Mittwoch, 15. Februar 2017

[ #Vorarlberg ] Vorarlberger Zensur nach 1945: Lehar, Bahr und Schiller ...



Vorarlbergs unlustige Witwe. 

Der Vorarlberger Kulturhistoriker Leo Haffner berichtet in seinem Aufsatz "Die Aufklärung und die Konservativen" (Malingesellschaft, 1982 Der Aufsatz wurde zu einem Standardtext über die Konflikte zwischen dem liberalen und dem konservativen Lager im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und über die Auswirkungen, die der Sieg des politischen Katholizismus in Vorarlberg bis weit in die 1970er Jahre hatte.) über Zensurabsichten bei der Aufführung von Lehars Stück die Lustige Witwe im Jahre 1948, nur drei Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus!

Franz Lehar. "Der Intendant der Vorarlberger Landesbühne, Kaiser, berichtete ..., dass er vor jeder Vorarlberg-Tournee die einzelnen Gemeinden um eine Aufführungsbewilligung anschreiben und den Text des Stückes beilegen musste. Die Genehmigung erfolgte, wenn die Thematik der Haltung der jeweiligen Behörde entsprach. Die von den Vorarlberger Gemeinden vorgenommene Zensurierung der Stücke ging laut Kaiser "weit über den Rahmen der nationalsozialistischen Zensurstellen hinaus" .

Auch die Landesregierung schaltete sich bei der Frage der Stückwahl ein. Sie hatte z.B. gegen die Inszenierung der "Lustigen Witwe" Bedenken - bemängelt wurden die Frivolität und die mangelnde moralische Basis des Stückes. Wahrscheinlich befürchtete man eine zu offenherzige Darbietung des Grisettenballettes. Die Gründe waren zu wenig triftig, so dass schließlich die Aufführung genehmigt wurde - allerdings unter Jugendverbot. Die Jugendlichen wurden jedoch nicht beim Eintritt kontrolliert, sondern erst, nachdem sie sich bereits im Zuschauerraum befunden hatten, von der Polizei wieder ausgewiesen. Das war 1948.

Hermann Bahr. 1946 rief in der innerösterreichischen Presse die Tatsache Aufruhr hervor, dass ein Stück von Hermann Bahr, "Das Konzert", zensuriert und neben vielen Pointen auch der Schlussszene entledigt worden war, weil einige Stimmen gegen die Unmoral dieses Lustspiels protestierten. Die Zensurierung erfolgte erst nach der Premiere.

Friedrich Schiller. Die Gemeinde Götzis - in früheren Jahrzehnten eine der Hochburgen der "Kasiner" - entwickelte in Fragen der Zensur besonders strenge Maßstäbe. Da wurde die Aufführung von Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" 1946 verboten.

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