Montag, 18. September 2017

[ #Vorarlberg ] Zwischen Kaiser und "Führer": Vorarlberg im Umbruch 1918-1938

Das Buch von Werner Dreier zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs zwischen 1918 und 1938 (Fink's Verlag 1986) ist zwar vergriffen, steht jedoch als Download kostenlos online.

Fragen. Waren die Jahre 1934 - die Errichtung des austrofaschistischen Staates - und 1938 - die Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur - Brüche in der Vorarlberger Geschichte, von außen Herangetragenes, Aufgezwungenes? Oder kamen hier Entwicklungen zum Durchbruch, die im Lande nach dem Ersten Weltkrieg längerfristig schon angelegt waren?

In knapp zehn Jahren nach Errichtung der Republik wurden in Vorarlberg politisch und kulturell die Weichen gestellt für die Entwicklung zum autoritären Staat. Bei vielen solcher Weichenstellungen hat Gewalt eine Rolle gespielt: offene, angedrohte, strukturelle Gewalt. Eine besondere Form dieser strukturellen Gewalt waren Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit in den dreißiger Jahren. Sie schufen ein Klima, das den zunehmenden Abbau demokratischer Verhältnisse sehr förderte. Wie wenig schließlich das austrofaschistische Regime 1934 bis 1938 auch auf Länderebene dem vorwärtsdrängenden Nationalsozialismus entgegenzusetzen hatte - Vorarlberg ist hierfür ein einprägsames Beispiel.

Verlagsinformation. Werner Dreier: Zwischen Kaiser und "Führer". Vorarlberg im Umbruch 1918-1938 - Beiträge zu Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, Band 6. Bregenz, Fink's Verlag 1986, 319 Seiten (vergriffen). Download unter "Links" (PDF suchbar 18,3 MB).

Das Buch behandelt die konfliktreiche Geschichte Vorarlbergs vom Anfang der Ersten Republik 1918 bis zum Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1938. Es schildert - gestützt auf reichhaltiges Archivmaterial - die politische Bewegung von Arbeitern und Bauern nach dem Zusammenbruch der Monarchie, die Formierung der konservativen Kräfte, die Zurückdrängung der Arbeiterbewegung, die Bemühungen Vorarlberger Landespolitiker um die Errichtung eines autoritären Staates und schließlich die Vernichtung des Traums vom "christlichen Ständestaat" durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Über den Autor. Dr. Werner Dreier, Historiker, Lehrer, zahlreiche Publikationen zur regionalen Zeitgeschichte, Antisemitismus, Nationalsozialismus; Mitglied der Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance, and Research; seit 2002 Aufbau und Leitung der Projektstelle 'Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart', Vermittlungsprojekt des BMBWK für Lehrende an österreichischen Schulen (gemeinsam mit Peter Niedermeier).

Malin-Gesellschaft.
Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation und ihre freundliche kostenfreie Online-Stellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.

 [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒ 
Lohnt sich ein Download? Inhalt zur vorgängigen Orientierung: 

Abkürzungen 7
Einleitung 8

BEWEGTER ANFANG:
AUF DER STRASSE UND IM LANDHAUS
Die Demonstranten 16
Die wirtschaftliche Lage 19
Zusammenbruch - Umbruch - Aufbrüche:
Der schwierige Weg in die Republik 24
Demonstrationen - Politik auf der Straße 32
Von Aufläufen und Tumulten 63

POLITIK UND REVOLTE: DIE BAUERN 67
Die Lage der Bauern in Vorarlberg 68
Die Bauernrevolte 70
Von den "Unabhängigen" zum Bauernbund 74
SOZIALE LAGE UND SOZIALE MACHT 78
Löhne und Lebenshaltungskosten
Zur sozialen Situation: Gesundheit, Ernährung, Wohnverhältnisse und Bildungsmöglichkeiten 87
Arbeitsrecht und Unternehmermacht 94
Muskelschwund im starken Arm: Gewerkschaften und Arbeitskämpfe 105

WIRTSCHAFTSKRISE, BESCHAFTIGUNGSKRISE UND KRISE DER WIRTSCHAFTSPOLITIK:
DIE GROSSE ARBEITSLOSIGKEIT AM ENDE DER REPUBLIK 133
Wirtschaftskrise 133
Beschäftigungskrise 142
Krise der Wirtschafts- und Sozialpolitik 146

PARTEIEN - WELTANSCHAUUNGEN - KULTURKAMPF 154
Der politische Katholizismus - Die CVP 155
Die laizistischen Parteien 158
Der rechte Laizismus 161
Der linke Laizismus: SDAP und KP 163
Wahlkämpfe und Wahlergebnisse 171
Der Kulturkampf 178
"Über das Judentum feststehende Wahrheiten":
Antisemitismus als politisches Kalkül 190
"Zum Ärger der gesitteten Welt": Zigeuner/Roma 197

DER VORARLBERGER WEG IN DEN AUSTROFASCHISMUS 200
Vom Start in die demokratische Republik bis zum Juli 1927:
Die Ordnung der Macht 200
Die als Entpolitisierung getarnte Umpolitisierung des Heeres 202
Der Vorarlberger Heimatdienst 207
Der Republikanische Schutzbund 212
Der Juli 1927 216
Vom Juli 1927 bis zur Kanzlerschaft Enders 1931:
Das Vorarlberger Modell eines autoritären Staates lässt sich in der Bundespolitik nicht verwirklichen 220
Vom Rücktritt Enders im Juli 1931 zur Etablierung des austrofaschistischen Systems 1934: Autoritärer Staat versus Austrofaschismus 226
Vom März 1933 zum Februar 1934 235

"JETZT HABEN WIR'S GESCHAFFT..." AUSTROFASCHISMUS UND NATIONALSOZIALISMUS 244
Vorarlberg im Austrofaschismus 246
Lage der Arbeiterschaft 249
Die Vaterländische Front 253
Der "deutsche Weg" 254
Der Triumph des Nationalsozialismus 259

Tabellen 270
Anmerkungen 279
Literatur 300
Bildnachweis 312
Personen- und Firmenregister 313
Ortsregister 317

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