Dienstag, 15. Juli 2014

[ #Vorarlberg ] "Fremdhäßige", Handwerker & Genossen

[Free eBook] Die Vorarlberger Sozialdemokraten waren in den hundert Jahren ihres Bestands von den ursprünglich "zugelaufenen Fremdhäßigen" (die mit fremder Kleidung) bemüht, zu einer anerkannten bodenständigen Partei des Landes zu werden. Sie haben es aber nie geschafft, die bürgerlich-konservative, christlich-soziale Dominanz des Landes zu brechen.

Eine genauer Analyse der ersten Jahrzehnte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in Vorarlberg, wie sie der vorliegende Band liefert, läßt ein Bild entstehen, das sich von gängigen Vorstellungen allerdings gründlich unterscheidet: Weder war die Vorarlberger Sozialdemokratie eine Bewegung des Industrieproletariats, noch hat sie unter den zugewanderten italienischen Arbeitsmigranten nachhaltigen Widerhall gefunden. Auch ihre Entwicklung in den einzelnen Gemeinden lässt sich auf keinen gemeinsamen Nenner bringen.

Untersucht man die alltäglichen Bedingungen der politischen Organisationsarbeit, so wird bald deutlich, daß kulturelle Konflikte mit Vertretern des katholisch-konservativen Lagers für die politische Entwicklung prägender waren als ökonomische Auseinandersetzungen mit den "Fabriksherren". An Orten, wo kein gefestigtes Lebens- und Wohnmilieu von Eisenbahnern die Grundlage sozialdemokratischer Organisationstätigkeit abgab, waren zeitweilige Bündnisse mit dem liberalen Bürgertum von ausschlaggebender Bedeutung.

Insgesamt war somit die Vorarlberger Sozialdemokratie keine Bewegung der Industriearbeiter und schon gar nicht der Industriearbeiterinnen, sondern eine von vielen Rückschlägen begleitete Organisation von zu- und durchwandernden Handwerkern sowie von Eisenbahnern, die nicht selten aufgrund politisch begründeter Strafversetzungen nach Vorarlberg gekommen waren.

Johann-August-Malin-Gesellschaft. Diese Vorarlberger historische Gesellschaft macht auf ihrer Website Texte zugänglich, die ihr für die geschichtswissenschaftliche Diskussion in Vorarlberg wesentlich erscheinen und in Zusammenhang mit ihrem selbstgewählten Arbeitsbereich stehen. Darunter ist auch dieser Beitrag von Reinhard Mittersteiner online bzw. als kostenfreies PDF zum Herunterladen.

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Inhaltsverzeichnis zur Orientierung über das Angebot:
Einleitung    
1.     Die Entwicklung der Sozialdemokratischen Landesparteiorganisation Vorarlbergs während der Monarchie     13
    1.1. Die Vorläufer (1867-1893)     13
    1.2. Durchbruch und Ermattung (1893-1899)     19
    1.3. "Los von Tirol" und die Errichtung des ersten Parteisekretariates (1899-1903)     39
    1.4. Die große Krise (1904/05)     47
    1.5. Fragile Konjunktur (1906-1911)     55
    1.6. Abschwung in eine neue Krise (1911-1914)     80
    1.7. Die Partei im Ersten Weltkrieg     97
    1.8. Mitgliederstatistik und soziales Profil; Ursachen für die Schwäche der sozialdemokratischen Bewegung     110
    1.9. Die schwarze Moderne. Christliche Arbeiterbewegung in Vorarlberg (ein Exkurs)     124
2.     Milieu und Öffentlichkeit
Die Ortsgruppen der Sozialdemokratischen Partei Vorarlbergs     133
    2.1. "Rote" Straßen, "rote" Viertel, eigenes Milieu.
Die sozialdemokratische Bewegung in Bregenz und Rieden-Vorkloster     139
    2.2. Liberale "Rote", "rote" Liberale, Antiklerikale.
Die soziademokratische Bewegung in Hard     171
    2.3. Aufschwung mit den Stickern.
Die sozialdemokratische Bewegung in Höchst     191
    2.4. Vergebliches Werben, kein Bündnis mit den Liberalen.
Die sozialdemokratische Bewegung in Lustenau     201
    2.5. Kleinmeister, Gesellen, "Fabrikler": Von der Traditionsorganisation zur modernen Arbeiterpartei.
Die sozialdemokratische Bewegung in Dornbirn     209
    2.6. Kurze Konjunktur: Gesellen, liberale Bürger.
Die sozialdemokratische Bewegung in Hohenems     238
    2.7. Der Kampf um die Gasthaus-Öffentlichkeit.
Die sozialdemokratische Bewegung in Götzis und Altach     244
    2.8. Die Handwerker-Organisation: mit goldenem Boden.
Die sozialdemokratische Bewegung in Rankweil     248
    2.9. Im Zug der Zeit, mit Verspätung: "rote" Eisenbahner.
Die sozialdemokratische Bewegung in Feldkirch und Altenstadt     260
    2.10. Textilarbeiter - ohne Bewegung
Die sozialdemokratische Bewegung in Frastanz     275
    2.11. Kurze Konjunktur der "roten Sticker".
Die sozialdemokratische Bewegung in Nenzing     281
    2.12. "Rote" Eisenbahner gegen liberale Fabrikanten.
Die sozialdemokratische Bewegung in Bludenz, Bürs und Nüziders     285
3.     Mit den Genossen im Krieg
Die sozialdemokratischen Frauenorganisationen     311
4.     "Aber streiken tun sie doch ..."
Die sozialdemokratischen Italienerorganisationen     325
5.     "Der letzte Hammerschlag ist kkängst verklungen ..."
Die sozialdemokratischen Kultur- und Sportorganisationen     351
6.     Anhang     372
7.     Anmerkungen     400
8.     Quellen- und Literaturverzeichnis     465
9.     Bildquellen     482
10.     Personenregister     484
11.     Ortsregister     490

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