Donnerstag, 17. Mai 2018

[ #Vorarlberg ] Denkmalverzeichnis Vorarlberg: Aktuell 1607 Objekte unter Schutz

 "Lünersee" in Bürs: 6-stöckiges Fabriksgebäude mit 121 Holzfenster mit Sprossenteilung
In Vorarlberg zählt das Denkmalamt 1607 unter Schutz gestellte Objekte per 1.1.2018 auf. BeachtenSie aber, dass sich diese Zahl täglich ändern kann und informieren sich im konkreten Fall in der Linkliste

Gemäß § 3 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 25.9.1923, BGBl. Nr. 533/23 (Denkmalschutzgesetz), in der Fassung BGBl. I Nr. 170/1999 und BGBl. I Nr. 2/2008 veröffentlicht das Bundesdenkmalamt jährlich die Liste der unter Denkmalschutz stehenden unbeweglichen Denkmale.

Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass diese Liste rechtlich nicht verbindlich ist. Die Liste ist nach Gemeinden, innerhalb der Gemeinden nach Adressen, und zwar jeweils alphabetisch geordnet. Der Umfang der Unterschutzstellung ist in der tabellarischen Übersicht nicht angeführt.

Die Tatsache der Unterschutzstellung unbeweglicher Denkmale ist im Grundbuch ersichtlich gemacht. Die entsprechenden Unterlagen finden sich in der Urkundensammlung des Grundbuchs.

Bewegliche Objekte. Unter Denkmalschutz stehende bewegliche Objekte sind in dieser Liste nicht enthalten.

Kulturgüterschutzliste. Die Kulturgüterschutzliste und Denkmalliste sind zwei unterschiedliche Verzeichnisse. Die nach dem österreichischen Denkmalschutzgesetz (DMSG) unter Schutz stehenden Objekte sind in der Denkmalliste angeführt. Die Kulturgüterschutzliste bezieht sich auf die Haager Konvention von 1954. Diese internationale Vereinbarung, die Österreich 1964 ratifiziert hat, regelt den internationalen Schutz von Kulturgütern im Fall zwischenstaatlicher bewaffneter Konflikte.

In Österreich ist das Bundesdenkmalamt mit der Auswahl dieser Objekte beauftragt (§13 DMSG) und führt (gemäß der Verordnung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur vom 23.02.2009) eine Kulturgüterschutzliste, die derzeit insgesamt 135 Objekte (Einzelobjekte, Denkmalanlage, Ensembles) umfasst.

In Vorarlberg umfasst diese Liste derzeit:
Auskünfte. Auskünfte zu den einzelnen Objekten können auch bei der zuständigen Abteilung Vorarlberg bzw. bei der Zentrale des Bundesdenkmalamtes eingeholt werden.


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Dienstag, 15. Mai 2018

[ #Vorarlberg ] Schlafen auf dem Buchenlaub


Bettlaubsammeln als Streu- und Waldnutzung in Vorarlberg. Im St.Galler Rheintal wurde Buchenlaub nicht nur als Einstreu gesammelt, nein man schlief mancherorts noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts darauf. 

Im St. Galler Rheintal war das Sammeln von Bettlaub noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet und erst die moderne Matratze verbunden mit der ökonomischen Entwicklung hat dem Bettlaubsammeln ein Ende gesetzt. Mit Hilfe von Zeitzeugen-Berichten haben Wissenschafter das Wissen über diese aufgegebene Waldnutzung im St.Galler Rheintal zusammengetragen.

Heimatmuseum Walsertal. Es ist anzunehmen, dass auch in Vorarlberg die Bettlaubnutzung in ähnlicher Weise erfolgte, besteht doch der Wald in Vorarlberg in tieferen Lagen aus Mischwälder mit verschiedenen Edellaubhölzern (Buche, Ahorn, Esche, Eiche, Ulme). Im Heimatmuseum im Großen Walsertal wird über das ausgestellte Schlafzimmer (Gaden) berichtet: "Im Schlafzimmer im Obergeschoß wundern sich Eltern und Kinder über das ziemlich enge Doppelbett. Es hat einen Laubsack statt einer Matratze. Dieser Laubsack wurde jährlich zweimal mit frischem, trockenem Buchenlaub gefüllt."

Oral History.
Die Studie als Oral-History-Projekt wurde sowohl thematisch und regional eng auf die "Buchenwaldgemeinden" des St.Galler Rheintals begrenzt durchgeführt. Die Studie zeigte, dass in weiten Teilen des Untersuchungsgebietes Bettlaub gesammelt wurde. Da meistens Buchenlaub zur Füllung der Laubsäcke genutzt wurde, reduziert sich das Verbreitungsgebiet eben vorwiegend auf die Buchenwaldstandorte.

Die Studie zeigt aber nicht nur Waldnutzung sondern auch ökonomische und soziale Verhältnisse auf, weenn man weiss, dass im St. Galler Rheintal noch im 20. Jahrhundert (zwar nur noch ärmere Leute) Bettlaub sammelten. Das endgültige Verschwinden dieser Laubnutzung zog sich jedoch über eine lange Zeit hin, schliefen sichtlich noch einzelne Familien bis in die frühen 1960er Jahre auf Laubsäcken.

Holznutzung. Die intensive Bettlaubnutzung hatte aus Sicht der Waldbewirtschaftung negative Auswirkungen auf den Wald - entzog sie doch dem Wald Nährstoffe und verletzte auch Jungpflanzen - und wurde insbesondere mit der steigenden Nachfrage nach Holz auch zu unterbinden gesucht. So wird in den Jahresberichten für das Forstrevier des Klosters Einsiedeln das Bettlaubsammeln in den Buchenwäldern durch arme Leute wurde immer wieder beklagt. Aus Gründen der "christlichen Nächstenliebe" verzichtete das Kloster jedoch auf ein Vorgehen gegen diese Leute. Erst 1924 wird in den Berichten bemerkt, dass die Beanspruchung durch die Gewinnung von Bettlaub zum Vorteil des Waldes doch etwas zurückzugehen scheine.

Sammelberechtigung. In allen Ortschaften des Rheintales war das Sammeln von Bettlaub reglementiert. Die Regelungen hatten zum Ziel, die Ressource Laub gerecht zu verteilen und den Wald zu schonen. Dies geschah durch Einschränkungen des Kreises der berechtigten Personen, Sammelzeit, des Orts und der erlaubten Werkzeuge.

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[ #Dornbirn ] Dichter des Hakenkreuzliedes auf Vorarlberger Straßenschildern


Kaum zu glauben: In zwei Vorarlberger Städten, in Dornbirn und Hohenems ist den Verantwortlichen bis heute nichts besseres eingefallen, als eine Straße just nach jenem Ottokar Kernstock zu benennen, der das Hakenkreuzlied  (ursprünglich für eine Nazi-Gruppe in der Steiermark) gedichtet hatte. Eine Schande.

Holzt mir gut ... die Serbenbrut. Im Frühjahr 1923 dichtete der Priester Otto(kar) Kernstock für die Ortsgruppe Fürstenfeld der NSDAP das "Hakenkreuzlied". Es möge Ihnen erspart werden, wie vieles von dem Fremdenfeindlichen und Blutgetünchten, was dieser Hass-Dichter im Priestergewand reimte.

Schon Karl Kraus nannte ihn treffend den "blutigsten Dilettanten" der zahlreichen mörderisch-patriotischen Dichterlinge. Auch wenn er die Naziherrschaft nicht mehr erlebte und er wohl auch kein aktiver Nationalsozialist war, zeigt doch die Tatsache, dass er das vermeintlich altgermanische Hakenkreuz als Hoffnungszeichen auserwählte, dass endlich auch sein Katholizismus hinterfragt werden darf. Seine menschenverachtende Gesinnung belegt er schon in seiner Dichtung zum I. Weltkrieg, die allein ihn schon unwürdig macht, Straßenschilder zu zieren. Nicht vergessen, dass sein nationalistisches Engagement und sein ausdrücklicher Slawenhass zu Kaisers Zeiten auch gerade noch Mitbürger getroffen hatte, die eben für diesen Kaiser in den Krieg gezogen sind.

            Drum schilt die Deutschen nicht,
            scheints auch zuweilen
            als habe Rost ihr tapfres Schwert belegt.
            Wenn sie die Not zwingt Hiebe auszuteilen,
            ists rasch an Feindesschädeln blank gefegt.

            Steirische Holzer, holzt mir gut
            mit Büchsenkolben die Serbenbrut!
            Steirische Jäger, trefft mir glatt,
            den russischen Bären auf das Blatt!
            Steirische Winzer, presst mir fein
            aus Welschlandfrüchten blutroten Wein!

Symbole. Da nun eben Straßennamen auch symbolische Bedeutung haben und mithin auch zum Ausdruck bringen, wessen die in der Gemeinde verkörperte örtliche Gemeinschaft ehrend gedenken will, ist dieser Umstand nicht gerade ein Lorbeerkranz für die beiden Stadtregierungen. Es geht dabei nicht darum, in halbwegs gesicherten demokratischen Zuständen verspätet den antifaschistischen Helden zu spielen oder Bilderstürmerei zu treiben, oder nachträglich die Vergangenheit umzuschreiben. Es geht darum, "symbolisch" deutlich zu machen, wen und was wir heute für ehrenwert halten.

Erich Fried. Der große Schriftsteller und Lyriker österreichischer Herkunft, Erich Fried, hat in seinem autobiographischen Werk über seine Jugendjahre in Wien (Mitunter sogar Lachen, Berlin 1986) sich auch eigens in einer der Geschichten mit Ottokar Kernstock, dem Schöpfer des Hakenkreuzliedes und der österreichischen Bundeshymne ab 1929, befasst. Er schreibt als Schluss dieser Geschichte:

"Als viele Millionen tot und ermordet waren und das Dritte Reich zertrümmert war, entstand die Zweite Republik Österreich, mit einer neuen Nationalhymne von anderer Hand. Aber dem alten Wechselbalg Ottokar Kernstock haben mindestens einige Österreicher ein liebevolles Andenken bewahrt. Bis heute gibt es einen Ottokar-Kernstock-Platz und eine Ottokar-Kernstock-Straße. Wie hieß doch die Inschrift auf den alten Dolchen der Hitlerzeit? "Die Treue ist das Mark der Ehre."

Wechselbalg. Die beiden von Erich Fried genannten Verkehrswege in Wien wurden zwischenzeitlich umbenannt. So auch in Traun, Ansfelden, Grein und Wels. Was er aber nicht wissen konnte, dass es trotz mehrer mittlerweile erfolgten Umbenennungen noch immer zu den zwei Vorarlberger Straßen zig solcher in ganz Österreich gibt, faktisch in allen Bundesländern außer Wien, Oberösterreich und Salzburg. Eine beantragte Umbenennung in Hohenems ist vor Jahren gescheitert und hatte dort zur Spaltung der SPÖ Hohenems geführt.

Straßen,  Plätze, Gassen und Alleen "in Gedenken" an den Schöpfer des Naziliedes Ottokar Kernstock:

2 mal in Vorarlberg: Dornbirn, Hohenems;
1 mal in Burgenland: Pinkafeld
3 mal in Kärnten: Klagenfurt, Villach, Völkermarkt
16 mal in Niederösterreich: Bad Vöslau, Berndorf, Brunn am Gebirge, Deutsch-Wagram, Gablitz, Gmünd, Klosterneuburg, Mistelbach, Neunkirchen, Perchtoldsdorf, St. Andrä-Wördern, St. Pölten, Strasshof an der Nordbahn, Waidhofen an der Thaya, Wiener Neustadt
29 mal in der Steiermark: Graz, Hartberg, Haselsdorf-Tobelbad, Hausmannstätten, Kalsdorf bei Graz, Kapfenberg, Knittelfeld, Krieglach, Langenwang, Leibnitz, Leoben, Lieboch, Liezen, Mariazell, Mureck, Mürzzuschlag, Pinggau, Sankt Lorenzen im Mürztal, Voitsberg, Vorau
1 mal in Tirol: Pradl

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Montag, 14. Mai 2018

[ #Bildstein ] Der größte Förderer der Wallfahrt Bildstein: Graf Maximilian Lorenz von Starhemberg

Bildquelle: Wikimedia - Fotograf: Martin Gunz

Graf Maximilian Lorenz von Starhemberg wurde als zweiter Sohn von Graf Konrad Balthasar von Starhemberg und Anna Elisabeth von Zinzendorf um 1640 geboren. 

Maximilian war der jüngere Bruder des berühmten Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg. Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg (*1638 † 1701) war ab 1680 Wiener Stadtkommandant, der Verteidiger Wiens bei der Zweiten Türkenbelagerung 1683, kaiserlicher General während des Großen Türkenkrieges und Präsident des Hofkriegsrates. Weiters hatte er noch vier jüngere Halbbrüder Leopold Carl, Franz Ottokar, Gundaker Thomas und Paul Joseph Jakob.

Graf Maximilian Lorenz von Starhemberg (* um 1640; † 17. September 1689 in Mainz) war kaiserlicher Feldmarschall und ab 1679 Kommandant der Festung Philippsburg. Obwohl er 1689 zum Feldmarschall befördert wurde, stand er immer im Schatten seines berühmten Bruders Ernst Rüdiger von Starhemberg und erlangte so nie wirklich Berühmtheit. Maximilian wurde am 6. September 1689 beim Sturm auf die Festung Mainz schwer verwundet und erlag am 17. September 1689 seinen Verletzungen. Noch im Jahre 1765 wurde Maximilian eine Ehrung durch den Kaiser Joseph II. zuteil als er im Reichsfürstendiplom für den damaligen Grafen Georg Adam von Starhemberg mit folgenden Worten erwähnt wird: „Die Grafen und Herren von Starhemberg machten sich ferners bei unsern Vorfahren am Reich, Römischen Kaisern, auch unserm Erzhaus von der Zeit, und in diesen letztern Jahrhunderten berühmt durch Maximilian Laurentium Kaiserlichen Generalfeldmarschall, und Gouverneur von Philippsburg, welcher an denen in der Belagerung der Stadt Mainz empfangenen Wunden im Jahr Sechzehn Hundert Neun und Achtzig verstorben.“


Wallfahrt Bildstein. Im Jahre 1677 besuchte Maximilian zum ersten Mal zu Maria Lichtmess (2. Februar) die Bildsteiner Wallfahrt, auf die ihn Oberst Johann Kreiß von Themar (Krays von Themar, Johann, Oberstfeldhauptmann der 4 Herrschaften,  Obrist, † 23.9.1694. Er wurde in der Mitte des Schiffes unter der Kirche Maria Bildstein begraben. Dieses Grab ist heute nicht mehr sichtbar), Stadtkommandant von Bregenz und oberster Feldhauptmann der Vorarlberger Herrschaften, aufmerksam gemacht hatte. Nach Bergmann soll Starhemberg auch Kommandant von Bregenz gewesen sein. Maximilian verfügte in seinem Testament vom 9. Oktober 1688, welches er während der Belagerung von Philippsburg verfasst hatte, dass sein Leichnam in Bildstein beizusetzen ist. Sobald sein Tod in Bildstein bekannt würde, sollen 500 Messen gelesen und 10.000 Gulden aus seinem Vermögen an die Wallfahrt übergeben werden.

Das Geld wurde von Maximilians Bruder und Erben Gundaker aber nicht direkt der Wallfahrt, sondern dem Bischof von Konstanz übergeben. Zudem wurden noch 900 Gulden an die Armen in Bildstein und Umgebung verteilt. Der Leichnam wurde über Bregenz nach Bildstein überführt, wo er am 11. Oktober 1689 ankam. Maximilian wurde in der Gruft im inneren Chor vor dem Hochaltar und wundertätigen Marienbild beerdigt.

Maximilian gilt bis heute noch als einer der größten Wohltäter der Wallfahrt in Bildstein. Insgesamt spendete er 12.880 Gulden, darunter auch 150 Gulden für die Barockmonstranz mit Gott Vater, Hl. Geist sowie Maria und Josef.

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Freitag, 11. Mai 2018

[ #Hohenems ] Die Burganlage Alt-Ems

Die Burganlage Alt-Ems mit sieben Toren, einer Zugbrücke und 47 Räumlichkeiten war einst eine der größten Burganlagen im süddeutschen Raum. Im finsteren Mittelalter wurde dort der geblendete Normannenkönig Wilhelm III. gefangen gehalten.

Die Burganlage Alt-Ems mit sieben Toren, einer Zugbrücke und 47 Räumlichkeiten war einst eine der größten Burganlagen im süddeutschen Raum. In 740 Metern Meereshöhe, 300 Meter über dem Rheintal und einer ursprünglichen Länge von 800 Metern und eine Breite von bis zu 85 Metern war sie nicht nur eine außergewöhnliche Langburg sondern auch eine Anlage, die eigentlich alle nennenswerten Bestandteile einer "Ritterburg" des Mittelalters bilderbuchartig aufweist: Zugbrücke - Vorburg - Burghof (Zwinger) - Wirtschaftsgebäude - Mauertürme - Palas - Kemenate - Kapelle - innerer Burghof - Bergfried, ...

Alt-Ems. Die Burg Alt-Ems ("alt" = hoch, Höhe,) wurde wahrscheinlich schon um 1130 unter den Welfen erbaute und ging 1179/1191 in Staufischen Besitz über. 1160 wird der erste Emser, ein Hainricus de Amedes (Amides, Ems), als Zeuge in einer Urkunde erwähnt. Die Brüder "Rudolfus et Goswinus de Amides" tauchen nach 1170 als Ministerialen des Staufers Friedrich von Schwaben auf.

Dunkles Mittelalter. Die Reichsministeriale waren mit der Burghut der in einem königlichen Forstgebiet erbauten Reichsburg Ems und der Sicherung der Reichsstraße nach Italien beauftragt. Kaiser Heinrich VI. vertraute ihnen 1195 den geblendeten und entmannten Normannenkönig Wilhelm III. von Sizilien, den Sohn des Tankred von Lecce, zur Bewachung auf der Burg Ems an, wo dieser nach nur zwei Jahren 1197 verstarb. Der jugendliche Normannenkönig Wilhelm III. von Sizilien war der erste hochadelige Gefangene auf Alt-Ems. Um 1206 wurde Bischof Bruno von Köln, ein prominenter Vertreter der Geistlichkeit , auf der Burg festgehalten.

Minnesänger. Ja selbst der Minnesänger fehlte nicht, auch wenn er kein Minnesänger im eigentlichen Sinne mehr war. Zwischen 1235 und 1238 nannte sich Rudolf von Ems, der Minnesänger, in seinen Dichtungen einen "Dienstmann ze Muntfort". Er starb 1254.

Burgkapelle. 1268 gelangten die Emser in den reichsunmittelbaren Ministerialenstand. Die wahrscheinlich schon 1311 bestehende Burgkapelle wurde 1351 dem Hl. Konrad geweiht. Ritter Ulrich I. (gest. um 1360) bekam 1343 die Erlaubnis zum Bau einer weiteren Burg: Neu-Ems/Glopper.

Habsburg. 1362 wandten sich die Emser Brüder Rudolf, Ulrich, Manquard und Egolf dem Hause Habsburg zu und traten in dessen Dienste. 1407 wurden die Burgen Alt- und Neu-Ems von den Appenzellern belagert und zerstört. Beide Burgen wurden danach wieder aufgebaut.

Um 1500 erfolgten weitgehende Um- und Zubauten auf Alt-Ems. 1533 stifteten die Gebrüder Georg Sigmund v. Ems und Ritter Wolf Dietrich eine Kaplanei auf der Burg. Im Bereich der Küche wurde bei der Grabung ein Teil eines Schlusssteines einer Tür oder eines Fensters mit der Jahreszahl 1537 gefunden. Ein klarer Hinweis auf diese Bautätigkeit.

Reichsgrafen. Am 27. April 1560 erhob Kaiser Ferdinand I. die Reichsritter von Ems in den Reichsgrafenstand. Es ist anzunehmen, dass die Burg unter dem ersten Grafen Jakob Hannibal I. (1530-1587), Sohn Wolf Dietrichs, auch eine festungsmäßige Ausstattung bekam.

Martino Longo. 1566 war dann der berühmte italienische Baumeister Martino Longo in Ems mit dem Bau des Palastes am Fuße des Schlossberges beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt führte Longo aber ebenso Reparaturen und Ergänzungsarbeiten auf der Alt-Ems durch. Beispielsweise wurden um den Konradsbrunnen Steinornamente mit sechs Gesichtern angebracht. Er ließ auch die Miß, den benachbarten Hügel, zusätzlich befestigen. Die eingemeißelte Jahreszahl 1563 an einem Felsen der so genannten Poppa (Güggelstein) zeugt von diesem Aufenthalt.


Die Burg muss aber schon damals wohl in einem schlechtem Zustand gewesen sein, sollte aber für die Ankunft Graf Hannibals und seiner sechzehnjährigen Frau Hortensia (die Schwester des Kardinals Carlo Borromeo) im Herbst 1566 wieder so bewohnbar sein, dass die junge Frau den aus Mailand gewohnten Komfort nicht arg vermissen musste.


Im Besonderen geht Longo in einem Brief vom 25. August 1566 auf die Fortschritte dieser Instandsetzungsarbeiten ein: im Saal die Verkleidung in Arbeit, Türen und Fensterrahmen poliert, Mauern weiß getüncht, Mauern erhöht und die Decken wieder angebracht, Glasfenster anfertigen lassen bzw. ausbessern lassen. Am 7. Dezember 1566 schreibt er endlich an Graf Hannibal, dass er die Stuben und Zimmer des Schlosses aufs netteste habe putzen und aufs allerbequemste mit Betten, Tischen und Skabellen (Skabelle = Grimm'sches Wörterbuch: Stuhl, Schemel) hat einrichten lassen. Auch den Brunnen habe er wieder hergerichtet und ringsum mit Steinornament versehen und an den Saalwänden die Gemälde anbringen lassen. Ende Jänner 1567 trifft Hannibal mit Hortensia in Hohenems ein.

Grafen(t)räume. Im Sommer 1618 erfolgten unter Graf Kaspar von Hohenems (1573 – 1640) einige Ergänzungs- und Ausbesserungsarbeiten auf der Alt-Ems. Dies betraf vor allem die Vorbefestigungen (Miß). Außerdem wurde der Palast im Dorfe fertig gestellt. Graf Karl Friedrich von Ems (gest. 1675) hatte die Idee einer Rheintalsperre, die aber nie errichtet wurde. 1676 wurde unter Franz Carl Anton von Ems auf Veranlassung des Kaisers eine ausführliche Inventarliste der Burg Alt-Ems erstellt. Sie beschreibt 52 Räume mit dem dazugehörenden Inventar.

Österreich. 1756 starb der vorletzte Emser Graf, Franz Rudolf von Ems. Der letzte Graf von Hohenems war Franz Wilhelm III., der in Graz in der Nacht vom 5. auf den 6. November 1759 verstarb. 1760 wurde die Burg inspiziert und schließlich auch zu dem Zwecke repariert, um 360 preußische Kriegsgefangene unterzubringen. Zu wenig Wasser und zu wenig Brennholz führten jedoch zu massiven Beschädigungen der Burganlage.

Peter Josef Leone. Am 17. Dezember 1765 erfolgte die Übernahme der Grafschaft durch Österreich. Der Feldkircher Stadtammann Peter Josef Leone wurde als letzter Gefangener in den Jahren 1768 – 1770 auf Alt-Ems festgehalten. Der fortschrittliche Migrantensohn Leone war den konservativen und klerikalen Feldkirchern ein Dorn im Auge gewesen und wurde Opfer derer Intrigen und sollte lebenslange Verbannung erfahren. Kaiserin Maria Theresia reduzierte seine Haft auf ein Jahr und gewährte ihm auf Schloss Hohenems den Status eines Privathäftlings "mit eigener Zehrung" und ärztlicher Betreuung. Schon 1770 kehrte Peter Joseph Leone nach Feldkirch zurück.

1770 kam es zum Verkauf der Festungsartillerie auf der Burg Altems. 1792 erfolgten Versteigerung und Abbruch der Burg.

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Mittwoch, 9. Mai 2018

[ #Vorarlberg ] Harald Walser: Die illegale NSDAP in Tirol und Vorarlberg 1933-1938


Harald Walsers Buch schließt eine Lücke in der Parteien- und in der Regionalforschung.

In der österreichischen Zeitgeschichte gab es ein eindeutiges Übergewicht der Erhebung, der Analyse und der Bewertung der politischen Linken. Überdies dominierte (und dominiert noch immer) eine gesamtösterreichische Betrachtungsweise. Walser beschäftigt sich hingegen mit der regionalen Entwicklung der NSDAP in Tirol und Vorarlberg, in den beiden Ländern, die ja nach der gesamten Konzeption des Nationalsozialismus eine politische Einheit bilden sollten.

Die Johann-August-Malin-Gesellschaft macht auf ihrer Website Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Harald Walser online bzw. als kostenfreie PDF-Datei zum Herunterladen.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt:

Einleitung und Problemstellung 1
Die Bedingungen für die politische Entwicklung in Tirol und Vorarlberg nach 1933 4
Die politische Entwicklung bis 1933 23
1. Grundzüge der politischen Entwicklung von 1919 bis zum Sommer 1933 unter besonderer Berücksichtigung der Wehrverbände 23
2. Die Entwicklung der österreichischen NSDAP bis zum Frühjahr 1933 unter besonderer Berücksichtigung der beiden westlichsten Bundesländer 29
3. Die Zeit unmittelbar vor dem Verbot der Partei am 19. Juni 1933 40
Die Tätigkeit der illegalen NSDAP in Tirol und Vorarlberg vom Juni 1933 bis zum März 1938 48
1. Die inhaltlich-propagandistischen, organisatorischen und strukturellen Besonderheiten
1.1. Die Stellung der Nationalsozialisten zum Südtirol-Problem und außenpolitische Einwirkungen auf die Tätigkeit der NSDAP 48
1.2. Der Einfluss von Unternehmern auf die Entwicklung der Partei 53
1.3. Die Bedeutung Dornbirns für den illegalen Kampf der NSDAP in Vorarlberg 59
1.4. Gliederung und Struktur der illegalen NSDAP 63
2. Die illegale Tätigkeit 80
2.1. Die Zeit bis zum Juli-Putsch 1934 80
 2.1.1. Terror und Gewaltakte 80
 2.1.2. Propagandatätigkeit und "Aufklärungsarbeit" 105
2.2. Der Juli-Putsch und seine Auswirkungen auf den "Gaubereich" Tirol und Vorarlberg 124
2.3. Die illegale Tätigkeit in der Zeit vom Juli-Putsch bis zum Winter 1937/38 134
2.4. Der Anschluss und die Machtergreifung der NSDAP in Tirol und Vorarlberg 148
Die Zeit unmittelbar nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 157
Dokumente 162
Anmerkungen 192
Literaturverzeichnis 227
Namensregister 232
Ortsregister

Montag, 7. Mai 2018

[ #Bregenz ] Johann Zasius aus Bregenz: Der Anwalt der Regensburger Juden


Dr. iur. utr. Johann  Zasius  aus  Bregenz (ca. 1475/80 – 1527) wird in der historischen Literatur oft mit Ulrich Zasius verwechselt  (Ulrich Zasius ,* 1461 in Konstanz; † 24. November 1535 in Freiburg im Breisgau, war ein deutscher Jurist und Humanist,) oder auch mit dem Sohn von diesem (Johann Ulrich Zasius, * 1521 in Freiburg im Breisgau; † 27. April 1570, war kaiserlicher Rat im Auftrag König Ferdinands I. und Kaiser Maximilians II.). 

Freilich, über Ulrich Zasius gibt es eine sehr umfangreiche Literatur,  während  die  Lebensdaten des Bregenzer Juristen Johann Zasius bisher nur in geringem Maße aufgearbeitet wurden. Uns liegen dafür Forschungen des Vorarlberger Historikers Burmeister und auch ein Beitrag von Steven Rowan in "The Jewish Quarterly Review"  (Vol. 72, No. 3 - Jan., 1982, pp. 198-201) vor.

Johann Zasius aus Bregenz war 1516-1521 im Dienst der vorderösterreichischen Regierung und war einer der (nur) zwei bürgerlichen Advokaten der österreichischen Regierung. Wohl um einen Adelstitel geltend machen zu können, bewarb er sich um die Burg Tosters in Feldkirch und eröffnete nach Burmeister damit die Reihe der österreichischen Juristen als Schlossbesitzer und Pfandherrn von Tosters.

Jurist für die Regensburger Juden. Bedeutender ist  jedoch das Engagement des Bregenzer Juristen für die 1519 gepeinigten Regensburger Juden.  Die Geschichte der Juden in Regensburg reicht bis in das 10. Jahrhundert zurück. Nach dem Tod Kaiser Maximilian I. am 12. Januar 1519 nutzte die Stadt Regensburg das entstandene Machtvakuum und beschloss am 21. Februar die Vertreibung der Juden. Binnen zweier Wochen mussten sie die Stadt verlassen. Vorarlberg selber war ja zu dieser Zeit  "judenfrei" seit in Feldkirch  am 21. Januar 1349 alle Juden verbrannt worden waren. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelten sich wieder Juden in Vorarlberg an.

In diesem jahrelangen Streit der bestohlenen und verfolgten Regensburger Juden gegen die Regensburger Bürgerschaft hatte der Bregenzer Jurist Johann Zasius durch sein Engagement für die Juden mehrere Teilerfolge erstritten,  auch wenn es ihm nicht gelungen war, die Gewalttaten gegen die Juden abzuwenden. Seine Rechtsansicht floss bis in den Wormser Schiedsspruch vom 17./18. Mai 1521 ein. Auch wenn die Zeiten noch weit entfernt von heutigem rechtsstaatlichen Denken waren - schließlich war es das gegenüber der jüdischen Mitbürger noch nicht einmal im ganzen 20. Jahrhundert. Dr. Johann Zasisus war letztlich wohl auch mit dem Ausgang des Verfahrens nicht zufrieden, sein Einsatz für die Menschenrechte und seine auf das Naturrecht abstellende Argumentation sind jedoch Höhepunkte nicht nur seiner  Biographie sondern auch der Zeit weit voraus.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

      [ #Hohenems ] Biotopinventar Hohenems


      Insgesamt werden für die Stadt Hohenems ein Großraumbiotop und 14 Kleinraumbiotope ausgewiesen. Es dominieren in der Gemeinde die Waldbiotope mit Buchenwäldern und Nadelholz-Laub-Mischbeständen.



      Unter BIOTOP wird in diesem Inventar der Standort einer in sich mehr oder weniger geschlossenen Lebensgemeinschaft aus Pflanzen und Tieren verstanden. Klassisches Beispiel für einen Biotop wäre etwa ein Weiher, es kann aber genauso ein Waldstück, eine Wiese etc. sein.

      Häufig bilden einzelne Biotope in sich zusammenhängende Komplexe aus, wie etwa ein Quellmoor mit der Quelle als Einzelbiotop und den angrenzenden nassen "Quellsümpfen". Dann wird von BIOTOPKOMPLEX gesprochen. Besonders Großtiere haben Biotop übergreifende Reviere, oder ganze Landschaftsteile bilden einen geschlossenen und vielfältigen Lebensraum von besonderer Schutzwürdigkeit (z.B. Kanisfluh). In diesem Fall wird von einem GROSSRAUMBIOTOP gesprochen.

      Grundsätzlich ist Biotop ein allgemeiner Begriff. Ein Biotop muss nicht von vorneherein besonders oder überhaupt schutzwürdig sein. Auch ein Garten ist z.B. ein Biotop mit Kultur- und Wildpflanzen und einer großen Zahl an Tieren - beliebte und unbeliebte - sei es im Boden oder an Pflanzen. Den Rahmen für die Beurteilung besonderer Schutzwürdigkeit haben die einschlägigen Landesgesetze vorgegeben. Die Aufnahme eines Biotops ins Inventar heißt aber nicht, dass die Fläche dadurch "automatisch" geschützt ist. Es handelt sich hingegen um informelle Vorbehaltsflächen, in andern Worten um "Hinweistafeln" auf besonderen Wert und nicht um Stoptafeln.

      Rund 20 Jahren nach der erstmaligen Erstellung wurde das Biotopinventar im Jahre 2010 vollständig aktualisiert. Das Ergebnis liegt nun vor. Auf rund einem Fünftel der Landesfläche bzw. in 1385 Einzelbiotopen und 113 Großraumbiotopen sind ca 300 verschiedene Biotoptypen mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten verteilt. Die Biotopbeschreibungen stehen als Gemeindeberichte zum Herunterladen zur Verfügung.

      Hohenems:

      • Gemeindefläche 2921,3 ha
      • Biotopfläche Großraumbiotope 201,65 ha
      • Biotopfläche Kleinraumbiotope 265,42 ha
      • innerhalb von Großraumbiotope 201,02 ha
      • Biotopfläche Gemeinde 266,05 ha

      Insgesamt wurden in der Gemeinde 1 Großraumbiotop und 14 Kleinraumbiotope ausgewiesen. Es dominieren in der Gemeinde die Waldbiotope mit Buchenwäldern und Nadelholz-LaubMischbeständen.

      Biotope in Hohenems:
      Schloßberg und Glopper (Biotop 30209)
       Am Berg (Biotop 30211)
       Schollenschopf (Biotop 30213)
       Alter Rhein (Biotop 30201)
       Gstalden-Sätze-Angern (Biotop 30202)
       Sack-Seemähder (Biotop 30203)
       Birken (Biotop 30204)
       Streueflächen Oberklien (Biotop 30105)
       Lehmgrubenweiher (Biotop 30206)
       Großraumbiotop Emser Reute-Klien-Breitenberg (Biotop 30207)
       Feuchtbiotop Oberklien (Biotop 30208)
       Steckenwegen (Biotop 30210)
       In der Wanne (Biotop 30212)
       Alpe (Biotop 30214)
       Älpele (Biotop 30215)
       Briedleralp (Biotop 30216)

      Naturdenkmäler in Hohenems:
      Ginkobaum beim Rathaus
      Kornelkirschenstrauch am Schloßberg
      Blutbuche beim gräflichen Palast
      die Eibe in Steckenwegen
      die drei Bergahorne bei der Alpe Ranzenberg
      Weißdornstrauch auf der Alpe Schuttannen
      Felsbögen beim Bocksberg
      Schillerallee
      vier Felstürme (Löwenzähne)

      Die Biotopflächen sind auch digital erfasst und können über den VOGIS Atlas eingesehen werden. Der Gemeindebericht Hohenems steht als PDF-Download zur Verfügung.

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      [ #Vorarlberg ] Michael Köhlmeier: "Erwarten Sie nicht von mir, dass ich mich dumm stelle."


      Anlässlich der Befreiung des KZ Mauthausen durch amerikanische Soldaten am 5. Mai 1945 begeht die Republik Österreich jedes Jahr den nationalen Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus. 


      Der als Festredner des Jahres 2018 eingeladene Autor Michael Köhlmeier aus Hohenems in Vorarlberg übte dabei deutliche Kritik an der FPÖ – was bei den Freiheitlichen für erboste Reaktionen sorgte. In seiner Rede im Zeremoniensaal der Wiener Hofburg, die mit stürmischem Applaus bedacht worden war, hatte der Autor der FPÖ Heuchelei im Umgang mit den Juden vorgeworfen.


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      Donnerstag, 26. April 2018

      [ #Hohenems ] Zwei Retrodigitalisate von Rabbiner Daniel Ehrmann aus Hohenems online


      Das Werk "Beiträge zu einer Geschichte der Schulen und der Cultur unter den Juden Von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Schlusse des Talmuds" erschienen 1846 in Prag von dem Hohenemser Rabbiner Daniel Ehrmann steht als Retrodigitalisat bei der Österreichischen Nationalbibliothek online.

      Rabbiner Daniel Ehrmann. Daniel Ehrmann wurde 1817 in Mattersburg geboren. 1845 kam er als Rabbiner und Nachfolger von Abraham Kohn nach Hohenems, wo er bis 1852 blieb. In diesem Jahr folgte er einem Ruf nach Böhmisch-Leipa. Er fiel nicht nur durch seine Entschlusskraft in Bezug auf das jüdische Schulwesen und sein rhetorisches Talent auf, sondern auch durch seine Publikationstätigkeit. Er starb am 15 November 1882 in Brünn.

      Solidarität mit der Gemeinde. Aron Tänzer schreibt in seiner Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg:
      "Mit Rabbiner Daniel Ehrmann war ein Mann von nicht nur bestem Willen, sondern auch reicher praktischer Erfahrung nach Hohenems gekommen, der es besser als sein Vorgänger und mit geringeren Kämpfen und Mitteln verstand, seine Ideen
      durchzuführen.
      Ehrmann schuf sich einen starken Rückhalt in der Gemeinde für seine reformatorischen Bestrebungen dadurch, dass er die Gebildeten, Reichen und Moderngesinnten unter dem Namen „Kultuskomitee" vereinigte und so ein nachhaltiges Wirken mit vereinten bedeutenden Kräften ermöglichte.
      Diese Gründung des Kultuskomitees war eine kluge Tat Ehrmanns, weil er damit dem aus dem Wege ging, was so viele Rabbiner in vielen Gemeinden an der Durchführung oft sehr guter Pläne hinderte und noch hindert. Er brauchte nicht über den Kopf der Gemeinde hinwegzuhandeln, verhinderte aber auch, dass über ihn hinweg gehandelt wurde und er nur pro forma nachträglich gutzuheissen hatte, was ohne ihn geschehen war und er nicht mehr ändern konnte. Endlich aber lag in dieser Solidarität mit der Gemeinde oder doch ihrem besser gesinnten Teile die Bürgschaft des Erfolges." 
      Kultuskomitee. Im Oktober 1846 konstituierte sich auch wirklich das Kultuskomitee in Hohenems mit denkwürigen Statuten, das eine Partizipation der jüdischen Gemeinde an den jüdischen Kultusangelegenheiten ermöglichte. Damit waren die Hohenemser Juden schon 1846 auf dem Stand, den beispielsweise die katholische Kirche mit ihren Pfarrgmeinderäten ähnlich erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965) schaffte:
      • Zur Regelung und Leitung der Kultusangelegenheiten besteht ein Kultuskomitee. 
      • Zweck des Komitees ist, die Kultusangelegenheiten in weitestem Umfange zu beraten und die Beschlüsse nach Kräften in Wirksamkeit zu setzen. 
      • Das Kultuskomitee ist von der Vorstehung zur sofortigen Durchführung seiner Beschlüsse bevollmächtigt worden. Nur besonders wichtige Beschlüsse und solche die Geldausgaben erfordern, sollen erst der Vorstehung vorgelegt werden. 
      • Nicht nur Synagogen- sondern auch alle andern religiösen öffentlichen Angelegenheiten fallen in den Bereich des Kultuskomitees. 
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      Donnerstag, 12. April 2018

      [ #Bregenzerwald ] Dreistufen-Landwirtschaft im Bregenzerwald


      Bregenzerwald im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgeführt.

      Die traditionelle Dreistufen-Landwirtschaft im Bregenzerwald ist seit kurzem Immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Das traditionelle, lebendige Leben der Wälder Bauern im Jahreskreis beschreibt sich als höchst mobil: Zwischen Viehweide, Berggut, Vorsäß, Alpe und Wildheu.

      Dreistufenlandwirtschaft. Da das silofreie Futter aus den hofeigenen Flächen bei den meisten im Bregenzerwald angesiedelten bäuerlichen Betrieben nicht ausreicht, um das Vieh ganzjährig zu versorgen, bedienen sich die Bregenzerwälder Bäuerinnen und Bauern bis heute einer altbewährten Bewirtschaftungsform, der so genannten Dreistufenlandwirtschaft. Im jahreszeitlichen Kreislauf der Dreistufenlandwirtschaft ziehen die Familien oder ein Teil der Familie im Spätfrühling mit dem Vieh vom Hof zuerst auf das Vorsäß (eine niedrig gelegene Alm) und etwa Anfang Juli auf die Alpe.

      Mitte September kehren alle mit einem feierlichen Alpabtrieb wieder zurück auf die Vorsäß oder ins Tal zu den Heimbetrieben. Durch den Verzicht auf gärende Futtermittel kann aus der Milch der auf diese Weise gehaltenen Tiere die so genannte Heumilch gewonnen werden, welche unter anderem zur Herstellung der traditionellen Bregenzerwälder Käsesorten unverzichtbar ist. 

      Die Dreistufenlandwirtschaft ist in allen Gemeinden des Bregenzerwaldes von Bedeutung. Sie ist ein fester Bestandteil des Kulturerbes der Familien, die auf diese Weise ihre Höfe bewirtschaften. Aber auch für alle anderen Bewohnerinnen und Bewohner des Bregenzerwaldes ist die Dreistufenlandwirtschaft wichtig: einerseits wegen der regionalen kulinarischen Produkte aus Milch und Käse, die durch diese traditionelle Bewirtschaftungsform erst möglich werden, und andererseits wegen der Feste und Bräuche (Alpaufzüge, Alpabtriebe, Alpmessen, Alpfeste, Käsemärkte, etc.), die in engem Zusammenhang mit der Dreistufenlandwirtschaft stehen.

      Das Wissen um die Bewirtschaftung der Weideflächen mittels Dreistufenlandwirtschaft wird seit Generationen innerhalb der Bauernfamilien durch Vorzeigen, Vorleben und mündliche Überlieferung weitergegeben. Männliche Jugendliche aus der Familie oder aus dem Bekanntenkreis beginnen als „Pfister“ die Alpwirtschaft von den Erwachsenen zu lernen. Später werden aus diesen „Pfistern“ dann oft Hirten, Senner oder Alpmeister.


      Die Technik der Dreistufenlandwirtschaft kam etwa im 14. Jahrhundert mit den nach Vorarlberg ausgewanderten Walsern aus dem Kanton Wallis in der Schweiz in das Gebiet des heutigen Bregenzerwaldes. Die Dreistufenlandwirtschaft definiert sich als eine umfassende Nutzung der gesamten Vegetation des Lebensraumes über die Höhenstufen im alpinen Raumes. Diese Wanderweidewirtschaft ist nicht mit nomadischem Wirtschaften zu vergleichen sondern saisonell und in sehr engem räumlichen Verhältnis. Zudem erfordert die Milchwirtschaft eine nächtliche Einstallung und die damit verbundene alpine Siedlungstätigkeit. Auf den Maisäßen begnügte man sich mit den notwendigsten Räumen, die aber immer wieder in Größe und Anzahl dem Bedarf angepasst wurden. Die Gebäude wurden mit behauen Rundlingen oder in Blockbauweise und Steinen errichtet, die Dächer sind meist mit Nagelschindeln in drei- bis vierfacher Überdeckung ausgeführt.

      Die Maisäße gelten als Erfindung der als Wehrbauern eingewanderten Walser in einzelne höherliegende Täler Vorarlbergs und Westtirols. Die erste Stufe betrifft den bäuerlichen Betrieb im Tal, der vom Frühling bis in den Herbst bewirtschaftet werden konnte und Vorrat für den Winter schaffen sollte. Im Laufe des Frühjahrs zog der Bauer jedoch mit seinem Vieh der höhersteigenden Vegetation nach, sodass sie sich im Mai/Juni auf Höhen von etwa 1200 bis 1600 Metern befanden, wo die zweite Stufe der Maisäße entstehen konnte. In den Sommermonaten konnten die Höhen von 1600 bis 2000 Meter genutzt werden und damit war die dritte Stufe, die Alpen, entstanden. Im September kehrte man wieder auf die zweite Stufe zurück, wo inzwischen auch ein Vorrat für den Winter geschaffen worden war, ehe in der Folge der Rückzug in die Täler erfolgte.

      Allerdings hat sich vor allem im letzten Jahrhundert ein merklicher Wandel bemerkbar gemacht: war es bis in die 1950er Jahre üblich, dass ganze Familien mit Kindern und teilweise sogar mit Lehrern auf die Vorsäß zogen, so sind es heute meist nur mehr einzelne Familienmitglieder. Auch fand eine Anpassung an den heutigen Stand der Technik statt, und viele Vorsäße sind problemlos mit Fahrzeugen zu erreichen, was zu einer Halbierung des Personalbedarfs im Vergleich zu den 1950er Jahren führte. Trotzdem bleibt diese Bewirtschaftungsform von Kontinuitäten bestimmt, da diese landwirtschaftliche Praxis - abgesehen vo der Technisierung - seit Jahrhunderten kaum verändert wurde.

      Erhalt der Kulturlandschaft. Unmittelbar mit der Alpung verbunden ist die Pflege und der Erhalt der Kulturlandschaft. Die regelmäßige Bealpung verhindert die Verbuschung und Verkrautung von Alpwiesen und Berghängen. Der Tritt der Kühe auf steilen Hanglagen kann zudem Hangrutschungen, Murenabgängen und Lawinen verbeugen.

      Bedrohungen. Der Verfall des bäuerlichen Images führt dazu, dass viele Landwirtinnen und Landwirte, in einen anderen Beruf wechseln und den landwirtschaftlichen Betrieb aufzulassen. Eine Umstellung der Betriebe auf die weniger aufwändige Silowirtschaft bedroht die Dreistufenlandwirtschaft. Dem steht allerdings die Herstellung der traditionellen Bregenzerwälder Milch- und Käseprodukte entgegen, welche mit Silomilch so nicht mehr möglich wäre.

      Der gewaltige Technisierungsschub verbunden mit der Verkürzung der Wege durch die Verkehrstechnik führt freilich auch dazu, dass die Landwirtschaft des Talbodenses und jene der Alpen ausreichen, womit eine Maisäßbewirtschaftung ohne Wanderbewegung direkt vom Tal aus durchgeführt werden kann. Maisäße werden damit zunehmend nicht mehr gebraucht und somit nicht mehr bewirtschaftet. Sie verschwinden im sich ausbreitenden Wald oder in Tourismusangeboten.


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      Mittwoch, 28. März 2018

      [ #Arlberg ] Alpine Verkehrskultur am Arlbergweg von Landeck bis Bludenz

      Für Vorarlberg bietet sich am Arlberg eine echte Chance, einen Erlebnisweg anzubieten.

      Im Bemühen, die Sommersaison zu beleben, versuchen Touristiker immer häufiger, die von den Sommergästen vorrangig nachgefragten Wanderangebote zu verbessern. Das Vorarlberger Wanderwegenetz ist auch in dieser Richtung eine Attraktion.

      Kulturweg Alpen. Meistens sind diese Wege aber nur lokale und räumlich recht begrenzte Wege und überregionale Angebote sind noch kaum entwickelt, wiewohl es sie auch andernorts gibt. So haben die Schweizer Naturfreunde schon 1999 einen „Kulturweg Alpen - zu Fuss vom Lac Léman ins Val Müstair" lanciert. Die Initiative "Get-Together" führt beispielsweise eine Sprachenwanderung durch die vier Schweizer (Amts-)Sprachenregionen.

      Arlbergweg. Möglichkeiten bieten sich auch in Österreich, wurden bis jetzt aber noch nicht in dieser professionellen Weise genutzt. Für Vorarlberg bietet sich am Arlberg eine echte Chance, einen Erlebnisweg auf vergleichbarem Niveau anzubieten. Auf der Grundlage des 1995-99 erarbeiteten Wanderwegekonzeptes Klostertal wäre ein solcher Schaupfad zwischen Bludenz und St.Christoph auch bereits kurzfristig realisierbar. Freilich könnte die Gesamtattraktivität eines Arlbergweges wesentlich gehoben werden, wenn er nicht am Pass enden, sondern auch durch das Stanzertal bis Landeck führen würde. Für alle Überlegungen in dieser Richtung müssen aber vorweg grundsätzliche Fragen der Machbarkeit abgeklärt werden.

      Free eBook. Eine Vorstudie über die historisch-geographischen Voraussetzungen für einen verkehrsgeschichtlichen Erlebniswanderweg über den Arlberg wurdenim Auftrag des Amtes der Vorarlberger Landesregierung, von der Abteilung VIIa - Raumplanung - unter Federführung von Helmut Tiefenthaler - bereits durchgeführt und in der gegenständlichen Publikation veröffentlicht. Die Arbeit enthält jede Menge verkehrsgeschichtliches Material und harrt auf entsprechende Wanderinitiativen.

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