[ #Rheintal ] Schiffsmühlen am Alpenrhein

Mühlentechnologie auf dem Alpenrhein.

Ab dem Jahr 1466 lassen sich solche Schiffsmühlen auf dem Alpenrhein auf Vorarlberger Seite nachweisen, wiewohl sie offenbar bereits davor in Anwendung waren, denn das Jahr dokumentiert nur eine Urkunde in der die Verlängerung eines entsprechenden Lehens gewährt wurde. Die letzte überlieferte Schiffsmühle auf dem Rhein kann mit dem Jahr 1861 dokumentiert werden. Auch auf Schweizer Seite sind an die zwanzig Schiffsmühlen dokumentiert.

Ein 36seitiger Ausstellungskatalog (AK 5: 400 Jahre Schiffsmühlen am Alpenrhein 1466 - 1861. Führer durch die Ausstellung. 17. Juni bis 30. August 1991) zur Vorarlberger Schiffsmühlengeschichte steht als Download zur Verfügung.

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[ #Vorarlberg ] Die austrofaschistische "Verfassung" vom 1. Mai 1934 und andere "Vorarlberg-Tage" ...

Bericht aus:
Arbeiterzeitung 1. 9. 1926

(Zum Lesen anklicken!)
Am 1. Mai jährt sich der Tag, dass unter tatkräftiger Mithilfe eines ausgewiesenen Vorarlberger Antidemokraten - dem die Vorarlberger Landesregierung in der Otto-Ender-Studienstiftung gar ein Andenken bis in die heutigen Tage gesetzt hat - die Verfassung von 1934 begründet und der Verfassungsbruch zu legitimieren und als "Revolution" zu kaschieren versucht wurde.

Otto Ender. Die Verfassung Österreichs von 1934 - "ausgearbeitet" von dem Vorarlberger Otto Ender - trat formal zwar in Kraft, doch hat sie faktisch nie volle Geltung erlangt, da durch das Übergangsgesetz so viele zeitlich unbegrenzte Sonderregelungen getroffen wurden, dass es bei der austrofaschistischen Staatspraxis seit der Ausschaltung des Nationalrates am 4. März 1933 blieb, dass die Gesetzgebung von der Bundesregierung aufgrund des Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes von 1917 und des damit auch verfassungswidrigen "Bundesverfassungsgesetzes" vom 1. Mai 1934 erfolgte.

Elf Jahre später: Der Spuk ist vorbei. Freilich: Die Verfassung ist mit der "Wiedervereinigung" Österreichs mit Deutschland faktisch außer Kraft getreten; sie ist deklaratorisch durch das Verfassungsüberleitungsgesetz vom 1. Mai 1945 - punktgenau 11 Jahre später - als nicht mehr geltend festgestellt worden, nachdem die österreichischen Parteien sich 1945 geeinigt hatten, die Verfassung von 1920 in der Fassung vom 4. März 1933 wieder in Wirkung zu setzen und so sowohl den von den Christlichsozialen betriebenen Umsturz von 1933/34 als auch die Okkupation Österreichs durch Nazi-Deutschland verfassungsrechtlich auszulöschen.

Maria Jahoda (geb. Wien, am 26. Januar 1907, gest. Keymer, West Sussex, am 28. April 2001 - Die Arbeitslosen von Marienthal), deren Todestag wir uns eben auch heute erinnern müssen, beschreibt in einem Protokoll für die Hamburger Wochenzeitung "Die ZEIT" 1999 diesen österreichischen Faschismus, der dem deutschen vorausgegangen war aus eigenem Gefängniserleben:

"Unter dem austrofaschistischen Regime waren die Wiener Gefängnisse nur Gefängnisse, keine KZ. Es gab keine physische Folter. Das schlimmste waren die hygienischen Zustände. Würmer in der Erbsensuppe, Wanzen zu Tausenden.

Der erste Tag war hart. Der zweite schon nicht mehr ganz so schlimm. Ich bin mir erst viel später bewusst geworden, wie sehr historische Ereignisse und Zufälle mein Leben bestimmt haben. Zu der Zeit habe ich mir immer vorgemacht, alles sei meine eigene Entscheidung, aber das ist eine Illusion. In Wirklichkeit ist der Zufall viel größer als der freie Willen. Die furchtbare Entscheidung, die ich treffen musste nach neun Monaten Gefängnis - entweder weiterhin Gefängnis oder sofortige Ausreise aus Österreich ohne meine Lotte -, war die beste in meinem ganzen Leben. Wir wissen alle, was die Nazis mit mir getan hätten."


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[ #Bregenzerwald ] Franz Michael Felder: Reich und Arm

[Free eBook] Eine Geschichte aus dem Bregenzerwald, wo der Blick über den Kirchturm und die Wiesen um das Dorf Au zur Kanisfluh geht. 

Die Menschen in dieser Idylle geraten aber durch Geldverhältnisse, die Gerüchte und Händel im Wirtshaus – wie auch durch Wortmißbrauch von der Kanzel her – unter Druck.


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[ #Vorarlberg ] Familiennamen in Tirol und Vorarlberg 1940/41

In den Jahren 1940/41 wurden im damaligen Reichsgau Tirol und Vorarlberg alle vorkommenden Familiennamen erhoben. Durchgeführt wurde die Aktion im Auftrag des Gausippenamtes in Innsbruck. Schon der bedenklichen politischen Konnotation wegen ist diese Erhebung die erste und einzige geblieben.

In der Übersicht ist das Ergebnis nicht so überraschend: Die vermeintlich typischen Tiroler und Vorarlberger Familiennamen sind in der Minderzahl. Häufig kommen einem Familiennamen unter, wie sie auch in anderen deutschen Sprachgebieten vorzufinden sind. Mit den Menschen wandern eben auch die Namen.

Migration, vor allem in Form der Binnenwanderung innerhalb der Länder, hat es immer gegeben. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg wurde sie zum Massenphänomen. Die nicht seltenen italienischen und tschechischen Familiennamen etwa sind auf diesen Zuzug, vorwiegend in die Städte, zurückzuführen. Dieser "Import" von Familiennamen, wie er sich hier widerspiegelt, hatte ökonomische Ursachen.

Ein anderer "Import" von Familiennamen, der sich ebenfalls niederschlägt, hatte politische Gründe. Nach dem März 1938 wurden Deutsche als Beamte, Militärs und Mitarbeiter staatlicher Organisationen und solcher der NSDAP nach Österreich versetzt.

Die meisten Südtiroler, die im Zuge der Option von 1939 in das Deutsche Reich auswanderten, ließen sich in Nordtirol und in Vorarlberg nieder oder blieben hier hängen.

Die Familiennamen von jüdischen Bürgern wird man vergeblich suchen. Sie wurden 1939, soweit sie nicht emigriert waren, von den Nationalsozialisten zwangsweise nach Wien umgesiedelt. Die im Bezirk Lienz vorkommenden Familiennamen sind hier nicht vertreten: Osttirol gehörte seit 1938 zum Land oder Reichsgau Kärnten und kehrte erst 1947 zurück.

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[ #Feldkirch ] Georg Joachim Rheticus (1514 bis 1574) - Feldkircher Astronom, Mathematiker und Arzt


Franz Josef Häfele aus Hohenems verdanken wir die Klärung der Herkunft des Georg Joachim Rheticus

Dem aus Feldkirch stammenden Humanisten und enthusiastischen Lutheraner Georg Joachim Rheticus verdankt man nicht nur, dass das Werk der Copernicus zum Druck gelangte, er war selbst der Verfasser wichtiger geometrischer Werke, insbesondere verbesserte er die Sinustafeln. Seine berühmte Schrift "Narratio prima de libris revolutionum Copernici" (1540) fasste die Beobachtungen von Kopernikus zusammen, dessen Mitarbeiter und Schüler er war und dessen Werke auf seine Veranlassung gedruckt wurden. Er stellte wichtige trigonometrische Berechnungen an (Beginn einer 10-stelligen Tafel der goniometrischen Funktionen) und leistete bedeutende Vorarbeiten für die 1611 erfundenen Logarithmentafeln.
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[ #Dornbirn ] Dornbirner Familienbuch: Dornbirner Genealogie ab 1500 online

Die Familien- oder Ahnenforschung ist in Dornbirn durch das Dornbirner Familienbuch sehr einfach.

In ihm sind alle Einwohner von ca. 1500 bis 1920 aufgeführt. Dieses Buch  ist zur Gänze elektronisch erfasst und über das Internet verfügbar. Dies sind knapp 10.000 Familien mit über 49.000 Personen. Voraussetzung für die Benutzung ist die Bestimmungen der CC-by-nc-sa-Lizenz zu aktzeptieren.


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[ #Andelsbuch ] Jodok Fink: "Sommerzeit ist umgebracht"

Jodok Fink, Gemälde im Andelsbucher Rathaus
Im ersten Weltkrieg führten Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich als erste Staaten (1916) die Sommerzeit ein. Die habsburgische Kriegswirtschaft erhoffte sich damit eine Ressourceneinsparung in dem von ihr angezettelten Krieg, der Not und Elend auch an der"Heimatfront" verursachte. 

Kriegswirtschaft. Als die deutsch-österreichische Staatsregierung - mit den Folgen des von den Habsburgern hinterlassenen Desasters kämpfend für 1919 erneut eine Sommerzeit anordnete, beschlossen der Landesrat und die Vorarlberger Landesregierung, sie in Vorarlberg nicht einzuführen. "Mit Einführung bei uns gar keine Einsparungen verbunden",telegrafierten sie der Staatskanzlei. Als die Staatsregierung daraufhin ihre Vollzugsanweisung zurück nahm, telegrafierte Vizekanzler Jodok Fink nach Vorarlberg: "Sommerzeit ist umgebracht." Ab 1921 verzichtete auch Österreich auf die Sommerzeit.

Wiederauferstehung der Kriegswirtschaft. Eingeführt wurde die Sommerzeit erstmals am 30. April 1916 im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und noch im selben Jahr auch in Irland. Die in Irland damals für die Sommerzeit eingeführte Bezeichnung „Daylight Saving Time“ (wörtlich übersetzt: „Tageslicht sparende Zeit“) beschreibt den Zweck, nämlich die Stundenzahl mit nutzbarem Tageslicht zu vergrößern.

Sie galt in Österreich bis 1920, in Ungarn bis 1919. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland galten ab 1940 die Sommerzeitreglungen des Deutschen Reichs, wieder eine kriegswirtschaftliche Maßnahme. Nach dem Krieg gab es in Österreich noch bis einschließlich 1948 eine Sommerzeit. In den 1970er Jahren wurde die Sommerzeit wieder aktuell. Sie hat ihren Ursprung in der Ölkrise von 1973 und sollte Energie sparen helfen. Energieersparnis war sie bekanntlich nicht. Österreich beschloss die Einführung der Sommerzeit erst 1979.1980 wurde sie wie in Deutschland für die Zeit von März bis September wieder eingeführt. 1996 wurde sie wie in der gesamten EU bis Ende Oktober ausgedehnt.
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[ #Vorarlberg ] Die Vorarlberger Landstände

Im 20. Jahrhundert wurde vielfach eine politisch gewünschte Sonderstellung Vorarlbergs in die Vergangenheit zurückprojiziert. 

Die Vorarlberger "Alemannenpolitik" als Fortsetzung der von Antisemitsmus getragenen Anti-Wien-Politik  tat um eines kurzsichtigen politischen Vorteils willen das ihre. Auftragswillige Geschichtsschreibung und für den untergegangenen Deutschnationalismus Ersatz suchende völkisch-konservative Lehrer folg(t)en dieser Duftspur vielfach bis heute, ohne auch nur nachzudenken.

In diesem Zusammenhang stellte man das Land Vorarlberg als seit undenklichen Zeiten bestehende, aber ständig von außen bedrohte Einheit dar. Die angeblich rassisch andere Herkunft aus dem "Alemannentum" wurde stets heroisiert und in einen Gegensatz gestellt, den schon die Nazis bemüht hatten: Den slawischen Osten. Ein Folklorekitsch wie er im Buche steht, der von der konservativen Landespolitik und ihren politisch verbundenen Kadern auch brav bis in die Schulzimmer unserer Kinder betrieben wurde.

Vorarlbergs angeblich immer schon freien Bewohner, denen jede Untertänigkeit wesensfremd gewesen sei, sollen sich parteilos und basisdemokratisch selbst verwaltet haben. In Wirklichkeit bestanden auch in den vorarlbergischen Herrschaften Abhängigkeiten verschiedenster Art einschließlich der Leibeigenschaft. Selbst die viel gerühmte Beschränkung der ständischen Vertretung auf Bürger und Bauern bildete im süddeutschen Raum keine Ausnahme.

In den letzten Jahrzehnten fand die historische Forschung mit einer neuen Generation an Historikern glücklicherweise zu einer wissenschaftlich-distanzierteren Sicht der Verhältnisse und korrigierte das verklärte Bild der Stände, indem sie die Klüngelwirtschaft, die Kirchturmpolitik, die Judenfeindlichkeit und die relativ geringe Effizienz in vielen Bereichen hervorhob.

Hexenforscher. Eine Online-Version des Ausstellungksataloges des Vorarlberger Landesarchives steht zum kostenlosen download zur Verfügung und sollte wohl auch in den Lehrerzimmern Eingang finden. Ausstellung und Katalog stammen von Univ.-Doz. Dr. Manfred Tschaikner, dem weithin bekannten Hexenforscher.

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[ #Vorarlberg ] Kleine Schriften des Landesarchivs: Archivale des Monats: 2009 - 2014 online

Ein "Geheimtipp" für Vorarlbergensien-Sammler

Die monatlichen Kleinausstellungen von Archivalien hat das Vorarlberger Landesarchiv  auch für das Jahr 2013 wieder im Rahmen der  Publikationsreihe "Kleine Schriften" dokumentiert. Ein netter "Sammelband" den kein Vorarlbergensien-Sammler missen will und als PDF-Ausdruck auch eine Bereicherung der eigenen Bibliothek, unabhängig vom Internet. Je zwölf ausgewählte und ausgestellte Vorarlberger Archivale der Jahre 2009, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014 gesammelt und kommentiert.
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[ #Bodensee ] Der Hl. Georg am Bodensee: Kandinski, Hermann der Lahme, Franz Reiter, Martin Ritter von Feuerstein


Hl. Georg am Bodensee: Blaue Reiter und blauer Ritter

Blauer Georg am Bodensee. Der heilige Georg (* im 3. Jahrhundert; † 23. April um 303) war ein Märtyrer, der zu Beginn der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (284–305) gestorben sein soll. In den Ostkirchen wird er als Großmärtyrer und Erzmärtyrer verehrt. Auch in den russischen Ikonen wird er immer wieder als legendärer Drachentöter, Befreier und Märtyrer abgebildet. Er ist zudem einer der verehrtesten Heiligen im Christentum, ein archetypischer Ausdruck eines "programmatischen Weltverbesserungsgedankens"

Der "Blaue Reiter", das Titelbild des Almanachs von 1911 war ein in Holz geschnittener Reiter, eine Reminiszenz an die Tradition vor allem der russischen Ikonenmalerei. Kandinsky liebte das Motiv des heiligen Drachentöters zu Pferd. Er gilt als Märtyrer, der oft mit Pferd und Fahne als Drachenbekämpfer dargestellt ist. Der Drache steht symbolisch für den "Teufel und alle dämonischen Kräfte". Somit versinnbildlicht der Drachenbekämpfer einerseits Ritterlichkeit und andererseits den Kämpfer gegen Heidentum und Aberglaube. Zur Farbe Blau, die das Bild dominiert, schrieb Kandinsky:

„Je tiefer das Blau wird, desto tiefer ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels."

Hermann der Lahme. Das Georgslied wiederum ist eine althochdeutsche Dichtung, entstanden gegen Ende des 9. Jahrhunderts. Die Entstehung des Georgsliedes auf der Reichenau am Bodensee scheint wahrscheinlich. Durch den Mainzer Erzbischof und Reichenauer Abt Hatto III. (891–913) gelangten Georgsreliquien zur Georgskirche in Reichenau. Auch der sprachliche Befund des Georgsliedes verweist unter anderem auf die Reichenau. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts verfasste Hermann von Reichenau († 1054) - berühmt als Hermann der Lahme, der Universalgelehrte seiner Zeit, eine „Geschichte des heiligen Georgs“, eine lateinische Dichtung, die aber leider verloren gegangen ist.

Kandinsky am Bodensee. Er hält sich von August bis November 1914 in unmittelbarer Vorarlberger Nachbarschaft auf. Wegen des Ausbruches des I. Weltkrieges flüchtete er mit seiner Lebensgefährtin Gabriele Münter nach Goldach am Bodensee. Er wohnte dort in der Villenanlage Mariahalde von Jeannette (von) Lingg und arbeitete bereits an seinem 1926 erscheinenden Werk "Punkt und Linie zu Fläche". Paul Klee besuchte die beiden dort, wie Kandinsky noch am 8. November 1914 an Franz Marc schreibt.

Franz X. Reiter aus Höchst. Franz X. Reiter (* 14. Dezember 1875 in Gmunden; † 9. Februar 1918 Freistadt) lebte etwa ab dem dritten Lebensjahr in Höchst. Er besuchte zu seiner künstlerischen Ausbildung die Glasmalereischule und die Staatsgewerbeschule in Innsbruck. Von 1897 bis 1905 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München, u.a. auch bei dem Professors für Religiöse Malerei Martin Ritter von Feuerstein (* 6. Januar 1856 in Barr, Elsass; † 13. Februar 1931 in München).

Martin Ritter von Feuerstein - Riezlern. Feuersteins Vorfahren, ebenfalls Künstler, stammten aus dem Kleinwalsertal. Von ihm und seinen Schülern der Meisterklasse der Akademie der Bildenden Künste München wurde in den Jahren 1903 und 1904 die Ausmalungen der römisch-katholische Pfarrkirche Maria Opferung in Riezlern im Kleinwalsertal vorgenommen. Er gilt auch als ein später Repräsentant der Nazarener.

Der blaue Ritter von Franz Reiter. Reiter inszenierte just 1911 - also zeitparallel zu Kandinsky sein Deckengemälde für die neue Milberthofener St. Georgskirche in München. Das königliche Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten 1911 einen Wettbewerb unter „den in Bayern lebenden Künstlern aus“. Daraus ging unter 47 Mitbewerbern mit dem Entwurf „Sturm“, des in Vorarlberg lebenden und in München wirkenden Malers Franz Reiter als Sieger hervor. Der erste Preis war ihm zuerkannt worden, weil „die wohlbefriedigende Komposition im vollen Einklang mit der Architektur steht“.

Das längsovale geschwungene Deckenbild, das in der Länge ungefähr 12,40 Meter, in der Breite 7,50 Meter maß, enthielt ebenfalls den Kirchenheiligen. Seine realistische Version des Drachenkampfes inszenierte Reiter an der östlichen Schmalseite des Bildfeldes. Sie war das erste Bild, das an der Decke beim Eintritt in die Kirche sichtbar wurde. Georg sprengt in einer blauen Rüstung auf einem Schimmel herbei und tötet den Drachen, der sich unter ihm windet, mit einem Lanzenstich. Reiter setzte Wolken, Dunst und das Licht des Himmels als pittoreske Elemente ein. Nach FranzReiters eigenem Bekunden waren es vor allem eine romantische Begeisterung für atmosphärische Ausnahmezustände über dem Bodensee, die den Maler Franz Reiter zu diesem Wolkenmotiv inspirierten. Der Titel seiner Einreichung annte sich aus diesem Grunde "Sturm".

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[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Sternsinger - arme Studenten

Die Vorgänger der Sternsinger waren arme Schüler, die sich mit dem Weihnachtssingen ein bitter nötiges Zubrot ersangen.

Die Tradition Weihnachtslieder zu singen lässt sich jedoch Jahrhunderte weiter zurückverfolgen und war vorerst auf den Kirchenraum beschränkt. Mit dem Aufkommen des "Neujahrssingens" oder "Sternsingens" kam dieses Repertoire an die Öffentlichkeit, auf Plätze und in Bürgerhäuser. Dies offenbart Annemarie Bösch Niederer vom Vorarlberger Landesarchiv in der "Archivalie des Monats Dezember 2010".


Ein Aufsatz von  Annemarie Bösch-Niederer („In dulci jubilo, nun singet und seid froh“. Zur ältesten Aufzeichnung von Weihnachtsliedern in Vorarlberg., in: Maultrommel Heft 56, 2000, S. 3-7) steht zur Vertiefung als Download zur Verfügung.

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[ #Dornbirn ] Ein "Moorsoldat" aus Vorarlberg: August Weiß (1921-2008)

Der Dornbirner Kriegsdienstverweigerer August Weiß kam in das KZ Esterwegen im Börgermoor.

August Weiß (1921-2008) wurde als Sohn des Kaminkehrers Karl Weiß und der Maria Weiß (geb. Feuerstein) in Dornbirn geboren. Er hatte vier Geschwister, und das Elternhaus war sehr katholisch. Die ökonomische Situation im Elternhaus ermöglichte dem hochbegabten Kind keinen weiterführenden Schulbesuch, so dass er nach der sechsjährigen Volksschulzeit ab 1936 bei der Textilfirma F.M. Hämmerle arbeiten musste.

Im Oktober 1939 wurde der junge Textilarbeiter August Weiß von der Firma F.M. Hämmerle entlassen und wenig später auf die Vermunt-Baustelle der Illwerke im Montafon dienstverpflichtet. Der 1,65 Meter große, schmächtige August musste dort Schwerarbeit leisten, und die menschenverachtende Behandlung der Zwangsarbeiter bestärkte ihn in seiner Ablehnung der deutschnationalen Ideologie und des Nazi-Regimes.


Ab Oktober 1940 musste er als "Dienstverpflichteter" seinen Reichsarbeitsdienst im Allgäu mit "unbestimmter Dienstzeit" ableisten. Im Februar 1941 wurde er zu den Gebirgsjägern in Salzburg eingezogen. Doch er blieb nicht lange in der Kaserne. Nach kurzer Zeit verließ der Pazifist die Truppe und begab sich nach Kärnten, mit der Absicht, nach Jugoslawien zu flüchten. An der Grenze wurde er gewarnt, dass die deutschen Truppen bald Jugoslawien überfallen würden. Deshalb fuhr er unter großen Schwierigkeiten im Zug zurück nach Vorarlberg. Seine Mutter riet ihm, sich zu stellen, doch August lehnte dies kategorisch ab, er wollte in die Schweiz. Seine Flucht endete bereits in Frastanz. In Zivil und ohne Papiere wurde er von einer Patrouille am 7. Februar verhaftet und in Salzburg inhaftiert. Für August Weiß war klar, dass er mit einem Todesurteil rechnen musste.

Am 27. März 1941 wurde August Weiß wegen Fahnenflucht vom "Feldgericht der Division 188" zu sechs Jahren Zuchthaus und "Verlust der Wehrwürdigkeit" verurteilt. Die Strafe wurde – wie im Gesetz vorgesehen – für die Dauer des Krieges ausgesetzt,] und August Weiß kam nach etlichen Aufenthalten in Polizeigefängnissen ins Soldaten-KZ Aschendorfer Moor bei Esterwegen, nahe der holländischen Grenze.

In diesem gefürchteten Emslandlager wurden 1200 bis 1500 Militärsträflinge gefangen gehalten. August Weiß musste die furchtbaren Lagerbedingungen am eigenen Leib erleiden: Schläge, Mißhandlungen, Erniedrigungen, hunger, und Schwerarbeit: „Pro Tag musste ich 13 Kubik Moor umarbeiten. Es war eine barbarische Arbeit", die er nur überlebt habe, „weil es unter den Häftlingen Solidarität gab."

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