Freitag, 6. Januar 2017

[ #Hohenems ] Digital: Leichenrede für Markus Sittikus III., gedruckt 1616

Bild: Papst Pius IV. mit Kardinal Markus Sitticus Altemps (III.)
Der Vorarlberger Buchdruck beginnt mit Bartholome Schnell. 1616 pachtete er vom Grafen von Hohenems eine Druckereiwerkstatt und schuf noch im selben Jahr die "Emser Chronik" und die "Oration Bey dem Todt vnd vber die Leych: Deß Hochwürdigtsen Fürsten vnd Herren/ Herrn Marx Sittichen/ ..."

Das Retrodigitalisat ist die Begräbnisrede für Markus Sittikus III., Bischof von Konstanz und Kurienkardinal in Rom.

Bartholomäus Schnell. Er stammte aus Langenargen am Bodensee und war der erste Buchdrucker in Vorarlberg. Im Jahre 1616 pachtete er vom Grafen von Hohenems eine Druckereiwerkstatt und schuf noch im selben Jahr mit der "Emser Chronik" (Hystorischen Relation oder Eygendtliche Beschreibung der Landschafft vnderhalb St. Lucis Stayg vnd dem Schallberg beyderseits Rheins biß an den Bodensee..., 1616) ein Werk, welches bis heute als eines der schönsten je in Vorarlberg gedruckten Bücher gilt.

Das von Johann Georg Schleh aus Rottweil 1613 fertig gestellte Werk bedeutete gleichzeitig den "Beginn der Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung". Ebenso beeindruckend wie interessant sind die darin enthaltenen kartographischen Holzschnitte und die beinahe 100 Wappendarstellungen. Nicht zuletzt deshalb stellt die Emser Chronik wohl den Höhepunkt der Buchdruckerkunst in Vorarlberg dar.

Die politischen Absichten, die hinter diesem Werk stecken, werden in der Vorarlberger Landkarte - übrigens die älteste überlieferte Karte, die das gesamte heutige Vorarlberg zeigt - deutlich: Mit schraffierten Grenzen wurde jenes Gebiet abgesteckt, das - wenn es nach dem Willen des Initiators Graf Kaspar von Hohenems gegangen wäre - als "Unterrätien" einen souveränen Territorialstaat unter der Herrschaft der Emser Grafen bilden sollte. Aus der Offizin Schnells und seiner Nachfolger in Hohenems sind bis heute 48 Titel bekannt.

Vetternwirtschaft. Das vorliegende Retrodigitalisat beinhaltet die Begräbnisrede für Markus Sittikus III., Bischof von Konstanz und Kurienkardinal in Rom. Seiner Baulust ist der Bau des Hohenemser Palastes zu danken. Er bat den bekannten italienischen Baumeister Martino Longo aus Viggini bei Mailand nach Hohenems, um sich ein Denkmal in Form eines Palastes zu setzen.

Er war es auch, der seinen Verwandten Wolf Dietrich von Raitenau besonders begünstigte. 1570 erhält Wolf Dietrich von Raitenau dank dieser Günstlingswirtschaft bereits als 11-Jähriger eine erste Domherrenstelle in Konstanz. Dort ist der Onkel Kardinal Mark(us) Sittich(kus) von Hohenems (III.) Bischof. Die Stifte Murbach und Lüders im Elsass sollten alsbald als Pfründe mit der Koadjutorswürde folgen. Mit diesem "Stipendium" ausgestattet nahm Wolf Dietrich von Raitenau 1574 juridische Studien an der Universität von Pavia auf, obwohl er selbst lieber die Offizierslaufbahn angestrebt hätte.

An weiteren Pfründen kamen dann noch die Stellung als Dompropst von Basel und 1578 ein Salzburger Kanonikat hinzu. Bereits als 28-jähriger war er der Erzbischof von Salzburg. Sein Vetter, Markus Sittikus von Hohenems, der zu seinem Nachfolger gewählt wurde, hielt ihn dann fünf Jahre "als Gefangener des Papstes" aus Furcht vor seinem immer noch großen Einfluss auf der Festung Hohensalzburg gefangen, wo Wolf Dietrich von Raitenau am 16. Jänner 1617 starb.

Digitalisierter Druck von Bartholome Schnell, Ems 1616. Oration Bey dem Todt vnd vber die Leych: Deß Hochwürdigtsen Fürsten vnd Herren/ Herrn Marx Sittichen/ Cardinalen von HohenEmbs/ geweßten Bischoffen zu Costantz/ Hertzogen zu Gales/ ... Zu dreyssig Cardinälen/ den 18. Martij Anno 1595. in der Kirchen Sanctæ Mariæ Transtyberim, zu Rohm: Durch Iacobvm Marchisettvm gehalten : Auß Lateinischer in Teutsche sprach gebracht
Verfasser: Marchisettus, Jacobus ; Marchisettus, Jacobus (Dr. theol.; aus Pesaro; Wirkungsort Rom; Italienischer Theologe) Ausgabe: Nachgetruckt in dem Gräfflichen Marckt Embs/ bey Bartholome Schnell. Anno, M. DC. XVI. Verleger: Wolfenbüttel : Herzog August

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]


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