Dienstag, 20. November 2018

[ #Dornbirn ] Dornbirner Statt-Geschichten


[Free eBook] Dieser Band ist als Beitrag zu einer kritischen Stadt- und Regionalgeschichte zu verstehen.

Am Beispiel der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Dornbirns in den letzten hundert Jahren werden von den Autoren Tendenzen deutlich gemacht, die auch für die Landesgeschichte Vorarlbergs Gültigkeit besitzen.

Die Vorarlberger Malingesellschaft hat das (vergriffene) Werk zur Dornbirner Stadtgeschichte als PDF online gestellt. Es kann kostenfrei heruntergeladen werden und ist als PDF besonders wertvoll, weil das Suchen mit dem Acrobat Reader nochmals so einfach ist, wie es mit dem Personen- und Ortsverzeichnis der Printausgabe schon möglich gewesen wäre.

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.

Verlagsinformation. Werner Bundschuh / Harald Walser: Dornbirner Statt-Geschichten
Studien zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Band 1. 1987, 254 Seiten (vergriffen)

Inhalt
  • Vorwort
  • Wilhelm Stärk - Wesen und Arten des Dornbirners - Eine Anthologie der schönsten Lesefrüchte
  • Werner Bundschuh - Kreist das Blut der Ahnen - Zum Bild der Dornbirner Unternehmer im Werk von Hans Nägele
  • Leo Haffner - "Der Liberalismus bringt keinen Segen" - Martin Thurnher - ein Leben für den Konservativismus
  • Reinhard Mittersteiner: Die Genossen Handwerker - Zur Geschichte der Dornbirner Sozialdemokratie in der Monarchie
  • Werner Dreier: "Hier gab es keinen Unterschied" - Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung Dornbirns in der Ersten Republik
  • Gernot Egger - Ach, der Stiefel glich dem Stiefel immer... - Verfolgung oppositioneller Arbeiter im Austrofaschismus und im Nationalsozialismus
  • Harald Walser - Der Tod eines Staatsdieners Hugo Lunardon und der Nationalsozialismus in Dornbirn
  • Autorenverzeichnis
  • Namensregister
  • Ortsverzeichnis
  • Bildquellennachweis
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
Verortet in Reiter
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
Link
 19., 20. Jhdt
 

















Mittwoch, 31. Oktober 2018

[ #Hohenems ] Didaktikmappe Kantormania - Die Welt des synagogalen Gesangs synagogalen Gesangs


Jüdisches Museum Hohenems: Vor mehr als 200 Jahren wurde ein Star in Hohenems geboren, ein Star mit einer freilich ungewöhnlichen Karriere. 
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Dienstag, 14. August 2018

[ #Hohenems ] Donato Arsenio Mascagni - Hofmaler des Salzburger Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems


Italienische Kunst prägte das frühneuzeitliche Europa. Künstler aus Italien erfüllten in Mitteleuropa eine bedeutende Kulturmission. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts strömten italienische Künstler nach Österreich.

Am Anfang wurden sie in dem seit 1529 unmittelbar von der Expansion des osmanischen Reiches bedrohten Land vor allem als Baumeister von Befestigungsanlagen geschätzt. Bald konnten sie sich auch im Bereich der "architectura civilis" und in allen anderen Kunstgattungen durchsetzen. Vorteilhaft und von grundlegender Bedeutung für ihren Erfolg zeigte sich auch die um sich greifende und alle Gesellschaftsschichten erfassende "italianità" der frühneuzeitlichen Gesellschaft. Die "italianità" setzte sich in der Literatur, in der Musik, im Theater, in der Architektur und in der bildenden Kunst durch und wurde zur universellen Sprache des politisch und konfessionell gespaltenen Kontinents. (Anmerkung: Der Begriff Italianità  -„Italianität“ - kam erst während während des 19. Jahrhunderts im Zuge des Risorgimento in den Reihen der panitalienischen Bewegung auf. Unrühmlich in Erinnerung ist das Schlagwort Italianità durch die Zeit des Faschismus, als es bei der zwangsweisen Italianisierung der nach dem Ersten Weltkrieg einverleibten Gebiete, u.a. auch Südtirol propagandistisch verwendet wurde.).

Donato Arsenio Mascagni. Weder zum Datum der Geburt noch zur Jugend Donatos existieren verläßliche Informationen. Er dürfte um 1570 in Florenz geboren worden sein und starb am 10.3.1636 im Kloster SS. Annunziata. Mit 26 Jahren trat er in das Servitenkloster bei Florenz ein und erhielt den Namen Fra Angelico. 1608 wechselte er in das Kloster SS. Annunziata, wo er ein Jahr später die Priesterweihe erhielt.


Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems holte ihn nach Salzburg, wo er Hofmaler wurde. Ab 1615/16 weilte Mascagni in Salzburg, ab 1616 erscheinen im Geheimen Archiv Salzburg unter der Rubrik `Paumaistery` erste Zahlungen an ihn, die mit einigen Unterbrechungen bis 1629 geleistet wurden. Nachdem er 1622 nach Rom berufen wurde, kehrte er für die Jahre 1628 bis 1630 erneut nach Salzburg zurück. In Salzburg ist nach ihm die Mascagnigasse in der Josefiau im Stadtteil Salzburg Süd benannt.

Bild oben: Erzbischof Markus Sittikus von Hohenems vor einem Gemälde von Schloss Hellbrunn, in der Hand ein Gemälde des Salzburger Doms im Bau. ( Fürsterzbischof Marcus Sitticus war ein Sohn von Jakob Hannibal von Hohenems und Bruder von Kaspar von Hohenems. 1612-19 Fürsterzbischof von Salzburg. Führte die Rekatholisierung in Salzburg mit großer Härte durch, hielt seinen Vorgänger Wolf Dietrich gefangen, begann 1614 den Bau des barocken Doms und ließ 1613-19 Schloss Hellbrunn errichten. Gemälde von Donato Arsenio Mascagni aus dem Jahr 1617.

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒ 

Dienstag, 24. Juli 2018

[ #Vorarlberg ] Vorarlberg auf der Mercator Europakarte

British Library - Online Gallery: Teil von Vorarlberg:
The Tyrol and part of Lombardy, f.28

Die British Library hat in ihrer Reihe "Turning the Page" Mercators Europakarte von 1554 digitalisiert online gestellt. 

Das fast 100seitige Werk zeigt auch eine Karte "Tyrolis" in der Teile Vorarlbergs dargestellt sind: Vom Arlberg übers Klostertal nach Bludenz bis Feldkirch und das Montafon mit dem "Illfluß".
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Montag, 9. Juli 2018

[ #Vorarlberg ] Die Geschichte der Caritas in Vorarlberg


Zuerst sind Vinzenzgemeinschaften und dann Caritasverbände entstanden, und zwar aus doppeltem Grund: 
Einerseits fordern die Nöte und Probleme der Menschen sehr oft eine organisierte Hilfe. Das "Einandervon-Mensch-zu-Mensch-Lieben" reichte  in manchen Fällen nicht aus. Zudem fühlen sich Einzelne oft überfordert, wirksam zu helfen, denken wir nur z. B. an die Suchtproblematik, die Arbeitslosigkeit, die Flüchtlingsströme unserer Zeit. Deshalb sind andererseits auch gesellschaftliche Einflussnahmen und Veränderungen nötig. Soziales Handeln hat eben immer auch eine politische Dimension. 

Vinzenzgemeinschaften. Im Jahr 1833 gründete damalige der Student und spätere Sorbonne-Professor Frédéric Ozanam, der 1997 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, mit anderen Studenten im Pariser Vorort Bailly die erste Vinzenzgemeinschaft, die er unter das Schutzpatronat des heiligen Vinzenz von Paul stellte. Anlass waren die schlechten sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft im damaligen Paris. Ozanam wies mit Entschiedenheit auf die Verantwortung der Christen für die Armen und Schwachen dieser Welt hin.

Seine Forderung nach Solidarität und das Bestreben, der drückenden Not durch karitative Selbstorganisation aus den Pfarreien heraus zu begegnen, fanden im Paris dieser Zeit großen Widerhall, und schon bald bildeten sich Gruppen von Gleichgesinnten in ganz Frankreich. 1845 entstand die erste Vinzenzkonferenz in Deutschland, 1849 in Österreich. Namensgeber und Vorbild für diese Gruppen ist der heilige Vinzenz von Paul (1581–1660), der als Begründer der neuzeitlichen Caritas gilt.

Vorarlberg. In Vorarlberg setzte die Gründung caritativer Vereinigungen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ein. Professor Dr. Michael Haidegger und der Servitenpater Magnus Verzager gründeten am 11. März 1849 in Innsbruck die erste Vinzenzkonferenz Österreichs. In den darauf folgenden Jahren bildeten sich in verschiedenen anderen Städten Tirols und in anderen Teilen Österreichs stets neue Vinzenzkonferenzen. Vorarlberg war dabei allerdings das letzte Kronland.

Reihenfolge der Gründung Vorarlberger Vinzenzkonferenzen:

19.07.1877 hl. Sebastian in Schwarzach
08.12.1881 hl. Nikolaus in Feldkirch
30.01.1885 hl. Nikolaus in Wolfurt
28.03.1885 hl. Gallus in Bregenz
01.10.1885 hl. Mauritius in Nenzing
28.07.1886 hl. Sebastian in Ludesch
27.07.1887 hl. Sulpitius in Frastanz
28.08.1887 hl. Arbogast in Götzis
10.10.1887 U.L.Fr. Maria Heimsuchung in Rankweil
30.10.1887 hl. Laurentius in Bludenz
11.11.1889 hl. Johannes d. Täufer in Höchst
26.11.1889 hl. Petrus u. Paulus in Lustenau
21.07.1890 hl. Sebastian in Hard
01.01.1895 hl. Martin in Dornbirn
01.01.1898 U.L.Fr. Maria Geburt in Tschagguns
12.07.1908 hl. Karl Borromäus in Hohenems
19.03.1909 hl. Josef in Rieden-Vorkloster
26.05.1927 hl. Sebastian in Gisingen

So bestanden bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts in Vorarlberg eine große Vielfalt an (katholisch) caritativen Zusammenschlüssen, sodass auch in Vorarlberg der Ruf nach einer Koordination und einem gebündelten Zusammenschluss immer lauter wurde. Dies sollte in der Gründung des Caritasverbandes geschehen: Ein Proponentenkomitee stellte am 22. Juli 1923 bei der Vorarlberger Landesregierung den Antrag um die behördliche Genehmigung der Statuten des Caritasverbandes für Vorarlberg mit dem Sitz in Feldkirch. In der Gründungsversammlung am 14. März 1924 im bischöflichen Palais in Feldkirch, erfolgte die Bestellung von Dr. Josef Gorbach als Caritasdirektor.

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒ 
Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf das Inhaltsverzeichnis verrät mehr:

Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
Einführung  11
I. Teil
Caritatives Wirken in Vorarlberg vor der Gründung des Caritasverbandes
1 Die Vinzenzkonferenzen  13
1.1 Antonie-Frederic Ozanam und die Gründung der Vinzenzkonferenzen
1.2 Die Vinzenzvereine in Vorarlberg
1.2.1 Die Entstehung der Vinzenzkonferenzen in Vorarlberg
1.2.2 Die Tätigkeit der Vorarlberger Vinzenzkonferenzen
1.2.3 Konzept der Vinzenzarbeit
2 Der Vorarlberger Kinderrettungsverein (KRV)  19
2.1 Die Entstehung des KRV
2.2 Das Wirken des KRV von 1885-1905
2.3 Das Wirken des Vereines von 1905-1939
2.4 Die Rekonstruktion des KRV und sein weiteres Wirken
2.5 Namensänderungen des KRV
3 Der Jugendfürsorgeverein für Tirol und Vorarlberg25
3.1 Die Tätigkeit des Jugendfürsorgevereins
3.1.1 Während des 1. Weltkrieges
3.1.2 Nach dem 1. Weltkrieg
4 Das Seraphische Liebeswerk 28
5 Das Verhältnis der caritativen Vereine zueinander  29
5.1 Vermeidung der Konkurrenz
5.2 Koordination der Zusammenarbeit
5.3 Vorarlberger Blumentag
II.Teil
Die Geschichte des Vorarlberger Caritasverbandes
1 In Richtung Gründung des Verbandes 33
1.1 Die Caritasbewegung in Deutschland
1.2 Die Caritasbewegung in Österreich
1.3 Die österreichischen Bischöfe zur Sozialen Frage
1.4 Die Gründung des Caritasverbandes für Vorarlberg
2 Das Wirken des Verbandes in den ersten Jahren  39
2.1 Zur Person von Dr. Josef Gorbach
2.2 Das Wirken nach dem Tätigkeitsbericht von 1925
2.2.1 Tätigkeit in fürsorglicher Hinsicht
2.2.2 Tätigkeit in ideeller Hinsicht
2.2.3 Tätigkeit in organisatorischer Hinsicht
2.2.4 Die Finanzlage im Jahr 1925
2.3 Die Caritaszentrale auf ständiger Wanderschaft
3 Geschehen in Verbindung mit der Caritas  44
3.1 Der Caritaspresseapostolatsverein und die
schriftstellerische Tätigkeit Dr. Gorbachs
3.2 Die Katholische Aktion
3.2.1 Das Konzept der KA
3.2.2 Die KA in Vorarlberg
4 Die 30er Jahre  47
4.1 Der Beginn der 30er Jahre
4.1.1 Der Abschied Josef Gorbachs
4.1.2 Caritasdirektor Markus Schelling
4.2 Die Situation zur Zeit des Nationalsozialismus
5 Die Caritas in der Nachkriegszeit  51
5.1 Die Wiedererrichtung und Leitung der Caritas
5.1.1 Die Caritas als bischöfliches Amt
5.1.2 Die Reaktivierung des Caritasverbandes
5.1.3 Caritasdirektor Dekan Oskar Schuchter
5.2 Tätigkeit der Caritas in der Nachkriegszeit
5.2.1 Die Ferienkinderaktion
5.2.2 Verteilung von Lebensmitteln und Sachspenden 4
5
5.2.3 Die Flüchtlingsbetreuung
5.2.4 Die Errichtung der Bahnhofsmission
5.2.5 Der Auf- und Ausbau der Pfarrcaritas
5.2.6 Die Rückstellung des Hauses am Maria Mutterweg
5.2.7Die finanzielle Situation
6 Die Vorarlberger Caritas in den 50er und 60er Jahren  58
6.1 Die Tätigkeitsbereiche
6.1.1 Die Kinderhilfe
6.1.2 Wohnbaudarlehen
6.1.3 Familienhilfe
6.1.4 Der Kauf des Hauses in der Vorstadt
6.1.5 Katastrophenhilfe
6.1.6 Die Trinkerfürsorge
6.1.7 Erholungsaktionen in Ebnit-Hackwald
6.1.8 Freiwillige Krankenhaushelferinnen
6.1.9 Die Beschützenden Werkstätten der Caritas
6.2 Die Caritasdirektoren dieses Zeitabschnittes
6.2.1 Caritasdirektor Dr. Johann Sähly
6.2.2 Caritasdirektor Msgr. Gerhard Podhradsky
6.3 Die Entwicklung der Personalsituation
7 Die Entwicklung von 1970 bis 1994 67
7.1 Die Ausweitung der Tätigkeitsbereiche
7.1.1 Die Altenhilfe und Altenpflege
7.1.2 Ehe-, Familien- und Lebensberatung
7.1.3 Allgemeine Fürsorge - SOS-Rat und Hilfe,
Caritas-Stelle für Beratung und Sachhilfe
7.1.4 Die Familienhilfe
7.1.5 Mütter in Not
7.1.6 Erholungsheim Ebnit-Hackwald
7.1.7 Die Bahnhofsmission - der Bahnhofsozialdienst
7.1.8 Der Sozialmedizinische Dienst und die Stiftung Maria Ebene
7.1.9 Die Behindertenhilfe
7.1.10 Stützlehrerinnen
7.1.11 Die Flüchtlingshilfe
7.1.12 Die Obdachlosenhilfe
7.1.13 H.I.O.B (Hilfe, Information, Orientierung, Beratung)
7.1.14 Wohngemeinschaft für aidskranke Menschen
6
7.1.15 CARLA Textil/Möbel/Handwerk/Leben
7.1.16 Das Pfarrcaritas-Referat
7.1.17 Die Auslandsarbeit
7.2 Änderung des Rechtsstatus der Caritas
7.3 Die neue Form der Leitung
7.3.1 Caritasdirektor Msgr. Gebhard Amann
7.3.2 Caritasdirektor Peter Klinger
7.3.3 Caritasseelsorger Elmar Simma
7.4 Die Struktur der Organisation
7.4.1 Das Organigramm
7.4.2 Der Caritasrat
7.4.3 Das Kuratorium der Caritas
7.5 Das Leitbild
7.6 Die Finanzierung der Tätigkeit
8 Zusammenfassung
zur geschichtlichen Entwicklung der Vorarlberger Caritas  80
8.1 Von der Koordination zur eigenen Tätigkeit
8.2 Von vorwiegend ehrenamtlicher Tätigkeit zu spezialisierter Sozialarbeit
8.3 Von geringen Mitteln zum 70-Millionen-Budget
8.4 Die Öffentlichkeitsarbeit
9 Geschichte der Caritas seit 1994, Exkurs  81
III. Teil
Theologische Reflexion:
Theologie, Theorie und Praxis der Caritas
1 Inwieweit entspricht die spezialisierte Form von Diakonie
der Diözesancaritas dem biblischen Auftrag?  95
1.1 Der Primat der Nächstenliebe im NT
1.2 Caritas in den frühchristlichen Gemeinden
1.3 Impulse aufgrund dieser Gegenüberstellung
2 Wie versteht sich christliche Sozialarbeit?  98
2.1 Die christliche Qualität der Arbeit
2.2 Die Verwirklichung und Vermittlung christlicher Grundwerte
3 Welche Verantwortung hat die Caritas gegenüber ihren Mitarbeitern
und Mitarbeiterinnen, und welche Anforderungen bestehen an die
Angestellten? 101
3.1 Verantwortung und Anspruch
4 Worauf hat die Caritas in ihrer Einbettung in das soziale Netz
und in ihrer Beziehung zu Gesamtstaat und Bundesland zu achten?  102
5 Welchen Stellenwert hat Öffentlichkeitsarbeit für die Caritas?103
6 Wünsche an die Caritas Vorarlberg  104
7 Quellen- und Literaturverzeichnis 105
7.1. Quellen
7.1.1 Statuten, Protokolle, andere Dokumente
7.1.2 Tätigkeitsberichte, Festschriften, Informationsbroschüren
7.1.3 Briefe, persönliche Aufzeichnungen, Rundschreiben, Aufrufe
7.1.4 Interviews
7.2 Zeitschriften und Zeitungen
7.3 Literatur
Fußnoten 110

Freitag, 29. Juni 2018

[ #Vorarlberg ] Vorarlbergisch für den Urlauber



Das Bemühen, sich den Gästen und den zugereisten Hinterdemarlberger heimische Sprache verständlich zu machen, ist löblich.

Auf der Homepage des Gemeindeamtes Dalaas / Wald am Arlberg (am Arlberg ist Gemeinde und Tourismusbüro fast immer dasselbe) findet sich ein knapper Kurs für "Vorarlbergisch für den Urlaub". Das Bemühen, sich den Gästen und den zugereisten Hinterdemarlberger heimische Sprache verständlich zu machen ist löblich.

Gsi-Seite. Doch dürfte dies angesichts der Urlauberkarawanen und der Sprach- und Definitionsmacht der Medien vielleicht zu spät kommen, aber immerhin wird liebevoll das Gsibergerische bewahrt, wie "Mörtel" Lugner seine Mausi auf Vorarlbergisch nennen würde: Statt Mausi hieße das "Müsle", eventuell auch Schätzle oder Wible.

Ostösterreicher - Innerösterreicher - Vorarlberger. Dass es in Vorarlberg auch für tagtägliche Produkte wie Kartoffeln oder Erdäpfel (Grumpara) andere Bezeichnungen gibt als in Hinterdemarlberg ist vielleicht der älteren Generation noch bekannt. Der Vorarlbergische Begriff wird dem innerösterreichischen hier gegenübergestellt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

Donnerstag, 28. Juni 2018

[ #Vorarlberg ] Die Deutschfreiheitliche Propaganda vom "Kanton Übrig"

Ausschnitt NZZ vom 14. Mai 1914

NZZ. Über die Abstimmung vom 11. Mai 1919 berichtete die Neue Zürcher Zeitung im Mittagsblatt vom Mittwoch, 14. Mai. Der ausführliche Bericht unter dem schlichten Titel "Vorarlberg" beginnt wie folgt:

"Die Volksabstimmung vom letzten Sonntag hat eine Vierfünftelmehrheit zugunsten des Anschlusses an die Schweiz ergeben. Der Abstimmung gingen ungemein rege Auseinandersetzungen zwischen Freunden und Gegnern in der Öffentlichkeit vor. Wir bedauern lebhaft, hier konstatieren zu müssen, dass die Opponenten sich dabei verschiedentlich im Ton arg vergriffen haben. Die Führung der Opposition hatte das sog ‚Schwabenkapitel’ übernommen, eine Vereinigung mit unverkennbar alldeutschem Einschlag alten Stils, also eine Geistesrichtung, die uns besonders antipatisch ist ..."

"Kanton Übrig". 82 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung stimmten im Jahr 1919 für einen Anschluss an die Schweiz. Inhaltlich startet die Ausstellung mit dem Tode Kaiser Franz Josephs sowie dem Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie und endet mit dem Friedenvertrag von Saint-Germain-en-Laye. So wird das zentrale Thema der Schau, die Ereignisse um die Vorarlberger Anschlussbestrebungen an die Schweiz, in einen internationalen historischen Kontext eingebunden. Besuchern aus dem In- und Ausland soll damit die Möglichkeit geboten werden, sich der Thematik aus unterschiedlichen Richtungen zu nähern.

Deutschfreiheitliche Propaganda gegen die Schweiz. "Die Phrase des 'Kanton Übrig' muss als unzutreffend beurteilt werden. Ein Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz fand in der Eidgenossenschaft Zuspruch. Was die wenigsten wissen dürften ist, dass die geflügelten Worte auf einem gleichnamigen Flugblatt beruhen, das in ganz Vorarlberg kursierte. Der anonyme Unterzeichner Z. – ein Befürworter des Anschlusses an Deutschland – führte dort aus, in der Schweiz würde das ungeliebte und abgelehnte Vorarlberg höhnisch als 'Kanton Übrig' bezeichnet. Bei einer Landtagssitzung im Juli 1919 wurde bekannt, dass es sich beim Verfasser Z. nicht um Zorro handelte – die Romanfigur wurde, man glaubt es kaum, im selben Jahr erfunden. Vielmehr enttarnte Landeshauptmann Ender den deutschfreiheitlichen Abgeordneten Anton Zumtobel, einen Dornbirner Anwalt, als Urheber (Franz Anton Zumtobel * 4. Juli 1876 in Dornbirn; † 26. September 1947 ebenda, war ein österreichischer Politiker der Großdeutschen Volkspartei und Jurist. Er war von 1919 bis 1932 Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag). Zumtobel stand zur Autorschaft und gestand, das Machwerk 'verbrochen' zu haben. 'Ich muß gestehen, daß ich viel geschrieben habe, was sich später leider nicht als wahr erwiesen hat', gab er sich geläutert." (Arnulf Häfele, Die Schweiz als Vorbild ... siehe Link u.)

Die Schweiz als gelobtes Land! Nach dem ersten Weltkrieg galt Österreich vielen als nicht überlebensfähig, sowohl ideologisch als auch wirtschaftlich. Für das an die Schweiz angrenzende Land Vorarlberg galten die ausgeprägten demokratischen Rechte der Eidgenossen im Gegensatz zum feudalabsolutistischen und gegenreformatorischen Habsburgerreich seit jeher als erstrebenswert. Die Vorarlberger wandten sich schon im Appenzeller Krieg (1404-08 ) von der Österreichischen Herrschaft und Habsburg ab. Am 14. Juni 1405 unterlag Herzog Friedrich IV. von Tirol (der mit der leeren Tasche) am Stoos bei Altstätten, worauf sich Feldkirch, Bludenz, Rankweil und Götzis, 1406 auch der Bregenzerwald, dem "Bund ob dem See" anschlossen. Die Burgen Jagdberg, Tosters, Ramschwag, Bürs und Alt-Montfort wurden zerstört, die Appenzeller drangen bis Landeck vor. Sie belagerten Bregenz, konnten es aber nicht einnehmen. Am 13. Januar 1408 erlitten sie jedoch bei Bregenz eine Niederlage gegen ein Heer des schwäbischen Ritterbundes Sankt Jörgenschild und der Bischöfe von Augsburg und Konstanz. 1408 wurde in Konstanz Frieden geschlossen: Der Bund ob dem See musste sich auflösen, den Mitgliedern wurden aber die alten Freiheiten und Privilegien bestätigt. Vorarlberg kehrte unter die habsburgische Herrschaft zurück.

Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie erklärte sich Vorarlberg 1918 auf staatsrechtlich revolutionärem Wege seine Selbständigkeit und schloss sich nur provisorisch 'Deutschösterreich“ an.

Die Landesverfassung von 1919 ist sowohl aus Bestandteilen von eidgenössischen Kantonsverfassungen als auch aus Anleihen der schweizerischen Bundesverfassung zusammengebaut worden. Die absolute Hauptquelle war ganz konkret die Verfassung des benachbarten Kantons St. Gallen, die in vielen Passagen wörtlich übernommen wurde. Auffallend für die verfassungsrechtlichen Verhältnisse waren die Aufnahme von Grundrechten in eine Landesverfassung und das große Engagement für die direkte Demokratie in der Landesverfassung von 1919. Praktische Bedeutung haben beide Punkte allerdings nicht erlangt.

Ferdinand Riedmann. Den Anstoß für eine Anschlussbewegung an die Schweiz gab der Lustenauer Lehrer Ferdinand Riedmann. Er gründete ein Komitee, das für den Anschluss an die Schweiz warb, und stieß damit auf große Zustimmung unter den Vorarlbergern. Der neu konstituierte Vorarlberger Landtag ignorierte die Bestrebungen Riedmanns zunächst, nach einer Unterschriftenaktion war man jedoch gezwungen, sich damit zu befassen. Am 11. Mai 1919 kam es zur Volksbefragung, eine Mehrheit von 82 Prozent stimmte für das Vorhaben. Der Friedensvertrag von St. Germain machte dann aber allen Anschluss-Bestrebungen ein Ende.

Riedmanns politisches Ende kam von „oben“: Im Anschluss an ein vom Landesschulrat durchgeführtes Disziplinarverfahren wurde er nicht nur als Lehrer suspendiert sondern auch zur Niederlegung der politischen Ämter angehalten. Ob diesem Verfahren im Jahre 1924 tatsächlich eine dienstliche Verfehlung vorangegangen war oder ob der Präsident des Landesschulrates, Landeshauptmann Dr. Ender, einen geringen Anlass zur Ausschaltung Riedmanns benutzte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Der betreffende Akt ist im Landesarchiv nicht mehr vorhanden.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]


[ #Feldkirch ] Paula Ludwig und Bert Brecht

Exil aus Anstand.  

Paula Ludwig (* 5. Januar 1900 in Feldkirch; † 27. Januar 1974 in Darmstadt) war eine Vorarlberger Schriftstellerin und Malerin. Sie lernte Brecht bereits Anfang der 20er Jahre in München kennen. In Berlin begegnete man sich wieder. Paula Ludwig besuchte die Aufführungen der Brecht-Stücke: den "Baal", später die "Dreigroschenoper".

Der Nationalsozialismus machte dem intensiven künstlerischen Leben der Weimarer Republik ein jähes Ende. Brecht ging ins Exil nach Dänemark, später in die UdSSR und die USA. Paula Ludwig fühlte sich unwohl im nationalsozialistischen Deutschland. Obwohl sie weder rassisch noch politisch verfolgt war, lebte sie ab 1933 in Ehrwald in Tirol. 1938 floh sie - wegen ihres Eintretens für deutsche Juden bedroht - über die Schweiz nach Frankreich und 1940 nach Brasilien, wo ihre Schwester lebte. In Rio de Janeiro und Sao Paulo blieb die Regimekritikerin von 1940 bis 1953 im Exil. Heute ürden die östereichischen Asylbehörden Paula Ludwig zurückschicken. Anstand ist ja bekanntlich kein Asylgrund.

Als sie 1953 nach (West-)Deutschland zurückkehrte und bald nach Ehrwald in Tirol auswich, machten Freunde von ihr Bertolt Brecht in (Ost-)Deutschland auf die dramatischen Lebensumstände von Paula Ludwig aufmerksam. Es entwickelte sich ein kurzer Briefwechsel im Jahr 1955. Bertolt Brecht erinnerte sich an Paula Ludwig, versuchte ihr auch unkompliziert und rasch zu helfen. Brecht starb aber schon ein Jahr später, im August 1956.

[Zeitreiseführer-Vorarlberg]⇒

[ #Bregenzerwald ] Franz Michael Felder: Reich und Arm

[Free eBook] "Reich und Arm" ist der Titel eines Buches von Franz Michael Felder. 
Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. 
Herausgegeben von Karl-Maria Guth. 
Berlin 2016
[Free eBook] "Reich und Arm" ist der Titel eines Buches von Franz Michael Felder. Eine Geschichte aus dem Bregenzerwald, wo der Blick über den Kirchturm und die Wiesen um das Dorf Au zur Kanisfluh geht.

Die Menschen in dieser Idylle geraten aber durch Geldverhältnisse, die Gerüchte und Händel im Wirtshaus – wie auch durch Wortmißbrauch von der Kanzel her – unter Druck. Ein Roman, den Franz Michael Felder inmitten der politischen Kämpfe seiner letzten Jahre seines sehr kurzen Lebens schrieb.

Franz Michael Felder. Er (* 13. Mai 1839 in Schoppernau, Vorarlberg; † 26. April 1869 Schoppernau) war ein Bregenzerwälder Schriftsteller und Bauer. Felder wuchs in einfachsten bergbäuerlichen Verhältnissen auf, musste mehrere Schicksalsschläge hinnehmen (u.a. Verlust eines Auges aufgrund eines ärztlichen Kunstfehlers) und hat in Anbetracht seines kurzen Lebens ein reichhaltiges Werk hinterlassen. Mit seinen nach dem Vorbild von Jeremias Gotthelf geschriebenen sozialkritischen Romanen und Erzählungen widmete er sich der Dorfgeschichte, repräsentiert aber auch den Poetischen Realismus. Nach mehreren Veröffentlichungen kam sein erster Zeitroman ("Sonderlinge") 1867 bei Hirzel heraus, und er wurde in Leipzig Ehrenmitglied des dortigen Germanistenclubs. In dieser Zeit schreibt er an seinem Roman "Reich und Arm", in dem er die Lebensthemen des sozialen Reformers mit seiner Heimatliebe verwob.

Er war Gründer der ersten bäuerlichen Genossenschaft im Bregenzerwald und stand damit in krassem Widerspruch zur Familie Gallus Moosbrugger, dem reichen und mächtigen Käsegrafen”. Mit seinem Schwager Kaspar Moosbrugger (1830–1917) gründete er 1866 die "Vorarlbergische Partei der Gleichberechtigung".

Das Ergebnis seines sozialen Wirkens in der Gemeinde war: die Schaffung von Satzungen für den Handwerkerverein und Einrichtung einer Volksbibliothek durch denselben, eine gerechtere Verteilung der Gemeindesteuern (nach dem Vermögensstand und nicht nach Köpfen und Häusern), die Gründung einer Viehversicherungsgesellschaft, die Gründung eines Käsehandelsvereines (um die Bauern von den reichen Käsehändlern unabhängig zu machen). Der frühe Tod hinderte ihn daran, eine Genossenschaft für Stickerinnen zu gründen (die Stickerei war damals Haupterwerbszweig für Mädchen und Frauen in Form von Heimarbeit).

Im Alter von nur 30 Jahren starb Felder am 14. März 1869 als Vater von vier Kindern und nachdem ihm auch seine Frau, die er im Jahre 1861 heiratete, schon ein Jahr zuvor im Tode vorausgegangen war.

Wanderweg "Reich und Arm". Wer auf Felders Spuren wandern möchte, kann dies, geführt von einer Broschüre und dezenten Tafeln: Zu seinem Wohnhaus direkt an der Straße in Schoppernau, zu seiner Vorsäßhütte in Hopfreben an der Straße nach Schröcken, zu einem Gedenkstein an der Bregenzerachbrücke zwischen „Paradies“ und „Armengemach“.
Routenführung: Schoppernau Ortsmitte (850 m) - Hinterhopfreben (1007 m) F.M.Felderweg - Schoppernau-Ortsmitte (der Rückweg erfolgt auf derselben Route oder per Bus) Auf dem Weg nach Hinterhopfreben erzählen Tafeln mit Zitaten aus dem Leben und dem Werk von Franz Michael Felder.

Einen Besuch wert ist auch das Franz-Michael-Felder-Museum im Gemeindehaus in Schoppernau. Nach Verlassen des Siedlungsgebietes von Schoppernau führt der Weg zuerst entlang der Bregenzerach und steigt dann allmählich an, bis das erste Vorsäß, Vorderhopfreben, erreicht ist. Durch ein kurzes Waldstück erreicht man dann bald die zweite Vorsäßsiedlung, Der Rückweg erfolgt auf derselben Route oder per Bus.
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

[ #Vorarlberg ] Franz Michael Felder als "Erinnerungsort"

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Gedenktafel an Franz Michael Felder in Hopfreben im Schoppernau
1969, im Jahr, in dem man dem 100. Todestag Franz Michael Felders gedachte, wurde der zum ersten Mal 1910 gegründete Felder-Verein neu gegründet. An der Gründung dieses Vereins waren alle Parteien und auch die Kirche beteiligt und es war damit auch ein Versuch, Felder aus dem Streit der Parteien herauszunehmen. 

Germanist. Franz Michael Felder, der nicht einmal 30 Jahre alt wird, hält seine gesellschaftlichen Ideen in Form von Gedichten, Romanen und einer Biografie fest. Er organsiert eine erste Dorfbücherei und einen Lesezirkel, arbeitet am Grimmschen Wörterbuch mit und wird Mitglied des Leipziger Germanistenclubs.

Sozialreformer. Franz Michael Felder wurde 1839 als einziges überlebendes Kind von Kleinbauern in Schoppernau im Bregenzerwald geboren. Trotz kargen Lebens und schwerer Arbeit liest der Bub eifrig. Zeitungen und Bücher, verdächtige Medien für Kirche und Bauernstand, werden das Tor zur Welt. Felder beginnt die geistige Enge der Heimat, die Bevormundung der Kirche und die Unterdrückung durch die "Käsebarone" zu hinterfragen. Er gründet eine landwirtschaftliche Genossenschaft und eine Reformpartei, organsiert eine erste Dorfbücherei und einen Lesezirkel.

Abstract: Anna Bösch (2015) Franz Michael Felder als regionaler Erinnerungsort. 
Die Vorarlberger Bevölkerung besitzt eine ausgeprägte regionale Identität. Für das kollektive Gedächtnis spielt unter anderem ein Mann eine Rolle, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Schoppernau im Bregenzerwald lebte und sich neben seinem Bauerndasein als Autodidakt, Schriftsteller und Sozialpolitiker hervortat – Franz Michael Felder (1839-1869).  
Freunde von ihm errichteten schon kurz nach seinem frühen Tod ein Denkmal für ihn, und es setzte eine Gedächtnisarbeit ein, die dazu führte, dass Felder im 20. Jahrhundert zu einem Erinnerungsort in Vorarlberg, einem lieu de mémoire (Pierre Nora), wurde. Höhepunkte der Erinnerung waren stets die Jahre seines Geburts- bzw. Todesjubiläums.
In dieser Arbeit werden die wichtigsten Jubiläen Felders analysiert. Es wird dabei nach deren inhaltlicher Botschaft vor dem Hintergrund der jeweiligen politisch-kulturellen Situation gefragt, sowie die Bedeutung für das regionale Gedächtnis herausgearbeitet. Besonderes Interesse gilt außerdem den für die Erinnerungsarbeit an Felder wesentlichen Personen bzw. Institutionen.

Felder war schon zu seinen Lebzeiten äußerst umstritten und blieb es auch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Anfangs waren es nur wenige, die für ihn eintraten und sich mit ihm identifizierten, schlussendlich aber wurde er zu einer Art regionaler Kultfigur. In diesem Prozess wurde er von verschiedenen Seiten vereinnahmt: Liberale, Deutschnationale, Nationalsozialisten, Sozialisten und schließlich auch Konservative setzten seinen Namen zur Propagierung ihrer eigenen politischen Ziele ein.
Das tatsächliche Werk Felders blieb dabei lange Zeit auf der Strecke. Seit den 1980er Jahren befindet sich die Vorarlberger Gedächtnisgemeinschaft jedoch in einem Prozess der Transformation. Der Vergangenheitsbezug und die wesentlichen Elemente der regionalen Identität haben sich grundlegend gewandelt. Damit einhergehend hat sich auch der Umgang mit Franz Michael Felder verändert, der heute keine Landesikone mehr ist, aber dennoch zu einem gewissen Grad das Landesbewusstsein.

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 7
2. Eine Person als Erinnerungsort? – Theoretischer Hintergrund 11
2.1. Gedächtnistheorien – Maurice Halbwachs, Jan und Aleida Assmann11
2.2. Pierre Nora und die Lieux de mémoire 15
2.3. Kollektives Gedächtnis und regionale Identität in Vorarlberg 19
2.4. Der Ursprung des Erinnerungsortes Franz Michael Felder  22
3. Die erste Feier - 1889 und die Liberalen25
3.1. Der Kulturkampf in Vorarlberg 25
3.2. Die Hauptakteure 27
3.3. Die Vorgeschichte 30
3.4. Die Feier 35
3.5. Die Rede Sanders 37
3.6. Reaktionen auf die Feier 41
4. Felder als Ikone der Deutschnationalen 45
4.1. Die Deutschnationalen in Vorarlberg  45
4.2. Die Osterbeilage des Vorarlberger Volksfreunds48
4.3. Hans Nägele 50
4.4. Die Gedenkfeier des Vereins der Vorarlberger in Wien 53
4.5. Der Felder-Kommers der deutschfreiheitlichen Studentenschaft 57
4.6. Der Südmark-Familienabend in Bezau 61
4.7. Der erste Franz-Michael-Felder-Verein als Auswirkung des Jubiläumsjahres 1909  63
5. 1939 - Felders 100. Geburtstag fällt ungünstig 67
5.1. Die NSDAP und der „Anschluss“ in Vorarlberg 68
5.2. Die Feierabend-Hefte über Felder 73
5.3. Die Felder-Feier in Bregenz 75
5.4. Felder in der Schule 78
5.5. Die Neuausgabe der Autobiographie Felders 79
5.6. Bezug auf Felder in politischen Reden 81
6. Allgemeine Anerkennung und Landessymbol84
6.1. Politisch-kulturelle Situation der Nachkriegsjahrzehnte.84
6.2. Sozialistische Vereinnahmung 1959  89
6.3. Das große Jubiläumsjahr 1969 97
7. Die Zeit des Erinnerungsortes  112
7.1. Das Ende der Gedächtnisgemeinschaft Vorarlberg 114
7.2. Wissenschaftlicher Zugang und Öffnung über Region 119
7.3. Zunahme der Aktivitäten rund um Felder 122
7.4. Neue inhaltliche Schwerpunktsetzungen 125
7.5. Conclusio  129
Quellenverzeichnis 131
Pressequellen (chronologisch) 131
Archivquellen  136
Internetquellen  136
Literaturverzeichnis137
Abstract 143

Dienstag, 19. Juni 2018

[ #Bludenz ] Mord im Kloster: Sankt Peter in Bludenz


Das vermutlich um 1286 gegründete Sankt Peter gilt als ältestes bestehendes Kloster im Land Vorarlberg.  Am Vormittag des 10. August 1796 ermordete eine fanatisierte Menge den Kreishauptmann Indermauer und seine Begleiter auf bestialische Weise.

Das vermutlich um 1286 gegründete Sankt Peter gilt als ältestes bestehendes Kloster im Land Vorarlberg. Die erste urkundliche Nennung der St. Peterskirche stammt aus dem Jahr 1278; 1286 erhalten die Nonnen vom Churer Bischof Friedrich von Montfort die Regel des Hl. Augustinus sowie als urkundliche Schenkung die St. Peterskirche. Um 1420 weiht der Churer Weihbischof Pantaleon eine neue Klosterkirche ein. 1525 wird das Kloster von einem schweren Brand heimgesucht; alles wird vernichtet.

Ignaz Anton von Indermauer. In der Neuzeit erlangte das Kloster St.Peter in Bludenz besondere Aufmerksamkeit durch die Ermordung des Vorarlberger Kreishauptmannes Ignaz Anton von Indermauer am 9. August 1796, gemeinsam mit dem Oberamtsrat Franzin und dem Bregenzer Bürgermeister Weber durch rebellische Bauern aus Bürs und Montafon.

Auswanderungsverbot! Als Kreishauptmann unter dem Reformer Joseph II. schuf sich Indermauer viele Feinde in den konservativen Kreisen der Bevölkerung. Er führte die Untersuchungen über die Unruhen gegen die josephinischen Reformen und hatte im Ersten Koalitionskrieg die Ausfuhrsperre sowie das Auswanderungsverbot in die von der Französischen Revolution erfassten Länder zu überwachen. Ja - richtig gelesen! Die Vorarlberger Bevölkerung erregte der Umstand, dass sie nicht auswandern durften! Diese unpopulären Maßnahmen trafen sowohl die in der Textilproduktion Beschäftigten wie auch die zahlreichen Vorarlberger Saisonarbeiter, die traditionsgemäß den Sommer über in Frankreich arbeiteten.

Konservative Schulfeindlichkeit. Das ist aber noch lange nicht die "ganze Wahrheit". Bludenz weigerte sich beispielsweise schon 1777 die Kosten für die Lehrerausbildung zu bezahlen, was dazu führte, dass Bürgermeister und Bürgerschaftsvertreter 1779 für fünf Monate inhaftiert wurden. Vorarlberg zeigte sich schon damals kirchlich konservativ. Die Konflikte setzten sich jedoch fort, selbst nachdem die Stadt 1780 – wie schon zuvor Feldkirch und Bregenz – direkt der kaiserlichen Regierung unterstellt worden war. Seit Sommer 1786 amtierte in Bludenz anstelle von Stadtrat und Bürgermeister ein kaiserlicher Administrator.

Mord im Kloster. Im Frühjahr und Sommer 1789 äußerte vor allem die ländliche Bevölkerung der Pfarre Bludenz ihre Unzufriedenheit mit den neuen politischen Verhältnissen. Sie widersetzte sich mehrfach den josephinischen Kirchenreformen und ihrem Hauptvertreter, dem Pfarrer. Bei den bald darauf folgenden Abwehrkämpfen gegen die Franzosen, die im Zug des Ersten Koalitionskrieges auf Vorarlberg vorrückten, standen die Bludenzer Schützen unter dem Kommando des Kronenwirts Bernhard Riedmiller, der aus der Gegend von Memmingen stammte. Im Verlauf der Ereignisse kam es im Sommer 1796 im Kloster St. Peter zu dem schwerwiegenden Vorfall: Eine aufgebrachte Volksmasse aus der Region ermordete dort den Kreishauptmann Ignaz Anton von Indermauer und zwei weitere Beamte, die des Landesverrats bezichtigt wurden.

Bernhard Riedmiller.
Der Bludenzer "Freiheitskämpfer" Bernhard Riedmiller war übrigens nicht nur "Freiheitskämpfer" gegen die französischen Freiheiten sondern entzog sich 1809 den Gläubigern durch die Flucht ins benachbarte Tirol, wo der hoch Verschuldete sich den Tiroler Aufständischen anschloss. 1810 hatte er englische Unterstützungsgelder für die Aufständischen zu verteilen, wo er dann der Unterschlagung großer Summen beschuldigt wurde. Eine Untersuchungskommission erklärte den Bludenzer Freiheitshelden 1823 teilweise für schuldig und pfändete seine Pension zur Hälfte.

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[ #Vorarlberg ] Zensur in Vorarlberg: Sergej Eisenstein "Panzerkreuzer Potemkin"

Bild: Arbeiterzeitung vom 1.9.1926
Panzerkreuzer Potemkin ist ein Stummfilm des Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925. Er wurde am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der Revolution des Jahres 1905 uraufgeführt.


Am 29. April 1926 wird im Apollo-Kino in Berlin der Berlin in Deutschland erstmals aufgeführt. Die kommunistische Berliner Filmfirma Prometheus produziert 1926 sogar eine Fassung mit deutschen Zwischentiteln und beauftragt den jungen Wiener Komponisten Edmund Meisel eigens dafür Filmmusik zu komponieren. Vier Jahre später stellt Meisel sogar eine komplette Tonfassung für den Film her, die Geräusche und gesprochene Dialoge enthält, welche die obligatorischen Zwischentitel ersetzen.

In Vorarlberg lässt der spätere Kurzzeit-Bundeskanzler und Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender trotz gesetzlichen Verbots der Zensur 1926 die Vorführung des Films untersagen. Die junge österreichische Erste Republik kannte eigentlich seit 1918 keine Zensur mehr. Hatte der Film ursprünglich ohne Probleme vorgeführt werden können, so änderten die Zensoren doch noch rasch ihre Meinung und verhängten ein Verbot auf Grund „subversiver Tendenzen“.

Der international so berühmte Stummfilm steht nun endlich auch "zum Abspielen" online.

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