Mittwoch, 28. Februar 2018

[ #Feldkirch ] Georg Joachim Rheticus (1514 bis 1574) - Feldkircher Astronom, Mathematiker und Arzt


Franz Josef Häfele aus Hohenems verdanken wir vielleicht die Klärung der Herkunft des Georg Joachim Rheticus

Ein Feldkircher hat die Welt verändert: Georg Joachim Rheticus (1514 -1574). Wäre er nicht gewesen, hätte Nikolaus Kopernikus (1473- 1543) sein Hauptwerk über das neue, heliozentrische Weltbild nie vollendet und zur Druckreife gebracht. Dessen "Revolutiones" wären der Welt wohl verborgen geblieben.

Georg Joachim Rheticus (auch Rhäticus, Rhaeticus, Rhetikus - * 16. Februar 1514 in Feldkirch, Österreich; † 4. Dezember 1574 in Kaschau, damals Ungarn; heute Košice, Slowakische Republik), eigentlich Georg Joachim von Lauchen, war ein österreichischer Mathematiker, Astronom, Theologe, Kartograph, Instrumentenmacher und Mediziner.

Wittenberg. Georg Joachim Rheticus studierte von 1532 bis 1536 an der Universität in Wittenberg. Er war ein enthusiastischer Lutheraner, Kollege und Zeitgenosse von Martin Luther (1483-1546) und Philipp Melanchthon (1497-1560). 1536 wurde der mathematische Lehrstuhl geteilt: Erasmus Reinhold (1511-1553) erhielt den Lehrstuhl für höhere Mathematik, Rheticus den für niedere Mathematik. 1538 begab er sich auf eine Studienreise, die ihn u.a. nach Nürnberg zu Johannes Schöner (1477-1547) führte. Hier lernte er wohl auch dessen Verleger Johannes Petrejus (1497-1550) kennen und dürfte von ihm den Auftrag erhalten haben, das Hauptwerk des Copernicus (1473-1543) nach Nürnberg zu holen, um es hier drucken zu lassen.

Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Wittenberg begab er sich nach Frauenburg. Hier arbeitete er das Manuskript von De Revolutionibus durch und veröffentlichte 1540 darüber seine Narratio prima, die er Johannes Schöner widmete. Bis 1551 war er Professor der Mathematik in Leipzig, 1552/3 hielt er sich in Prag auf, wo er sein Studium als Doktor der Medizin abschloss. Ab 1554 praktizierte er in Krakau. Ende 1574 reiste er nach Kaschau in Ungarn, wo er Anfang Dezember starb.


Digitalisat: Georg Joachim Rheticus: Narratio prima. Georg Joachim Rheticus vertiefte sich wochenlang in das Manuskript des Astronomen Nikolaus Kopernikus. So sehr, dass Rheticus heute als der einzige Schüler Kopernikus gilt. Und er war der begeisterte Propagandist des kopernikanischen Heliozentrismus.

Erster Bericht. Begeistert fasste er seine Eindrücke in einem Schreiben an Johannes Schöner zusammen. Die Briefform war aber nur Rahmen; die Schrift mit dem Titel "Narratio prima" (lat., "Erster Bericht") war zum raschen Druck bestimmt. In tiefer Bewunderung verbeugte sich Rheticus darin vor "seinem Lehrer". Mit biographischen Anmerkungen ergänzt, führte er auf rund 30 Seiten durch dessen Lebenswerk.

Die Narratio prima ist als Retrodigitalisat auf der Website der Universität in Kansas City online. Mindestens eine Handvoll weiterer toller Retrodigitalisate von Schriften des Feldkircher Humanisten Georg Joachim Rheticus gibt es auch bei anderen Digitalisierungsinitiativen im Web online.


Propagandist des Heliozentrismus. Rheticus verdankt man nicht nur, dass das Werk der Copernicus zum Druck gelangte, er war selbst der Verfasser wichtiger geometrischer Werke, insbesondere verbesserte er die Sinustafeln. Seine berühmte Schrift "Narratio prima de libris revolutionum Copernici" (1540) fasste die Beobachtungen von Kopernikus zusammen, dessen Mitarbeiter und Schüler er war und dessen Werke auf seine Veranlassung gedruckt wurden. Er stellte wichtige trigonometrische Berechnungen an (Beginn einer 10-stelligen Tafel der goniometrischen Funktionen) und leistete bedeutende Vorarbeiten für die 1611 erfundenen Logarithmentafeln.

Denkmäler. Der am 17. Januar 1998 entdeckte Asteroid 15949 wurde nach dem Astronomen Georg Joachim Rhaeticus benannt. Freilich war schon 1651 ihm ein Denkmal gesetzt worden, als man einem Ringgebirge auf dem Mond den Namen "Rheticus" gab.

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