Dienstag, 30. November 2021

[ #Vorarlberg ] Die Geschichte der Caritas in Vorarlberg


Zuerst sind Vinzenzgemeinschaften und dann Caritasverbände entstanden, und zwar aus doppeltem Grund: 
Einerseits fordern die Nöte und Probleme der Menschen sehr oft eine organisierte Hilfe. Das "Einandervon-Mensch-zu-Mensch-Lieben" reichte  in manchen Fällen nicht aus. Zudem fühlen sich Einzelne oft überfordert, wirksam zu helfen, denken wir nur z. B. an die Suchtproblematik, die Arbeitslosigkeit, die Flüchtlingsströme unserer Zeit. Deshalb sind andererseits auch gesellschaftliche Einflussnahmen und Veränderungen nötig. Soziales Handeln hat eben immer auch eine politische Dimension. 

Vinzenzgemeinschaften. Im Jahr 1833 gründete damalige der Student und spätere Sorbonne-Professor Frédéric Ozanam, der 1997 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, mit anderen Studenten im Pariser Vorort Bailly die erste Vinzenzgemeinschaft, die er unter das Schutzpatronat des heiligen Vinzenz von Paul stellte. Anlass waren die schlechten sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft im damaligen Paris. Ozanam wies mit Entschiedenheit auf die Verantwortung der Christen für die Armen und Schwachen dieser Welt hin.

Seine Forderung nach Solidarität und das Bestreben, der drückenden Not durch karitative Selbstorganisation aus den Pfarreien heraus zu begegnen, fanden im Paris dieser Zeit großen Widerhall, und schon bald bildeten sich Gruppen von Gleichgesinnten in ganz Frankreich. 1845 entstand die erste Vinzenzkonferenz in Deutschland, 1849 in Österreich. Namensgeber und Vorbild für diese Gruppen ist der heilige Vinzenz von Paul (1581–1660), der als Begründer der neuzeitlichen Caritas gilt.

Vorarlberg. In Vorarlberg setzte die Gründung caritativer Vereinigungen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Professor Dr. Michael Haidegger und der Servitenpater Magnus Verzager gründeten am 11. März 1849 in Innsbruck die erste Vinzenzkonferenz Österreichs. In den darauf folgenden Jahren bildeten sich in verschiedenen anderen Städten Tirols und in anderen Teilen Österreichs stets neue Vinzenzkonferenzen. Vorarlberg war dabei allerdings das letzte Kronland.

Reihenfolge der Gründung Vorarlberger Vinzenzkonferenzen:

19.07.1877 hl. Sebastian in Schwarzach
08.12.1881 hl. Nikolaus in Feldkirch
30.01.1885 hl. Nikolaus in Wolfurt
28.03.1885 hl. Gallus in Bregenz
01.10.1885 hl. Mauritius in Nenzing
28.07.1886 hl. Sebastian in Ludesch
27.07.1887 hl. Sulpitius in Frastanz
28.08.1887 hl. Arbogast in Götzis
10.10.1887 U.L.Fr. Maria Heimsuchung in Rankweil
30.10.1887 hl. Laurentius in Bludenz
11.11.1889 hl. Johannes d. Täufer in Höchst
26.11.1889 hl. Petrus u. Paulus in Lustenau
21.07.1890 hl. Sebastian in Hard
01.01.1895 hl. Martin in Dornbirn
01.01.1898 U.L.Fr. Maria Geburt in Tschagguns
12.07.1908 hl. Karl Borromäus in Hohenems
19.03.1909 hl. Josef in Rieden-Vorkloster
26.05.1927 hl. Sebastian in Gisingen

So bestanden bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts in Vorarlberg eine große Vielfalt an (katholisch) caritativen Zusammenschlüssen, sodass auch in Vorarlberg der Ruf nach einer Koordination und einem gebündelten Zusammenschluss immer lauter wurde. Dies sollte in der Gründung des Caritasverbandes geschehen: Ein Proponentenkomitee stellte am 22. Juli 1923 bei der Vorarlberger Landesregierung den Antrag um die behördliche Genehmigung der Statuten des Caritasverbandes für Vorarlberg mit dem Sitz in Feldkirch. In der Gründungsversammlung am 14. März 1924 im bischöflichen Palais in Feldkirch, erfolgte die Bestellung von Dr. Josef Gorbach als Caritasdirektor.


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Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
Einführung  11
I. Teil
Caritatives Wirken in Vorarlberg vor der Gründung des Caritasverbandes
1 Die Vinzenzkonferenzen  13
1.1 Antonie-Frederic Ozanam und die Gründung der Vinzenzkonferenzen
1.2 Die Vinzenzvereine in Vorarlberg
1.2.1 Die Entstehung der Vinzenzkonferenzen in Vorarlberg
1.2.2 Die Tätigkeit der Vorarlberger Vinzenzkonferenzen
1.2.3 Konzept der Vinzenzarbeit
2 Der Vorarlberger Kinderrettungsverein (KRV)  19
2.1 Die Entstehung des KRV
2.2 Das Wirken des KRV von 1885-1905
2.3 Das Wirken des Vereines von 1905-1939
2.4 Die Rekonstruktion des KRV und sein weiteres Wirken
2.5 Namensänderungen des KRV
3 Der Jugendfürsorgeverein für Tirol und Vorarlberg25
3.1 Die Tätigkeit des Jugendfürsorgevereins
3.1.1 Während des 1. Weltkrieges
3.1.2 Nach dem 1. Weltkrieg
4 Das Seraphische Liebeswerk 28
5 Das Verhältnis der caritativen Vereine zueinander  29
5.1 Vermeidung der Konkurrenz
5.2 Koordination der Zusammenarbeit
5.3 Vorarlberger Blumentag
II.Teil
Die Geschichte des Vorarlberger Caritasverbandes
1 In Richtung Gründung des Verbandes 33
1.1 Die Caritasbewegung in Deutschland
1.2 Die Caritasbewegung in Österreich
1.3 Die österreichischen Bischöfe zur Sozialen Frage
1.4 Die Gründung des Caritasverbandes für Vorarlberg
2 Das Wirken des Verbandes in den ersten Jahren  39
2.1 Zur Person von Dr. Josef Gorbach
2.2 Das Wirken nach dem Tätigkeitsbericht von 1925
2.2.1 Tätigkeit in fürsorglicher Hinsicht
2.2.2 Tätigkeit in ideeller Hinsicht
2.2.3 Tätigkeit in organisatorischer Hinsicht
2.2.4 Die Finanzlage im Jahr 1925
2.3 Die Caritaszentrale auf ständiger Wanderschaft
3 Geschehen in Verbindung mit der Caritas  44
3.1 Der Caritaspresseapostolatsverein und die
schriftstellerische Tätigkeit Dr. Gorbachs
3.2 Die Katholische Aktion
3.2.1 Das Konzept der KA
3.2.2 Die KA in Vorarlberg
4 Die 30er Jahre  47
4.1 Der Beginn der 30er Jahre
4.1.1 Der Abschied Josef Gorbachs
4.1.2 Caritasdirektor Markus Schelling
4.2 Die Situation zur Zeit des Nationalsozialismus
5 Die Caritas in der Nachkriegszeit  51
5.1 Die Wiedererrichtung und Leitung der Caritas
5.1.1 Die Caritas als bischöfliches Amt
5.1.2 Die Reaktivierung des Caritasverbandes
5.1.3 Caritasdirektor Dekan Oskar Schuchter
5.2 Tätigkeit der Caritas in der Nachkriegszeit
5.2.1 Die Ferienkinderaktion
5.2.2 Verteilung von Lebensmitteln und Sachspenden 4
5
5.2.3 Die Flüchtlingsbetreuung
5.2.4 Die Errichtung der Bahnhofsmission
5.2.5 Der Auf- und Ausbau der Pfarrcaritas
5.2.6 Die Rückstellung des Hauses am Maria Mutterweg
5.2.7Die finanzielle Situation
6 Die Vorarlberger Caritas in den 50er und 60er Jahren  58
6.1 Die Tätigkeitsbereiche
6.1.1 Die Kinderhilfe
6.1.2 Wohnbaudarlehen
6.1.3 Familienhilfe
6.1.4 Der Kauf des Hauses in der Vorstadt
6.1.5 Katastrophenhilfe
6.1.6 Die Trinkerfürsorge
6.1.7 Erholungsaktionen in Ebnit-Hackwald
6.1.8 Freiwillige Krankenhaushelferinnen
6.1.9 Die Beschützenden Werkstätten der Caritas
6.2 Die Caritasdirektoren dieses Zeitabschnittes
6.2.1 Caritasdirektor Dr. Johann Sähly
6.2.2 Caritasdirektor Msgr. Gerhard Podhradsky
6.3 Die Entwicklung der Personalsituation
7 Die Entwicklung von 1970 bis 1994 67
7.1 Die Ausweitung der Tätigkeitsbereiche
7.1.1 Die Altenhilfe und Altenpflege
7.1.2 Ehe-, Familien- und Lebensberatung
7.1.3 Allgemeine Fürsorge - SOS-Rat und Hilfe,
Caritas-Stelle für Beratung und Sachhilfe
7.1.4 Die Familienhilfe
7.1.5 Mütter in Not
7.1.6 Erholungsheim Ebnit-Hackwald
7.1.7 Die Bahnhofsmission - der Bahnhofsozialdienst
7.1.8 Der Sozialmedizinische Dienst und die Stiftung Maria Ebene
7.1.9 Die Behindertenhilfe
7.1.10 Stützlehrerinnen
7.1.11 Die Flüchtlingshilfe
7.1.12 Die Obdachlosenhilfe
7.1.13 H.I.O.B (Hilfe, Information, Orientierung, Beratung)
7.1.14 Wohngemeinschaft für aidskranke Menschen
6
7.1.15 CARLA Textil/Möbel/Handwerk/Leben
7.1.16 Das Pfarrcaritas-Referat
7.1.17 Die Auslandsarbeit
7.2 Änderung des Rechtsstatus der Caritas
7.3 Die neue Form der Leitung
7.3.1 Caritasdirektor Msgr. Gebhard Amann
7.3.2 Caritasdirektor Peter Klinger
7.3.3 Caritasseelsorger Elmar Simma
7.4 Die Struktur der Organisation
7.4.1 Das Organigramm
7.4.2 Der Caritasrat
7.4.3 Das Kuratorium der Caritas
7.5 Das Leitbild
7.6 Die Finanzierung der Tätigkeit
8 Zusammenfassung
zur geschichtlichen Entwicklung der Vorarlberger Caritas  80
8.1 Von der Koordination zur eigenen Tätigkeit
8.2 Von vorwiegend ehrenamtlicher Tätigkeit zu spezialisierter Sozialarbeit
8.3 Von geringen Mitteln zum 70-Millionen-Budget
8.4 Die Öffentlichkeitsarbeit
9 Geschichte der Caritas seit 1994, Exkurs  81
III. Teil
Theologische Reflexion:
Theologie, Theorie und Praxis der Caritas
1 Inwieweit entspricht die spezialisierte Form von Diakonie
der Diözesancaritas dem biblischen Auftrag?  95
1.1 Der Primat der Nächstenliebe im NT
1.2 Caritas in den frühchristlichen Gemeinden
1.3 Impulse aufgrund dieser Gegenüberstellung
2 Wie versteht sich christliche Sozialarbeit?  98
2.1 Die christliche Qualität der Arbeit
2.2 Die Verwirklichung und Vermittlung christlicher Grundwerte
3 Welche Verantwortung hat die Caritas gegenüber ihren Mitarbeitern
und Mitarbeiterinnen, und welche Anforderungen bestehen an die
Angestellten? 101
3.1 Verantwortung und Anspruch
4 Worauf hat die Caritas in ihrer Einbettung in das soziale Netz
und in ihrer Beziehung zu Gesamtstaat und Bundesland zu achten?  102
5 Welchen Stellenwert hat Öffentlichkeitsarbeit für die Caritas?103
6 Wünsche an die Caritas Vorarlberg  104
7 Quellen- und Literaturverzeichnis 105
7.1. Quellen
7.1.1 Statuten, Protokolle, andere Dokumente
7.1.2 Tätigkeitsberichte, Festschriften, Informationsbroschüren
7.1.3 Briefe, persönliche Aufzeichnungen, Rundschreiben, Aufrufe
7.1.4 Interviews
7.2 Zeitschriften und Zeitungen
7.3 Literatur
Fußnoten 110

Dienstag, 23. November 2021

[ #Hard ] Vorarlberg: "The Making of Christmas Tree"

Protestantische Textil-Industrielle führten den Christbaum in Vorarlberg ein.

In der Zeitschrift "V-Dialog" für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vorarlberger Landesverwaltung (Nr.3/Dezember 2007) berichtet Ulrich Nachbaur - Historiker des Vorarlberger Landesarchivs - über das "Making of Christmas tree" in Vorarlberg.

Verpackt in eine fast rührende Weihnachtsgeschichte.


Weihnachtsbaumstiftung in Hard. Das Harder Fabrikanten-Ehepaar Samuel und Henriette Schindler errichtete im März 1880 eine "Stiftung zum Andenken an Susanna Henriette Schindler" in Erinnerung an ihre 1875 mit zehn Jahren verstorbene Tochter. 

Als Kapital brachten sie einen mit 5 Prozent verzinsten Pfandbrief zu 1.000 Gulden (entspricht 2007 ca. 10.000 Euro) ein. Die Gemeinde Hard nahm die Stiftung dankend an. Im Stiftbrief ist genau bestimmt, was sie zu tun hatte: 

Jährlich am 25. Dezember war für die Kinder der untersten Klasse der Gemeindeschule eine Christbaumfeier auszurichten, zu der auch deren Eltern und andere erwachsene Angehörige Zutritt hatten. Die Hälfte des Zinsertrags war für den Baum und seinen Schmuck sowie für Lebkuchen und Obst für die Kinder zu verwenden; die andere Hälfte für ein kleines Kleidungsstück für jedes Kind. 
"Der Baum muß eine Rothtanne sein, von dichten großen Aesten und dichtem Nadelwerk, mindestens zwei und einhalb Meter hoch, mit starkem Kreuz versehen; die Lichter, farbige Wachskerzchen in zweckentsprechender Größe, nicht unter zehn Grammes Gewicht jedes Einzelne – nicht weniger als hundert zwanzig fünf solcher Kerzchen, welche nicht früher gelöscht werden dürfen, ehe sie am Weihnachtsabend selbst vollständig abgebrannt sind."
Religionskrieg. Im katholischen gegenreformatorischen Vorarlberg wurde der Weihnachtsbaum damit wohl von den vorwiegend protestantischen Industriellen eingeführt. Als in evangelischen Kreisen der Christbaum ins Brauchtum übernommen wurde, trat der Christbaum seinen Siegeszug an. 
Einer der ersten Christbäume in Vorarlberg wurde 1832 vom Feldkircher Fabrikantensohn Carl Ganahl verwendet. Seine Mutter war in jenem Jahr zum Nikolaus, dem damals üblichen Bescherungstag, gestorben, und er wollte deshalb die Bescherung für seine jüngeren Geschwister nachholen. Den Brauch hatte er wohl während seiner Lehrjahre im protestantischen Umfeld in der Schweiz kennengelernt.
Aber selbst in der Familie des Vorarlberger Kreishauptmannes Johann von Ebners (1822 bis 1849 k. k. Kreishauptmann von Vorarlberg) wurden die Kinder am Vorabend des Nikolaus-Festes beschert. Der Nikolaus hatte für die Ebner-Kindern luxuriöse Geschenke: Puppen, Hüte, Ohrringe, Bücher, Uhren, Wiegepferd, Harnisch, Zinnsoldaten. 1845 überraschten sie die Kinder bereits mit einem Weihnachtsbaum, zwar noch zu Nikolo, aber doch. Das Tagebuch des Kreishauptmannes vom 5. Dezember 1845  konstatiert  allerdings nüchtern:
"Man stellte übrigens mit großer Mühe einen Christbaum her, welcher hübsch beleuchtet für erwachsene Leute sich schön ausnahm. Die Kinder nahmen gar wenig Notiz davon. Sie bekamen zu viel Spielzeug, das sie wenig achteten. Hätte man dafür armen Kinder etwas mitgetheilt!!"
Weihnachtsbaumreligion. Der Tannenbaum war der Weihnachtsbrauch der Protestanten, Nikolaus und Krippe dagegen der Katholiken. Dass der Reformator Luther auch noch Erfinder des Christbaums gewesen sein soll, ist allerding nur eine Legende. Da Tannenbäume in Mitteleuropa darüber hinaus selten waren, konnten sich diese zunächst nur die begüterten Schichten leisten, und die Stadtbevölkerung musste mit Zweigen und anfallendem Grün auskommen. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, konnte der allgemeine Bedarf gedeckt werden.

Heute stehen sie also in friedlicher Eintracht nebeneinander. Früher wäre das undenkbar gewesen, denn viele Weihnachtsbräuche gehen auf den Kulturkampf zwischen Protestanten und Katholiken zurück. In Mode kam die geschmückte Tanne erst um 1800 als protestantischr Brauch. Die Katholiken spotteten damals noch über den evangelischen Tannenbaum und bezeichneten den Protestantismus sogar als "Weihnachtsbaumreligion". 

Gegen  Ende des 19. Jahrhunderts hielt der Christbaum auch in katholische Wohnzimmer Einzug. Entscheidend für seine Verbreitung war der deutsch-französische Krieg von 1870, als auf Anweisung der Heeresleitungen in den Schützengräben Weihnachtsbäume als Propaganda für die Heimat aufgestellt wurden. Der Weihnachtsbaum wurd Teil deutscher Propaganda und des Deutschtums.

Obwohl die katholische Kirche lange Zeit der Weihnachtskrippe den größeren Symbolgehalt zugemessen hatte, übernahm sie mit der Zeit auch den Brauch, einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt. Heute sind unserere Weihnachtsbräuche eigentlich überkonfessionell, ja man kann sich ihnen weder als Nichtgläubiger noch als Andersgläubiger wirklich entziehen. So allgegenwärtig sind sie vom Kindergarten bis zum Supermarkt. 

Wien - Washington - Brüssel. Der erste Weihnachtsbaum in Wien wurde 1814 von Fanny von Arnstein, einer aus Berlin stammenden angesehenen jüdischen Gesellschafts-Dame aufgestellt. 1891 wurde erstmals ein "Christmas tree" vor dem Weißen Haus in Washington aufgestellt.

In Österreich ist es seit dem EU-Beitritt Tradition geworden, einen österreichischer Nadelbaum vor dem EU-Parlament in Brüssel zum Adventbeginn aufzustellen. 

Ursprünglich wohl mehr eine Marketingaktion der niederösterreichischen Christbaumgärtner. Rund um den Christbaum hat sich mittlerweile ein kompletter Wirtschaftszweig herausgebildet. Viele Länder importieren tausende Bäume für den Heiligen Abend, während sie selbst Bäume exportieren. Für Österreich schätzt man einen jährlichen Bedarf von knapp über zwei Millionen Bäume.



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Montag, 22. November 2021

[ #Vorarlberg ] Nikolaus, Schutzheiliger Vorarlberger Pfarreien

Lech, Alte Pfarrkirche Hl.Nikolaus

Nikolaus von Myra  ist der Patron von Altach, Bludesch, Damüls, Egg, Feldkirch, Fußach, Gortipohl, Innerbraz, Laterns, Lech, Raggal, Silbertal und Wolfurt.

Nikolaus von Myra (* zwischen 270 und 286 in Patara, Türkei; † 6. Dezember 326, 345, 351 oder 365)lebte im 4. Jahrhundert und war Bischof in der Stadt Myra in Kleinasien, an der Südküste der heutigen Türkei.

Nikolaustag ist am 6. Dezember. Gefeiert wird dieser ursprünglich mit dem Brauch, seine Stiefel mit Heu und Karotten zu füllen (für das Pferd von Nikolaus) und sie dann vor die Tür zu stellen. Als Dank bekam man dann Obst, Nüsse oder Süßigkeiten.

Nikolobrauchtum.
Seit Jahrhunderten gilt Nikolaus auch als Wohltäter der Kinder. So wurde und wird heute noch der Vorabend zum Fest mit einer Bescherung begangen. Die weihnachtliche Gabenverteilung am 24. Dezember ist erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts üblich geworden.

Heute wird jedes Jahr am 6. Dezember das Fest des heiligen St. Nikolaus begangen. Dabei verkleiden sich in vielen Gemeinden Vorarlbergs Angehörige der kirchlichen Pfarren als Nikolaus und dessen Gehilfe Knecht Ruprecht (Krampus). Diese besuchen dann an den Abenden vor dem 6. Dezember und an diesem selbst die Haushalte ihres Pfarrsprengels. Dabei verlesen sie was die Kinder im vergangenen Jahr gut und weniger gut gemacht haben. Oft singen die Kinder noch Lieder für den Nikolaus oder tragen Gedichte vor, bevor sie mit einem Nikolaussack (meist gefüllt mit Süßigkeiten) beschenkt werden.

Tagebücher Kreishauptmann Ebner. Einen interessanten Einblick in die vorweihnachtlichen Gepflogenheiten geben die Tagebücher des in Bregenz wohnhaften Kreishauptmannes Johann Nepomuk von Ebner (1790 bis 1876). Auch in seiner Familie war der 5. Dezember Tag eines Familienfestes, er berichtet in den 1840er Jahren: „unter Tags alle Vorbereitungen für das abendliche Kinderfest des Einlegens des heiligen Nikolaus getroffen.“ Wie in bürgerlichen Häusern üblich, erhielten die Knaben dabei als Geschenk Helme, Gewehre, Patronentaschen, Buchbinderartikel, Trommeln, Säbel, die Mädchen dagegen Nützliches für den ihnen zugedachten häuslichen Aufgabenbereich wie einen Kramladen und Ähnliches. Kinder aus weniger bemittelten Familien mussten sich mit Nüssen, getrocknetem Obst, Keksen und Selbstgestricktem begnügen.
Vorarlberger Schutzpatron.

Vorarlberger Schutzheiliger. Der Heilige aus Kleinasien (der heutigen Türkei) schützt auch etliche Vorarlberger Pfarren und Kirchen, so in Altach, Bludesch, Damüls, Egg, Feldkirch, Fußach, Gortipohl, Innerbraz, Laterns, Lech, Raggal, Silbertal und Wolfurt.


Der Dom in Feldkirch. Die bekannteste Vorarlberger Kirchenbau, welcher den Hl. Nikolaus zum Patron hat, ist wohl der Feldkircher Dom.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1287. Der ursprünglich romanische Bau wurde bei den Stadtbränden 1348, 1398 und 1460 schwer beschädigt. Der spätgotische Neubau von Baumeister Hans Sturn konnte 1478 abgeschlossen werden. Der heutige Chorraum entstand um 1520.

Im Innern des Domes befindet sich ein "Beweinungsbild" des Feldkircher Malers Wolf Huber (um 1485-1553), eines bekannten Vertreters der Donauschule. Die ebenfalls um 1520 angefertigte Kanzel diente bis 1655 als Sakramentshäuschen und ist eine hervorragende Schmiedearbeit. In der Marienkapelle befindet sich eine Madonnenfigur aus Steinguss, entstanden um 1430. Die bekannten und auch auf einer Briefmarke verewigten Kirchenfenster wurden vom Feldkircher Künstler Martin Häusle (1903-66) in den Jahren 1959 bis 1961 in Bleiglastechnik geschaffen.

Ein Nikolauslied aus Fußach um 1830. Das Vorarlberger Landesarchiv verwahrt zwei Fußacher Handschriften mit geistlichen Liedtexten, die zwischen 1823 und 1839 niedergeschrieben wurden. Darin finden sich mehrere Weihnachts- und Adventlieder, unter anderem auch ein "Lied auf das Fest des H. Nikolaus", des Patrons der Pfarre Fußach. Die Vorarlberger Musikhistorikerin Annemarie Bösch-Niederer berichtet, dass das Lied mit dem Beginn „Mit Frohlocken jubiliere“ in fünf Strophen Nikolaus als Schutzpatron preist. Die Melodie ist leider nicht mit überliefert.

Lied auf das Fest des heiligen Nikolaus (Fußach um 1830)

1.
Mit Frohloken jubiliere, du gesammte Gmeind anheut,
und mit Freüden celebriere, diese große Feyerlichkeit.
Nikolaus wir dich ehren, jeder soll dein Lob vermehren,
weil du unser Schuzpatron, und uns führest zum Himmelsthron.

2.
Uns zur Lehre ist dein Leben, denn es ist von Sünden rein
uns zum Beyspiel ists gegeben, heilig auch vor Gott zu seyn;
Heute soll dein Lob erschallen, denn durch dich kömmt heill uns allen,
weil du unser Schuzpatron, und uns führst zum Himmelsthron.

3.
O wie sehr beschämt uns alle, deiner Tugend Herrlichkeit,
führ uns weg vom Sündenfalle, führ uns hin zur Seligkeit.
Nikolaus als Geleite, bleib uns stets an unsrer Seite,
bleib doch unser Schuzpatron, und führ uns zum Himmelstrhron.

4.
Mach daß wir auf Erden wallen, so wie du mit Gott allein,
daß wir ihm denn auch gefallen, und mit ihm einst dort uns freün.
Nikolaus unser Leben, wir uns ganz dir übergeben,
sey uns also Schuzpatron, und führ uns zum Himmelstrhon.

5.
Und wenn unser Lebens Ende, einmal kommt, das Auge bricht,
dann führ uns in Gottes Hände, Schuzpatron verlaß uns nicht.
Hilf uns Gottes Herrlichkeiten, für die Ewigkeit erstreiten
sey dann unser Schuzpatron, und führ uns zum Himmelsthron.


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Freitag, 19. November 2021

[ #Walgau ] Feige Feldkircher, wundergläubige Bludenzer, lüsterne Montafoner, trogne Walser,...


Der Verfasser des Gedichtes ist nicht bekannt.

Dr. Manfred Tschaikner vom Vorarlberger Landesarchiv, bekannt für seine Hexenforschungen, hat ein Spottgedicht über die Vorarlberger Gemeinden des Oberlandes - immerhin fast die ganze südliche Hälfte des Bundeslandes Vorarlberg - aus dem Jahre 1670 "ausgegraben".

Spott aus Schlins. Feige Feldkircher, wundergläubige Bludenzer, lüsterne Montafoner, trogne Walser. Der Verfasser des Gedichtes ist nicht bekannt. Offenbar handelt es sich aber um einen Bewohner von Schlins, wie Dr. Tschaikner aus dem Text schliessen will. Von Rankweil bis ins Montafon werden darin in zahlreichen Versen Vorurteile und Charakteren beschrieben. Manche scheinen sich bis heute gehalten zu haben!

Damülser Wahlrecht. Auch erfährt man, dass man damals in Damüls schon wählte - und wie! Mit Spott wird dabei nicht gespart. So wird beispielsweise den Damülsern ein besonderes Wahlverfahren bei der Wahl ihres Bürgermeisters nachgesagt: Die Damülser würden - sozusagen als vorbereitenden Wahlakt - einander die Köpfe mit Milch bespritzen. Danach werden die Fliegen zur Abstimmung geladen: Der Damülser auf den sich dann die meisten Fliegen setzen, sei als Amann (= Bürgermeister) dann gewählt. Es werden wohl die größeren Bauern mit dem größeren Misthaufen gewesen sein, die da zum Amann mit den vom Misthaufen mitgebrachten Fliegen gewählt wurden.

Dr. Manfred Tschaikner. Dr. phil., geboren 1957 in Bludenz, Studium der Geschichte und Germanistik in Innsbruck. Lehrer an höheren Schulen in Innsbruck und Bludenz. Seit 2002 ist Manfred Tschaikner wissenschaftlicher Archivar am Vorarlberger Landesarchiv und lehrt auch an der Universität Wien.

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Donnerstag, 18. November 2021

[ #Vorarlberg ] Kulturerbe "Scheibenschlagen" als Frevel verboten


Neben dem Abbrennen eines Scheiterhaufens (Funkens) gibt es in einigen Dörfern Tirols und Vorarlbergs am Abend des Funkensonntags den Brauch des Scheibenschlagens. 

Dabei werden im Feuer kleine glühende Holzscheiben auf einer Anhöhe mittels langer Stangen über einen schräg aufgelegten Brett abgeschlagen, sodass sie - ähnlich Sternschnuppen - Richtung Tal fliegen. Unmittelbar vorher spricht der Schläger einen Vers oder widmet die Scheibe einer prominenten oder persönlich nahestehenden Person. Man kann aber auch eine Person verspotten.

Erlen- oder Birkenholz. Zum Scheibenschießen werden eigens angefertigte Scheiben aus Erlen- oder Birkenholz auf 70 bis 120 Zentimeter lange Haselstöcke gesteckt, im sogenannten Vorfeuer zum Glühen gebracht und mit Hilfe einer kleinen Holzbank von den Stöcken abgeschlagen. Bei einem gelungenen Schuss beschreibt die glühende Scheibe einen leuchtenden Bogen am dunklen Nachthimmel. Jeder Schütze versucht, seine Scheibe möglichst weit zu schießen.


Feuergefahr. Erstmals urkundlich bezeugt ist das Scheibenschlagen bereits 1090. Damals führte eine brennende Scheibe zum Brand des Klosters Lorsch. Scheibenschlagen und Funkensonntag gehören somit zu den ältesten Fastnachtsbräuchen, die infolge des alten Fastnachtstermines (Aschermittwoch) am Sonntag Invocavit (Sonntag nach Aschermittwoch; Funkensonntag) stattfanden.

Der Brauch des Funkensonntags bzw. des Scheibenschlagens wird heute noch in Vorarlberg gepflegt. Das Funkenabbrennen am ersten Sonntag der Fastenzeit gehört heute zu den spektakulärsten und publikumswirksamsten Brauchtumsveranstaltungen Vorarlbergs. Die Ursprünge des Brauches liegen jedoch im Dunkeln, denn es fehlen stichhaltige Quellen zu seiner Geschichte. Besser steht es diesbezüglich um das Scheibenschlagen, das allerdings nur noch in wenigen Orten des Landes praktiziert wird. Die Aufnahme dieser Tradition in die Liste des immateriellen Kulturerbes (UNESCO) im Jahre 2016 verweist auf deren lange Geschichte und ehedem große Bedeutung.

Frevel. Der älteste bekannte Vorarlberger Quellennachweis für den Brauch des Scheibenschlagens findet sich in einem Verzeichnis von „Freveln“ (Vergehen), die in der Herrschaft Bludenz im Jahr 1604 geahndet wurden.

Damals bestrafte man etliche Burschen aus Bartholomäberg dafür, dass sie sich "in der heiligen fasten zeit, da man sich sonnderlichen aller andacht, demueth und gottsforcht gegen dem allmechtigen gott verhalten und gebrauchen solte, mit ungebürlichem scheibenschlagen, juzen und annderer unzüchten" wie dem Entwenden und Verbrennen von Hölzern und Dachschindeln vergangen hatten. In diesem Zusammenhang ist auch bezeugt, dass es am Bartholomäberg einen eigenen "scheiben plaz" gegeben hat, wo der Brauch ausgeübt wurde, indem man die angeglühten Holzscheiben in einer Art von Wettkampf und begleitet von Sprüchen möglichst hoch, weit und schön durch die Luft schleuderte.

Das Scheibenschlagen war ursprünglich wie das Fackelschwingen und das Abbrennen von größeren Feuern an unterschiedlichen Terminen im Jahr üblich. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bemühte sich der Bludenzer Stadtrat allerdings, das Treiben auf die „Alte Fasnacht“, also auf den Funkensonntag, einzuschränken. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sah sie sich der aufgeklärte Bludenzer Vogteiverwalter Franz Josef Gilm (von Rosenegg) bemüßigt, das Scheibenschlagen als einen verderblichen Brauch sogar noch einige Zeit vor dem bald ebenfalls geächteten Funkenbrennen zu verbieten.

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[ #Vorarlberg ] Ernst Krenek in Vorarlberg und Karl V. bei den Bregenzer Festspielen


Die Oper "Jonny spielt auf!" des Wieners Ernst Krenek wurde am 10.Februar 1927 uraufgeführt. Die Österreichische Tabakregie schuf deswegen zwar die Zigarette "Jonny". Für die Nazis war die Oper Symbol für die "Verniggerung des Abendlandes" und auch Österreich tat auf Druck der Heimwehr mit. Kaum bekannt ist, dass Ernst Krenek wie auch seine Eltern mehrfach in Vorarlberg waren, zumindest in Bregenz, in Bludenz, in Brand, in Gargellen, in Lech.

Bregenzer Festspiele. 2008 widmeten die Bregenzer Festspiele im Rahmen ihres Schwerpunktes "Macht und  Musik" dem Werk des österreichischen Komponisten Ernst Krenek eine umfassende Darstellung, die überaus positiv aufgenommen wurde. Die Idee zum Krenek-Schwerpunkt war in einer intensiven, mehrjährigen Planungsphase und in enger Zusammenarbeit zwischen Intendant David Pountney, Gladys Nordenstrom Krenek, der Witwe des Komponisten, und dem Ernst Krenek Institut entstanden. Im Zentrum standen die szenischen Produktionen von "Karl V." und "Kehraus um St. Stephan", Aufführungen im Konzertbereich ergänzten die umfangreiche Präsentation.  Mit dem Bühnenwerk mit Musik "Karl V.", der 1933 vollendeten ersten Zwölftonoper, wurde nicht nur das Thema der Festspiele, "Macht und Musik" von zwei künstlerisch unterschiedlichen Perspektiven aufgerollt. Die beiden Werke repräsentieren auch Kreneks intensive Auseinandersetzung mit der bevorstehenden politischen  Katastrophe.

Aus dem Briefwechsel von Ernst Krenek mit der Universal Edition (1921-1941) gehen jedenfalls mehrere Belege dafür hervor, dass Krenek in Vorarlberg war. 

Nach seiner letzten Deutschlandreise vor Hitlers Machtübernahme kündigt Krenek in einem Brief aus dem Bregenzer Hotel Weißes Kreuz, wo er ein paar Tage mit seiner Frau verbrachte, an Heinsheimer seine Rückwanderung nach Wien an. Dieser teilt ihm am 21. August 1933 als Leiter der Opernabteilung der Universal Edition mit, dass die Bundestheatervewaltung den Vertrag über Karl V. unterschrieben habe.  Freilich ist dann die Aufführung  vereitelt worden und Krenek wollte deswegen offenbar auch beim Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Otto Ender intervenieren. Heinsheimer frägt jedenfalls am 28. Juli 1934 an, ob Krenenek bezüglich Karl V. schon irgendwelche Entscheidungen getroffen habe, ober er in ihrer Sache in Vorarlberg irgendeine Fühlung aufgenommen habe.  Zur Erläuterung: drei Tage vorher am 25.7.34 war der austrofaschistische Bundeskanzler Dollfuß durch nationalsozialistische Putschisten ermordet worden.


Krenek antwortet ihm, dass er deswegen nicht in Bregenz war, weil wegen der tubulenten Personalveränderungen "dort in allen Ämtern, vom Landeshauptmann angefangen"  kaum was Nützliches und Verbindliches zu erreichen gewesen wäre und man "mit dem Rat des jetzt dauend in Wien befindlichen Dr. Ender am weitesten kommen dürften".  Der Vorarlberger Landeshauptmann war  im September 1933 als Bundesminister ohne Portefeuille in die austrofaschistische Regierung berufen worden.  Im selben Schreiben scheint aber Krenek wegen der Aufführung Karl V. auch bereits resigniert  zu haben, denn er fragt Heinsheimer an, wie es denn im schlimmsten Falle um die Konventionalstrafe stehe. Krenek war seit der Machtübernahme Hitlers in einer schwierigen finanziellen Lage, denn sein deutsche Konto war gesperrt.

Am 30.6.1937 bittet Krenek die Universal Edition in einem Brief aus Bludenz zu Handen seines Vaters 1000 Schilling auszuzahlen. Auch am 31.8.1939 telegrafiert Kreneks Vater an die Universal Edition von Bludenz aus, dorthin die August und September Raten zu überweisen.

Lange bevor hatte allerdings Krenek bereits schöpferische Kontakte zu Vorarlberg. Seine Komposition "Maria ging in Garten | op. 77a/4 | für gemischten Chor a cappella" nennt dafür als Textquelle: "Riefensberg im Bregenzerwald, aus: H. Pommer, "Volkslieder und Jodler aus Vorarlberg", Wien 1926".

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Ernst Krenek. (* 23. 8. 1900 Wien, † 22. 12. 1991 Palm Springs) Der am 23. August 1900 in Wien geborene Krenek traf mit dieser Oper "Jonny spielt auf" den Puls der Zeit. Sie stand innerhalb von zwei Jahren auf den Spielplänen von über 100 Opernhäusern und machte ihn finanziell unabhängig. Krenek lernte das Komponieren als Sechszehnjähriger an der Wiener Akademie bei Franz Schreker. 1920 bis 1923 folgte er seinem Lehrer an die Staatliche Musikhochschule Berlin. In dieser Zeit entstanden seine ersten Kompositionen mit freier Tonalität.

1925 bis 1928 ging er als Assistent des Intendanten und Musiktheoretikers Paul Bekker zunächst nach Kassel, dann nach Wiesbaden. Anfang der dreißiger Jahre beschäftigt er sich intensiv mit Musikästhetik und der Zwölftontechnik. Die Aufführung der Oper "Karl V.", die 1933 von der Wiener Staatsoper in Auftrag gegeben wurde, schafften die Nazis trotz ihres Verbotes in Österreich - zu vereiteln. 1938 ging Krenek nach Amerika ins Exil, wo er verschiedene Gastvorlesungen hielt und als Professor an diversen Universitäten unterrichtete. 1947 wurde er amerikanischer Staatsbürger und wählte Los Angeles als festen Wohnsitz. 1966 siedelt er nach Palm Springs über. Erst 1984 wird die Oper "Karl V." erstmals an der Wiener Staatsoper aufgeführt. Ab 1950 kam Krenek gelegentlich nach Europa zurück – für Konzertreisen oder als Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen und hielt sich ab 1982 in den Sommermonaten im Mödlinger Arnold-Schönberg-Haus auf. Ernst Krenek starb am 22. Dezember 1991 in Palm Springs, Kalifornien.

Nazi-Propaganda gegen
"Entartete Musik"
verwendet das Sujet von
"Jonny spielt auf".
Die Produktivität des Komponisten und Autors Ernst Krenek umfasst fast sieben Dezennien des 20. Jahrhunderts und zeichnet sich durch eine markante Vielseitigkeit aus. In Europa wurde seine "von intellektueller Neugier geprägte Neigung zu abrupten, überraschenden Veränderungen der musikalischen Schreibweise" häufig als Diskontinuität kritisiert, während sie ihm in den USA den Titel des "one-man history of twentieth-century music" einbrachte. Als er starb hinterließ er ein in seiner stilistischen Offenheit und Experimentierfreudigkeit beeindruckendes musikalisches Oeuvre von mehr als 240 Werken. Er komponierte siebzehn Bühnenwerke (Opern, Fernsehopern, Schauspiele), Orchesterwerke, Kammermusiken und Vokalmusiken. Er hatte in seinen Werken unterschiedliche Stile und Techniken verwendet: Atonalität (2. Sinfonie 1922; szenische Kantate "Die Zwingburg" 1924), Neoklassizismus (1. Violinkonzert 1924), Neue Sachlichkeit (Oper "Jonny spielt auf" 1927), Zwölftontechnik (Oper "Karl V." 1938), elektronische Musik (Pfingstoratorium "Spiritus intelligentiae Sanctus" 1956) und Serialismus ("Sestina" 1957). In zahlreichen Essays verlieh er den aktuellen Vorgängen seiner Zeit literarischen Ausdruck, schrieb fast all seine Libretti selbst und hinterließ mit seiner Biographie "Im Atem der Zeit" ein lebendiges Zeugnis der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

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[ #Sulz ] Pogrom in Sulz 1744: Von der Synagoge zur "Vorarlberger Landeskristallnacht"

Im Pogrom von 1744 wurden die Sulzer Juden vertrieben und ihre Häuser zerstört.

Am 23. und 24. Dezember 1744 rottete sich die christliche Bevölkerung zusammen, um die Häuser der Juden zu plündern und zu zerstören und die jüdische Bevölkerung zu misshandeln und zu vertreiben. Was sich damals im "Raubzuges von Sulz" (Rabbiner Aron Tänzer) kurz vor Weihnachten 1744 in Sulz abspielte, stellt sich als eine "Landeskristallnacht" (Burmeister) dar, als deren geistige Urheber die Vörarlberger Landstände anzusehen sind, deren judenfeindliche Politik seit 200 Jahren angehalten hatte.

Zwischen 1676 und 1744 bestand in Sulz eine kleine Landjudengemeinde. Noch 1738 - also just in dem Jahr in dem Joseph Süß Oppenheimer in Stuttgart erwürgt wurde - schien es so, als ob trotz der ständigen Neidgenossenschaft und Interventionen der Vorarlberger Landstände (welche in der Vorarlberger Geschichtsschreibung gerne als demokratisch mystifiziert werden) eine Symagoge in Sulz errichtet werden könnte. Jedenfalls bestand eine Art Gebetsraum. Er wurde wahrscheinlich in einem Flügel eines Hauses eingerichtet, das von einer jüdischen Familie verlassen wurde, als diese nach Hohenems zurückkehrte. Nur sechs Jahre - bis 1744 - war dieses Bethaus in Gebrauch.


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Donnerstag, 11. November 2021

[ #Bludenz ] Vorarlbergs erste Papierfabrik - 1834 in Bludenz

RONDO Papier Frastanz
Quelle: Vorarlberger Wirtschaftsmuseum

Auch wenn die Papierfabrik in Frastanz schon über 100 Jahre alt ist, sie ist nicht die älteste. Die älteste mechanische Papierfabrik Vorarlbergs war die k.k.privilegirte Mechanische Papierfabrick Karl Blum in Bludenz. Sie wurde  gegründet 1834 gegründet und ist ein wichtiger Teil der Vorarlberger Wirtschaftsgeschichte. 

1834 wird Marianna Blum (geb. Gehring) der Betrieb einer Papierfabrik in Bludenz-Klarenbrunn auf dem Gelände der abgebrannten Spinnerei von Ganahl & Co. genehmigt. Bereits 1836 übernehmen die Söhne Karl und Johann Blum den Betrieb als "Mechanische Papier-Fabrick Bludenz".

Klarenbrunn

Um die Papierqualität zu verbessern, lobte Karl Blum mit anderen österreichischen Papierfabrikanten (darunter auch die noch heute bekannten österreichischen Papiererzeugern Neusiedler und Leykam) 1840 einen Preis für 2060 Gulden aus. Den Preis sollte für eine Abhandlung vergeben werden, welche sich mit der Qualitätssteigerung von Papier befasste. Insbesondere sollten die Maschinenpapiere dieselbe Festigkeit erreichen  wie die hangeschöpften. Die maschinell hergestellten Papiere litten damals insbesondere wegen der enthaltenen Säuren.

1841 hatte die Papierfabrik Karl Blum eine Maschine, betrieb ein Wasserrad mit 20 PS und beschäftigte 43 Arbeiter Sie erzeugte um 83.250 Gulden Papier und gehörte zu den drei größten Papierfabriken von Tirol-Vorarlberg. In Vorarlberg war sie die größte. Ab 1843 wurden Papiertapeten und Buntpapiere erzeugt und 1845 wird das Privileg "Landesfabrik" erteilt.

Besitzer einer Landesfabrik genossen Privilegien. Landesfabrik konnte man nur auf Ansuchen werden, wenn man ein Fabrikunternehmen in einem größeren Umfange betrieb, viele Arbeiter beschäftigte und damit den Nationalwohlstand beförderte. Sie genossen einen besonderen Schutz der Verwaltung. So durften sie als "k.k.privilegirte Fabrik" den kaiserlichen Adler führen und auch Niederlassungen in den Provinzhauptstädten der Monarchie gründen. Schließlich waren sie vom Zunftzwang befreit und konnten trotzdem Lehrlinge ausbilden. Ihre Betriebsstätten waren von Militäreinquartierungen befreit. Auch Kinder ab neun Jahren durften in den Landesfabriken - wie wohl auch anderswo - arbeiten.


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Mittwoch, 10. November 2021

[ #Nenzing ] Ausgrenzung und Privilegierung als kommunales Ordnungsprinzip am Beispiel des Nenzinger Ortsteiles Mariex in Frastanz


Die Archivale des Monats April 2012 des des Vorarlberger Landesarchivs zeigt einen uns heute merkwürdig erscheinenden Streit der Gemeinden Nenzing und Frastanz. Während man im heutigen Verständnis meinen würde, dass sich die Gemeinden um die Vergrößerung ihres Einflussbereiches bemühten, waren sie offenbar um Kleinheit und Begrenztheit der Bürgerzahl engagiert. 

Agrargemeinschaft. Der Sachverhalt weist eigentlich in die aktuelle heutige Zeit, wo der Widerstreit zwischen Agrargemeinschaften (als die alten Bürgergemeinden) und den Gemeinden weiterlebt. Ursprünglich waren alle Gemeindebewohner stets voll gleichberechtigt. Mit der Zunahme der Dorfbewohner durch Zuwanderung und mit dem Aufkommen neuer Berufsgruppen neben dem traditionellen Bauernstand und den Migrationsbewegungen des 20. Jahrhunderts änderte sich dies erheblich. Der Anteil der sogenannten nutzungsberechtigten Gemeindebewohner nahm ab, der Anteil der rechtelosen  Gemeindebewohner nahm laufend zu. Mittlerweile beginnt sich auch bei der Vererbung zumindest langfristig eine Gleichstellung von Männern und Frauen zu realisieren.

Das Ende der Allmende. Der Anspruch auf Nutzung von Wald und Weide gründet(e) in der Zugehörigkeit aus der Mitgliedschaft (Bürgerrecht)  zu einem bestimmten Gemeinwesens. Mitgliedschaft und Anspruch auf Nutzung basieren also auf dem Bürgerrecht und machen einen Teil der Ansprüche dieses Rechtes aus. Für die tatsächliche Nutzung ergaben sich jeweils besondere Sacherfordernisse, wie die Führung eines eigenen Haushaltes "eigener Herd" oder "eigener Husröchi". Objekt sind in der Regel der im unmittelbaren Gemeindegebiet oder im Nachbargebiet liegende Wald und die Alpen. Die Besiedlung und verschiedene Rechts- und Herrschaftsverhältnisse haben jedoch auch zu einer geographisch weiteren Streuung von agrargemeinschaftlichen Nutzungen der Gemeinden geführt. In Vorarlberg gibt es 55 Agrargemeinschaften mit offener Mitgliederanzahl. Die zweite große und zahlenmäßig überwiegende Gruppe (443) sind Nutzungsverbände, in diesem Falle vorwiegend an Alpen mit zahlenmäßig fixierten Anteilen, die wiederum als Besonderheit in Vorarlberg nicht oder nicht mehr an einen Stammsitz gebunden sind.

Die Abstammung von einem berechtigten "Bürger" läßt diese Agrargemeinschaften als solche mit offener Mitgliederanzahl definieren, da keine fixen Anteile bestehen. In Vorarlberg besteht darüber hinaus gegenüber den übrigen Bundesländern noch die Besonderheit, dass die Mitgliedschafts- und Bezugsrechte an diese Agrargemeinschaft durchwegs persönliche Rechte sind und nicht oder nicht mehr an einen Besitz gebunden sind.

Die Agrargemeinschaftsrechte sind also nicht Realrechte, sondern durchwegs persönliche Rechte. Spuren von Realbindungen finden sich noch im Montafon und im Klostertal, jedoch vorwiegend für objektgebundene Nutzungsansprüche an Bau- und Nutzholz oder Ansprüche für den Katastrophenfall. Die Hausbedarfsbezüge sind jedoch durchwegs persönliche Rechte. Die Agrargemeinschaft Nenzing ist noch heute die flächengrößte Agrargemeinschaft des Landes, hat jedoch nur 680 nutzungsberechtigte Bürger (Männer!) von rund 6000 Einwohnern.

Auf der Website des Landesarchivs wird vom "Hexenforscher" Manfred Tschaikner über diesen Streit berichtet:  
"Als es in den Jahren um 1820 aber darum ging, eine der seltsamsten Grenzen in Vorarlberg, nämlich jene zwischen Frastanz und Nenzing, endgültig festzulegen, bemühten sich die beiden Gemeinden dennoch, Mariex und einen Hof in der nahen Au (Bardella) ihrem Nachbarn zuzuschieben. Gemeinwesen waren damals nicht daran interessiert, ihr Siedlungsgebiet auszuweiten, sondern die Zahl der Nutzungsberechtigten am beschränkten Gemeingut gering zu halten. 
Während der Nenzinger Gemeindevorstand – historisch richtig – die Auffassung vertrat, es gebe in diesem Raum keine einfache Grenzziehung, gelang es der Gemeinde Frastanz, das zuständige Landgericht Sonnenberg davon zu überzeugen, dass sie durch den Mariexbach von Nenzing geschieden werde. So verordnete dieses am 3. Februar 1821, dass fortan alle Anwesen im Talboden östlich des Bachs auf Nenzinger Gemeindegrund lägen. Die Frastanzer hatten sich damit auch der ehemaligen Lehenshöfe der Feldkircher Johanniter als althergebrachten Mitnutzern ihres Gemeinguts entledigt und sie der Nachbargemeinde aufgebürdet, wogegen sich diese zwar heftig, aber vergeblich zur Wehr gesetzt hatte."

 

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Dienstag, 9. November 2021

[ #Hard ] Schwabenkrieg: Die Schlacht vom 20. Februar 1499 in Hard


"Hard dürfte erstmals durch die am 20. Februar 1499 im so genannten Schwabenkrieg, dem Reichskrieg Maximilians des I. gegen die Eidgenossenschaft, geschlagene Schlacht über die Grenzen des Landes hinaus bekannt geworden sein.  An jenem kalten und nebligen Wintertag tobte in den Gefilden südwestlich des Ortes der Kampf zwischen der vom Kaiser aufgebotenen 10.000 Mann starken Streitmacht des schwäbischen Bundes und den in beträchtlicher Minderzahl angreifenden Eidgenossen."

So beschreibt einleitend der des Schweizerische Feldweibelverband ein historisches Ereignis auf Vorarlberger Boden, das in der Vorarlberger Geschichtsschreibung weitgehend fehlt.

Der Schwabenkrieg spielt sich als eine Reihe von Schlachten und blutigen Plünderungen am Rhein ab, unter denen vor allem die ländliche Bevölkerung leidet. Im Februar 1499, bis zur Schlacht bei Hard, setzen sich die Eidgenossen im Rheintal vom Luziensteig bis zum Bodensee durch; im Frühling folgen Raubzüge in den Hegau und Klettgau sowie die Siege auf dem Bruderholz bei Basel (22. März), in Schwaderloh bei Konstanz (11. April) und in Frastanz (20. April).

Am 28. April greift Maximilian ein, nachdem er die Reichsacht gegen die Eidgenossen verhängt hat, ohne dass ihm dies nennenswerte Unterstützung bei den Reichsständen eingebracht hätte. Obwohl der Kampf zu Propagandazwecken formal als Reichskrieg geführt wird, unterliegen die Habsburger am Ausgang des Münstertals, an der Calven, den Bündnern unter dem sagenhaften Benedikt Fontana (22. Mai), und bei Dornach erringen die Solothurner und heranrückende eidgenössische Hilfstruppen am 22. Juli 1499 den entscheidenden Sieg über das hochmütige habsburgische Ritterheer.


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[ #Düns ] Traditionelles Wissen: Jagdberger Heumilchkäse


Der vordere Walgau zählt zu den alten Siedlungsgebieten Vorarlbergs. 

Der Raum Jagdberg ist das Gebiet der heutigen Gemeinden Satteins, Schlins, Röns, Schnifis, Düns und Dünserberg, welche auch zu starken Teilen durch die als Wehrbauern zugewanderten Walser besiedelt waren. Dieses politische Gebilde hatte mindestens ein halbes Jahrtausend lang die Geschicke der Region mitgeprägt. Erst durch die Modernisierung durch die Bildung neuer bayerischer Landesgerichte verlor das Gericht Jagdberg 1806 seine Funktion als Verwaltungseinheit.



Langanhaltende Käsereitradition.
Der Käse erlangt seinen speziellen charakteristischen Geschmack durch die Qualität der Heumilch und das Traditionelle Wissen um das Handwerk der Käsekunst.Die regionale Produktion von Jagdberger Heumilchkäse trägt durch eine naturnahe Milchkuhhaltung zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der alpinen und gebirgigen Landschaftsform, sowie zur Erhaltung der Artenvielfalt der Wiesen und Weiden bei.

In den Urbaren des 14. Jahrhunderts werden die Gründe der Landesherrschaft hier fast immer neben Korn und Weizen (Scheffel) vor allem gegen Käselaibe (Wertkäse) verliehen. Seit "Urzeiten" war dort Heu das Futter in den Wintermonaten. In den Sommermonaten grasen die Tiere zusätzlich auf kräuterreichen Wiesen und Almen. Das heißt, die Kühe fressen vorwiegend Heu, Gras und nahrhafte Getreidemischungen. Das gibt der Heumilch ihren vollmundigen Geschmack und macht sie ohne Beimischungen und technische Behandlungen hartkäsefähig. Die Heuwirtschaft wirkt sich zudem positiv auf die Natur aus. Denn das Mähen und Weiden fördert die große Artenvielfalt.

Traditionelles Wissen.Traditionelles Wissen, im Sinne der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), ist - vereinfacht dargestellt- Wissen, das in einem traditionellen Zusammenhang geschaffen, bewahrt und zwischen den Generationen weitergegeben wird und verbunden ist mit einer lokalen Gemeinschaft, die sich mit der traditionellen Kultur identifiziert sowie von der Gemeinschaft als "Traditionelles Wissen" gesehen wird. "Traditionelles Wissen" ist ein Bereich des Geistigen Eigentumsrechtes.

Heumilch. Die Region Jagdberg Heumilchkäse befindet sich im Einzugsgebiet der Sennereien Schlins-Röns und Schnifis. Die Kühe dürfen nur mit Gras, Heu und Getreide gefüttert werden. Die "Heumilch" wird täglich angeliefert und vor der Verarbeitung auf Inhaltsstoffe und Beschaffenheit untersucht. Als Hauptprodukte werden der Schnifner Bergkäse und der Laurentiuskäse produziert.

Das wiederkäuergerechte Futter wirkt sich positiv auf die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Kühe aus und entspricht ganz dem heutigen Trend nach natürlichen und regionalen Produkten. Übrigens: Auch für viele internationale Käsespezialitäten wie Original Emmentaler, Original Bergkäse, Parmesan, verschiedene französische Käse-Spezialitäten ist die Verwendung ausschließlich von Heumilch vorgeschrieben, denn Heumilchkäse kann ohne Konservierungsmittel und Zusatzstoffe produziert werden. Seit Anbeginn kennt man keine andere Produktionsweise. Erst Mitte des 20. Jahrhundert wurde verstärkt auf Gärfutter – Silage (im Siloballen oder Silo konserviert) anstelle von Heu zurückgegriffen. Während 1970 der Anteil von Heu in Österreich noch 78 Prozent betrug, waren es 2000 nur mehr 34 Prozent.

Gesundes Lebensmittel. Studien sagen, dass Heumilch und Heumilchprodukte im Durchschnitt rund doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäuren (CLA) wie "Standardmilch" enthalten sollen.


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[ #Montafon ] Montafoner Steuerbuch aus dem Jahre 1645


Ganal, Staimer, Vonier und Pitschnaun sind die am häufigsten im Steuerbuch genannten Geschlechter.

Der Historiker und Theologe Michael Kasper nahm sich in seiner Diplomarbeit einer bisher wenig beachteten Quellengattung an: Er untersuchte das älteste Montafoner Steuerbuch aus dem Jahre 1645 für die Gemeinden Bartholomäberg, St. Anton und Schruns.

Die im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz überlieferten, Steuerbücher aus dem Montafon, die vom 17. bis ins 19. Jahrhundert reichen waren von der regional- und lokalhistorischen Forschung bislang weitgehend unbearbeitet geblieben. Das gegenständliche Steuerbuch erfasst vier unterschiedliche Steuerbezirke: St. Anton, Außer-Bartholomäberg und Inner-Bartholomäberg und das Kirchspiel Schruns.

Anhand dieser überlieferten Verzeichnisse aus den einzelnen Kirchspielen des Montafons ist es möglich, die demographische Entwicklung und die sozialen Strukturen sowohl der einzelnen Dörfer als auch der gesamten Talschaft zu rekonstruieren, sowie deren Veränderungen zu analysieren.

Mit dieser Arbeit wurde anhand des ältesten Montafoner Steuerbuches aus dem Jahr 1645 das für zahlreiche weitere wirtschafts- und sozialhistorische Untersuchungen grundlegende quantitative Quellenmaterial erstmals sozialstatistisch erschlossen. So erfahren wir auch, dass die Geschlechter Ganal, Staimer, Vonier und Pitschnaun die am häufigsten im Steuerbuch vorkommenden sind.

MMag. Michael Kasper. Geb. 1980, Lehramtsstudien Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, Geographie und Wirtschaftskunde (2006) sowie Katholische Religion (2008) in Innsbruck. Seit 2007 Stipendiat und Projektmitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethnologie der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Regionalgeschichte Tirol und Vorarlberg, Sozialgeschichte, Geschichte der Neuzeit.


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Einleitung S. 2

1.Geographischer und sozialer Überblick über das Untersuchungsgebiet S. 4
1.1. Die Ortschaften St. Anton, Bartholomäberg und Schruns S. 4
1.2. Einwohnerzahlen S. 6
1.3. Soziale Struktur S. 9
1.3.1. Geschlechterverteilung S. 10
1.3.2. Soziale Stellung der Steuerpflichtigen S. 11
1.3.3. Steuerleistung S. 12

2. Die Oberschicht im Untersuchungsgebiet am Beispiel der Familien des Hanß Friz aus Bartholomäberg und des Jos zum Keller aus Schruns S. 38
2.1. Hanß Friz S. 40
2.2. Jos zum Keller S. 43

3. Vergleich mit der Stadt Bludenz S. 49

4. Vergleich mit anderen Regionen S. 52

5. Namenkundliche Auswertung S. 55
5.1. Vornamen S. 55
5.2. Nachnamen S. 57

6. Das Steuersystem S. 60

7. Edition des Steuerbuches S. 63
7.1. Beschreibung des Steuerbuches S. 63
7.2. Editionsgrundsätze S. 64
7.3. Edition S. 64

8. Regionalgeschichte und Quellenkunde in der Schule S. 114
Literaturverzeichnis S. 117
Quellenverzeichnis S. 120