Freitag, 10. März 2017

[ #Feldkirch ] Die Vereinigung zu Groß-Feldkirch

1925 stimmten die Bürger der Gemeinden Altenstadt (mit Levis, Altenstadt, Gisingen und Nofels), Tosters und Tisis der Vereinigung mit der Stadt Feldkirch zu. 

Um 1200 gründete Graf Hugo I. von Montfort (gest. um 1235) die Stadt Feldkirch an der Ill. Sie bildete am rechten Ufer einen strategischen Brückenkopf und blieb Jahrhunderte im Wesentlichen auf ihre Stadtmauern beschränkt.

Fortbestehen. Seit 1925 ist Feldkirch von seiner Struktur her eine in ganz Vorarlberg und sicherlich auch in Österreich einmalige Gemeinde. Der mittelalterliche Stadtkern ist von den ehemals selbständigen ländlichen Gemeinden Tisis, Tosters, Altenstadt mit Levis, Gisingen und Nofels umgeben, die noch immer, trotz der Vereinigung im Jahre 1925, ein starkes Eigenleben führen, über ein reges Vereinsleben verfügen und noch immer ein ausgeprägtes Selbstverständnis haben.

Seit der Gründung von "Groß-Feldkirch" besteht die Stadt aus sieben Fraktionen, von denen jede einen Ortsvorsteher besitzt, der von der Stadtvertretung im Einvernehmen mit dem Bürgermeister bestellt wird. Die sieben Fraktionen sind: Feldkirch (3.240 Einwohner), Levis (2.291 Einwohner), Altenstadt (4.658 Einwohner), Gisingen (8.262 Einwohner), Nofels (3.742 Einwohner), Tosters (5.301 Einwohner), Tisis (4.949 Einwohner).

Feldkirch aus der Topographia
Germaniae (Merian), 1643 © wikimedia
Historischer und politischer Prozess. Die über der Stadt drohende Schattenburg wurde um 1260 im benachbarten Gericht Rankweil-Sulz, in der späteren Gemeinde Altenstadt, erbaut. Das Schlossareal wurde erst 1827 eindeutig Feldkirch zugesprochen. Die Bestrebungen Feldkirchs zuerst sich flächenmäßig zu vergrößern, dann sich mit den umliegenden Gemeinden zu vereinen, hatten bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt.

Ein Dreivierteljahrhundet lang wurde um diesen Zusammenschluss gekämpft, kam es zu einem permanenten Tauziehen zwischen der Muttergemeinde Altenstadt und der "Filiale" Feldkirch. Die Feldkircher hatten jahrhundertelange Nutzungsrechte auf den Altenstädter Allmeingründen, die erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgelöst wurden. Ab 1850 wurde, lange Zeit vergeblich, über eine Eingemeindung von Levis verhandelt, wo sich seit 300 Jahren der Stadtfriedhof befand und 1872 auch der Feldkircher Bahnhof in Betrieb ging. 1896 gelang es den Feldkirchern, der Gemeinde Tisis den Ortsteil Heiligkreuz jenseits der Ill abzukaufen, wo schon bald Prestigebauten der Justiz- und Finanzverwaltung und der Stella Matutina (dem heutigen Landeskonservatorium) in Angriff genommen wurden.

Vereinigungsbrücke in Feldkirch in
der Kapfschlucht © wikimedia
Vereinigungsbrücke. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen die Einigungsgespräche wieder in Gang. 1925 stimmten die Bürger der Gemeinden Altenstadt (mit den Fraktionen Levis, Altenstadt, Gisingen und Nofels), Tosters und Tisis jeweils der Vereinigung mit der Stadt Feldkirch zu und umgekehrt. Daran erinnert heute noch die 1928/29 erbaute Vereinigungsbrücke am Ausgang der Kapfschlucht, wo bis 1896 die vier Ursprungsgemeinden zusammenstießen.


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