Montag, 22. Mai 2017

[ #Bregenz ] Migration: Kärntner und Steirer schon 1911 als "Edelweiß" in Bregenz

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zog Vorarlberg mit seinem erstarkenden Tourismus, einem blühenden Gewerbe und etlichen Fabriken Arbeitsmigranten aus der ganzen Monarchie an. Noch heute bestehen Kärntner und Steirer Landsmannschaften.

Heimweh und das Bedürfnis, die kulturelle Identität zu pflegen, ließen schon bald landsmannschaftliche Zusammenschlüsse entstehen. Zu den ersten dieser Art gehörte der Verein der Kärntner und Steirer „Edelweiß“, zu dessen Gründung sich die Proponenten am 20. August 1911 versammelt hatten.

Die bei der Behörde eingereichten Statuten nennen als Vereinszweck die Pflege der „heimatlichen Gesänge, Sitten und Gemütlichkeit, die durch „Gesang, Musik, komische Vorträge, teatralische [sic!] Aufführungen und Ausflüge etc.“ erfolgen sollte, außerdem die Unterstützung durch Krankheit in Not geratener Mitglieder.

Demokratisch. Wirkliche Mitglieder konnten nur Kärntner und Steirer ab dem 17. Lebensjahr werden, „unterstützende sind alle jene anderer Länder“. Die Wahlen sahen zwingend eine Wahl mittels Stimmzettel vor. Der Obmann (Vorstand) des Leitungsausschusses stimmt nach den Statuten bei Entscheidungen nicht mit, hat aber im Falle der Stimmengleichheit das Dirimierungsrecht.

Den Höhepunkt des Vereinslebens bildete ein Weinlesefest mit Tanz am 6. Oktober 1912 im Forstersaal in der Kirchstraße, dem ein Trachtenumzug vom Bahnhof zum Veranstaltungsort voran ging. Der Verein löste sich im Juni 1914 wieder auf. Ob das mit dem Attentat auf den Thronfolger und dem einen Monat später begonnenen Weltkrieg zusammen hing?

Fremdhäßige. Im Vorarlberger Sprachgebrauch waren solche Zuwanderer "Fremdhäßige", weil sie eine andere Kleidung (Vorarlberger Mundart: "Häß" = Kleidung, Gewand) trugen (also "integrationsunwillig" waren).

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