[ #Hohenems ] Ehemalige Synagoge Hohenems

Bildquelle Wikimedia
Synagogen waren über Jahrhunderte hinweg Seismographen für die gesellschaftliche Situation der jüdischen Minderheit. Das architektonische Erscheinungsbild der Bauten war Ausdruck des Selbstverständnisses der jüdischen Gemeinden und der Toleranzfähigkeit der Mehrheitsgesellschaft. 

1772 gebaut, war die Hohenemser Synagoge bis 1938 eine der bedeutendsten Synagogen im weiteren Bodenseeraum. Im Nationalsozialismus wurde sie ausgeräumt und zwischen 1955 und 2001 als Feuerwehrhaus benutzt. 50 Jahre nach dem Umbau in ein Feuerwehrhaus wurde an der Hohenemser Synagoge eine neue Art des Umgangs mit der Geschichte sichtbar. Nach dem Auszug der Feuerwehr im Jahr 2001 wurde das Gebäude unter der Leitung der Architekten Ada und Reinhard Rinderer einer umfassenden Teilrekonstruktion in schlichter und würdiger Form unterzogen, die alte Fensterordnung mikt ihren hohen Bögen und Ochsenaugen, die Kubatur des Betraums und die ehemalige Frauen-, später Chorgalerie wiederhergestellt. Seit 2004 dient das Gebäude nun als Sitz der Musikschule tonart. Der Saal wird als Salomon Sulzer Saal (www.salomonsulzersaal.com) seit Mai 2006 für kulturelle und andere Veranstaltung genutzt, im Bewusstsein seiner Geschichte und als Ort interkultureller Begegnung.

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[ #Hohenems ] Hohenemser Familienkapelle: Päpstin Johanna?

Nicht erst seit Donna W. Cross’ Roman "Die Päpstin" zum Welterfolg wurde, ist diese propagandistische Fabel im allgemeine Bewusstsein: die angebliche Päpstin Johanna. In einer "Hohenemser" Kapelle findet sich ein Bild dazu: Eine Frau, auf dem Kopf die Tiara - die Papstkrone - tragend.

Die Päpstin. Die Berichte über die angebliche Päpstin hat mehrere Versionen hervorgebracht. Sie dürfen getrost in das Reich der Fabeln verwiesen werden, denn als Beweis kann nicht viel mehr eingebracht werden als dass die katholische Kirche Jahrhunderte Zeit hatte, Dokumente zu beseitigen, die ihr unbequem waren. Davon hat sie ja auch - heute weitgehend unbestritten - Gebrauch gemacht, ganz abgesehen von den Fälschungen. Die Verkleidung der Frau als Mann um ebenso wie Männer am gesellschaftlichen Leben und insbesondere am Aufstieg teilnehmen zu können, ist zwar keine keine gänzlich unmögliche, ja sogar mehrfach historisch belegte Tatsache - die natürlich in Zeiten des Feminismus, besser der Emanzipation, ein glänzendes Argument gegen die männliche Vorherrschaft, besonders in der Kirche, ist.

Hohenemser Bild. Das Bild in der "Hohenemser Kapelle" ist selber eine propagandistische Inszenierung. So sehr die Inszenierungen der Päpstin Johanna gegen die katholische Kirche und das Papsttum gerichtet ist, so sehr ist das hier in Rede stehende Bild in einem gegenreformatorischen Kontext zu sehen. Es gehört in den Zusammenhang der ersten nachtridentinischen triumphalen Inszenierung eines heiligen Bildes, der "Madonna della Clemenza" aus dem 8. Jahrhundert. Der Auftrag stammt von Kardinal Marcus Sitticus Altemps in seiner Familienkapelle in der Basilika Santa Maria in Trastevere, die er zwischen 1584 und 1589 durch Martino Longhi (der auch den Emser Palast erbaute) links der Apsis errichten ließ. Zur Weihe im Jahre 1593 wurde die Ikone von einer kleinen Kapelle im linken Seitenschiff feierlich in den Altar der Capella Altemps übertragen. An den Seitenwänden zeigen zwei große Fresken das Konzil von Trient und die Bestätigung der Konzilsdekrete durch Papst Pius IV., dem Onkel von Marcus Siticus Altemps und dem heilig gesprochenen Carlo Borromeo. Das Fresco, das die "Päpstin Johanna" zeigt, meint nicht diese sondern allegorisch die Kirche, die Ecclesia und betont damit - vor die Bischöfe gestellt - den Primat des Papstes. Das Fresco wurde von Pasquale Cati, einen Schüler Michelangelos, persönlich von Marcus Sittikus dazu beauftragt, gemalt. Angeblich soll der Hohenemser Kardinal Marcus Sittikus (Altemps ist latinisiert Hohenems) die Kapelle zum Gedenken an seinen Sohn Robert errichtet haben, der nach einer historischen Theorie von Papst Sixtus V. zu Tode gebracht wurde.

Santa Maria in Trastevere. Trastevere ist der Stadtteil "jenseits des Tibers", also am rechten Ufer. Die Basilika ist die älteste Marienkirche Roms. Vielleicht ist es sorgar der älteste Kirchenbau Roms überhaupt. Schon im 3. Jahrhundert soll es an der Stelle eine christliche Hauskirche gegeben haben. Der erste Bau geht auf die Zeit Papst Calixtus I. (217–222) zurück. an deren Stelle Julius I. Mitte des 4. Jahrhunderts eine durch 22 antike ionische Säulen (Spolien) in 3 Schiffe geteilte Basilika errichten ließ, die im 12. Jahrhundert unter Innozenz II. durch einen Neubau mit Campanile ersetzt wurde. Vor allem den Mosaiken in der Apsis und am dem Triumphbogen verdankt die Kirche ihren Ruhm. Das Mosaik in der Apsis zeigt Christus zusammen mit Maria auf dem Thron und die klugen und törichten Jungfrauen aus dem Gleichnis im Matthäus-Evangelium. Unter einem Fries mit Lämmern sind Szenen aus dem Leben Marias. Die Darstellungen wurden von Pietro Cavallini im Jahr 1291 geschaffen. Links von der Apsis befindet sich die Cappella Altemps, im angrenzenden Raum ist das Gnadenbild der Madonna della Clemenza aus dem 6. oder 7. Jahrhundert zu sehen.


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[ #Leiblach ] Der Schieber vom Bodensee: Modellstehen für Dr. Mabuse

Wikimedia: Waldemar Flaig: Porträt Norbert Jacques, 1927
Tatsächlich stammt die Figur des Dr. Mabuse vom Bodensee. Geschrieben hat ihn der luxemburgische Schriftsteller Norbert Jacques, angeblich in nur 20 Tagen im Gasthaus Bad Diezlings in Hörbranz 

Die Figur entstand als der Schriftsteller nach dem Ersten Weltkrieg auf einer Dampferfahrt über den Bodensee war. Zu dieser Zeit war die Gegend um den Bodensee ein beliebter Umschlagplatz für den in höchster Blüte stehenden Schwarzhandel. Der Autor beobachtete einen Mitpassagier, dessen Statur und Gesicht ihn inspirierten. Im Geiste machte er dann aus dem beobachteten kleinen Schieber mit der berührenden Ausstrahlung einen genialen Großverbrecher um dessen Gestalt herum Geschichten um Geldwäsche, Mädchenhandel, Schmuggel, Diebstahl und Glücksspiel: Dr. Mabuse, der Spieler.


Norbert Jacques
, der Erinder von Dr. Mabuse, bleibt mit dem Bodensee bis ans Lebensende verbunden. Wegen seines Verhaltens während des Ersten Weltkrieges und auch des Nationalsozialismus ist sein Werk nach einer Tabuisierung heute weitgehend unbekannt. Bekannt hingegen ist die Verfilmung des Dr. Mabuse durch Fritz Lang aus dem Jahr 1921. Gemeinsam mit dem Regisseur Fritz Lang bereiste er 1931 die Türkei.

Während des Ersten Weltkrieges fungierte Norbert Jacques dank eines luxemburgischen Passes als Kriegsberichterstatter und veröffentlichte Berichte über den Krieg in Belgien, Holland, Frankreich und England, wobei ihm die Parteinahme für Deutschland in Luxemburg verübelt wurde und Verachtung, Ablehnung und Boykott zur Folge hatte. Ursprünglich meldete sich Norbert Jacques 1914 in Berlin gar als deutscher Kriegsfreiwilliger, wurde aber wegen seiner luxemburgischen Staatsangehörigkeit nicht akzeptiert. Für ihn war Luxemburg als Land zwischen zwei Völkern und zwei Sprachen geprägt von Provinzialismus, Konservatismus und Klerikalismus.

1938 wurde für seine Familie zum Schicksaljahr. Seine Frau Jacques Margerite Samuely war Jüdin aus Wien, eine ehemalige Sekretärin von Arthur Schnitzler. Mit ihr hatte er zwei Töchter: Aurikula und Adeline. Die Eheleute (Ehe seit 1912 nach der Scheidung von der Sachuspielerin Olga Hübner, mit der er seit 1902 verheiratet war) ließen sich scheiden und Margerite emigrierte Anfang 1939 in die USA. Immerhin verschaffte er seinen Töchtern über Luxemburger Freunde die luxemburgische Staatsangehörigkeit, seine jüdische Ehefrau Grete Samuely ging nach der Scheidung ebenfalls via Luxemburg ins amerikanische Exil.

Der Kreis. Vor seiner Auflösung ist er Vorsitzender der über die Grenzen tätigen Künstlervereinigung der Maler und Bildhauer am Bodensee "Der Kreis".  In einem Schreiben an den in Wien tätigen Vorarlberger Bildhauer Albert Bechtold kündigt sich, wenn man so will - seine "innere Emigration" zum nationalsozialistischen Deutschland an. In Ingrid Adamers Buch über Albert Bechtold (Ingrid Adamer: Albert Bechtold 1885-1965. Böhlau Verlag Wien, 2002 - 471 Seiten) finden wir folgenden Satz:

"Fragen Sie nicht allzu verwundert, ob denn 'Der Kreis' überhaupt noch exisitierte. Wenn er auch in den letzten beiden Jahren ein etwas zurückgezogenes Leben geführt hat, so ist sein Lebenswille deswegen noch nicht erloschen. Es liegt an den allgemeinen Verhältnissen, dass wir nicht stärker hervortreten können, mit Ausstellungen, mit Festen und kollegialen Zusammenkünften, wie früher, denn diese inzwischen entstandenen Verhältnisse legen sich würgend auf die für eine internationale Vereinigung wie den 'Kreis' so notwendige Freizügigkeit."

Norbert Jacques selbst konnte sich aber trotz verschiedener Repressalien wie einer 14-tägigen Gestapohaft und eines zeitweiligen Schreibverbots nicht zur Emigration entschließen. 1940 heiratete er  in 3. Ehe in Bregenz Maria Jäger aus der Schweiz.

Im Mai 1940 stellte er sich wiederum in den Dienst der reichsdeutschen Kulturpropaganda in Luxemburg und gab 1941 linientreue Stellungnahmen in deutschen Zeitungen zur Luxemburg-Frage ab.  Für 20 Tage war er in Sigmaringen im Jahr 1945 gar Bürgermeister. Nach 1945 wurde er der Kollaboration, germanophiler Hetze, Denunziation und des Landesverrats bezichtigt. Es folgte eine viermonatige Untersuchungshaft im Staatsgefängnis und schließlich, ohne offizielle Anklageerhebung, eine Ausweisung im Juli 1946. Er verbrachte danach bis zu seinem Tode sein Leben im wesentlichen auf dem Bauernhof in Schlachters in Sigmarszell im deutschen Teil des Leiblachtales. Beerdigt ist Norbert Jacques auf dem Friedhof von Schlachters.


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[ #Vorarlberg ] Werner Bundschuh: Über freier Erde leuchtet wieder die Sonne der Freiheit ...

Die "Parteigeschichte" der SPÖ Vorarlbergs nach 1945 wurde ungeschminkt wie unabhängig vom Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft, dem ausgewiesenen Historiker Dr. Werner Bundschuh verfaßt. Damit füllt sie endlich eine Lücke in der Geschichtsschreibung des Bundeslandes Vorarlberg.

"Über freier Erde leuchtet wieder die Sonne der Freiheit" kann man ganz gut als mentalitätshistorische Arbeit und weniger als klassiche Parteigeschichtsschreibung ansehen und man erkennt Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitbewohner und Politiker  in ihrer ganzen "Größe" wieder. Es handelt von den Kämpfen und Krämpfen, von der Außenseiterrolle, von den Wagenburgen in der Diaspora und den Ausbruchsversuchen.


Es ist ein Stück ungeschminkte Zeitgeschichte und berichtet von den Widersprüchen in denen sich Menschen in der Nachkriegszeit befanden und häufig auch ganz pragmatisch zurechtfinden mussten. Das Wertvolle an dem Buch (Herausgeber Dr. Renner-Institut) ist eben diese Ehrlichkeit und Deutlichkeit mit der eine an sich programmatisch dem Fortschritt verpflichtete Sozialdemokratische Partei in einer konservativen und nach wie vor auch völkischen Motiven verhafteten Provinz zurechtkommen muss und der Anpassung häufig den Vorzug vor dem Widerstand geben muss. Alles andere denn eine Werbebroschüre.

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[ #Hohenems ] Die Edlen von Embs zur Hohenembs

Von dem Hittisauer Joseph Ritter von Bergmann, dem Begründer einer quellenkritischen und methodischen Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung haben wir dank Google Books eine Darstellung zu den Grafen von Hohenems, nämlich "Die Edlen von Embs zur Hohenembs in Vorarlberg online. 

Dargelegt und beleuchtet in den Ereignissen ihrer Zeit, vom Jahre 1170-1560" steht die Arbeit kostenlos online zur Verfügung.

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[ #Bodensee ] Wasserpflanzen am Vorarlberger Bodenseeufer

Wasserpflanzen (Makrophyten) bilden regelrechte Unterwassergärten, die Laich- und Aufwuchsgebiet für zahlreiche Fischarten und Nahrungsplatz für viele Wasservögel sind.

Bei Makrophyten handelt es sich um makroskopische, also mit bloßem Auge sichtbare Wasserpflanzen, die unter und an der Wasseroberfläche leben (= submers) und bis mehrere Meter lang werden können. Band 60 der Schriftenreihe "Lebensraum Vorarlberg" (Sept 2010) berichtet von der Makrophytenkartierung am Vorarlberger Bodenseeufer.

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[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Wilderergeschichten: Tödliche Jagd auf die Jäger

Screenshot Vorarlberger Jagdzeitung
Am 13. Juni 1915 wird am Ufer der Ill unterhalb von Feldkirch die nackte Leiche des Jagdaufsehers Gebhard Scheyer aus Göfis aufgefunden. 

Die beiden Täter konnten in den Kriegsjahren - die Menschen hatten anderes im Sinne - erreichen, dass das Verfahren gegen sie eingestellt wurde. Doch beinahe zwölf Jahre später wurden sie zu zwölf Jahren schweren Kerkers verurteilt.

Keine Schonzeit. Doch es war nicht die einzige Gewalthandlung gegen Jäger in Vorarlberg. Eine ganze Reihe von Angriffen (von Wilderern) berichtet die Vorarlberger Jagdzeitung (Ausgabe März-April) 2011 zwischen den Jahren 1902 und 1926. 


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[ #Vorarlberg ] Der Baum als zentraler Ort: Dominante Ortsbäume in Vorarlberg

Eine Untersuchung über dominante Ortsbäume in Vorarlberg (Sonderdruck aus MONTFORT, 58. Jg. 2006 H. 2/3) von Helmut Tiefenthaler spannt thematisch den Bogen von der mythischen Beziehung zu Bäumen über die Baumsymbolik bis hin zu den Zeugen der Ortsgeschichte.

Es wird ein Einblick über die verschiedenen dominanten Ortsbäume in Vorarlberg und deren Verbreitung gegeben. Behandelt wird sowohl die Linde als Baum der Gemeinschaft und andere heimische Laub- und Nadelbäume als auch die in der neueren Zeit eingeführten Parkbäume.

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