Samstag, 15. April 2017

[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Orts-, Flur-, Berg- und Flussnamen

1960/61 legte die Vorarlberger Landesregierung für die Landesverwaltung die Schreibweise von Örtlichkeiten verbindlich fest.

Dieses Verzeichnis von Vorarlberger Orts-, Flur-, Berg- und Gewässernamen hilft häufig auch bei der Arbeit mit historischen Quellen weiter.

Schreibweise von Örtlichkeiten in Vorarlberg.
Um 1960 - immerhin schon 50 Jahre her - erarbeitete eine Nomenklaturkommission eine einheitliche Schreibweise von Örtlichkeiten in Vorarlberg. Sie wurde von der Landesregierung für die Dienstellen des Landes für verbindlich erklärt und im Amtsblatt für das Land Vorarlberg veröffentlicht. Auch wenn die Erfassung bereits Jahre zurückliegt und neue Örtlichkeiten dazugekommen sind, ist dieses Verzeichnis von Vorarlberger Orts- und Flurnamen nach wie vor ein sehr praktischer Findbehelf.

Beispiel Hohenems. Alt Ems (Schl), Bauern-Wasen (D), Berg (P), Breitenberg (P), Buchenau (P), Emser Reute (P), Ermenbach (G), Fluhereck (A), Glopper (Schl), Grüner Platz (F), Gsohl (P), Herrenried (P), Kapf (B), Ober- und Unterklien (P), Platten (A), Ranzenberg (A), Rheinmäder (F), Reute (P), Schuttannen (A), Schwefel (P), Seelache (G), Tugstein (P)

Zeichenerklärung.
A Alpe, Voralpe, Maisäß - Agh Alpengasthaus - B Berg, Anhöhe, Felsen - Bd Bad - Bg Berggut - BM Bergmahd - BW Bergweg - D Dorf, Fraktion - F Feld, Mahd, Wiese, Acker - G Gewässer, See, Fluss, Bach, Weiher - H Haus, Gehöft, Einsicht - Ht. Hintere(s) - Hte Hütte - Jdh Jagdhaus, Jagdhütte - K Kirche, Kapelle - Kl Kloster - Ob. Obere(s) - P Parzelle, Rotte - Ru Ruine - S Bergübergang, Joch, Pass, Sattel - Schl Schloss, Burg - Sldg Siedlung - T Tal, Tobel - V Vorsäß - W Wald


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Montag, 10. April 2017

[ #Satteins ] Johann August Malin - Ein Arbeiter als Geologe

Der Vorarlberger Autodidakt arbeitete unter anderem über die geologische Beschaffenheit der Umgebung des Schwarzen Sees.

Johann August Malin (*22. September  1902 als Sohn eines Lohnstickers in Satteins) war nach der Volksschule Bauarbeiter am Spullerseewerk, dann jahrelang arbeitslos. In dieser Zeit bildete er sich selbständig zum Geologen aus. Zugleich schrieb er Eingaben und Gesuche an Behörden und Gerichte für Personen, die sich einen akademischen Rechtsbeistand nicht leisten konnten. Ab 1940 organisierte er eine antifaschistische Widerstandsgruppe im Raume Feldkirch, als deren Anführer er am 9. November 1942 in München-Stadelheim hingerichtet wurde.

Seine wissenschaftlichen Ambitionen galten besonders der Geologie, bleibendes Dokument dieser Tätigkeit ist eine Publikation zur geologischen Beschaffenheit der Umgebung des Schwarzen Sees. Zugleich engagierte er sich in Vorträgen und Artikeln für die Weiterbildung der sozial von den üblichen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossenen Bevölkerungsgruppen.

Inhalt
  • Ein Arbeiter wird Geologe. Die geologischen "Lehrjahre" / Funde und Entdeckungen 1929-1937 / Gebirgsstudien / Erdrutsch-Studien  
  • Geologie und Volksbildung. Die "Vorarlberger Urania" Lichtbildervorträge / Geologische Exkursionen  
  • Der unermüdliche Kampf um Anerkennung der angewandten Geologie. "Denkschrift" (1938) / Steinbruchkartei  
  • Die Monographie über den "Schwarzen See"  
  • Die geologischen Gutachten. Elektrizitätswerk Frastanz / Sicherung der Brandnerstraße  
  • Zusammenfassung und Würdigung  
  • Anmerkungen  
  • Übersicht über die geologischen Arbeiten Malins  
  • Verwendete Literatur  
  • Verzeichnis der Abbildungen  
  • Verzeichnis der Fachausdrücke

Verlagsinformation.   sperrung - mitteilungen der johann-august-malin-gesellschaft nr. 3 - Klaus Fessler: Ein "steiniger" Weg. Das geologische Schaffen Johann August Malins (1902-1942), 1986, 42 Seiten, br., öS 30,- / € 2,18

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.

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[ #Fußach ] Naturschutzgebiet: Rheindelta - Rohrspitz - Rheinspitz

Als Rheindelta wird das dreieckförmige Gebiet bezeichnet, das aufgrund der Rheinregulierung zwischen dem ursprünglichen Alten Rhein (Grenze Österreich-Schweiz), dem Neuen Rhein und dem Bodensee entstanden ist.

Feucht- und Vogelbrutgebiet. Das Naturschutzgebiet Rheindelta in Vorarlberg ist das größte Feuchtgebiet am Bodensee und reicht von der Mündung des alten Rheines an der Schweizer Grenze über die Mündung des neuen Rheines bis zur Dornbirner Ach in Hard. Es liegt auf den Gemeindegebieten von Höchst, Fußach, Gaißau und Hard und hat eine Fläche von ca. 2.000 ha. Da auch die angrenzenden Wasserflächen unter Schutz gestellt wurden, sind knapp zwei Drittel des rund 2000 ha großen Schutzgebietes Teil des Bodensees. Die Naturschutzaktivisten zählen im Naturschutzgebiet Rheindelta rund 3000 Tier- und Pflanzenarten. Europaweite Beachtung hat das Rheindelta als ein bedeutendes Brut- und Rastgebiet für rund 330 Vogelarten.


Mensch und Natur. Zwei Eingriffe haben bis heute großen Einfluss auf das Schutzgebiet: Die Regulierung des Alpenrheins und die Eindeichung. Seit 1900 wird der Rhein durch den Fußacher Durchstich in die Harder-Fußacher Bucht geleitet, was zu großflächigen Veränderungen geführt hat. Und seit der Eindeichung Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre wird der Wasserstand in einem rund 250 ha großen Teilbereich des Schutzgebietes künstlich reguliert, wodurch sich Vegetation und Fauna negativ verändert haben.

Natura Trail Rheindelta. Im Rheindelta wurde am 6. Juni 2010 ein Naturatrail der Naturfreunde eröffnet. Der Natura Trail soll das Naturerleben im Gebiet fördern und zugleich die lokale Bevölkerung wie auch Gäste für gefährdete Arten und Lebensräume sensibilisieren und zu einem bewussten und rücksichtsvollen Aufenthalt in der Natur animieren.
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Sonntag, 9. April 2017

[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Auswanderer nach Brasilien

Im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo, in der Nähe des Städtchens ltararé, bestand von 1921 bis weit in die Nachkriegszeit hinein eine von Vorarlberger Auswanderern begründete landwirtschaftliche Siedlung, die "Colónia Áustria".

In Itararé lebte schon einige Zeit Alwin Klocker, der aus Dornbirn eingewandert war. Er organisierte freie Überfahrt für die erste Gruppe von zumeist Dornbirnern und Lustenauern, indem sie als "Kaffeearbeiter" deklariert wurden.

Mehrere hundert Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zogen dorthin, viele blieben nur wenige Jahre in der Kolonie, bevor sie in die Industriestadt Sao Paulo abwanderten und dort wieder industriell-gewerbliche Berufe ergriffen. Einige kehrten auch nach Vorarlberg zurück.

Der Mehrzahl der in Brasilien Verbliebenen gelang der Wechsel aus dem hochindustrialisierten Vorarlberg in den industrialisierten Teil der brasilianischen Gesellschaft und auch der Aufstieg in die brasilianische Mittelschicht. Insofern kann die Geschichte eines erfolgreichen Ansiedlungsversuchs erzählt werden.

Darüber berichtet ein als kostenloser Download zur Verfügung stehendes Buch.

Verlagsinformation zur Druckausgabe. Werner Dreier: Colónia Áustria - Bairro da Seda. Vorarlberger Auswanderer nach Brasilien. Vorarlberger Autoren Gesellschaft, 1996, Text-Bildband, 112 S., kt., 113 Abb., ISBN 3-900754-20-9, öS 240,- / € 17,44

Dr. Werner Dreier. Historiker, Lehrer, zahlreiche Publikationen zur regionalen Zeitgeschichte, Antisemitismus, Nationalsozialismus; Mitglied der Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance, and Research; seit 2002 Aufbau und Leitung der Projektstelle 'Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart', Vermittlungsprojekt des BMBWK für Lehrende an österreichischen Schulen (gemeinsam mit Peter Niedermeier).

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.

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Lohnt sich ein Download? Inhalt der durchsuchbaren kostenlosen PDF-Ausgabe:

Vorwort 6
Die "Colónia Áustria" - ein Überblick 9
Migration und Vorarlberg 12
Brasilien als Einwanderungsland 13
Die Reise 14
Die "Colónia Áustria" 18
Die Organisation der Auswanderung 1921 19
"Im Kaffee" 24
Der Beginn: Schwierigkeiten und Zwistigkeiten 27
Der Streit Grabher - Klocker: Alte Kommunikationskan?le in der Neuen Welt 38
Viele Glieder bilden eine Kette: Kettenwanderung 44
Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse 50
Kulturelles Zentrum oder kulturelle Schleuse? 62
Die Schule 64
Von Vorarlbergern zu Brasilianern 68
Aus der Kolonie in die Stadt 74
Vorarlberger andernorts in Brasilien bzw. Südamerika 84
Anmerkungen 95
Literaturverzeichnis 104
Abkürzungen 106
Bildquellennachweis 107



Donnerstag, 6. April 2017

[ #Vorarlberg ] Minë Schmelg - Sprechender Dialekt-Atlas des Alpenraums online


Das Elsbethner "Dirndl", die Pinzgau "Mötzn", die Südtiroler "Gitsche" und die Bregenzerwälder "Schmelg". Für all diese Dialektausdrücke aus dem Alpenraum gibt es im Hochdeutschen einen einzigen Begriff: Mädchen. Das ist nur ein Beispiel aus dem neuen Dialektatlas, der die Vielfalt der deutschsprachigen Arge-Alp-Länder dokumentiert und im Internet anzuhören ist.

Alemannischen und Bairisch. Dialekte sind Sprachen mit je spezifischer räumlicher Geltung bzw. Gebundenheit. Wenn wir von der kleinsten Einheit – dem Ortsdialekt – ausgehen, können wir beim Vergleich verschiedener Ortsdialekte feststellen, dass es jeweils nur eine wenige charakteristische Merkmale sind, die diese Dialekte voneinander trennen. Die weitaus überwiegende Mehrzahl ihrer sprachlichen Eigenschaften sind dagegen gleich. Dies berechtigt uns, neben den sehr kleinräumig gebundenen Ortsdialekten (z.B. dem Dialekt von Schlanders oder Hittisau) auch etwas großräumigere Dialektgebiete abzugrenzen (z.B. die Dialekte des Südtiroler Vinschgaues oder des Bregenzer Waldes). Auch solche weiter gefassten Sprachräume lassen sich wiederum zu größeren Einheiten zusammenfassen – wobei mit zunehmender Generalisierung natürlich die Anzahl der gemeinsamen Merkmale aller Einzeldialekte immer kleiner wird. Dieses Verfahren führt schließlich zur Konstituierung zweier großer süddeutscher Dialektverbände, dem Alemannischen und dem Bairischen.

Beide Dialektverbände weisen in sich jeweils eine charakteristische Nord-Süd-Gliederung auf, die im Wesentlichen auf den Gegensatz zwischen der Verkehrsoffenheit des nördlichen voralpinen Raums und der Abgeschiedenheit des inneralpinen Raums zurückzuführen ist: Während die verkehrsabgeschiedenen südlichen Dialekte sehr sprachkonservative, altertümliche Eigenschaften bewahrt haben, zeichnen sich die weiter nördlich liegenden Dialektgebiete durch eine Reihe von sprachlichen Neuerungen seit dem Mittelalter aus.

Das Alemannische. Dafür werden die Dialekte zwischen dem Bodensee und Graubünden in zwei größere Gruppen unterteilt – dem „Bodensee-Alemannischen“ und dem „Südalemannischen“. Daran schließen sich im südlichen Graubünden (Beispielorte Vals, Davos) auch Gebiete mit höchstalemannischen Merkmalen an. Eine höchstalemannische Sprachinsel findet sich ebenfalls noch im vorarlbergischen Großen Walsertal (vgl. Fontanella). Merkmale dieses Höchstalemannischen sind etwa die Veränderung des s-Lautes zu sch wie in sie → schi und der Erhalt des alten Langvokals î in Wörtern wie mhd. snîwen ‚schneien‘ →schniie (gegenüber schneie der angrenzenden alemannischen Dialekte).

User. Per Mausklick kann sich der Nutzer die unterschiedlichen Dialektausdrücke, Sprechweisen oder Satzkonstruktionen je nach Region anhören und vergleichen. An etwa 100 Beispielwörtern und -sätzen sind kulturelle Identitäten und Unterschiede nachzubuchstabieren. Dazu gesellen sich 54 verschiedene Aussprachen: doppelt so viel an der Zahl wie die inspizierten Orte. Dies deshalb, weil sich die Mundart je nach Generation verändert. Dies dokumentieren die Vergleiche zwischen älteren und jüngeren Sprechern. Dabei zeigt sich, dass die kleinräumigen Formen des Dialektes tendenziell verschwinden und sich größeren Regionen anpassen. Ergänzt wird die Homepage mit Hintergrundinformation zu den einzelnen Mundarträumen und sprachlichen Grenzziehungen sowie durch ein Dialekt-Quiz.

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Mittwoch, 5. April 2017

[ #Leiblach ] Der Schieber vom Bodensee: Modellstehen für Dr. Mabuse

Wikimedia: Waldemar Flaig: Porträt Norbert Jacques, 1927
Tatsächlich stammt die Figur des Dr. Mabuse vom Bodensee. Geschrieben hat ihn der luxemburgische Schriftsteller Norbert Jacques, angeblich in nur 20 Tagen im Gasthaus Bad Diezlings in Hörbranz. 

Die Figur entstand als der Schriftsteller nach dem Ersten Weltkrieg auf einer Dampferfahrt über den Bodensee war. Zu dieser Zeit war die Gegend um den Bodensee ein beliebter Umschlagplatz für den in höchster Blüte stehenden Schwarzhandel. Der Autor beobachtete einen Mitpassagier, dessen Statur und Gesicht ihn inspirierten. Im Geiste machte er dann aus dem beobachteten kleinen Schieber mit der berührenden Ausstrahlung einen genialen Großverbrecher um dessen Gestalt herum Geschichten um Geldwäsche, Mädchenhandel, Schmuggel, Diebstahl und Glücksspiel: Dr. Mabuse, der Spieler.


Norbert Jacques
, der Erinder von Dr. Mabuse, bleibt mit dem Bodensee bis ans Lebensende verbunden. Wegen seines Verhaltens während des Ersten Weltkrieges und auch des Nationalsozialismus ist sein Werk nach einer Tabuisierung heute weitgehend unbekannt. Bekannt hingegen ist die Verfilmung des Dr. Mabuse durch Fritz Lang aus dem Jahr 1921. Gemeinsam mit dem Regisseur Fritz Lang bereiste er 1931 die Türkei.

Während des Ersten Weltkrieges fungierte Norbert Jacques dank eines luxemburgischen Passes als Kriegsberichterstatter und veröffentlichte Berichte über den Krieg in Belgien, Holland, Frankreich und England, wobei ihm die Parteinahme für Deutschland in Luxemburg verübelt wurde und Verachtung, Ablehnung und Boykott zur Folge hatte. Ursprünglich meldete sich Norbert Jacques 1914 in Berlin gar als deutscher Kriegsfreiwilliger, wurde aber wegen seiner luxemburgischen Staatsangehörigkeit nicht akzeptiert. Für ihn war Luxemburg als Land zwischen zwei Völkern und zwei Sprachen geprägt von Provinzialismus, Konservatismus und Klerikalismus.

1938 wurde für seine Familie zum Schicksaljahr. Seine Frau Jacques Margerite Samuely war Jüdin aus Wien, eine ehemalige Sekretärin von Arthur Schnitzler. Mit ihr hatte er zwei Töchter: Aurikula und Adeline. Die Eheleute (Ehe seit 1912 nach der Scheidung von der Sachuspielerin Olga Hübner, mit der er seit 1902 verheiratet war) ließen sich scheiden und Margerite emigrierte Anfang 1939 in die USA. Immerhin verschaffte er seinen Töchtern über Luxemburger Freunde die luxemburgische Staatsangehörigkeit, seine jüdische Ehefrau Grete Samuely ging nach der Scheidung ebenfalls via Luxemburg ins amerikanische Exil.

Der Kreis. Vor seiner Auflösung ist er Vorsitzender der über die Grenzen tätigen Künstlervereinigung der Maler und Bildhauer am Bodensee "Der Kreis".  In einem Schreiben an den in Wien tätigen Vorarlberger Bildhauer Albert Bechtold kündigt sich, wenn man so will - seine "innere Emigration" zum nationalsozialistischen Deutschland an. In Ingrid Adamers Buch über Albert Bechtold (Ingrid Adamer: Albert Bechtold 1885-1965. Böhlau Verlag Wien, 2002 - 471 Seiten) finden wir folgenden Satz:

"Fragen Sie nicht allzu verwundert, ob denn 'Der Kreis' überhaupt noch exisitierte. Wenn er auch in den letzten beiden Jahren ein etwas zurückgezogenes Leben geführt hat, so ist sein Lebenswille deswegen noch nicht erloschen. Es liegt an den allgemeinen Verhältnissen, dass wir nicht stärker hervortreten können, mit Ausstellungen, mit Festen und kollegialen Zusammenkünften, wie früher, denn diese inzwischen entstandenen Verhältnisse legen sich würgend auf die für eine internationale Vereinigung wie den 'Kreis' so notwendige Freizügigkeit."

Norbert Jacques selbst konnte sich aber trotz verschiedener Repressalien wie einer 14-tägigen Gestapohaft und eines zeitweiligen Schreibverbots nicht zur Emigration entschließen. 1940 heiratete er  in 3. Ehe in Bregenz Maria Jäger aus der Schweiz.

Im Mai 1940 stellte er sich wiederum in den Dienst der reichsdeutschen Kulturpropaganda in Luxemburg und gab 1941 linientreue Stellungnahmen in deutschen Zeitungen zur Luxemburg-Frage ab.  Für 20 Tage war er in Sigmaringen im Jahr 1945 gar Bürgermeister. Nach 1945 wurde er der Kollaboration, germanophiler Hetze, Denunziation und des Landesverrats bezichtigt. Es folgte eine viermonatige Untersuchungshaft im Staatsgefängnis und schließlich, ohne offizielle Anklageerhebung, eine Ausweisung im Juli 1946. Er verbrachte danach bis zu seinem Tode sein Leben im wesentlichen auf dem Bauernhof in Schlachters in Sigmarszell im deutschen Teil des Leiblachtales. Beerdigt ist Norbert Jacques auf dem Friedhof von Schlachters.

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Prato,









[ #Bregenz ] Der Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann (*3.3.1902-†9.8.1941)

Ebenso wie der oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter war Ernst Volkmann (* 3. März 1902 in Schönbach, Böhmen; † 9. August 1941 in Brandenburg an der Havel) aus Bregenz einer der ganz wenigen aufrechten Menschen, die ihre Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit bis zur letzten – in ihrem Fall tödlichen – Konsequenz vertraten.
Ohne sich beirren zu lassen, hat Ernst Volkmann auf die Stimme seines Gewissens gehört und ist seiner christlichen Überzeugung gefolgt. Er hat sich weder verführen noch erpressen lassen, sondern mit seiner einsamen Entscheidung ein eindeutiges Zeichen gegen das Unrecht und die Barbarei gesetzt.

Gitarrenbauer. Ernst Volkmann verweigerte aus christlich-religiöser Überzeugung heraus den Fahneneid auf Adolf Hitler. Er wurde deswegen zum Tode verurteilt und am 26. Juli 1941 in Berlin hingerichtet.

Ernst Volkmann wurde am 3. März 1902 in Schönbach an der Eger (Sudetenland) geboren. 1927 ließ er sich in Bregenz als Gitarrenbauer nieder. Er heiratete und lebte mit seiner Familie im Haus neben der Stadtpfarrkirche St. Gallus, wo er häufig Mesnerdienste versah.


Kriegsdienstverweigerer. Mehrmals unterließ es Volkmann, der Aufforderung zur Wehrerfassung im Wehrmeldeamt nachzukommen, sodass im Frühjahr 1940 eine Anzeige erfolgte. Obwohl Volkmann in einer medizinischen Untersuchung Zurechnungsfähigkeit beschieden worden war, ließ Richter Dr. Erne aber das darauf folgende Verfahren einstellen.

Als Ernst Volkmann im Februar 1941 dann zur Wehrmacht nach Lienz eingezogen wurde, ließ er den dortigen Kompanieführer wissen, dass er den Eid auf den Führer verweigere, da seine religiöse Anschauung nicht mit dem Nationalsozialismus vereinbar sei. Erneut wurde ein psychiatrisches Gutachten erstellt, wieder wurde darin die Zurechnungsfähigkeit Volkmanns festgestellt.

Der Fall gelangte vor das Salzburger Divisionsgericht und, als Volkmann weiterhin standhaft blieb, an das Reichskriegsgericht in Berlin. Bei der dortigen Hauptverhandlung am 7. Juli 1941 wurde Volkmann bedroht und erniedrigt, dennoch bewies er erneut seine Charakterstärke und erklärte, dass sein Einsatz in der Wehrmacht nur dem Nationalsozialismus dienen würde. Die Ableistung des Fahneneides sei für ihn eine Vergewaltigung seiner sittlichen Freiheit.

Gnadengesuch abgelehnt. Ernst Volkmann wurde am 7.7.1941 vom Reichskriegsgericht in Berlin-Charlottenburg zum Tod verurteilt, ein Gnadengesuch seiner Frau wurde abgelehnt. Am 26. Juli 1941 fand in Berlin-Plötzensee die Hinrichtung statt. Seine letzte Sorge, so der Gefängnispfarrer, habe seiner Frau und seinen drei Kindern gegolten, die in Bregenz zahlreichen Belästigungen durch NS-Fanatiker ausgesetzt waren.

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[ #Ludesch ] Der Kaiserin Sisi Vorarlberger Wellness-Guru: "Net lugg lo"

War Dr. Ludwig Seeger als Landarzt in Ludesch nur für die "Wehwehchen" der Blumenegger zuständig, so war er nach seinem Umzug nach Wien höchstpersönlicher Trainer von Kaiserin Elisabeth (im Volksmund Sisi).

"Net lugg lo" heißt der dichterischer Wahlspruch und der einzige Gedichtband des Vorarlberger Arztes Ludwig Seeger und gehört damit in der Vorarlberger Literaturgeschichte in die erste Reihe der frühen Mundart-Dichter. Weniger beachtet sind seine Leistungen als Arzt, Lebensreformer, Pionier der Ergonomie und Fitness- und Ernährungsprogramme.
Bild aus Seegers Buch: "Diätische und ärztliche Zimmer-Gymnastik für beide Geschlechter und jedes Alter", Wien (1878)
© Wikimedia Commons

Anleitung und Behelfe zur richtigen und gesunden Schreibhaltung. Wer denkt daran, dass sich der kaiserliche Wellnessberater mit den ergonomischen Problemen der Beamten und Fabricsangestellten, der Schüler und der schreibenden Arbeiter auseinandersetzt. Schon 1876 publizierte er die Broschüre "Anleitung und Behelfe zur richtigen und gesunden Schreibhaltung". Bildschirmarbeit und Schreibmaschine gab’s zwar noch nicht, wenngleich die Erfindung der Schreibmaschine schon im Gange war und die kaiserlichen Gutachter den Wert der Erfindung Peter Mitterhofers noch nicht erkennen wollten. So war das "Wiener Modell 1869" bereits mit Volltastatur und Walze sowie mit Lettern als Typen ausgestattet und stellte bereits eine gebrauchsfähige Schreibmaschine dar. Sie wurde zwar für 200 Gulden vom Wiener Hof angekauft und als Geschenk von Kaiser Franz Joseph I. in die Modellsammlung des Polytechnischen Institutes aufgenommen, aber sichtlich als Spielerei, Spinnerei und Tüftlerei verstanden, nicht als technologischen Fortschritt. Daraus allein lässt sich schon die Fortschrittlichkeit Ludwig Gabriel Seegers - vulgo "Seeger an der Lutz" erkennen. Und dass es seinen ergonomischen Ratschlägen eigentlich nicht viel besser beschieden war, das zeigt sich an der bis in die heutigen Tage andauernden Diskussion um die Ausstattung der Schulen mit ergonomisch vertretbaren Stühlen für die Kinder! Bereits zu Seegers Zeiten gab es - selbstredend nur in vornehmen privaten Schulen - bereits nach seinen Plänen gebaute ergonomisch verstellbare Schülertische und Stühle.

Wellness. Ludwig Gabriel Seeger war als Arzt in Ludesch ab 1856 tätig und übersiedelte nach dem Tod seines Vaters nach Wien, wo er sich einen größeren Wirkungskreis als Heilgymnastiker erwartete. So die offizielle Geschichtsschreibung. Die inoffizielle weiß davon zu erzählen, dass er seinen Zeitgenossen gegenüber ein scharfer Beobachter war, der sich mit seinen Gedichten und Aktivitäten nicht nur Freunde machte. Der Konflikt mit der Kirche führte schlussendlich sogar zu seiner "Vertreibung" aus der Provinz, ins "Exil" nach Wien. Wie dem auch sei, die an sich gänzlich unpolitischen und um Gesundheit bemühten Werke das "Das Zimmerturnen mit Kugelstab, Hantel und Wurfnadel" (1863) oder das gar im damaligen Geiste geradezu emanzipatorische "Diätetische und ärztliche Zimmer-Gymnastik für beide Geschlechter (sic!) und jedes Alter" (2. Aufl. 1878) werden in der Provinz und bei der Geistlichkeit nicht unbeachtet gebliebenes "Treiben" gewesen sein.

"Wenn ma rupft an'ra Kutta nu a bitzle am Som,
so gnappan d'r alle bis ahe gi Rom".

Citoyen. Jedenfalls trat er für den Bürger ein. Als Wiederbegründer des Blumenegger Schützenvereines, Gründer des Blumenegger Männerchores und Gründer der Ludescher Feuerwehr setzte Dr. Ludwig Seeger deutliche Zeichen. Als "Querdenker" stand Dr. Ludwig Seeger auch hinter der liberalen Presse und damit im Kreuzfeuer des Klerus. Da war sogar vom "lutherischen Dorf" (Ludesch) die Rede. Der Überlieferung zufolge soll der junge Kaplan Anton Walter als Prediger in Ludesch gegen die liberale Presse zu Felde gezogen sein, sodass schließlich nur noch in vier Ludescher Haushalten die "kirchenfeindliche" Feldkircher Zeitung gelesen wurde. Seeger wird dabei als "Seele der kirchenfeindlichen Bewegung" zitiert. Mit seinem "Net lugg lo" hat er den Generationen danach einen Auftrag hinterlassen und mit "Gibile Gäbile Rechazah, s'Wib isch Meister und net dr Ma" hat Seeger bereits der Emanzipation das Wort geredet. Mit der Lebensweisheit "Bist grad wia-na Latta, stoßt öftermol aa. Bist krumm wia-n-an Schwiischwanz, bist no letzter dra" hält Dr. Ludwig Seeger den Spießbürgern den Spiegel vors Gesicht.

A Wässerle, so kli und klar,
ma ment, as künn nit si -
und doch, es grift vertüflet a,
’s ist Kriesewasser gsi!

Net lugg lo. Im "Exil" in Wien bewährt sich Ludwig Seeger. Als Lebensreformer zählte auch die damals noch junge Elektromedizin zu Seegers Forschungsgebieten. Und so baute er ab den 1860er Jahren im Wiener Krankenhaus auf der Wieden eine entsprechende Abteilung auf, die später dann von seinem Sohn Ludwig Eduard Seeger (1862-1927) übernommen wurde. Er wirkte also in Wien einerseits als Elektrotherapeut und Leiter der Station für elektrische Behandlung am Krankenhaus Wieden (Man vergegenwärtige sich: 1884 begann Siegmund Freud "nervöse" Krankheiten mit der Elektrotherapie zu behandeln. 1860 begannen amerikanische Zahnärzte, Gleichstrom zur Lokalanästhesie einzusetzen. 1859 ließ sich der Zahnarzt Oliver die Elektroanästhesie sogar patentieren).

Anderseits hatte er auch seine eigene, von ihm gegründete Anstalt für orthopädische Gymnastik im ersten Bezirk in Wien, wie er überhaupt zu den Pionieren dieser Bewegung zu zählen ist. Zu seiner Klientel zählten die höchsten Kreise der Geburts- und Geldaristokratie, ebenso die so beliebte Kaiserin "Sisi". Immerhin war Dr. Seeger einige Jahre als Landarzt in Ludesch nur für die "Wehwehchen" der Blumenegger zuständig und nach seinem Umzug nach Wien nun höchstpersönlicher Trainer von Kaiserin Elisabeth (im Volksmund Sisi). Sie hielt sich mit den von Seeger eigens entwickelten Trainingsgeräten fit und folgte brav seinen aufgezeichneten Übungsanweisungen. Er entwickelte spezielle Übungsreihen mit seinen Turnstäben, Kugelstab, Hantel, Ringe, Wurfnadel, Schaukel, Turnstuhl und Stangenreck als "Turnbehelfe". Mit seiner Vortragsreihe "Rationelle Volksernährung" darf man ihn auch als Vorreiter der ganzheitlichen Ernährungsberatung nennen.

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Montag, 3. April 2017

[ #Vorarlberg ] Neophyten in Vorarlberg - Neubürger im Pflanzenreich

Die Ausbreitung "exotischer Arten" ist nahezu weltweit zu einem Problem geworden. 

Neophyten werden oft als prinzipiell Unerwünschtes, zu Bekämpfendes dargestellt, direkt übersetzt bedeutet er aber nur so viel wie "Neu-Pflanze". Dabei handelt es sich um Pflanzenarten, die in einem bestimmten Gebiet nicht einheimisch sind und die erst nach 1492 (Entdeckung Amerikas) unter direkter oder indirekter Mithilfe des Menschen in dieses Gebiet gelangt sind.

Archäophyten. Das Gegenstück zu den Neophyten sind die Archäophyten, also Arten, die seit der Sesshaftwerdung des Menschen nach der Jungsteinzeit eingewandert sind. Ihre Ansiedlung wurde durch die Kulturtätigkeit (Rodungstätigkeit, Ackerbau und Viehzucht, Siedlungstätigkeit) begünstigt. Meist sind dies lichtliebende Steppenpflanzen, viele von ihnen haben heute hohe Naturschutzrelevanz.

Invasive Arten. Die Ausbreitung "exotischer Pflanzenarten" ist nicht erst mit der Globalisierung aktuell geworden. Auch in Österreich gelten inzwischen 27 Prozent der wild wachsenden Pflanzen als Neubürger - als Neophyten.

Allerdings wird nur etwa eine von tausend Arten in ihrer neuen Heimat invasiv, dh zur Problempflanze.

Interessant ist, dass Pflanzen aus der alten Welt in der neuen Welt erfolgreicher sind als umgekehrt. Seit 1500 haben sich in Nordamerika 150 europäische Arten etabliert, während in Europa etwa 90 nordamerikanische Arten Fuß fassen konnten.

In Vorarlberg treten die meisten Neophyten nur sporadisch auf, einige sind echte Raritäten: Der Gezähnte Leindotter (Camelina alyssum) - ein Ackerwildkraut von der Balkanhalbinsel und aus Vorderasien - wurde von Josef Murr ehemals auf Leinäckern in Bregenz-Mehrerau beobachtet. Doch das nützte dem Ackerwildkraut nicht: Nach 1920 wurde diese Art in Österreich nicht mehr nachgewiesen, um 1950 ist das Ackerwildkraut gar weltweit ausgestorben.

Verdienstvoller Herausgeber der tollen Website ist das UMG Umweltbüro Grabher aus Bregenz.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Walsertal ] Naturschutzgebiet Gadental

Das Gadental liegt im Biosphärenpark Großes Walsertal und beherbergt über 500 Arten von Farnen und Blütenpflanzen.

Das Gadental ist seit 1987 Naturschutzgebiet und wurde nach der europäischen Fauna Flora Habitat Richtlinie zum Natura 2000 Schutzgebiet nominiert.

Es ist als typisches Bergtal der Nördlichen Kalkalpen in einer ursprünglichen und naturnahen Nutzung erhalten und mit 1500 ha das größte Naturschutzgebietd Vorarlbergs, ein Natura 2000 Gebiet und die Kernzone des Biosphärenparkes Großes Walsertal.

Biotope. Es wird durch den Matonabach nach Norden entwässert und beherbergt eine Vielzahl von naturnahen, natürlichen und ursprünglichen Biotopen.

Am Taleingang findet man seltene Spirkenwälder. Buchen- Tannenwälder, Fichtenwälder und Latschenfelder bedecken die Eingänge des Tales. In der Talmitte wachsen urwaldartige Mischwälder und den Talschluss nach Süden bilden die Karstgebiete des Gadner- und Diesner-Gschröfs mit der Naturhöhle "Wildes Loch".

Wald. Die Waldflächen unterliegen einem völligem Schutz, sie werden als Naturwaldflächen der freien natürlichen Entwicklung überlassen. Wichtig dabei ist die natürliche Verjüngung des Waldes, die für das Tal nur erreicht werden kann, wenn die Wildbestände reguliert werden.

Alpwirtschaft. Montansubalpine Weideflächen mit den Alpen Gaden-Madona und Diesnerberg kennzeichnen den mittleren Talabschnitt. Darüber schließen ausgedehnte Karsthochflächen an, die durch Erhebungen wie die Schwarze Wand oder den Misthaufen nach Süden begrenzt sind. Im Gadental trägt eine nachhaltige, traditionell geführte Alpbewirtschaftung zur Erhaltung der Alpflächen bei.

Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt.
In dem Naturschutzgebiet ist das Vorkommen der gefährdeten Arten Arnica (Arnica montana), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Trollblume (Trollius europaeus), Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium) und MehlPrimel (Primula farinosa) belegt. An typischen Großtieren dieses Lebensraums sind Gämse und Reh in guten Populationen vertreten. Ebenso kommt Murmeltier, Fuchs, Marder und Wiesel vor. Sehr artenreich ist die Vogelfauna. Insgesamt sind im Gadental 58 Brutvogelarten nachgewiesen.

Schutzinhalt:
  • Latschenbusch mit Pinus mugo und Rhododendron hirsutum
  • montaner und subalpiner Spirken-Wald auf Gips- und Kalksubstrat
  • montane bis alpine bodensaur Fichtenwälder
  • Waldmeister-Buchenwald
  • Schlucht- und Hangmischwälder
  • mitteleuropäischer subalpiner Buchenwald
  • feuchte Hochstaudenfluren der montanen bis alpinen Stufe
  • kalkreiche Niedermoore
  • alpine und subalpine Kalkrasen
  • alpine und boreale Heiden
  • Kalk- und Kalkschieferschutt-Halden der montanen bis alpinen Stufe
  • Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
  • Kalk-Felspflaster
  • nicht touristisch erschlossene Höhlen
  • Frauenschuh
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Sonntag, 2. April 2017

[ #Feldkirch ] Schicksalsbahnhof Feldkirch

"Dort drüben auf den Schienen wurde 1915 das Schicksal des Ulysses entschieden" heißt es auf einer Tafel, die der Kulturkreis Feldkirch 1994 in der Halle des Bahnhofs angebracht hat. Dr. Ulrich Nachbaur vom Landesarchiv Vorarlberg zählt weitere Personen auf, denen der Bahnhof Feldkirch Schicksal wurde: James Joyce, Thomas Mann, Stefan Zweig, Jura Soyfer, Carl Zuckmayr, Walter Mehring, Leon Askin, Hertha Pauli, Gina Kaus, Karl Furcht, Ernst Lothar, und ...

Ende 2001 haben die ÖBB die vom Kulturkreis Feldkirch am Bloomsday 1994 über den Fahrkartenschaltern montierte Gedenktafel durch eine besonders anschauliche und auffällige Präsentation des literarhistorischen Joyce-Zitates ersetzt: "Dort drüben auf den Schienen wurde 1915 das Schicksal des Ulysses entschieden" ("Over there, on those tracks the fate of 'Ulysses' was decided in 1915"). Dr. Ulrich Nachbaur vom Landesarchiv Vorarlberg zählt weitere Personen auf, denen der Bahnhof Feldkirch Schicksal wurde.

James Joyce, Thomas Mann, Stefan Zweig, Jura Soyfer, Carl Zuckmayr, Walter Mehring, Leon Askin, Hertha Pauli, Gina Kaus, Karl Furcht, Ernst Lothar, und ... Der Bahnhof Feldkirch, in Friedenszeiten ein Bahnhof wie jeder andere auch, in Kriegs- und Umbruchszeiten ein Tollhaus. Dr. Ulrich Nachbaur vom Vorarlberger Landesarchiv zählt weitere Personen auf, denen der Bahnhof Feldkirch zum Schicksal wurde (In: Rheticus Vierteljahresschrift der Rheticus-Gesellschaft 1998, Heft 3/4, S. 273-294 Flucht und Grenze in der Literatur).

Schon im I. Weltkrieg eine Drehscheibe. Im Institut St. Josef am Ardetzenberg wurde eine große Zensurstelle eingerichtet. Gegen 50 Offiziere und 500 Mann aller Sprachgruppen der Donaumonarchie kontrollierten den Postverkehr. Die Zensurstelle diente nicht zuletzt dem Nachrichtendienst.

Am Grenzbahnhof Feldkirch wurde Stefan Zweig dann am 23. März 1919 Zeuge, wie Karl von Habsburg-Lothringen ins Schweizer Exil reiste. Darüber berichtete er in seiner Autobiographie "Die Welt von Gestern", die 1942 posthum erschien:

"Bei der Rückkehr nach Österreich über die Grenzstation Feldkirch stand mir ein unvergeßliches Erlebnis bevor. Schon beim Aussteigen hatte ich eine merkwürdige Unruhe bei den Grenzbeamten und Polizisten wahrgenommen. Es kam der Glockenschlag, der das Nahen eines Zuges ankündigte. Die Polizisten stellten sich auf, alle Beamten eilten aus ihren Verschlägen. Langsam, majestätisch rollte der Zug heran, ein Zug besonderer Art, ein Salonzug. Die Lokomotive hielt an. Eine fühlbare Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, ich wußte immer noch nicht warum. 
Da erkannte ich hinter der Spiegelscheibe des Waggons hoch aufgerichtet Kaiser Karl, den letzten Kaiser von Österreich und seine schwarzgekleidete Gemahlin, Kaiserin Zita. Ich schrak zusammen: Der letzte Kaiser von Österreich, der Erbe der habsburgischen Dynastie, die siebenhundert Jahre das Land regiert, verließ sein Reich! Weil er die formelle Abdankung verweigerte, hatte die Republik seine Abreise erzwungen. Nun stand der hohe ernste Mann am Fenster und sah zum letzten Mal die Berge, die Häuser, die Menschen seines Landes. ..."
Deutscher Grenzbahnhof ab 1938. Entscheidende Bedeutung aber sollte der Bahnhof mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 erhalten. Schon bein Anschluss erwiesen sich die Vorarlberger Nazis derart agressiv, dass sogar die deutschen Behörden zur raschen Reorganisation des Grenzregimes greifen mussten: Die einheimischen Vorarlberger SS- Leute zeigten sich in ihren schwarzen Uniformen jedenfalls von ihrer übelsten und brutalsten Seite. Die am 13. März 1938 am Bahnhof Feldkirch angereisten Juden wurden mit “Saujud” angeschrien und wurden ihnen die Fingerringe abgezogen, den Frauen der Schmuck heruntergerissen.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

    [ #Vorarlberg ] Hexenverfolgungen in Vorarlberg im 16. und 17. Jahrhundert

    Auch wenn die Umstände unvergleichbar sein müssen, Assoziationen zur augenblicklichen gesellschaftlichen Situation drängen sich dennoch auf. 

    Die Alltagsbewältigung unter erschwerten wirtschaftlichen Umständen nützte eben ein großer Teil, wohl der bedrängtere Teil der Bevölkerung Vorarlbergs zu den Zeiten der Hexenverfolgung, die vermeintlichen Verursacher ihres Elends im Zuge von Hexenprozessen zu eliminieren. Da die Behörden jedoch an rechtliche Normen und Vorgaben der (Innsbrucker) Regierung gebunden waren, gingen diese in den Augen der Bevölkerung vielfach zu wenig konsequent gegen die als Hexen Verdächtigten vor, wodurch neue soziale Konflikte entstanden.

    Elsa Guotschelckhin. Die erste bekannte Person, die in Vorarlberg als Hexe gefangen genommen wurde, war die Mutter des späteren kaiserlichen Hofhistoriografen Dr. Jakob Mennel aus Bregenz (1498/99); die Erste, gegen die nachweislich prozessiert wurde, hieß Elsa Guotschelckhin und stammte aus Latz bei Nenzing (1528). Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam es in den Herrschaften Bregenz und Feldkirch zu einer Hexenverfolgungswelle, von welcher der Bregenzerwald besonders stark betroffen war.

    In den österreichischen Herrschaften vor dem Arlberg standen in den 130 Jahren zwischen 1528 und 1657 insgesamt mindestens 165 Personen als Hexen oder Hexer vor Gericht. In Anbetracht des Aktenverlustes wird es nicht zu hoch gegriffen sein, wenn man diese Zahl auf etwas über dreihundert verdoppelt. Mindestens 95 Personen wurden im erwähnten Zeitraum nachweislich als Hexen oder Hexer getötet. Tatsächlich muß man hier wohl mit etwa zweihundert Todesopfern rechnen.

    Frühneuzeitliche Erklärungswelten. Die meisten frühneuzeitlichen Menschen glaubten, dass alles, was sie betraf, Ausdruck einer Absicht war. Sie lebten damit in einer ständig bedrohten Welt, zu deren Bewältigung angesichts der Entwicklungen des 16. und 17. Jahrhunderts die traditionellen Erklärungsmuster nicht mehr hinreichten. Bevor sie zu einer umfassenderen sachorientierten Wahrnehmungsweise gelangen konnten, ermöglichte es ihnen das theologisch-rechtliche Vorstellungsangebot vom übermächtigen Feind der christlichen Welt und der Verschwörung der Hexen weiterhin, Nöte und Konflikte aus einem unverständlichen in einen klaren Zusammenhang zu heben, somit leichter zu ertragen und vermeintlich auch zu beseitigen. Das wirkte sich jedoch besonders im engeren nachbarschaftlichen Verband, der ohnehin immer einen guten Nährboden für Antagonismen und Aggressionen bildete, letztlich verheerend aus.

    Soziale Konflikte, Bei einer quellenorientierten Untersuchung versagen viele gängige Erklärungen des Hexenwesens. Es zeigt sich, dass die Hexenverfolgungen in den Herrschaften vor dem Arlberg in erster Linie als Ausdruck sozialer Konflikte verstanden werden müssen. Auch der christliche Kontext muss dabei hinterfragt werden: Zwar nutzten die Verfahren das theologisch-rechtliche Angebot, ermöglichte dieses doch kraft dem religiösen Vorstellungsangebot vom übermächtigen Feind der christlichen Welt von der Verschwörung der Hexen auszugehen. In den Geständnissen der Angeklagten standen jedoch die vermeintlich zauberischen Schädigungen im Vordergrund. Von der Satansverehrung der theologischen Hexenvorstellung sind nur Ansätze dokumentiert. Statt dessen lassen sich sowohl in den Prozessunterlagen als auch im volksmagischen Umfeld der Hexenverfolgungen auch Denkmuster feststellen, die an nichtchristliche Verbindungen zur Totenwelt und Fruchtbarkeitsvorstellungen erinnern.

    Johann-August-Malin-Gesellschaft. Diese Vorarlberger historische Gesellschaft macht auf ihrer Website Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Manfred Tschaikner online bzw. als kostenfreies PDF zum Herunterladen.

    Verlagsinformation. Manfred Tschaikner: "Damit das Böse ausgerottet werde". Hexenverfolgungen in Vorarlberg im 16. und 17. Jahrhundert - Studien zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Band 11. 1992, 312 Seiten, kt., 20 Abb., ISBN 3-900754-12-8, öS 317,- / € 23,04

    Mag. Dr. Manfred Tschaikner. Manfred Tschaikner wurde 1957 in Bludenz geboren und wuchs in Feldkirch und Dornbirn auf. Er maturierte 1975 am Bundesgymnasium Dornbirn und begann nach dem einjährig-freiwilligen Präsenzdienst 1976 an der Universität Innsbruck Germanistik und Geschichte zu studieren. Nach der Sponsion und Lehramtsprüfung 1982 unterrichtete er in Innsbruck und von 1983 bis 2002 als begeisterter Pädagoge am Bundesgymnasium Bludenz. Er zählte zu jenen Mittelschullehrern, die sich neben dem Lehramt auch um die Forschung bemühten. Aufgrund einer Dissertation über die Hexenverfolgung in Vorarlberg wurde der Historiker 1992 von der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert. Inzwischen hat Tschaikner mehrere Bücher und wohl über 200 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. 2002 wechselte er ins Vorarlberger Landesarchiv nach Bregenz, wo er sehr engagiert und erfolgreich die Abteilung "Historisches Archiv" leitet. 2008 wurde ihm die Lehrbefugnis für das Fach Österreichische Geschichte an der Universität Wien erteilt. Sein Forschungsschwerpunkt bildet neben der allgemeinen Regionalgeschichte das frühneuzeitliche Hexenwesen Westösterreichs, Liechtensteins und der Ostschweiz, wo er international als Kapazität geachtet wird.

    [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
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    Vorwort 9

    1. Voraussetzungen 11
    1.1. Vorüberlegungen 11
    1.2. Literaturübersicht zum Hexenwesen in den österreichischen Herrschaften vor dem Arlberg 16
    1.3. Grundlagen und Entwicklung des Hexenwesens bis zum Beginn der Verfolgungen in Vorarberg 23
    1.3.1. Kirche und Zauberei bis um 1200 23
    1.3.2. Einführung der lnquisition und Verketzerung der Zauberei 25
    1.3.3. Der theologische Hexenbegriff 29
    1.3.4. Verbreitung des Hexenwesens im süddeutschen Raum 31
    1.4. Allgemeine wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtliche Hintergründe der Hexenverfolgungen 34
    1.5. Verwaltungsstrukturen der österreichischen Herrschaften vor dem Arlberg in der frühen Neuzeit 40

    2. Der Verlauf der Verfolgungen 45
    2.1. Die frühesten Vorarlberger Hexenverfolgungen 45
    2.2. Die Hexenverfolgungen um die Mitte des 16. Jahrhunderts 49
    2.3. Die Hexenverfolgungen zwischen 1570 und 1590 57
    2.4. Die Hexenverfolgungen um 1600 64
    2.5. Die Bregenzer Hexenprozesse von 1609 79
    2.6. Die Bregenzer Hexenprozesse von 1615 91
    2.7. Die Hexenverfolgungen zwischen 1616 und 1640 103
    2.8. Die Hexenverfolgungen nach 1640 114
    2.9. Das Ende der gerichtlichen Hexenverfolgungen 128
    2.10. Die Injurienprozesse des 17. Jahrhunderts 134

    3. Recht und Gerichtsverfahren 139
    3.1. Zum rechtlichen Hintergrund der Hexereiverfahren 139
    3.2. Das Gerichtsverfahren 150
    3.3. Die Gefängnisse 160
    3.4. Die Hinrichtung 161
    3.5. Prozesskosten und Konfiskation 164

    4. Die Geständnisse 170
    4.1. Die ältesten Urgichten 171
    4.2. Bludenzer Urgichten 173
    4.3. Bregenzer Urgichten 176
    4 .3.1. Zeitpunkt des Teufelsbundes 176
    4.3.2. Erste Begegnung mit dem Teufel 177
    4.3.3. Aussehen des Teufels 179
    4.3.4. Teufelsbund und Teufelsbuhlschaft 180
    4.3.5. Teufelsnamen 183
    4.3.6. Hexenflug 186
    4.3.7. Hexensabbat 186
    4.3.8. Hexentanzplätze 188
    4.3.9. Schadenzauber 190
    4.3.10. Verwandlungen und Teufelsmäler 191
    4.3.11 lm Gefängnis 192
    4.4. Volkskundliches 193
    4.5. Kirchengeschichtliches 196

    5. Die Opfer der Hexenprozesse 197
    5.1. Liste der gerichtlich Verfolgten 197
    5.2. Quantitative Auswertung 208
    5.2.1. Zeit zwischen 1525 und 1555 208
    5.2.2. Zeit zwischen 1570 und 1605 209
    5.2.3. Zeit zwischen 1609 und 1616 210
    5.2.4. Zeit zwischen 1619 und 1660 211
    5.2.5. Zusammenfassung 212
    5.3. Anteil der Hinrichtungen und Freisprüche 213
    5.4. Anteil der Geschlechter 214
    5.5. Alter der Verfolgten 215
    5.6. Kinderhexenprozesse 216
    5.7. Soziale Stellung der Opfer 217
    5.8. Regionale Verteilung der Hexenprozesse 218
    5.9. Zahl und Größe der Hexenprozesse 221

    6. Vergleich mit den Hexenverfolgungen in den Nachbarländern 223
    6.1. Schwaben 223
    6.2. St. Gallen und Appenzell 225
    6.3. Prättigau 227
    6.4. Hohenems und Vaduz/Schellenberg 229
    6.5. Tirol 230
    6.6. Verbindungen mit den Nachbargebieten 231

    7. Zur Rolle der Kirche bei den Vorarlberger Hexenverfolgungen 233

    8. Zur Rolle der Frau bei den Vorarlberger Hexenverfolgungen 239

    9. Schlußbemerkungen 245

    10. Anmerkungen 249

    11. Abkürzungs-, Quellen- und Literaturverzeichnis sowie Bildquellennachweis 279
    11.1. Abkürzungsverzeichnis 279
    11.2. Ungedruckte Quellen 280
    11.3. Bildquellennachweis 281
    11.4. Gedruckte Quellen und Darstellungen 281
    12. Register 301
    12.1. Personenregister 301
    12.2. Ortsregister 308