Sonntag, 7. April 2019

[ #Vorarlberg ] Der Dreißigjährige Krieg: Die Schweden in Vorarlberg


Den europäischen Kontext zum "Schwedeneinfall in Vorarlberg" bildete der in seine letzte Phase (1635-1648) gekommene 30jährige Krieg, der Hegemoniekampf zwischen den erzkatholischen Herrschern von Spanien und Frankreich. Der Krieg war also längst keine religöse Auseinandersetzung mehr, sondern eine Auseinandersetzung um Macht und Einfluss in Europa und der (kolonialen) Welt. 

Noch im Jahr vor dem Westfälischen Frieden, im Jänner 1647 waren die Schweden als Besatzer nach Vorarlberg gekommen. Nicht ohne Grund, denn Kirche und Adel aus dem süddeutschen Raum hatten schon reichlich Vermögen in Vorarlberg in Sicherheit gebracht.

Der schwedische Oberbefehlshaber Carl Gustav Wrangel marschierte am  4. Januar 1647 in Bregenz ein und ließ im folgenden Vorarlberg plündern. Der Wert der Beute sei enorm gewesen. Die Sage vom Goldenen Kegelspiel in Hohenems deutet ja eben auch darauf hin. Die Besatzung und der Raubzug waren jedoch nur von kurzer Dauer. Weniger wegen der Wehrhaftigkeit der Vorarlberger, sondern der allgemeinen Kriegsmüdigkeit. Schon am 18. Februar 1647 wurde in Osnabrück der kaiserlich-schwedische Vorvertrag zum Westfälischen Frieden unterzeichnet. Bevor sich die Schweden allerdings wieder aus Vorarlberg zurückzogen, sprengten sie das Schloss Hohenbregenz.

Das goldene Kegelspiel vom Hohenemser Schlossberg. Die Niederlage gegen die protestantischen Schweden wurde von der katholischen Gegenreformation in einer Sage verbrämt. Die an sich verständliche Übermacht der Schweden konnte dort nur durch Verrat siegen.

Es entstand die Sage vom „Goldenen Kegelspiel“ und dem Klushund. Ein "Verräter" soll dem schwedischen General Wrangel und seinen Leuten den Weg über den Pfänder gezeigt haben, damit die Stadt vom Berg her eingenommen werden konnte. Der schwedische General Wrangel habe dem Verräter für seine Tat das goldene Kegelspiel vom Hohenemser Schlossberg versprochen. Der Sage nach muss nun dieser  für seine Freveltat ewig als dämonische Tiergestalt, als großer schwarzer Hund mit tellergroßen leuchtenden Augen auf der ehemaligen Römerstraße am Bergrand von Norden nach Süden durchs Land laufen. Eine Begegnung mit dem bedrohlichen Untier bringt in den Sagen Krankheit, Leid oder Plage.

Die Sage von der Schlacht an der Roten Egg.  Die andere Schwedensage klingt zu schön nach Emanzipation und ist doch nichts als ein "Text aus der österreichischen katholischen Volksfrömmigkeit", nach der es aber ebenso fromm schien die protestantischen Schweden von Frauen so massakrieren zu lassen, dass sich die Egg rot färbte. Wehrhafte Bregenzerwälderinnen sollen danach Ende des Dreißigjähriges Krieges in der später benannten Schlacht "an der Roten Egg" in weißen Juppen feindliche Schweden vertrieben haben. Angeblich hielten die Gegner die weiß gekleideten Frauen für himmlische Wesen. Den Frauen erschien die erfolgreiche Vertreibung im Nachhinein als göttliches Wunder und die gelobten, "zum Danke die weißen Kleider abzulegen und gegen dunklere umzutauschen". Die Sage verweist vermutlich auf die naturfarbenen Gewänder der Bregenzerwälderinnen, Vorläufer der weißen Baumwolljuppe.

Wilhelm Raabe: Der Marsch nach Hause. Wilhelm Raabe (1831-1910), norddeutscher Zeitgenosse von Franz Michael Felder,  berühmter Schriftsteller des deutschen Realismus und scharfer Zeitkritiker, hat in seiner historischen Erzählung „Der Marsch nach Hause” (1870)  die Sage von der Schlacht an der roten Egg verarbeitet. Er erzählt darin die Geschichte  zweier schwedischer Soldaten im 30jährigen Krieg: Einer davon, Sven Knudson Knäckabröd, wird in der Schlacht an der Roten Egg Kriegsgefangener der Taubenwirtin Fortunata Madlener in Alberschwende; nach 26 Jahren bricht er wieder nach Norden auf. Raabe schrieb diese Novelle 1869 nach einer Durchreise durch Vorarlberg und das Bodenseegebiet.  Eine Geschichte von neu gefundener Heimat, Frieden und Auskommen, der Verführung durch patriotische Wahnbilder, einer törichten Flucht aus dem „Paradies”, dem Suchen und Finden der alten Heimat, der bitteren Enttäuschung von derselben und schließlich reumütiger Heimkehr.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Samstag, 6. April 2019

[ #Vorarlberg ] Praktisch, aber anstößig - Skihasen in Skihosen

Bild: Trude Jochum-Beiser 
* 2. 9. 1927 Lech /Vorarlberg, Skisportlerin. Erste österreichische Olympiasiegerin im alpinen Skisport . 1948 Olympische Winterspiele/St. Moritz Schweiz/Kombination Gold und 1952 Olympische Winterspiele/Oslo Norwegen/Abfahrt/Gold.

In den 1930er Jahren standen im Vorarlberger Landesschulrat die Skihosen zur Diskussion. 

In den 1930er Jahren standen auch im Vorarlberger Landesschulrat die Skihosen zur Diskussion. Dürfen die Mädchen aus den Schulen der Berggemeinden ausnahmsweise Hosen tragen? Frauen in Hosen galten lange Zeit als Tabubruch, ja als "erotische Sensation". Sie brachten vermeintlich Männer in Wallung und angeblich auch deren Frauen in Rage.In Wirklichkeit ging es nicht um "Maskulierung" der Frauen oder um die Emanzipation der Frauen, es ging um die religiös verbrämte Vorrangstellung des Mannes.

Modefrei. Denn die Mode dürfte kaum solche Wallungen bewirkt haben, schon gar nicht die "selbstgestrickten" Skihosen von armen Bergbauernmädchen. Die Mädchen mit Gamaschen und Breecheshosen, Eschenbrettern ohne Stahlkanten und mit Haselnusstock! Die Erfahrung der Menschen damit entsprach wohl eher jener zeitgenössischen deutschen Zeitungsmeldung: "Die Damen sind alle vermännlicht, kaum dass man sie von den Männern unterscheiden kann. Eleganz und weiblicher Charme gewinnen nicht durch diese Maskulinisierung.“

Landesschulrat. Der amtierende Landesschulinspektor Heinrich Winsauer vertrat im Kollegium die  Auffassung, dass die Skihose für Mädchen bei Ausübung des Skisports "vom gesundheitlichen und  ästhetischen Gesichtspunkte aus  die angebrachte Kleidung sei" und beantragte, in Berggemeinden den Mädchen, die die weiten Schulwege auf Skiern zurücklegen, auch in den Klassen das Tragen von Skihosen zu gestatten, zumal keine Umkleidemöglichkeit bestehe.

Kirche. Damit löste Winsauer keine Euphorie aus. Im Landesschulrat gab es Bedenken.  Landeshauptmann Dr. Otto Ender war erst im Dezember 1930 zum  österreichischen Kurzzeit-Bundeskanzler berufen worden, kehrte jedoch im Juli 1931 schon wieder in die Landesregierung zurück. Unter dem konservativen und wenig demokratiefreundlichen Landeshauptmann war kein Platz für solche Reformen, schon gar nicht gegen die Zustimmung der Kirche. Ender war ein Befürworter der obrigkeitlichen Zensur und hatte willkürlich und gegen die österreichische Bundesverfassung die Zensur im Vorarlberger Kino wieder eingeführt.

Politik. Der Landesschulrat war da auch keine Ausnahme, sondern wachte wohl mehr über die Einhaltung der Moral und Disziplin als er am Fortgang der Bildung der Vorarlberger Jugend interessiert war. Keine gänzlich unbekannte Erscheinung auch in der heutigen scheinbar modernen Zeit. So beschloss der Landesschulrat auch, eine Stellungnahme der Apostolischen Administratur Feldkirch einzuholen. Bischof Sigismund Waitz ließ draufhin ausrichten, dass er Skihosen für Schulmädchen als keine dringende Notwendigkeit erachte und die kirchliche Behörde durch eine Befürwortung der Skihose als Schulkleidung nicht dazu beitragen möchte, dass sich ein  solcher Usus mit ihrer Zustimmung  einbürgere. Das hatte Gewicht. Der Landesschulrat sagte untertänigst und prompt gegen jedwede sachliche Begründung und gesundheitlicher Rücksichtnahme nein.

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Samstag, 30. März 2019

[ #Vorarlberg ] Österreichischer Baumartenatlas: Bestandskarten auch für Vorarlberg


Es gibt 3,4 Mrd. Bäume mit 65 verschiedenen Baumarten in Österreichs Wäldern.


Das Institut für Waldinventur hat einen Baumarten-Atlas erarbeitet, in dem die häufigsten Baumarten, getrennt nach Laub- und Nadelbäumen, vorgestellt werden. Die Spitzenreiter sind: Fichte mit 2 Milliarden Bäumen, gefolgt von Rotbuche mit 326 Millionen und Weißkiefer mit 193 Millionen.

Von jeder Baumart werden Erscheinungsbild, Biologie und Vorkommen vorgestellt. Die räumliche Verteilung kann für Gesamtösterreich oder für jedes Bundesland einzeln abgefragt werden, die Zusammenstellung erfolgte anhand der Daten der Österreichischen Waldinventur.
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!
[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Donnerstag, 14. März 2019

[ #Bregenzerwald ] Die wichtigsten Talschaften Vorarlbergs im Sachunterricht: Der Bregenzerwald


Bregenzerwald ist die Bezeichnung für eine Region Vorarlbergs. 

Der Bregenzerwald ist die größte eigenständige Talschaft Vorarlbergs. Er umfasst das Einzugsgebiet der Bregenzerach von ihrem Ursprung im Bereich der Braunarlspitze und der Mohnenfluh bis zum Eintritt in das Rheintal. Kurz und vereinfacht gesagt: Vom Bodensees bis an den Hochtannbergpass.
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

Dienstag, 12. März 2019

[ #Hard ] NS-Restitution: Rupp versus Alma


Ein Lehrbeispiel über die Kontinuitäten undemokratischer Vorarlberger politischer Eliten.

Die Nazigeschichte Vorarlbergs beschäftigte Vorarlberg noch einmal ganz merkwürdig und das rechtsstaatliche und demokratische Bekenntnis der Vorarlberger Politik schienen schon wieder einmal gescheitert. Erst der Oberste Gerichtshof aus dem im politischen Vorarlberg ungeliebten Wien stellte wieder die Verhältnisse in Recht und Ordnung.

Am 13. Februar 1947 droht der Präsident der Vorarlberger Landwirtschaftskammer Karl Zerlauth (*1894; †1967 ) Josef Rupp an, dass für den Fall eines Rückstellungsverfahrens wegen des Schmelzwerkes in Lochau, des ihm durch die Nazis zu Unrecht entzogenen Eigentums zugunsten der Käsereigenossenschaft ALMA, dass der Landeshauptmann Ilg ihn diesmal schon "bücken würde".

Tatsächlich intervenierte Landeshauptmann Ilg sichtlich wider besserem Wissen um die tatsächlichen Verhältnisse im Ministerium, offenbar in der verqueren Meinung, man könnte noch immer (oder schon wieder) durch willkürliches Verwaltungshandeln die unabhängige Gerichtsbarkeit ausschalten.

Zerlauth selbst war nicht nur Bauernkammerpräsident sondern Landtagsabgeordneter, Mitglied der Landesregierung Ilg und Regierungsreferent für Ernährungsfragen. In den hungrigen Nachkriegstagen ein mächtiger Mann. Selber hatte er sowenig wie Ilg eine demokratisch weiße Weste. Am 14. November 1934 wurde Karl Zerlauth aufgrund der diktatorischen Maßnahmen des austrofaschistischen Ständestaats zum Landtagsabgeordneten ernannt, nachdem man den wirklich gewählten Abgeordneten die Mandate entzogen hatte! Ilg wiederum war ja zu Zeiten des Austrofaschismus nicht nur kurzfristig Staatssekretär unter Dollfuß sondern auch Landesbauernführer.

1908 wurde die Firma Rupp als Käsewerk in Lochau gegründet. 1921 wurde die Alma-Käse-Fabrik als Genossenschaft in Hard gegründet. Der Schwerpunkt der beiden Firmen lag in der Schmelzkäseerzeugung. 1937 hatte Rupp ein neues Schmelzkäserwerk errichtet, das im Juni 1938 an die Bauerngenossenschaft Alma verkauft werden musste, weil die Nationalsozialisten einen Betrieb verweigerte. Nach 1945 bemühte sich der alte Eigentümer Josef Rupp um die Rückstellung seines Betriebes.

Die Bauerngenossenschaft, die sich jeweils durch den Austausch einiger Spitzenfunktionäre für jedes gerade aktuelle System politisch umfärbte, ging bis in die höchste Instanz und hatte auch die Politik und die landwirtschaftlichen Verbände auf ihrer Seite. Man argumentierte in der traditionellen pseudoantikapitalistischen Ideologie des Austrofaschismus wie des Nationalsozialismus: Der "Betrieb einer Bauerngenossenschaft" darf nicht einem Privatunternehmer in die Hände fallen.

Landeshauptmann Ilg hatte gar noch gerügt, dass die Landesregierung "übergangen" worden sei, wiewohl es sich um einen Rechtsstreit und nicht um eine politische Verwaltungshandlung handelte. Die Umstände der Transaktion spielten bei diesen Überlegungen vorsätzlich keine Rolle, allerdings spielten sie ihm Rahmen des Verfahrens vor der Rückstellungskommission sehr wohl eine, denn glücklicherweise hatte das wiedererstandene Österreich doch bereits eine funktionierende rechtsstaatliche Justiz. In diesem Verfahren setzte sich nach drei Jahren der Antragsteller Josef Rupp vor der obersten Rückstellungskommission beim OGH durch und es wurde ihm bestätigt, dass es sich bei der Transaktion im Juni 1938 um keinen „redlichen Erwerb“ durch die Firma Alma, sondern um eine Vermögensentziehung gehandelt habe.

Der latente Streit zwischen der politisch verwalteten "Genossenschaft" ALMA und dem privatwirtschaftlichen Unternehmen Rupp endete schließlich 2008 endgültig: Im Jänner übernahm Rupp die Firma Alma, deren standespolitisches Management nun endgültig gescheitert war und damit dem bäuerlichen Genossenschaftsgedanken den Todesstoß versetzt hatte.  Dabei hatte der Genossenschaftsgedanke einen großen Vater. Auf Initiative von Franz Michael Felder gründeten eine Handvoll entschlossener Bauern 1860 den „Landwirtschaftlichen Käseverein Bezau“. Gemeinsam wollte man das Monopol der sogenannten „Käsegrafen“ beenden. Das war freilich eine gänzlich andere Idee von Genossenschaft gewesen.

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Montag, 11. März 2019

[ #Vorarlberg ] Natur und Landschaft in Vorarlberg


Eine tolle Website füllt eine Lücke im ansonsten vorwiegend touristisch orientierten Informationsangebot über Vorarlberg.

Trotz einer Fläche von nur 2600 km² weist Vorarlberg eine erstaunliche Landschaftsvielfalt auf. Diese Vielfalt resultiert aus den unterschiedlichen naturräumlichen Verhältnissen und dem Nutzungseinfluss des Menschen. Vom Bodensee auf 396 m über Meer bis zum 3312 m hohen Piz Buin sind auf einer Nord-Süd-Distanz von etwa 80 km praktisch alle wichtigen alpinen geologischen Einheiten zu finden: Der Nordteil des Landes zählt zur Molasse; daran schließen Helveticum und Flyschzone an. Südlich des Klostertales schließlich beginnen die Zentralalpen.

Der Großteil der 350.000 Einwohner lebt im Talgebiet, also im Rheintal und Walgau. Hier zeigt sich der Nutzungsdruck auf die Landschaft am deutlichsten. Trotzdem blieben auch im Tal wertvolle Lebensräume erhalten – oft in unmittelbarer Nachbarschaft zu Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen. Kaum vom Menschen beeinflusste Lebensräume beschränken sich weitgehend auf die Hochgebirgslagen.

Eine vom UMG Umweltbüro Grabher verdienstvoll geschaffene tolle Website füllt eine Lücke im vorwiegend touristisch orientierten Informationsangebot über Vorarlberg.

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Donnerstag, 7. März 2019

[ #Vorarlberg ] Die verfassungsrechtliche Position der Gemeinden in Vorarlberg

Die einzelne Gemeinde hat nach Österreichischen Bundesverfassung und auch nach den Landesverfassungen keinen Bestandschutz. 

Zwar ist die Gemeinde als Institution bundesverfassungsrechtlich vor der Abschaffung – an  die ohnehin niemand denkt – geschützt, der Bestand der einzelnen Gemeinde ist jedoch maßgeblich vom Willen des einfachen Gesetzgebers abhängig.
Zwangsweise Gemeindeauflösungen und Gemeindefusionierungen sind nach dem geltenden Verfassungsrecht ohne weiteres möglich. Die Organisation und die Aufgaben der Gemeinden sind in Österreich bundesverfassungsrechtlich detailliert geregelt. Dies stellt an sich eine bundesstaatliche Anomalie dar, die nur historisch erklärbar ist.
Ein Blick in die Verfassungen unserer bundesstaatlichen Nachbarn zeigt, dass das Gemeinderecht in weitem Umfang dem gliedstaatlichen Gesetzgeber übertragen ist. Daher findet sich in den bundesstaatlichen Verfassungen unserer Nachbarstaaten im Wesentlichen lediglich die kommunale Bestandsgarantie, die Bundesverfassungen enthalten sich jedoch detaillierter Aussagen über Funktion und Organisation der Gemeinden. Aus den Materialien zur B-VG-Novelle 1962 ergibt sich deutlich, dass die österreichischen Gemeinden diesen bundesstaatstypischen Weg nicht gehen wollten.

Der Österreichische Gemeindebund und der Österreichische Städtebund, die die Gemeindeverfassungsnovelle 1962 inhaltlich weitgehend vorbereitet hatten, wollten die Gemeinden in der Bundesverfassung und nicht in den Landesverfassungen verankert wissen, da sie nicht allein den Ländern „ausgeliefert“ sein wollten.


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Samstag, 2. März 2019

[ #Vorarlberg ] Franz Josef Vonbun: Volkssagen aus Vorarlberg als Retrodigitalisat


Franz Josef Vonbun (* 28. November 1824 in Laz (Nüziders); † 17. März 1870 in Schruns) war ein österreichischer Arzt, Mundartdichter und Sagensammler. 

Als sechstes Kind von Franz Josef und Katharina Vonbun, geborene Martin, wurde er mit 4 Jahren in die Obhut seines Vetters Johann Martin in Raggal gegeben. Dort besuchte er die Dorfschule und lernte Latein beim Pfarrer Johann Baptist Rinder. Dieser veranlasste auch die Aufnahme in das Gymnasium in Feldkirch im Herbst 1836. 1842 bezog er das Lyzeum in Innsbruck, um sich der Philosophie zu widmen.

1844 ging er an nach Wien um dort Medizin zu studieren, wechselte 1848 an die Universität München und kehrte 1849 wieder nach Wien zurück, um dort zu promovieren. Er ließ sich kurzzeitig in Feldkirch als Arzt nieder, zog aber 1850 wegen fehlender Praxis nach Schruns um. Er war mit Lukrezia Wolfinger aus Balzers verheiratet. 

Ländle. Ihm verdanken wir die erste Sammlung der Sagen und Märchen aus Vorarlberg. Dieser verdanken wir auch die wohlwollende Bezeichung "Ländle" für Vorarlberg. Der älteste bislang bekannte Beleg für den liebevoll gemeinten Ausdruck „Ländle“ stammt aus den  1847 veröffentlichen „Volkssagen aus Vorarlberg“. Dort heißt es, eine prächtige Alpe im Brandnertal, worüber sich heute der Gletscher erstrecke, sei vormals „em ganza Ländle“ gerühmt worden.

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Donnerstag, 21. Februar 2019

[ #Feldkirch ] Feldkircher Katzenturm: Größte Glocke Vorarlbergs


Vorarlbergs größte Glocke befindet sich im Katzenturm. 

Vorarlbergs größte Glocke ist im Feldkircher Katzenturm, einem Wehrbau, errichtet um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Katzenturmglocke ist die sechstgrößte Glocke Österreichs und ist Eigentum der Stadt Feldkirch. Ursprünglich auch "Dicker Turm" genannt, weil er anfangs in Umfang und Höhe gleich stark war.

Der achtgeschossige runde Turm wurde unter dem Habsburger Vogt Hans von Königsegg in den Jahren 1491 bis 1507 während der Herrschaft des deutschen Königs Maximilian I, errichtet und war als Wehrturm ein wichtiger Teil der Stadtbefestigung. 


Schwabenkrieg. Aber schon während des Baues wurde ein Stockwerk hinzugefügt, wohl unter dem Eindruck des Schwabenkrieges von 1499. Der Schwabenkrieg oder Schweizerkrieg war ein von Januar bis September 1499 dauernder kriegerischer Konflikt zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Haus Habsburg-Österreich mit seinem massgeblichen Verbündeten, dem Schwäbischen Bund, um die Vorherrschaft im habsburgisch-eidgenössischen Grenzgebiet, den die Eidgenossen militärisch gewannen.

Katzen. Der Name Katzenturm leitet sich vermutlich von einer Art von Wurfmaschinen (Kanonen, Katzen) ab die im Turm aufbewahrt wurden. Die Zielvorrichtungen der Kanonen sollen aus einer Art Löwenköpfen bestanden haben. Seit 1665 wurde der Katzenturm nach Entfernung der Zinnen und der Erhöhung um ein weiteres Stockwerk in einen profanen Glockenturm umgestaltet und heute läutet darin die größte Glocke Voralbergs. Mit der 1857 von Josef Anton Grassmayr gegossenen Glocke im Katzenturm besitz Feldkirch zugleich eine der bedeutendsten Glocken des 19. Jahrhunderts in Österreich. So werden beim Läuten nun Massen von 8450 kg Glockengewicht, je rund 800 kg Gewicht des Holzjoches und 450 kg des Klöppels bewegt.

Glockengeläute. Seit über 150 Jahren läutet die Große Glocke im Feldkircher Katzenturm das neue Jahr ein. Sie wird traditionell jeden Freitag um 15 Uhr geläutet. Weiters wird sie bei zahlreichen kirchlichen Anlässen vor und an hohen Feiertagen wie Allerheiligen, Weihnachten, Silvester, Neujahr, Erstkommunion, Fronleichnam, beim Tod hoher Persönlichkeiten, zum Beginn der Weinlesen auf dem Ardetzenberg und der Schattenburg.

Josef Anton Grassmayr. Die Katzenturmglocke ist die sechstgrößte Glocke Österreichs und ist Eigentum der Stadt Feldkirch. Die ursprünglich 1665 gegossene Glocke wurde zuletzt 1857 von Josef Anton Grassmayr umgegossen. Aus dieser Zeit stammt ebenfalls der Holzglockenstuhl. Die Anlage musste allerdings nach Plänen des Bundesdenkmalamtes 2010 erneuert werden, dabei wurde das Stahljoch durch ein neues Holzjoch ersetzt und die Glocke bekam einen neuen Klöppel, da der alte schon mal geschweißt wurde. Auch der Klöppelfänger, den die Glocke vorher hatte, wurde entfernt. Die Anlage wurde von der Firma Perner in Passau erneuert

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[ #Fußach ] Naturschutzgebiet: Rheindelta - Rohrspitz - Rheinspitz

Als Rheindelta wird das dreieckförmige Gebiet bezeichnet, das aufgrund der Rheinregulierung zwischen dem ursprünglichen Alten Rhein (Grenze Österreich-Schweiz), dem Neuen Rhein und dem Bodensee entstanden ist.

Feucht- und Vogelbrutgebiet. Das Naturschutzgebiet Rheindelta in Vorarlberg ist das größte Feuchtgebiet am Bodensee und reicht von der Mündung des alten Rheines an der Schweizer Grenze über die Mündung des neuen Rheines bis zur Dornbirner Ach in Hard. Es liegt auf den Gemeindegebieten von Höchst, Fußach, Gaißau und Hard und hat eine Fläche von ca. 2.000 ha. Da auch die angrenzenden Wasserflächen unter Schutz gestellt wurden, sind knapp zwei Drittel des rund 2000 ha großen Schutzgebietes Teil des Bodensees. Die Naturschutzaktivisten zählen im Naturschutzgebiet Rheindelta rund 3000 Tier- und Pflanzenarten. Europaweite Beachtung hat das Rheindelta als ein bedeutendes Brut- und Rastgebiet für rund 330 Vogelarten.


Mensch und Natur. Zwei Eingriffe haben bis heute großen Einfluss auf das Schutzgebiet: Die Regulierung des Alpenrheins und die Eindeichung. Seit 1900 wird der Rhein durch den Fußacher Durchstich in die Harder-Fußacher Bucht geleitet, was zu großflächigen Veränderungen geführt hat. Und seit der Eindeichung Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre wird der Wasserstand in einem rund 250 ha großen Teilbereich des Schutzgebietes künstlich reguliert, wodurch sich Vegetation und Fauna negativ verändert haben.

Natura Trail Rheindelta. Im Rheindelta wurde am 6. Juni 2010 ein Naturatrail der Naturfreunde eröffnet. Der Natura Trail soll das Naturerleben im Gebiet fördern und zugleich die lokale Bevölkerung wie auch Gäste für gefährdete Arten und Lebensräume sensibilisieren und zu einem bewussten und rücksichtsvollen Aufenthalt in der Natur animieren.

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[ #Lustenau ] Lustenauer Familienbuch online


Das dreibändige Werk der Autoren Prof. Dr. Franz Stetter und Siegfried König das erst im März 2012 (Auflage: 500 Stück) erschienen war, scheint bereits ausverkauft.  Man kann aber auch online "zugreifen".

Das dreibändige Werk der Autoren Prof. Dr. Franz Stetter und Siegfried König das erst im März 2012 (Auflage: 500 Stück) erschienen war, ist bereits ausverkauft. Eine Neuaflage sei auch nicht geplant. Nur noch wenige Restexemplare sind erhältlich. Wer also das Lustenauer Familienbuch sein eigen nennen will, muss rasch zugreifen.
Online. Ein Nebenprodukt dieser regen Nachfrage ist, dass sich die Autoren nun in der Lage gesehen haben, das Familienbuch online zu stellen. Das bringt nicht nur die bequeme Online-Recherche sondern auch einen Service der laufenden Aktualisierung. Offenbar hat nämlich die Veröffentlichung die Lustenauer Bürger zu Ergänzungen und Verbesserungsvorschlägen angeregt. Alle Änderungen gegenüber der Printauflage sind besonders farblich gekennzeichnet. Damit hat der Eigentümer der Printausgabe auch die Möglichkeit die ihn interessierenden Familiengeschichten leicht auf Ergänzungen zu überprüfen.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]
Lustenauer Familienbuch. Herausgeber: Franz Stetter, im Eigenverlag
3 Bände im Schuber, ISBN 978-3-925171-96-3, Eigenverlag.
Band I: Einführung, Register, Eigene Notizen. 160 Seiten
Band II: Familien Alge - al, Bertsch - be, Bösch - bo, Fitz - fi, Geser - ge, Grabher - gr, Hagen - ha, Hämmerle - he. 512 Seiten
Band III: Familien Hofer - hf, Hollenstein - ho, Holzer - hz, Isele - is, Jeger - je, Jussel - ju, Kremmel - kr, König - ku, Lechler - le, Nagel - na, Riedmann - ri, Ritter - rt, Scheffknecht - sc, Sperger - sp, Vetter - ve, Vogel - vo; Sonstige Familien - xa + ff. 416 Seiten
Inhaltlicher Umfang: Alle Kirchenbücher (Taufbücher, Ehebücher, Sterbebücher) bis 1900 sowie weitere Quellen für die Zeit vor 1900; das Buch ist die Fortführung des im Jahr 2000 erschienenen "Lustenauer Sippenbuch"

Mittwoch, 20. Februar 2019

[ #Bludenz ] Grete Gulbransson

Grete Gulbransson auf ihrem Totenbett, gezeichnet von ihrem Mann Olaf Gulbransson (Vorarlberg Chronik)

Grete Gulbransson wurde am 31. Juli 1882 in Bludenz im "Haus an der Halde" geboren.

Grete Gulbransson (* 31. Juli 1882 in Bludenz, Vorarlberg; † 26. März 1934 in München) war das "Ergebnis" einer tollen Liebes- und einer europäischen Migrationsgeschichte. Wenn man die (Vor-)Geschichte der "handelnden Personen" entziffert, so führt sie durch die ganze Welt und ist damit eine Kritik des heute so gerne auf Verkleinerungen und Fremdenfeindlichkeit reduzierten Zeitgeistes. Sie beweist, dass Vorarlberg immer schon größer war als es die reale Politik den Menschen hier einreden will.

Dichterin. Schon im Alter von 18 Jahren verfasste sie zahlreiche Gedichte. 1914 erschien der erste Lyrikband, der zweite folgte 1922. Mit 20 verlor sie Vater und Mutter und zog nach München, wo sie die nächsten 23 Jahre verbrachte. Der Bekanntschaft mit dem Maler und Zeichner Olaf Gulbransson (Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift "Simplicissimus") folgte 1906 die Heirat (Scheidung 1923). Das Haus des Ehepaares Gulbransson wurde zum Treffpunkt für viele Künstler und Schriftsteller der Münchner Kulturszene (Bekanntschaft mit Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Ricarda Huch, Alfred Kubin, Else Lasker-Schüler, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig u. a.).

Geliebte Schatten. Grete Gulbranssons erzählt in "Geliebte Schatten" (1936) die soziales Aufsehen erregende Liebesgeschichte ihrer Eltern, der Adeligen Wanda Douglass, geb. von Poellnitz, und des Bludenzer Malers Jakob Jehly. Gulbranssons Tagebücher aus ihren Jahren als Frau des Karikaturisten Olaf Gulbransson in München, deren erster Band 1998 unter dem Titel "Der grüne Vogel des Äthers" veröffentlicht wurde, bilden eine spannende Quelle zur Kunst- und Zeitgeschichte der Jahre nach der Jahrhundertwende. Der englische Reiseschriftsteller Norman Douglas (1868–1952), ihr Halbbruder, verfasste in "Together" (1931, dt. "Wieder im Walgau") Erinnerungen an seine Zeit in Vorarlberg und war der international bekannteste Autor aus Vorarlberg.

Jehly-Haus in Bludenz in der Halde © Wikimedia
Jakob Jehly. Grete Gulbranssons Vater, Jakob Jehly, zählte zu den bedeutendsten Vorarlberger Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts, ihre Mutter, Wanda Douglass-Jehly stammte aus dem bayrischen Adelsgeschlecht der Poellnitz, galt als gebildete, an Kunst und Literatur interessierte Frau.

Norman Douglas mit seiner Schwester Grete © Wikimedia
Wanda, die zuerst mit dem schottischen Lord John Sholto Douglass of Tilquhillie (Villa Falkenhorst) verheiratet war (er kam mit 36 Jahren bei einem Bergunfall ums Leben), stieß mit dem Wunsch nach Wiedervermählung sowohl bei ihrer Schwiegermutter Lady Jane Douglass als auch bei der eigenen Familie auf erbitterten Widerstand: die Verbindung zwischen einer Adligen und einem einfachen Kunstmaler galt gesellschaftlich als nicht erwünscht. Folglich unternahmen die beiden Aristokratenfamilien der Poellnitz' (Schloss Babenwohl, Bregenz, heute Landesbibliothek) und Douglass' alles, um diese "unwürdige" Ehe zu verhindern. Ihre Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg, Wanda Douglass und Jakob Jehly schlossen am 3. 12. 1879 den Bund fürs Leben. Eineinhalb Jahre später, am 31. Juli 1882, wurde Margarethe Jehly geboren.