Sonntag, 12. März 2017

[ #Bregenz ] Rudolf Wackers "Bregenzer Achbrücke" unter Denkmalschutz

Rudolf Wackers "Bregenzer Achbrücke" aus dem Jahr 1926 wurde als frühes Hauptwerk der Neuen Sachlichkeit unter Denkmalschutz gestellt und gelangte in eine prominente Wiener Privatsammlung.

Neue Sachlichkeit. Die "Bregenzer Achbrücke" gilt als erster Höhepunkt jener Werkphase, die die Neue Sachlichkeit begründen und damit die österreichische Zwischenkriegsmalerei prägen sollte. In der Kombination einer topographischen Stadtlandschaft mit einer karikaturhaft übersteigerten Figurenszenerie gelingt hier eine originelle Schöpfung, die – im Gegensatz zu den meisten anderen Landschaftsbildern - eine humorvolle Deutung zulässt. Aufgrund der künstlerischen und kunstgeschichtlichen Bedeutung, aber auch aufgrund des lokalgeschichtlichen Bezugs wurde das Gemälde im Anschluss an eine Kunstauktion unter Denkmalschutz bestellt und gelangte in eine prominente österreichische Privatsammlung.

Gestapo.
Rudolf Wacker sollte nur 46 Jahre alt werden. Er erlitt 1938 während einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo einen Herzanfall und starb im April 1939 an den Folgen seines Leidens.

Kurzbiografie: Rudolf Wacker. Der Maler Rudolf Wacker (* 25.2.1893 Bregenz, † 19.4.1939 Bregenz) zählt zu den wichtigsten europäischen Künstlern der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen und gilt als Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit in Österreich Er wird am 25.Februar 1893 als viertes Kind eines aus Tirol stammenden Baumeisters und einer Bregenzerwälderin in Bregenz geboren. Nach der k.k. Fachschule für gewerbliches Zeichnen in Bregenz in den Jahren 1910/11 lernt Wacker kurz in Wien an der Malschule Bauer, um dann im Jahre 1911 an die damals berühmte Kunstakademie in Weimar zu wechseln. Seine Lehrer waren Albin Egger-Lienz und Walter Klemm.

Kieg und Gefangenschaft.
1914 muss Wacker zum Militär einrücken, ein Jahr später wird er in Polen von den Russen gefangen genommen. Es folgen fast fünf Jahre Gefangenschaft in Sibirien, die er detailliert in Tagebüchern beschreibt, die leider heute großteils verschollen sind. Das schreckliche Kriegserleben mit all seinem Elend beeinflusst Rudolf Wacker und seine künstlerische Entwicklung sehr. Immer noch in Sibirien nimmt der Künstler 1920 in der Stadt Tomsk an einer Ausstellung teil.

Bregenzer Achbrücke 
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Berlin - Bregenz. Schließlich kann er noch im selben Jahr in die Heimat zurückkehren. Er geht nach Berlin, das Mekka der neuen Kunst, und verschreibt sich anfangs ganz dem Expressionismus. 1921 kehrt er in die Heimatstadt Bregenz zurück. 1923 veröffentlicht Wacker "Direktiven für eine Kunst", worin er seinen Wandel vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit beschreibt. Seine erste große Ausstellung findet ebenfalls 1923 im Vorarlberger Landesmuseum statt. Vorerst bleibt er aber immer noch nur Zeichner, erst 1924 beginnt sich sein malerisches Werk durchzusetzen. 1925 ist er Gründungsmitglied der Künstlervereinigung "Der Kreis". Zahlreiche Ausstellungen folgten und gipfelten 1934 in der Teilnahme an der XIX. Biennale Venedig. Von 1936 bis 1938 leitete er Aktzeichenkurse an der Bregenzer Gewerbeschule.

Neue Sachlichkeit - Magischer Realismus. Gleichzeitig vollzieht sich ein Stilwandel. Wacker beginnt, ohne sich bewusst einer neuen Richtung anzuschließen, mit den Ausdrucksmitteln der Neuen Sachlichkeit zu arbeiten, die ihn auch als Vorläufer des "Magischen Realismus" ausweisen. In den 20er und 30er Jahren malte Rudolf Wacker vor allem Häuser und Hinterhöfe mit Schrebergärten in Außen- und Arbeiterbezirken. Seit den 30er Jahren verlieren seine Werke ihre "magische Hintergründigkeit", dafür wird die Farbe kraftvoller empfunden und die abstrakten Qualitäten der Komposition treten hervor. Neben Stillleben und Akten malte Rudolf Wacker auch Masken und Puppen.

Engagement für Frieden. Die finanzielle Situation des Künstlers ist und bleibt kritisch. Er nimmt zwar an Ausstellungen teil und verkauft einige Werke, er kann aber für sich und seine Familie kaum das Nötigste aufbringen. Anfang der 30er Jahr interessiert sich Wacker immer mehr für politische Anliegen, er weist auf eine neuerliche Kriegsgefahr hin, nimmt an Friedenskundgebungen teil. Er ist einer der wenigen Künstler, die offen gegen die Kulturpolitik der Nationalsozialisten auftreten. Er versucht, die Professur an der Akademie in Wien zu erlangen, scheitert aber. Geld bringen ihm nur seine kleinen Blumenbilder.

Nazibagage. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich 1938 beginnen die Repressalien gegen Wacker. 1938 nahm die politischer Verfolgung zu, Hausdurchsuchungen und Verhöre durch die Gestapo blieben nicht aus, ebenso der Ausschluss aus allen Künstlerverbänden. Bei Hausdurchsuchungen wird zwar kaum belastendes Material gefunden (Briefe und Bücher wurden rechtzeitig versteckt), er scheint aber auf einer Liste der "des Kommunismus verdächtigen Personen" auf. Bei einer Hausdurchsuchung erleidet er einen ersten Herzanfall, bei einem Verhör durch die Gestapo einen weiteren. Sein Gesundheitszustand verbessert sich immer nur kurzfristig, 1939 schließlich stirbt Rudolf Wacker mit erst 46 Jahren in seinem Elternhaus in Bregenz.

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