Mittwoch, 28. Februar 2018

[ #Vorarlberg ] Die Flechten Vorarlbergs


Den Flechten Vorarlbergs ist ein eigener Schwerpunktband der Reihe "forschen und entdecken" der inatura gewidmet. Das ganze Landesgebiet wurde kartiert – vom Bodenseeufer bis in die hochalpinen Regionen erstreckt sich das Arbeitsgebiet.


Die Darstellung der Arten erfolgt in Planquadraten, und nur im geistigen Auge gelingt es, den Aufwand zu erahnen, der hinter diesen Befunden steckt. Die meisten Arten sind mit mehreren Fundgebieten belegt, und die Bandbreite der Flechten je Rasterfeld reicht von 50 bis über 500 Arten.

Partnerschaft. Als Flechte (Lichen) bezeichnet man eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz, dem so genannten Mykobionten, und einem oder mehreren Photosynthese betreibenden Partnern. Diese Photobionten, auch Phytobionten genannt, sind Grünalgen (Chlorophyta) oder Cyanobakterien. Die Eigenschaften der Flechten setzen sich deutlich von jenen der Organismen ab, aus denen sie sich zusammensetzen. Erst in der Symbiose bilden sich die typischen Wuchsformen der Flechten heraus und nur in Lebensgemeinschaft mit einem Photobionten bilden die Mykobionten die charakteristischen Flechtensäuren. Die Wissenschaft von den Flechten ist die Flechtenkunde oder Lichenologie.

Weltweit gibt es rund 25.000 Flechtenarten. In Mitteleuropa kommen davon etwa 2.000 vor. Der Anteil endemischer Arten ist bei Flechten viel niedriger als bei Blütenpflanzen. Flechten werden immer nach dem Pilz benannt, der die Flechte bildet, da es meist dieser ist, der ihr die Form und Struktur gibt. Während mehrere Photobionten in einer Flechte vorhanden sein können, findet man immer nur eine Pilzart. Flechten werden daher den Pilzen (Fungi) zugerechnet, unter denen sie als eigene Lebensform eine Sonderstellung einnehmen; sie sind also keine Pflanzen.

Lebensräume. Flechten sind in der Lage auch die unwirklichsten Lebensräume zu besiedeln, da sie durch die Symbiose eigentlich völlig unabhängig sind. Sie sind Extremisten. Als Pioniere gedeihen rund 20.000 Flechtenarten auf unserem Globus, auch jenseits der Grenzen der übrigen Pflanzenwelt. Auf Bäumen, Steinen, Gartenzäunen, Hausmauern, ja sogar auf Glas, Blech und anderen Orten sind sie anzutreffen.Flechten gelten als Indikatoren für die Qualität eines Naturraumes, da die Artenzahl und die Häufigkeit seltener Flechtenarten ein wertvolles Maß für die Beurteilung des Naturraumpotentials darstellen. Denn nur eine reich gegliederte Landschaft mit vielen naturnahen beziehungsweise natürlichen Biotopen und Kleinbiotopen bietet Lebensraum für viele Substratspezialisten und Flechten mit hohen, spezifischen Ansprüchen an die mikroklimatischen Standortsfaktoren.

Flechten. Diese Symbiose aus Pilzen und Algen, erregen durch die Art und Weise der Interaktion unser Staunen. Immerhin braucht es manchmal einen speziellen Untergrund zum Anheften und Chemikalien aus dem flüssigen Niederschlag oder aus der trockenen Deposition zum Überleben. Dennoch – oder gerade deshalb – zeigen die Flechten eine ungeheure Artenfülle. Wer für die kleinen Punkte und handtellergroßen Flecken schon die 10-fach Lupe eingesteckt hat, findet die bunten Siedler leichter. Selbst bei der hochalpinen Wanderung sind die Lebewesen auf dem Gletscher anzutreffen, der gerade den Moränenschutt weiterschiebt.

Heute ist der Nutzen der Flechten als Senke für Aerosole (Nitrat) bekannt. Mit Schwermetallen (z. B. Cadmium) können sie ebenfalls umgehen und sind auch noch Nahrungsgrundlage für manche Insekten und Schnecken.

Flechtenatlas. Veronika Pfefferkorn-Dellali und Roman Türk präsentieren 1070 Arten. Mit den guten Farbfotos gelang es, den Atlas der Flechten Vorarlbergs gleichermassen als Nachschlagewerk für den naturkundlich-interessierten Spaziergänger sowie als Bestandserhebung für den Wissenschaftler zu gestalten.


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Inhalt
Summary 9
Zusammenfassung 9
1. Einleitung 9
1.1 Geschichte der lichenologischen Erforschung Vorarlbergs 9
1.2 Was sind Flechten? 10
1.3 Flechten – Bioindikatoren 12
1.3.1 Flechten als Indikatoren für Luftschadstoffe 12
1.3.2 Flechten als Indikatoren für die Hemerobie von Waldbeständen 13
1.4 Anthropogene Beeinflussungen der Flechtenflora 13
1.5 Beurteilung des Flechtenbestandes in Vorarlberg 15
1.6 Besonders bemerkenswerte Flechtenarten für Vorarlberg 15
1.7 Schutzmöglichkeiten für Flechten 27
2. Die natürlichen Grundlagen der Flechtenverbreitung 27
2.1 Geologie 28
2.1.1 Die Molassezone 29
2.1.2 Die Nördliche Flyschzone und das Helvetikum 30
2.1.3 Die Südliche Flyschzone 30
2.1.4 Die Oberostalpinen Formationen (Kalkalpen) 30
2.1.5 Das Altkristallin 30
2.2 Klima 31
2.2.1 Die Niederschlags- und Feuchteverhältnisse 31
2.2.2 Die Temperaturverhältnisse 32
2.2.3 Die Windverhältnisse 32
2.3 Vegetation 33
3. Methodik 34
3.1 Herkunft der Daten 34
3.2 Darstellungsweise 35
3.2.1 Nomenklatur und Systematik 35
3.2.2 Höhenverbreitung 35
3.2.3 Substrat 35
3.2.4 Gefährdungsgrad 36
3.3 Verbreitungskarten 37
4. Fachausdrücke 43
5. Gattungen und ihre Arten 45
6. Flechten im Volksmund 241
7. Danksagung 241
8. Literaturverzeichnis 241
9. Anschrift der Autoren 247.

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