser Laubsack wurde jährlich zweimal mit frischem, trockenem Buchenlaub gefüllt."

                Oral History.
                Die Studie als Oral-History-Projekt wurde sowohl thematisch und regional eng auf die "Buchenwaldgemeinden" des St.Galler Rheintals begrenzt durchgeführt. Die Studie zeigte, dass in weiten Teilen des Untersuchungsgebietes Bettlaub gesammelt wurde. Da meistens Buchenlaub zur Füllung der Laubsäcke genutzt wurde, reduziert sich das Verbreitungsgebiet eben vorwiegend auf die Buchenwaldstandorte.

                Die Studie zeigt aber nicht nur Waldnutzung sondern auch ökonomische und soziale Verhältnisse auf, weenn man weiss, dass im St. Galler Rheintal noch im 20. Jahrhundert (zwar nur noch ärmere Leute) Bettlaub sammelten. Das endgültige Verschwinden dieser Laubnutzung zog sich jedoch über eine lange Zeit hin, schliefen sichtlich noch einzelne Familien bis in die frühen 1960er Jahre auf Laubsäcken.

                Holznutzung. Die intensive Bettlaubnutzung hatte aus Sicht der Waldbewirtschaftung negative Auswirkungen auf den Wald - entzog sie doch dem Wald Nährstoffe und verletzte auch Jungpflanzen - und wurde insbesondere mit der steigenden Nachfrage nach Holz auch zu unterbinden gesucht. So wird in den Jahresberichten für das Forstrevier des Klosters Einsiedeln das Bettlaubsammeln in den Buchenwäldern durch arme Leute wurde immer wieder beklagt. Aus Gründen der "christlichen Nächstenliebe" verzichtete das Kloster jedoch auf ein Vorgehen gegen diese Leute. Erst 1924 wird in den Berichten bemerkt, dass die Beanspruchung durch die Gewinnung von Bettlaub zum Vorteil des Waldes doch etwas zurückzugehen scheine.

                Sammelberechtigung. In allen Ortschaften des Rheintales war das Sammeln von Bettlaub reglementiert. Die Regelungen hatten zum Ziel, die Ressource Laub gerecht zu verteilen und den Wald zu schonen. Dies geschah durch Einschränkungen des Kreises der berechtigten Personen, Sammelzeit, des Orts und der erlaubten Werkzeuge.

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                [ #Dornbirn ] Dichter des Hakenkreuzliedes auf Vorarlberger Straßenschildern


                Kaum zu glauben: In zwei Vorarlberger Städten, in Dornbirn und Hohenems ist den Verantwortlichen bis heute nichts besseres eingefallen, als eine Straße just nach jenem Ottokar Kernstock zu benennen, der das Hakenkreuzlied  (ursprünglich für eine Nazi-Gruppe in der Steiermark) gedichtet hatte. Eine Schande.

                Holzt mir gut ... die Serbenbrut. Im Frühjahr 1923 dichtete der Priester Otto(kar) Kernstock für die Ortsgruppe Fürstenfeld der NSDAP das "Hakenkreuzlied". Es möge Ihnen erspart werden, wie vieles von dem Fremdenfeindlichen und Blutgetünchten, was dieser Hass-Dichter im Priestergewand reimte.

                Schon Karl Kraus nannte ihn treffend den "blutigsten Dilettanten" der zahlreichen mörderisch-patriotischen Dichterlinge. Auch wenn er die Naziherrschaft nicht mehr erlebte und er wohl auch kein aktiver Nationalsozialist war, zeigt doch die Tatsache, dass er das vermeintlich altgermanische Hakenkreuz als Hoffnungszeichen auserwählte, dass endlich auch sein Katholizismus hinterfragt werden darf. Seine menschenverachtende Gesinnung belegt er schon in seiner Dichtung zum I. Weltkrieg, die allein ihn schon unwürdig macht, Straßenschilder zu zieren. Nicht vergessen, dass sein nationalistisches Engagement und sein ausdrücklicher Slawenhass zu Kaisers Zeiten auch gerade noch Mitbürger getroffen hatte, die eben für diesen Kaiser in den Krieg gezogen sind.

                            Drum schilt die Deutschen nicht,
                            scheints auch zuweilen
                            als habe Rost ihr tapfres Schwert belegt.
                            Wenn sie die Not zwingt Hiebe auszuteilen,
                            ists rasch an Feindesschädeln blank gefegt.

                            Steirische Holzer, holzt mir gut
                            mit Büchsenkolben die Serbenbrut!
                            Steirische Jäger, trefft mir glatt,
                            den russischen Bären auf das Blatt!
                            Steirische Winzer, presst mir fein
                            aus Welschlandfrüchten blutroten Wein!

                Symbole. Da nun eben Straßennamen auch symbolische Bedeutung haben und mithin auch zum Ausdruck bringen, wessen die in der Gemeinde verkörperte örtliche Gemeinschaft ehrend gedenken will, ist dieser Umstand nicht gerade ein Lorbeerkranz für die beiden Stadtregierungen. Es geht dabei nicht darum, in halbwegs gesicherten demokratischen Zuständen verspätet den antifaschistischen Helden zu spielen oder Bilderstürmerei zu treiben, oder nachträglich die Vergangenheit umzuschreiben. Es geht darum, "symbolisch" deutlich zu machen, wen und was wir heute für ehrenwert halten.

                Erich Fried. Der große Schriftsteller und Lyriker österreichischer Herkunft, Erich Fried, hat in seinem autobiographischen Werk über seine Jugendjahre in Wien (Mitunter sogar Lachen, Berlin 1986) sich auch eigens in einer der Geschichten mit Ottokar Kernstock, dem Schöpfer des Hakenkreuzliedes und der österreichischen Bundeshymne ab 1929, befasst. Er schreibt als Schluss dieser Geschichte:

                "Als viele Millionen tot und ermordet waren und das Dritte Reich zertrümmert war, entstand die Zweite Republik Österreich, mit einer neuen Nationalhymne von anderer Hand. Aber dem alten Wechselbalg Ottokar Kernstock haben mindestens einige Österreicher ein liebevolles Andenken bewahrt. Bis heute gibt es einen Ottokar-Kernstock-Platz und eine Ottokar-Kernstock-Straße. Wie hieß doch die Inschrift auf den alten Dolchen der Hitlerzeit? "Die Treue ist das Mark der Ehre."

                Wechselbalg. Die beiden von Erich Fried genannten Verkehrswege in Wien wurden zwischenzeitlich umbenannt. So auch in Traun, Ansfelden, Grein und Wels. Was er aber nicht wissen konnte, dass es trotz mehrer mittlerweile erfolgten Umbenennungen noch immer zu den zwei Vorarlberger Straßen zig solcher in ganz Österreich gibt, faktisch in allen Bundesländern außer Wien, Oberösterreich und Salzburg. Eine beantragte Umbenennung in Hohenems ist vor Jahren gescheitert und hatte dort zur Spaltung der SPÖ Hohenems geführt.

                Straßen,  Plätze, Gassen und Alleen "in Gedenken" an den Schöpfer des Naziliedes Ottokar Kernstock:

                2 mal in Vorarlberg: Dornbirn, Hohenems;
                1 mal in Burgenland: Pinkafeld
                3 mal in Kärnten: Klagenfurt, Villach, Völkermarkt
                16 mal in Niederösterreich: Bad Vöslau, Berndorf, Brunn am Gebirge, Deutsch-Wagram, Gablitz, Gmünd, Klosterneuburg, Mistelbach, Neunkirchen, Perchtoldsdorf, St. Andrä-Wördern, St. Pölten, Strasshof an der Nordbahn, Waidhofen an der Thaya, Wiener Neustadt
                29 mal in der Steiermark: Graz, Hartberg, Haselsdorf-Tobelbad, Hausmannstätten, Kalsdorf bei Graz, Kapfenberg, Knittelfeld, Krieglach, Langenwang, Leibnitz, Leoben, Lieboch, Liezen, Mariazell, Mureck, Mürzzuschlag, Pinggau, Sankt Lorenzen im Mürztal, Voitsberg, Vorau
                1 mal in Tirol: Pradl

                [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]