Donnerstag, 30. Juni 2022

[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Hausmannskost


Bettlersuppe, Hafaloab, Sure Räba, Brotsuppe, Brennsuppe, Nahna-Koscht, Stopfer und Riebel sind keine internationalen Küchenspezialitäten sondern Dokumente der unsäglichen Armut die in Vorarlberg noch bis zum II. Weltkrieg herrschte. 
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link und zusätzliche Infos!

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[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Fische: Der Nase (Chondrostoma nasus) droht das Aussterben


Die in Vorarlberg einst häufige Fischart Chondrostoma nasus steht hier vor dem Aussterben.


Noch vor ein paar Jahrzehnten war die Nase eine der dominierenden Fischarten in unseren Flüssen. Zu den angestammten Lebensräumen gehörte auch der Alpenrhein. Heute ist die Nase eine Rarität und steht in unmittelbarer Gefahr in Vorarlberg auszusterben.

In Vorarlberg gibt es derzeit 44 Fischarten, davon gelten aber nur 32 als heimisch. In den letzten Jahren sind immer mehr Neozooen, wie der Sonnenbarsch und der Kaulbarsch, eingeschleppt worden. Andere heimische Fischarten, wie Kilch und Steinbeisser sind hingegen bereits ausgestorben, oder stehen kurz davor.


Nase. Dies gilt für den Fisch mit dem Namen "Nase" (Chondrostoma nasus). Den deutschen Namen haben die Fische durch ihr unterständiges Maul erhalten, welches die Kopfspitze wie eine Nase aussehen lässt.

Die Nase zählt zu den einheimischen Karpfenfischen. Die Tiere werden maximal 50 Zentimeter groß. Mit ihrem harten Unterkiefer und der scharfen Unterlippe können Nasen Algen abweiden. Sie gelten häufig als Pflanzenfresser und wären als solche ökologisch gesehen hervorragende Speisefische, weil sie sich vorwiegend von Algen ernähren, die sie von den Steinen abkratzen. Auch wenn Algen keine Pflanzen im engeren Sinne sind sondern pflanzenartige Lebewesen, so erbauen sie sich aus der Photosynthese, also aus der Sonnenergie und einem schier unbegrenzten Rohstoff: CO². Sie sind also kein Nahrungs-Konkurrent der anderen Fischarten.

Letzte Vorkommen: Dornbirner Ach. Die Nase nimmt aufgrund ihrer vorwiegend „vegetarischen“ Ernährungsweise eine Sonderstellung innerhalb der heimischen Fischfauna ein. Die Nase ist ein „Weidegänger“ - sie weidet mit ihren hornigen, kantigen Lippen den Algenrasen auf den Steinen im Gewässer ab. Sie ist als Mittelstreckenwanderer und Kieslaicher besonders empfindlich gegenüber Verbauungen und Kontinuumsunterbrechungen der Gewässer. Aufgrund der herrschenden Beeinträchtigungen vieler Fließgewässer durch nicht passierbare Querbauwerke, Kraftwerksbetrieb und Gewässerregulierung sind die nötigen Gewässereigenschaften für eine natürliche, eigenständige Bestandserhaltung vielerorts nicht mehr gegeben.. Aufgrund dessen gibt es heute in Vorarlberg nur noch einen kleinen Restbestand von wenigen hundert Tieren in der Dornbirnerach. Dementsprechend gilt die Nase auch hierzulande inzwischen als vom Aussterben bedroht (Gefährdungsklasse 1 der Roten Liste der Fische Vorarlbergs).


Nasen sind typische Schwarmfische, die von März bis Mai laichen. In vielen Fließgewässern Europas sind die Populationen der Nasen ebenfalls stark bedroht. Im Bodensee und seinen Zuflüssen gibt es nur noch vereinzelte Vorkommen. Noch vor ein paar Jahrzehnten war die Nase auch eine der dominierenden Fischarten in unseren Flüssen. Zu den angestammten Lebensräumen gehörte auch der Alpenrhein. Heute ist die Nase dort eine Rarität. In der Bregenzerach war sie der Leitfisch.  Für die bedrohte Art Nase (Chondrostoma nasus) hat die Schweiz zehn national bedeutende Laichgebiete definiert. Einer dieser Gebiete befindet sich am Alpenrhein, im Binnenkanal bei Lienz.

Zum Schutz der Bestände bestehen in Deutschland für den Fang von Nasen gesetzlich vorgeschriebene Schonmaße und Schonzeiten. In der Schweiz ist die Nase seit dem 1. Januar 2007 ganzjährig geschützt und darf nicht mehr gefangen werden.

Im Alpenrhein sind auch durch die Kraftwerksbauten starke Rückgänge zu verzeichnen. Der Wanderfisch legt bei Wanderungen bis 300km zurück, die er durch die Unterbrechung des Gewässer durch Aufstauungen und andere Gewässerregulierungen nicht mehr vorfindet. Dadurch werden für den Kieslaicher auch viele Laichplätze zerstört und die Laichwanderungen verhindert. Ein Stressfaktor ist auch der ständige Wechsel des Wasserstandes an Rhein und Ill, der diesen Fließgewässerfischen wie Flut und Ebbe erscheinen muss.


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Mittwoch, 29. Juni 2022

Vorarlberger Bürgermeister vor 200 Jahren: Fortschritt dank der "bösen" Bayern


Die althergebrachten Gemeinde- wie auch Gerichtsverfassungen Vorarlbergs fanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihr Ende, nachdem Vorarlberg an das Königreich Bayern gekommen war und dadurch einen ungeheuren Modernisierungsschub erlebte.

Verspäteter Beginn der Neuzeit. Erst das bayerische Gemeindeedikt von 1808 brachte den endgültigen Übergang vom mittelalterlichen Personenverband zu territorial abgegrenzten Ortsgemeinden mit staatlichen Aufgaben und einer staatlich beaufsichtigten Selbstverwaltung. Der Weg zur demokratischen Selbstverwaltung auf kommunaler Ebene sollte freilich noch sehr weit sein.

Modernisierung dank Bayern und Napoleon. 1805 bis 1814 gehörte Vorarlberg zum Königreich Bayern und erfuhr damit im Rahmen der bayerischen Staatsreform eine Modernisierung seiner Verwaltung. Am 27. Juli 1808 erging ein „Organische Edikt über die Bildung der Gemeinden“, das der bayerische König Max I. Joseph im Rahmen einer großen Staatsreform vorschrieb. In der Folge wurde auch das gesamte spätere Land Vorarlberg in politische Gemeinden mit weitgehend einheitlicher Gemeindeverfassung gegliedert. Der Großteil unserer Gemeinden konnte deshalb 2008 ihr 200-jähriges Bestandsjubiläum feiern.

Klein- und Kleinstgemeinden.1817 zählte Vorarlberg knapp 100 Gemeinden, 1917 waren es einhundertvier, 1937 neunundneunzig und 1945 neunzig Gemeinden. Während die Zahl der österreichischen Gemeinden inzwischen halbiert wurde, blieb Vorarlberg seit 1947 unverändert bei 96 Gemeinden, praktisch mit dem höchsten Anteil an Klein- und Kleinstgemeinden.



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Montag, 27. Juni 2022

[ #Vorarlberg ] "Wenn du nicht brav bist, dann kommst du auf den Jagdberg“


Dass das "Erziehungsheim Jagdberg" in der Nachkriegszeit ein Ort des psychischen und physischen Terrors war, ist bekannt, ebenso wie damals jedem Kind die Drohung "Wenn ihr nicht brav seid, dann kommt ihr auf den Jagdberg“ in den Knochen steckte.  


Das pädagogische Konzept des Jagdberges legitimierte, alles mit den Kindern und Jugendlichen zu machen, besonders Erniedrigung, Gewalt, Psychoterror, Missbrauch usw.
"Zumindest in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg übertraf die Anstaltserziehung alle anderen Erziehungshilfemaßnahmen – insbesondere die gelinderen – in Tirol ebenso wie in Vorarlberg."
Das System der Erziehungsheime hat gewaltvolle Erziehungspraktiken in all ihren Formen der körperlichen, psychischen und sexualisierten Gewalt erzeugt, toleriert und/oder war zu ihrer Verhinderung nicht willens oder nicht imstande. Machtstrukturen setzten Gewaltdynamiken
zwischen Erzieher/Erzieherin und ‚Zögling‘ aber auch zwischen den ‚Zöglingen‘ in Gang undhielten sie aufrecht.

Forschungsbericht. Ein umfangreicher Forschungsbericht entstand im Auftrag der Länder Tirol und Vorarlberg. Im Anschluss an die Präsentation und Evaluierung der Vorstudie (2012) wurde im Februar 2013 in gemeinsamer Verantwortung der Länder aus den darin vorgeschlagenen Projekten die „Studie zum Fürsorgeerziehungssystem Tirols und Vorarlbergs in der Zweiten Republik mit besonderer Schwerpunktsetzung auf die öffentliche Heimerziehung, die Landesheime und die Heimwirklichkeiten“ ausgewählt. Mit einer Laufzeit von 24 Monaten wurde das Projekt von 2013 bis 2015 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck durchgeführt.

Schon früh, in den 1920er Jahren, hatten die beiden Länder ein Abkommen für eine wechselweise Übernahme der Fürsorgekinder in Heimerziehung geschlossen. Im Zentrum der Untersuchung stehen die zur Verwirklichung der Fürsorgeerziehung errichteten Landesfürsorgeerziehungsheime der Region in der Zweiten Republik: der Jagdberg für schulpflichtige Buben, Kramsach-Mariatal für schulpflichtige Mädchen, Kleinvolderberg für schulentlassene Buben und junge Männer, und wegen seiner strategischen Bedeutung mit einer eigenen Detailstudie: Sankt Martin in Schwaz für schulentlassene Mädchen und junge Frauen. Sie bilden zusammen ein mächtiges Panorama pädagogischer Sonderorte anstaltsförmiger Ersatzerziehung.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt sagt mehr: 

Einleitung 11
Methodische und Methodologische Ausrichtung der Studie: Quellen und Auswertung 18
Die Jugendfürsorge bis 1938 49
Jugendfürsorge als Armenversorgung 49
Kinder- und Jugendfürsorge im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle 52
Exkurs: Die Tiroler Landesbesserungsanstalten 59
Zunahme des Organisationsgrades in der Jugendfürsorge ab 1900 67
Der Erste Weltkrieg als Katalysator für die öffentliche Jugendfürsorge 75
Teilerfolge der Jugendfürsorgeverbände in der Ersten Republik 78
 Der Abbau der öffentlichen Jugendwohlfahrt im „christlichen Ständestaat“ 85
Jugendfürsorge unter neuen Vorzeichen nach dem „Anschluss“ 87
Die Jugendfürsorge in der NS-Zeit 88
Die Modernisierung der Jugendwohlfahrt im frühen 20. Jahrhundert 89
Rassehygienische und erbbiologische Diskurse in der Jugendfürsorge 90
Die Rechtsentwicklung in Deutschland ab 1922 und die Umgestaltung der Jugendfürsorge 93
EXKURS: Kindheit & Jugend in der NS-Zeit 94
Die Ausgestaltung der nationalsozialistischen Jugendfürsorge ab 1933/1938 97
Die Jugendfürsorge in Tirol und Vorarlberg nach dem ‚Anschluss‘ 1938 101
Die Erziehungsheime Tirols und Vorarlbergs in der NS-Zeit 105
Exkurs: Der Einfluss der rassebiologischen Psychiatrie 110
Die Heimordnung und Dienstanweisung für die Erziehungsheime des Reichsgaus Tirol und
Vorarlberg 114
„Es ist anzunehmen, dass er unter der Einwirkung der straffen Lagerzucht
im begrenzten Umfange wieder gemeinschaftsfähig wird.“ 118
Die Jugendfürsorge der II. Republik 135
Die Reorganisation der Verwaltungsstruktur 139
Das Ringen um ein neues Jugendfürsorgegesetz 150
Die Pathologisierung der österreichischen Nachkriegsjugend 158
Das Regime der Fürsorge 172
„ den Zöglingen…angelastet“ - Veruntreuung von Geldern in Kleinvolderberg 179
„ob hier durch eine Epiphysankur eine sexuelle Beruhigung erreicht werden kann.“
– Heimerziehung unter medikalem Vorzeichen 189
Die Erzieherausbildung 209
„Die Durchführbarkeit der Fürsorgeerziehung ist nicht gegeben“ –
Eine geglückte Widerstandsgeschichte 219
Reformbestrebungen und das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1989 230
Landeserziehungsanstalt für schulpflichtige Buben –
der Jagdberg in Schlins 251
Der Beginn des Kinderrettungsgedankens in Vorarlberg 252
Das Asyl zur Rettung [sittlich] verwahrloster Kinder und Jugendlicher (1886-1939) 256
„Wir hatten Angst! Wir sind ja alle Kinder gewesen.“ 267
Gauerziehungsheim für schulpflichtige Buben (1940 -1945) 279
„Halt so ist es dort zugegangen, wie in einem Gefängnis.“ 290
Landeserziehungsanstalt für schulpflichtige Buben (1945-1976) 306
„Der Jagdberg ist für MICH ein Segen gewesen.“ 332
EXKURS: Gutachterin und Beraterin: Maria Nowak-Vogl und der Jagdberg 353
Landesjugendheim für schulpflichtige Buben (1976-1999) 358
„Sie dürfen nicht an meinen Schrank, nur ich habe das Recht dazu.“ 362
Vom Sozialpädagogischen Internat zur Paedakoop – der Jagdberg ab 1999 381
Das Landeserziehungsheim für schulentlassene Buben in Kleinvolderberg 391
Das Josefinum in Volders1886-1938 392
Das Gauerziehungsheim für schulpflichtige Mädchen in Kleinvolderberg 1939-1944 414
Das Landeserziehungsheim Kleinvolderberg 1945 bis 1990 425
„Da hast du so viele Stunden gearbeitet und dann ist kein Groschen da.“ 441
EXKURS: Von der „geschlossenen“ zur „offenen“ Heimerziehung männlicher Jugendlicher 475
Das Landeserziehungsheim für schulentlassene Mädchen – St. Martin in Schwaz 491
Vom Zwangsarbeitshaus zum Landeserziehungsheim (1826-1938) 491
Das Gauerziehungsheim St. Martin 505
St. Martin 1945 bis 1990 515
„Du bist von einer Gruppe in die andere befördert worden.“ 528
„Das war für mich entwürdigend.“ 551
 „Da habe ich gewusst, ich bin hier ausgeliefert...“ 566
Veränderungen ab den 1970er Jahren 582
„Eine Beschwerde nach der anderen, aber da ist nichts passiert.“ 591
Scheiternde Erneuerung der Heimstruktur und die Schließung des Erziehungsheims 600
Die Erziehungsanstalt Kramsach-Mariatal 613
Die Vorgeschichte bis 1945 617
Das Landeserziehungsheim 1946 bis 1971 630
„Ich habe Schläge bekommen, weil ich ihr keine Watsche gegeben habe.“ 636
Das „vergessene Kramsach“ 661
Anhang 673
Die konfessionellen Träger der Jugendfürsorge in Tirol und Vorarlberg 674
Bibliographie 715


[ #Vorarlberg ] Filmzensur: Im Westen nichts Neues

Filmzensur ist im westlichsten Bundesland Österreichs nichts Neues. Erst mit der Erfindung des Internets sind alle diesbezüglichen Bemühungen gänzlich verstorben, ohne dass deswegen Vorarlbergs Bevölkerung sittlich besonders gefährdet wäre. 

Dass aber in Vorarlberg trotz verfassungsgemäßen Verbot der Zensur 1931 die Verfilmung von Erich Maria Remarque's Roman "Im Westen nichts Neues" (All quiet on the Western Front, USA 1929/30, Regie: Lewis Milestone) verboten worden war, das überrascht den Nachgeborenen doch einigermaßen. Widerstand gegen das Verbot des Antikriegsfilmes organisierten die Vorarlberger Sozialdemokraten, welche Fahrten zum Kinobesuch in St. Gallen organisierten.

Bereits Remarques Romanvorlage hatte großes Aufsehen verursacht und machten sich rechte Gruppierungen sofort daran, ihr Missfallen über den pazifistischen Grundton in gewalttätigen Protesten auszudrücken. Schon am 8. Februar 1930 hatte der thüringische Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick (NSDAP) verfügt, dass "Im Westen nichts Neues" in keiner Schule des Landes mehr gelesen werden darf. Das Werk wurde als "pazifistisch-marxistische Propaganda" bezeichnet.

In der Tagszeitung "Der Wiener Tag" konnte man dazu am 16. Dezember 1930 lesen: " ... hört man, dass das Innenministerium sich bereits mit der Frage beschäftigt, welcher Standpunkt zu dem Remarque-Rummel einzunehmen wäre. Man ist angeblich nicht gewillt, das gut Recht zur Aufführung des Antikriegsfilms zu verteidigen, sondern will irgendeinen biegsamen Paragraphen aus dem Kinogesetz heranziehen, um gegen den Sinn der republikanischen Rechtsordnung die Aufführung des Filmwerkes einfach zu verbieten." So sollte es auch kommen.

Durch die Verfassungsnovelle des Jahres 1925 die legislativen und exekutiven Kompetenzen im Film- und Theaterwesen vom Bund auf die Länder übergegangen. Daraufhin hatte Vorarlberg ein eigenes Film- und Kinorecht geschaffen, mit welchen die Filmzensur im Grunde wieder eingeführt worden war. Die österreichische Bundesregierung billigte diese Eingriffe in die Zensurfreiheit . Daneben bestand noch eine pseudlegale Möglichkeit unliebsame Filme aus dem Verkehr zu ziehen: Kam es bei einer Vorführung zu Krawallen, Zwischenrufen und gewalttätigen Auseinandersetzungen, so konnte, nach einer Weisung des Ministerrates aus dem Jahr 1930, die zuständige Polizeidirektion sofort ein Verbot gegen den Film erlassen.

Gezielte Störaktionen der Nationalsozialisten waren damit vorprogrammiert. Die oben zitierte Meldung der Zeitung (Der Wiener Tag) zeigt dies deutlich: "Die österreichischen Nationalsozialisten halten sich verpflichtet, hinter der Radausucht ihrer deutschen Brüder nicht zurückzustehen. Seit bekannt wurde, dass der Remarque-Film 'Im Westen nichts Neues' am 3. Jänner in Wien vorgeführt werden soll, regnet es von ihrer Seite Proteste und Drohungen." Die Nazis vergaßen der Zeitung übrigens ihre demokratische Haltung nach dem Anschluss nicht: Die letzte Ausgabe der Zeitung erschien am 12. März 1938, dem Tag des "Anschlusses". Daraufhin schlossen die Nationalsozialisten die Redaktion, und die Zeitung wurde verboten. Die Redakteure Maximilian Schreier, Vincenz Ludwig Ostry und Rudolf Kalmar wurden von der Gestapo verhaftet und nach Deutschland in Konzentrationslager deportiert.

Der Antikriegsfilm hatte aber nicht nur bei den Nazis keine Chance. Auch bei den bürgerlichen Politikern waren längst die Demokratie, Frieden und Freiheit kein Modell mehr. In einer Parlamentsdebatte zu diesem Film sprachen sich die Abgeordneten der Christlichsozialen, des Heimatblockes und der Großdeutschen gegen den Film aus und sprachen schon wie die Nazis selber von "überflüssiger Kriegsabrüstung unseres Volkes". Der spätere Bundeskanzler Schuschnigg wandte sich "gegen den Pazifismus als Geschäft" und setzte sich in Hinblick auf eine "allgemein moralische, vaterländische und nationale Anständigkeit" für ein Verbot des Filmes ein.

Die österreichische Regierung schließlich empfahl den Landesregierungen ein Verbot über den Film zu verhängen und forderte damit - die Filmzensur war noch nicht wieder eingeführt worden - offen zu einem Verfassungsbruch auf. Oberösterreich und Vorarlberg kamen dieser Empfehlung sofort nach.

 
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      [ #Feldkirch ] Feldkirch in der Bayernzeit (1805-1814)

      Im Dezember 1805 kam Vorarlberg als Folge des Pressburger Friedens an das Königreich Bayern und erfuhr einen ungestümen Modernisierungsschub, wenngleich in der Vorarlberger historischen Literatur die Darstellung dieser bayerischen Epoche lange Zeit das Bild des Tyrannen, Despoten, Unterdrückers des freien Vorarlbergers vorherrschten. 

      etwa mit der Jahrtausendwende wurde vermehrt versucht, diese Zeit differenzierter und sachlicher zu betrachten. Die nationalistische Propaganda war erst nach sehr langer Zeit in sich zusammen gefallen.

      1806 bis 1814 gehörte Feldkirch mit Vorarlberg zum Königreich Bayern. Gewachsene Verwaltungsmechanismen wurden durch vereinheitlichte Behördenstrukturen ersetzt. Auch einschneidende und kleinliche behördliche Eingriffe in die kirchliche Organisation und das religiöse Brauchtum führten zur Verbitterung der Bevölkerung. Die allgemeinen Wehrpflicht führte dazu, dass zahlreiche Feldkircher auf Seiten der französischen Armee in Russland einmarschierten und ihre Heimat nicht wiedersahen. Das Feldkircher Gymnasium wurde völlig verändert.

      In der Stadt Feldkirch lebten 1806, bei der Übernahme durch Bayern, in 234 Häusern 1.034 Personen, wovon 507 männlichen und 527 weiblichen Geschlechtes waren. Nicht hinzugezählt wurden Dienstboten und Gesellen. 1813 wurden diese "unteren, dienenden Klassen" dann statistisch erfasst. Neben den in diesem Jahr anwesenden 1.160 Feldkircher Bewohnern lebten noch 45 Knechte, 118 Mägde, 30 Gesellen, 190 Beisäße und 27 Bauern in Feldkirch, was eine Gesamtbevölkerung von 1.570 Personen macht.

      Christoph Volaucnik nimmt in einem schriftlich und als PDF vorliegenden Vortrag  (Verba Volant Nr. 70: Volaucnik, Feldkirch in der Bayernzeit) eine Betrachtung der Bayernzeit in Feldkirch anhand der zur Verfügung stehenden Dokumente vor. In diese Zeit fallen zahlreiche Veränderungen, so auch die Gründung des Feldkircher Anzeigers. Manche überlebten die Bayernzeit, einerseits weil sie auch den Habsburgern gelegen kamen (etwa die Abschaffung der Landstände), manche wurden wohl als "revolutionäre Errungenschaften" gesehen und wieder beseitigt. Dass diese gerade die Reformen im Kirchen- und Bildungswesen betrafen, verwundert nicht.


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      Freitag, 24. Juni 2022

      [ #Vorarlberg ] Bilder aus der Vorarlberger Arbeitswelt von 1880 bis 1938


      Gerade in Vorarlberg definieren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts überdurchschnittlich viele Menschen sich selbst über ihre Arbeit. 

      Arbeitsfleiß und der Wille zum beruflichen Fortkommen waren unabdingbare Voraussetzungen für das individuelle Überleben einerseits und für die Schaffung des heutigen Standards der Vorarlberger Wirtschaft andererseits. Darüber berichtet das als PDF herunterladbare Buch hier.

      Im vorliegenden Fall soll die Annäherung an die Arbeitswelt anhand von 175 photographischen Einzelmotiven - entstanden zwischen ca. 1880 und 1938 - aus den Bereichen Haus- und Landwirtschaft, Handwerk, Dienstleistung, Industrie, Handel, öffentliche Verwaltung und Transportwesen erfolgen. Miteinander verbunden und erklärt werden die einzelnen Motive durch kurze textliche Anmerkungen. Auf diese Weise wird nicht nur ein Stück Alltagsgeschichte vermittelt, auch früheres arbeitstechnisches Wissen und Kenntnisse über Arbeitsgeräte mit den jeweiligen Bezeichnungen werden überliefert.

      Malin-Gesellschaft.  Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit. Die PDF-Dateien haben gegenüber der gebundenen Ausgabe einen weiteren Vorteil: Sie sind mit der PDF-Suchfunktion nach wunschstellen und Suchworten durchsuchbar.

      Verlagsinformation. Meinrad Pichler: Bei der Arbeit. Bilder aus der Vorarlberger Arbeitswelt von 1880 bis 1938. Bregenz, Eugen-Ruß-Verlag 1989, Text-Bild-Band, 127 Seiten, Ganzleinen, 175 Abb., ISBN 3-85258-011-0


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      Lohnt sich ein Download? Der Inhalt zur schnellen Orientierung:
      Einleitung
      Hausarbeit - Hausindustrie
      Landwirtschaft  
      Handwerk - Gewerbe
      Dienstleistung - Handel - Verwaltung
      Industrie
      Das Bauwesen
      Verkehr - Transporte
      Kinderarbeit
      Bildquellennachweis
      Literatur

      Montag, 20. Juni 2022

      [ #Großes Walsertal ] Der Biosphärenpark Großes Walsertal im Klimawandel


      Eine Diplomarbeit an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg wurde von Christina Geils eine Diplomarbeit zum Thema "Handlungsfeld Klimawandel im Alpenraum. Das Beispiel Biosphärenpark Großes Walsertal in Österreich" geleistet.

      Die Arbeit steht als PDF-Datei online. Wir zitieren aus dem Fazit: Ziel der Arbeit war zu untersuchen, inwieweit in dem Untersuchungsgebiet Anzeichen eines Klimawandels festzustellen sind. Darüber hinaus sollte beantwortet werden, in welcher Form darauf reagiert werden kann. Als Beispiel für den Alpenraum wurde dazu das Große Walsertal in Österreich gewählt. Begründet wird die Auswahl dadurch, dass sich das Gebiet durch die UNESCO Biosphärenpark-Zertifizierung als eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung auszeichnet. In diesem Sinne ist das Große Walsertal besonders für die Untersuchung geeignet und kann als mögliches Experimentierfeld dienen, um den Einfluss und die Auswirkungen zu verfolgen und aufzugreifen. Der thematische Schwerpunkt der Arbeit lag auf den Bereichen der Land- und Forstwirtschaft, dem Tourismus sowie den Naturereignissen.

      Als zentrales Untersuchungsergebnis ist festzustellen, dass im Großen Walsertal bisher nur vereinzelt Anzeichen für den Klimawandel in den verschiedenen Bereichen erkennbar sind. Dabei zeigt sich, dass die Bereiche Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Naturereignisse in unterschiedlichem Umfang betroffen sind.
      Als besonders stark vom Klimawandel betroffen zeigte sich in der Untersuchung Handlungsfeld Klimawandel im Alpenraum die Landwirtschaft. Erschwerte Bedingungen bei der Ernte infolge extremerer Witterung sowie eine Verlängerung der Vegetationsperiode durch längere Warmphasen wurden ermittelt.
      Die drei anderen Bereiche hingegen zeigen sich nach Expertenansicht als weitgehend nicht beeinflusst. Sie stellen fest, dass in der Forstwirtschaft durch erhöhte Temperaturen ein vermehrtes Vorkommen von Schädlingen zu beobachten ist. Gleichzeitig wird ein stärkeres Wachstum der Bäume, insbesondere der Laubbäume, in höheren Lagen verzeichnet. Der Tourismus ist anhand der Ergebnisse von erkennbaren Auswirkungen des Klimawandels betroffen, die nur eine geringe Beeinflussung bedingen. Im Winter ist die natürliche Schneesicherheit, obgleich sich die Schneegrenze nach oben verschoben hat, bisher ausreichend gegeben. Folglich finden noch keine alternativen Bemühungen, touristische Angebote unabhängiger vom Faktor Schnee zu gestalten, statt. Im Bereich der Naturereignisse zeigten sich bei der Auswertung nur geringe Anzeichen eines möglichen Klimawandels. Die recht hohe Dichte an Verbauungsmaßnahmen bietet dem Tal Schutz vor Naturgefahren. Als Begründung für die insgesamt verhältnismäßig geringen Anzeichen wurde die Naturbelassenheit und die Ursprünglichkeit des Großen Walsertals ermittelt.


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      Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf das Inhaltsverzeichnis:

      1. EINLEITUNG 1

      2. KLIMAWANDEL 4
      2.1. Klimageschichte 4
      2.2. Ursachen einer Klimaveränderung 6
      2.2.1. Natürliche Klimaänderungen 6
      2.2.2. Anthropogene Klimaänderungen 8
      2.3. Zukunftsperspektiven 9
      2.4. Klimapolitik 12

      3. BIOSPHÄRENPARK GROßES WALSERTAL 15
      3.1. Lage und Naturraum 15
      3.1.1. Geologie 17
      3.1.2. Klima 18
      3.1.3. Landschaftsmerkmale 19
      3.2. Siedlungsgeschichte 21
      3.3. Wirtschaft 22
      3.4. UNESCO-Biosphärenparke 23
      3.4.1. Historische Entwicklung 24
      3.4.2. Aufgaben und Ziele 26
      3.4.3. Zonierung 29

      4. AUSWIRKUNGEN DES KLIMAWANDELS 32
      4.1. Landwirtschaft 33
      4.2. Forstwirtschaft 36
      4.3. Tourismus 38
      4.4. Naturereignisse 42

      5. METHODIK UND VERLAUF DER UNTERSUCHUNG 45
      5.1. Hypothesen 46
      5.1.1. Landwirtschaft 46
      5.1.2. Forstwirtschaft 47
      5.1.3. Tourismus 47
      5.1.4. Naturereignisse 48
      5.2. Methodische Vorgehensweise 48
      5.2.1. Leitfadengestützte Experteninterviews 48
      5.2.2. Durchführung und Verlauf der Interviews 51
      5.2.3. Transkription 53
      5.2.4. Qualitative Inhaltsanalyse 54
      5.3. Klimadaten 57

      6. ERGEBNISSE 58
      6.1. Landwirtschaft 58
      6.2. Forstwirtschaft 61
      6.3. Tourismus 63
      6.4. Naturereignisse 67
      6.5. Auseinandersetzung mit dem Klimawandel 69
      6.6. Klimadaten 73
      6.6.1. Station Schoppernau 73
      6.6.2. Station Säntis 77

      7. DISKUSSION DER ERGEBNISSE 80
      7.1. Diskussion der Interviews 80
      7.2. Diskussion der Klimadaten 87
      7.3. Methodendiskussion 88

      8. FAZIT 90
      DANKSAGUNG 93
      LITERATURVERZEICHNIS 94
      ANHANG 104

      Sonntag, 19. Juni 2022

      [ #Bregenz ] Egon Schiele: ... ich blieb in Bregenz 1912 und sah nichts als den verschieden stürmenden See ...

      Egon Schiele / Das alte Schloss in Bregenz  - 1912

      Am 25. Januar 1914 schrieb Egon Schiele: "Mir ekelte vor meiner früher so innig geliebten melancholischen Landschaft in Neulengbach. - es trieb mich als Gegensatz an die Grenze(!); ich blieb in Bregenz 1912 und sah nichts als den verschieden stürmenden See und ferne weiße sonnige Berge der Schweiz .- ..."

      Aktstudien. Egon Schiele übersiedelte 1911 nach Krumau, der Heimatstadt seiner Mutter. Kurz zuvor macht er Bekanntschaft mit dem Modell Wally Neuzil, die sein bevorzugtes Modell und seine Freundin wird. Er geht mit ihr eine freie Lebensgemeinschaft ein und nimmt sie mit nach Krumau. Dort beginnt eine künstlerisch ersprießliche Tätigkeit. Bald aber läuft es der kleinstädtischen Gesinnung zuwider, dass Schiele auch sehr junge Krumauer Mädchen zu Aktstudien heranzieht und darüber hinaus in "wilder Ehe" mit Wally lebt. Schiele muss aus Krumau fort und lässt sich nach einer kurzen Zwischenstation bei seiner Mutter in Neulengbach, nahe bei Wien, nieder. Schiele fällt aber wie in Krumau als Künstler auf. Seine berühmten Jungmädchenakte machen ihn zum Skandalmaler der Wiener Gesellschaft und bringen ihn in seinem kurzen Leben ins Gefängnis.

      Untersuchungshaft. Am 13. April wird Schiele in Neulengbach in Untersuchungshaft genommen wegen angeblicher Entführung einer Minderjährigen und anderer Delikte. 125 erotische Zeichnungen wurden beschlagnahmt. Am 30. April wird er ins Kreisgericht nach St. Pölten überstellt. Die Hauptbeschuldigung, eine Minderjährige verführt zu haben, erweist sich als haltlos. Weil Kinder aber gelegentlich in Schieles Atelier seine Aktstudien zu Gesicht bekommen, scheint damit dem Gericht der Tatbestand der "Verbreitung unsittlicher Zeichnungen" gegeben. Es verurteilt Schiele deswegen zu drei Tagen Arrest, die aber mit der vierundzwanzigtägigen Untersuchungshaft verbüßt sind. Ermöglicht wurde die Verhaftung des Künstlers durch den Paragraphen 516 des damaligen Strafgesetzes (Die Geburtsstadt Tulln hat übrigens ausgerechnet im alten Gefängnis ein kleines Schiele-Museum eingerichtet). Das alles bedeutet für Schiele einen schweren Schock. Die Zeit von Neulengbach, eine seiner produktivsten Perioden, war auf diese Weise zu Ende gegangen.

      Selbstpotraits. Unzweifelhaft sind die Akte in Schieles Werk ein ganz wesentlicher Bestandteil. Schiele äußerte sich dazu: "Kein erotisches Kunstwerk ist eine Schweinerei, wenn es künstlerisch bedeutend ist, zur Schweinerei wird es erst durch den Beschauer, wenn er ein Schwein ist". Was den genialen Bürgerschreck vor fast 90 Jahren hinter Gitter gebracht hat, hängt heute in jedem dritten Wohn-/ Schlafzimmer! Aber unberücksichtigt bleibt auch, dass von den 245 erhaltenen Gemälden - dazu kommen noch rund 2000 Zeichnungen - über hundert Selbstporträts sind, oder besser: Selbstdarstellungen. Denn die meisten dieser Bilder sprengen den Rahmen dessen, was man gemeinhin ein Selbstporträt nennt. Für Schiele ist die Selbst-Darstellung stets Selbst-Suche. Suche nach den Grenzen und Konturen seines Selbst.

      Bregenz. Die Zeit im Gefängnis hatte bei dem jungen Schiele natürlich ihre Spuren hinterlassen, Schiele fühlt sich zunächst unfähig, zu arbeiten. Er teilt sich ein Atelier mit seinem Freund und Mitglied der "Neukunstgruppe", Erwin Osen. Bis zum Jahresende unternimmt er mehrere Reisen; zunächst nach Kärnten und Triest, in der zweiten Jahreshälfte zieht es ihn nach München, Bregenz und Zürich. Im Sommer 1912 fuhr Schiele mit der Bahn nach Bregenz und wohnte in einem Gasthaus am See (Reichstr. 13, heute abgerissen). Selbstredend nützte Schiele die Zeit am Bodensee auch zum Zeichnen und Malen. Im November bezieht er wieder ein eigenes Atelier in der Hietzinger Hauptstraße in Wien. Neben den Modellen die weiterhin zahlreich sein Atelier besuchen, entstehen in Schieles Räumen in den nächsten Jahren zahlreiche Portraits von Freunden und Förderern. In der von Franz Pfemfert herausgegebenen Berliner Zeitschrift "Die Aktion - Wochenzeitschrift für Politik, Literatur und Kunst" werden seit 1913 sowohl Zeichnungen als auch Prosagedichte Schieles aufgenommen.


      Egon Schiele - Kastanienbaum (Blick vom Seeufer bei Lochau...) 1912

      Egon Schiele. Egon Schiele wurde am 12.6.1890 in Tulln als 4. Kind des Bahnhofsvorstandes im Gebäude des Tullner Bahnhofs geboren. Ab 1906 besucht das Eisenbahnerkind die Akademie der Bildenden Künste, die er nach drei Jahren enttäuscht abbricht. Die Anfänge seines künstlerischen Schaffens stehen noch im Zeichen nachimpressionistischer Stiltendenzen, ab 1907 wendet er sich unter dem Einfluss Gustav Klimts dem Jugendstil zu. Seine Auseinandersetzung mit der dominierenden künstlerischen Richtung erfolgt jedoch auf sehr eigenständige Art und Weise. Sich von den ästhetisierenden, ornamentalen Tendenzen des Jugendstils abwendend, findet Schiele ab 1910 zu seinen typischen expressionistischen, teilweise ekstatisch anmutenden Ausdrucksstudien. Ausdrucksstark, mit expressionistischer Gestik bildet er nicht nur Sichtbares ab, sondern beschreibt Seelenzustände, fängt das Temperament und die inneren Spannungen der Abgebildeten ein. Stilistisch entfernt er sich immer mehr von seinem Freund und Förderer Gustav Klimt und den Wiener Sezessionisten. Erst in seinen letzten beiden Lebensjahren erlangt Schiele Anerkennung als Portraitist. Er hatte enormes Talent und eine egomane Besessenheit, wie man schon an der Zahl seiner Werke ersehen kann.

      Spanische Grippe. In den Jahren 1918 und 1919 ging das Influenza-Virus als "Spanische Grippe" in die Geschichte ein. Der erste Weltkrieg wütete. Leid, Trauer und Schmerz überzogen viele Länder. Jeden Tag hatte man Tausende von Gefallenen zu beklagen, was war da schon ein Kranker in einem Militärcamp? "Ein Drückeberger, jemand der nicht an die Front will...". So dachte auch dieser Armeeangehörige der unter starken Schmerzen seinen Dienst verrichtete. Tagelang schleppte er schon eine fiebrige Erkrankung mit sich, als er sich endlich beschloss zum Militärarzt zu gehen. "Erkältung!" lautete kurz und knapp die Diagnose des Arztes und er steckte den Armeeangehörigen ins Bett und lies ihn gehörig schwitzen. Dieser "Erkältungs"-Erkrankte war der Anfang einer verheerenden Grippe-Pandemie, der erste Erkrankte an der "Spanischen Grippe" starb. So geschehen am 11. März im Jahre 1918 in einem Militärcamp in Kansas/USA. Nach Angaben der WHO starben bei der Pandemie weltweit mindestens 40 Millionen Menschen. Der Name "Spanische Grippe" rührt daher, dass die Presse in Spanien weitaus freier war als in den am ersten Weltkrieg direkt beteiligten Staaten. Nachrichten über die Krankheit wurden daher in vielen Ländern zensiert, so dass die ersten alarmierenden Berichte über diese Pandemie aus dem neutralen Spanien kamen.

      Die glückliche Schweiz war an diesem Krieg nicht beteiligt. Aber auch die Schweizer Armee brauchte Kriegerdenkmäler. Und so baute man den während des ersten Weltkrieges an der Spanischen Grippe verstorbenen Schweizer Wehrmännern im ganzen Land Erinnerungsstätten. Dass Gesundheit und Leben von "Soldaten" auch vor dem Debnkmal nicht viel wert waren zeigt, dass von den 21.500 Schweizer Epedemieopfern nicht weniger als 3000 Soldaten waren. Trotzdem würde man sich mehr solcher statt anderer "Kriegerdenkmäler" wünschen.Die ihnen gewidmeten Denkmäler erforderten eine spezielle Typologie und eine schweizerische Ikonographie ohne heroische Kampfgebärden. Die Bildhauer schufen nun in der ganzen Eidgenossenschaft friedliche Allegorien und Soldaten auf Wache. Als das bekannteste gilt das Forchdenkmal.

      Am 6. Februar 1918 stirbt Gustav Klimt. Am Tag danach hat Schiele den toten Klimt im Allgemeinen Krankenhaus dreimal gezeichnet. Durch den Tod Klimts war er plötzlich der anerkannt führende Künstler Wiens. Im März stellt die Wiener Sezession Schiele und seiner Gruppe ihr Gebäude zur Verfügung, Schiele selbst den Hauptsaal. Er ist mit 19 großen Gemälden und 29 zum Teil aquarellierten Zeichnungen vertreten. Künstlerisch und materiell bedeutet diese Ausstellung für ihn den ersten wirklichen Erfolg. Seine Gattin ist im sechsten Schwangerschaftsmonat als sie am 19. Oktober an spanischer Grippe erkrankte. Neun Tage später verstarb sie und wurde am 31. Oktober am Ober-St. Veiter Friedhof beigesetzt. Am Abend des 27. Oktobers hatte Egon Schiele noch zweimal seine Frau gezeichnet. Es waren seine letzten Arbeiten. Egon Schiele stirbt jung, am 31.10.1918 in Wien - mit nur 28 Jahren - an der Spanischen Grippe, am selben Tag an dem das Begräbnis seiner Frau stattfand.

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      Donnerstag, 16. Juni 2022

      [ #Braz ] Wahnsinnige Nazis: Suche nach dem Vorarlberger Johann Joseph Gaßner


      Welche Wahnsinnigen hinter dem NS-Regime - nein an vorderster Stelle - standen, zeigt folgendes Fundstück. Die SS und der SD fahndete nach "germanischen" Hexen.


      Einer der gesuchten "Zauberer" war der Pfarrer Johann Joseph Gaßner aus Braz. Scans des Aktenbestandes des Reichssicherheitshauptamtes, des RSHA, das im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde lagert (BArch R 58 7484, Blatt 01-69, komplette Akte) findet man im Web.

      Johann Joseph Gaßner. Eine der merkwürdigsten Gestalten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist der Pfarrer Johann Joseph Gaßner. Durch seine "Wunderkuren" erregte er so großes Aufsehen, dass sich die höchsten weltlichen und kirchlichen Behörden gezwungen sahen, zu seiner Tätigkeit Stellung zu nehmen. Er wird heute zu den Vorläufern der (esoterisch orientierten) Hypnose- und Psychotherapie gezählt, kann aber ebenso gut als ein Modernisierer des Hexenwahns begriffen werden.

      Die Nazis - zumindest Himmlers völkische "Wissenschaftler" - zählten Johann Joseph Gaßner, den Teufelsbanner zur deutschen Hexengeschichte. Im bundesdeutschen Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, (BArch R 58 7484, Blatt 01-69) befindet sich ein Aktenbestand des Reichssicherheitshauptamtes, das als ein Arbeitsergebnis des H-Sonderauftrages des Reichsführers SS Heinrich Himmler zur Hexenforschung verstanden wird. Dabei spielt der Vorarlberger Johann Joseph Gaßner eine wichtige Rolle. Von den 69 Seiten von den Nazis erhobener Bibliografie zur deutschen Hexengeschichte füllt er immerhin 14 Seiten, also ein Fünftel der gesamten Sammlung.

      Himmlers Hexenkartothek. Bereits 1935 wird auf Betreiben von Heinrich Himmler innerhalb des Sicherheitsdienstes der so genannte H-Sonderauftrag (Hexen-Sonderauftrag) eingerichtet. Die Geschichte der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung soll "wissenschaftlich" aufgearbeitet werden. Das Projekt ist einer von vielen Versuchen die politische Macht ideologisch zu untermauern. Die Ziele sind von Beginn an klar vorgegeben: Es soll möglichst viel Material gesammelt werden, um die antikirchliche und antijüdische Propaganda zu unterstützen. Des Weiteren sollen die Überreste einer heidnischen, altgermanischen Volkskultur und -religion gefunden werden.

      Das größte Interesse an den Hexenverfolgungen hat der Chef der Schutzstaffel (SS) Heinrich Himmler. Von Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft an ist Himmler ein großer Freund okkulter Feierlichkeiten und pseudogermanischer Brauchtumspflege. Er ist stets auf der Suche nach altgermanischen Wurzeln, kombiniert wahllos germanische Symbole und romantisiert historische Ereignisse und Personen. Bei offiziellen Feiern lässt er rituelle Hexentänze vorführen. Seine Vorliebe für die frühneuzeitliche Verfolgung der Hexen ist in seiner eigenen Familiengeschichte zu suchen. Eine Urahnin von ihm sei einst im Rahmen der Verfolgungen gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Himmler betrachtet die Hexenprozesse als Verbrechen am deutschen Volk. Schuldig daran sei die katholische Kirche gewesen, die altgermanisches Erbe vernichten wollte. Zudem vermutet er, wie bei fast allen vermeintlichen Verbrechen am deutschen Volk, eine jüdische Verschwörung als Hintergrund. Das Thema fasziniert Himmler so sehr, dass er es schon bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in großem Stil erforschen lässt.

      Bis 1944 suchen 14 hauptamtliche Mitarbeiter systematisch in über 260 Archiven und Bibliotheken des gesamten deutschen Reiches nach Akten über Hexenprozesse. Die Ergebnisse werden auf etwa 33.000 DIN A4-Karteiblättern festgehalten, die heute unter dem Namen "Hexenkartothek" bekannt sind. Jedes Blatt enthält 37 vorgedruckte Felder, in die unter anderem detaillierte Angaben zur Person des Opfers, zu den Verfolgern und zum Prozessverlauf eingetragen werden. Die Karteiblätter sind nach Ortsnamen in Mappen zusammengeheftet und alphabetisch geordnet. Insgesamt sind so 3621 Ortschaftsmappen zusammengestellt worden. Angesichts der Größe des Projektes und der relativ geringen Mitarbeiterzahl ist die wissenschaftliche Auswertung rasch zum Scheitern verurteilt. Die Arbeit des H-Sonderauftrags kommt über das Stadium der Materialsammlung nicht hinaus. Eine nennenswerte Auswertung findet nicht statt: Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stirbt auch das Projekt.

      Neopaganer, völkischer und esoterischer FeminismusHinter der Beschäftigung mit den Hexenprozessen stehen auch heute ganz bestimmte zeitgeschichtliche Fragen: Die feministische Forschung sucht in den Hexenprozessen die Unterdrückung der Frau, kirchenkritische Kreise eine "Schuld der Kirche". Und nicht zu übersehen die ganze Palette an esoterischer Hexenliteratur, die in die "Hexen" alles zwischen homöopathisch erfahrenen Kräuterweiblein bis keltischen Priesterinnen hineingeheimnissen.


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      [ #Vorarlberg ] Elektrizität in Vorarlberg


      Wasserkraft ist ein Kennzeichen der Vorarlberger Wirtschaft. 

      Wie fing das an? Die erste permanente Stromerzeugung in Vorarlberg kam beim Bau des Arlbergtunnels zum Einsatz. In der Rotfärberei der Fa. F. M. Hämmerle in Dornbirn stand 1884 die erste mit Wasserkraft betriebene Gleichstromeigenanlage.

      Die erste Vorarlberger Fabriksbeleuchtung hatte sieben Schuckert-Bogenlampen. Die erste öffentliche elektrische Beleuchtungsanlage fand sich hingegen ein Jahr später 1885 am Feldkircher Bahnhof.


      Die 43seitige PDF Datei  ( Klaus Pfitzner: Elektrizität in Vorarlberg. Vom Luxusgut zur alltäglichen Selbstverständlichkeit) des Vorarlberger Wirtschaftsarchives sollte zum festen Bestand eines "virtuellen" Vorarlberger Heimatbuches gehören.


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      [ #Bodensee ] Klimawandel am Bodensee

      Ein Interreg IV-Forschungsprojekt von 2011 – 2015.

      Der globale Wandel des Klimas zeigt sich deutlich im Anstieg der Temperaturen. Schon das Jahr 2014 war bis dahin weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen.

      Auch die Bodenseeanrainer Deutschland, Österreich und die Schweiz verzeichneten einen neuen Temperaturrekord. Die Erwärmung zeigt sich auch im Bodensee, dessen Oberflächenwasser zwischen 1990 und 2014 im Durchschnitt um 0,9 °C wärmer war als von 1962 bis 1989. Folgen der höheren Temperaturen sind beispielsweise eine Verschlechterung der winterlichen Durchmischung des Sees und somit Veränderungen im Nachschub von Sauerstoff in die tieferen Wasserschichten.


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      Inhaltsverzeichnis
      1. Zusammenfassung 6
      2. Das Forschungsprojekt „Klimawandel am Bodensee“ (KlimBo) 12
      3. Klimatische Veränderungen 16
      3.1. Die Folgen des Klimawandels 16
      3.2. Klimaveränderungen in der Bodenseeregion 17
      3.3. Klimamodelle und Szenarien 18
      3.3.1. Überprüfung regionaler Klimamodelle auf Veränderungen 18
       der Temperatur und Niederschlagsereignisse
       3.3.2. Verwendete Szenarien und Methoden 19
      4. Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf Wasseraustauschprozesse 22
      und die Wasserqualität des Bodensees
      4.1. Wie sich Flusswasser im See ausbreitet 22
       4.1.1. Messungen und Simulationen an der Bregenzerach 22
       4.1.2. Bedeutung der Schwebstoffe für die Einschichtung des Alpenrheins 25
       4.1.3. Simulationen zur Flusswasserausbreitung im See bei Hochwasserereignissen 28
       4.1.4. Flusswasserausbreitung in einer ausgedehnten Flachwasserzone: 32
       Simulationen zur Schussen
      4.2. Seeinterne Austauschprozesse 36
      4.2.1. Einfluss des Windes auf die vertikale Durchmischung 36
       4.2.2. Aufenthaltsdauer des Wassers in der Flachwasserzone 39
       4.2.3. Horizontale Unterschiede in der winterlichen Auskühlung des Sees 42
       4.2.4. Winterliche Auskühlungs- und Durchmischungsprozesse und deren 46
       Beitrag zum Tiefenwasseraustausch
      4.2.5. Wie häufig erneuert sich das Tiefenwasser? 50
      4.3. Wie sich Austausch- und Durchmischungsprozesse auf die 55
       Wasserbeschaffenheit auswirken
      4.3.1. Spurenstoffe im Bodensee und seinen Zuflüssen 56
       4.3.2. Spurenstoff-Simulationen 61
       4.3.3. Sauerstoff 68
       4.3.4. Phosphat 74
       4.3.5. Nitrat 76
       4.3.6. Phytoplankton 77
      4.3.7. Einfluss von Neozoen auf das Phytoplankton am Beispiel der 78
       Dreikantmuschel Dreissena
      5 KlimBo – Klimawandel am Bodensee
      Inhaltsverzeichnis
      5. Risikobewertung klimatischer Einflüsse auf die Trinkwasserversorgung 82
      aus dem Bodensee
      5.1. Ziele der Literaturstudie 82
      5.2. Mögliche Folgen des Klimawandels für Wasserversorgungsunternehmen 82
      5.3. Handlungsoptionen und Anpassungsmaßnahmen 86
      5.4 Klimaveränderung und Trinkwasser: ein langfristiger Anpassungsprozess 95
      6. Wärmehaushalt und Wärmenutzung von Seen 96
      6.1. Anthropogene Temperaturveränderungen von Gewässern 97
       6.1.1. Quellen thermischer Belastung von Gewässern 98
       6.1.2. Beispiele der Auswirkung von Wärmenutzungen auf Seen 100
      6.1.3. Auswirkungen auf aquatische Biota 102
      6.2. Der Wärmehaushalt des Bodensees 105
       6.2.1. Das Modell zur Berechnung der Wärmebilanz des Bodensees 105
       6.2.2. Das Turbulenzmodell 108
      6.3. Auswirkungen einer thermischen Nutzung des Bodensees 109
       6.3.1. Simulationen zur Wärmenutzung für den Gesamtsee 109
      6.3.2. Temperaturen im Nahfeld 111
       6.3.3. Temperaturen im Fernfeld 114
      6.4. Schlussfolgerungen und Handlungsanleitungen zur Wärmenutzung 118
       6.4.1. Erkenntnisse aus der seeweiten Modellierung 118
       6.4.2. Natürliche und künstliche Temperaturvariationen im See 119
       6.4.3. Fallbeispiele zur Rückgabe von erwärmtem Kühlwasser 122
       6.4.4. Fallbeispiele zur Rückgabe von abgekühltem Seewasser 125
       6.4.5. Empfehlungen zur Wärmenutzung 126
      7. Bewertung und Ausblick 128
      8. Literatur und Referenzen 130
      9. Liste der vorhandenen „blauen“ IGKB-Berichte 134