Mittwoch, 25. November 2015

[ #Vorarlberg ] Reformation, Gegenreformation und katholische Reform in Vorarlberg

Eine Diplomarbeit beleuchtet die Geschichte der Reformation, der Gegenreformation und der katholischen Reform in Vorarlberg vom 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts. 

Der Vorarlberger Gergely Csukás hat im Zuge seines Diplomstudiums "Evangelische Fachtheologie" eine für die Vorarlberger Geschichtsschreibung hervorragende Diplomarbeit an der Universität Wien geleistet und damit eine erhebliche Lücke gefüllt, auch wenn er bescheiden seine Arbeit nur als eine grundlegende Einführung zur weiteren Erforschung protestantischen Lebens in Vorarlberg zu verstehen will und Hinweise gibt, auf welchem Gebiet noch weiteres Material und Antworten hierfür zu finden wären.

Abstract. Die bisherige Betrachtung dieses Themengebietes erfolgte zumeist aus einer dezidiert katholischen Perspektive, die einer erneuten Durchsicht bedarf. Die Sekundärliteratur beschränkte sich dabei auf Einzeldarstellungen, die nun zur Gänze gesammelt sowie kritisch und systematisch ausgewertet wurden. Die Leitmethode ist dabei weniger eine politisch- oder sozialgeschichtliche, sondern vielmehr eine kirchengeschichtliche. Die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und insbesondere die geistigen und kirchlich-religiösen Verhältnisse am Vorabend der Reformation werden untersucht. Ohne diese Verhältnisse lässt sich das rasche Verbreiten reformatorischer Lehren in Vorarlberg nicht verstehen.

Der „Kommunalisierung des öffentlichen religiösen Lebens“, den Missständen in der Kirche und im Klerus und dem Humanismus als geistigem Nährboden kommt eine wichtige Bedeutung bei der rasanten Verbreitung der Reformation in den 1520er Jahren in Vorarlberg zu.

Zahlreiche Humanisten und Reformatoren aus Vorarlberg wirkten im protestantischen Ausland, insbesondere in Wittenberg im Umkreis Luthers. Reformatorische Prediger verbreiteten reformatorische Lehren, die die Bauern und die Bürger in ganz Vorarlberg begeistert aufnahmen. Die Hoffnungen der Prediger, der Bauern und der Bürger (insbesondere in Bludenz) auf eine Reform der Kirche und auf höhere politische Selbständigkeit wurden jedoch aufgrund des energischen Einschreitens der Habsburger und der Ritter von Ems enttäuscht.

Dennoch konnte eine vollständige Rekatholisierung Vorarlbergs in weiterer Folge bis ca. 1650 nicht erreicht werden, obwohl die habsburgischen Landesfürsten durch Mandate und durch verstärkte soziale Kontrollen sowie die römisch-katholische Kirche nach dem Tridentinischen Konzil durch kirchliche Gebote, Mission und verstärkte Bildungsmaßnahmen für Klerus und Bevölkerung für eine einheitliche katholische Konfession unter der Bevölkerung sorgen wollten.

Insbesondere in der Täufergemeinde zu Au und in den Städten Bregenz und Feldkirch hielt sich lange Zeit der Protestantismus im Untergrund und in der Illegalität auf. Insofern kann man für Vorarlberg von der Existenz eines „Geheimprotestantismus“ sprechen. Allerdings bedarf dieses Phänomen einer weiteren auf Primärquellen gestützten Erforschung.


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