Dienstag, 27. Juni 2017

[ #Rheintal ] Betriebsgebiet oder Natur: Vorarlberger Rheintal bis 2030

Der Bedarf an Betriebsgebieten liegt im Rheintal zwischen zehn und 16 Hektar jährlich.

Betriebsgebiete haben etwas mit Arbeit und Arbeitsplätzen zu tun. Sie haben also wirtschaftliche Entwicklung und Zukunft im Auge. Gleichzeitig ist es aber ein Natur- und Landschaftsverbrauch. Daher ist es wichtig, sich darüber rechtzeitig Gedanken zu machen. Denn Zukunft muss beides sein: Arbeit und Beschäftigung, aber auch lebensfähige Natur und lebenswerte Umwelt.

Wie wird sich der zukünftige Bedarf an betrieblich genutzten Flächen im Rheintal entwickeln? Zur Vertiefung dieser Frage hat das Land Vorarlberg auf Initiative von Vision Rheintal bei der Technischen Universität Wien eine Studie in Auftrag gegeben. Mit den Ergebnissen liegt jetzt erstmals eine konkrete Abschätzung der zukünftigen Bedarfsflächen für Betriebsgebiete vor.

Die Bandbreite des zu erwartenden Bedarfs bis 2030 an BB-Flächen für die Region Rheintal liegt demnach in Bezug auf die Nettonachfrage etwa zwischen 200 und 350 ha bzw. zwischen 10 ha p.a. und 16 ha p.a. im langjährigen Durchschnitt; die Obergrenze (Bruttobedarf) kann mit 462 ha bzw. mit 22 ha pro Jahr abgesteckt werden.

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒



Ein schneller Blick auf das Inhaltsverzeichnis der Studie:

Abschätzung des Bedarfs an Betriebsgebieten im Vorarlberger
Rheintal
I VORSTELLUNG DES PROJEKTS 5
I.1 Ziel der Studie 5
I.2 Aufbau der Studie 5
I.3 Methodik 6
II ANALYSE DER WIRTSCHAFTSSTRUKTUR 8
II.1 Sektorale Struktur und Dynamik der regionalen Wirtschaft 8
II.1.1 Sektorale und strukturelle Veränderungen in Vorarlberg 8
II.1.2 Sektorale und strukturelle Veränderungen im Rheintal 10
II.1.3 Wertschöpfungsentwicklung 18
II.1.4 Exporte 19
II.1.5 Aktuelle Konjunkturindikatoren 23
II.1.6 Grenzen der Analyse, Datenverfügbarkeit 25
II.1.7 Fazit 25
II.2 Übergeordnete wirtschaftliche und technologische Trends mit Relevanz für den
Flächenbedarf 26
II.2.1 Allgemeine wirtschaftliche Entwicklung („Wirtschaftskrise“) 26
II.2.2 Funktionale und sektorale Tertiärisierung 26
II.2.3 Globalwirtschaftliche Trends 27
III FLÄCHENPARAMETER DER NACHFRAGE 28
III.1 Referenz"Beispiele 28
III.2 Mündliche und Online"Unternehmerbefragung 31
III.2.1 Mündliche Unternehmerbefragung 31
III.2.2 Online"Unternehmerbefragung 35
III.2.3 Zusammenfassender Vergleich und Einordnung der Ergebnisse 45
III.3 GIS"Analysen 48
III.3.1 Wirtschaftsabteilungen in Betriebsgebieten 2001 48
III.3.2 Flächeninanspruchnahme in Betriebsgebieten 2001 49
III.3.3 Gesamter Flächenkonsum von 2001 – 2006 54
III.4 Zusammenfassung und Ermittlung der Flächenparameter 55
IV SZENARIEN DER WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG 57
IV.1 Referenzwerte 57
IV.2 Szenario „Linearer Trend“ 62
IV.3 Szenario „Skeptiker“ 64
IV.4 Szenario „Die Krise meistern“ 67
IV.5 Workshop"Szenario 71
IV.6 Szenarienvergleich 74
V MODELLGESTÜTZTE ABSCHÄTZUNG DES BEDARFS AN BETRIEBSGEBIETEN IM RHEINTAL BIS
2030 76
V.1 Modellaufbau 76
V.2 Inputparameter 78
V.3 Ergebnisse 80
V.3.1 Erwarteter Bedarf an BB"Flächen bis 2021 und 2030 80
V.3.2 Qualitative und räumliche Verteilung der Nachfrage 82
VI ZUSAMMENFASSUNG: ZUKÜNFTIGER BEDARF AN BETRIEBSGEBIETEN IM VORARLBERGER
RHEINTAL 90
VII VERZEICHNISSE 92
VII.1 Tabellenverzeichnis 92
VII.2 Abbildungsverzeichnis 93
VII.3 Quellenverzeichnis 95

[ #Montafon ] Die Montafoner Oberschicht zwischen 1780 und 1830

[eText/PDF] Im Jahr 1808 wurde im Königreich Bayern eine neue Gemeindeordnung erlassen, die zusammen mit vielen anderen Neuerungen in den Jahren zwischen 1780 und 1830 einen bedeutenden gesellschaftlichen Wandel mit sich brachte.  

Die Bayern waren in Vorarlberg - entgegen den verbreiteten Freiheitskämpfermären ein Reformmotor für Vorarlberg und damit auch für das Montafon.

Für die Montafoner Führungsschichten hatten diese Veränderungen weit reichende Folgen. Die soziale Stellung der Eliten wurde in Frage gestellt. Die Umbrüche und von den Eliten geschürten Unruhen hatten bereits mit Maria Theresia und Josef II. eingeleitet. Die Bayrischen Jahre haben dann aber jene Veränderungen gebracht, welche ohne diese mit wesentlich mehr Reibungsverlusten hätten nur umgesetzt werden können.

Die Veränderungen begannen mit einem Bedeutungsgewinn für das Montafon. Kaiserin Maria Theresia bewilligte 1774 die Errichtung eines selbstständigen Gerichtes im Montafon und das Montafon erhält 1790 nach endgültiger verwaltungsmäßiger Trennung von Bludenz mit Johann Joseph Batlogg seinen ersten durch Kaiser Leopold II. ernannten Landamann und Richter. Aber schon 1796 wird im Kloster St. Peter in Bludenz der der Kreishauptmann Indermauer ermordet, woran auch die Montafoner Bürger waren beteiligt waren. Die Fortschritte waren Kirche und Montafoner Eliten nicht willkommen und auch die Aufwertung von Schruns als Sitz des Landegerichts Montafon durch die Bayern zu einem staatlichen Gerichts- und Verwaltungszentrum bedeutet zuerst einen Bedeutungsverlust für die reichen Montafoner Führungsschichten, welche sich die Verwaltungsposten teilten.

  

Armes Tal. Von 1822 – 1850 war Kreishauptmann Johann Nepomuk Ebner der oberste Landesbeamte und Landeshauptmann Vorarlbergs. Seine einzigartigen Tagebuchaufzeichnungen sind eine der wichtigsten Quellen für die Landesgeschichte Vorarlberg in der Zeit der Frühindustrialisierung. Er berichtete für das Jahr 1832, dass allein aus Vorarlberg 1800 bis 2000 Kinder ins Schwabenland gingen. 1834 sollen es allein aus dem Montafon 400 gewesen sein. Der Hauptteil waren meist Buben von 10 bis 16 Jahren, die das Vieh der Bauern beaufsichtigten. Mädchen wurden als Kindermädchen verwendet. Wie überhaupt viele der Männer aus dem Tal im Sommer als Verputzer, Maurer, Stukkateure und Krautschneider in Süddeutschland, der Schweiz und in Frankreich Arbeit suchen mussten. Auch zusätzlicher Verdienst als Sensenhändler, Ährenleserinnen und Hirten im benachbarten Ausland wurde versucht.

Die Bevölkerung im Montafon war also arm und die Bevölkerugnszahl stagnierte. Gegenüber 7.442 Einwohnern im Jahr 1754 erhöhte sich die Zahl zwar langsam auf 8.669 im Jahr 1837, ging in den folgenden Jahrzehnten aber sogar wieder auf den Stand der 1750er Jahre zurück.

Dagegen gab es sehr wohl Reiche und deren Einkommen resultierte - wie der Autor am Beispiel der Vermögensaufstellung von Oswald Tschohl für das Jahr 1809 deutlich zeigt -, nicht die Landwirtschaft sondern das Kreditgeschäft.

MMag. Michael Kasper. Geb. 1980, Lehramtsstudien Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, Geographie und Wirtschaftskunde (2006) sowie Katholische Religion (2008) in Innsbruck. Seit 2007 Stipendiat und Projektmitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethnologie der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Regionalgeschichte Tirol und Vorarlberg, Sozialgeschichte, Geschichte der Neuzeit.

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[ #Nenzing ] Konrad Tiefenthaler: Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit "Neu Beginnen"

Der Eisenbahner Konrad Tiefenthaler aus Nenzing wurde als Mitglied der Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" von der Gestapo zu Tode gequält. 

Mitte der 1920er Jahre wurde Konrad Tiefenthaler (*26.11.1897 in Nenzing;† 6.8.1942 in Innsbruck) von Vorarlberg in die Bundesbahndirektion als Verwaltungsbeamter nach Innsbruck versetzt, weil er wegen seines Engagements in der Sozialdemokratischen Partei unliebsam aufgefallen war, als Eisenbahnergewerkschafter und Sozialdemokrat.Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er mit gekürzten Bezügen zwangspensioniert, da er als einer der führenden Eisenbahnergewerkschafter bekannt war. Tiefenthaler fand schließlich Verwendung im Vorstand des "Konsums".

Acht Tage lang saß er bereits als Häftling des Austrofaschismus im Landesgericht Innsbruck. Während des Austrofaschismus betätigte sich Tiefenthaler bei den Revolutionären Sozialisten im Untergrund und stellte Verbindungen mit Sozialdemokraten in Wien, Salzburg, Wörgl und Süddeutschland her und leistete Fluchthilfe über die Grenze in die Schweiz.

Neu Beginnen. Deshalb bemühte sich der bayrische Sozialdemokrat Waldemar von Knöringen (* 6.10.1906; † 2.7.1971) erfolgreich, ihn als Stützpunktleiter seiner antinationalsozialistischen Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" in Innsbruck zu gewinnen. Ab 1933 war von Knoeringen bereits Mitglied dieser Widerstandsgruppe und lebte von Vorträgen, die er größtenteils vor der Sozialdemokratischen Partei Österreichs hielt. Er musste nach der Ausschaltung der Demokratie durch Dollfuß und dem Verbot der Sozialdemokraten und Auflösung der Gewerkschaften aus Österreich in die Tschechoslowakei fliehen, wo er von Prag aus die Inlandsarbeit von "Neu Beginnen" leitete und die Widerstandsarbeit eines Netzwerkes von 13 Stützpunkten und Gruppen im bayerischen und österreichischen Raum koordinierte.

Im Dezember 1938 trat Tiefenthaler der NSDAP bei, engagierte sich aber weiterhin im Widerstand. Zunächst wurde er speziell über seine alten Gewerkschaftskontakte zu Eisenbahnern in Österreich und Deutschland aktiv, ab Herbst 1941 verstärkt in der Gruppe "Neu Beginnen".

Verhaftung und Tod. Im Frühjahr 1942 rollte die Gestapo von Salzburg her die Widerstandsgruppe auf. Es kam zu rund 200 Verhaftungen. Unter diesen war auch Konrad Tiefenthaler. Die Gestapo und verhaftete ihn am 2. Juli 1942 und brachte ihn ins Landesgerichtliche Gefängnis. In der Innsbrucker Gestapozentrale in der Herrengasse wurde Konrad Tiefenthaler gefoltert. Trotz Folter wird er im Gestapo-Bericht vom 8. Dezember 1942 noch immer als "fanatischer und verbohrter Gegner des Nationalsozialismus" bezeichnet. Bei einem dieser Verhöre dürfte er am 6. August 1942 zu Tode gequält worden sein. Als offizielle Todesursache wurde von den Nazi-Schergen Selbstmord durch Erhängen in seiner Zelle im landesgerichtlichen Gefängnis in Innsbruck angegeben.

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Montag, 26. Juni 2017

[ #Bludenz ] Jacobus Bedrotus Pludentinus

Jakob Bedrott (1495-1541) war ein Bludenzer Humanist und Reformator, der freilich aufgrund seines Glaubens nicht in Vorarlberg lehren konnte und schon gar kein Publikum für seine wissenschaftliche Arbeit gehabt hätte. Nach Studien in Wien und Freiburg dozierte er in Basel Griechisch und Latein als Graecae linguae professor, seit 1525 Griechisch in Strassburg, wo er 1529 Kanonikus am Thomasstift wurde.

Er war tief in die Reformation verstrickt und genoss hohes Ansehen. In Gesners Bibliotheca universalis wird er bereits aufgeführt. Er übersetzte die Predigt des Straßburger Reformators Martin Bucer "Das einigerlei Bild"in die lateinische Sprache, wovon dann später die Englische Übersetzung abstammt. Damit wurde sein Werk weit über den europäischen Raum hinaus verbreitet.

Die Schrift des Reformators Martin Bucer richtete sich nicht nur gegen jene Straßburger Bürger, welche mit der Entfernung der Bilder und Kruzifixe aus den Kirchen nicht einverstanden waren sondern war bemüht den Unfrieden, welche die wilde Bilderstürmerei geschaffen hatte, zu befrieden. Er rechtfertigte aber vor allem das Recht von Straßburgs Obrigkeit, die Entfernung der Bilder und Kruzifixe aus den Kirchen vorzunehmen.

Freilich besonders berühmt war er als Herausgeber von Aristoteles "Politik" der wichtigsten staatsphilosophischen Schrift des Aristoteles in der griechischen Sprache. Das Werk war so bedeutend, dass die amerikanische Kongressbibliothek (The Library of Congress) sein Buch, das im September 1535 in Basel erschienene Werk "Athēnaiou Deipnosophistōn biblia pentekaideka" noch heute beherbergt.

Jakob Bedrot (Pludentius) starb am 20.11.1541 im Zuge einer Pestepedemie.

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[ #Dornbirn ] YouTubeVideo von den Siegesfeiern im "braunen Nest" Dornbirn (April 1938)

Dornbirn galt als das sprichwörtliche braune Nest, der Einfluss der Nationalsozialisten weit überdurchschnittlich. 

Das hing vor allem damit zusammen, dass die NSDAP sehr massiv von den dortigen Industriellen unterstützt worden ist. Allerdings bleibt noch ungesagt, wo diese nach 1945 aktiv blieben.


Auf Youtube steht als ein zeithistorisches Dokument zur Vorarlberger NS-Geschichte ein Video von den braunen Siegesfeiern 1938 in Dornbirn. Dass die Nazis nicht nur in "Anderswo" gewesen sein sollen, wird damit deutlich. Noch wagt man sich öffentlich noch immer nicht an die Frage, wo denn diese Nationalsozialisten  vor 1938 "tätig" waren und wo und mit welcher Hilfe sie nach 1945 ihre Karriere fortsetzten.

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[ #Vorarlberg ] 100 Jahre Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI) - 1902 - 2002

[Free eBook] Die chronologische Übersicht gliedert sich in fünf Abschnitte: Sie beginnt mit dem "I. Internationalen Arbeiterfest" in Bregenz als Auftaktveranstaltung und beschreibt im weiteren Verlauf des ersten Abschnittes die Entwicklung der Organisation bis hin zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Der zweite Abschnitt widmet sich den Aktivitäten der "Arbeiter-Internationale" zwischen den Nachkriegsjahren und dem Beginn faschistischer Systeme in Deutschland und Österreich. Es folgen sodann exemplarische Darstellungen sozialdemokratischen Widerstandes am östlichen Bodensee während des "Dritten Reichs" bzw. des "Austro-Faschismus".

Im vierten Abschnitt werden die Wiedererrichtung der SBI und die Fortsetzung ihrer politischen Tätigkeit nach traditionellem Muster während des Zeitraumes von 1946 bis 1965 aufgezeigt.


Schließlich gibt der fünfte Teil Auskunft über eine sodann stattgefundene Umgestaltung des traditionsreichen ArbeiterInnenverbandes in einen modernen grenzübergreifenden sozialdemokratischen Regionalverband am Bodensee.

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Freitag, 23. Juni 2017

[ #Walgau ] Feige Feldkircher, wundergläubige Bludenzer, lüsterne Montafoner, trogne Walser,...

Der Verfasser des Gedichtes ist nicht bekannt.

Dr. Manfred Tschaikner vom Vorarlberger Landesarchiv, bekannt für seine Hexenforschungen, hat ein Spottgedicht über die Vorarlberger Gemeinden des Oberlandes - immerhin fast die ganze südliche Hälfte des Bundeslandes Vorarlberg - aus dem Jahre 1670 "ausgegraben".

Spott aus Schlins. Feige Feldkircher, wundergläubige Bludenzer, lüsterne Montafoner, trogne Walser. Der Verfasser des Gedichtes ist nicht bekannt. Offenbar handelt es sich aber um einen Bewohner von Schlins, wie Dr. Tschaikner aus dem Text schliessen will. Von Rankweil bis ins Montafon werden darin in zahlreichen Versen Vorurteile und Charakteren beschrieben. Manche scheinen sich bis heute gehalten zu haben!

Damülser Wahlrecht. Auch erfährt man, dass man damals in Damüls schon wählte - und wie! Mit Spott wird dabei nicht gespart. So wird beispielsweise den Damülsern ein besonderes Wahlverfahren bei der Wahl ihres Bürgermeisters nachgesagt: Die Damülser würden - sozusagen als vorbereitenden Wahlakt - einander die Köpfe mit Milch bespritzen. Danach werden die Fliegen zur Abstimmung geladen: Der Damülser auf den sich dann die meisten Fliegen setzen, sei als Amann (= Bürgermeister) dann gewählt. Es werden wohl die größeren Bauern mit dem größeren Misthaufen gewesen sein, die da zum Amann mit den vom Misthaufen mitgebrachten Fliegen gewählt wurden.

Dr. Manfred Tschaikner. Dr. phil., geboren 1957 in Bludenz, Studium der Geschichte und Germanistik in Innsbruck. Lehrer an höheren Schulen in Innsbruck und Bludenz. Seit 2002 ist Manfred Tschaikner wissenschaftlicher Archivar am Vorarlberger Landesarchiv und lehrt auch an der Universität Wien.

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Donnerstag, 22. Juni 2017

[ #Bodensee ] Eine bunte artenreiche Bodenseelandschaft

"Blühender Bodensee" will am Bodensee eine reich strukturierte, blühende und artenreiche Landschaft. Die Startaktion ist längst (ab)gelaufen. Doch das Anliegen ist geblieben. 

Eine blütenreiche und insektenfreundliche Landschaft ist nicht nur ökologisch wertvoller. Sie bietet auch mehr Lebensqualität für uns Menschen und einen attraktiven Mehrwert für Naherholung und Tourismuswirtschaft. Das Projekt "Blühender Bodensee" will dazu beitragen, dass Besucher und Bewohner am Bodensee eine reich strukturierte, blühende und damit artenreiche Landschaft vorfinden.

Artenschutz fängt vor der Haustüre an. Durch die Ausräumung und Versiegelung der Landschaft gehen viele Arten unwiederbringlich verloren. Intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz und Monokulturen tun ihr übriges. Doch auch viele Klein- und Ziergärtner dulden keine biologische Artenvielfalt. Möglichkeiten und Maßnahmen, wie die Bodenseelandschaft wieder bunter und attraktiver gestaltet werden kann, gibt es mehr als genug. Blühende Landschaften müssen nicht teurer sein als Einheitsgrün - blühende Äcker nicht unrentabler als Monokulturen.

Netzwerk Blühender Bodensee. Die Broschüre Netzwerk Blühender Bodensee gibt Tipps und Hinweise, was Landwirte und Gärtner, Kommunen, Straßenbauämter, Unternehmer und Gartenbesitzer für eine bunte Bodenseelandschaft machen können. Der Flyer steht hier zum Download bereit. Wer es ganz genau wissen will, den verweisen die Projektoren auf Handlungsempfehlungen und praxisorientierten Merkblätter.

[ #Bizau ] Barfußweg - Wanderung Bizauer Moos


In den letzten Jahren hat der Bregenzerwald sein Wanderangebot konsequent optimiert. Die 2.000 Kilometer Wanderwege sind alle einheitlich und nach dem Vorarlberger Wanderwegekonzept beschildert. Themenwege - wie der Barfußweg in Bizau - werden dabei immer beliebter.


Blasenfrei. Aber auch für den Schulausflug kann der Barfußweg ein lohnenswertes Ziel sein. Immer mehr Schulen ghenen aus Raumspargründen dazu über, die Kinder den ganzen Tagen in ihren Straßenschuhen zu lassen, da sind manche - nicht nur die preiswerten Modelle - echte "Schweißer". Erholung für die Füße tut gut, die "Entschleunigung" allemal und endlich ein Schulausflug ohne Blasen.

Entschleunigung. Auf Vorarlbergs erstem Barfußweg mit natürlich gewachsenem Untergrund findet man Erholung vom reizüberfluteten Alltag. Entlang des Ulvenbachs im Bizauer Moos, einem Jahrtausende alten Hochmoor, wird das beinah in Vergessenheit geratene Barfußgehen auf 1,2 Kilometern über die verschiedensten Strukturen der Bodenoberfläche neu angeregt.

Mit allen Sinnen. Eine Wanderung am Barfußweg in Bizau macht nicht nur Aktiv-Kneippern, auch Kindern und Eltern, Schülern und Lehrern gleichermaßen Spaß. Mit bloßen Füßen durch das jahrtausendealte Hochmoor im Bizauer Obermoos zu spazieren, schärft die Wahrnehmung mit allen Sinnen. Beim Beginn des Barfußweges gibt es keine Parkplätze, automobile Wanderer stellen ihr Auto im Dorfzentrum von Bizau ab. Man folgt dem Wegweiser "Moosrundweg" und erreicht nach nur zehn Minuten Gehzeit in südlicher Richtung den Barfußweg.

Moos. Moos meint hier natürlich keinen "Moosweg" im heutigen Sprachverständnis, sondern sumpfig, oder feucht, denn der Gattungsname "Moos" (Althochdeutsch, mittelhochdeutsch "mos") für "Moor" oder "Sumpf", also als Bezeichnung sumpfiger Wiesen-, Streu-, Waldbodens, als feuchtes, sumpfiges Land ist bei uns nicht mehr in Gebrauch.

10.000 Jahre. Angekommen beim Barfußweg werden erst einmal Schuhe und Socken ausgezogen und entweder mit den Schuhbändern verknüpft und über die Schultern gehängt oder im Rucksack verstaut. Genüsslich spaziert man die Ulve bachaufwärts, die das Naturjuwel mit frei pendelndem Lauf durchfließt. Es geht über artenreiche Feuchtwiesen und stärker vernässte Niedermoosflächen an den Rand der Hochmoorweiten. Von Zeit zu Zeit wechselt der Weg von einem Ufer der Ulve zum anderen, die Barfußwanderer folgen dem Wegverlauf auf den unterschiedlich weichen, mitunter aber auch rauen und spröden Oberflächen, 10.000 Jahre Erdgeschichte unter den Füßen. Vom Gletscherrückzug in der Nacheiszeit bis zur einmaligen Gartenkultur in den Moosäckern spannt sich der bemerkenswerte Bogen auf dem Weg durchs Moos. Nach etwa einer Stunde Hin- und Rückweg kann man - durch die angenehme Erfahrung der Wanderung am Barfußweg gestärkt - in Bizau die Socken und Schuhe wieder anziehen.

PS: Vorarlberg Tourismus vergab für den Barfußweg in Bizau 2006 den Vorarlberger Tourismuspreis.



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[ #Vorarlberg ] Vom Radio Free Xiberg zum Radio Proton

Die Idee freier Medien war in Vorarlberg in bestimmten soziokulturellen Gruppen seit den 70er Jahren präsent. Immer wieder gab es Printmedien, die als frei bezeichnet werden konnten, genannt seien die Schülerzeitungen "Die Rübe" und "Maniok", weiters eine Zeitschrift, die außerhalb des schulischen Kontext herausgegeben wurde und eher dem Umfeld der Jugendzentren zuzuschreiben ist, nämlich "Alphorn", und schließlich "Sub - das magazin", ein Zeitungsprojekt des Vereines A.K.W. (Autonome Kultur- und Wohnwerkstatt), das seit 1995 erscheint. Allen anderen Versuchen, eine unabhängige Zeitschrift im Vorarlberger Medienwald zu platzieren, war ein äußerst kurzes Leben beschieden. Unter den Herausgebern der genannten Zeitungen finden sich Namen wie Hans-Peter Martin, Ehrenfried Natter, Reinhard Johler, Christian Zillner, Markus Barnay oder Stefan Sagmeister.

Anfang der 1990er Jahre im Umfeld von Bernhard Amann wurde schließlich die Idee des freien Radios angegangen. Dies führte zum Betrieb von bis zu fünf Piratensendern, jeweils eine Stunde wöchentlich. Die Piratenradios waren in allen vier politischen Bezirken tätig und agierten als unabhängige Gruppen. Aufgrund der Illegalität erfolgte jedenfalls die Niederschlagung der freien Piratenradios.

Proton - Webradio aus Vorarlberg - Sendestart 31.03.1999.  Proton - das freie Vorarlberger Radio ist ein freies, nicht kommerzielles Lokalradio. Bei Proton - das freie Radio arbeiten Menschen aus verschiedenen Generationen und Kulturen. Alle ModeratorInnen von Proton - das freie Radio arbeiten ehrenamtlich. Ihr Luxus ist, dass sie sagen dürfen, was ihnen auf der Zunge brennt, solange sie nicht gegen das Gesetz oder die Charta der Freien Radios (kein Sexismus, kein Faschismus, keine Anfeindung fremder Völker) verstoßen.

On Air und im World Wide Web. Proton - das freie Radio sendet in verschiedenen Sprachen, von Türkisch über Spanisch bis Kurdisch, und natürlich auch in deutscher Sprache und in Vorarlberger Dialekt. Damit sind wir eines der wichtigsten interkulturellen und internationalen Projekte der Region Vorarlberg. Seit dem Sendestart hat sich die technische Situation natürlich laufend verändert. Mit dem Internet hat sich auch die Beschränkung auf Sendelizenzen erledigt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Mittwoch, 21. Juni 2017

[ #Vorarlberg ] Vorarlbergisch für den Urlauber



Das Bemühen, sich den Gästen und den zugereisten Hinterdemarlberger heimische Sprache verständlich zu machen, ist löblich.

Auf der Homepage des Gemeindeamtes Dalaas / Wald am Arlberg (am Arlberg ist Gemeinde und Tourismusbüro fast immer dasselbe) findet sich ein knapper Kurs für "Vorarlbergisch für den Urlaub". Das Bemühen, sich den Gästen und den zugereisten Hinterdemarlberger heimische Sprache verständlich zu machen ist löblich.

Gsi-Seite. Doch dürfte dies angesichts der Urlauberkarawanen und der Sprach- und Definitionsmacht der Medien vielleicht zu spät kommen, aber immerhin wird liebevoll das Gsibergerische bewahrt, wie "Mörtel" Lugner seine Mausi auf Vorarlbergisch nennen würde: Statt Mausi hieße das "Müsle", eventuell auch Schätzle oder Wible.

Ostösterreicher - Innerösterreicher - Vorarlberger. Dass es in Vorarlberg auch für tagtägliche Produkte wie Kartoffeln oder Erdäpfel (Grumpara) andere Bezeichnungen gibt als in Hinterdemarlberg ist vielleicht der älteren Generation noch bekannt. Der Vorarlbergische Begriff wird dem innerösterreichischen hier gegenübergestellt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒

Sonntag, 18. Juni 2017

[ #Bregenzerwald ] Bregenzerach - Lebensader des Bregenzerwaldes

Die Bregenzerach als wichtiger Teil Vorarlbergs, gibt Identität und wirkt als Symbol für wertvollen Lebensraum. 

2005 fielen im Bregenzerwald die höchsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese führten zu einem Hochwasser, wie es bisher noch nie beobachtet wurde.

Mit einem Einzugsgebiet von 830 km² und einer Länge 68,85 km (Stand 2012 lt. Land Vorarlberg) ist die Bregenzerach der wichtigste Gebirgsfluss im Norden Vorarlbergs. Sie entspringt an der Ostflanke der Mohnenfluh (Mohnensattel) oberhalb von Schröcken im Lechquellengebirge in 2300 Metern Höhe und entwässert mit ihren Zuflüssen den Nordteil des Lechquellengebirges, den Westteil der Allgäuer Alpen sowie große Teile des Bregenzerwaldgebirges in Richtung Nordwesten.
 

Der Fluss bildet zahlreiche Tobel, in einem tiefeingeschnittenen Engtal fließt er vom Hochtannberg an den Vorderwald, bildet im Unterlauf die südliche und westliche Stadtgrenze von Bregenz und mündet unweit des Klosters Mehrerau in den Bodensee.

Lebensader. Auch die Besiedelung des Bregenzerwalds orientiert sich an dem Fließgewässer: Nahezu alle Gemeinden des Bregenzerwalds liegen im Tal der Bregenzer Ach oder im Tal einer ihrer Nebenflüsse. Die Bregenzerwaldstraße folgt ab Egg im weitesten Teil ihres Verlaufs durch den Bregenzerwald dem Flusslauf. Von Bregenz bis Bezau orientierte sich zudem die Trasse der Bregenzerwaldbahn bis zu ihrer Stilllegung an dem Flusslauf. Die Bregenzerach ist damit Lebensader für die gesamte Region. Deshalb sind auch Fragen der Freizeit- und Erholungsnutzung wichtige Anliegen: Fischerei, Nutzung der Energie für Wasserkraftwerke, Badegewässer, Freizeitraum, etc. Nach etwa 68 km Flusslauf mündet die Bregenzer Ach als Gemeindegrenze zwischen der Landeshauptstadt Bregenz und der Marktgemeinde Hard in den Bodensee. Als wichtigste tributäre Zuflüsse sind die Rotach und die Weißach (mit Bolgenach) sowie die Subersach zu erwähnen.

Vorarlberg ist ein wasserreiches Land. Wasser ist auch unser einziger relevanter Bodenschatz. Die zahlreichen Gewässer sind wertvolle Lebensadern der Vorarlberger Landschaft, einzigartige Natur- und Erholungsräume. Der Schutz vor Hochwasser ist eine Grundlage für die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung. Im August 2005 fielen im Bregenzerwald die höchsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese führten zu einem Hochwasser, wie es bisher noch nie beobachtet wurde. Nach diesem Ereignis von 2005 wurde ein Bündel von Sofortmaßnahmen für den Schutz der Gemeinden entwickelt und größtenteils bereits umgesetzt.

Als Vorarbeiten wurde im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung eine umfangreiche Dokumentation und Bewertung der Ursachen, Schäden und Auswirkungen für das gesamte Landesgebiet erstellt.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
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Land Vorarlberg: „Lebensader Bregenzerach – von Schoppernau nach Egg“

1. Vorwort 4
2. Einbettung des Projektes 5
2.1. Auszüge aus der „Wasserwirtschaftsstrategie des Landes Vorarlberg 2010“ 5
2.2. Leitsätze aus „Vision Rheintal, Fachteam Freiraum und Landschaft, Ergebnisse“ 6
2.3. Auszüge aus „Fließgewässer in Vorarlberg, Gewässerstrukturen  Erfassen – Bewerten – Darstellen“ 7
3. Die Bregenzerach im Wandel 8
3.1. Schoppernau 11
3.2. Au 14
3.3. Schnepfau 18
3.4. Mellau 21
3.5. Reuthe / Bezau 25
3.6. Andelsbuch / Schwarzenberg 29
3.7. Egg 34
4. Zugänglichkeit und Wege 38
4.1. Schoppernau 39
4.2. Au 39
4.3. Schnepfau 40
4.4. Mellau 40
4.5. Reuthe / Bezau 41
4.6. Andelsbuch / Schwarzenberg 41
4.7. Egg 42
5. Naherholungsnutzung der Bregenzerach aus Sicht der Gemeinden 43
5.1. Schoppernau 43
5.2. Au 44
5.3. Schnepfau 44
5.4. Mellau 45
5.5. Reuthe 46
5.6. Bezau 48
5.7. Andelsbuch 48
5.8. Schwarzenberg 49
5.9. Egg 50
6. Naherholungsnutzung der Bregenzerach aus Sicht von lokalen Institutionen / Interessensvertretungen 52
6.1. Gesundheit 52
6.2. Familienverband 54
6.3. Tourismus 55
6.4. Feuerwehr 57
6.5. Stromproduzent VKW 57
6.6. Fischerei 59
6.7. Ökologische Begleitung 60
6.8. Sicherheit 61
7. Zusammenfassung 64
8. Vorschlag einer Vision für die Lebensader Bregenzerach 66
9. Anhang 67
9.1. Kontaktierte Personen und Institutionen 67
9.2. Stellungnahme Hochwasserschutzprojekt Bregenzerach in Au 70