Samstag, 11. März 2017

[ #Vorarlberg ] Rote Liste der Pflanzen Vorarlbergs

In Vorarlberg sind nach derzeitigem Wissensstand ziemlich genau 1.700 Arten wildwachsender Blütenpflanzen, Farngewächse, Schachtelhalme und Bärlappe bekannt.

Diese seit alters her im Land ansässigen Pflanzen repräsentieren die heimische Flora. Zusätzlich gelang es in der jüngeren Geschichte – mit direkter oder indirekter Unterstützung des Menschen – etwa 100 Arten aus anderen Florengebieten, sich in Vorarlberg dauerhaft anzusiedeln. Diese werden als eingebürgerte Neophyten (Neubürger) bezeichnet. Ziemlich genau 100 Arten der heimischen Flora sind allerdings auch in diesem Zeitraum aus unserem Land verschwunden und müssen
daher als ausgestorben betrachtet werden.

Weiters konnten die Botaniker noch mindestens 450 Arten und Unterarten im Lande entdecken, die jedoch nur unbeständig auftreten oder ehemals unbeständig aufgetreten sind. Dabei handelt es sich oftmals um aus Gärten verwilderte oder anderweitig durch Menschen verbreitete Pflanzenarten, die sich bei uns nicht dauerhaft halten konnten bzw. können.

Floristischer Status der in Vorarlberg wild wachsenden Pflanzenarten:


Artenzahl
Anteil (n=1697)



heimisch – vorhanden
 1509
94 %
heimisch – ausgestorben
     99
  6 %
Neophyten – eingebürgert
   102

unbeständig
~ 450





Artenreichtum im Vergleich. Vorarlberg beherbergt etwas mehr als die Hälfte der österreichischen Flora, die etwa 3.200 einheimische und voll eingebürgerte Arten umfasst, und etwas weniger als die Hälfte der Flora des gesamten Alpenbogens, die ungefähr 4.000 Arten zählt.

Im Ländle gibt es etwa 850 verschiedene Moose, also immerhin etwa halb so viele wie Blütenpflanzen, Farne, Schachtelhalme und Bärlappe. Die Zahl der in Vorarlberg nachgewiesenen Flechten liegt bei über 1.000 und jene der Großpilze bei etwa 1.500.

Das Bundesland Salzburg mit ähnlicher Biotopausstattung vom Alpenvorland bis zum Alpenhauptkamm und ähnlichem Klima beherbergt etwa ebenso viele Arten. Auch die Artenzusammensetzung ist vergleichbar. Dagegen hat das Burgenland, das ebenfalls etwa gleich viele Arten beherbergt, eine deutlich verschiedene Flora. Dort fehlen die hohen Berge mit ihrer speziellen Gebirgsflora, dafür hat das Burgenland einen wesentlichen Anteil an der einzigartigen pannonischen Flora. Diese schlägt auch im artenreichsten Bundesland Niederösterreich (insgesamt 2.400 Arten) zu Buche, das zudem einen größeren Anteil an den Alpen hat. Auch die südlichen Bundesländer Österreichs, Kärnten mit etwa 2.100 Arten und Steiermark mit etwa 2.200 Arten, sind deutlich artenreicher als Vorarlberg.

Gefährdung. Insgesamt ist etwas mehr als ein Fünftel der etwa 1.700 heimischen Arten (21%) in mehr oder weniger starkem Ausmaß gefährdet, knapp 100 Arten (6%) sind schon ausgestorben. Gefährdet bedeutet, dass eine Art aufgrund von Seltenheit, Arealverlusten, Bestandsrückgängen oder permanenter Bedrohung ihrer Lebensstätten in eine der Kategorien »vom Aussterben bedroht«, »stark gefährdet« oder »verletzlich« eingeordnet wurde. Ihr Überleben kann längerfristig nur mit Hilfe spezieller Schutzmaßnahmen gesichert werden. Dabei kommt dem Biotopschutz eine zentrale Rolle zu. Es gibt aber auch im Bestand rückläufige Arten, die noch weit verbreitet sind. Sie werden als »potentiell gefährdet« in der Liste geführt (10%).

Eine aus Naturschutzsicht ganz besondere Kategorie sind die seltenen heimischen Arten, die nur an wenigen Stellen in oft kleinen Populationen im Land zu finden sind, deren Populationen bzw. Wuchsorte aus heutiger Sicht aber noch nicht bedroht scheinen (9%). In gewisser Weise sind auch sie potentiell gefährdet und wurden daher in der ersten Roten Liste Vorarlbergs in diese Kategorie eingeordnet. Es handelt sich oft um Pflanzenarten am Rande ihres Verbreitungsgebietes und nicht selten um Raritäten unserer Alpenflora (z.B. Alpen-Mannsschild, Mt.-Cenis-Glockenblume, Moosglöckchen). Verändert sich das Bedrohungsszenario, etwa dadurch, dass sich die zivilisatorischen Eingriffe in Gebirgswäldern und in Hochgebirgen verstärken, so rücken sie rasch in hohe Gefährdungskategorien auf. Auch die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich derzeit noch kaum abschätzen und könnten in einer späteren Roten Liste vielleicht schon erste Spuren hinterlassen.

Literatur. Die »Aktualisierte Rote Liste der der Farn- und Blütenpflanzen Vorarlbergs« ist Teil des Buchprojekts »DAS PFLANZENLEBEN VORARLBERGS« von Georg Grabherr et al. (Mai 2016; BUCHER Verlag Hohenems – Wien – Vaduz).

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