Donnerstag, 18. August 2022

[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Landespatron im Gefängnis


Als Vorarlberger Landespatron gilt der heilige Josef, als "Landesfeiertag" sein Hauptfest, der 19. März. Zu Josefi war auch Lostag der Schwabenkinder.

Sein Namensfest, der 19. März, wird im Abendland zum ersten Mal in martyrologischen Quellen aus Reichenau um 850 erwähnt. Seit dem 9. Jahrhundert nahm seine liturgische und volkstümliche Verehrung immer mehr zu. Der Josefitag am 19. März - am römischen Fest der Miniverva, der Göttin der Handwerker, wird als unmittelbare Konkurrenz zu diesem Glauben gedeutet.

Geschichte. Seit 1621 ist der Tag ein Fest im römischen Kalender, nachdem der Josephskult seit dem 14. Jahrhundert besondes von Bettelorden gefördert wurde. Papst Clemens X. erhöhte 1670 den Rang des Festes; 1714 bereicherte Papst Clemens XI. das Fest mit einem eigenen Messformular und Offizium; Papst Benedikt XIII. fügte Josephs Namen in die Allerheiligenlitanei ein. Papst Pius IX. ernannte Joseph 1870 zum Patron der ganzen katholischen Kirche, Papst Pius XI. ernannte ihn 1937 zum Patron all derer, die den Kommunismus bekämpfen.

Österreich. Die Habsburger erkoren Joseph zu ihrem Hausheiligen. Nachdem Kaiser Ferdinand II. 1620 mit einem Bild des Heiligen in die Schlacht am Weißen Berg bei Prag gezogen war und den Sieg errang, wurde der Josefstag im Habsburger Reich zum Feiertag.

1771 erwirkte hingegen die Maria Theresia beim Papst für Österreich eine gestraffte Feiertagsordnung. Zudem befahl sie, statt den Ortspatrozinien künftig nur noch das Fest eines gemeinsamen Landespatrons zu feiern. Für die Provinz Vorderösterreich, zu der Vorarlberg damals gehörte, einigten sich die zuständigen Bischöfe 1772 auf den hl. Josef. Gleiches geschah für Tirol, Kärnten, Krain und Steiermark, die ebenfalls mehreren Bischöfen unterstanden. Der hl. Josef galt als Patron des Hauses Österreich und des Heiligen Römischen Reiches. Damit war er für die Bischöfe, die meist selbst Reichsfürsten waren, ein guter Kompromiss. Damit konnte er aber in keinem "seiner" Länder zu einer populären Identifikationsfigur werden. In Vorarlberg, das ab 1782 wieder von Innsbruck aus verwaltet wurde, galt er zudem weithin als "Tiroler".

Die austrofaschistische Regierung Dollfuß schloss im Juni 1933 mit dem Apostolischen Stuhl ein Konkordat, in dem auch die Frage der Feiertage geregelt wurde. In der heute noch verbindlichen Liste fehlen sowohl der Josefitag wie alle anderen Landespatronate. Damit sind sie in Österreich seit 1934 keine kirchlich gebotenen Feiertage mehr.

Vorarlberg. Als Landespatron erlangte der hl. Josef in Vorarlberg aber erst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Bedeutung, als Josefi emotional zu einem "alemannischen" Landesfeiertag aufgeladen wurde. Die Heiligen Gebhard und Fidelis stiegen mit der Errichtung der Diözese Feldkirch 1968 "nur" zu Diözesanpatronen auf. Landespatron blieb der hl. Josef.

Gefängnis. "Einen ausdrücklichen Bezug auf das Vorarlberger Landespatronat habe ich bisher nur in einem Fall gefunden: Seit 1905 mahnen Statuten des Stadt-Patrons Nikolaus und des Landespatrons Josef in der Gefangenenkapelle des Landesgerichts Feldkirch zu einer christlichen Lebensführung." (Ulrich Nachbauer, Landesarchiv, 2003)

Beamtenfeiertag. Es gibt ihn nicht, nicht als Rechtsquelle, weder staatsrechtlich noch kirchenrechtlich. Als Vorarlberger Beamtenfeiertag wurde er auch aus den Vorarlberger Rechtsquellen bereits eliminiert und Vorarlberg hat einen Feiertag eingespart: 1970 wurde er aus dem Land- und Forstarbeitsgesetz gestrichen, 1971 ist er aus dem Gemeindebedienstetengesetz verabschiedet und in das Landesbedienstetengesetz ist er erst gar nicht aufgenommen worden. Die Landesregierung kann zwar fünf Tage im Jahr durch Verordnung für die Landesbediensteten dienstfrei erklären, der 19. März als Tag des "Landespatrons" ist nicht dabei.

Schulzeitgesetz. Zwar ist im Schulzeitgesetz des Bundes bestimmt, dass am "Festtag des Landespatrons" schulfrei sei. In den Vorarlberger Ausführungsgesetzen für die Pflichtschulen steht kein Wort vom Hl. Josef, sondern nur vom 19. März. Im "Landeszeremoniell" wurde zuletzt der 19. März als "Landesfeiertag" als Rahmen für die Verleihung von Landes- und Bundesauszeichnungen genutzt.

Josefi. Auch wenn die Landesverfassung den Landespatron nicht zu den offiziellen Landessymbolen zählt,  gilt laut Landesregierung der Heilige Josef als Landespatron und als "Landesfeiertag" sein Hauptfest, der 19. März. 

Vorarlbergs Schulkinder haben zwar an diesem Tag schulfrei, obwohl es den Landespatron juristisch gar nicht gibt. Der "Landesfeiertag" wurde klammheimlich wieder eliminiert. Treibende Kraft war wohl die Handelskammer, da Gewerkschaften (insbesondere die im Handel beschäftigten) auf einen kollektivvertraglich verankerten Landesfeiertag drängten. Die Landespolitik hat jedoch still und leise den Landesfeiertag und den Gedanken oder das Gedenken an den Landespatron damit abgeschafft.

Sklavenmarkt zu Josefi. Nichtsdestotrotz könnte der Josefitag ein Denktag sein: Immer zu Josefi begann das Sklavendasein der Schwabenkinder, der Vorarlberg Kinder, die ins Schwabenland verschickt wurden. Mit gemischten Gefühlen sahen dem Josefitag jährlich Vorarlbergs Kinder entgegen, denn zu diesem Zeitpunkt wurden sie "ins Schwabenland geschickt". Aus der Überlieferung wissen wir, dass über zehn Jahre alte Kinder aus kinderreichen oder ärmeren Familien ins "Schwabenland" geschickt wurden. Bereits um Lichtmeß nahm ein erfahrener Mann "Bestellungen" auf und dann zwei Tage vor Josefi holte er die Gemeldeten mit ihrem "Hääßrucksäckle" ab und es ging auf die Reise. Nach dem Gottesdienst am Josefitag fanden sich traditionsgemäß reiche schwäbische Bauern und holten sich ihre billigen Kinder-Arbeitskräfte vom Sklavenmarkt.

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert wurden Kinder aus armen Bergdörfern in Vorarlberg, Tirol und Graubünden auf oberschwäbischen Märkten an reiche Bauern verkauft. Bis zu 5000 Schwabenkinder gingen jährlich als Saisonarbeiter auf die Walz. Für die einen war es der ersehnte Abschied vom Hunger, für die anderen war es ein Sklavendasein, ausgeliefert der Willkür des Arbeitgebers. Während Kinderarbeit in der Industrie für Kinder unter zwölf Jahren ab 1878 verboten wurde, blieb sie in der Landwirtschaft Deutschlands bis 1960 unbegrenzt erlaubt. Dem notorischen Arbeitskräftemangel in Oberschwaben schafften die Schwabenkinder Abhilfe – nachweislich seit dem 16. Jahrhundert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf ihrem Höhepunkt endete die Schwabengängerei erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts!


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[ #Vorarlberg ] Weitwanderwege in und durch Vorarlberg


Wandern in und durch Vorarlberg bringt einerseits Natur und Baukultur in Vorarlberg näher. 

Zur Natur und Kultur kommen auch Erfahrungen und Einsichten der Geschichte und Migration. Überregionale Weitwanderwege verbinden uns nicht nur mit den Nachbarn mit denen wir ja durch die Natur und Nachbarschaft stets verbunden waren und zeigen auch ein bisschen die "Willkürlichkeit" von Grenzen in einem modernen Europa auf.

Ein Sonderdruck aus MONTFORT, 57. Jg. 2005 Heft 4 gibt einen Überblick über den Verlauf der verschiedenen Weitwanderwege durch Vorarlberg. Der Autor des Beitrages ist Helmut Tiefenthaler.

Unter anderem werden die Weitwanderwegen des Alpenvereins, die Europäischen Fernwanderwege  oder die Via Alpina dargestellt:

Internationaler Bodenseeweg
Die Ost-West-Weitwanderrouten des Alpenvereins
Europäische Fernwanderwege
Der Große Walserweg
Hauptrouten nach den Leitlinien des Vorarlberger Wanderwegekonzeptes
Neue Konzepte für Weitwanderwege
Überregionale Pilgerwege
Via Alpina
Via Valtellina
Routen quer durch Vorarlberg
Vorarlberger Rheintal-Höhenweg
Das Projekt Arlbergweg

Helmut Tiefenthaler. Helmut Tiefenthaler verdanken wir ausgezeichnete Beschreibungen der Pilgerwege von und durch Vorarlberg nach Einsiedeln und eine historische Einleitung. Dr Helmut Tiefenthaler, geb. 1941, Studium der Geografie, Geschichte und Philosophie, entwickelte bis 2001 im Dienst des Landes das Vorarlberger Wanderwegekonzept und gilt als einer der besten Kenner des Landes. Buchveröffentlichtungen u.a.: "Wege in die Vergangenheit in Vorarlberg" (2. Auflage 2008), "Wege in die Vergangenheit im Alpenrheintal" (2007), "Vorarlberg – Winterwanderungen" (2. Aufl. 2007) und "Wege in die Natur in Vorarlberg" (2008).


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[ #Rheintal ] Die Feldhasen in Vorarlberg

Die "Osterhasen" sind vor allem im Rheintal heimisch. Statt der Jäger fürchten sie mehr um ihren Nachwuchs wegen der Krähen, Füchse und Elstern.

Der Feldhase lebt in der offenen Kulturlandschaft und leidet naturgemäß unter den massiven Veränderungen des Kulturlandes der letzten Jahrzehnte. Er kommt in flachen Landschaftsformen, hauptsächlich im Grünland vor. Ursprünglich ein Steppenbewohner, hat er doch eine Vorliebe für Kulturnähe, lebt aber genauso auch in Laubwäldern, Heide, Dünen und Sumpfgebieten.

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Europa, von Portugal über Nord-West-Europa (Großbritannien) bis Russland und im Süden von Italien bis Griechenland. In unseren Kulturlandschaften fühlt er sich in grossen Feldgebieten am wohlsten. Doch ist sein Lebensraum heute eng geworden. Auch in unserem Land. Müllberge immer größer werden haben zusätzlich die Feinde der jungen Hasen befördert: Krähen, Füchse und Elstern haben die jungen Häschen im Auge und auf dem Speisezettel.

Quelle: Vorarlberger Jägerschaft
Einzelgänger, dämmerungs- und nachtaktiv. Der Feldhase besitzt nicht wie das Kaninchen einen Bau sondern ruht tagsüber in einer Mulde. Deswegen sind die Jungen des Hasen Nestflüchter und schon bei der Geburt mit einem dünnen Fell und offenen Augen weit entwickelt. Nahrungsgrundlage stellen das ganze Jahr über Wildgräser, Wurzeln, Früchte, Beeren, Pilze, Knospen, Kräuter und gerne auch die Rinde von Waldbäumen oder Kulturbäumen dar. Die Lebenserwartung der Feldhasen beträgt etwa zwölf Jahre.

Da der Feldhase ein nachtaktives Tier ist, erfolgen die Zählungen nachts. Mit einem Fahrzeug fahren die Zählequipen im Schritttempo eine vorgeschriebene Route ab. Mit Scheinwerfern wird dabei die offene Landschaft abgeleuchtet. Die im Scheinwerferlicht auftauchende Hasen werden auf einer Karte eingetragen.

Von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, welche jährlich die Feldhasenpopulation in der Schweiz untersucht, wurde im Auftrag der inatura auch ein Feldhasen-Monitoring in Vorarlberg, im unteren Rheintal, durchgeführt. In der Schweiz wurden 1947 auf der Jagd noch etwa 70.000 Feldhasen erlegt. Keine andere Tierart erreichte je so hohe Abschusszahlen. Seither ging es mit dem Feldhasen immer mehr bergab, 2000 wurden noch 2.584 Hasen geschossen. Knapp die Hälfte der Schweizer Kantone verzichten heute auf die Hasenjagd überhaupt. Mehr als die Hälfte der Hasen werden im Kanton Graubünden erlegt.

Volkszählung beim Vorarlberger Feldhasen. Die Ergebnisse stehen als PDF-Datei online zur Verfügung und können hier über unsere Links heruntergeladen werden. Da der Feldhase ein nachtaktives Tier ist, erfolgen die Zählungen nachts. Mit einem Fahrzeug fahren die Zählequipen im Schritttempo eine vorgeschriebene Route ab. Mit Scheinwerfern wird dabei die offene Landschaft abgeleuchtet. Die im Scheinwerferlicht auftauchende Hasen werden auf einer Karte eingetragen.

Osterhasenhabitat Fußach. Die untersuchten Vorarlberger Zählgebiete umfassen die wichtigsten Lebensräume des Feldhasen in Vorarlberg. Von den fünf Gebieten zeigen Hard-Lauterach und Lustenau anhaltende Bestandszunahmen, während die Feldhasenbestände in den Gebieten Gaissau-Höchst, Fussach und Dornbirn eher zu stagnieren scheinen. Mit 9–14 Feldhasen/100 ha im Jahr 2005 sind die Dichten als gering bis mittel zu bezeichnen. Fußach verzeichnet mit 2 Feldhasen/100 ha eine sehr tiefe Dichte.

Trotzdem liegen die Feldhasendichten in den Vorarlberger Untersuchungsgebieten im allgemeinen höher als in den St. Galler und den übrigen Schweizer Gebieten. Gründe für die höheren Feldhasendichten liegen in den Landschaftsstrukturen und in der landwirtschaftlichen Nutzung. Ein Faktor, der Feldhasenbestände signifikant beeinflussen kann, ist nämlich die Raumgrösse. Unzerschnittene Räume sind wichtig für den Feldhasen. Sie meiden die Nähe von Strassen. Im Rheindelta und im Lustenauer Ried bestehen grössere unzerschnittene Landschaftsräume, zwei davon mit einer Fläche über 500 ha. In Fussach sind die Landschaftsräume am kleinsten und übersteigen 100 ha nicht. In diesem Zählgebiet wurden auch die tiefsten Feldhasendichten ermittelt.

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Dienstag, 16. August 2022

[ #Satteins ] Johann August Malin - Ein Arbeiter als Geologe


Der Vorarlberger Autodidakt arbeitete unter anderem über die geologische Beschaffenheit der Umgebung des Schwarzen Sees.

Johann August Malin (*22. September  1902 als Sohn eines Lohnstickers in Satteins) war nach der Volksschule Bauarbeiter am Spullerseewerk, dann jahrelang arbeitslos. In dieser Zeit bildete er sich selbständig zum Geologen aus. Zugleich schrieb er Eingaben und Gesuche an Behörden und Gerichte für Personen, die sich einen akademischen Rechtsbeistand nicht leisten konnten. Ab 1940 organisierte er eine antifaschistische Widerstandsgruppe im Raume Feldkirch, als deren Anführer er am 9. November 1942 in München-Stadelheim hingerichtet wurde.

Seine wissenschaftlichen Ambitionen galten besonders der Geologie, bleibendes Dokument dieser Tätigkeit ist eine Publikation zur geologischen Beschaffenheit der Umgebung des Schwarzen Sees. Zugleich engagierte er sich in Vorträgen und Artikeln für die Weiterbildung der sozial von den üblichen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossenen Bevölkerungsgruppen.

Inhalt
  • Ein Arbeiter wird Geologe. Die geologischen "Lehrjahre" / Funde und Entdeckungen 1929-1937 / Gebirgsstudien / Erdrutsch-Studien  
  • Geologie und Volksbildung. Die "Vorarlberger Urania" Lichtbildervorträge / Geologische Exkursionen  
  • Der unermüdliche Kampf um Anerkennung der angewandten Geologie. "Denkschrift" (1938) / Steinbruchkartei  
  • Die Monographie über den "Schwarzen See"  
  • Die geologischen Gutachten. Elektrizitätswerk Frastanz / Sicherung der Brandnerstraße  
  • Zusammenfassung und Würdigung  
  • Anmerkungen  
  • Übersicht über die geologischen Arbeiten Malins  
  • Verwendete Literatur  
  • Verzeichnis der Abbildungen  
  • Verzeichnis der Fachausdrücke

Verlagsinformation.   sperrung - mitteilungen der johann-august-malin-gesellschaft nr. 3 - Klaus Fessler: Ein "steiniger" Weg. Das geologische Schaffen Johann August Malins (1902-1942), 1986, 42 Seiten, br., öS 30,- / € 2,18

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.

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[ #Bregenz ] Der Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann (*3.3.1902-†9.8.1941)


Ebenso wie der oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter war Ernst Volkmann (* 3. März 1902 in Schönbach, Böhmen; † 9. August 1941 in Brandenburg an der Havel) aus Bregenz einer der ganz wenigen aufrechten Menschen, die ihre Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit bis zur letzten – in ihrem Fall tödlichen – Konsequenz vertraten.
Ohne sich beirren zu lassen, hat Ernst Volkmann auf die Stimme seines Gewissens gehört und ist seiner christlichen Überzeugung gefolgt. Er hat sich weder verführen noch erpressen lassen, sondern mit seiner einsamen Entscheidung ein eindeutiges Zeichen gegen das Unrecht und die Barbarei gesetzt.

Gitarrenbauer. Ernst Volkmann verweigerte aus christlich-religiöser Überzeugung heraus den Fahneneid auf Adolf Hitler. Er wurde deswegen zum Tode verurteilt und am 26. Juli 1941 in Berlin hingerichtet.

Ernst Volkmann wurde am 3. März 1902 in Schönbach an der Eger (Sudetenland) geboren. 1927 ließ er sich in Bregenz als Gitarrenbauer nieder. Er heiratete und lebte mit seiner Familie im Haus neben der Stadtpfarrkirche St. Gallus, wo er häufig Mesnerdienste versah.


Kriegsdienstverweigerer. Mehrmals unterließ es Volkmann, der Aufforderung zur Wehrerfassung im Wehrmeldeamt nachzukommen, sodass im Frühjahr 1940 eine Anzeige erfolgte. Obwohl Volkmann in einer medizinischen Untersuchung Zurechnungsfähigkeit beschieden worden war, ließ Richter Dr. Erne aber das darauf folgende Verfahren einstellen.

Als Ernst Volkmann im Februar 1941 dann zur Wehrmacht nach Lienz eingezogen wurde, ließ er den dortigen Kompanieführer wissen, dass er den Eid auf den Führer verweigere, da seine religiöse Anschauung nicht mit dem Nationalsozialismus vereinbar sei. Erneut wurde ein psychiatrisches Gutachten erstellt, wieder wurde darin die Zurechnungsfähigkeit Volkmanns festgestellt.

Der Fall gelangte vor das Salzburger Divisionsgericht und, als Volkmann weiterhin standhaft blieb, an das Reichskriegsgericht in Berlin. Bei der dortigen Hauptverhandlung am 7. Juli 1941 wurde Volkmann bedroht und erniedrigt, dennoch bewies er erneut seine Charakterstärke und erklärte, dass sein Einsatz in der Wehrmacht nur dem Nationalsozialismus dienen würde. Die Ableistung des Fahneneides sei für ihn eine Vergewaltigung seiner sittlichen Freiheit.

Gnadengesuch abgelehnt. Ernst Volkmann wurde am 7.7.1941 vom Reichskriegsgericht in Berlin-Charlottenburg zum Tod verurteilt, ein Gnadengesuch seiner Frau wurde abgelehnt. Am 26. Juli 1941 fand in Berlin-Plötzensee die Hinrichtung statt. Seine letzte Sorge, so der Gefängnispfarrer, habe seiner Frau und seinen drei Kindern gegolten, die in Bregenz zahlreichen Belästigungen durch NS-Fanatiker ausgesetzt waren.


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Sonntag, 14. August 2022

[ #Feldkirch ] Schicksalsbahnhof Feldkirch


"Dort drüben auf den Schienen wurde 1915 das Schicksal des Ulysses entschieden" heißt es auf einer Tafel, die der Kulturkreis Feldkirch 1994 in der Halle des Bahnhofs angebracht hat. Dr. Ulrich Nachbaur vom Landesarchiv Vorarlberg zählt weitere Personen auf, denen der Bahnhof Feldkirch Schicksal wurde: James Joyce, Thomas Mann, Stefan Zweig, Jura Soyfer, Carl Zuckmayr, Walter Mehring, Leon Askin, Hertha Pauli, Gina Kaus, Karl Furcht, Ernst Lothar, und ...

Ende 2001 haben die ÖBB die vom Kulturkreis Feldkirch am Bloomsday 1994 über den Fahrkartenschaltern montierte Gedenktafel durch eine besonders anschauliche und auffällige Präsentation des literarhistorischen Joyce-Zitates ersetzt: "Dort drüben auf den Schienen wurde 1915 das Schicksal des Ulysses entschieden" ("Over there, on those tracks the fate of 'Ulysses' was decided in 1915"). Dr. Ulrich Nachbaur vom Landesarchiv Vorarlberg zählt weitere Personen auf, denen der Bahnhof Feldkirch Schicksal wurde.

James Joyce, Thomas Mann, Stefan Zweig, Jura Soyfer, Carl Zuckmayr, Walter Mehring, Leon Askin, Hertha Pauli, Gina Kaus, Karl Furcht, Ernst Lothar, und ... Der Bahnhof Feldkirch, in Friedenszeiten ein Bahnhof wie jeder andere auch, in Kriegs- und Umbruchszeiten ein Tollhaus. Dr. Ulrich Nachbaur vom Vorarlberger Landesarchiv zählt weitere Personen auf, denen der Bahnhof Feldkirch zum Schicksal wurde (In: Rheticus Vierteljahresschrift der Rheticus-Gesellschaft 1998, Heft 3/4, S. 273-294 Flucht und Grenze in der Literatur).

Schon im I. Weltkrieg eine Drehscheibe. Im Institut St. Josef am Ardetzenberg wurde eine große Zensurstelle eingerichtet. Gegen 50 Offiziere und 500 Mann aller Sprachgruppen der Donaumonarchie kontrollierten den Postverkehr. Die Zensurstelle diente nicht zuletzt dem Nachrichtendienst.

Am Grenzbahnhof Feldkirch wurde Stefan Zweig dann am 23. März 1919 Zeuge, wie Karl von Habsburg-Lothringen ins Schweizer Exil reiste. Darüber berichtete er in seiner Autobiographie "Die Welt von Gestern", die 1942 posthum erschien:

"Bei der Rückkehr nach Österreich über die Grenzstation Feldkirch stand mir ein unvergeßliches Erlebnis bevor. Schon beim Aussteigen hatte ich eine merkwürdige Unruhe bei den Grenzbeamten und Polizisten wahrgenommen. Es kam der Glockenschlag, der das Nahen eines Zuges ankündigte. Die Polizisten stellten sich auf, alle Beamten eilten aus ihren Verschlägen. Langsam, majestätisch rollte der Zug heran, ein Zug besonderer Art, ein Salonzug. Die Lokomotive hielt an. Eine fühlbare Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, ich wußte immer noch nicht warum. 
Da erkannte ich hinter der Spiegelscheibe des Waggons hoch aufgerichtet Kaiser Karl, den letzten Kaiser von Österreich und seine schwarzgekleidete Gemahlin, Kaiserin Zita. Ich schrak zusammen: Der letzte Kaiser von Österreich, der Erbe der habsburgischen Dynastie, die siebenhundert Jahre das Land regiert, verließ sein Reich! Weil er die formelle Abdankung verweigerte, hatte die Republik seine Abreise erzwungen. Nun stand der hohe ernste Mann am Fenster und sah zum letzten Mal die Berge, die Häuser, die Menschen seines Landes. ..."
Deutscher Grenzbahnhof ab 1938. Entscheidende Bedeutung aber sollte der Bahnhof mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 erhalten. Schon bein Anschluss erwiesen sich die Vorarlberger Nazis derart agressiv, dass sogar die deutschen Behörden zur raschen Reorganisation des Grenzregimes greifen mussten: Die einheimischen Vorarlberger SS- Leute zeigten sich in ihren schwarzen Uniformen jedenfalls von ihrer übelsten und brutalsten Seite. Die am 13. März 1938 am Bahnhof Feldkirch angereisten Juden wurden mit “Saujud” angeschrien und wurden ihnen die Fingerringe abgezogen, den Frauen der Schmuck heruntergerissen.


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    [ #Ludesch ] Der Kaiserin Sisi Vorarlberger Wellness-Guru: "Net lugg lo"


    War Dr. Ludwig Seeger als Landarzt in Ludesch nur für die "Wehwehchen" der Blumenegger zuständig, so war er nach seinem Umzug nach Wien höchstpersönlicher Trainer von Kaiserin Elisabeth (im Volksmund Sisi).

    "Net lugg lo" heißt der dichterischer Wahlspruch und der einzige Gedichtband des Vorarlberger Arztes Ludwig Seeger und gehört damit in der Vorarlberger Literaturgeschichte in die erste Reihe der frühen Mundart-Dichter. Weniger beachtet sind seine Leistungen als Arzt, Lebensreformer, Pionier der Ergonomie und Fitness- und Ernährungsprogramme.
    Bild aus Seegers Buch: "Diätische und ärztliche Zimmer-Gymnastik für beide Geschlechter und jedes Alter", Wien (1878)
    © Wikimedia Commons

    Anleitung und Behelfe zur richtigen und gesunden Schreibhaltung. Wer denkt daran, dass sich der kaiserliche Wellnessberater mit den ergonomischen Problemen der Beamten und Fabricsangestellten, der Schüler und der schreibenden Arbeiter auseinandersetzt. Schon 1876 publizierte er die Broschüre "Anleitung und Behelfe zur richtigen und gesunden Schreibhaltung". Bildschirmarbeit und Schreibmaschine gab’s zwar noch nicht, wenngleich die Erfindung der Schreibmaschine schon im Gange war und die kaiserlichen Gutachter den Wert der Erfindung Peter Mitterhofers noch nicht erkennen wollten. So war das "Wiener Modell 1869" bereits mit Volltastatur und Walze sowie mit Lettern als Typen ausgestattet und stellte bereits eine gebrauchsfähige Schreibmaschine dar. Sie wurde zwar für 200 Gulden vom Wiener Hof angekauft und als Geschenk von Kaiser Franz Joseph I. in die Modellsammlung des Polytechnischen Institutes aufgenommen, aber sichtlich als Spielerei, Spinnerei und Tüftlerei verstanden, nicht als technologischen Fortschritt. Daraus allein lässt sich schon die Fortschrittlichkeit Ludwig Gabriel Seegers - vulgo "Seeger an der Lutz" erkennen. Und dass es seinen ergonomischen Ratschlägen eigentlich nicht viel besser beschieden war, das zeigt sich an der bis in die heutigen Tage andauernden Diskussion um die Ausstattung der Schulen mit ergonomisch vertretbaren Stühlen für die Kinder! Bereits zu Seegers Zeiten gab es - selbstredend nur in vornehmen privaten Schulen - bereits nach seinen Plänen gebaute ergonomisch verstellbare Schülertische und Stühle.

    Wellness. Ludwig Gabriel Seeger war als Arzt in Ludesch ab 1856 tätig und übersiedelte nach dem Tod seines Vaters nach Wien, wo er sich einen größeren Wirkungskreis als Heilgymnastiker erwartete. So die offizielle Geschichtsschreibung. Die inoffizielle weiß davon zu erzählen, dass er seinen Zeitgenossen gegenüber ein scharfer Beobachter war, der sich mit seinen Gedichten und Aktivitäten nicht nur Freunde machte. Der Konflikt mit der Kirche führte schlussendlich sogar zu seiner "Vertreibung" aus der Provinz, ins "Exil" nach Wien. Wie dem auch sei, die an sich gänzlich unpolitischen und um Gesundheit bemühten Werke das "Das Zimmerturnen mit Kugelstab, Hantel und Wurfnadel" (1863) oder das gar im damaligen Geiste geradezu emanzipatorische "Diätetische und ärztliche Zimmer-Gymnastik für beide Geschlechter (sic!) und jedes Alter" (2. Aufl. 1878) werden in der Provinz und bei der Geistlichkeit nicht unbeachtet gebliebenes "Treiben" gewesen sein.

    "Wenn ma rupft an'ra Kutta nu a bitzle am Som,
    so gnappan d'r alle bis ahe gi Rom".

    Citoyen. Jedenfalls trat er für den Bürger ein. Als Wiederbegründer des Blumenegger Schützenvereines, Gründer des Blumenegger Männerchores und Gründer der Ludescher Feuerwehr setzte Dr. Ludwig Seeger deutliche Zeichen. Als "Querdenker" stand Dr. Ludwig Seeger auch hinter der liberalen Presse und damit im Kreuzfeuer des Klerus. Da war sogar vom "lutherischen Dorf" (Ludesch) die Rede. Der Überlieferung zufolge soll der junge Kaplan Anton Walter als Prediger in Ludesch gegen die liberale Presse zu Felde gezogen sein, sodass schließlich nur noch in vier Ludescher Haushalten die "kirchenfeindliche" Feldkircher Zeitung gelesen wurde. Seeger wird dabei als "Seele der kirchenfeindlichen Bewegung" zitiert. Mit seinem "Net lugg lo" hat er den Generationen danach einen Auftrag hinterlassen und mit "Gibile Gäbile Rechazah, s'Wib isch Meister und net dr Ma" hat Seeger bereits der Emanzipation das Wort geredet. Mit der Lebensweisheit "Bist grad wia-na Latta, stoßt öftermol aa. Bist krumm wia-n-an Schwiischwanz, bist no letzter dra" hält Dr. Ludwig Seeger den Spießbürgern den Spiegel vors Gesicht.

    A Wässerle, so kli und klar,
    ma ment, as künn nit si -
    und doch, es grift vertüflet a,
    ’s ist Kriesewasser gsi!

    Net lugg lo. Im "Exil" in Wien bewährt sich Ludwig Seeger. Als Lebensreformer zählte auch die damals noch junge Elektromedizin zu Seegers Forschungsgebieten. Und so baute er ab den 1860er Jahren im Wiener Krankenhaus auf der Wieden eine entsprechende Abteilung auf, die später dann von seinem Sohn Ludwig Eduard Seeger (1862-1927) übernommen wurde. Er wirkte also in Wien einerseits als Elektrotherapeut und Leiter der Station für elektrische Behandlung am Krankenhaus Wieden (Man vergegenwärtige sich: 1884 begann Siegmund Freud "nervöse" Krankheiten mit der Elektrotherapie zu behandeln. 1860 begannen amerikanische Zahnärzte, Gleichstrom zur Lokalanästhesie einzusetzen. 1859 ließ sich der Zahnarzt Oliver die Elektroanästhesie sogar patentieren).

    Anderseits hatte er auch seine eigene, von ihm gegründete Anstalt für orthopädische Gymnastik im ersten Bezirk in Wien, wie er überhaupt zu den Pionieren dieser Bewegung zu zählen ist. Zu seiner Klientel zählten die höchsten Kreise der Geburts- und Geldaristokratie, ebenso die so beliebte Kaiserin "Sisi". Immerhin war Dr. Seeger einige Jahre als Landarzt in Ludesch nur für die "Wehwehchen" der Blumenegger zuständig und nach seinem Umzug nach Wien nun höchstpersönlicher Trainer von Kaiserin Elisabeth (im Volksmund Sisi). Sie hielt sich mit den von Seeger eigens entwickelten Trainingsgeräten fit und folgte brav seinen aufgezeichneten Übungsanweisungen. Er entwickelte spezielle Übungsreihen mit seinen Turnstäben, Kugelstab, Hantel, Ringe, Wurfnadel, Schaukel, Turnstuhl und Stangenreck als "Turnbehelfe". Mit seiner Vortragsreihe "Rationelle Volksernährung" darf man ihn auch als Vorreiter der ganzheitlichen Ernährungsberatung nennen.


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    Donnerstag, 11. August 2022

    [ #Walsertal ] Naturschutzgebiet Gadental


    Das Gadental liegt im Biosphärenpark Großes Walsertal und beherbergt über 500 Arten von Farnen und Blütenpflanzen.

    Das Gadental ist seit 1987 Naturschutzgebiet und wurde nach der europäischen Fauna Flora Habitat Richtlinie zum Natura 2000 Schutzgebiet nominiert.

    Es ist als typisches Bergtal der Nördlichen Kalkalpen in einer ursprünglichen und naturnahen Nutzung erhalten und mit 1500 ha das größte Naturschutzgebietd Vorarlbergs, ein Natura 2000 Gebiet und die Kernzone des Biosphärenparkes Großes Walsertal.

    Biotope. Es wird durch den Matonabach nach Norden entwässert und beherbergt eine Vielzahl von naturnahen, natürlichen und ursprünglichen Biotopen.

    Am Taleingang findet man seltene Spirkenwälder. Buchen- Tannenwälder, Fichtenwälder und Latschenfelder bedecken die Eingänge des Tales. In der Talmitte wachsen urwaldartige Mischwälder und den Talschluss nach Süden bilden die Karstgebiete des Gadner- und Diesner-Gschröfs mit der Naturhöhle "Wildes Loch".

    Wald. Die Waldflächen unterliegen einem völligem Schutz, sie werden als Naturwaldflächen der freien natürlichen Entwicklung überlassen. Wichtig dabei ist die natürliche Verjüngung des Waldes, die für das Tal nur erreicht werden kann, wenn die Wildbestände reguliert werden.

    Alpwirtschaft. Montansubalpine Weideflächen mit den Alpen Gaden-Madona und Diesnerberg kennzeichnen den mittleren Talabschnitt. Darüber schließen ausgedehnte Karsthochflächen an, die durch Erhebungen wie die Schwarze Wand oder den Misthaufen nach Süden begrenzt sind. Im Gadental trägt eine nachhaltige, traditionell geführte Alpbewirtschaftung zur Erhaltung der Alpflächen bei.

    Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt.
    In dem Naturschutzgebiet ist das Vorkommen der gefährdeten Arten Arnica (Arnica montana), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Trollblume (Trollius europaeus), Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium) und MehlPrimel (Primula farinosa) belegt. An typischen Großtieren dieses Lebensraums sind Gämse und Reh in guten Populationen vertreten. Ebenso kommt Murmeltier, Fuchs, Marder und Wiesel vor. Sehr artenreich ist die Vogelfauna. Insgesamt sind im Gadental 58 Brutvogelarten nachgewiesen.

    Schutzinhalt:
    • Latschenbusch mit Pinus mugo und Rhododendron hirsutum
    • montaner und subalpiner Spirken-Wald auf Gips- und Kalksubstrat
    • montane bis alpine bodensaur Fichtenwälder
    • Waldmeister-Buchenwald
    • Schlucht- und Hangmischwälder
    • mitteleuropäischer subalpiner Buchenwald
    • feuchte Hochstaudenfluren der montanen bis alpinen Stufe
    • kalkreiche Niedermoore
    • alpine und subalpine Kalkrasen
    • alpine und boreale Heiden
    • Kalk- und Kalkschieferschutt-Halden der montanen bis alpinen Stufe
    • Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
    • Kalk-Felspflaster
    • nicht touristisch erschlossene Höhlen
    • Frauenschuh
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    [ #Vorarlberg ] Rad- und Mountainbikewege in Vorarlberg online


    Vorarlberg bietet mit seiner landschaftlichen Vielfalt auf kleinem Raum die besten Voraussetzungen für das Radwandern und Mountainbiken. 

    Gemächliche Höhenwege, Mountainbike-Safaris, herausfordernde Gipfeltouren. Hier der Bergsee, dort die Alpweide, am Horizont Felsen und Hochgebirge. Ausblicke, die immer wieder aufs Neue begeistern. Vom Bodensee bis hinauf in die Bergwelt von Arlberg, Silvretta und Rätikon. Für Ausflüge mit dem Rad oder Mountainbike sind Vorarlbergs Landschaften wie geschaffen.

    Ein landesweit markiertes und beschildertes Radwegenetz und ein im Aufbau befindliches Mountainbike- und Radwegenetz laden ein, Vorarlberg mit vielen Überraschungen zu erleben und zu erkunden. Das Wegenetz für Radfahrer und Mountainbiker liegt auch in digitaler Form online und kostenlos nutzbar vor. Dazu sind sie sortiert als Mountainbike-Touren zwischen leicht, mittel und schwer und als Radtouren.

    Verhaltensregeln für Mountainbiker. Mountainbikerouten führen in ein Gelände, in dem besondere Anforderungen an die Eigenverantwortung der Mountainbiker gestellt werden. So können Steine und Bäume den Weg kurzfristig unpassierbar machen oder der Weg führt durch ein Steilgelände an Gefahrenstellen vorbei, wo Absturzgefahr besteht. Durch die Bewirtschaftung der Wälder und Alpen ist auch jederzeit mit Gegenverkehr, abgestellten Fahrzeugen oder Wegsperren zu rechnen. Beim Mountainbiking ist es wichtig, dass gewisse Verhaltensregeln eingehalten werden, um Konfrontationen mit anderen Nutzergruppen zu vermeiden und um die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Dazu gehören vor allem:
    • Verantwortungsvolles Fahren mit kontrollierter Geschwindigkeit und auf halbe Sicht, besonders bei Kurven, da jederzeit mit Hindernissen zu rechnen ist (zB Steine, Äste, Wegschäden, zwischengelagertes Holz, Weidevieh, Weidegatter, Schranken, Fahrzeuge und Forstmaschinen, Wegsperren usw).
    • Wanderer und Fußgänger haben Vorrang. Rücksichtsvolles Überholen erfolgt im Schritttempo.
    • Die land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung hat auf den freigegebenen Wegen Vorrang. Weidegatter sind wieder zu schließen, vorübergehende Wegsperren werden eingehalten.
    • Die vorgesehenen, beschilderten Strecken nicht verlassen. Damit werden Natur- und Wildlebensräume geschont.
    Eine gute Tourenplanung nimmt Rücksicht auf die Schwierigkeit der Strecke und das eigene Können. Dazu gehören auch Helm, Schutzausrüstung und ein technisch einwandfreies Mountainbike.

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    Mittwoch, 10. August 2022

    [ #Bodensee ] Alte Kernobstsorten im Bodenseeraum



    Alte Obstsorten findet man fast nur noch in den Streuobstwiesen. 

    Früher wurden sie für die verschiedensten Verwendungszwecke wie Mosten, Brennen, Dörren oder Kochen ausgelesen und vermehrt. So entstand eine große Sortenvielfalt. Durch die Veränderungen im Obstbau und von Verbrauchergewohnheiten wurden sie im Erwerbsanbau von neuen Sorten verdrängt. Heute steht die Produktion von Tafelobst im Mittelpunkt. Die zahlreichen alten Sorten mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften sind aber nicht nur wertvolles Kulturerbe, sie werden auch weiterhin für die Vielfalt in den Streuobstwiesen und für zukünftige Züchtungen benötigt.

    Im Interreg IIIA-Projekt der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz "Erhaltung alter Kernobstsorten im Bodenseeraum" wurde das in der Bodenseeregion noch vorhandene Sortenspektrum bei Apfel und Birne inventarisiert und es wurden gemeinsam Maßnahmen zur Sortenerhaltung erarbeitet.

    Erfassung. Dank dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit konnten 640 Apfel- und Birnensorten des Bodenseeraums erfasst und charakterisiert werden. Gemeinsam wurden Strategien zur Erhaltung gefährdeter Sorten erarbeitet und umgesetzt, damit die Sortenvielfalt als wichtige Ressource für die Zukunft erhalten bleibt.

    Dokumentation. Fast drei Viertel der Sorten sind gefährdet oder bedingt gefährdet, sie stehen oft nur noch in einzelnen alten Exemplaren in den Streuobstbeständen. Insgesamt konnten in der Projektregion 253 Birnensorten und 387 Apfelsorten sicher bestimmt werden. Für 250 vorher sicher bestimmte Apfelsorten und 53 Birnensorten wurde ein "genetischer Fingerabdruck" erstellt, der nun als untrügliches Referenzmuster zur Verfügung steht. Die Ergebnisse sind ausführlich im Endbericht dokumentiert.

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    Dienstag, 9. August 2022

    [ #Bregenz ] Die dreifache Ausgrenzung des Samuel Spindler: Landfremd, sozialdemokratisch, jüdisch


    Auf einer sozialdemokratischen Versammlung in Bregenz am 11. November 1918, einen Tag vor der Ausrufung der Republik, beantragte Samuel Spindler die Wahl eines Arbeiterrates. 

    Acht Männer und vier Frauen wurden gewählt – sie sollten sich besonders um die "Erreichung einer besseren Vertretung der Arbeiterschaft in der Stadtvertretung" bemühen. Am 4. Dezember 1918 verfügte der Staatsrat der jungen Republik eine Ergänzung der Gemeindevertretungen durch Arbeitervertreter.


    Am 30. Dezember 1918 gaben in Bregenz die Parteien die von ihnen gewählten Vertreter bekannt; unter den sozialdemokratischen befand sich Samuel Spindler. Seine Wahl erregte bei den Bürgerlichen Anstoß. Ein christlichsozialer Stadtrat bezeichnete ihn in einer öffentlichen Sitzung als einen "galizianischen Juden" und damit als unwürdig, in der Gemeindevertretung mitzuarbeiten.

     
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    [ #Wolfurt ] Wolfurter Geschichte online


    In zeitaufwändiger und mühevoller Recherchen wurden von Direktor Siegfried Heim große Teile der Wolfurter Geschichte in 30 Ausgaben der "Heimat Wolfurt" der interessierten Bevölkerung zugänglich gemacht, die auch online fassbar ist. 


    Wolfurt ist eine Marktgemeinde in Vorarlberg mit über 8000 Einwohnern. Es liegt im im Bezirk Bregenz südöstlich des Bodensees auf 434 Metern Höhe und ist Teil des Ballungsraums Rheintal. Wolfurt teilt seine Gemeindegrenze mit sieben anderen Vorarlberger Gemeinden. Es sind dies im Uhrzeigersinn die Bezirks- und Landeshauptstadt Bregenz, die Gemeinden Kennelbach, Buch, Bildstein und Schwarzach, die Bezirkshauptstadt Dornbirn und die Marktgemeinde Lauterach. Wegen seiner überregionalen Bedeutung - insbesondere des ÖBB_Güterbahnhofes als Containerterminal - wurde Wolfurt am 1. Mai 1982 zur Marktgemeinde erhoben.

    Schloss Wolfurt. Um 500 sollen die Alemannen im heutigen Gemeindegebiet zwei Höfe, den „Kellnhof“ und den „Hof zur Steig“ (später Hofsteig) errichtet haben. Der Name Wolfurt taucht erstmals um 1226 als der eines reichen Rittergeschlechtes auf, das großen Einfluss in Süddeutschland und in der Schweiz hatte. Von Ritter Konrad stammt der bekannte Wolfurter Kelch, den er dem Kloster Pfäfers stiftete. Im 15. Jahrhundert starb das Geschlecht aus.

    Als der St.Galler Abt Kilian Germann in der Reformationszeit flüchten musste, verlegte er Ende Februar 1530 seine Residenz von St. Gallen auf das Schloss Wolfurt. Noch im gleichen Jahr ertrank er allerdings in der Bregenzer Ach. Das Schloss Wolfurt, erbaut im Mittelalter, wurde bei einem verehrenden Brand im Jahre 1936 nahezu völlig zerstört, allerdings wieder rasch hergestellt (1939). 1945 wurde es Sitz der französischen Militärkommandatur. 

    Heimat Wolfurt. In zeitaufwändiger und mühevoller Recherchen wurden von Direktor Siegfried Heim große Teile der Wolfurter Geschichte in 30 Ausgaben der "Heimat Wolfurt" der interessierten Bevölkerung zugänglich gemacht, die auch online faßbar ist. Für die schnelle Orientierung über die Wolfurter Geschichte empfiehlt sich besonders Heft 24. Eine Zeittafel im Heft 1. 


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