Montag, 11. Januar 2016

[ #Feldkirch ] Paula Ludwig und Bert Brecht

Exil aus Anstand.  

Paula Ludwig (* 5. Januar 1900 in Feldkirch; † 27. Januar 1974 in Darmstadt) war eine Vorarlberger Schriftstellerin und Malerin. Sie lernte Brecht bereits Anfang der 20er Jahre in München kennen. In Berlin begegnete man sich wieder. Paula Ludwig besuchte die Aufführungen der Brecht-Stücke: den "Baal", später die "Dreigroschenoper".

Der Nationalsozialismus machte dem intensiven künstlerischen Leben der Weimarer Republik ein jähes Ende. Brecht ging ins Exil nach Dänemark, später in die UdSSR und die USA. Paula Ludwig fühlte sich unwohl im nationalsozialistischen Deutschland. Obwohl sie weder rassisch noch politisch verfolgt war, lebte sie ab 1933 in Ehrwald in Tirol. 1938 floh sie - wegen ihres Eintretens für deutsche Juden bedroht - über die Schweiz nach Frankreich und 1940 nach Brasilien, wo ihre Schwester lebte. In Rio de Janeiro und Sao Paulo blieb die Regimekritikerin von 1940 bis 1953 im Exil. Heute ürden die östereichischen Asylbehörden Paula Ludwig zurückschicken. Anstand ist ja bekanntlich kein Asylgrund.

Als sie 1953 nach (West-)Deutschland zurückkehrte und bald nach Ehrwald in Tirol auswich, machten Freunde von ihr Bertolt Brecht in (Ost-)Deutschland auf die dramatischen Lebensumstände von Paula Ludwig aufmerksam. Es entwickelte sich ein kurzer Briefwechsel im Jahr 1955. Bertolt Brecht erinnerte sich an Paula Ludwig, versuchte ihr auch unkompliziert und rasch zu helfen. Brecht starb aber schon ein Jahr später, im August 1956.

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