Montag, 25. Januar 2016

[ #Bludenz ] Zur Rezeptionsgeschichte des Einhorns

Das Einhorn verkörpert die Keuschheit, die Unberührtheit, die Jungfräulichkeit. Es ist ein Fabelwesen mit geradem Horn in der Stirnmitte, im Mittelalter besonders durch den Physiologus bekannt; in frühchristlicher Zeit als Sinnbild gewaltiger Kraft auf Christus bezogen. Die Stadt Bludenz führt das Einhorn im Stadtwappen.

PhysiologusBis in die Renaissance haben alle zoologischen Werke eines gemein: Sie enthalten Beschreibungen von Tieren, die wir heute als Fabelwesen bezeichnen. Diese Tatsache wirft etliche Fragen auf. Wie gelangten Wesen aus dem Reich der Phantasie in wissenschaftliche Werke? Standen womöglich reale Tiere am Ausgangspunkt? Wie wandelte sich die Beschreibung eines Fabeltiers im Lauf der Geschichte? Welche kulturelle Bedeutung kam den Kreaturen in der Gesellschaft zu?

Diesen Fragen geht der Autor am Beispiel des Einhorns nach. Die Analyse erfolgt einerseits mittels eines philologischen Vergleichs der nah verwandten, doch grundverschiedenen lateinischen Monoceros-Beschreibungen in der antiken historia naturalis des Plinius maior und dem mittelalterlichen Aberdeen Bestiary, andererseits durch eine inhaltliche Auswertung der Beschreibungen, wobei als weitere Quellen der frühchristliche Physiologus und die neuzeitliche historia animalium des Conrad Gesner herangezogen werden.

Bludenz.
In einem silbernen Schilde erscheint ein schwarzes, steigendes, gegen rechts gewendetes Einhorn. Auf dem Hauptrand des Schildes ruht eine silberne Mauerkrone mit fünf sichtbaren Zinnen. Die Vorarlberger Landesregierung erteilte mit Beschluß vom 8.2.1929 der Stadt Bludenz die Berechtigung, ihr althergebrachtes, in Farben ausgeführtes Stadtwappen weiterhin führen zu können. Ein um 1260 für Bludenz geschlagenes Brakteat (einseitig auf dünnes Metallblech geschlagene Münze oder Medaille) zeigt als Münzbild das Einhorn und dürfte anläßlich der Stadterhebung geprägt worden sein. Das älteste vorhandene Siegel der Stadt Bludenz stammt aus dem Jahre 1329 und führt im Spitzschild ein aufgerichtetes, gegen rechts gewendetes Einhorn.
Pascal Gratz. De monocerote: Zur Rezeptionsgeschichte des Einhorns. Die Arbeit stammt aus dem 39. NationalenWettbewerb Schweizer Jugend forscht 2005 und wurde mit dem Prädikat "sehr gut" beurteilt. Die Ausführungen von Pascal Gratz über Fabelwesen in lateinischen Texten wurden zudem als eine der fünf besten Arbeiten im Kanton Zürich ausgezeichnet. Ein eindrücklicher Beleg dafür, dass Jugend auch anders ist als gegenwärtig oft dargestellt.

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