Dienstag, 28. März 2017

[ #Hohenems ] Museo Nazionale Romano - Hohenems mitten in Rom: Palazzo Altemps

"Hohenemser Wappen" über dem Eingang
des Palazzo Altemps in Rom© Wikimedia Commons

Nicht nur ein Palast - ein Stück Vorarlberger und österreichischer Geschichte mitten in Rom.


Das Museo Nazionale Romano (Römisches Nationalmuseum) ist in Rom auf fünf Standorte verteilt, darunter der "Palazzo Altemps" an der Piazza di S.Apollinare 44. Er wurde 1585 für Kardinal Mark Sittich von Hohenems erbaut und beherbergt Sammlungen klassischer Kunstwerke, einschließlich einer Sammlung des Kardinals mit 15 Skulpturen der griechischen und römischen Antike. Das Eingangsportal ziert das Hohenmser Wappen - ein Steinbock.

Palazzo Altemps. Um 1480 wurde der Palast für Girolamo Riario, einem Nepoten von Papst Sixtus IV., von einem heute nicht mehr bekannten Architekten errichtet. 1568 erwarb Kardinal Mark Sittich von Hohenems das Gebäude. Es trug fortan nach der italienisch/lateinischen Version von Hohenems den Namen Palazzo "Altemps". Altemps, sprich Hohenems ließ den Palast erweitern und grundlegend erneuern und beauftragte damit Martino Longhi der Ältere, der im Palazzo Altemps einen der schönsten Höfe Roms schuf. Martino Longhi war auch der Baumeister des Palastes in Hohenems. Sein Sohn Onorio Longhi entwarf die Fassade des Baus. 1982 kam der Palazzo Altemps in den Besitz des italienischen Kulturministeriums. Nach langjähriger umfangreicher Restaurierung wurde das Gebäude als ein Teil des Museo Nazionale Romano der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es werden antike Kunstwerke aus den Sammlungen Ludovisi und Hohenems gezeigt.

Markus Sittikus III. Bischof von Konstanz und Kurienkardinal in Rom. Seiner Baulust ist auch der Bau des Hohenemser Palastes zu danken. Er war es auch, der seinen Verwandten Wolf Dietrich von Raitenau besonders begünstigte. 1570 erhält Wolf Dietrich von Raitenau dank dieser Günstlingswirtschaft bereits als 11-Jähriger eine erste Domherrenstelle in Konstanz. Dort ist sein Onkel, eben Kardinal Mark(us) Sittich(kus) von Hohenems (III.) Bischof. Die Stifte Murbach und Lüders im Elsass sollten alsbald als Pfründe mit der Koadjutorswürde folgen. Mit diesem "Stipendium" ausgestattet nahm Wolf Dietrich von Raitenau 1574 juridische Studien an der Universität von Pavia auf, obwohl er selbst lieber die Offizierslaufbahn angestrebt hätte. An weiteren Pfründen kamen dann noch die Stellung als Dompropst von Basel und 1578 ein Salzburger Kanonikat hinzu. Bereits als 28-jähriger war er der Erzbischof von Salzburg. Sein Vetter, Markus Sittikus von Hohenems, der zu seinem Nachfolger gewählt wurde, hielt ihn dann fünf Jahre "als Gefangener des Papstes" aus Furcht vor seinem immer noch großen Einfluss auf der Festung Hohensalzburg gefangen, wo Wolf Dietrich von Raitenau am 16. Jänner 1617 starb.

Günstlingswirtschaft. Wie Mark Sittich seine Verwandten und eben auch Wolf Dietrich von Raitenau begünstigte, so ist er selber ein Günstlingskind. Als Sohn des Wolf Dietrich, Reichsgrafen, und der Chiara von Medici aus der Mailänder Linie wurde er im August 1533 geboren. Er war der Cousin des Heiligen Karl Borromäus und des Federico Borromeo. Zunächst ist er schon für den geistlichen Stand bestimmt, schlug aber nach kurzer Schulzeit in Überlingen die militärische Laufbahn ein. Seinen Dienst als Hauptmann eines Fähnleins in Italien quittierte er 1560 zugunsten einer geistlichen Karriere, nachdem sein Onkel Giovanni Angelo de Medici 1559 zum Papst (Pius IV.) gewählt worden war.

Der Versuch, 1560 mit päpstlicher Hilfe Koadjutor des erkrankten Bischof Christoph Metzler in Konstanz zu werden, scheiterte zunächst am Widerstand von Domkapitel, Stiftsadel und Eidgenossenschaft. In einem zweiten Anlauf wurde er 1561 dann doch auf Druck Roms und mit kaiserlicher Unterstützung als Nachfolger Metzlers vom Domkapitel gewählt. Zunächst päpstlicher Kammerkleriker, ernannte ihn der Papst 1561 trotz seiner mangelhaften theologischen und humanistischen Bildung zum Kardinaldiakon. Als Legat auf dem Konzil von Trient konnte Mark Sittich seine Verbindungen zu deutschen Höfen und Fürsten und sein diplomatisches Geschick für die Kurie einsetzen. Als Kardinaldiakon hatte er großen Einfluss auf die Papstwahlen Pius V., Gregor XIII. und Sixtus V.

Mark Sittich von Hohenems kümmerte sich aufgrund seiner Aktivitäten in Rom kaum um seine Angelegenheiten der Diözese Konstanz. Da er seine Energie hauptsächlich für den Aufbau einer eigenen Dynastie in Rom einsetzte, blieb ihm von den täglichen 24 Stunden wenig Zeit, sich um seine Diözese - unter anderem um die in den katholischen Kantonen der Schweiz wegen ihres Lebenswandels gemaßregelten Geistlichen - zu kümmern. Auch die 1567 auf Druck Pius V. durchgeführte Diözesansynode brachte kaum Besserung. Und es passt dazu ins Bild, 1570 den gerade 11-jährigen Wolf-Dietrich von Raitenau in Konstanz mit einer Domherrenstelle auszustatten. Kritik aus der Diözese an seiner Amtsführung und seine Weigerung, während seiner Abwesenheit Statthalter und Räte aus dem Domkapitel zu bestellen, dazu die Loslösungspläne der Eidgenossen von Konstanz, führten 1589 zur Resignation des Mark Sittich als Bischof. Er war jedoch auf dem Konklave vom 10. bis 30. Januar 1592 (Wahl des Papstes Clemens VIII.) einer der wesentlichen meinungsbestimmenden Kardinäle. Er starb am 15. Februar 1595 in Rom.

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