[ #Bregenz ] Johann Zasius aus Bregenz: Der Anwalt der Regensburger Juden

Dr. iur.  utr. Johann  Zasius  aus  Bregenz (ca. 1475/80 – 1527) wird in der historischen Literatur  oft mit Ulrich Zasius verwechselt  (Ulrich Zasius ,* 1461 in Konstanz; † 24. November 1535 in Freiburg im Breisgau, war ein deutscher Jurist und Humanist,) oder auch mit dem Sohn von diesem (Johann Ulrich Zasius, * 1521 in Freiburg im Breisgau; † 27. April 1570, war kaiserlicher Rat im Auftrag König Ferdinands I. und Kaiser Maximilians II.). 

Freilich, über Ulrich Zasius gibt es eine sehr umfangreiche Literatur,  während  die  Lebensdaten des Bregenzer Juristen Johann Zasius bisher nur in geringem Maße aufgearbeitet wurden. Uns liegen dafür Forschungen des Vorarlberger Historikers Burmeister vor und auch ein Beitrag von Steven Rowan in "The Jewish Quarterly Review"  (Vol. 72, No. 3 - Jan., 1982, pp. 198-201) vor.

Johann Zasius aus Bregenz war 1516-1521 im Dienst der vorderösterreichischen Regierung und war einer der (nur) zwei bürgerlichen Advokaten der österreichischen Regierung. wohl um einen Adelstitel geltend machen zu können, bewarb er sich um die Burg Tosters ind Feldkirch und eröffnete nach Burmeister damit die Reihe der österreichischen Juristen als Schlossbesitzer und Pfandherrn von  Tosters.

Jurist für die Regensburger Juden. Bedeutender ist  jedoch das Engagement des Bregenzer Juristen für die 1519 gepeinigten Regensburger Juden.  Die Geschichte der Juden in Regensburg reicht bis in das 10. Jahrhundert zurück. Nach dem Tod Kaiser Maximilian I. am 12. Januar 1519 nutzte die Stadt Regensburg das entstandene Machtvakuum und beschloss am 21. Februar die Vertreibung der Juden. Binnen zweier Wochen mussten sie die Stadt verlassen. Vorarlberg selber war ja zu dieser Zeit  "judenfrei" seit in Feldkirch  am 21. Januar 1349 alle Juden verbrannt worden waren. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelten wieder Juden in Vorarlberg.

In diesem jahrelangen Streit der bestohlenen und verfolgten Regensburger Juden gegen die Regensburger Bürgerschaft hatte der Bregenzer Jurist Johann Zasius durch sein Engagement für die Juden mehrere Teilerfolge erstritten,  auch wenn es ihm nicht gelungen war, die Gewalttaten gegen die Juden abzuwenden. Seine Rechtsansicht floss bis in den Wormser Schiedsspruch vom 17./18. Mai 1521 ein. Auch wenn die Zeiten noch weit entfernt von heutigem rechtsstaatlichen Denken waren - schließlich war es das gegenüber der jüdischen Mitbürger noch nicht einmal im 20. Jahrhundert - und Dr. Johann Zasisus letztlich wohl auch mit dem Ausgang des Verfahrens nicht zufrieden sein konnte, sein Einsatz für die Menschenrechte und seine auf das Naturrecht abstellende Argumentation  sind Höhepunkte  nicht nur seiner  Biographie sondern waren der Zeit weit voraus.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]


      [ #Rheintal ] Bekassine, die Himmelsziege im Vorarlberger Artenhimmel

      2013 war das Jahr der Bekassine. Nicht mehr in Vorarlberg. 

      Seit der Erstellung der Roten Liste der Brutvögel Vorarlbergs ist der Bestand innerhalb von nur 10 Jahren von 16-19 Brutpaaren (2001) auf nur noch 4-5 Brutpaare (2011) geschrumpft. Die Bekassine kehrt normalerweise im März aus dem Mittelmeergebiet ins Brutgebiet (im Rheintal) zurück.

      Die Bekassine ist Bodenbrüter. Das Nest ist in der Regel eine gut ausgebildete Mulde im Boden, die mit dürrem Gras und Seggenblättern ausgekleidet ist. Ein Vollgelege enthält vier, mitunter auch nur drei oder zwei Eier. Fünf Eier wurden mehrfach gefunden, ganz ausnahmsweise sogar sechs Eier. Die Bebrütung erfolgt nach Ablage des letzten Eies. Die Brutdauer beträgt in Mitteleuropa 18-22 Tage. In Vorarlberg beginnen Bekassinen - so sie noch da sind - in der zweiten Aprilhälfte mit dem Brutgeschäft. Bei Verlust des Geleges kommt es zu Ersatzgelegen.


      Die Bekassine ist ein Zugvogel und sucht während der kalten Jahreszeit wärmere Gebiete im Mittelmeergebiet, in West- oder Ostafrika auf. Nur wenige Individuen überwintern in Vorarlberg. Während der Zugzeit sind nährstoffreiche Nasswiesen und nasse Äcker wichtige Rastgebiete um Energiereserven für den Weiterflug aufzutanken. Zwischen August und Oktober konnten Trupps von bis zu 100 Individuen im Vorarlberger Rheintal beobachtet werden.

      Österreich. Auch gesamtösterreichisch gesehen ist die Bekassine ein vom Aussterben bedrohter Brutvogel; sie war früher weit verbreitet, heute ist ihr Lebensraum aber durch Entwässerung und Biotopverlust eng geworden. Durch die Entwässerung fallen die Wasserstände im Jahr früh ab; trockenerer Boden bietet aber nicht mehr genügend Nahrung für die Art. Weitere Gefährdungen sind Bodennivellierungsmaßnahmen im Rahmen intensiver Landwirtschaft, zunehmende Zersiedelung der Brutareale, Verbuschung und Verdichtung der Böden durch schwere Landmaschinen. Dadurch wird eine Futtersuche mit dem „Stocherschnabel“ unmöglich.

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      [ #Bodensee ] Die Vogelwelt um den Bodensee

      Birding Germany ist ein kostenloses Informationsservice (nicht nur) für Vogelbeobachter. 

      Ziel ist es, die Nutzer dieser Seite hinsichtlich der vorgestellten Gebiete mit optimalen, d.h. aktuellen und detaillierten Informationen vor allem zu Beobachtungsmöglichkeiten zu versorgen. Hinsichtlich des Bodensses ist dies mit Sicherheit gelungen.

      Wer sich nicht mit der Vogelwelt des Bodensees "begnügen" will, kann dort weitere Vogel(schutz)gebiete in Augenschein nehmen.
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      [ #Dornbirn ] Vorarlberger Frauengeschichte: Margret Dünser

      Wenn man dereinst eine Vorarlberger Frauengeschichte schreiben wird, dann darf sie nicht fehlen, die Dornbirnerin Margret Dünser (geb. 27.7.1926 in Dornbirn; gest. 5.6.1980 in Basel).


      Vorarlberger Klosterschülerin. Nach dem Besuch der Klosterschule Bregenz-Marienburg arbeitete Margret Dünser als Autorin und Sprecherin beim ORF-Landesstudio in Dornbirn und stieg mit nur 28 Jahren 1954 zur bislang einzigen weiblichen Programmdirektorin auf. Schon 1952 war sie Leiterin der Literaturabteilung der Sendergruppe WEST (Tirol/Vorarlberg) und eben 1954 dort Programmdirektorin geworden. Es wird uns berichtet,dass sie perfekt Englisch, Französisch und Italienisch sprach. Dies nur wenige Jahre nach dem Zusammenbruch des fremden- und sprachenfeindlichen Nationlasozialismus! Diese jugendliche und feminine Karriere rief wohl den Neid männlicher Kollegen hervor - so wird uns jedenfalls berichtet - und diese Intrigen brachten die Dornbirnerin angeblich sogar kurzfristig hinter Gitter.

      Konservative Provinz Vorarlberg. Dieser Neid und diese Missgunst entsprach ganz und gar dem Vorarlberger Politikverständnis, das weder mit der austrofaschischistischen noch mit der nationalsozialistischen Frauenfeindlichkeit gebrochen hatte. Der Platz der Frau war am Herd, in der Küche und bei den eigenen Kindern. Noch nicht einmal als Lehrerinnen waren Frauen erwünscht. Erst 1956 wurde ein geistliche Laien-Religionslehrerin in Vorarlberg beschäftigt!

      Und der Rundfunk war im Jahr 1954 auch in Vorarlberg ein politischer Streitgegenstand. Landeshauptmann Ulrich Ilg - wollte ganz gegen die österreichische Bundesverfassung und Entscheidung des Verfassungsgerichts - das Dornbirner Studio in Landeshoheit verwalten. Ulrich Ilg, alles andere denn ein gewachsener Demokrat, war immerhin seinerzeit Mitglied einer austrofaschistischen Regierung und er konnte sich auch nach 1945 die dümmliche Bemerkung nicht verkneifen, dass Vorarlberg ein "kleines Diktatürle" brauche. Nun die Post kappte am 1. Dezember 1954 kurzerhand die Leitung und am 3. Dezember um 5.30 meldete sich der "Österreichische Rundfunk, Radio Vorarlberg".

      Internationalismus versus Provinz. Doch zurück zu Margret Dünser. Vollständig rehabilitiert, verließ sie die Republik Österreich. Seit 1956 war Margret Dünser vorwiegend in Deutschland tätig. Zunächst war sie Reporterin beim Süddeutschen Rundfunk, Stuttgart, 1960 wurde sie Leiterin der Redaktion Zeitfunk beim SDR, 1963 Redakteurin für besondere Aufgaben und Moderatorin beim ZDF, 1964-70 war sie Autorin und Sprecherin der Sendungen ROM AKTUELL, LONDON AKTUELL, PARIS AKTUELL, 1968 mit der "Goldenen Kamera" und 1969 mit einem 1. Preis des italienischen Außenhandelsministeriums, des I.C.E., Rom, ausgezeichnet. Die ehemalige Vorarlberger Klosterschülerin sprach fließend Englisch, Französisch und Italienisch, was die zeitgenössische deutsche TV-Generation, die ja im Tausendjährigen Reich kaum fremdsprachlich unterwiesen worden war, ganz besonders beeindruckte.





      High Society versus Republik. Populär, also eine "Very Important Person" wurde die Dornbirnerin ab 1971 insbesondere als Autorin und Präsentatorin der "V.I.P.-Schaukel". Sie interviewte für diese Sendung Persönlichkeiten des Films, aller Kunstbereiche, der Wissenschaft, der Politik und der internationalen Society. Sie präsentierte diese "very important persons" (VIP) in sechs bis acht Sendungen pro Jahr. 20-30 Millionen Menschen schauten regelmäßig damals zu. Sie brachte den Zuschauern die “große, weite Welt” ins Haus. Die Sendung war so erfolgreich, da sie mit ihrer Persönlichkeit das Vertrauen der interviewten Prominenten gewinnen konnte. Als Folge konnte sie die Unterhaltungen meist in der privaten Umgebung ihrer Gesprächspartner führen.

      Margret Dünser war aber keine Klatschreporterin a la Seitenblicke. Viele Journalisten versuchten ihren unvergleichlichen Stil erfolglos nachzuahmen. Sie selbst hielt sich im Hintergrund. Sie kommentierte ausschließlich aus dem Off und war in den Filmbeiträgen allenfalls kurz beim Händeschütteln oder während des Gesprächs von hinten zu sehen. Im Kommentar hob sie die Vorzüge ihrer Interviewpartner hervor, ging aber auch auf Schwächen und Misserfolge ein. Dass sie fließend Englisch, Französisch und Italienisch sprach kam ihr dabei ganz besonders zugegen. Sie besuchte die Stars meistens zu Hause, stellte sich auf sie und ihr Umfeld ein, war immer höflich, aber hartnäckig, ging bei den Gesprächen in die Tiefe und erreichte auf diese Weise, dass sich die Stars öffneten, den PR-Text vergaßen und von ihren Ängsten und Träumen redeten. Ihre solide journalistische Arbeit und ein hartnäckiges Interesse an Weltgeschehen und Geisteswissenschaft konnte den Gesprächspartnern durchaus zu schaffen machen. Und ehe sich die publicityerfahrenen Stars versahen, zitierten sie auf Dünsers Bitte hin Rilke (Richard Widmark) oder philosophierten über ihre Angst vor dem Tod (Richard Burton). Und weder vom Reichtum der Rockefellers noch von der Macht eines Edward Kennedy ließ sich die Journalistin einschüchtern. Bis heute gilt die "V.I.P-Schaukel" als nie wieder erreichter Standard des TV-Klatsches.

      Einmalig und unwiederholbar. Am 9. Mai 1980 lief im Programm des ZDF die letzte Sendung der Reihe "V.I.P.- Schaukel", in der Margret Dünser die Schauspieler Robert Redford und Dustin Hoffman und den durch die sogenannte Watergate-Affäre zu trauriger Berühmtheit gelangten Nixon-Berater John Ehrlichman in Gesprächen vorstellte. Die Kommentierung dieser Sendung vollendete Margret Dünser im Krankenhaus in Basel.
      Margret Dünser starb am 5.Juni 1980 nach langer Krankheit, nicht ganz 54 Jahre alt, in einem Krankenhaus in Basel. Selbstverständlich werden wir die V.I.P.-Schaukel nicht mehr weiterführen", entschied ZDF-Unterhaltungschef Peter Gerlach schon zwei Tage später, am 7. Juni 1980. Obwohl das Jet-Set-Magazin regelmäßig 20 bis 30 Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockte, blieb ihm keine andere Wahl: Margret Dünser, zwei Tage zuvor in Basel gestorben, war in ihrer Art eben einmalig und unwiederholbar.


      Die Liste der von "Düsen-Dünser" interviewten Personen ist ein Who is Who:


      1972: Gina Lollobrigida / Curd Jürgens / Gunter Sachs / Bob Hope / Peter Ustinov / Jerry Lewis / Zsa Zsa Gabor / Tony Curtis / Carrol Righter, Astrologe / Sammy Davis jr. / Hugh Hefner / Alfred Hitchcock / Henry Fonda / Kim Novak / Lord Snowdown / Roger Moore / Tony Curtis / Kurt Waldheim

      1973: Stewart Granger / Königin Sirikit / König Bhumibol von Thailand / Anthony Quinn / Maharadscha von Dschaipur, Indien / Vanderbuilt / Peter Fonda / Rita Hayworth

      1974: Jolie Gabor / Eva Gabor / Magda Gabor / Zsa Zsa Gabor / Rachele Mussolini, Witwe von Mussolini / Tennessee Williams / Truman Capote

      1975: Baron Philippe de Rothschild / Paul Bocuse, Meisterkoch / Malcolm Forbes Fachzeitschriftenverleger / Richard Smart, Ranchbesitzer / Ronald Reagan / Nancy Reagan / Rock Hudson / Jay Jay Armes / Herzog und Herzogin von Bedford / Edith Head / Telly Savalas / John Carras

      1976: Bette Davis / Madame Jihin Sadat / Lee Bailey, Rechtsanwalt / Siegfried & Roy / Sir Edmund Hillary, Bergsteiger / Gregory Peck / Marcello Mastroianni / Rudolf Nurejew / Sarah Caldwell / Osman Ahmed Osman, Bauunternehmer / Reverend Ike, Prediger

      1977: Herzog von Marlborough John George / Dr.Ivo Pitanguy, Schönheitschirurg / Joanne King Herring, Partyveranstalterin / Hans Stern / Oscar Niemeyer / Endere Szász / John Osborne, Autor / Arnold Schwarzenegger / Robert David Lion Gardiner / Woody Allen / Jacques Tati / Lillian Carter / Catherine Deneuve / John Connally

      1978: Michael Caine / Mildred Mary Bruce, Rennfahrerin, Pilotin / Lord Alexander Fermor Hesketh, Formel-3-Team / Telly Savalas / Roger Moore / Edward Heath / Harold Wilson / Lord Carnavon / Cantinflas (Mario Moreno) / Louis de Funès / Eugène Ionesco / Hope Hampton, Schauspielerin / Maximilian Schell / Gene Hackman / Frank Borman, Eastern Air Lines / Steve Guttenberg

      1979: Vincent Price / Salvador Dali / David Shepherd, Kunstmaler / James Stewart / Jean-Jacques Montfort, Kunstfälscher / Simon Fraser 14th Lord Lovat / Marjoe Gortner / Norton Simon / Clifford Irving

      Deneben auch: Henry Miller / Raquel Welch / Sophia Loren / William Cecil Vanderbilt / Chief Dan George, Häuptling / William F. Rockwell / Richard Burton / Anthony Perkins / Marquis de Sade / Kirk Douglas / Lord Patric Lichfield / Jane Fonda / Burt Reynolds / Rhonda Fleming.

      [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

      [ #Hohenems ] Stoffels Säge-Mühle Hohenems

      Das Freilichtmuseum wurde von 1981 bis 1987 in unermüdlicher Kleinarbeit von Alois Amann errichtet, der selber, wie seine Vorfahren, die beiden Handwerke Sägerei und Müllerei beruflich ausübte.

      Eine historische, wasserradangetriebene Säge und Mühle sind in Originalgröße in ihrer ursprünglichen romantischen Umgebung zu sehen und somit der Nachwelt sehr anschaulich erhalten.

      Das Museum dokumentiert auf 600 m² über 2000 Jahre Mühlentechnik und ist dadurch zu einem europaweit, nach Meinung von Fachexperten sogar zu einem weltweit bedeutenden Mühlenmuseum geworden. In den letzten elf Jahren besuchten Personen aus insgesamt 88 verschiedenen Staaten aus fünf Kontinenten dieses Museum.

      Auf dem Anwesen Sägerstraße 11 bestanden ursprünglich auch zwei herrschaftliche Sägen, die 1803 bzw. 1812 in private Hände verkauft wurden. Seit damals lässt sich der ununterbrochene Betrieb als Säge und später, ab 1878, als Mühle nachweisen. Die Anlage, soweit bekannt, die immer mit zwei Wasserräder angetrieben wurde, ist seit dem Jahre 1835 im Besitz der Familie Kick-Amann mit Hausnamen "Stoffels". Im Jahre 1956 wurde der Mühlebetrieb und im Jahre 1979 der Sägebetrieb eingestellt. 22.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden in achtzehn Jahren haben Vater und Sohn in die Errichtung dieser Museumsanlage investiert, nicht nur um ihren eigenen Vorfahren ein Gewerbedenkmal zu setzen.

      [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

      ÖffnungszeitenVom 25. April bis 31. Oktober,täglich von 9 bis 18 Uhr.Filmvorführung für Gruppen:"Vom Korn zum Brot".
      FührungenIn deutscher und in englischerSprache. Abendführungen nurnach Vereinbarung.
      EintrittErwachsene € 2,20Studenten € 1,50Kinder € 1,10

      [ #Andelsbuch ] 19. Februar 1953: Ein Denkmal für Jodok Fink

      Am 19. Februar 1953 wurde im Vorarlberger Landtag aus Anlass seines 100. Geburtstag Jodok Fink geehrt. 

      Landeshauptmann Ulrich Ilg kündigte an, das Land werde endlich ein Denkmal für ihn in Auftrag geben. Den Anstoß dürfte ÖVP- und  Bauernbundsekretär Josef K.  Naumann (1904 bis 1980) gegeben haben, kein in sich gewaschener Vorarlberger.  Ebensowenig offenbar war Jodok Fink ein klassicher ÖVP-Funktionär. Er stand gegen den politischen Trend dieser  Jahre und es hat wohl darum so lange gebraucht, bis die Mächtigen Vorarlbergs ihn zu ehren wagten.  Anders in Wien: Ihm zu Ehren, dem ersten Präsidenten der provisorischen Nationalversammlung hat  der Wiener Gemeinderat breits 1929 nach seinem Tod den Platz vor der Piaristenkirche im 8. Bezirk in Jodok-Fink-Platz umbenannt.

      Anlässlich seines Todes im Alter von 76 Jahren würdigte die "Kölnische Volkszeitung" Finks Leben:  
      "Immer, wenn Verständigung mit dem Gegner notwendig wurde, schickte man Fink voran. Ein Protokoll, unter dem sein Name stand, war nach rechts wie links gesichert. Allein das Anschauen dieses bis in die letzten Jahre hellen Bauerngesichts ließ eine menschliche Brücke zwischen den Anschauungen als möglich erscheinen."

      Seine beinahe 50 jährige politische Laufbahn begann 1878. Als er mit 26 Jahren in den Gemeinderat berufen wurde. 1888 wählte ihn seine Heimatgemeinde Andelsbuch zum Bürgermeister, 1890 Vbg. Landtag, 1897 Reichsrat, Mitbegründer der Republik Österreich, 1919 erster Vizekanzler in der Regierung Renner und Präsident der christlich sozialen Partei. Der geniale Verhandlungskünstler erhielt die höchsten kaiserlichen Auszeichnungen und wurde zum Ehrendoktor ernannt. Er stand aufrecht und quer zum politischen Trend dieser Jahre. Fink nahm eine Vermittlerrolle ein und trat in der 1. Republik für die Zusammenarbeit der beiden großen Parteien von Bauern bzw. Bürgern und Arbeitern ein, machte sich um die Einführung und Verbreiterung des Wahlrechts verdient und war ebenso ein Gegner der vorarlbergischen Anschlussbewegung an die Schweiz als auch des Anschlusses an das Deutsche Reich. Damit stand er quer zu den Traditionen der beiden austrofaschistischen Funktionäre den beiden Landeshauptleuten Dr. Otto Ender und Ulrich Ilg, welche sich mit dem Faschismus nicht nur arrangierten sondern deren aktiver Teil geworden waren.

      Eigenständiger Kopf. Selbst in der Vorarlberg-Chronik wird Jodok Finks Verdienst um die Selbständigkeit Vorarlbergs relativiert. Nicht er wird als der Vater des selbständigen Vorarlbergs sondern der austrofaschistische Funktionär Otto Ender gefeiert. Und weil er im August 1918 noch die Monarchie bejahte, werden seine republikanische Gesinnung bestritten.  Fink war jedoch demokratischer Pragmatiker und nahm eine Vermittlerrolle ein und trat in der 1. Republik für die Zusammenarbeit der beiden großen Parteien von Bauern bzw. Bürgern und Arbeitern ein, machte sich um die Einführung und Verbreiterung des Wahlrechts verdient und war ein Gegner der vorarlbergischen Anschlussbewegung an die Schweiz.

      Dies und die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten hatte man in seiner politischen Heimat, der Christlichsozialen Partei und auch in Vorarlberg ihm wohl nie verziehen. Als Mann des Ausgleichs und der Großen Koalition war er nach dem deutlichen Sieg der Christlichsozialen Partei bei den Nationalratswahlen 1920  - ein polisicher Erfolg der eben auch seiner war - jedoch in Regierungsverantwortung für die Christlichsoziale Partei (nachher ÖVP) nicht mehr denkbar. Statt der Zusammenarbeit begann jetzt die Konfrontation, die schließlich mit dem Untergang der jungen demokratischen Republik endete. Fink blieb bis zu seinem Tod am 1. Juli 1929 einfacher Nationalratsabgeordneter und wurde nicht mehr Zeuge des Verrats der christlichsozialen an der Demokratie. Er wurde auf dem Andelsbucher Friedhof bestattet.

      Fink, Jodok, * 19. 2. 1853 Andelsbuch (Vorarlberg), † 1. 7. 1929 ebenda, Bauer und Politiker (Christlichsoziale Partei). Ab 1890 (für 30 Jahre) Vorarlberger Landtagsabgeordneter, ab 1897 im Abgeordnetenhaus, 1911 Landeshauptmannstellvertreter (Statthalter) von Vorarlberg, während des 1. Weltkriegs Direktor des Volksernährungsamtes, nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 einer der 3 Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung und später Staatsrat, 1919/20 Vizekanzler in der Regierung Renner, 1920-29 Abgeordneter zum Nationalrat, ab 1922 Obmann des Christlichsozialen Klubs. 1925 Ehrendoktor der Universität Innsbruck.

      [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

      [ #Vorarlberg ] Mythos "Alpenfestung" in Vorarlberg

      Am 20. Februar 1945, verbreitete der amerikanische Geheimdienst OSS einen Agentenbericht, in dem es hieß, dass "the Nazis [were] undoubtedly preparing a bitter fight from the mountain reduit."

      Schon im November 1944 hatte der NS-Gauleiter Hofer in einem Memorandum an Adolf Hitler vorgeschlagen, ein Kerngebiet in den Alpen zur letzten Bastion des Reiches, zur Alpenfestung, auszubauen. Unter anderem war geplant, eine große Zahl englischer und amerikanischer Kriegsgefangener zusammenzuziehen, um alliierte Bombardements zu verhindern (tatsächlich wurden am 30. April 1945 prominente KZ-Häftlinge am Pragser Wildsee in Südtirol zu diesem Zweck inhaftiert).

      Freilich hielten die deutschen Militärs nichts davon, sich in die unwirtlichen Berge ohne Waffenproduktion und sonstige Ressourcen zurückzuziehen und die deutschen Militärs hatten Europa nicht erst verwüstet um dann als Widerstandskämpfer sich in den Bergen zu kasteien. Der NS-Gauleiter für Tirol-Vorarlberg Franz Hofer wurde jedenfalls erst am 12. April 1945 zum Vortrag in den Berliner Führerbunker geladen wurde. Hitler – 18 Tage vor seinem Suizid noch immer vom Endsieg labernd – billigte dort angeblich Hofers Vorschlag und ernannte ihn einen Tag vor seinem Tod am 29. April 1945 zum Reichsverteidigungskommissar der Alpenfestung.

      Immerhin hatte sich Mitte Februar 1945 der Mythos "Alpenfestung" so weit verfestigt, dass Allen Dulles, Leiter des OSS-Bern, eine "Alpenfestung"  als sehr realistisch einschätzte: "It seems generally accepted now that a delayed defense fortress will lie in the Bavarian and Austrian Alps".

      OSS (Office of Strategic Services) war der geheime militärische und politische Auslandsnachrichtendienst der USA mit Sitz in Washington. Offiziell 1942 gegründet arbeitete er eng mit den Briten zusammen und beschäftigte sich neben der Informationsbeschaffung unter anderem mit der Spionageabwehr, psychologischen Kriegsführung und der Unterstützung von Widerstandsgruppen. Das OSS-Hauptquartier in Europa war in London angesiedelt, wobei wichtige Stützpunkte in US-Botschaften verschiedener Länder eingerichtet wurden. Die OSS-Außenstelle in Bern, unter der Leitung von Allen Dulles, war dabei ein zentraler Dreh- und Angelpunkt in Bezug auf Nazideutschland und den besetzten Gebieten. Das OSS wurde 1945 offiziell aufgelöst und 1947 mit vielen ehemaligen Mitarbeitern als Central Intelligence Agency (CIA) neu gegründet.

      Bomben auf Feldkirch - Festungslinie Imst-Bludenz. Aus einem Bericht des amerikanischen OSS-Geheimdienstes aus Bern geht schon im Oktober 1943 eine Organisation einer Alpenfestung just zwischen dem strategisch unwichtigen und wohl nur für Schifahrer wichtigen Gebiet zwischen Imst und Bludenz hervor: "Beginning last month, defense construction has been under way in valleys of the Austrian Tyrol, to the southward of a line between Imst and Bludenz. This work is being carried on by the Todt organization."

      In dieses Bild passen auch die allierten Bomben auf Feldkirch am 1. Oktober 43. Die Flugzeuge kreisten in der Mittagszeit eine Zeit lang in der Gegend, bevor sie die Bomben warfen. Die Bevölkerung beobachtete teilweise die Flieger neugierig und war völlig überrascht. Im Stiegenhaus des getroffenen Lazaretts wurde eben ein Luftschutz-Appell abgehalten, als die Bomben mit verheeerender Wirkung einschlugen. Im ganzen wurden 171 Personen, darunter 92 Wehrmachtsangehörige getötet.

      Die Organisation Todt (OT) war eine nach militärischem Vorbild organisierte Bautruppe, die den Namen ihres Führers Fritz Todt trug. Die 1938 gegründete Organisation unterstand ab März 1940 dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition (RMfBM sowie dem Nachfolgeministerium). 1942 wurde Albert Speer zum neuen Führer der OT ernannt. Sie wurde vor allem für Baumaßnahmen in den von Deutschland besetzten Gebieten eingesetzt. Sie war straff hierarchisch organisiert und die Arbeiter waren uniformiert.  In der Organisation kamen auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zum Einsatz.

      Bregenz Dornbirn, Bludenz. Mitte April 1945 berichtete dann der Geheimdienst, dass österreichische Widerstandskämpfer die Hauptverkehrslinien von Innsbruck nach München und Salzburg gesprengt hätten und die Alpenfestung einen ganzen Tag von dem "Restösterreich" abgeschnitten gewesen wären.  Besorgt war man auch wegen  einer Aufstockung der Führerbegleitbrigade in Berchtesgaden auf 4.000 Mann und von Material-, Waffen- und Nahrungsmittellieferungen größeren Umfangs, die täglich in Bregenz, Dornbirn und Bludenz eintrafen. Auch aus Salzburg, Berchtesgaden und anderen Teilen der Rückzugsregion "Alpenfestung"  meldete man verdächtige Lieferungen.

      Der Reichsstatthalter und Gauleiter Hofer hatte noch am 30. April 1945 großspurig angekündigt, seinen Wehrkreis zu einer „Alpenfestung“ auszubauen. In Vorarlberg werden noch alte Verteidigungslinien notdürftig befestigt: an der Bregenzer Klause, am Kummenberg, bei Feldkirch, bei Nüziders, im Klostertal. Von einer Alpenfestung kann allerdings keine Rede sein. Die militärische Organisation ist chaotisch. Die Soldaten der Garnisonen Bregenz und Bludenz und Ersatzkompanienaus Landeck warten darauf, die Waffen zu strecken.  Die Reste der 24. deutschen Armee flüchten vor den Franzosen. Freilich wüten noch vier Kompanien Waffen-SS als feige Mordsbuben unter der Bevölkerung, wenn sich diese wagt, die weiße Fahne zu früh zu hissen.

      Die Alpenfestung blieb ein Phantom, eine Durchhaltepropaganda der Nazis oder auch nur eine Wichtigmacherei von Möchtegern-Agenten. Bereits am 6. Mai 1945 wurde NS-Gauleiter Hofer von der US-Armee in Hall in Tirol verhaftet und in einem Internierungslager inhaftiert.


      [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

      [ #Vorarlberg ] Fremd im eigenen Lande: Der Schübling aus Vorarlberg

      Schübling - Knacker - Cervalat
      Schübling bezeichnet eine Vorarlberger Wurstspezialität ist aber auch ein Bestandteil österreichisch/deutscher Amtssprache.

      Amtssprache I. Im Gegensatz zu anderen Ländern darf in Vorarlberg dem Schübling keine Kartoffelstärke zugesetzt werden, dafür kann der Bindegewebsanteil höher sein. Erlaubte Bestandteile sind im Ländle lediglich: Rind- oder Schweinefleisch, Wasser, Salz, Speck und Schwarten bzw. Salzstoß (auch „Knochenputz“ genannt, das sind aus Sehnen, Fett und Fleisch bestehende Kleinstabschnitte der Skelettmuskulatur). Schüblinge weisen durchgehend einen relativ hohen Energie- und Salzgehalt auf und sind so nicht gerade als Diätnahrung tauglich.

      Amtssprache II. Dass jedoch "Schübling" für das Jahr 1999 zum österreichischen Unwort des Jahres gekürt wurde, hat nichts mit "alemannischen" Metzgereiprodukten zu tun. Das ist in der unmenschlichen Amtssprache ein Mensch der abgeschoben wird.
      Vorarlberger-Bloghaus-Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!
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      [ #Vorarlberg ] Notizen zum Vorarlberger Schwarzmarkt und Schleichhandel nach 1945

      Als Ende des 19. Jahrhunderts das Saccharin erfunden wurde, sorgte die bedrohte Zuckerindustrie dafür, dass die Einfuhr dieses billigen Süßstoffes für Deutschland, Österreich und Böhmen 1902 per Gesetz verboten wurde. 

      So blieb den Schmugglern nichts anderes übrig, als von der Schweiz aus das leicht transportierbare Saccharin über die Grenzen zu bringen. Saccharin, Zucker, Mehl, Tabakwaren waren lange Zeit eines der Hauptschmuggelgüter an der Grenze Vorarlbergs zu der Schweiz und Liechtenstein. Schmuggel war im Grenzland immer ein Thema, nicht nur in Kriegs- und Notzeiten. Anders verhält es sich allerdings, damit als der Schmuggel zur Finanzierung nationalsozialistischer Wiederbetätigung dienen sollte.

      NS-Wiederbetätigung: Saccharinschmuggel über Vorarlberg. Im Herbst 1947 hoben die österreichischen Sicherheitsbehörden einen Schleichhändlerring aus. Saccharin aus der Schweiz wurde in großen Mengen nach Österreich geschmuggelt und am Schwarzmarkt verkauft. Ein Teil des Erlöses diente den Zwecken eines „Ordens”, der nationalsozialistisches Gedankengut aufrechterhalten und weiterführen sollte. Es war nicht wirklich erstaunlich, dass viele der Hauptverdächtigen sich aus HJ-Führern oder subalternen Funktionären des Dritten Reiches rekrutierten. Das mittlere Management des vergangenen Regimes, das seine Posten 1945 eingebüßt hatte und zum Teil im Untergrund lebte, fand in derlei Aktivitäten ein Betätigungsfeld.

      Kopf der Untergrundorganisation war der Grazer Kaufmann Theodor Soucek. Ihr Ziel war es, „dem großen Kreis, der durch das NS-Gesetz Ausgeschlossenen die Möglichkeit zur Rückkehr und Hinwendung zur Politik zu verschaffen”. Soucek wurde zwar als Wiederbetätiger zum Tode verurteilt, doch bereits 1951 begnadigt. Die Organisation des Schmuggels aus der Schweiz wurde von Anton Schnert aus Tirol geleitet, der als Motive für sein Handeln nicht nur persönliche Bereicherung nannte, sondern auch den Versuch, Österreich bis zu seinem neuerlichen Untergange zu schaden.

      Der Vorarlberger Landeshauptmann Ilg hingegen wunderte sich über die "Willkür" der französischen Besatzungsmacht, als im Sommer 1947 drei französische Soldaten in einer Wohnung einer Lustenauerin in Bregenz Saccharin im Wert von 40.000.- Schilling beschlagnahmten ohne irgendwelche Amtshandlungen einzuleiten.

      Am 19. Juni 1946 wurden nach den Akten der Stadtpolizei am Bahnhof Dornbirn zwei Personen mit größeren Mengen Saccharin festgenommen und zuvor wurden bereits mehrere Personen wegen Saccharinschleichhandels festgesetzt. Bei einer Fahrt transportierte man 80 bis 200 Großpackungen im Wert von bis zu 54.000 Schilling. Das Liechtensteiner Volksblatt meldete bereits am 29.8.1946, dass es der Zollwache in Hohenems gelungen sei, einen Schmuggler festzunehmen, der im Besitze von 495 Schächtelchen Saccharin, 143 Päckchen Pfeifentabak und 10 000 Zigaretten war.

      Kaffee nach Lindau. Von einer anderen Bedienung des deutschen Schwarzmarktes mit Kaffe berichtet das Magazin "Der Spiegel" 28/1951 durch einen Vorarlberger. Der Schmuggel über Lindau war wegen des besonderen Status von Lindau in der Nachkriegszeit besonders lukrativ. Was der damals 25jährige, in Moskau geschulte Lokalredakteur (Anmerkung: Erich Grabher) der 'Vorarlberger (KP-)Zeitung' vorbrachte, schien den Lindauern ein Allheilmittel zu sein:

      •  Um die Schmuggler in Sicherheit zu wiegen, sollten zunächst ein paar größere Kaffee-Sendungen ungehindert und unverzollt über die Grenze bis zu den Abnehmern gelangen. Dabei sollten die Schieber den Eindruck gewinnen, ihren Spezialisten sei es gelungen, die Zollbeamten zu bestechen, und ein risikoloser Weg in das Schieber-Dorado Westdeutschland sei geöffnet.
      • *Nach diesen ersten "Toleranz-Partien" sollten die Schieber veranlaßt werden, eine besonders große Sendung zu starten, die dann vom Zoll beschlagnahmt werden solle. Durch eine solche Großbeschlagnahme würden die Schieber entscheidend getroffen werden. Die Zöllner hätten nun die Möglichkeit, mit ihren Erfolgen einen guten Eindruck zu machen. Der Lindauer Staatskasse, zu deren Gunsten der Kaffee dann versteigert werde, falle der Versteigerungserlös (Warenwert plus Zoll und Steuer, bei 10 Tonnen Rohkaffee etwa 160 000 D-Mark) zu."

      Umgekehrter Schmuggel: Deutsche Gäste auf die Heilbronner Hütte.  Mit dem Stichtag vom 1. Juni 1948  waren durch die französischen Militärbehörden in ganz Vorarlberg 66 Hotels total beschlagnahmt, weitere 41 zum Teile. 101 Villen und Häuser zur Gänze und 6 teilweise in Anspruch genommen, wozu noch 299 Wohnungen und 284 Einzelzimmer kommen. Von den völlig beschlagnahmten Hotels befinden sich allein 28 im Kleinen Walsertal und 16 im Bezirk Bludenz, also in Gebieten, die für en Fremdenverkehr des Landes lebenswichtig sind. Die Gesamtzahl der requirierten Objekte betrug noch im Sommer 1948 797, für ein kleines Land wie Vorarlberg eine bedrückend hohe Zahl und für den ohnedies schwächelnden Fremdenverkehr eine Belastung. Zudem war an einen deutsch-österreichischen Reiseverkehr noch überhaupt nicht zu denken. Sowohl die militärischen Behörden als auch die zwischenstaatlichen Regelungen hinderten noch deutsche Urlaubsgäste nach Vorarlberg zu kommen. Es gab nur ganz wenige Ausnahmen, wie etwa Todesfälle und schwerwiegende Erkrankungen.

      Das Magazin "Der Spiegel" Nr.14/1950 berichtet von einem "Universalgenie" Egon Breiß (müsste wohl Preuß heißen) aus Bregenz, dem es gelungen war, Gäste aus Deutschland auf die Heilbornner Hütte zu schmuggeln:

      "Als Breiß im Oktober 1945 die "Heilbronner Hütte" (Vorarlberg) übernahm, kam Betrieb in das 2300 Meter hoch gelegene Haus mit fließendem Wasser und elektrischem Licht. Da oben ruhten sich Wiens Schwarzhändler von ihren Geschäften aus. Breiß hielt auf Renommee: Die Frage nach Lebensmittelmarken wurde in seinem Hause nicht gestellt.

      Dafür stellten die Franzosen die Frage nach den Eigentumsrechten. Dabei kam heraus, daß die Hütte 1926 mit einem Kostenaufwand von über 100000 RM von der Sektion Heilbronn des deutschen Alpenvereins erbaut war. Der Heilbronner Hütte erging es wie der Ulmer, Reutlinger und Wiesbadener Hütte. Als deutsches Eigentum in Oesterreich verfiel sie der Beschlagnahme durch die Besatzungsmacht.

      Breiß fand trotzdem neue Wege zum Geld. Bei Dr. Schmid von Wellenbusch in Innsbruck, Vorsitzender vom Oesterreichischen Alpenverein, und Professor Dr. Busch, Chef der Verwaltung deutscher Sektionshütten im westalliierten Oesterreich, erwarb er sich durch beharrliches Antichambrieren die vorläufige Genehmigung zur Weiterführung der Heilbronner Hütte.

      Dann startete Breiß seinen illegalen deutsch-österreichischen Fremdenverkehr."

      [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

      [ #Feldkirch ] Der Bahnhof Feldkirch im Jahre 1938

      Für James Joyce, Thomas Mann, Stefan Zweig, Jura Soyfer, Carl Zuckmayr, Walter Mehring, Leon Askin, Hertha Pauli, Gina Kaus, Karl Furcht, Ernst Lothar, und viele andere war Feldkirch ein Schicksalsort.  In Friedenszeiten war es ein Bahnhof wie jeder andere auch, 1938 ein Tollhaus.

      Der Feldkircher Bahnhof ist seit Eröffnung der Vorarlbergbahn 1872 ein Grenzbahnhof. Die Vorarlbergbahn (auch Vorarlberger Bahn) bezeichnet eine Bahnstrecke, die durch das österreichische Bundesland Vorarlberg führt. Ihre Streckenführung verläuft von der Staatsgrenze bei Hörbranz bis Bludenz, wo sie in die Arlbergbahn übergeht.

      Mit Eröffnung der Arlbergbahn 1884 kam ihm im Fernreiseverkehr eine gewisse europäische Bedeutung zu. Erster Protagonist einer Eisenbahn von Tirol nach Vorarlberg war der Vorarlberger Textilindustrielle und Präsident der Handelskammer Feldkirch, Carl Ganahl, der sich schon 1847 für eine Eisenbahnverbindung vom Bodensee zur Adria stark machte.  Feldkirch war die westlichste Stadt der Donaumonarchie und damit ein Brückenkopf.  Nach dem Bahnhof Feldkirch in Fahrtrichtung Bregenz zweigt eine eingleisige, elektrifizierte, 18,5 km lange Strecke nach Buchs ab. Diese Strecke stellt eine Besonderheit dar: die Strecke auf Liechtensteiner Gebiet wird vollständig von den ÖBB betrieben und erhalten. In Buchs erfolgt die Anbindung an die Strecke St. Gallen–St. Margrethen–Sargans–Chur der SBB. Zusammen mit dem Teil der Hauptstrecke von Bludenz nach Feldkirch ist diese Verbindungslinie also ein wichtiger Teil der Ost-West-EuroCity-Verbindungen von Wien nach Zürich.

      Die neutrale Schweiz war nicht nur ein mondänes Urlaubsziel. Sie war spätestens ab 1830 beliebtes Exil für politische Emigranten aus ganz Europa, wurde während des Ersten Weltkriegs zu einer diplomatischen Drehscheibe, 1920 Sitz des Völkerbundes und ab 1933  zu einer Insel, zu einem Fluchtpunkt in einem Europa der Diktatur, des Krieges und der Verfolgung. Und viele suchten ab 1938 einen Weg über Feldkirch.

      Deutscher Grenzbahnhof ab 1938. Entscheidende Bedeutung aber sollte der Bahnhof mit dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 erhalten. Schon bein Anschluss erwiesen sich die Vorarlberger Nazis derart agressiv, dass sogar die deutschen Behörden zur raschen Reorganisation des Grenzregimes greifen mussten: Die einheimischen Vorarlberger SS- Leute zeigten sich in  ihren schwarzen Uniformen jedenfalls von ihrer übelsten und brutalsten Seite. Die am 13. März 1938 am Bahnhof Feldkirch angereisten Juden wurden mit “Saujud” angeschrien und wurden ihnen die Fingerringe abgezogen, den Frauen der Schmuck heruntergerissen.

      Ulrich Nachbauer vom Vorarlberger Landesarchiv beschreibt in seinem Aufsatz "Als der Zug langsam in Feldkirch einfuhr", die Willkür des Nazipöbels drastisch:   "Aber in Feldkirch herrscht Willkür. Keine 'preußische', sondern Feldkircher Willkür. Die 'Machtergreifung' durch die Vorarlberger Nationalsozialisten erfolgt ebenfalls bereits am 11. März. Gerade auch am Feldkircher  Bahnhof.  Erst  am  Morgen  des 12. März ziehen deutsche Soldaten in Bregenz ein und in ihrem Gefolge Schutzpolizisten, die sofort an die Schweizer Grenze  beordert  werden,  um 'die wilden Verhaftungen durch einheimische SA  und SS in die systematischen Bahnen des hitlerdeutschen Terrors zu lenken.'"

      [Zeitreiseführer-Vorarlberg]⇒

          [ #Vorarlberg ] Von Schamanen, Goldgräbern und Soldaten

          Frühe Formen der „Aneignung“ von Gebirgen in Vorarlberg

          Die von dem Bludenzer Historiker und "Hexenforscher" Manfred Tschaikner angeführten Beispiele verweisen darauf, dass in dem langen Zeitraum, der nun durch archäologische und paläobotanische Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte alpiner Räume in Vorarlberg belegt ist, durchaus eine Art von Normalität in den Beziehungen der Menschen zum Gebirge herrschte.
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          [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]