Freitag, 10. März 2017

[ #Brandnertal ] Der Lünersee

Der Lünersee war schon vor der künstlichen Aufstauung der grösste Hochgebirgssee Österreichs.

Er liegt auf einer Seehöhe von 1.970 m am Fuße der Schesaplana (2 km lang und 1,2 km breit, 139 m tief, Volumen ca. 0,156 km³). Das Gebiet um den See bildet den Talabschluss des Brandnertals, der nur über schmale Steige oder die Lünerseebahn vom Gebiet Schattenlagant aus erreichbar ist. Direkt bei der Bergstation an der Staumauer liegt die Douglasshütte. Die alte Douglas-Hütte verschwand seinerzeit bei der künstlichen Erweiterung und Aufstauung in den Fluten.

Die Schmelzwässer des Brandner Gletschers reichen heute nicht aus, den See zu füllen. Geologisch interessant ist, dass vorwiegend 215 Millionen Jahre alter Hauptdolomit  und etwas älterer Gips den See umgeben. Die natürliche Gesteinsschwelle zum Brandnertal, welche sochn den damaligen Betrachtern wie von Menschenhand aufgeschüttet vorkam, war von Klüften durchzogen, sodass zahlreiche Quellen den See unterirdisch entwässerten. Bereits Ende der 1920er-Jahre wurden diese Sickerwege mit Beton versiegelt. In den Jahren 1955 bis 1958 entstand die Schwerkraftsmauer und damit der heutige See.

Ingenieursleistung. Der Lünersee liegt - wie bereits erwähnt - im Hauptdolomit der Nördlichen Kalkalpen. Die Durchsickerungen im Untergrund der Staumauer führte zum Auftreten hochgelegener Quellen an der Luftseite der Seebarre. Felsmechanische Untersuchungen ergaben, dass für die Standsicherheit der luftseitigen Felspakete der Wasserdruck zu begrenzen ist. Dies erfolgte durch einen Injektionsschirm (Zement) und einer zusätzlichen Spritzbetonschicht.


Das weitaus meiste Wasser wird dennoch vom Ausgleichsbecken Latschau heraufgepumpt und zur Stromerzeugung im Winter und für die Spitzenlast gespeichert. Durch einen künstlich angelegten Stollen wird der See auch durch das Schmelzwasser des Brandner Gletschers gespeist. Wegen des großen Speichervolumens des Lünersees und des dort relativ geringen natürlichen Zuflusses ist das Kraftwerk vor allem zur freizügigen Jahres- und Wälzpumpspeicherung bestimmt.

Der Inhalt des Lünersees wurde durch die aufstauung auf 78 Millionen Kubikmeter Wasser aufgestockt. Das Lünerseekraftwerk nutzt die 976 m hohe Gefällstufe zwischen dem Lünersee und dem südöstlichen Staubecken Latschau (994 m) und hat eine Engpassleistung von 232 MW. Vom Becken in Latschau (Damminhalt 1 Million Kubikmeter) kann das Wasser wieder zum Lünersee hinaufgepumpt werden. Die Oberwasserführung führt über zirka 10 km zum Lünerseewerk in Latschau. Die Fallleitung ist aus geologischen Gründen im oberen Bereich als Druckrohrleitung, im unteren Bereich als Druckschacht ausgebildet. Das Krafthaus in Latschau ist freistehend gebaut und ist ein typischer Bau der 1950er Jahre. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme war es das leistungsstärkste Pumpspeicherwerk der Welt. Bei Turbinenbetrieb im Lünerseewerk (5 Peltonturbinen à 46,2 MW, Fallhöhe 974m) fließt das Wasser nach der Nutzung in das Staubecken Latschau.


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

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