Mittwoch, 22. März 2017

[ #Arlberg ] Technischer Bericht über das Projekt der Arlberg-Bahn (Bludenz-Landeck) aus dem Jahre 1872 online


Am 14. Juni 1880 beginnt man mit den Bauarbeiten an der Ostseite des Arlberg-Tunnels und am 22. Juni an der Westseite des Arlberg-Tunnels. 

Aber bereits 1872 schien alles fertig projektiert. Diesen Eindruck hinterlässt jedenfalls der als Retrodigitalisat im Internet vorliegende Technische Bericht des im Auftrag k.k.Handels-Ministers vorgelegte Bericht der Bau-Abteilung der österreichischen Eisenbahnen.


Am 20. September 1884 eröffnete Kaiser Franz Josef feierlich die Arlbergbahn. In nur vier Jahren Bauzeit war die faszinierende, von Julius Lott geplante Gebirgsstrecke mit dem mehr als 10 Kilometer langen Arlbergtunnel gebaut worden, welche Vorarlberg mit den restlichen Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie verband.

Bereits in den 1850er Jahren befasste man sich mit dem Bau einer Arlbergbahn. Doch die Pläne gelangen so schnell nicht. Besonders verdient machte sich dabei der liberale Feldkircher Textilindustrielle und Präsident der Handelskammer Feldkirch: Carl Ganahl.








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[ #Hohenems ] Flurnamen Hohenems

Mit einer aktualisierten digitalen Flurnamenkarte wartet das Online-Angebot von Hohenems auf. 

Der auf der Website der Stadt abrufbare Plan enthielt bereits bisher neben der "klassischen Kartenansicht" Luftbildaufnahmen, die Flächenwidmung wie auch den Katasterplan. Mit einer aktualisierten Flurnamenkarte wurde dann dieses Angebot noch ergänzt.

Vergangenheit und Zukunft. Der digitale Hohenemser Stadtplan gibt nun also auch Überblick über die Flurnamen und ist damt gleichzeitig ein Schritt Zukunft als auch der Erinnerung und Vergangenheit, also Geschichtsschreibung.

Basisdokument. Eine detaillierte Flurnamenkarte, die von Ing. Siegfried Fulterer erstellt und bereits 1983 veröffentlicht wurde, ist noch heute vielerorts in Verwendung. Für die neue Karte, die nun digital vorliegt und somit bis zu einer möglichen Veröffentlichung als Druckwerk laufend ergänzt werden kann, wurden etwa 120 neue Namen aufgenommen.

Die "Historische Runde" aus Hohenems hatte intensiv zu den teils Jahrhunderte alten, meist mündlich überlieferten und gerade in ihrer Schreibweise oft strittigen Flurnamen beraten. Auch Flurnamen, die aufgrund der aktuellen Forschungslage noch nicht eindeutig zugeordnet werden konnten, wurden intern digital und mit Quellenangaben archiviert.

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Dienstag, 21. März 2017

[ #Bodensee ] Bodensee-Eisenbahn: Das Konzept BODAN-RAIL 2020

Konkrete Vorschlägen für die Verknüpfung aller Bahnen rund um den Bodensee. Der Grossraum Bodensee - ein bedeutender Wirtschaftsraum mit rund 4.5 Mio. Einwohnern - wird durch Landesgrenzen zerschnitten. 

Der Grossraum Bodensee - ein bedeutender Wirtschaftsraum mit rund 4.5 Mio. Einwohnern - wird durch Landesgrenzen zerschnitten. Die Folge davon ist, dass die grenzüberschreitenden Bahnverbindungen ungenügend sind und dem üblichen Standard der an den Bodensee angrenzenden Länder nicht entsprechen. Ohne einen Riesenschritt im Ausbau des öffentlichen Verkehrs wird sich diese Zunahme des Verkehrs im Bodenseeraum grösstenteils auf der Strasse abspielen. Dies hat sowohl für die Umweltqualität fatale Folgen, die Strasseninfrastruktur wäre dem gestiegenen Aufkommen auch nicht gewachsen. Staus würden zum Alltagserlebnis.

Dreifache Randlage.
Planung und Betrieb der Bahnen waren bis dato ausschliesslich national ausgerichtet. Dementsprechend wurde der Raum Bodensee dreifach zur Randlage. Zahlreiche national entstandene Verbesserungsvorschläge litten unter mangelnder Koordination und unter der fehlenden Gesamtschau.

Das Konzept BODAN-RAIL 2020 ist die Darstellung eines erwünschten künftigen Zustandes von Bahnnetz und Bahnbetrieb im Grossraum Bodensee, bei welchem alle Teile der Region von einer wesentlich verbesserten Erreichbarkeit profitieren und wo es keine Hindernisse an den Grenzen mehr gibt. Das Konzept zeigt Lage und Häufigkeit der Zugsläufe und verweist auf die erforderlichen Infrastrukturausbauten.

Planung und Betrieb der Bahnen waren bis dato ausschliesslich national ausgerichtet. Dementsprechend wurde der Raum Bodensee dreifach zur Randlage. Zahlreiche national entstandene Verbesserungsvorschläge litten unter mangelnder Koordination und unter der fehlenden Gesamtschau.

Hier greift das Projekt BODAN-RAIL 2020. Es definiert den Grossraum Bodensee als einheitliche Planungsregion und gewinnt damit eine neue - internationale - Sichtweise. Damit schafft es die Voraussetzungen für eine nachhaltige Ertüchtigung von Betrieb und Infrastruktur des Schienenverkehrs und damit eines der wichtigen Fundamente, die für die Entwicklung einer prosperierenden Wirtschaft unerlässlich sind.

Neben den konkreten Vorschlägen für die Verknüpfung aller Bahnen rund um den See stellt BODAN-RAIL 2020 auch Planungsinstrumente bereit wie ein Netzplanungsmodell und ein Nachfragemodell, die es erlauben, Vorschläge jeder Art aus der neuen Sichtweise heraus zu beurteilen.

Das Grossprojekt wurde von den Kantonsplanern der Ostschweiz (KPO, Vorsitz: Werner Mettler, Schaffhausen) initiiert und mit Hilfe einer Vorstudie vorbereitet. Unter tatkräftiger Mithilfe des Ständigen Verkehrsausschusses der Deutsch-Schweizerischen Raumordnungskommission (StVA ROK, Vorsitz: Franz Schwendemann, Waldshut-Tiengen) konnte es in ein Interreg-Projekt umgesetzt werden. Dieses wurde von zahlreichen Körperschaften rund um den Bodensee mitfinanziert und unterstützt.

Das Konzept BODAN-RAIL 2020 weist nach, dass es möglich ist, die drei bisher nicht koordinierten Bahnsysteme von Deutschland , Österreich und der Schweiz in ein durchgängiges Knotensystem mit integralem Taktfahrplan einzubinden. Damit kann das Bahnangebot für den Personenverkehr massiv verbessert werden: mehr Züge, die alle im Takt verkehren, mehr und beliebig gestaltbare Durchbindungen (direkte Züge) sowie -je nach Verbindung - leichte bis erhebliche Reisezeitverkürzungen.

Modellrechnungen haben zudem ergeben, dass das vergrösserte Angebot auch wirtschaftlich betrieben werden kann, indem mit einer überproportionalen Steigerung des Verkehrsaufkommens und damit einer genügenden Auslastung gerechnet werden kann.

Damit die vorgeschlagene Vernetzung der Bahnen mit dem gesteigerten Angebot realisiert werden kann, sind zahlreiche Infrastrukturausbauten erforderlich. Insgesamt kann mit Investionen von ca. 2.5 Mia. € gerechnet werden, die sich auf drei Länder und rund 20 Jahre verteilen. Auf Deutschland trifft es ein Investionsvolumen von ca. 1.5 Mia. €, auf Österreich 0.1 Mia. € und auf die Schweiz 0.55 Mia. €. Für Österreich und die Schweiz liegen die Summen im Bereich, der ohnehin für die Verbesserung des Bahnnetzes vorgesehen ist.

Als Alternative für eine die gesamte Fläche erfassende vernetzte Aufwertung des ganzen die Region erschliessenden Bahnnetzes wurde auch geprüft, wie sich eine Erschliessung des Grossraumes Bodensee mit einer Hochgeschwindigkeitsachse auswirken würde. Eindeutiges Ergebnis ist, dass die Region aus einem die Flächenerschliessung insgesamt verbessernden Bahnnetz mehr Nutzen zieht als aus einer Hochgeschwindigkeitsachse. Dies bei erst noch wesentlich geringeren Kosten. Dementsprechend kann es in der unmittelbaren Zukunft nur darum gehen, das Konzept BODAN-RAIL 2020 mit seiner Vernetzung umzusetzen. In einer 2. Phase wird zu prüfen sein, wie die Region mit Hilfe einer zusätzlichen Hochleistungsachse noch besser an die europäischen Hochleistungsverkehre angebunden werden kann.

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Montag, 20. März 2017

[ #Bludenz ] Vorarlberger Grenze: Von Pilgern und Pülchern


Erlass Landespraesidium Innsbruck 1819 © VLA
1819 wurden die Behörden angewiesen, Wallfahrten aus Bludenz und Montafon nach Einsiedeln in der Schweiz zu verhindern.

Pilger genossen durch die Zeiten einen mitunter zweifelhaften Ruf. Schon Maria Theresia ließ angesichts des aufkommenden Rationalismus ausufernde Wallfahrten als Müßiggang bekämpfen. Kaiser Joseph II. untersagte um 1780 überhaupt Wallfahrten, was zum Erlöschen so mancher Wallfahrt beitrug. Einer der Gründe, für die Untersagung weiter und mehrtägiger Wallfahrten war eben auch die Tatsache, dass es bei Nächtigung und Heimmarsch so heilig nicht zuging.

Auch schon das ganze Mittelalter hindurch spielten Pilger(ströme) natürlich auch eine Belastung für die ansäßige und am Wege liegende Bevölkerung, Mit Rechtsvorschriften wollte man die Gefahren einengen. Ja selbst die bepilgerten Orte, welchen ja durchaus daraus auch wirtschaftliche Erfolge erwuchsen, bemühten sich um Aufenthaltsbeschränkungen.

Obwohl im frühen Mittelalter prinzipiell nur wenig gereist wurde, gab es doch einige Gruppen, die nahezu dauernd unterwegs waren. Hierzu gehörten unter anderem Bettler, Gaukler, Wandergesellen, Hausierer, Musikanten, Korbflechter, Holzfäller, Lehrer, Priester, Wahrsager, Sterndeuter, Schatzgräber, Schausteller, Reliquienhändler, Puppenspieler, Fuhrleute, Bartscherer, Kaufleute und eben auch Pilger. Und mit den sich entwickelnden Verkehrswegen, mit dem Wachstum von Zentralstaaten wuchs auch die "wandernde" Bevölkerung. Für das 18. Jahrhundert dann geht die Geschichtswissenschaft von einem ständig wandernden Bevölkerungsanteil von mindestens zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Sinnsuche. Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten gelten in unseren Breiten als Phänomene katholischer Volksfrömmigkeit. Europa kennt ja bis heute noch eine unermessliche Zahl von Wallfahrtsorten, welche auch in säkuläreren Zeiten noch immer nicht nur ein touristisches Angebot sondern auch religiös motiviert sind: Die berühmten wie Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela, die jedes Jahr hunderttausende von Pilgern anziehen, und die unzähligen kleineren und kleinen wie Altötting, Einsiedeln, Mariazell, Kevelaer, Lourdes oder Tschenstochau, die häufig nur regionale Bedeutung genießen. Freilich hat die unendliche Zahl von Jakobswegen heute nur noch selten religiöse, häufig esoterische oder sportive Motive, von den Sinnsuchern bis hin zu jenen ehrgeizigen Sammlern von Jakobswegen mit einer Collect-them-all-Mentalität.

Pilger und Pülcher. In Metternichs Polizeistaat kamen bei Pilgerreisen ins Ausland politische Verdachtsmomente hinzu. Die Vorbehalte waren so groß, dass sich in der deutschen Sprache das positiv besetzte Wort Pilger auch zu einer Bezeichnung für einen Strolch geformt hat. Aus dem Pilger wird der Pülcher, ein Halbverbrecher, verdächtiges Subjekt.

Erlass Justiz- und Polizeikommission
St. Gallen 1834 © VLA
Samen der Schwärmerei. Am 10. September 1819 wies das Landespräsidium für Tirol und Vorarlberg die Behörden an, zunehmende Wallfahrten aus den Landgerichten Meran, Schlanders, Glurns, Nauders, Ischgl, Landeck, Bludenz und Montafon nach Einsiedeln in der Schweiz zu verhindern, da dadurch der "Samen der Schwärmerei" leicht auch ins Inland getragen werden könnte. Die Route führte über Feldkirch und Liechtenstein. Auch die St. Galler Regierung musste 1832 einen Beschluss vom 1. Oktober 1827 einschärfen, ausländischen Pilger ohne Papiere nicht einreisen zu lassen oder wieder über die Grenze abzuschieben, da sich häufig gefährliche Personen als Wallfahrer tarnten, um in den Kanton St. Gallen einzuschleichen.

Fremde Vagabunden. Das Wort Pilger kommt aus dem Lateinischen (peregrinus = ausländisch, eigentlich der außerhalb des ager romanus Wohnende). Schon darin liegt auch eine Ausgrenzung und es ist kaum vorstellbar, dass die mittelaterliche Welt den Fremden und das Fremde offener empfing als es heute geschieht. Selbst wenn man anerkennt, dass die Armen in der mittelalterlichen Gesellschaft auch eine wichtige soziale Funktion erfüllten, indem sie den Reichen erlaubten, sich durch Almosen auf ihre Kosten in das Himmelreich einzukaufen, so musste das Bettlen an den Pilgerrouten doch auch als Belastung empfunden worden sein. Pilger waren ja häufig auf das Betteln angewiesen, mussten also mit einem gewissen Nachdruck ihren Lebensunter- und Lebenserhalt organisieren, ganz zu schweigen von jenen, welche überhaupt nur vorgaben zu pilgern aber vom Bettel lebten.

Zu dem unbekannten Fremden und den verwirrend fremden Sitten, Gebräuchen, Sprachen und kulturellen Ausdrucksformen kam dazu, dass der Pilger-Ansturm per se nicht nur Fromme mitzog. Nicht nur wer vor Strafe, Schande und Gläubigern fliehen musste, konnte da gut untertauchen. Unter den Pilgern waren ja auch Personen die aus Buße für Verfehlungen die Pilgerreise antraten. Kaum zu glauben, dass sie auf der abenteuerlichen Pilgerreise die Disziplin finden konnten, neuerlichen Verfehlungen und Versuchungen zu widerstehen. Auch Wallfahrten, die ja beinahe ausnahmslos mit dem Versprechen des Sündenablasses verbunden waren, waren doch wohl kaum ein geeignetes Mittel die Rückfallquote zu senken.

Zudem wurden seit etwa Mitte des 13. Jahrhunderts Wallfahrten auch als Sühnemittel bei Vergehen wie Meineid, Unzucht, Betrug oder sogar Totschlag von weltlichen und kirchlichen Gerichten verhängt. Zwar wohl eher selten zugunsten der gemeinen Bevölkerung sondern einflußreicherer Kreise. So waren die Sühne- und Bußwallfahrten möglicherweise zwar auch mildere Strafen, welche die frühere Strafen des dauerhaften Exils, der Vertreibung, der Auswanderung ablösten. Man war mißliebige und unangenehme, vielleicht sogar gefährliche Zeitgenossen so zumindest auf Zeit los.

Diese Büßer spielten im mittelalterlichen Pilgerwesen eine bedeutende Rolle und dürften damit auch ihren Teil zum negativen Bild vom Pilger beigetragen haben. Ein mittelalterlicher Führer für Pilger, das Liber Sancti Jacobi warnte schon davor und selbst in Santiago de Compostela wurden Aufenthaltsbeschränkungen erlassen. Räuber, Diebe, Betrüger tummelten sich in den Pilgerscharen ebenso wie auch die Prostitution Angebot und Nachfrage fand.

Vorboten der Moderne. Die Pilgerreisen waren nicht nur Vorbote der modernen Reiselust und eine frühe touristische Attraktion, ein Abenteuerevent. Sie kannte auch die gezielte wirtschaftliche Nutzung und die Massenproduktion. Aus Einsiedeln wird für das Jahr 1466 der Verkauf von 130.000 Pilgerzeichen berichtet.

Massenproduktionen und bewegliche Lettern. Die Pilgerspiegel waren Gebilde aus Metall, Muscheln, Pergament oder Papier. Die metallenen meist als Flachrelief aus einer Legierung aus Blei und Zinn, gegossen in Modeln aus Schiefer oder Speckstein. Im 14. und 15 Jahrhundert war die Aachener Heiligtumsfahrt die größte Wallfahrt in Deutschland. Die Quellen berichten von bis zu 150.000 Pilgern. Von Johannes Gensfleisch Gutenberg wird berichtet, dass er von Strassburg aus um 1439 Aachen mit Pilgerzeichen versorgte. Aus diesem Geschäft und dem Gießen der Pilgerzeichen wird seine Erfindung der beweglichen Lettern, die Erfindung des modernen Buchdrucks hergeleitet.

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[ #Feldkirch ] Stefan Zweig am Bahnhof Feldkirch

Stefan Zweigs Visumsantrag in den Akten der BH Feldkirch

Stefan Zweig war am 23. März 1919 Zeuge, wie Karl von Habsburg-Lothringen ins Schweizer Exil reiste. Darüber berichtete er in seiner Autobiographie "Die Welt von Gestern", die 1942 posthum erschien.

Der aus Österreich ins Exil getriebene Stefan Zweig hatte seine Erfahrungen mit dem Exil auch auf andere Weise. Er berichtete seit 1917 für die Wiener „Neue Freie Presse“ aus Zürich. Für seine Rückkehr ins niedergeschlagene „Deutsch-Österreich“ im Jahre 1919 benötigte der Schriftsteller in Feldkirch ein Passvisum, das in den Akten der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch erhalten geblieben ist. Am Grenzbahnhof Feldkirch wurde Zweig am 23. März 1919 Zeuge, wie Karl von Habsburg-Lothringen ins Schweizer Exil reiste. Darüber berichtete er in seiner Autobiographie "Die Welt von Gestern", die 1942 posthum erschien.

Wir zitieren hier aus diesem Werk, Kapitel 14 - Heimkehr nach Österreich (Online bei Projekt Gutenberg):

"Bei meiner Ankunft vor einem Jahre hatte ich an der schweizerischen Grenzstation in Buchs eine aufregende Minute erlebt. Jetzt bei der Rückkehr stand mir eine nicht minder unvergeßliche an der österreichischen in Feldkirch bevor. Schon beim Aussteigen hatte ich eine merkwürdige Unruhe bei den Grenzbeamten und Polizisten wahrgenommen. Sie achteten nicht besonders auf uns und erledigten höchst lässig die Revision: offenbar warteten sie auf etwas Wichtigeres. Endlich kam der Glockenschlag, der das Nahen eines Zuges von der österreichischen Seite ankündigte. Die Polizisten stellten sich auf, alle Beamten eilten aus ihren Verschlägen, ihre Frauen offenbar verständigt, drängten sich auf dem Perron zusammen; insbesondere fiel mir unter den Wartenden eine alte Dame in Schwarz mit ihren beiden Töchtern auf, nach ihrer Haltung und Kleidung vermutlich eine Aristokratin. Sie war sichtlich erregt und fuhr immer wieder mit dem Taschentuch an ihre Augen.

Langsam, ich möchte fast sagen, majestätisch rollte der Zug heran, ein Zug besonderer Art, nicht die abgenutzten, vom Regen verwaschenen gewöhnlichen Passagierwaggons, sondern schwarze, breite Wagen, ein Salonzug. Die Lokomotive hielt an. Eine fühlbare Bewegung ging durch die Reihen der Wartenden, ich wußte noch immer nicht warum. Da erkannte ich hinter der Spiegelscheibe des Waggons hoch aufgerichtet Kaiser Karl, den letzten Kaiser von Österreich und seine schwarzgekleidete Gemahlin, Kaiserin Zita. Ich schrak zusammen: der letzte Kaiser von Österreich, der Erbe der habsburgischen Dynastie, die siebenhundert Jahre das Land regiert, verließ sein Reich! Obwohl er die formelle Abdankung verweigert, hatte die Republik ihm die Abreise unter allen Ehren gestattet oder sie vielmehr von ihm erzwungen. Nun stand der hohe ernste Mann am Fenster und sah zum letztenmal die Berge, die Häuser, die Menschen seines Landes.

Es war ein historischer Augenblick, den ich erlebte – und doppelt erschütternd für einen, der in der Tradition des Kaiserreichs aufgewachsen war, der als erstes Lied in der Schule das Kaiserlied gesungen, der später im militärischen Dienst diesem Manne, der da in Zivilkleidung ernst und sinnend blickte, ›Gehorsam zu Land, zu Wasser und in der Luft‹ geschworen.

Ich hatte unzählige Male den alten Kaiser gesehen in der heute längst legendär gewordenen Pracht der großen Festlichkeiten, ich hatte ihn gesehen, wie er von der großen Treppe in Schönbrunn, umringt von seiner Familie und den blitzenden Uniformen der Generäle, die Huldigung der achtzigtausend Wiener Schulkinder entgegennahm, die, auf dem weiten grünen Wiesenplan aufgestellt, mit ihren dünnen Stimmen in rührendem Massenchor Haydns ›Gott erhalte‹ sangen. Ich hatte ihn gesehen beim Hofball, bei den Théâtre Paré-Vorstellungen in schimmernder Uniform und wieder im grünen Steirerhut in Ischl zur Jagd fahrend, ich hatte ihn gesehen, gebeugten Hauptes fromm in der Fronleichnamsprozession zur Stefanskirche schreitend – und an jenem nebligen, nassen Wintertag den Katafalk, da man mitten im Kriege den greisen Mann in der Kapuzinergruft zur letzten Ruhe bettete.

›Der Kaiser‹, dieses Wort war für uns der Inbegriff aller Macht, allen Reichtums gewesen, das Symbol von Österreichs Dauer, und man hatte von Kind an gelernt, diese zwei Silben mit Ehrfurcht auszusprechen. Und nun sah ich seinen Erben, den letzten Kaiser von Österreich, als Vertriebenen das Land verlassen. Die ruhmreiche Reihe der Habsburger, die von Jahrhundert zu Jahrhundert sich Reichsapfel und Krone von Hand zu Hand gereicht, sie war zu Ende in dieser Minute. Alle um uns spürten Geschichte, Weltgeschichte in dem tragischen Anblick. Die Gendarmen, die Polizisten, die Soldaten schienen verlegen und sahen leicht beschämt zur Seite, weil sie nicht wußten, ob sie die alte Ehrenbezeigung noch leisten dürften, die Frauen wagten nicht recht aufzublicken, niemand sprach, und so hörte man plötzlich das leise Schluchzen der alten Frau in Trauer, die von wer weiß wie weit gekommen war, noch einmal ›ihren‹ Kaiser zu sehen. Schließlich gab der Zugführer das Signal. Jeder schrak unwillkürlich auf, die unwiderrufliche Sekunde begann. Die Lokomotive zog mit einem starken Ruck an, als müßte auch sie sich Gewalt antun, langsam entfernte sich der Zug. Die Beamten sahen ihm respektvoll nach. Dann kehrten sie mit jener gewissen Verlegenheit, wie man sie bei Leichenbegräbnissen beobachtet, in ihre Amtslokale zurück. In diesem Augenblick war die fast tausendjährige Monarchie erst wirklich zu Ende. Ich wußte, es war ein anderes Österreich, eine andere Welt, in die ich zurückkehrte."

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[ #St.Gallenkirch ] Der Zuggawald Hof in Gargellen an der Via Valtellina

An der historischen Via Valtellina, liegt der eindrucksvolle Montafoner Paarhof "Zuggawald".

Das Bundesdenkmalamt berichtet auf seiner Website von einem interessanten Denkmalschutzprojekt im Montafon. An einem alten Säumerpfad von Vorarlberg in die Schweiz, der sogenannten Via Valtellina, liegt der eindrucksvolle Montafoner Paarhof "Zuggawald". Er ist in der für das Montafon typischen Stein-Holz-Mischbauweise errichtet und hat sich auf Grund der stetigen Bemühungen seiner Besitzer heute noch in tadellosem Zustand erhalten.

Saumweg. Vom Montafon in Vorarlberg bildet das Schlappinerjoch die Verbindung in die Schweiz und weiter nach Mailand. Hier wurden auf Saumrossen unzählige Handelsgüter zuerst nach Klosters ins Prättigau und dann weiter in den Süden gebracht. In der Gegenrichtung folgt heute der Weitwanderweg "Via Valtellina" den Spuren der Säumer. An diesem Säumerweg ist das Anwesen "Zuggawald" gelegen, das in der für das Montafon typischen Stein-Holz-Mischbauweise errichtet ist.

Durch einen in dicken Bruchsteinen gemauerten und verputzten Vorbau mit einem offenen Rundbogen betritt man den zweigeschossigen Wohnteil der in einer sehr steilen Hanglage erbauten Anlage. Bereits im Flur ist die schmale gewendelte Treppe ins Obere Geschoss in ihrer reinen Steinbauweise ein besonderer Blickfang. Dem massiven Teil des Wohngebäudes - Flur und der daran anschließenden Küche mit offenem Rauchabzug - ist ein Wohnbereich in Holzblockbauweise vorgelagert. Unter der Stube und der Nebenkammer befindet sich ein ursprünglich einräumiger Kellerraum, der von der Küche über eine Treppe erreicht werden kann.

Bautechnologie. Das - wie bei Paarhöfen üblich - ursprünglich nicht direkt verbundene Wirtschaftsgebäude ist wie der vordere Wohnbereich in Holzblockweise errichtet. Hier kommt auf Grund der unterschiedlichen Bearbeitung der Rundhölzer die spezielle Charakteristik der Montafoner Stallgebäude zum Ausdruck: Zur besseren Winddichtheit für die Viehställe wurden die Stämme behauen, tiefer ausgekerbt und zusätzlich die Zwischenräume mit Moos ausgestopft. Im Gegensatz dazu wurden im oberen Bereich des Heulagers zur besseren Durchlüftung die Balken mit größerem Abstand eingebaut. Die Dreiteilung der Heukammern im seitlich auskragenden Obergeschoss ist noch erhalten, wobei die mittlere davon als Dreschtenne gedient hat.

Dem Wohntrakt und dem Wirtschaftsgebäude wurde nun durch die im Auftrag des BDA ausgeführten dendrochronologischen Untersuchungen ein Entstehen um 1611/12 nachgewiesen.

Eine Seltenheit ist der in den Hang – zwischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude - an die Küche angebaute, tonnengewölbte Kellerraum. Dieser jedoch könnte früher entstanden sein: Eine Baufuge zwischen den beiden Räumen weist darauf hin, ebenso lässt die eingekerbte Jahreszahl 1590 an einem Stubenwandbalken und wieder verwendete Holzbalken (auf 1545 datiert) auf einen Vorgängerbau aus der Mitte des 16. Jh. schließen.

In einer weiteren Bauphase um 1730 wurde neben kleinen Änderungen im vorderen Kellerraum bergseitig die bestehende Stallscheune durch den Anbau eines Kleinviehstalles erweitert. Nordseitig wurde in den 1950er Jahren noch ein Anbau getätigt.

Zuggawald Hof. Auffallend gut erhalten ist die historische Ausstattung des "Zuggawald Hofes": Schon beim Eintreten sticht einem das barocke Türblatt der Eingangstüre, das neben geschwungenen Füllungen mit Christus und Marienmonogramm ein barockes Türschloss mit offener Mechanik besitzt, ins Auge. Die andern Türrahmen in beiden Geschossen zeichnet ein besonders niedriger Eselsrücken mit einem eingegerbten Kreuz als Türstock aus.

Als Heizung dient heute noch ein für die Region damals typischen gemauerten Ofen in der Stube und auf die Herdstelle in der Küche mit offenem Rauchabzug hat sich ebenfalls erhalten.

Die kunstvoll weiß umrandeten Sprossenfenster heben sich mit ihren grünen Läden vom dunklen Holz des Hauses ab und unterstreichen das Gesamterscheinungsbild des Hofes in traditioneller Montafoner Bauweise.

Beim Anwesen Zuggawald ist Dank des verantwortungsbewussten Umganges der Besitzer eine sehr seltene Verbindung von rätoromanischem Steinbau und alemannischem Holzbau erhalten geblieben. Im Hinblick auf die sich ansonsten durch den Tourismus stark verändernden Baulandschaft im Montafon zeigt sich hier sehr deutlich, wie wichtig die Rolle jedes einzelnen Bürgers bei der Bewahrung der Zeugnisse der gebauten Geschichte ist.

Die Anlage steht seit dem Herbst 2009 unter Denkmalschutz.

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Freitag, 17. März 2017

[ #Großes Walsertal ] Der Biosphärenpark Großes Walsertal im Klimawandel


Eine Diplomarbeit an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg wurde von Christina Geils eine Diplomarbeit zum Thema "Handlungsfeld Klimawandel im Alpenraum. Das Beispiel Biosphärenpark Großes Walsertal in Österreich" geleistet.

Die Arbeit steht als PDF-Datei online. Wir zitieren aus dem Fazit: Ziel der Arbeit war zu untersuchen, inwieweit in dem Untersuchungsgebiet Anzeichen eines Klimawandels festzustellen sind. Darüber hinaus sollte beantwortet werden, in welcher Form darauf reagiert werden kann. Als Beispiel für den Alpenraum wurde dazu das Große Walsertal in Österreich gewählt. Begründet wird die Auswahl dadurch, dass sich das Gebiet durch die UNESCO Biosphärenpark-Zertifizierung als eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung auszeichnet. In diesem Sinne ist das Große Walsertal besonders für die Untersuchung geeignet und kann als mögliches Experimentierfeld dienen, um den Einfluss und die Auswirkungen zu verfolgen und aufzugreifen. Der thematische Schwerpunkt der Arbeit lag auf den Bereichen der Land- und Forstwirtschaft, dem Tourismus sowie den Naturereignissen.

Als zentrales Untersuchungsergebnis ist festzustellen, dass im Großen Walsertal bisher nur vereinzelt Anzeichen für den Klimawandel in den verschiedenen Bereichen erkennbar sind. Dabei zeigt sich, dass die Bereiche Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Naturereignisse in unterschiedlichem Umfang betroffen sind.
Als besonders stark vom Klimawandel betroffen zeigte sich in der Untersuchung Handlungsfeld Klimawandel im Alpenraum die Landwirtschaft. Erschwerte Bedingungen bei der Ernte infolge extremerer Witterung sowie eine Verlängerung der Vegetationsperiode durch längere Warmphasen wurden ermittelt.
Die drei anderen Bereiche hingegen zeigen sich nach Expertenansicht als weitgehend nicht beeinflusst. Sie stellen fest, dass in der Forstwirtschaft durch erhöhte Temperaturen ein vermehrtes Vorkommen von Schädlingen zu beobachten ist. Gleichzeitig wird ein stärkeres Wachstum der Bäume, insbesondere der Laubbäume, in höheren Lagen verzeichnet. Der Tourismus ist anhand der Ergebnisse von erkennbaren Auswirkungen des Klimawandels betroffen, die nur eine geringe Beeinflussung bedingen. Im Winter ist die natürliche Schneesicherheit, obgleich sich die Schneegrenze nach oben verschoben hat, bisher ausreichend gegeben. Folglich finden noch keine alternativen Bemühungen, touristische Angebote unabhängiger vom Faktor Schnee zu gestalten, statt. Im Bereich der Naturereignisse zeigten sich bei der Auswertung nur geringe Anzeichen eines möglichen Klimawandels. Die recht hohe Dichte an Verbauungsmaßnahmen bietet dem Tal Schutz vor Naturgefahren. Als Begründung für die insgesamt verhältnismäßig geringen Anzeichen wurde die Naturbelassenheit und die Ursprünglichkeit des Großen Walsertals ermittelt.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf das Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1

2. KLIMAWANDEL 4
2.1. Klimageschichte 4
2.2. Ursachen einer Klimaveränderung 6
2.2.1. Natürliche Klimaänderungen 6
2.2.2. Anthropogene Klimaänderungen 8
2.3. Zukunftsperspektiven 9
2.4. Klimapolitik 12

3. BIOSPHÄRENPARK GROßES WALSERTAL 15
3.1. Lage und Naturraum 15
3.1.1. Geologie 17
3.1.2. Klima 18
3.1.3. Landschaftsmerkmale 19
3.2. Siedlungsgeschichte 21
3.3. Wirtschaft 22
3.4. UNESCO-Biosphärenparke 23
3.4.1. Historische Entwicklung 24
3.4.2. Aufgaben und Ziele 26
3.4.3. Zonierung 29

4. AUSWIRKUNGEN DES KLIMAWANDELS 32
4.1. Landwirtschaft 33
4.2. Forstwirtschaft 36
4.3. Tourismus 38
4.4. Naturereignisse 42

5. METHODIK UND VERLAUF DER UNTERSUCHUNG 45
5.1. Hypothesen 46
5.1.1. Landwirtschaft 46
5.1.2. Forstwirtschaft 47
5.1.3. Tourismus 47
5.1.4. Naturereignisse 48
5.2. Methodische Vorgehensweise 48
5.2.1. Leitfadengestützte Experteninterviews 48
5.2.2. Durchführung und Verlauf der Interviews 51
5.2.3. Transkription 53
5.2.4. Qualitative Inhaltsanalyse 54
5.3. Klimadaten 57

6. ERGEBNISSE 58
6.1. Landwirtschaft 58
6.2. Forstwirtschaft 61
6.3. Tourismus 63
6.4. Naturereignisse 67
6.5. Auseinandersetzung mit dem Klimawandel 69
6.6. Klimadaten 73
6.6.1. Station Schoppernau 73
6.6.2. Station Säntis 77

7. DISKUSSION DER ERGEBNISSE 80
7.1. Diskussion der Interviews 80
7.2. Diskussion der Klimadaten 87
7.3. Methodendiskussion 88

8. FAZIT 90
DANKSAGUNG 93
LITERATURVERZEICHNIS 94
ANHANG 104

Donnerstag, 16. März 2017

[ #Vorarlberg ] Natur und Landschaft in Vorarlberg

Eine tolle Website füllt eine Lücke im ansonsten vorwiegend touristisch orientierten Informationsangebot über Vorarlberg.

Trotz einer Fläche von nur 2600 km² weist Vorarlberg eine erstaunliche Landschaftsvielfalt auf. Diese Vielfalt resultiert aus den unterschiedlichen naturräumlichen Verhältnissen und dem Nutzungseinfluss des Menschen. Vom Bodensee auf 396 m über Meer bis zum 3312 m hohen Piz Buin sind auf einer Nord-Süd-Distanz von etwa 80 km praktisch alle wichtigen alpinen geologischen Einheiten zu finden: Der Nordteil des Landes zählt zur Molasse; daran schließen Helveticum und Flyschzone an. Südlich des Klostertales schließlich beginnen die Zentralalpen.

Der Großteil der 350.000 Einwohner lebt im Talgebiet, also im Rheintal und Walgau. Hier zeigt sich der Nutzungsdruck auf die Landschaft am deutlichsten. Trotzdem blieben auch im Tal wertvolle Lebensräume erhalten – oft in unmittelbarer Nachbarschaft zu Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen. Kaum vom Menschen beeinflusste Lebensräume beschränken sich weitgehend auf die Hochgebirgslagen.

Eine vom UMG Umweltbüro Grabher verdienstvoll geschaffene tolle Website füllt eine Lücke im vorwiegend touristisch orientierten Informationsangebot über Vorarlberg.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

[ #Vorarlberg ] Vorarlbergs Geologie

Wertvolle Erläuterungen zur Geologischen Karte von Vorarlberg als kostenfreies eBook.

Die Geologie Vorarlbergs ist mehr als nur die Geologie eines Bundeslandes. Geologie hat hier etwas ganz Besonderes, etwas „Verbindendes“, denn in Vorarlberg treffen die Westalpen auf die Ostalpen oder, geologisch gesprochen, sie tauchen hier tektonisch unter die Ostalpen ab. So bilden die Formationen der Molassezone in Vorarlberg steile Berge, während die altersgleichen Ablagerungen im Osten flache Ebenen füllen. Auch die tektonische Einheit des Helvetikums, des einstigen Kontinentalschelfs des „Alten Europa“, ist nirgendwo in Österreich so gut entwickelt und prächtig aufgeschlossen wie in Vorarlberg.

Bindeglied zwischen Ost- und Westalpen. Viele weitere Beispiele zeigen, dass Vorarlberg ein Lehrbuch der Geologie ist, das viele Kapitel enthält, die für das Verständnis des Alpenbogens zwischen Wien und Nizza von grundlegender Bedeutung sind. Vorarlberg ist damit nicht nur Bindeglied zwischen Ost- und Westalpen, sondern auch eine Schlüsselstelle.

Entdeckungsreise. Wer sich auf Spurensuche begibt, wird hier reich belohnt werden. Das Rezept ist einfach: Offenen Auges durch die Natur zu wandern und den Blick den Steinen zuzuwenden. Jeder einzelne hat seine Geschichte, jeder noch so kleine war einmal größer!

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒ 
Ein Download lohnt sich. Ein Blick auf das vielversprechende Inhaltsverzeichnis von "Geologie der österreichischen Bundesländer: Vorarlberg":

Einleitung (H.PSCHÖNLAUB & J.GFRIEBE) 3
Wo Afrika auf Europa trifft –
Geologie Vorarlbergs im Überblick (J.GFRIEBE) 19
Deformationsgeschichte (HORTNER) 13
Ein Kontinent zerbricht 13
Deckenstapelung in der Oberkreide 15
• Deckenstapelung
• innerhalb der Nördlichen Kalkalpen 15
• Deformation in der Arosa-Zone 15
Deckenstapelung im Tertiär –
Schließung des Penninischen Ozeans 15
• Deformation in den mittelpenninischen Einheiten 15
• Deformation
• in den nordpenninischen Flyscheinheiten 15
Kollision der Kontinente 16
• Deformation in der Feuerstätter Decke
• und der Liebensteiner Schuppenzone 16
• Deformation in den helvetischen Einheiten 16
• Deformation in den Einheiten des Vorlandbeckens 17
• Rezente Deformation 17
Geologie regional
Landschaftsentwicklung und Quartär (L.W.SDE GRAAFF,
M.G.GDE JONG & A.CSEIJMONSBERGEN)1
Topographische und morphologische Entwicklung 21
• Molassezone
• (Pfänderstock und Vorderer Bregenzerwald) 22
• Helvetikum
• (Mittlerer Bregenzerwald und Rheintal)2
• Flyschzone (N-Walgau – Großwalsertal)2
• Kalkalpen (S-Walgau – Rätikon) 3
• Silvretta-Kristallin (Montafon) 3
Talvergletscherungen in Vorarlberg 5
Vorarlberg im Oberen Würm 8
• Frühglazial, Hochglazial
• Erster Rückzugskomplex (RC I) 8
• Zweiter Rückzugskomplex (RC II) 9
• Übergang
• vom Zweiten zum Dritten Rückzugskomplex9
• Dritter Rückzugskomplex (RC III) 30
• Vierter Rückzugskomplex (RC IV)
• und letzte Abbaustadien 30
• Lokalmoränen 31
• Blockgletscher 32
Postglaziale Vegetations- und Landschaftsgeschichte 32
Molassezone (J.GFRIEBE) 33
Obere Süßwassermolasse 34
Obere Meeresmolasse 35
Untere Süßwassermolasse 36
Untere Meeresmolasse 38
Nördliche Kalkalpen (HFURRER & HORTNER) 41
Untere Gosau-Subgruppe 41
Lechtal-Decke und Allgäu-Decke (Bajuvarikum) 42
Silvretta-Seckau-Deckensystem (R.JBERTLE) 49
Penninikum (R.JBERTLE, J.GFRIEBE) 55
Arosa-Zone (R.JBERTLE) 55
Unterengadiner Fenster (R.JBERTLE) 57
Sulzfluh-Decke (R.JBERTLE) 58
Falknis-Decke (R.JBERTLE) 60
Fenster von Nüziders (J.GFRIEBE) 61
Geologie von Vorarlberg
Vaduzer Flysch mit Gaschlo-Formation (J.GFRIEBE) 61
Vorarlberger Flysch mit Oberstdorfer, Üntschen-
und Sigiswanger Decke (J.GFRIEBE) 62
Helvetikum (J.GFRIEBE) 67
Feuerstätter Decke 67
Ultrahelvetische Decken 69
Helvetische Decken 71
• Andelsbucher Gleitschollenzone 71
• Säntis-Decke 71
Rezente Krustendynamik (W.ALENHARDT) 85
Erdbebengebiete 85
• Das Rheintal 85
• Das Klostertal 85
• Au im Bregenzerwald 86
• Lech – Warth 86
Aktuelle Bebenstationen und Forschung 86
Geologie angewandt
Mineralische Rohstoffe (MHEINRICH & ASCHEDL) 89
Erze 89
• Eisen 89
• Kupfer 90
• Blei-Zink 91
Energierohstoffe 91
• Braunkohle 91
• Torf 91
Industrieminerale 92
• Gips 92
• Phosphorit 92
• Fluorit 92
• Hochreine Karbonatgesteine 92
• Wetzsteine, Reibsand 93
Baurohstoffe 93
• Kiese und Sande 93
• Tone und Lehme 95
• Festgesteine 95
Kohlenwasserstoffe
(ECOLINS DE TARSIENNE & UHERZOG) 97
Kohlenwasserstoffexploration 97
• Aufschlussbohrung Dornbirn 1 97
• Aufschlussbohrung Sulzberg 1 97
• Aufschlussbohrung Au 1 97
• Aufschlussbohrung V-Au 1 97
Kohlenwasserstoffgeologie 98
• Muttergesteine 98
• Speichergesteine 98
• Fallen 98
• Natürliche Kohlenwasserstoffanzeichen98
Wasser (PSTARCK) 99
Porengrundwasser 99
Kluftgrundwasser 99
Karstwasser 100
Massenbewegungen und Georisiken (HBERTLE) 101
Situation in Vorarlberg 101
Typologie der Massenbewegungen101
• Gleitungen 101
• Sackungen 101
• Steinschlag – Felssturz – Bergsturz101
• Muren – Abschwemmungen 102
• Erdfälle – Setzungen 102
Geologie informativ
Geologische Naturdenkmale, Höhlen und Geotope
(J.GFRIEBE) 105
Der gesetzliche Schutz 105
Geotope in Vorarlberg 106
Geologie museal (J.GFRIEBE) 109
Exkursionen 111
Das Rheintal und seine Randbereiche 111
• Fußach – Hard: Rheinvorstreckung (J.GFRIEBE) 111
• Bregenz: Wanderweg Pfänder – Fluh –
• Gebhardsberg (J.GFRIEBE) 112
• Bregenz: Gebhardsberg (J.GFRIEBE) 112
• Bregenz/Langen: Wirtatobel
• Ehemaliger Kohlebergbau (J.GFRIEBE) 113
• Lauterach: Sandplatte (J.GFRIEBE) 113
• Dornbirn: Straßenanriss Bödele (J.GFRIEBE) 114
• Dornbirn: Straßenanriss Kreuzen (J.GFRIEBE) 114
• Wolfurt: Bildsteiner Straße (J.GFRIEBE) 115
• Schwarzach: Alter Steinbruch Schwarzachtobel
• (J.GFRIEBE) 115
• Dornbirn: Talstation Karrenseilbahn (J.GFRIEBE) 115
• Dornbirn: Rappenloch und Alploch (J.GFRIEBE) 116
• Dornbirn: Ebniter Straße und Schaufelschlucht
• (J.GFRIEBE) 117
• Dornbirn: Haslach (J.GFRIEBE) 117
• Dornbirn: Breitenberg – Gelbe Wand
• Felssturz und Grundbruch (HBERTLE) 118
• Götzis: Örfla-Schlucht (J.GFRIEBE) 119
• Kummenberg: Steinbruch Kadel (J.GFRIEBE) 119
• Koblach: Straßenhäuser (J.GFRIEBE) 119
• Rankweil: Gewerbepark (J.GFRIEBE) 120
• Rankweil: Wallfahrtskirche (J.GFRIEBE) 120
• Übersaxen: Straßenanriss (J.GFRIEBE) 121
• Batschuns: Alte Laternserstraße (J.GFRIEBE) 121
• Dornbirn: Feldkirch: Obere Illschlucht – Felsenau
• (J.GFRIEBE) 121
• Feldkirch: Margarethenkapf (J.GFRIEBE) 122
• Felsgleitung Spiegelstein – Schwarzer See
• (HBERTLE) 122
• Moorgebiet Gasserplatz (LDE GRAAFF) 123
Der Bregenzerwald 124
• Riefensberg: Hanggleitung und Grundbruch
• (HBERTLE) 124
• Kraftwerk Langenegg: Ehemaliger Steinbruch
• (J.GFRIEBE) 125
• Hittisau: Speicher Bolgenach (J.GFRIEBE) 126
• Lingenau: Quelltuffhang (J.GFRIEBE) 127
• Egg: Bregenzerach – Kirchfelsen (J.GFRIEBE) 127
• Schwarzenberg: Achbrücke bis Steinrieslerbach
• (J.GFRIEBE) 128
• Mellau: Ehemaliger Steinbruch (J.GFRIEBE) 128
• Au – Schrecken (J.GFRIEBE) 129
• Schoppernau: Armeseelenkapelle (J.GFRIEBE) 129
• Straße Au – Damüls (J.GFRIEBE) 130
• Damüls: Laubenbachtobel (J.GFRIEBE) 130
• Damüls: Talstation Uga-Sessellift (J.GFRIEBE) 130
• Furkajoch (J.GFRIEBE) 131
Walgau 131
• Göfis-Stein: Gletschertopf (J.GFRIEBE) 131
• Frastanz: Untere Saminaschlucht (Kraftwerk)
• (J.GFRIEBE) 132
• Gamperdonatal: Aussichtspunkt Buder-Höhe
• (LDE GRAAFF, HSEIJMONSBERGEN) 132
• Bürs: Bürser Konglomerat
• (LDE GRAAFF, HSEIJMONSBERGEN) 133
• Schesatobel: Murbruch, Gleitung (HBERTLE) 134
• Hangender Stein: Steinbruch – Mineralwasser
• (HBERTLE) 136
Brandnertal 137
• Douglashütte – Saulajoch – Lünerkrinne
• (HORTNER) 137
• Lünersee (R.JBERTLE) 139
Montafon 140
• Bartholomäberg: Kalkalpenbasis (HORTNER) 140
• Bartholomäberg: Silvrettakristallin (R.JBERTLE) 141
• Bartholomäberg: Knappa-Gruaba (R.JBERTLE) 141
• Gargellener Fenster (HBERTLE) 142
• Silvrettastausee: Silvrettakristallin (R.JBERTLE) 143
Klostertal 145
• Bings – StLeonhard (J.GFRIEBE) 145
• Dalaas – Wald/Arlberg
• Eingang Radonatobel (J.GFRIEBE) 145
• Flexenpass – Stuttgarter Hütte – Monzabonjoch
• (HORTNER) 145
Moore (IDRAXLER) 149
Allgemeines 149
Verbreitung der Moore 150
• Flach- und Zwischenmoore
• in der Rheintalebe und im Walgau 150
• Bregenzerwald 151
• Zentralalpen 154
Geographisches Register 155
Geologische Karten 161
Literatur 163


Verortet in Reiter
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[ #Vorarlberg ] Georisiken in Vorarlberg

Die Täler von Vorarlberg sind nicht nur beliebte Ausflugsziele zum Wandern und Klettern, sondern auch Heimat für viele Menschen.

Doch der Siedlungsraum Alpen birgt auch Bedrohungen: Felsstürze, Hangrutschungen, Muren und andere Arten von Massenbewegungen machen regelmäßig in kleinen und großen Ereignissen darauf aufmerksam, dass die Natur sich nicht vollständig vom Menschen beherrschen lässt. Sogenannte Georisiken werden immer Teil des Lebens in den Alpen sein.



Afrika in Vorarlberg. Die Gesteine der heutigen Alpen wurden während der Trias und dem Jura an den Küsten des sog. Penninischen Ozeans abgelagert, der damals Afrika im Süden von Europa im Norden trennte. An den Küsten kam es zur Bildung von ausgedehnten Karbonatplattformen, die z.T. von großen Riffkomplexen gesäumt wurden. Durch die Bewegungen des Afrikanischen Kontinents nach Norden wurde der Ozean subduziert, die Kalksteine der Küsten deckenartig übereinandergeschoben (Kreide bis Miozän) und damit der neue Gebirgszug der Alpen "aufgetürmt". In den Eiszeiten bildeten sich in diesem Gebirge große Gletscher, die sich tief in diese Decken einschnitten und die so die heutige Form der Alpen bildeten. Durch das Abschmelzen der Gletscher fehlte ein Gegendruck auf die Talflanken und es kam und kommt zu verschiedenen gravitativen Massenbewegungen.

Massenbewegungen. Vermurungen und Überschwemmungen zeigen allzu deutlich, dass auch in der Bilderbuchlandschaft Vorarlberg Gefahren lauern - und auch weiterhin lauern werden. Geologische Massenbewegungen sind ein integrales Element in der alpinen Landschaft. Felsstürze, Hangrutschungen, Muren und andere Arten von Massenbewegungen machen regelmäßig in kleinen und großen Ereignissen darauf aufmerksam, dass sich die Natur nicht vom Menschen beherrschen lässt. Georisiken werden immer Teil des Lebens in den Alpen sein.

Die Aufgabe des Geologen ist es, potenzielle Georisiken zu erkennen, die Gefährdung für den Menschen einzuschätzen und geeignete Vorsichtsmassnahmen vorzuschlagen. Denn eine sinnvolle Raumplanung kann die Schäden deutlich vermindern.

Georisikokarte. Mit der Hilfe von Geoinformationssystemen (GIS) wurde ein digitales Kartenwerk von potentiellen Risikozonen geschaffen, das von den Behörden in beliebigen Maßstäben verwendet, ausgegeben und ergänzt werden kann. Sie gibt Einblick in die lokale Gefährdung und bietet eine wertvolle Hilfestellung für die Raumplanung. Und sie eröffnet die Möglichkeit, die Bevölkerung über die Gefahren zu informieren und so langfristig das Risiko zu mindern.

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[ #Vorarlberg ] Inatura - Die Erlebnis Naturschau in Dornbirn

Die Inatura ist ein einzigartiges Museumskonzept, das Besucher interaktiv an spannende Themen heranführt und Forschung, Naturwissenschaft und Technik mit 4000 Ausstellungsexponaten „begreifbar“ macht und besitzt das Österreichische Museumsgütesiegel  und gilt als das größte und modernste Naturmuseum im Bodenseeraum. 

Die inatura ist sowohl Erlebnisausstellung als auch Dokumentationszentrum über die Natur Vorarlbergs. In der Ausstellung machen multimediale Präsentationen, Spiele und Präparate zum Begreifen die Natur mit allen Sinnen erlebbar. 

Die Science Zones präsentieren verblüffende Phänomene der Physik. Die inatura ist aber auch eine Forschungsstätte, in der die belebte und unbelebte Natur des Landes dokumentiert wird. In Mitteleuropa einzigartig ist die gesetzlich verankerte Stellung des Museums im Naturschutz.

Auf dem Museums-Rundgang durch die Lebensräume des Landes kann man die im Lande lebenden Tiere und Pflanzen aus nächster Nähe sehen. In vielen Experimenten, mit Anschauungsobjekten, Filmen und Bildern lernen Besucher spielerisch gezielte Themen kennen.

Die Inatura ging im Jahr 2003 aus der ehemaligen Vorarlberger Naturschau hervor und wurde auf einem ehemaligen Werksgelände (Rüsch-Werke) inmitten des neuen Dornbirner Stadtparks eingerichtet. Die Rüsch-Werke, in deren Areal die inatura und der Stadtgarten situiert sind, waren ein wichtiger Turbinenbaubetrieb in der Österreich-Ungarischen Monarchie, die führende Maschinenfabrik in Vorarlberg



Stadtgarten. Die inatura liegt inmitten des neuen 25.000 m² großen Stadtgartens von Dornbirn. Mit seinem Dornröschengarten, der Gehölzsammlung mit Bäumen aus allen Weltteilen und schattigen Ruheplätzen bietet er sich als idealen Ort zur Entspannung an. Das inatura-Cafe bietet Köstlichkeiten aus Küche und Keller, die im Sommer auch im Freien serviert werden.

Die ehemalige Montagehalle (Rüsch-Werke) gegenüber der inatura wird vom Kunstraum Dornbirn bespielt. Zeitgenössische Kunst im Spannungsfeld zur Natur steht im Mittelpunkt. Der Kunstraum bietet jenen Künstlern ein Arbeitsfeld, für die die Natur, ihre Geschichte, deren Wahrnehmung, Wissenschaft und Erforschung den zentralen Ausgangspunkt ihrer Arbeit bildet. 

Gesellschafter der Inatura sind das Land Vorarlberg und die Stadt Dornbirn. Der Betrieb wird von der inatura Erlebnis Naturschau GmbH in Dornbirn geführt.

inatura - Erlebnis Naturschau
Jahngasse 9, 6850 Dornbirn
T +43 (0)5572 232 350
F +43 (0)5572 232 358

Öffnungszeiten. Täglich 10.00 - 18.00 Uhr. Für Schulklassen zusätzlich Montag bis Freitag von 08.30 - 10.00 Uhr nach Voranmeldung. Schließtage: 01. Jänner und 25. Dezember


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[ #Dornbirn ] Libellen im Dornbirner inatura-Wassergarten

Insgesamt 23 unterschiedliche Libellenarten konnten zwischen 2010 und 2012 im Areal um den Wassergarten der Inatura in Dornbirn festgestellt und dokumentiert werden. Sie sind mit Ausnahme der durchziehenden Prachtlibellen alle auch fotografisch dokumentiert. 

Einzelartikel der inatura - Forschung erscheinen digital als PDF-Datei in der Reihe "inatura – Forschung Online". Damit sind die Ergebnisse der Forschungsprojekte jederzeit weltweit abrufbar und werden von Suchmaschinen im Volltext erschlossen. So auch der Beitrag "Libellen am Wassergarten im Dornbirner Stadtpark".

Obwohl gut zwischen den Halmen versteckt, ist auch ein Weibchen der Sibirischen Winterlibelle (Sympecma paedisca) nicht dem aufmerksamen Blick der inatura Forscher entgangen. Ob sie nur ein verirrter Gast ist, oder sich auch im Wassergarten fortpflanzt, müssen weitere Beobachtungen klären.

inatura-Wassergarten
Winterlibellen. Die beiden bei uns vorkommenden Winterlibellen-Arten sind die "Sonderlinge" unter den Libellen. Als einzige überwintern sie nicht als Ei oder Larve im Wasser, sondern als voll entwickeltes, flugfähiges Insekt (Imago). Im Herbst suchen sie sich an windstillen und sonnigen Waldrändern ein Versteck im laubreichen Unterholz oder zwischen trockenen Halmen. Dort sind sie vor Wind und Kälte geschützt. An warmen Tagen unterbrechen sie manchmal ihre Winterruhe. Im Frühjahr sind sie die ersten Libellen, die man an pflanzenreichen, stehenden Gewässern beobachten kann. Ab April legen sie dort ihre Eier, bevor sie Ende Mai absterben. Bereits Ende Juli bis in den September schlüpft die nächste Generation von Winterlibellen, die sich nun auf die kalte Jahreszeit vorbereitet.

Winterlibellen leben außergewöhnlich lange. Etwa 10 Monate beträgt ihre Lebensdauer, während andere Libellen als Imago meist schon nach 6 bis 10 Wochen sterben. Ihre Reifungszeit über den Winter dauert etwa ein halbes Jahr. Die Larven hingegen müssen sich sehr schnell entwickeln. Bereits nach 8 bis 10 Wochen sind sie für die Umwandlung zur flugfähigen Libelle bereit.

Die Sibirische Winterlibelle ist die seltenere der beiden Arten. In der "Roten Liste Deutschland" ist sie als "Stark gefährdet" eingestuft, in Österreich als "vom Aussterben bedroht". Im Rahmen der Flora-Fauna-Habitat-Richtline der EU ist diese Art europaweit besonders geschützt., Nachdem sie zwar 2011 im inatura Wassergarten "entdeckt" worden war, ist sie später leider nicht mehr gesichtet worden.

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