Dienstag, 24. Januar 2017

[ #Montafon ] Das Montafon im Mittelalter: Muntavun - das Almgebiet mit Tobeln


Die Berge sind es, welche die Geschichte des Montafons entscheidend beeinflussen.

Das Montafon wird von drei mächtigen Gebirgszügen umgeben: im Nordwesten sind es die markanten Kalkfelsen des Rätikons, im Süden begegnen Sie dem kristallinen zentralalpinen Gestein der teilweise vergletscherten Silvretta und im Nordosten dem Verwall. Das Montafon ist somit ein idealer Ausgangspunkt für alle Bergfreunde. Kein geringerer als Ernest Hemingway verliebte sich in das urige Tal - in die Berge, die Gletscher, so dass er zwei Winter in Schruns mit Frau und Sohn verbrachte.

Name. Wer weiß aberschon, dass schon der Name einen alpin(istisch)en Bezug hat? Die Berge sind es letztlich auch, die den Verlauf der Geschichte dieses Tales ganz entscheidend beeinlusst haben: Die alpine Lage prägte die Menschen und ihre Kultur. Ein verschriftlichter Vortrag von Dr. Alois Niederstetter führt über 15 Seiten in die Geschichte Monatfons im Mittelalter ein.

Erstmals genannt wird der Name "Montafon" in einer Handschrift des Jahrzeitbuchs der Churer Domkirche. Dort ist von einer Wiese zu Maysaran die Rede, von der es heißt, dass sie in Muntavun – eben im Montafon – liege. Diese erstmalige urkundliche Erwähnung eignet sich leider nicht für Jubiläumsfeierlichkeiten – sie ist nämlich nicht eindeutig datierbar. Die Handschrift wurde etwa 1196 begonnen und bis über die Mitte des 13. Jahrhunderts fortgeführt, eine genauere Zuordnung des Eintrags steht aus.

Almgebiet mit Tobeln. Der Name gilt als rätoromanischen Ursprungs. Einmal wird Montafon als durchlöcherter Berg, der auf die Bergbautradition des Tales hinweist, ein anderes Mal als Bergbrunn, Stillalpenberg oder gar als Verdoppelung des Wortes Berg verstanden. Eine andere Erklärung spricht vom Tal des Wassers oder der zwei Wasser. Am naheliegensten erscheint aus den vielen Erklärungsersuchen, dass es sich um eine Zusammensetzung aus munt (lateinisch mons = Berg), der romanischen Bezeichnung für Almgebiet, und tovone (= Tobel aus tovo für Rinneoder Graben, vgl. lateinisch tubus = Röhre) handelt, Montafon darf man also auch als "Almgebiet mit Tobeln" übersetzen.

Archäologie. Bronze- und eisenzeitliche Funde um Gargellen, in Partenen, Bartholomäberg sowie bei der Tschaggunser Mittagsspitze belegen die Answesenheit von Menschen im Montafon schon zweiten und ersten vorchristlichen Jahrtausend. Dazu könnten die "Verkehrsverbindungen" über das Schlappiner Joch ein besonderer Grund gesewesen sein.

Mittelalter. Im Laufe des Mittelalters nahm die Bedeutung des Montafons Ansiedlungsraum zu. Vorerst nur als sommerliche Alm- und Weidenutzung durch Walgauer und Engadiner Bauern, allmählich auch als Objekt von Dauersiedlungen. Im Hochmittelalter entstehen dann erste rätoromanische Dauersiedlungen. Den Zuzug der Siedler förderte im besonderen der seit dem Hochmittelalter nachweisbare Bergbau im Gebiet von Silbertal-Kristberg-Bartholomäberg, wo vor allem Silber und Kupfer abgebaut wurden. Bartholomäberg ist die älteste Ortschaft des Montafons. Dazu kamen die im 14. Jahrhundert aus dem Schweizer Kanton Wallis eingewanderten Walser für die Bewirtschaftung hochgelegener Gebiete.

Verba volant. In der Reihe "V e r b a v o l a n t" Onlinebeiträge des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 36 vom 10.9.2008 beschäftigt sich Alois Niederstätter mit dem Montafon im Mittelalter. Das Papier steht als kostenloser Download zur Verfügung.

Prof. Alois Niederstätter. Alois Niederstätter (* 1955 in Bregenz) ist Professor für Historische Hilfswissenschaften und alemannische Landesgeschichte, seit 2001 Direktor des Vorarlberger Landesarchivs in Bregenz (Nachfolger von Karl Heinz Burmeister), Lehrtätigkeit an den Universitäten Innsbruck und Salzburg, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Zahlreiche Publikationen zur Geschichte des alemannischen Raumes sowie zur habsburgischen Geschichte des Spätmittelalters.

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