Dienstag, 27. Juni 2017

[ #Montafon ] Die Montafoner Oberschicht zwischen 1780 und 1830

[eText/PDF] Im Jahr 1808 wurde im Königreich Bayern eine neue Gemeindeordnung erlassen, die zusammen mit vielen anderen Neuerungen in den Jahren zwischen 1780 und 1830 einen bedeutenden gesellschaftlichen Wandel mit sich brachte.  

Die Bayern waren in Vorarlberg - entgegen den verbreiteten Freiheitskämpfermären ein Reformmotor für Vorarlberg und damit auch für das Montafon.

Für die Montafoner Führungsschichten hatten diese Veränderungen weit reichende Folgen. Die soziale Stellung der Eliten wurde in Frage gestellt. Die Umbrüche und von den Eliten geschürten Unruhen hatten bereits mit Maria Theresia und Josef II. eingeleitet. Die Bayrischen Jahre haben dann aber jene Veränderungen gebracht, welche ohne diese mit wesentlich mehr Reibungsverlusten hätten nur umgesetzt werden können.

Die Veränderungen begannen mit einem Bedeutungsgewinn für das Montafon. Kaiserin Maria Theresia bewilligte 1774 die Errichtung eines selbstständigen Gerichtes im Montafon und das Montafon erhält 1790 nach endgültiger verwaltungsmäßiger Trennung von Bludenz mit Johann Joseph Batlogg seinen ersten durch Kaiser Leopold II. ernannten Landamann und Richter. Aber schon 1796 wird im Kloster St. Peter in Bludenz der der Kreishauptmann Indermauer ermordet, woran auch die Montafoner Bürger waren beteiligt waren. Die Fortschritte waren Kirche und Montafoner Eliten nicht willkommen und auch die Aufwertung von Schruns als Sitz des Landegerichts Montafon durch die Bayern zu einem staatlichen Gerichts- und Verwaltungszentrum bedeutet zuerst einen Bedeutungsverlust für die reichen Montafoner Führungsschichten, welche sich die Verwaltungsposten teilten.

  

Armes Tal. Von 1822 – 1850 war Kreishauptmann Johann Nepomuk Ebner der oberste Landesbeamte und Landeshauptmann Vorarlbergs. Seine einzigartigen Tagebuchaufzeichnungen sind eine der wichtigsten Quellen für die Landesgeschichte Vorarlberg in der Zeit der Frühindustrialisierung. Er berichtete für das Jahr 1832, dass allein aus Vorarlberg 1800 bis 2000 Kinder ins Schwabenland gingen. 1834 sollen es allein aus dem Montafon 400 gewesen sein. Der Hauptteil waren meist Buben von 10 bis 16 Jahren, die das Vieh der Bauern beaufsichtigten. Mädchen wurden als Kindermädchen verwendet. Wie überhaupt viele der Männer aus dem Tal im Sommer als Verputzer, Maurer, Stukkateure und Krautschneider in Süddeutschland, der Schweiz und in Frankreich Arbeit suchen mussten. Auch zusätzlicher Verdienst als Sensenhändler, Ährenleserinnen und Hirten im benachbarten Ausland wurde versucht.

Die Bevölkerung im Montafon war also arm und die Bevölkerugnszahl stagnierte. Gegenüber 7.442 Einwohnern im Jahr 1754 erhöhte sich die Zahl zwar langsam auf 8.669 im Jahr 1837, ging in den folgenden Jahrzehnten aber sogar wieder auf den Stand der 1750er Jahre zurück.

Dagegen gab es sehr wohl Reiche und deren Einkommen resultierte - wie der Autor am Beispiel der Vermögensaufstellung von Oswald Tschohl für das Jahr 1809 deutlich zeigt -, nicht die Landwirtschaft sondern das Kreditgeschäft.

MMag. Michael Kasper. Geb. 1980, Lehramtsstudien Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, Geographie und Wirtschaftskunde (2006) sowie Katholische Religion (2008) in Innsbruck. Seit 2007 Stipendiat und Projektmitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethnologie der Universität Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Regionalgeschichte Tirol und Vorarlberg, Sozialgeschichte, Geschichte der Neuzeit.

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