Dienstag, 17. Mai 2022

[ #Vorarlberg ] Ludwig von Hörmann: Wanderungen in Vorarlberg, 1895, online


Ein Retrodigitalisat der "Wanderungen in Vorarlberg" aus dem Jahre 1895 steht auf internet.archive online.

Ludwig von Hörmann (*12.10.1837 in Feldkirch; †14.02.1924 in Innsbruck) besuchte das Gymnasium in Feldkirch und dann in Innsbruck und studierte klassische Philologie an der Universität Innsbruck (Dr. phil. 1864). 1863-1864 Supplent am Gymnasium in Innsbruck. Seit 1865 war er mit Angelika (eigentl. Emilie) Geiger verheiratet.

Er trat 1866 in den Bibliotheksdienst ein und wandte sich der damals noch in den Anfängen steckenden Volkskunde zu. 1872 ging er als Bibliotheksbeamter nach Klagenfurt, 1873 nach Graz.  1877 wurde er zunächst Kustos an der Innsbrucker Universitätsbibliothek und war von 1882-1902 deren Direktor. Als Forscher und Schriftsteller gleich bedeutend, warben seine Landschaftsschilderungen für Tirol und Vorarlberg.

Aus dem Inhalt:
  • Im Alemannengau
  • Bregenz
  • Der Bregenzerwald
  • Das Rheintahal
  • Feldkirch
  • Ins Gamperdonathal
  • Im innern Walgau
  • Bludenz
  • Montavon
  • Ins Brandnerthal
  • Im Walserthal
  • Über die Zürscher-Alpe nach Lech und Schröcken
  • Über Sibratsgfäll ins kleine Walserthal

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Donnerstag, 12. Mai 2022

[ #Nenzing ] Frühneuzeitlicher Bergbau im Nenzinger Himmel


Der Raum von Tirol, Südtirol, Salzburg und Vorarlberg zählte einst zu den bedeutendsten Bergbauregionen Europas. Schon während der Bronzezeit und Eisenzeit erreichte der Bergbau in diesen Gebieten einen bemerkenswerten Höhepunkt.

Bartholomäberg. Dieses Gebiet gehört zu den ältesten urkundlich erwähnten Bergbaugebieten im Alpenraum. Die ältesten noch erhaltenen Urkunden stammen aus der Zeit Ludwigs des Frommen aus den Jahren 814 und 820 n. Chr. Neben einer Vielzahl von teils neu entdeckten Dokumenten spielt auch das churrätische Reichsurbar, das bischöfliche Einkünfteverzeichnis aus dem Jahre 842 n. Chr. eine bedeutende Rolle. Darin wird erstmals direkt auf den Eisenerzabbau hingewiesen. Um 1550 nimmt die Bergbautätigkeit im Montafon dramatisch ab. Die Konkurrenz ertragreicherer Bergwerke brachten den heimischen Bergbau kurz nach 1600 weitgehend zum Erliegen.

Sonnenberg. Wie im Montafon kam im Spätmittelalter und in der frühesten Neuzeit auch in der Herrschaft Sonnenberg, die sich vom Arlberg bis vor die Tore Feldkirchs erstreckte, dem Bergbau hohe Bedeutung zu. Streitigkeiten um entsprechende Rechte an der Grenze zu Tirol und im Klostertal trugen nicht zuletzt dazu bei, dass das Territorium 1474 an Österreich fiel. Die Grafen von Sonnenberg gerieten mit Herzog Sigismund dem Münzreichen von Tirol wegen Hoheitsrechten im Bergbau am Arlberg und Christberg in Streit. Im Frühjahr 1473 belagerten Habsburger Söldner das Schloss Sonnenberg, eroberten und verbrannten es. So wurde die Burg zerstört und seither nicht wieder aufgebaut. 1474 verzichteten die Grafen Sonnenberg auf ihr Land zugunsten der Habsburger.

Gamperdonatal. Es gibt eine Reihe von Dokumenten, Quellen und Flurnamen, welche auch auf den Erzabbau im Gebiet rund um Nenzing verweisen. Der „Eisenberg“ von Bürs ist bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1355 bezeugt. Unweit davon wurde auch auf dem heutigen Gemeindegebiet von Nenzing Bergbau betrieben.

Dr. Manfred Tschaikner vom Vorarlberger Landesarchiv hat im Tiroler Landesarchiv besondere Urkunden über den Nenzinger Himmel aufgestöbert. Darin heißt es nämlich, dass im Mittelalter dort Eisenerzabbau getätigt wurde und dass dies im Jahr 1577 wieder aufgenommen werden sollte. Dass im Galinatal früher Eisenerz gewonnen wurde, ist in der Literatur bekannt, für Gamperdond ist dies aber tatsächlich neu. Einen längeren Artikel über diese beiden Nenzinger Bergwerke veröffentlicht Dr. Tschaikner in den Bludenzer Geschichtsblätter (Download siehe unten).

Der „ganng eines eysen ärzts in der Nennzinger albm im Gamperthan“. Bei der von Erzherzog Ferdinand unterschriebenen Urkunde von 1577 verleiht er die Schürfrechte in der Herrschaft Sonnenberg an die beiden Bludenzer Hans Sepp und Lukas Felix und einer Gruppe von Mitinteressierten. Dabei kommt eben auch der „ganng eines eysen ärzts in der Nennzinger albm im  Gamperthan“ zur Sprache, das wieder aufgenommen werden solle. Wann hier Abbau betrieben wurde, lässt sich nicht mehr sagen, gehörte doch das Alpgebiet von Gamperdond ab der Schafbrücke bis 1515 zur Herrschaft Vaduz. Das gewonnene Eisen wurde daher über das Bettlerjoch und Steg/Malbun nach Vaduz gebracht. Wir finden auch keine Hinweise auf Erzabbau hier in den mündlichen Erzählungen der Nenzinger Bevölkerung wie bei den Sagen im Galinatal. Bei dieser Urkunde von 1577 finden wir jedenfalls den Zusatz, dass dort „in anngen jarn her nit gearbait noch vil weniger belehnet worden sei.

Univ.–Doz. Dr. Mag. Manfred Tschaikner.   Manfred Tschaikner wurde 1957 in Bludenz geboren und wuchs in Feldkirch und Dornbirn auf. Er maturierte 1975 am Bundesgymnasium Dornbirn und begann nach dem einjährig-freiwilligen Präsenzdienst 1976 an der Universität Innsbruck Germanistik und Geschichte zu studieren. Nach der Sponsion und Lehramtsprüfung 1982 unterrichtete er in Innsbruck und von 1983 bis 2002 als begeisterter Pädagoge am Bundesgymnasium Bludenz. Er zählte zu jenen Mittelschullehrern, die sich neben dem Lehramt auch um die F

orschung bemühten. Aufgrund einer Dissertation über die Hexenverfolgung in Vorarlberg wurde der Historiker 1992 von der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert. Inzwischen hat Tschaikner mehrere Bücher und wohl über 200 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. 2002 wechselte er ins Vorarlberger Landesarchiv nach Bregenz, wo er sehr engagiert und erfolgreich die Abteilung "Historisches Archiv" leitet. 2008 wurde ihm die Lehrbefugnis für das Fach Österreichische Geschichte an der Universität Wien erteilt. Sein Forschungsschwerpunkt bildet neben der allgemeinen Regionalgeschichte das frühneuzeitliche Hexenwesen Westösterreichs, Liechtensteins und der Ostschweiz, wo er international als Kapazität geachtet wird.


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[ #Vorarlberg ] Vorarlbergs Geologie

Wertvolle Erläuterungen zur Geologischen Karte von Vorarlberg als kostenfreies eBook.

Die Geologie Vorarlbergs ist mehr als nur die Geologie eines Bundeslandes. Geologie hat hier etwas ganz Besonderes, etwas „Verbindendes“, denn in Vorarlberg treffen die Westalpen auf die Ostalpen oder, geologisch gesprochen, sie tauchen hier tektonisch unter die Ostalpen ab. So bilden die Formationen der Molassezone in Vorarlberg steile Berge, während die altersgleichen Ablagerungen im Osten flache Ebenen füllen. Auch die tektonische Einheit des Helvetikums, des einstigen Kontinentalschelfs des „Alten Europa“, ist nirgendwo in Österreich so gut entwickelt und prächtig aufgeschlossen wie in Vorarlberg.

Bindeglied zwischen Ost- und Westalpen. Viele weitere Beispiele zeigen, dass Vorarlberg ein Lehrbuch der Geologie ist, das viele Kapitel enthält, die für das Verständnis des Alpenbogens zwischen Wien und Nizza von grundlegender Bedeutung sind. Vorarlberg ist damit nicht nur Bindeglied zwischen Ost- und Westalpen, sondern auch eine Schlüsselstelle.

Entdeckungsreise. Wer sich auf Spurensuche begibt, wird hier reich belohnt werden. Das Rezept ist einfach: Offenen Auges durch die Natur zu wandern und den Blick den Steinen zuzuwenden. Jeder einzelne hat seine Geschichte, jeder noch so kleine war einmal größer!

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Ein Download lohnt sich. Ein Blick auf das vielversprechende Inhaltsverzeichnis von "Geologie der österreichischen Bundesländer: Vorarlberg":

Einleitung (H.PSCHÖNLAUB & J.GFRIEBE) 3
Wo Afrika auf Europa trifft –
Geologie Vorarlbergs im Überblick (J.GFRIEBE) 19
Deformationsgeschichte (HORTNER) 13
Ein Kontinent zerbricht 13
Deckenstapelung in der Oberkreide 15
• Deckenstapelung
• innerhalb der Nördlichen Kalkalpen 15
• Deformation in der Arosa-Zone 15
Deckenstapelung im Tertiär –
Schließung des Penninischen Ozeans 15
• Deformation in den mittelpenninischen Einheiten 15
• Deformation
• in den nordpenninischen Flyscheinheiten 15
Kollision der Kontinente 16
• Deformation in der Feuerstätter Decke
• und der Liebensteiner Schuppenzone 16
• Deformation in den helvetischen Einheiten 16
• Deformation in den Einheiten des Vorlandbeckens 17
• Rezente Deformation 17
Geologie regional
Landschaftsentwicklung und Quartär (L.W.SDE GRAAFF,
M.G.GDE JONG & A.CSEIJMONSBERGEN)1
Topographische und morphologische Entwicklung 21
• Molassezone
• (Pfänderstock und Vorderer Bregenzerwald) 22
• Helvetikum
• (Mittlerer Bregenzerwald und Rheintal)2
• Flyschzone (N-Walgau – Großwalsertal)2
• Kalkalpen (S-Walgau – Rätikon) 3
• Silvretta-Kristallin (Montafon) 3
Talvergletscherungen in Vorarlberg 5
Vorarlberg im Oberen Würm 8
• Frühglazial, Hochglazial
• Erster Rückzugskomplex (RC I) 8
• Zweiter Rückzugskomplex (RC II) 9
• Übergang
• vom Zweiten zum Dritten Rückzugskomplex9
• Dritter Rückzugskomplex (RC III) 30
• Vierter Rückzugskomplex (RC IV)
• und letzte Abbaustadien 30
• Lokalmoränen 31
• Blockgletscher 32
Postglaziale Vegetations- und Landschaftsgeschichte 32
Molassezone (J.GFRIEBE) 33
Obere Süßwassermolasse 34
Obere Meeresmolasse 35
Untere Süßwassermolasse 36
Untere Meeresmolasse 38
Nördliche Kalkalpen (HFURRER & HORTNER) 41
Untere Gosau-Subgruppe 41
Lechtal-Decke und Allgäu-Decke (Bajuvarikum) 42
Silvretta-Seckau-Deckensystem (R.JBERTLE) 49
Penninikum (R.JBERTLE, J.GFRIEBE) 55
Arosa-Zone (R.JBERTLE) 55
Unterengadiner Fenster (R.JBERTLE) 57
Sulzfluh-Decke (R.JBERTLE) 58
Falknis-Decke (R.JBERTLE) 60
Fenster von Nüziders (J.GFRIEBE) 61
Geologie von Vorarlberg
Vaduzer Flysch mit Gaschlo-Formation (J.GFRIEBE) 61
Vorarlberger Flysch mit Oberstdorfer, Üntschen-
und Sigiswanger Decke (J.GFRIEBE) 62
Helvetikum (J.GFRIEBE) 67
Feuerstätter Decke 67
Ultrahelvetische Decken 69
Helvetische Decken 71
• Andelsbucher Gleitschollenzone 71
• Säntis-Decke 71
Rezente Krustendynamik (W.ALENHARDT) 85
Erdbebengebiete 85
• Das Rheintal 85
• Das Klostertal 85
• Au im Bregenzerwald 86
• Lech – Warth 86
Aktuelle Bebenstationen und Forschung 86
Geologie angewandt
Mineralische Rohstoffe (MHEINRICH & ASCHEDL) 89
Erze 89
• Eisen 89
• Kupfer 90
• Blei-Zink 91
Energierohstoffe 91
• Braunkohle 91
• Torf 91
Industrieminerale 92
• Gips 92
• Phosphorit 92
• Fluorit 92
• Hochreine Karbonatgesteine 92
• Wetzsteine, Reibsand 93
Baurohstoffe 93
• Kiese und Sande 93
• Tone und Lehme 95
• Festgesteine 95
Kohlenwasserstoffe
(ECOLINS DE TARSIENNE & UHERZOG) 97
Kohlenwasserstoffexploration 97
• Aufschlussbohrung Dornbirn 1 97
• Aufschlussbohrung Sulzberg 1 97
• Aufschlussbohrung Au 1 97
• Aufschlussbohrung V-Au 1 97
Kohlenwasserstoffgeologie 98
• Muttergesteine 98
• Speichergesteine 98
• Fallen 98
• Natürliche Kohlenwasserstoffanzeichen98
Wasser (PSTARCK) 99
Porengrundwasser 99
Kluftgrundwasser 99
Karstwasser 100
Massenbewegungen und Georisiken (HBERTLE) 101
Situation in Vorarlberg 101
Typologie der Massenbewegungen101
• Gleitungen 101
• Sackungen 101
• Steinschlag – Felssturz – Bergsturz101
• Muren – Abschwemmungen 102
• Erdfälle – Setzungen 102
Geologie informativ
Geologische Naturdenkmale, Höhlen und Geotope
(J.GFRIEBE) 105
Der gesetzliche Schutz 105
Geotope in Vorarlberg 106
Geologie museal (J.GFRIEBE) 109
Exkursionen 111
Das Rheintal und seine Randbereiche 111
• Fußach – Hard: Rheinvorstreckung (J.GFRIEBE) 111
• Bregenz: Wanderweg Pfänder – Fluh –
• Gebhardsberg (J.GFRIEBE) 112
• Bregenz: Gebhardsberg (J.GFRIEBE) 112
• Bregenz/Langen: Wirtatobel
• Ehemaliger Kohlebergbau (J.GFRIEBE) 113
• Lauterach: Sandplatte (J.GFRIEBE) 113
• Dornbirn: Straßenanriss Bödele (J.GFRIEBE) 114
• Dornbirn: Straßenanriss Kreuzen (J.GFRIEBE) 114
• Wolfurt: Bildsteiner Straße (J.GFRIEBE) 115
• Schwarzach: Alter Steinbruch Schwarzachtobel
• (J.GFRIEBE) 115
• Dornbirn: Talstation Karrenseilbahn (J.GFRIEBE) 115
• Dornbirn: Rappenloch und Alploch (J.GFRIEBE) 116
• Dornbirn: Ebniter Straße und Schaufelschlucht
• (J.GFRIEBE) 117
• Dornbirn: Haslach (J.GFRIEBE) 117
• Dornbirn: Breitenberg – Gelbe Wand
• Felssturz und Grundbruch (HBERTLE) 118
• Götzis: Örfla-Schlucht (J.GFRIEBE) 119
• Kummenberg: Steinbruch Kadel (J.GFRIEBE) 119
• Koblach: Straßenhäuser (J.GFRIEBE) 119
• Rankweil: Gewerbepark (J.GFRIEBE) 120
• Rankweil: Wallfahrtskirche (J.GFRIEBE) 120
• Übersaxen: Straßenanriss (J.GFRIEBE) 121
• Batschuns: Alte Laternserstraße (J.GFRIEBE) 121
• Dornbirn: Feldkirch: Obere Illschlucht – Felsenau
• (J.GFRIEBE) 121
• Feldkirch: Margarethenkapf (J.GFRIEBE) 122
• Felsgleitung Spiegelstein – Schwarzer See
• (HBERTLE) 122
• Moorgebiet Gasserplatz (LDE GRAAFF) 123
Der Bregenzerwald 124
• Riefensberg: Hanggleitung und Grundbruch
• (HBERTLE) 124
• Kraftwerk Langenegg: Ehemaliger Steinbruch
• (J.GFRIEBE) 125
• Hittisau: Speicher Bolgenach (J.GFRIEBE) 126
• Lingenau: Quelltuffhang (J.GFRIEBE) 127
• Egg: Bregenzerach – Kirchfelsen (J.GFRIEBE) 127
• Schwarzenberg: Achbrücke bis Steinrieslerbach
• (J.GFRIEBE) 128
• Mellau: Ehemaliger Steinbruch (J.GFRIEBE) 128
• Au – Schrecken (J.GFRIEBE) 129
• Schoppernau: Armeseelenkapelle (J.GFRIEBE) 129
• Straße Au – Damüls (J.GFRIEBE) 130
• Damüls: Laubenbachtobel (J.GFRIEBE) 130
• Damüls: Talstation Uga-Sessellift (J.GFRIEBE) 130
• Furkajoch (J.GFRIEBE) 131
Walgau 131
• Göfis-Stein: Gletschertopf (J.GFRIEBE) 131
• Frastanz: Untere Saminaschlucht (Kraftwerk)
• (J.GFRIEBE) 132
• Gamperdonatal: Aussichtspunkt Buder-Höhe
• (LDE GRAAFF, HSEIJMONSBERGEN) 132
• Bürs: Bürser Konglomerat
• (LDE GRAAFF, HSEIJMONSBERGEN) 133
• Schesatobel: Murbruch, Gleitung (HBERTLE) 134
• Hangender Stein: Steinbruch – Mineralwasser
• (HBERTLE) 136
Brandnertal 137
• Douglashütte – Saulajoch – Lünerkrinne
• (HORTNER) 137
• Lünersee (R.JBERTLE) 139
Montafon 140
• Bartholomäberg: Kalkalpenbasis (HORTNER) 140
• Bartholomäberg: Silvrettakristallin (R.JBERTLE) 141
• Bartholomäberg: Knappa-Gruaba (R.JBERTLE) 141
• Gargellener Fenster (HBERTLE) 142
• Silvrettastausee: Silvrettakristallin (R.JBERTLE) 143
Klostertal 145
• Bings – StLeonhard (J.GFRIEBE) 145
• Dalaas – Wald/Arlberg
• Eingang Radonatobel (J.GFRIEBE) 145
• Flexenpass – Stuttgarter Hütte – Monzabonjoch
• (HORTNER) 145
Moore (IDRAXLER) 149
Allgemeines 149
Verbreitung der Moore 150
• Flach- und Zwischenmoore
• in der Rheintalebe und im Walgau 150
• Bregenzerwald 151
• Zentralalpen 154
Geographisches Register 155
Geologische Karten 161
Literatur 163


Verortet in Reiter
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[ #Bartholomäberg ] Die Pfarrkirche St. Bartholomäus von Bartholomäberg


Der älteste und zugleich kostbarste Kunstschatz der Kirche ist das romanische Vortragekreuz (~1150).

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus ist eine römisch-katholische Kirche im Montafon. Sie befindet sich inmitten eines alten Bergbaugebietes. Die landesweit einzigartige barocke Pfarrkirche aus 1732 mit einem gotischem Knappenaltar (um 1525), einer bedeutenden Orgel und einem romanischen Vortragekreuz aus dem 12. Jahrhundert steht an einer beherrschenden Stelle in der Siedlung am Berghang (1.087 m). Die Lage macht Bartholomäberg zum der Sonnenbalkon des Montafons. Die kürzeste im Dezember beträgt noch immer über 6 Stunden.


Pfarrkirche Hl. Bartholomäus
"Romanisches Vortragekreuz"
(Quelle: Bundesdenkmalamt)
© bda
Siedlungs- und Kirchengeschichte. Der Grundstein für diese Kirche wurde am 26. Mai 1729 gelegt. Die feierliche Einweihung war am 6. Juni 1743 von Bischof Benedikt von Rost aus Chur. Bartholomäberg war bereits um das Jahr 1100 die erste Pfarre im Montafon. 1383 nennt eine Urkunde die Erhebung und Abtrennung Bartholomäbergs von Bludenz. Bartholomäberg und war bis ins Spätmittelalter der Hauptort des Montafons. In alten Chroniken aber wird immer wieder angeführt, dass der Ort schon um 1100 eine Seelsorge gehabt haben soll. Den ersten schriftlichen Nachweis finden wir allerdings erst 1230 nach Christus im Zinsbuch der Pfarre Bartholomäberg.

Für ein hohes Alter der Seelsorge zeugt auch das romanische Vortragskreuz. Es ist der älteste und kostbarste Kunstschatz der Kirche um die Zeit um 1150. Ein Vortragekreuz ist ein auf einer Stange befestigtes Kreuz, das in der Römisch-Katholischen Kirche beim feierlichen Einzug zur Heiligen Messe, bei Prozessionen, Begräbnisfeiern, der Gräbersegnung oder bei Wallfahrten vorangetragen wird. Das gegenständliche spätromanische Vortragekreuz von Bartholomäberg gehört zu den qualitätvollsten und wertvollsten Kleinodien des Landes Vorarlberg und befindet sich noch in Kirchenbesitz.

Früher galt das Montafon in der Vorarlberger Landesforschung erst seit etwa 1.100 nach Christus besiedelt. Neuere prähistorische Ausgrabungen brachten jedoch gar Fundstücke aus der Bronzezeit, datiert mit 14. und 13. Jh. v. Christus zutage.


Bergbau. Bartholomäberg gehört jedoch zu den ältesten urkundlich erwähnten Bergbaugebieten im Alpenraum. Die ältesten noch erhaltenen Urkunden stammen aus der Zeit Ludwigs des Frommen aus den Jahren 814 und 820 n. Chr. Neben einer Vielzahl von teils neu entdeckten Dokumenten spielt auch das churrätische Reichsurbar, das bischöfliche Einkünfteverzeichnis aus dem Jahre 842 n. Chr. eine bedeutende Rolle. Darin wird erstmals direkt auf den Eisenerzabbau hingewiesen. Um 1550 nimmt die Bergbautätigkeit im Montafon jedoch dramatisch ab. Ertragreichere Bergwerke brachten den heimischen Bergbau kurz nach 1600 weitgehend zum Erliegen.

 
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Dienstag, 10. Mai 2022

[ #Lustenau ] Die Moose der Streuewiesen im Naturschutzgebiet Gsieg – Obere Mähder


Moos ist eine der einfachsten und genügsamsten Pflanzen der Erde und ähnelt den allerersten Gewächsen.

Im Herbst 2000 wurde die Moosflora der Streuewiesen und Riedgräben im Natur schutzgebiet Gsieg – Obere Mähder bei Lustenau (Vorarlberg, Österreich) untersucht und erstmals dokumentiert. Die Arbeit "Die Moose der Streuewiesen im Naturschutzgebiet Gsieg – Obere Mähder (Lustenau, Vorarlberg, Österreich)" von Georg Amann steht als PDF-Download hier zur Verfügung.

Naturschutzgebiet.
Mit der Verordnung über das Naturschutzgebiet Gsieg – Obere Mähder, kundgemacht mit LGBl. 10/1989, hat die Vorarlberger Landesregierung der besonderen Schutzwürdigkeit und Gefährdung dieses einmaligen Gebietes Rechnung getragen und die ungedüngten Streuewiesen im Süden Lustenaus unter den besonderen Schutz des Naturschutzgesetzes gestellt.

Das Gebiet besteht aus zwei durch den Rheintal Binnenkanal getrennten Teilen (Gsieg und Obere Mähder). Das NATURA 2000 Gebiet umfasst einen der größten und botanisch reichhaltigsten Streuwiesenkomplexe im gesamten Rheintal. Streuewiesen sind auf Grund der besonderen Standortsverhältnisse wenig ertragreiches, extensiv genutztes Grünland auf Moorböden, die in der Regel einen hohen Grundwasserstand aufweisen.

Moosflora.
Auf 13 Probeflächen in verschiedenen Streuwiesentypen (Pfeifengraswiesen, Kopfbinsenrasen, Großseggensumpf, Zwischen moor) und auf 3 Probeflächen an Gräben sowie im Zuge weiterer Aufsammlungenkonnten insgesamt 49 Arten gefundenen werden. In einer kommentierten Artenliste werden u.a. Angaben zu ihrer Häufigkeit in den einzelnen Pflanzengesellschaften gemacht.

Weiters wurde der Zustand des Naturschutzgebietes aus der Sicht der Moosflora beurteilt: 8 vorgefundene Arten scheinen in den Roten Listen der Laub- und der Lebermoose Österreichs (GRIMS & KÖCKINGER 1999, SAUKEL & KÖCKINGER 1999) auf und belegen so den hohen Wert des Naturschutzgebietes: Campylopus pyriformis (Erstfund für Vorarlberg!), Campylium elodes und Hypnum pratense gelten in ganz Österreich als «stark gefährdet», Dicranum bonjeanii, Hylocomium brevirostre, Plagiomnium elatum und Sphagnum platyphyllum sind «gefährdet» und Hypnum imponens (Erstfund für Vorarlberg!) ist als seltene Art am Rande ihres Verbreitungsgebietes «potentiell gefährdet».

Rote Listen. Verschollen sind 2 Rote Liste-Arten, Scorpidium turgescens und Scorpidium scorpioides, die noch 1991 von M. Grabher (persönliche Mitteilung) im Naturschutzgebiet festgestellt werden konnten. Als Wermutstropfen wird auch empfunden, dass etliche Arten, besonders diejenigen, die an dauernasse Moorböden oder Schlenken gebunden sind, nur an wenigen oder gar nur an einem Fundpunkt bestätigt werden konnten.


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[ #Bregenz ] Karoline Redler (*16.2.1883-†8.11.1944)



Am 5. Oktober 1943 wurde Karoline Redler von der Bregenzer Gestapo abgeholt. Die Nazis ermorden sie am 8. November 1944 mit dem Fallbeil. Weil die Kapazität des Anatomischen Instituts mit den anfallenden Leichen des Nazi-Terrors überfordert war, wird sie auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt.

Inhumane Kriegsmaschinerie. Es geht hier den Nazis wenig um ideologische Auseinandersetzung oder um die Bekämpfung heldenhafter Zivilcourage oder gar Widerstandes, sondern um die von den Nationalsozialisten betriebene Verwandlung des alltäglichen Lebensraumes in zutiefst inhumane Kriegsmaschinerie und die Verwandlung der Mitmenschen in fanatisierte Mörder.

Wehrkraftzersetzung. Der Anlass scheint banal und nichtig. Am 24. August 1943 wartet die Bregenzerin Karoline Redler gemeinsam mit drei weiteren Patienten im Warteraum eines Arztes. Dort kommt sie mit zwei Frauen aus Lustenau ins Gespräch. Als sich diese über die ihrer Meinung nach barbarischen Luftangriffe der Alliierten empörten, soll Frau Redler festgestellt haben, dass das nur die Antwort auf die deutsche Kriegstreiberei sei. Zwei der Patienten erstatten volkstreu Anzeige, weil sich Frau Redler "wehrkraftzersetzend und landesverräterisch" geäußert habe. Am 5. Oktober wird Karoline Redler festgenommen. Bereits 60 Jahre alt erkrankt sie und kommt anschließend in das Sanatorium Mehrerau. Dort erfährt sie, dass ihr Sohn auf der Krim gefallen ist und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Frau Redler ist haftunfähig.





Hinrichtung. Doch nach dem 20. Juli 1944 brauchte es Opfer und Täter. So wurde Karoline Redler am 25. August 1944 - also fast genau ein Jahr nach ihrer Äußerung - neuerlich verhaftet und dem Volksgerichtshof beim Wiener Landesgericht überstellt. Dort wurde sie wegen "Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung" zum Tode und "Ehrenrechtsverlust" auf Lebenszeit verurteilt wird. Am 8. November 1944 wird sie unter der Guillotine hingerichtet.

Wiener Zentralfriedhof. Die Leichname der Hingerichteten werden dem Anatomischen Institut zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt. Bald arbeitet aber das Fallbeil der Nazis schneller als die Wissenschafter und müssen deshalb Hingerichtete wegen der überforderten Kapazität des Anatomischen Institutes auch direkt beerdigt werden. Um das Mördersystem zu veranschaulichen: 1938 erhielt das Anatomische Institut in Wien 1 Leiche, 1939 13, 1940 35, 1941 62, 1942 308, 1943 487, 1944 372 und 1945 81 Leichname von Hingerichteten. Und so schreibt der Vorstand der Untersuchungshaftanstalt Wien 1 am 8. November 1944 an die Verwaltung des Zentralfriedhofes: "Ich nehme Bezug auf die mit der Gemeinde Wien, städtische Leichenbestattung unter Dr. Rö/Z am 11.2.1943 getroffenen Vereinbarung und teile mit, dass nachbenannte zum Tode Verurteilte heute hingerichtet werden. Die Leichen werden durch die Gemeinde Wien in den Abendstunden, etwa 18 Uhr 50, von der ho. Untersuchungsanstalt in die gesperrte Abteilung des dortigen Friedhofs überführt und bitte ich die Beerdigung sofort durchführen zu lassen. Die Leichen sind den Angehörigen zur Beerdigung nicht freigegeben, es darf daher außer den Polizeibeamten an der Beerdigung niemand teilnehmen. Es handelt sich um: Friedrich Zach, Lukas Haslauer, Dioniz Kwistkowsky, Wasilio Fedkow, Johann Gärtner, Wilhelm Fritsch, Franz Hartl, Franz Dürauer, Rudolf Kozian, Roman Vodinsky, Theodor Ungar, Johann Pegrisch, Karoline Redler, Maria Kolar. Das Polizeiamt Simmering und die Geheime Staatspolizei ist von der Überführung von hier aus in Kenntnis gesetzt worden."

Karoline Redler (geb. Schwärzler) aus Bregenz war Geschäftsfrau, Mutter von drei Kindern und politisch und sozial sehr engagiert. Schon während des Ersten Weltkrieges war sie beim Roten Kreuz tätig. Später gründete sie den Verband katholischer Frauen und Mädchen, "die Guta", dessen Obfrau sie lange Zeit war. Außerdem war sie Funktionärin der Vorarlberger KFO (Katholische Frauen-Organisation), also eine über Bregenz hinaus bekannte und allseits geachtete Frau. Ihre politische und religiöse Überzeugung verleugnete sie nie, auch nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland bekannte sie sich offen dazu.

Vorarlberger Gedenkkultur. DieTafel am Geburtshaus Karoline Redlers (Pircher Haus) in der Bregenzer Rathausstraße, die in den 1960er Jahren von Karoline Redlers Neffen Paul Schwärzler angebracht wurde, verschwieg die Täter: "Karoline Redler, geb. Schwärzler, am 8. 11.1944 in Wien gestorben als Opfer der Gewalt." Das offizielle Bregenz hatte bis zum Jahre 1988 die Haltung Karoline Redlers durch keine einzige Geste honoriert. Die ihr zu Ehren benannte kleine Gasse beim Theater wurde 1998 wieder zurückgenommen, weil der neue Platz beim Kunsthaus dem ehemaligen Bürgermeister Tizian gewidmet wurde. Dafür wurde ein kleines Wegstück zwischen Wolfeggstraße und dem Thurn & Taxispark nach Karoline Redler benannt.


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Montag, 9. Mai 2022

[ #Vorarlberg ] Der lange Arm des NS-Gauleiters Hofer in die Vorarlberger Politik


Der lange Arm des Gauleiters. "Elmar Grabherr ist eine Schlüsselfigur für die verzögerte Entwicklung einer offenen Gesellschaft inVorarlberg nach 1945", sagt der Historiker und langjährige Leiter der Literaturabteilung im ORF-Landesstudio, Leo Haffner, und begründet damit seine intensive Beschäftigung mit dem "besessenen Vorarlberger" (Haffner) in den letzten Jahren. Auslöser für seine Arbeit waren private Briefe des ehemaligen LAD aus der Kriegszeit, die seine antidemokratische, antisemitische und rassistische Gesinnung belegen: Da beschwört Grabherr im Februar 1942 "die durchaus günstige Entwicklung zum Endsieg", zeigt sich von "der jüngsten Rede des Führers außerordentlich beeindruckt" (November 1942), findet es "auch nicht mehr als recht, dass endlich auch mit den Juden abgefahren wird, die mit Ariern verheiratet sind", auch wenn "es dabei im Einzelfall harte Szenen geben musste" (April 1943), hofft, "die Vorsehung beschütze unseren Führer und unsere Waffen, um mit dieser Satansbrut (gemeint sind die Kriegsgegner) endlich fertig zu werden" (Dezember 1943) und zeigt sich noch Ende 1944 "gläubigen Vertrauens in den Sieg, da die Führung über allen Zweifel erhaben ist".

Gauleiter Franz Hofer, der schon 1930 der NSDAP beigetreten war und rasch zum Gauleiter von Tirol avancierte, verbrachte die Zeit des Verbots der österreichischen Braunen in Deutschland. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich kehrte Hofer zurück, und wurde wiederum Gauleiter von Tirol-Vorarlberg und 1940 schließlich Reichsstatthalter.

Alemannen-Erlass. 1945 wurde Elmar Grabher - davor ein enger Mitarbeiter des Tiroler NS-Gauleiters Hofer - Vorarlberger Landesamtsdirektor und leitete die Vorarlberger Beamten weiterhin zu "fremdenfeindlicher" Politik an. Nur waren die "Fremden" damals noch Österreicher. Berühmt sein "Alemannen-Erlass", ein amtsinternes jedoch öffentlich gewordenes Rundschreiben, das empfahl, bei Stellenbesetzungen im Landesdienst, bei der Vergabe von Fördermitteln und dergleichen in erster Linie die "landsmannschaftliche Herkunft" der Bewerber zu berücksichtigen, die sich durch "objektive Tatsachen wie Abstammung (siehe hier u.a. auch Familiennamen), Geburtsort, ehem. Besitz des Heimatrechtes, langjähriger Aufenthalt, Beherrschung der Mundart ..." zu erkennen sei.

Schon bevor in den 1960ern Arbeitsmigranten aus der Türkei und Exjugoslawien durch die Vorarlberger Wirtschaft vor Ort angeworben wurden, wurden solche aus Kärnten und der Steiermark nach Vorarlberg geholt. Schon ab 1955 wurde die Anwerbung von Arbeitskräften in der Steiermark und in Kärnten betrieben. Dieser Zuzug von österreichischen Staatsbürgern, der in kleinerer Zahl schon vor 1955 bestand, war von der ÖVP-Landesregierung unter dem Nationalsozialisten Elmar Grabher als Landesamtsdirektor bereits als alarmierend genug empfunden worden, um einen eigenen Lichtbildausweis für innerösterreichische Zuwanderer zu kreieren, was aber vom Verfassungsgerichtshof untersagt wurde. Am Symbol hielt die Landesregierung dennoch fest und stellte ein dunkelgelbes, gefaltetes Kärtchen aus, nur eben ohne Lichtbild.


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[ #Vorarlberg ] Der Liberalismus im nicht-urbanen Vorarlberg (1830 - 1914)


Der Kampf zwischen Liberalismus und seinem ultramontanen Widerpart in Form eines christlichsozialen Klerikalismus bestimmte Vorarlbergs Politik seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert noch bis in das ausgehende 20. Jahrhundert. 

Die sichtbaren Zeichen in Form von Zensur und Bevormundung sind erst mit der Unkontrollierbarkeit der digitalen Medien verschwunden. Die ultramontane Reform- und Lernverweigerung in der Politik löst sich hingegen nur zäh, zäher als unter den Klerikern selber.

Fortschritt wider Rom. Der liberale Widerpart war in der „Fortschrittspartei“ organisiert, später noch durch die „Deutschfreisinnigen“ repräsentiert, schließlich in der Sozialdemokratie, welche offen oder still häufig mit den Liberalen gegen den Ultramontanismus koalierten.  Liberale wie Sozialdemokraten wurden von den Konservativen und der katholischen Kirche wiederum als „Abschaum der der Menschheit“ dämonisiert. Trotzdem hatten die liberalen Ideen ihrerseits eine Anziehungskraft die über die urbanen Räume hinaus bis in die Täler sichtbar wurde. Die Verbreitung liberaler Ideen erfolgte vor allem durch die „Feldkircher Zeitung“. Die ländlichen, nicht-urbanen Räume waren also keineswegs eine Terra incognita für den Liberalismus, dort umsomehr nicht, wo die konservativen Kräfte jedweden Fortschritt und jede ökonomische Selbstbestimmung zu vereiteln suchten und damit selber den Widerstand provozierten.

Terra incognita. Die nicht-urbanen Regionen Vorarlbergs, lassen sich im Wesentlichen durch fünf Kategorien definieren: politisch-administrativ, wirtschaftlich, infrastrukturell, geographisch und kulturell. Selbst in modernen Definitionen wird auch das demographische Element noch hinzu gefügt. Dieses enthält in sich jedoch eine gewisse Problematik, da es ausgesprochen variabel ist. Zwar ist die „Stadt“ („urbs“) per se als verdichteter Lebensraum definiert, ausserhalb ihrer bestimmen sich jedoch nicht allein ländliche Gebiete durch eine „geringe Bevölkerungsdichte“. Im Vorarlberg des 19. Jahrhunderts war der ländliche Raum von Ab- und Auswanderung betroffen, während die ursprünglich ländlichen Industriegebiete, wie vor allem natürlich der Walgau, während dieser Epoche aufgrund ihrer infrastrukturellen Erschliessung zum urbanen Raum zu zählen sind. Orte wie Frastanz, Nenzing oder Nüziders, einmal ganz abgesehen von Rheintaler Gemeinden wie Rankweil, standen damals in puncto Urbanität formell städtischen Gemeinwesen wie Bludenz in nichts nach.

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 Vorwort 7
1. Einleitung 10
 1.1. Bestimmung des Begriffs „nicht-urbaner Liberalismus“ 10
 1.1.1. Der aufklärerische Liberalismus 10
 1.1.2. Der politische Liberalismus 11
 1.1.3. Der wirtschaftliche Liberalismus  14
 1.1.4. Der soziale Liberalismus 15
 1.2. Historische Einordnung der liberalen Bewegung im nicht-urbanen Vorarlberg 16
 1.3. Definition des Begriffs „nicht-urban“ 19
 1.4. Der Liberalismus im nicht-urbanen Vorarlberg: Fragestellungen  24
2. Der Liberalismus im Montafon 25
 2.1. Personen  25
 2.1.1. Bonifaz und Hermann Sander 25
 2.1.2. Johann Josef Zudrell 27
 2.1.3. Franz Josef Vonbun 29
 2.1.4. Josef Durig 30
 2.1.5. Johann Baptist Biedermann  32
 2.1.6. Heinrich, Robert und Wilhelm Mayer 33
 2.1.7. Hans Barbisch 34
 2.1.8. Eduard Fleisch 34
 2.1.9. Johann Wiederin 36
 2.1.10. Johann Bitschnau  37
 2.2. Institutionen 38
 2.2.1. Die Landtagsabgeordneten 38
 2.2.2. Die Vereine 42
 2.2.3. Die Gastwirte 42
 2.2.4. Die Schule  43
 2.2.5. Die Unternehmer 45
 2.3. Konfl ikte  46
 2.3.1. Persönliche Konfl ikte  46
 2.3.2. Politische Konfl ikte 47
 2.3.3. Ökonomische Konfl ikte  50
 2.3.4. Religiöse Konfl ikte 51
 2.4. Charakterzüge des Montafoner Liberalismus 523. Der Liberalismus im Bregenzerwald 56
 3.1. Personen  56
 3.1.1. Franz Michael Felder und sein Kreis  56
 3.1.1.1. Franz Michael Felder und sein Kreis: 1839 bis 1861 57
 3.1.1.2. Franz Michael Felder und sein Kreis: 1861 bis 1869 62
 3.1.1.3. Franz Michael Felders Beziehung zu Rudolf Hildebrand  69
 3.1.2. Gallus Moosbrugger  71
 3.1.3. Franz Xaver Moosmann  74
 3.1.4. Johann Konrad Bechter  76
 3.1.5. Andreas Fetz  79
 3.2. Institutionen 80
 3.2.1. Die Landtagsabgeordneten 80
 3.2.2. Die Schule  84
 3.2.3. Vereine  87
 3.3. Konfl ikte  93
 3.3.1. Persönliche Konfl ikte  93
 3.3.2. Religiöse Konfl ikte 95
 3.3.3. Politische Konfl ikte 96
 3.3.4. Wirtschaftliche und soziale Konfl ikte 97
 3.3.5. Die Tagebücher des Kreishauptmanns Ebner 99
4. Der Liberalismus in den Walsertälern und auf dem Tannberg 104
 4.1. Personen  104
 4.1.1. Besonderheiten des Tannbergs und des Kleinwalsertals  105
 4.1.2. Die liberalen Reformer des Kleinwalsertals und des Tannbergs  107
 4.1.3. Die anti-kirchliche Opposition im Großen Walsertal 114
 4.2. Institutionen 119
 4.2.1. Die Schule  119
 4.2.2. Politische Behörden  123
 4.2.3. Vereine und Genossenschaften 123
 4.2.4. Gastwirte 124
 4.3. Konflikte  126
5. Der Liberalismus im Klostertal 129
 5.1. Personen  129
 5.2. Institutionen 132
 5.3. Konflikte  136
6. Exkurs: Die Gemeindewahlen nach dem Ende der liberalen Ära im Jahr 1870 139
7. Ergebnisse  143

[ #Vorarlberg ] Vorarlbergs Rote Liste der Pflanzengesellschaften

Die Bausteine der Vegetation sind Pflanzengesellschaften. Sie stehen in einem ökologischen Zusammenhang mit ihren Standorten.

Eine Pflanzengesellschaft, auch Phytozönon, ist eine abstrakte Pflanzengemeinschaft (Phytozoenose) mit typischer Zusammensetzung der Arten. Pflanzen wachsen abhängig vom ökologischen Standort oft in solchen charakteristischen Gesellschaften und bilden den botanischen Teil von Biotopen. Wegen der regelhaften Vergesellschaftung von Arten bezeichnet man die Lehre von den Pflanzengesellschaften als Pflanzensoziologie. Die Lehre von Pflanzengemeinschaften heißt Phytozoenologie.

Pflanzengesellschaften sind als Typen von Pflanzenbeständen zu betrachten, die unter den gleichen ökologischen und historischen Rahmenbedingungen regelhaft und mit den gleichen, wenn im Detail auch variierenden Artenkombinationen auftreten. So wird beispielsweise ein Schilfröhricht immer an stehendes oder langsam fließendes Wasser gebunden sein und immer artenarm sein. Ein alpiner Rasen in den höchsten Gipfellagen der Kalkalpen wird hingegen in der Regel von der Polster-Segge beherrscht und ist immer verhältnismäßig artenreich.

Pflanzengesellschaften Vorarlbergs. Die Vegetation Vorarlbergs setzt sich, nach aktuellem Stand der Kenntnis, aus zumindest 394 Pflanzengesellschaften (im strengen Sinn) zusammen. Zehn weitere Pflanzengesellschaften kommen als fragliche hinzu. Sie wurden für das Land bisher nicht dokumentiert, gehören bzw. gehörten mit großer Wahrscheinlichkeit aber ebenfalls zur Naturraumausstattung Vorarlbergs. Acht dieser zehn Gesellschaften sind nämlich als »historisch« zu betrachten, d.h. sie sind, sofern sie jemals vorhanden waren, gemeinsam mit dem überwiegenden Teil ihrer Charakterarten in Vorarlberg ausgestorben. Die der gegenständlichen Statistik zugrundeliegende Tabelle enthält 444 Vegetationstypen, gemeinsam mit den fraglichen Pflanzengesellschaften sind es 454.

  •  Rund ein Drittel der Vegetationstypen Vorarlbergs besiedelt Gewässer- und Feuchtlebensräume. Zählt man die Auen noch hinzu, welche unter der Großgruppe der Wälder subsummiert sind, erhöht sich der Anteil sogar noch. Die Mannigfaltigkeit der Vegetation ist hier somit am größten, wobei die flächenmäßige Bedeutung aber sehr unterschiedlich sein kann. Einige Gesellschaften sind durchaus landschaftsprägend, wie etwa die Röhrichte des Bodensees oder die Riedgebiete des Rheintals. Andere wiederum treten flächenmäßig kaum in Erscheinung und werden meist überhaupt nur von den Fachleuten wahrgenommen. Hierzu zählen etwa die Pflanzengesellschaften in den Kleinstgewässern der Moore, wo ein konkreter Bestand nicht selten gerade einmal einen halben Quadratmeter Fläche einnimmt.
  • Der Anteil der Waldgesellschaften ist in Prozenten gemessen verhältnismäßig gering, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass es sich bei ihnen in ihrer Gesamtheit um landschaftsprägende Erscheinungen handelt. Um dies zu unterstreichen, sei auch auf ihren Anteil an der Landesfläche verwiesen. So ist rund ein Drittel der Landesfläche (ca. 37%) von Wald bedeckt.
  •  Noch geringer erscheint der Anteil der alpinen Vegetationstypen, aber auch in ihrem Fall handelt es sich vielfach um landschaftsbestimmende Elemente. Man denke dabei nur an die »Grasberge« im Flyschgebiet zwischen Walgau und Kleinwalsertal, die »Fels- und Schuttbastionen« des Rätikons oder die im herbstlichen Gewand in unterschiedlichsten Rottönen prangenden Zwergstrauchheiden von Silvretta und Verwall.
  •  Ein rundes Viertel der Typen ist im Wesentlichen durch die Tätigkeit des Menschen entstanden und in ihrer Existenz auf Gedeih und Verderb an die Bewirtschaftung bzw. anderweitiges menschliches Wirken gebunden. Ein Teil dieser kulturbedingten Lebensräume, wie zum Beispiel die extensiv bis mäßig intensiv genutzten Wiesen und Weiden, sind bezüglich des Erhalts der Artenvielfalt von großer Bedeutung. Als optisch auffallende, zumeist mit positiven Emotionen verknüpfte Erscheinungen sind sie auch im allgemeinen Bewusstsein verankert und gelten gemeinhin als etwas Besonderes, sowie Schutz- und Erhaltungswürdiges. Pflasterritzenfluren, die Unkrautgesellschaft im eigenen Garten oder das wuchernde Brennnessel- und Disteldickicht in irgendeiner verwilderten Ecke in der Nachbarschaft werden dahingegen entweder nicht wahrgenommen, viel häufiger aber als gegen den Ordnungs- und Sauberkeitssinn verstoßend empfunden und entsprechend bekämpft. Dass es sich auch bei diesen um wertvolle Lebensräume handeln kann, die oftmals sogar seltenen und gefährdeten Arten ein Refugium bieten, wird dabei leider viel zu selten bedacht.
  • Nicht ganz 3% der Vegetationstypen werden von Neophyten-Gesellschaften gestellt. Es handelt sich in der Regel um Dominanzbestände einzelner, besonders konkurrenzstarker Arten. Diese erst in den letzten 100 bis 200 Jahren eingeführten Arten sind teils bereits seit Längerem etabliert, die »Gesellschaftsbildung« und die damit einhergehende Verdrängung der angestammten Flora und Vegetation sind dahingegen recht junge Phänomene. Noch vor einigen Jahrzehnten kannte man beispielsweise das an sich sehr attraktive Drüsige Springkraut allenfalls als »Bauern-Orchidee« aus den Gärten, und dass die als Bienenweide von »innovativen« Imkern geschätzte Spätblühende Goldrute jemals zum Problem werden könnte, daran dachte damals (fast) auch noch niemand.

Gefährdung. Ziemlich genau 50 Prozent, also die Hälfte der heimischen Vegetationstypen, sind in irgendeiner Form als gefährdet zu werten. Der Anteil der ungefährdeten Einheiten beträgt rund 48%, wobei ein gewisser Anteil, nämlich ca. 6% als an der Schwelle zur Gefährdung stehend betrachtet werden muss (NT). Mit Sicherheit als ungefährdet (LC) zu betrachten sind demnach nur etwa 42% der Vegetationstypen. 8 Vegetationstypen, das sind rund 2% der heimischen Vegetation, sind gegenwärtig als ausgerottet (RE) zu betrachten. Bezieht man jene 8 von 10 Gesellschaften mit ein, die in der Vergangenheit zwar nie konkret nachgewiesen wurden, aber höchstwahrscheinlich vorhanden waren, dann erhöht sich die Gesamtzahl auf 14, bzw. der Anteil auf rund 3%. Bedenklich ist auch der verhältnismäßig hohe Anteil der von der Ausrottung bedrohten (CR) und der stark gefährdeten (EN) Vegetationstypen. Dies bedeutet nämlich, dass etwas mehr als ein Viertel (!) der heimischen Vegetation auf der Kippe steht und uns mittel- bis langfristig verloren zu gehen droht, sofern die Gefährdungsmomente weiter bestehen bleiben oder sich in Zukunft sogar noch verschlimmern.

In einigen Fällen wird das endgültige Verschwinden nur durch gezielte Gegenmaßnahmen zu verhindern sein. Dass lebensraumverbessernde Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein können, um Pflanzengesellschaften und ihre Arten vor dem Verschwinden zu bewahren, wurde im Fall des Bodensee-Vergissmeinnichts (Myosotis rehsteineri), das die periodisch überschwemmten Kiesufer des Bodensees besiedelt, eindrucksvoll bewiesen.

Nicht ganz so dramatisch erscheint die Situation im Falle jener Vegetationstypen, die »nur« als bedroht zu betrachten sind (22%). Doch auch in ihrem Fall ist durchaus Sorge zu tragen, dass sich ihre Erhaltungssituation nicht verschlechtert, auch wenn es sich dabei teilweise um Lebensraumtypen handelt, die zumindest gebietsweise durchaus noch als häufig erscheinen. Beispiele hierfür sind die arten- und blütenreichen Bergwiesen oder die mageren Fettweiden der mittleren Lagen.

Buch.  Die Listen sind Teil des Buchprojekts »DAS PFLANZENLEBEN VORARLBERGS« von Georg Grabherr et al., das im Mai 2016 im BUCHER Verlag Hohenems – Wien – Vaduz erschienen ist: Softcover, 16,5 x21 cm | 256 Seiten | Verkaufspreis: EUR 18,50
ISBN 978-3-99018-369-4

Das Buch ist erhältlich bei: inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn,
Jahngasse 9, 6850 Dornbirn, beim  BUCHER Verlag,Hohenems – Wien – Vaduz und überall im Buchhandel.


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Mittwoch, 4. Mai 2022

[ #Vorarlberg ] Rote Liste der Pflanzen Vorarlbergs


In Vorarlberg sind nach derzeitigem Wissensstand ziemlich genau 1.700 Arten wildwachsender Blütenpflanzen, Farngewächse, Schachtelhalme und Bärlappe bekannt.

Diese seit alters her im Land ansässigen Pflanzen repräsentieren die heimische Flora. Zusätzlich gelang es in der jüngeren Geschichte – mit direkter oder indirekter Unterstützung des Menschen – etwa 100 Arten aus anderen Florengebieten, sich in Vorarlberg dauerhaft anzusiedeln. Diese werden als eingebürgerte Neophyten (Neubürger) bezeichnet. Ziemlich genau 100 Arten der heimischen Flora sind allerdings auch in diesem Zeitraum aus unserem Land verschwunden und müssen
daher als ausgestorben betrachtet werden.

Weiters konnten die Botaniker noch mindestens 450 Arten und Unterarten im Lande entdecken, die jedoch nur unbeständig auftreten oder ehemals unbeständig aufgetreten sind. Dabei handelt es sich oftmals um aus Gärten verwilderte oder anderweitig durch Menschen verbreitete Pflanzenarten, die sich bei uns nicht dauerhaft halten konnten bzw. können.

Floristischer Status der in Vorarlberg wild wachsenden Pflanzenarten:


Artenzahl
Anteil (n=1697)



heimisch – vorhanden
 1509
94 %
heimisch – ausgestorben
     99
  6 %
Neophyten – eingebürgert
   102

unbeständig
~ 450





Artenreichtum im Vergleich. Vorarlberg beherbergt etwas mehr als die Hälfte der österreichischen Flora, die etwa 3.200 einheimische und voll eingebürgerte Arten umfasst, und etwas weniger als die Hälfte der Flora des gesamten Alpenbogens, die ungefähr 4.000 Arten zählt.

Im Ländle gibt es etwa 850 verschiedene Moose, also immerhin etwa halb so viele wie Blütenpflanzen, Farne, Schachtelhalme und Bärlappe. Die Zahl der in Vorarlberg nachgewiesenen Flechten liegt bei über 1.000 und jene der Großpilze bei etwa 1.500.

Das Bundesland Salzburg mit ähnlicher Biotopausstattung vom Alpenvorland bis zum Alpenhauptkamm und ähnlichem Klima beherbergt etwa ebenso viele Arten. Auch die Artenzusammensetzung ist vergleichbar. Dagegen hat das Burgenland, das ebenfalls etwa gleich viele Arten beherbergt, eine deutlich verschiedene Flora. Dort fehlen die hohen Berge mit ihrer speziellen Gebirgsflora, dafür hat das Burgenland einen wesentlichen Anteil an der einzigartigen pannonischen Flora. Diese schlägt auch im artenreichsten Bundesland Niederösterreich (insgesamt 2.400 Arten) zu Buche, das zudem einen größeren Anteil an den Alpen hat. Auch die südlichen Bundesländer Österreichs, Kärnten mit etwa 2.100 Arten und Steiermark mit etwa 2.200 Arten, sind deutlich artenreicher als Vorarlberg.

Gefährdung. Insgesamt ist etwas mehr als ein Fünftel der etwa 1.700 heimischen Arten (21%) in mehr oder weniger starkem Ausmaß gefährdet, knapp 100 Arten (6%) sind schon ausgestorben. Gefährdet bedeutet, dass eine Art aufgrund von Seltenheit, Arealverlusten, Bestandsrückgängen oder permanenter Bedrohung ihrer Lebensstätten in eine der Kategorien »vom Aussterben bedroht«, »stark gefährdet« oder »verletzlich« eingeordnet wurde. Ihr Überleben kann längerfristig nur mit Hilfe spezieller Schutzmaßnahmen gesichert werden. Dabei kommt dem Biotopschutz eine zentrale Rolle zu. Es gibt aber auch im Bestand rückläufige Arten, die noch weit verbreitet sind. Sie werden als »potentiell gefährdet« in der Liste geführt (10%).

Eine aus Naturschutzsicht ganz besondere Kategorie sind die seltenen heimischen Arten, die nur an wenigen Stellen in oft kleinen Populationen im Land zu finden sind, deren Populationen bzw. Wuchsorte aus heutiger Sicht aber noch nicht bedroht scheinen (9%). In gewisser Weise sind auch sie potentiell gefährdet und wurden daher in der ersten Roten Liste Vorarlbergs in diese Kategorie eingeordnet. Es handelt sich oft um Pflanzenarten am Rande ihres Verbreitungsgebietes und nicht selten um Raritäten unserer Alpenflora (z.B. Alpen-Mannsschild, Mt.-Cenis-Glockenblume, Moosglöckchen). Verändert sich das Bedrohungsszenario, etwa dadurch, dass sich die zivilisatorischen Eingriffe in Gebirgswäldern und in Hochgebirgen verstärken, so rücken sie rasch in hohe Gefährdungskategorien auf. Auch die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich derzeit noch kaum abschätzen und könnten in einer späteren Roten Liste vielleicht schon erste Spuren hinterlassen.

Literatur. Die »Aktualisierte Rote Liste der der Farn- und Blütenpflanzen Vorarlbergs« ist Teil des Buchprojekts »DAS PFLANZENLEBEN VORARLBERGS« von Georg Grabherr et al. (Mai 2016; BUCHER Verlag Hohenems – Wien – Vaduz).


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