Samstag, 3. Oktober 2015

[ #Hohenems ] Zwei Retrodigitalisate von Rabbiner Daniel Ehrmann aus Hohenems online

Das Werk "Beiträge zu einer Geschichte der Schulen und der Cultur unter den Juden Von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Schlusse des Talmuds" erschienen 1846 in Prag von dem Hohenemser Rabbiner Daniel Ehrmann steht als Retrodigitalisat bei der Österreichischen Nationalbibliothek online.

Rabbiner Daniel Ehrmann. Daniel Ehrmann wurde 1817 in Mattersburg geboren. 1845 kam er als Rabbiner und Nachfolger von Abraham Kohn nach Hohenems, wo er bis 1852 blieb. In diesem Jahr folgte er einem Ruf nach Böhmisch-Leipa. Er fiel nicht nur durch seine Entschlusskraft in Bezug auf das jüdische Schulwesen und sein rhetorisches Talent auf, sondern auch durch seine Publikationstätigkeit. Er starb am 15 November 1882 in Brünn.

Solidarität mit der Gemeinde. Aron Tänzer schreibt in seiner Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg:
"Mit Rabbiner Daniel Ehrmann war ein Mann von nicht nur bestem Willen, sondern auch reicher praktischer Erfahrung nach Hohenems gekommen, der es besser als sein Vorgänger und mit geringeren Kämpfen und Mitteln verstand, seine Ideen
durchzuführen.
Ehrmann schuf sich einen starken Rückhalt in der Gemeinde für seine reformatorischen Bestrebungen dadurch, dass er die Gebildeten, Reichen und Moderngesinnten unter dem Namen „Kultuskomitee" vereinigte und so ein nachhaltiges Wirken mit vereinten bedeutenden Kräften ermöglichte.
Diese Gründung des Kultuskomitees war eine kluge Tat Ehrmanns, weil er damit dem aus dem Wege ging, was so viele Rabbiner in vielen Gemeinden an der Durchführung oft sehr guter Pläne hinderte und noch hindert. Er brauchte nicht über den Kopf der Gemeinde hinwegzuhandeln, verhinderte aber auch, dass über ihn hinweg gehandelt wurde und er nur pro forma nachträglich gutzuheissen hatte, was ohne ihn geschehen war und er nicht mehr ändern konnte. Endlich aber lag in dieser Solidarität mit der Gemeinde oder doch ihrem besser gesinnten Teile die Bürgschaft des Erfolges." 
Kultuskomitee. Im Oktober 1846 konstituierte sich auch wirklich das Kultuskomitee in Hohenems mit denkwürigen Statuten, das eine Partizipation der jüdischen Gemeinde an den jüdischen Kultusangelegenheiten ermöglichte. Damit waren die Hohenemser Juden schon 1846 auf dem Stand, den beispielsweise die katholische Kirche mit ihren Pfarrgmeinderäten ähnlich erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965) schaffte:
  • Zur Regelung und Leitung der Kultusangelegenheiten besteht ein Kultuskomitee. 
  • Zweck des Komitees ist, die Kultusangelegenheiten in weitestem Umfange zu beraten und die Beschlüsse nach Kräften in Wirksamkeit zu setzen. 
  • Das Kultuskomitee ist von der Vorstehung zur sofortigen Durchführung seiner Beschlüsse bevollmächtigt worden. Nur besonders wichtige Beschlüsse und solche die Geldausgaben erfordern, sollen erst der Vorstehung vorgelegt werden. 
  • Nicht nur Synagogen- sondern auch alle andern religiösen öffentlichen Angelegenheiten fallen in den Bereich des Kultuskomitees. 
[Zeitreiseführer-Vorarlberg]⇒


1 Kommentar:

Sokrates hat gesagt…

Ein ordentliches Stück früher Demokratie - und das im Ländle im 19. Jahrhundert.

von http://bergfuchs.blogspot.co.at