Donnerstag, 2. Juli 2020

[ #Feldkirch ] Mauereidechsen in Vorarlberg


Größere Populationen an Mauereidechsen sind in Frastanz, Feldkirch und Rankweil und auch schon am Rheindamm in Hard beobachtet worden. Es kann angenommen werden, dass die Bestände - zumindest um Feldkirch zusammenwachsen, wiewohl sie aus verschiedenen Ursprungsorten stammen. 

In Vorarlberg sind Mauereidechsen - wie sehr häufig nördlich der Alpen - erst durch aktives Handeln der Menschen heimisch geworden. Sämtliche Vorkommen gehen hier auf ausgesetzte Tiere zurück. Mit dem Auftauchen der Mauereidechse (Podarcis muralis) kommen somit insgesamt vier Echsenarten in Vorarlberg vor:
  • Die Mauereidechse (Podarcis muralis
  • Die Zauneidechse (Lacerta agilis),
  • Die Berg- oder Waldeidechse (Zootoca vivipara)
  • Die Blindschleiche (Anguis fragilis) als beinlose Echsenart , von den "Städtern" häufig als Schlange verkannt.
Ardetzenberg. Größere Populationen an Mauereidechsen sind in Frastanz, Feldkirch und Rankweil und auch schon am Rheindamm in Hard beobachtet worden. Es kann angenommen werden, dass die Bestände - zumindest um Feldkirch zusammenwachsen, wiewohl sie aus verschiedenen Ursprungsorten stammen. Im Internet findet sich eine schöne und fundierte Darstellung mit reichlichem Bildmaterial über das (allochthone = gebietsfremde) Vorkommen von Mauereidechsen in Vorarlberg (WOLFRAM SCHURIG & JÜRGEN GEBHART Juni 2009, siehe unter Links).

Dort wird erzählt:
"Die Eidechsen haben sich während der letzten ca. 20 Jahre über den nicht bewaldeten südlichen und östlichen Teil des Ardetzenbergs ausgebreitet und besiedeln mittlerweile das ganze Altstadtgebiet und dort schwerpunktmäßig den Bereich der Schattenburg. Von dort aus erfolgt nun die Besiedelung Ill aufwärts, wo die Gemeinden Göfis und Frastanz erreicht werden. Als Korridor für die Ausbreitung in diese Richtung fungiert die Felsenau-Schlucht, die mit natürlichen Felsen, Mauern, Uferbefestigungen, aufgelassener Straße sowie der stillgelegten Eisenbahntrasse eine Fülle von geeigneten Habitaten aufweist. Nach Süden haben die Eidechsen die Ill überschritten. Hierbei wurde bis zu ihrer Renovierung im Jahr 2007 die historische Hl. Kreuz–Brücke sogar direkt besiedelt. Von dort gelangten die Tiere an den im Süden angrenzenden Blasenberg, der sich bis fast an die liechtensteinische Grenze erstreckt."

Mauereidechse (Podarcis muralis). Die "Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde" hatte die Mauereidechse (Podarcis muralis) zum Reptil des Jahres 2011 gekürt. Damit wird zumindest in der Bundesrepublik Deutschland ein interessantes Schutz und Förderprogramm verbunden.


Doch die Mauereidechse hat hier nicht sein lange angestammtes Habitat, auch wenn man sie bereits die "heimische" Mauereidechse nennt. Sie ist meist vom Menschen eingeschleppt, verfügt aber auch über kluge Anpassungsstrategien, in dem es als Kulturfolger den Veränderungen durch den Menschen folgt und Ersatzhabitate (synanthrop) besetzt.

Zürich Hauptbahnhof. Die Mauereidechse ist im Kern von Nord-, Nordost- und Mittel-Spanien ostwärts über Mitteleuropa und die Balkanländer bis zur Westküste des Schwarzen Meeres verbreitet. In Deutschland kommt die Art schwerpunktmäßig im Südwesten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor. Dabei werden klimatisch begünstigte Hanglagen bevorzugt. Bevorzugt finden sich die Tiere auf nach Südosten oder Südwesten exponierten Flächen. Weil sie sich diese räumlichen Bedingungen mit Weinabaugebieten teilen, werden sie gerne auch als "Weintrinker" tituliert. Als typischer Kulturfolger ist die Mauereidechse eben auch in Weinbergen, an Bahn- und Straßenböschungen sowie an Gebäuden in Siedlungen und Städten anzutreffen.Ihre Anpassungsfähigkeit kann man mit nichts besser beschreiben: Die größte Population nördlich der Alpen lebt auf dem Gelände des Zürcher Hauptbahnhofs.

Streifjäger. Mauereidechsen sind tagaktiv und bestreifen ihren Lebensraum mehrmals am Tag nach Insekten und Spinnentieren ab. Sie sind uns also auch in den Gärten nützlich und ersparen chemische Insektenvernichtungsmittel. Ihr größter Feind dürfte hier die Hauskatze sein. Aber auch Greifvögeln dienen vor allem die Jungtiere in der Nahrungskette. Sie sind mit kräftigen Beinen mit langen Zehen ausgerüstet und ihr Schwanz ist rund doppelt so lang ist wie ihr eigentlicher Körper. Damit sind sie flink und ausgezeichnete Kletterer. Das Gelege wird unter Steinen oder in kleinen selbstgegrabenen Gängen abgelegt. Es umfasst zwei bis zehn Eier. Die Jungtiere schlüpfen - abhängig vom Wetter und der Wärme - nach etwa sechs Wochen von Ende Juni bis Anfang August. Ein früher Schlupf erhöht natürlich die Chancen der Jungtiere, genügend Reserven anzulegen, um erfolgreich überwintern zu können..


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Mittwoch, 24. Juni 2020

[ #Vorarlberg ] Die ersten "Mohren" in Vorarlberg


1784 eröffnete Herr Josef Mohr in Dornbirn eine Gaststätte mit angeschlossener Brauerei, benannte das Haus "Zum Mohren" und verwendete hierfür das Familienwappen, welches einen Mohr abbildete. 

Auf dem Flaschenetikett prangt über dem Namenszug "Mohren" der Scherenschnitt eines Kopfes, der allen "Schwarzen-Klischees" entspreche: enorm wulstige Lippen, krauses Haar, affenartige Gesichtszüge, markante Nase.  Freilich hatte der Josef Mohr wohl kaum einen wirklichen "Mohren" je zu Gesicht bekommen, wiewohl es ja doch bereits ein paar seltene Anlassfälle - wie wir heute wissen - gegeben hätte.

Dass das historische Mohrenbild nur dem Dornbirner Bierbrauer als "rassisitisch" angelastet wird, ist eine arge Verkürzung.:
  • Das höchstoffizielle Wappen der Gemeinde Mandach, einst Habsburgerbesitz, im Schweizer Kanton Aargau trägt ein vergleichbares Bild, welches  den hl. Mauritius darstellen soll, welcher auch der Schutzpatron der Kirche von Mandach ist. 
  • Die kreisfreie Stadt Coburg in Bayern zeigt ein noch in dem erwähnten Sinne weitaus "rassistischeres" Signet. Das Wappen zeigt auch hier den heiligen Mauritius, den einzigen Heiligen, der im Mittelalter mit dunkler Hautfarbe dargestellt wurde. 




Gertrude Fussenegger. Ein "Mohr" belastete auch die Vorarlberger Schriftstellerin Gertrude Fussenegger zweifach. In der Mohrenlegende (1937) wird die "Errettung" eines nach Tirol entführten afrikanischen Buben berichtet. Dieser beobachtet im Tiroler Schnee die Heiligen Drei Könige und muss fortan "kein rechtloser Fremdling" mehr im fernen Kreuzfahrerland bleiben.(DerStandard). Die Mohrenlegende, eines ihrer ersten Bücher, wurde von den NS-Gutachtern als Kritik an der Rassenideologie und „katholisches Machwerk“ verfemt. Nichtsdestotrotz war sie bekennendes Mitglieder der NSDAP. Im Zuge der Vergangenheitsbewältigung in Österreich wurde dasselbe Werk später wiederum als „rassistisch“ verurteilt.

Vorarlbergs Mohren. Bislang galten zwei Mädchen, die 1855 ins Kloster St. Peter bei Bludenz gebracht wurden, als die ersten bekannten Afrikaner im Land. Sie waren  nur zwei der mehr als 800 Mädchen, die zwischen 1847 und 1864 von Pater Nicolò Olivieri und seinen Helfern auf den Sklavenmärkten in Kairo und Alexandria freigekauft und zur Erziehung nach Europa gebracht wurden, um - entsprechend dem Missionsziel der Zeit - ihre Seelen zu retten." Es galt, die Seelen der verfluchten Kinder Chams (Gen 9,24-25) durch die Taufe vor der ewigen Verdammnis zu bewahren und «diese Kinder für den Himmel zu retten. An den ungetauften Heidenkindern fürchtete man denn dennoch ihre sogenannte Rohheit, Wildheit, Unerzogenheit, ihren Egoismus, ihre Undankkeit" usw. Die Bludenzer Schwestern nahmen die ihnen anvertrauten Kinder, mit denen sie nicht recht fertig wurden, damals als "wilde Thiere in Menschengestalt" wahr. Die meisten der so geretteten Kinder starben übrigens nach weniger als drei Jahren in Europa. Todesursachen waren schwerwiegende Kinderkrankheiten aus ihrer traumatischen Vergangenheit, aber auch die Ansteckung durch europäische Viren, gegen die sie nicht immun waren und wofür es keine Impfungen gab; dies sind klassische Migrationsschicksale früherer Zeiten.


Raphael Antoni Pau. Doch nun hat das Vorarlberger Landesarchiv aufgetan, dass es schon 1763 zumindest einen Afrikraner, einen sogenannten "Mohren" in Vorarlberg gab. Im Januar 1763 leitete der Bludenzer Vogteiverwalter Franz Josef Gilm von Rosenegg ein Gerichtsverfahren ein, bei dem der Angeklagte widerstandslos den Diebstahl einer hohen Geldsumme in Außerbraz gestand. Obwohl die Schärfe des Gesetzes dafür den Tod durch den Strang vorsah, wurde der Delinquent nur zu zwölf Peitschenhieben und zum Verweis aus allen habsburgischen Erblanden verurteilt, denn es handelte sich bei ihm laut dem Vogteiverwalter um einen gutmütigen, ziemlich geschickten und besserungsfähigen Menschen.

Sein Name lautete Raphael Antoni Pau. Er war 1708 oder 1709 in Amachuté oder Amande in Abbessinien geboren worden. Auf einer Handelsreise in Afrika sollen ihn Negrer oder Schwarze zusammen mit zahlreichen Landsleuten gefangen genommen, nach Japonien gebracht und dort an Holländer verkauft haben. Von diesen sei er daraufhin über Jakarta nach Amsterdam verschifft und dem polnischen König August nach Leipzig veräußert worden. Dieser habe ihn später einer Gräfin in Breslau verehrt, wo er sich um 1730 katholisch taufen ließ. Ab den Vierzigerjahren sei Pau in adeligen und militärischen Diensten zu Frankfurt am Main, in Frankreich und wiederum in Schlesien gestanden. 1757 habe sein Weg über Prag nach Norditalien und später über Tirol (Pians) nach Braz geführt. Seit Herbst 1762 betätigte er sich im Klostertal mit geringem wirtschaftlichen Erfolg als Heiler. Seine Künste wollte er vor 10 oder 12 Jahren von der angesehenen ungebornen türckischen Doctorin bei Mainz erlernt haben.


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Montag, 22. Juni 2020

[ #Bregenz ] Ein Anarchist in Bregenz: Gustav Landauer


Gustav Landauer wohnte in den Jahren 1894/95 zeitweise in Bregenz.

In Karlsruhe stellt Gustav Landauer das Bezirksamt am 15. Oktober 1894 einen Reisepass „auf die Dauer von drei Jahren zum Zwecke des Aufenthaltes im Ausland“ aus. Unmittelbar darauf meldet das Bezirksamt dem badischen Innenministerium, dass sich Landauer mit seiner Familie in Bregenz niederlassen wolle, und macht gleichzeitig der Bezirkshauptmannschaft in Bregenz „geeignete Mitteilung“ über die Persönlichkeit des Passinhabers. Am 20. Oktober geht diese Mitteilung bei der Bezirkshauptmannschaft ein und wird sogleich an den örtlichen Gendarmerieposten weitergeleitet. Landauer ist mit Margarethe Leuschner und der gemeinsamen Tochter Charlotte Clara bereits am 16. Oktober in Bregenz eingetroffen.

Heilloseste Pfaffenwirtschaft. Bereits im August 1894 war Landauers Vetter Hugo Landauer, der damals ein Textilgeschäft der „Brüder Landauer“ in Biberach führte beschöftigte, eine Wohnung anzumieten. Eine solche hatte er dann in der Bregenzer Oberstadt gefunden. Das Haus am Ehregutaplatz 1, in dem fünf weitere Parteien wohnten, umschließt das Stadttor der Oberstadt und gehörte dem freisinnigen Buchdrucker und Verleger Anton Flatz, der seit 1886 das Bregenzer Tagblatt verlegte. Einem Studienfreund berichtet er: „Hier gibt es Kapuziner, Nonnen verschiedener Gewandung und die heilloseste Pfaffenwirtschaft, die sich einer vorstellen kann. Wie sehr lebendig der Katholizismus ist, sehe ich hier mit Schrecken. Und klug sind diese Leute! Alles Weltliche, allzu Weltliche wird geistlich umkleidet. Wenn die kleinen Mädchen in einer hiesigen Schule (Klosterschule) aufs Klosetchen müssen, haben sie zu sagen, sie wollten dem Jesukindlein ein Opfer bringen! Hübsch, nicht wahr?“




Gustav Landauer.  Gustav Landauer (* 7. April 1870 in Karlsruhe; † 2. Mai 1919 in München-Stadelheim) war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einer der wichtigsten Theoretiker und Aktivisten des Anarchismus in Deutschland. Während der revolutionären Ereignisse zum Ende des I. Weltkrieges und unmittelbar danach war er an einflussreicher Stelle an der Münchner Räterepublik im April 1919 beteiligt. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch Reichswehr und Freikorpsverbände wurde Landauer am 1. Mai 1919 in München verhaftet und einen Tag später im Zuchthaus Stadelheim von Soldaten ermordet.

Ein umfassender Text zur Recherche über den Aufenthalt Gustav Landauers in Bregenz, der 2009 im Jahrbuch des Franz-Michael-Felder-Archivs der Vorarlberger Landesbibliothek, 10. Jahrgang (S. 37 - 63) erschien, steht kostenfrei online.


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Mittwoch, 17. Juni 2020

[ #Dornbirn ] Hugo Lunardon und der Nationalsozialismus in Dornbirn: Tod eines Staatsdieners


Wieso kam Hugo Lunardon  (* 2. November 1893 in Hard; † 14. März 1940 im KZ Mauthausen) nach Mauthausen? Was war passiert, dass der am 2. November 1893 in Hard als Sohn des italienischsprachigen Flickschusters Bartolo Lunardon und seiner Frau Maria, geb. Tomio, zur Welt gekommene ehemalige Graveur ein derartiges Schicksal erleiden mußte?

Am Beginn des Ersten Weltkriegs kam der gelernte Graveur an die Front. Seine Eltern waren italienische Migranten (der Flickschuster Bartolo Lunardon und seine Frau Maria, geb. Tomio). Und doch war er mit Leib und Seele für seine und seiner Eltern neue Heimat bemüht. Er wurde zweimal verwundet und verbrachte 42 Monate in russischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wurde er Gendarm in Hohenems, 1931 heiratete er, 1933 und 1935 wurden ihm zwei Töchter geboren. Doch das Familienglück war nur von kurzer Dauer.


1933 wurde er Postenkommandant in Dornbirn. Wegen seines oftmaligen und erfolgreichen Einschreitens gegen illegale Nationalsozialisten hatte er zwar die erwähnte Auszeichnung erhalten, wurde aber unmittelbar während des "Anschlusses" in der Nacht vom 11. zum 12. März 1938 verhaftet und vorerst im KZ Dachau, später dann im KZ Mauthausen eingesperrt und zu Tode geschunden.  Die Auszeichnung war wohl eine Folge seines Bemühens, der Verursacher des Nazi-Terrors in Vorarlberg habhaft zu werden. Anton Plankensteiner, den späteren Vorarlberger NS-Landeshauptmann und den Dornbirner SS-Sturmbannführer Alfons Mäser hatte er überführt. Mäser wurde deswegen vor Gericht zu 15 Jahren schweren Kerkers verurteilt.

Aber die austrofaschistischen Bonzen hatten sich bald mit ihren nationalsozialistischen Gegnern arrangiert. Sie blieben weitgehend unbehelligt, zu Leiden hatten die Kleinen. Der Sturmbannführer Alfons Mäser wurde bereits 1937 aus der Haft entlassen, weil sich das nationalsozialistische Deutsche Reich und die austrofaschistische österreichische Regierung bereits weitgehend arrangiert hatten und die Nationalsozialisten längst in ihren Reihen saßen und alle nur auf einen günstigen Wind warteten. Ausgerechnet Mäser war in den Tagen des Anschlusses der für die "Sicherheit" zuständige Landeskommandant geworden. Nun übten die Dornbirner Nationalsozialisten Rache an dem aufrichtigen Staatsdiener.

Am 14. März 1940 starb der Gefangene Hugo Lunardon mit der Nummer 14.363 um 17 Uhr 15 im Konzentrationslager Mauthausen an angeblichem "Herzfehler" und an "Herzmuskelfehler". Seine Gefangenen-Nummer wurde umgehend wiederverwendet und einem soeben eingetroffenen polnischen Staatsbürger zugeteilt. Niemand sollte aufgrund der Häftlingsnummern erkennen können, wieviele "Schutzhäftlinge" im Konzentrationlager waren bzw. im Laufe der Zeit dorthin gebracht wurden. Hugo Lunardon hinterließ seine Gattin Olga sowie seine beiden Töchter Olga (geb 1933) und Gertrud (geb. 1935). In Erinnerung an den ermordeten Gendarmen wurde nach ihm in Bregenz der Hugo-Lunardon-Weg benannt.

Johann-August-Malin-Gesellschaft. Diese Vorarlberger historische Gesellschaft macht auf ihrer Website Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Dr. Halald Walser online bzw. als kostenfreies PDF zum Herunterladen.


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[ #Hohenems ] Wirtschaftsgeschichte: Winterolympiade 1960 - Kästle gegen Kneissl im PR-Krieg


Der Spiegel vom 23.3.1960 berichtet vom PR-Krieg der beiden österreichischen Schiproduzenten Kästle (Hohenems) und Kneissl (Kitzbühel). 

Die Olympiade in Squaw Valley versprach den heimischen Schiherstellern einen neuen riesigen Markt und so war der PR-Krieg der beiden Marken kein gemeinsamer sondern ein einsamer. Nicht so einsam jedenfalls, dass nicht Bild, Stern und eben Spiegel das Gerangel aufgefallen wäre. Aber schon nur 6 Jahre später berichtete der Spiegel vom Ruin.

Wagnerei Anton Kästle Hohenems. Die Kästle GmbH ist eines der traditionsreichsten Unternehmen in der Produktion von Wintersportartikeln. 1924 wird in der Wagnerei-Werkstätte von Anton Kästle am Standort Hohenems das erste Paar Volleschen-Ski hergestellt. International bekannt wurde Kästle in den 50er Jahren, als Trude Jochum-Beiser bei den alpinen Weltmeisterschaften 1950 in Aspen die erste Goldmedaille auf Kästle Skiern erreichte. Bei den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo konnten Kästle-Athleten weitere drei Goldmedaillen einfahren. Die Spiele in Cortina brachten weitere 20 Medaillen für Kästle – unter anderem drei Goldmedaillen durch Toni Sailer.


Bereits 1968 wurde die Hohenemser Skifabrik Anton Kästle den Eigentümern der österreichischen Skifabrik Fischer erworben. 1991 erfolgte die Übernahme durch Benetton und der traditionsreiche Produktionsstandort in Hohenems wurde stillgelegt. 2007 erwarb eine österreichische Investoren-Gruppe um die Cross Industries AG weltweite Markenrechte an Kästle von der Benetton Group. Kästle-Skier werden wieder in Österreich entwickelt und produziert. Der Sitz der Firma ist nun Wels.


Wagnerei Kneissl. Kneissl ist ein Hersteller von Ski- und Sport-Artikeln mit Hauptsitz in Kufstein wurde 1861 als Landwagnerei gegründet. Die Firma befindet sich seit 2012 im alleinigen Besitz einer Beteiligungsgesellschaft von Mohamed Bin Issa Al Jaber. Das Unternehmen produziert und vertreibt Ski samt Bekleidung und Accessoires sowie Tennisschläger und Fahrräder.

Die Firma Kneissl.  In den Jahren 1919 bis 1921 wurden die ersten Ski in Serie gefertigt. 1980 musste die Firma zum ersten Mal Konkurs anmelden. 2006 wurde die Produktion von Kufstein nach Tschechien verlagert.


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Dienstag, 16. Juni 2020

[ #Vorarlberg ] Notizen zu einer Geschichte des Kinos und der Filmzensur in Vorarlberg

Bild: Arbeiterzeitung 1.9.1926
Die ersten Kinovorstellungen in Vorarlberg fanden im Jahre 1907 statt. 

1910 wurde schließlich das erste ständige Kino eingerichtet: die Saalbau–Lichtspiele in Feldkirch. 1926 wurde trotz Zensurverbotes vom Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Ender der Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin verboten. Von 1955 bis 1989 waren es gar 341 Filme!

Geschichte des Kinos in Vorarlberg.
Eine fünfzigseitige PDF-Datei beschreibt die Geschichte des Kinos in Vorarlberg. Aufgrund familiärer Bindungen des Autors und der damit verbundenen Quellenverfügbarkeit wird besonders auf das Saalbaukino in Feldkirch eingegangen. Ebenso wird auf die Veränderung der Kinolandschaft hingewiesen.

Satellit und Internet gegen Vorarlberger Zensur. Zwischen 1955 und 1989 wurden 341 Filme per Verordnung in Vorarlberg verboten. Auf der Grundlage des Lichtspielgesetzes sollten die (erwachsenen!) Bürgerinnen und Bürger des Landes vor "entsittlichenden, verrohenden und das religiöse Empfinden verletzenden" Bildern bewahrt werden.  Satellitenempfang und Inernet machten dem Spuk - hinter dem vor allem die konsverative ÖVP mit dem seinerzeitigen Landeshauptmann Dr. Kessler stand - ein natürliches Ende.        
       
Austrofaschistische Tradition. Aber auch schon in der I. Republik wurde zensuriert, wie wohl seit Oktober 1918 jede Zensur in Österreich untersagt war. Getroffen hatte es den weltberühmten  Stummfilm des russischen Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925. Gesetzesbrecher war der Vorarlberger Landeshauptmann, der auch die austrofaschistische Verfassung (von Mussolini ab)geschrieben hatte:

" ... Jedenfalls reichte er dem Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Otto Ender aus, um den Film in seinem Bundesland verbieten zu lassen. Die sozialistische Arbeiter-Zeitung griff Otto Ender daraufhin in ihrer Berichterstattung an (27.6.1926). Dieses Vorgehen zeige wieder einmal, wie ungeniert die Christlichsozialen mit dem Gesetz umspringen. Es sei ja Enders Gepflogenheit Gesetze, die ihm nicht passen, einfach zu missachten. Die Arbeiter-Zeitung forderte den Verfassungsgerichtshof in dieser Frage anzurufen, da jede Form der Zensur in Österreich seit Oktober 1918 verboten sei. ... "


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Sonntag, 14. Juni 2020

[ #Schnifis ] Laurentius von Schnifis: Retrodigitalisat von dem in Hohenems erschienenen "Philotheus" ist online


Laurentius von Schifis  ist für den kleinen Ort Schnifis wichtig. Wein und Käse werden mit seinem Namen vermarktet. Der Kapuziner ziert seit 1970 auch das Wappen der Gemeinde. 

Vorarlberger Stationen: Schnifis - Feldkirch - Hohenems. Dabei begann das Leben des Johannes MARTIN (* 24. August 1633 in Schnifis in Vorarlberg; † 7. Januar 1702 in Konstanz) keineswegs so fromm. Geboren in einfachen Verhältnissen,  Sohn des Caspar Martin und der Maria Gom besuchte angeblich 1650/51 das Jesuitengymnasium in Feldkirch. Dies war in dem erst 1649 gegründeten Gymnasium wohl nur möglich, weil die Jesuiten kein Schulgeld verlangten. Im Jahre 1650 waren dort 124 Schüler in Ausbildung. Nicht unwahrscheinlich, dass dort bereits seine Leidenschaft für Theater und Literatur geweckt wurden. Immerhin wurden dort schon 1652 zwei Klassen für Literatur und Dichtkunst eingerichtet.

Fahrender Komödiant. Nach dem Schulbesuch war er jedenfalls bis 1658 als Wanderschauspieler im süddeutschen Raum unterwegs bis er an den Hof von Innsbruck zu einer Anstellung gelangte. dort arbeitete er angeblich als Hofschauspieler und wurde auch von Kaiser Leopold sein 1682 erschienenes "Mirantisches Flötlein" zum Poetas laureatus, zum Dichterkönig gekrönt. Mit dem Tod seines Gönners Erzherzog Ferdinand Karl scheint die Abkehr vom Hofleben zu beginnen und 1665 erfolgt sein Eintritt in den Kapuzinerorden. Schon zwei Jahre zuvor, 1663, war er  zum Priester geweiht worden. Sein erstes Priesteramt versah er in Hohenems.

In der gräflichen Hohenemser Herrschaft scheint Johannes Martin einen Förderer gefunden zu haben. Besonders der Gattin des Grafen wird großer Einfluss auf ihn nachgesagt. Die Nachwelt verdächtigt ihn aufgrund seiner Werke aber auch als Schwerenöter mit Frauen und so scheint sich sein Eintritt in das Priesterleben und das Kapuzinerkloster keineswegs nur als Sieg der Frömmigkeit über die Laster des fahrenden Komödianten darzustellen. Mit dem Eintritt von Johannes Martin (von Schnüfis) in das Kapuzinerkloster wird aus ihm der Laurentius von Schnifis, als der er uns durch eine montane Landesgeschichtsschreibung und in Schnifis als Käse in Erinnerung ist.

Annemarie Bösch-Niederer führt dazu in ihrem Beitzrag über die Tanzlust in früheren Zeiten (Verba volant Nr. 7/2008) aus:
Der Kapuzinermönch Laurentius von Schnifis zählt zu den führenden Liedmeistern des süddeutschen Barock. In seinen Gedichtbänden geht er kritisch auf die Auswüchse des barocken Lebensstils ein und stellt diese in Kontrast zur himmlischen Harmonie. Diese literarischen Werke sind nicht nur wegen der beigegebenen Melodien für die Musikwissenschaft von Interesse, siel liefern auch Details zum Musikleben der Zeit. Obwohl Laurentius seinen Liedern zum Teil Tanzmelodien unterlegt, verurteilt er den Tanz. So wettert er unter anderem in seinem IX. Lied des Mirantischen Flötlein 1682: 
„Man tanzt und springt
Biß an den Morgen
Man scherzt/lacht und singt
Ohn alle Todessorgen:
Man schwimmt nach der Areta-Lehr/
Biß an den Hals im Nectar-Meer/
Drauf fahren die Gesellen/
Ach laider! Scharen-dick/
Hinab zur Höllen.“
Embser Druckerei Schwendimann. In Hohenems erscheint bereits 1665 in der gräflichen Embser Druckerei Schwendimann  - wohl nicht ohne Unterstützung des Grafenhauses und Ausfluß seiner Priestertätigkeit in Hohenems - sein Schäferroman Philoteus. Der Roman wird in den Vorarlberger Bezugnahmen auf Laurentius, die ihn immer nur als Vorarlberger "Quasiheiligen" darstellen, kaum oder gar nicht erwähnt, wiewohl er auch Zeugnis früher Vorarlberger Drucktätigkeit und einer Zuwendung der Literatur an breitere Bevölkerungsschichten zum Ausdruck bringt. Er ist wohl auch eine der ersten Quellen seines Buchstabenverwirrspieles: Aus MARTIN wird MIRANT (Vgl."Mirantisches Flötlein"). Auch wenn er mit dem Eintritt in den Orden der Kapuziner seine Veröffentlichungen mit Laurentius zeichnen sollte, seine Urheberschaft wollte er nicht in einem anonymisierten Ordensnamen untergehen lassen und so benennen sich seine Schriften regelmäßig als "MIRANTische".




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[ #Vorarlberg ] Jugendprotest und kultureller Aufbruch in Vorarlberg nach 1970


[Free eBook] Der Vorarlberger Politologe Karl Schall veröffentlichte ein Buch zu diesem wichtigen zeitgeschichtlichen Thema, das kostenlos zum Download zur Verfügung steht. 

1971: Das Jugendfestifal "Flint" wird zu
Grabe getragen. © Landesarchiv
Das "Pop-Blues-Folk-Lyrik-Film-Festival Flint", Vorarlbergs erstes Open Air Festival, das 1970 auf dem Gelände der Neuburg bei Götzis über die Bühne ging und ein Jahr später verboten wurde, war der Startschuss für einen kulturellen Aufbruch im Land, das selbst konservativen Beobachtern bis dahin demokratie- und kulturpolitisch eher einer Demokratur glich, wie Vorarlbergs erster Nachkriegslandeshauptmann Ulrich Ilg in seinen Lebenserinnerungen zustimmend vermerkt, als einer Demokratie westeuropäischer Prägung.

Naturschutz gegen Flint. Vorbild für Flint war das Open-Air-Festival in Woodstock. Am 4. Juli 1970 fand das erste Festival dieser Art in Vorarlberg, Flint I, auf der Neuburg statt. Rund 1.000 Jugendliche hörten die Gruppen "The Gamblers" (mit Walter Batruel, Martin Hämmerle, Dieter Kycia und Hermann Schartner), "The Wanted" (Rolf Aberer, Reinhold Bilgeri, Reinhard Woldrich, Benny Gleeson, Mandi Marte), "Venus observed" (Band der Stella Matutina), "Game" (Bludenz) und "James Cook Formation" (Lindau). Michael Köhlmeier sang selbstverfasste Protestsongs sowie Lieder von Degenhardt und Brecht. Außerdem wurden Texte von Bertolt Brecht, Wolf Biermann, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Thomas Bernhard, Julian Beck und Allen Ginsberg rezitiert. Nach dem Erfolg von Flint I sollte nun das zweite Flint-Festival auf der Neuburg noch größer und besser organisiert werden. Jedoch wurde wenige Tage vor dem geplanten Beginn das Gebiet der Neuburg durch die Landesregierung unter Naturschutz gestellt.


Zensurpolitik. Kennzeichnend für die Nachkriegsperiode bis 1970 war eine strenge Verbots- und Zensurpolitik im kulturellen Bereich. Verboten wurde die Aufführung von Theaterstücken und Filmen, das Tragen von Bikinis und 1962 sogar das Twist-Tanzen. Das Flint-Verbot 1971 markierte dann einen Wendepunkt und einen Bruch mit dem herrschenden politischen Katholizismus, der vor allem im Jugend- und Kulturbereich prägend war. Denn der Unmut vieler Jugendlicher über diese Maßnahmen stachelte ihren Widerstandsgeist an, der unter anderem in der Bewegung für offene Jugendhäuser manifest wurde.

Die "Gruppe Vorarlberger Kulturproduzenten" war es, die diesem Widerstandsgeist einen intellektuellen, künstlerischen und kulturpolitischen Ausdruck gab. Sie initiierte von 1972 bis 1976 die "Randspiele", ein spartenübergreifendes Kulturfestival, das erstmals in Vorarlberg zeitgenössische Kunst einem breiten Publikum zugänglich machte. Mit den "Randspielen und ihrem "Programm der Weltoffenheit" wurde, wie es der ehemalige Vorarlberger Kulturlandesrat Guntram Lins formulierte, "ein wesentlicher, neuer Abschnitt begründet" - ein Abschnitt, der Vorarlberg kulturell, aber auch demokratie- und gesellschaftspolitisch in die Moderne beförderte.

Der Politologe Karl Schall veröffentlicht ein Buch zu diesem wichtigen zeitgeschichtlichen Thema. Die Kultur ist politisch geworden, sagt er, und zwar in einer Zeit, die geprägt war von Verboten und Zensurmaßnahmen. Das Jugendschutzgesetz der 70er-Jahre war praktisch die Fortschreibung der NS-Polizeiverordnung aus dem Jahre 1942, so Schall. Es gab einen sehr großen Verbotskatalog vor allem im Freizeit- und Veranstaltungssektur, beispielsweise die Zensur von Filmen oder das Verbot des Twist-Tanzes.

Verlagsinformation. Karl Schall: Feuersteine. Jugendprotest und kultureller Aufbruch in Vorarlberg nach 1970 - 2007, 200 Seiten, kt., 34 Abb., ISBN 978-3-900754-31-0, € 20.--. Kostenloser (durchsuchbarer) Download als PDF bei der Johann-August-Malin-Gesellschaft

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche Online-Stellung ist ein Teil dieser Tätigkeit.


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Inhalt zur schnellen Vororientierung vor dem Download:

1. Einleitende Bemerkungen 7
1.1. Fragestellung und zentrale Thesen 8
2. Vorgeschichte: Nachkriegszeit und kultureller Stillstand 11
2.1. Kontinuität und Führungseliten in Vorarlberg 11
2.2 's ischt und blibt subr's Lländle - Zensur und kulturelle Repression in Vorarlberg nach 1945 17
2.2.1. Beispiel Theaterzensur 18
2.2.2. Beispiel Twistverbot 19
2.2.3. Beispiel Badebekleidung und Printmedien 22
2.2.4. Beispiel Filmverbote 22
2.2.5. Lange Haare, kurzer Verstand und g'sunde Watschen 28
3. Jugendkultur im Aufbruch 31
3.1. "Flint": die Geburt des jugendlichen Widerstands in Vorarlberg 31
3.1.1. Flint 1 - kultureller Aufbruch der Vorarlberger Jugend 32
3.1.2. Flint 2 - die Erfindung des Naturschutzes in Vorarlberg 38
3.1.3. Medienecho und Kommentare zum Flint-Verbot 42
3.1.4. Die Beerdingung 47
3.2. Die Jugendhausbewegung in Dornbirn 50
3.2.1. Aller Anfang war WG - Wohngemenschaft als erster Schritt zur Selbstbestimmung 51
3.2.2. Der zähe Kampf ums offene Dornbirner Jugendhaus 53
3.2.3. Dornbirn - "Klein Zürich"? 60
3.2.4. Offenes Haus - Ende und Aus 65
3.2.5. Weitere Entwicklung und politische Relevanz der Jugendhaus-Bewegung 66
3.3. Die Jugendhaus-Bewegung in Bregenz 67
3.3.1. Zündende Idee - der Verein "Zündschnur" 68
3.3.2. Startprobleme 71
3.3.3. Politisch motivierte Initiativen um Bregenter Jugendzentrum - Frauen- und Friedensgruppen 79
3.3.4. Weitere Entwicklung - vom "Juz" zum Jugendhaus "Between" 85
3.3.5. Resümee 89
4. Initiativen an der Schnittstelle von Kultur und Politik 91
4.1. Randspiele 91
4.1.1. Die Vorarlberger Kulturproduzenten und ihre Entstehung aus dem Geist des literarischen Bewusstseins 91
4.1.2. Vorgschichte und Voraussetzungen 94
4.1.3. Prolog: Subventionsverhandlungen und Terminstreit 99
4.1.4. Erster Akt: Randspiele 1972 101
4.1.5. Zweiter Akt: Randspiele 1973 im Zeichen der Expansion 103
4.1.6. Dritter Akt: Randspiele 1974 oder die Vortsetzung der "schöpferischen Unruhe" 107
4.1.7. Epilog: Der Konflikt, das Ende und die Folgen 111
4.2. Wäldertage 117
4.2.1. Vorgeschichte 118
4.2.2. Wäldertage 1973 120
4.2.3. Wäldertage 1974 124
4.2.4. Wäldertage 1975 126
4.2.5. Wäldertage 1976 129
4.2.6. Wäldertage 1977 131
4.2.7. Ende und Bilanz der Wäldertage 133
4.2.8. Nachwirkungen und Gegenwartsbezüge 138
4.3. Spielboden 140
4.3.1. Der Spielboden als alternativer "Kulturverdichter" 140
4.3.2. "Wecken und Animieren" 144
4.3.3. Kulturkampf mit der Dornbirner Stadtverwaltung 146
4.3.4. Strukturelle Probleme und ihre Bewältigung 153
5. Abschließende Bemerkungen 157
6. Anmerkungen 162
7. Quellen 183
7.1. Archivalien, kleine Schriften, Manuskripte 183
7.2. Intervews und schriftliche Mitteilungen 186
7.3. Literatur 187
7.4. Bildquellen 192
8. Register 194
8.1. Personen 194
8.2. Orte 199
9. Abkürzungen 200

Samstag, 13. Juni 2020

[ #Bodensee ] Die Bodenseeforelle - Artenschutzprojekt


Der Alpenrhein ist ein wichtiger Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.


Die Seeforelle gilt als stark gefährdet und steht auf der roten Liste. 2011 wählte der Schweizerische Fischereiverband sie zum Fisch des Jahres, um auf die akute Gefährdung und die grosse und traditionelle Bedeutung der Seeforelle für die Fischerei hinzuweisen. Bisher wurde ein Grossteil der Seeforellen in den Brutanstalten der Bodensee-Uferstaaten erbrütet und in die Zuflüsse ausgesetzt. Ähnlich wie der Lachs kehrt auch die Seeforelle zum Laichen in ihre "alte Heimat" zurück. Ziel dieser Bemühungen ist letztlich, einen sich selbst reproduzierenden Seeforellenbestand zu fördern. Dabei geht es nicht nur um fischereiwirtschaftliche Belange, sondern auch um Erhaltung und Förderung der Biodiversität.

Zerstückelung der Fließgewässer. Seeforellen sind als Wanderfische von jeher besonders den menschlichen Einwirkungen ausgesetzt. Ob im Bodensee oder in den seinen Zuflüssen: Die Zerstückelung der Fließgewässer und stoffliche Einträge in die Gewässer bedrohen die verschiedenen Lebensräume der bis heute stark gefährdeten Fischart. Bis in die 1950er Jahre betrug der Ertrag von Seeforellen im Bodensee im Mittel rund 11.000 Kilogramm pro Jahr. Trotz massiver Besatzmaßnahmen in den See sanken danach die Erträge bis auf einen Tiefstand von nur noch 1556 Kilogramm im Jahr 1985.

In der Zwischenzeit erfolgte zwar wieder eine Erholung der Bestände, doch blieben einige Fragen noch ungeklärt. Der Alpenrhein bildet nebst der Bregenzerach, der Argen und der Goldach den wichtigsten Bodenseezufluss, welcher von der Seeforelle als Laichhabitat selber oder aber als "Wasserstrasse" zu den Laichgründen in anderen Nebengewässern genutzt wird. Auch wenn beim Kraftwerk Reichenau eine "Aufstiegshilfe" für die Seeforelle  geschaffen worden war, so stehen weitere sichernde Maßnahmen noch aus. Denn die natürliche Fortpflanzung der Seeforelle ist damit noch nicht gewährleistet. Durch den Schwallbetrieb der Kraftwerke und die damit verbundene hohe Trübung erhalten Fischeier im verstopften Schotter-Lückenraum zu wenig Sauerstoff, werden bei den täglichen Schwallspitzen mechanisch geschädigt und Jungfische fallen beim Schwallrückgang trocken.

Artenschutzprojekt für die Bodenseeforelle. I m Rahmen des Interreg IV-Programms "Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein" startete ein Artenschutzprojekt für die Seeforelle im Bodensee und seinen Zuflüssen. Partner des Projekteswaren  die Mitgliedsstaaten der IBKF: die Schweizerische Eidgenossenschaft, mit den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Graubünden, das Fürstentum Lichtenstein, das Land Vorarlberg, der Freistaat Bayern und das Land Baden-Württemberg.

Primäres Ziel dieses Projektes war die Sicherung und Erhöhung des Bestandes der im Bodensee und in seinen Zuflüssen heimischen Seeforelle. Hierzu wurde zuerst untersucht, inwiefern neben dem bereits bekannten Aufstieg der Seeforelle in den Vorder- und Hinterrhein, auch in andere Zuflüsse des Bodensees (z.B. Bregenzer Ach, Laiblach, Argen, Rotach oder Schussen) sowie in den Nebenflüssen des Alpenrheins geeignete Laichgründe vorhanden sind.

Außerdem wurden diese Laichgründe registriert und kartiert, sowie die Fortpflanzungserfolge und die Überlebensraten in den ersten Lebensmonaten überprüft. Damit wurde versucht ein sich selbst reproduzierender Seeforellenbestand zu fördern und zu etablieren, der auch eine fischereiwirtschaftliche Nutzung erlaubt.

Ein Hauptaugenmerk galt daher der erfolgreichen Reproduktion dieser Fischart in den Bodenseezuflüssen Bregenzer Ach, Laiblach, Argen oder auf Schweizer Seite in der Goldach. Hier sollte das Modellprojekt gesicherte Antworten liefern.


Lesestoff. Im Internet gibt es drei gute PDF-Dokumentationen, welche in die Problematik einführen können:

1. Die erste "Die Seeforelle im Bodensee und seinen Zuflüssen: Biologie und Management" aus dem Jahre 2005 zeichnet sich durch eine umfassende Darstellung der Problematik, einschließlich historischer Quellenarbeit bis in die Frühneuzeit aus. So wird dort von Klagen der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg gegen die Herrschaft Feldkrich wegen des Ausfalls der Seeforellenwanderung durch die Errichtung eines Wehrs in der Felsenau im Jahre 1566 berichtet. Ein Beleg dafür, dass einst die Laichwanderung der Seeforelle auch Bludenz erreicht haben musste.

2.  Die zweite Arbeit behandelt die "Laichwanderung der Seeforelle im Alpenrhein" und ist eine Deplomarbeit aus dem Jahre 2007. Hier wurden Seeforellen mit Radiosendern ausgestattet und ihre Wanderung verfolgt. diese Arbeit kommt also der augenblicklichen Untersuchungsabsicht entgegen.

3. Das dritte Dokument berichtet vom "Fischweg KW Reichenau am Alpenrhein (als)
Schlüsselfunktion für die Bodensee-Seeforelle". Beim Kraftwerk Reichenau am Alpenrhein ist eine aufwändige Fischpassanlage 2000 in Betrieb gegangen. Nach einer Unterbrechung von 38 Jahren können nun die Bodensee-Seeforellen wieder vom Bodensee zu den ursprünglichen Laichplätzen im Vorder- und Hinterrhein aufsteigen.


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Montag, 8. Juni 2020

[ #Schoppernau ] Franz Michael Felder - Gespräche des Lehrers Magerhuber


Im Dezember 1866 schließt Felder die "Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michel, aufgezeichnet von Franz Michael Felder" ab. 

Der Text ist als Parteischrift geplant, erscheint aber aus politischen Gründen nicht. Insbesondere die Kapuziner stellten sich in den Dienst der "frommen Sache", warnten öffentlich vor Felders Schriften und übten solange Druck auf die Frau Josef Feuersteins aus, bis dieser den Druck von Felders neuestem Werk "Gespräche des Lehrers Magerhuber mit seinem Vetter Michel" einstellte.

"Der Konflikt eskalierte soweit, dass Felder sogar tätlich angegriffen wurde. Pfarrer Rüscher war nicht zum Einlenken bereit und verbreitete weitere Lügen über den Dichter und Sozialreformer. Am 7. Mai 1867 musste Felder schließlich mit seiner Frau aus Schoppernau über das Faschinajoch nach Bludenz zu seinem Schwager Kaspar Moosbrugger fliehen. Daraufhin bekannte sich Moosbrugger öffentlich zu seiner Schrift und bat "alle Eiferer", ihn "zu packen" und "dem bisher wild verfolgten Dichter Satisfaction zu leisten".

Noch im Mai zeigte Felder Pfarrer Rüscher wegen Ehrenbeleidigung und Bedrohung der persönlichen Sicherheit an und kehrte dann – nachdem die Behörden seine persönliche Sicherheit garantiert hatten – nach Schoppernau zurück. Von Au bis nach Schoppernau wurde er von der Auer Blasmusik begleitet."

(Aus Harald Walser: "Lieber mit Hindernissen Jahre kämpfen und dann..." Reformansätze im Bregenzerwald zur Zeit Franz Michael Felders (1839-1869) Erschienen in: Die Roten am Land. Arbeitsleben und Arbeiterbewegung im westlichen Österreich. Hrsg. von Kurt Greussing. Steyr: Museum Industrielle Arbeitswelt 1989, S. 13-17.)

Das Werk steht heute allerdings als Volltext kostenlos online.


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[ #Vorarlberg ] Minë Schmelg - Sprechender Dialekt-Atlas des Alpenraums online


Das Elsbethner "Dirndl", die Pinzgau "Mötzn", die Südtiroler "Gitsche" und die Bregenzerwälder "Schmelg". Für all diese Dialektausdrücke aus dem Alpenraum gibt es im Hochdeutschen einen einzigen Begriff: Mädchen. Das ist nur ein Beispiel aus dem neuen Dialektatlas, der die Vielfalt der deutschsprachigen Arge-Alp-Länder dokumentiert und im Internet anzuhören ist.

Alemannischen und Bairisch. Dialekte sind Sprachen mit je spezifischer räumlicher Geltung bzw. Gebundenheit. Wenn wir von der kleinsten Einheit – dem Ortsdialekt – ausgehen, können wir beim Vergleich verschiedener Ortsdialekte feststellen, dass es jeweils nur eine wenige charakteristische Merkmale sind, die diese Dialekte voneinander trennen. Die weitaus überwiegende Mehrzahl ihrer sprachlichen Eigenschaften sind dagegen gleich. Dies berechtigt uns, neben den sehr kleinräumig gebundenen Ortsdialekten (z.B. dem Dialekt von Schlanders oder Hittisau) auch etwas großräumigere Dialektgebiete abzugrenzen (z.B. die Dialekte des Südtiroler Vinschgaues oder des Bregenzer Waldes). Auch solche weiter gefassten Sprachräume lassen sich wiederum zu größeren Einheiten zusammenfassen – wobei mit zunehmender Generalisierung natürlich die Anzahl der gemeinsamen Merkmale aller Einzeldialekte immer kleiner wird. Dieses Verfahren führt schließlich zur Konstituierung zweier großer süddeutscher Dialektverbände, dem Alemannischen und dem Bairischen.

Beide Dialektverbände weisen in sich jeweils eine charakteristische Nord-Süd-Gliederung auf, die im Wesentlichen auf den Gegensatz zwischen der Verkehrsoffenheit des nördlichen voralpinen Raums und der Abgeschiedenheit des inneralpinen Raums zurückzuführen ist: Während die verkehrsabgeschiedenen südlichen Dialekte sehr sprachkonservative, altertümliche Eigenschaften bewahrt haben, zeichnen sich die weiter nördlich liegenden Dialektgebiete durch eine Reihe von sprachlichen Neuerungen seit dem Mittelalter aus.

Das Alemannische. Dafür werden die Dialekte zwischen dem Bodensee und Graubünden in zwei größere Gruppen unterteilt – dem „Bodensee-Alemannischen“ und dem „Südalemannischen“. Daran schließen sich im südlichen Graubünden (Beispielorte Vals, Davos) auch Gebiete mit höchstalemannischen Merkmalen an. Eine höchstalemannische Sprachinsel findet sich ebenfalls noch im vorarlbergischen Großen Walsertal (vgl. Fontanella). Merkmale dieses Höchstalemannischen sind etwa die Veränderung des s-Lautes zu sch wie in sie → schi und der Erhalt des alten Langvokals î in Wörtern wie mhd. snîwen ‚schneien‘ →schniie (gegenüber schneie der angrenzenden alemannischen Dialekte).

User. Per Mausklick kann sich der Nutzer die unterschiedlichen Dialektausdrücke, Sprechweisen oder Satzkonstruktionen je nach Region anhören und vergleichen. An etwa 100 Beispielwörtern und -sätzen sind kulturelle Identitäten und Unterschiede nachzubuchstabieren. Dazu gesellen sich 54 verschiedene Aussprachen: doppelt so viel an der Zahl wie die inspizierten Orte. Dies deshalb, weil sich die Mundart je nach Generation verändert. Dies dokumentieren die Vergleiche zwischen älteren und jüngeren Sprechern. Dabei zeigt sich, dass die kleinräumigen Formen des Dialektes tendenziell verschwinden und sich größeren Regionen anpassen. Ergänzt wird die Homepage mit Hintergrundinformation zu den einzelnen Mundarträumen und sprachlichen Grenzziehungen sowie durch ein Dialekt-Quiz.


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Sonntag, 31. Mai 2020

[ #Bregenzerwald ] Vorarlberger Flysch - Ein Stück Afrika in Vorarlberg

Skizze aus dem Feldtagebuch von Michael Vacek (1848-1925), die er anlässlich seiner Begehungen der Glarner Alpen in den Jahren 1880 und 1881 angefertigt hatte.
© Geologische Bundesanstalt (GBA) - Fachabteilung Zentralarchiv

Der Aufsatz von Michael Vacek (28.9.1848 - 6.2.1925) "Ueber vorarlberger Kreide" aus dem Jahre 1879 steht als PDF online.

Die Kreidezeit (vor etwa 140 - 65 Mio. Jahren) markiert die Entstehung der Alpen. Es ist der Beginn des Nordwärtsdrängens der Afrikanischen Platte Richtung der Eurasischen Platte und der Einengung des Tethysmeeres. In mehreren Schüben werden unterschiedliche Schichten durch den Druck der Platten übereinander geschoben, Faltungen und Deckenüberschiebungen entstehen während die Meeressedimente aus dem Wasser herausgehoben werden.

Vorarlberger Flysch - Ein Stück Afrika im Bregenzerwald. Die Flyschzone gehört zur penninischen Zone der Alpen. Das Penninikum ist eine der geologischen Haupteinheiten der Alpen. Seine Gesteine gehörten zum größeren Teil dem Ablagerungsraum der Tethys an, dessen Nordwestzipfel im Jura  zwischen der europäischen Kontinentalkruste und der zum afrikanischen Kontinent gerechneten Apulischen Kontinentalplatte lag. Bei der Alpenfaltung wurden die Gesteine des Penninikums zusammen geschoben und weit nach Norden und Westen auf den europäischen Kontinentalrand überschoben. Die penninische Flyschzone zieht sich als schmaler Saum vom Wienerwald über Niederösterreich, Oberösterreich Salzburg und Bayern bis nach Vorarlberg. Die Flyschzone ist an ihrem Westende ihres hauptsächlichen Verbreitungsgebiets am meisten ausgeprägt und bildet dort den Bregenzerwald.

Die Alpen entstehen. Während der Kreidezeit trennte der sogenannte Penninische Ozean Afrika im Süden (zu der auch die Austroalpine Mikroplatte gehörte) von Europa im Norden. Ab der höheren Kreidezeit wurde die Afrikanische Kontinentalplatte nach Norden verschoben und engte das Ozeanbecken Schritt für Schritt ein. Die Gesteine der beiden Küsten und am Beckenboden wurden verfaltet, deckenartig übereinandergeschoben und damit der grandiose Gebirgszug der Alpen aufgerichtet.

Entstanden ist der Flysch in der Kreidezeit aus dem den bereits aufsteigenden Alpen vorgelagerten Meeresbecken. Hauptsächliche Bestandteile sind Mergel, Tonschiefer und Sandstein. In dieser Gegend gibt es wegen der Beschaffenheit des Bodens Probleme mit häufig vorkommenden Rutschungen, daher rührt auch der Name der Zone (schwyzerdütsch „flyschen“ heißt „fließen“).

Flysch kommt während und unmittelbar vor gebirgsbildenden Prozessen zur Ablagerung und ist also das erodierte Material der sich bildenden Gebirgskette. Der Großteil der Sedimentgesteine der Alpen wurden an den Küsten und am Boden von ehemligen Ozeanen abgelagert. So auch das Flysch-Gestein.

Michael Vacek (28.9.1848 - 6.2.1925). Michael Vacek - der spätere Vizedirektors der k. k. Geologischen Reichsanstalt - gehörte jenem noch kleinen Kreise von Geologen an, die um 1870 vor die Aufgabe gestellt wurden, große nur in flüchtigen Umrissen bekannte Gebiete in weit genauerer Weise zu untersuchen und auf Grundlage der damals erst neu geschaffenen Spezialkarte 1:75.000 kartographisch darzustellen. Der Erkundung standen keine Satelliten zur Verfügung, vielmehr musste der Wissenschafter die geologischen Verhältnisse selber zu Fuß "erwandern". 

Im April des Jahres 1875 wurde Vacek als Assistent für das Museum der k. k. Geologischen Reichsanstalt angestellt. Schon als Musealassistent hat er sich mit den geologischen und tektonischen Verhältnissen in der Umgebung von Hohenems beschäftigt und hierüber schon in den "Verhandlungen 1875", also im Jahre seiner Anstellung an der Reichsanstalt, berichtet. Die Studien in der Vorarlberger Kreide wurden im nächsten Sommer zum Abschluß gebracht.

Vaceks Dienst als Musealassistent war aber nur von kurzer Dauer, da er schon im Jahre 1875 mit der Aufsammlung von Fossilresten in Vorarlberg betraut wurde, dort ihm alsbald auch geologischen Studien oblagen und schon im nächsten Jahre zu den Feldaufnahmen herangezogen wurde.

Er dehnte seine und seiner Kollegen Arbeit über immer weitere Räume aus und konnte so einen großen Teil der österreichischen Alpen per pedes kennenlernen. Vom Bodensee bis an den Rand der pannonischen Ebene, vom Gardasee bis an die Vorarlberger Flyschzone hat er kartiert und alle hier vertretenen Formationen bearbeitet.

Im Jahre 1900 setzte die Neuaufnahme von Vorarlberg ein, und zwar zunächst im südlichen kristallinischen Anteil, nämlich in der Silvrettagruppe. In den Jahren 1900 bis 1915 sehen wir ihn fortwährend mit Vorarlberger Gebiet befasst. Und zwar 1904 mit der Davennagruppe, 1905 mit dem Großen Walsertal bis zur Flyschgrenze, 1906 mit dem Rhätikon, 1907 mit Liechtenstein, 1908 mit der Südseite des Rhätikons und der Scesaplana, 1909 mit der Falknißgruppe, dem Fläscherberg und dem Prättigau, 1910 mit der Gegend von Feldkirch und Hohenems, 1911 mit dem Kreidegebiet im Norden, 1912 mit der Flysch- und Molassezone, 1913 mit dem Kleinen Walsertal und 1914 mit dem Abschluß der Vorarlberger Aufnahmen.

Beinahe wäre er in Vorarlberg auch verunglückt: Noch im Kriegsjahre 1916 unternahm der schon betagte Geologe einige Revisionen an der Scesaplana und an der Valluga im Arlberggebiet, wo ihm infolge Abgleitens auf einem Schneefeld fast ein schwerer Unfall zugestoßen wäre.


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