Dienstag, 24. Januar 2017

[ #Vorarlberg ] Notizen zu einer Geschichte des Kinos und der Filmzensur in Vorarlberg

Bild: Arbeiterzeitung 1.9.1926
Die ersten Kinovorstellungen in Vorarlberg fanden im Jahre 1907 statt. 

1910 wurde schließlich das erste ständige Kino eingerichtet: die Saalbau–Lichtspiele in Feldkirch. 1926 wurde trotz Zensurverbotes vom Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Ender der Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin verboten. Von 1955 bis 1989 waren es gar 341 Filme!

Geschichte des Kinos in Vorarlberg.
Eine fünfzigseitige PDF-Datei beschreibt die Geschichte des Kinos in Vorarlberg. Aufgrund familiärer Bindungen des Autors und der damit verbundenen Quellenverfügbarkeit wird besonders auf das Saalbaukino in Feldkirch eingegangen. Ebenso wird auf die Veränderung der Kinolandschaft hingewiesen.

Satellit und Internet gegen Vorarlberger Zensur. Zwischen 1955 und 1989 wurden 341 Filme per Verordnung in Vorarlberg verboten. Auf der Grundlage des Lichtspielgesetzes sollten die (erwachsenen!) Bürgerinnen und Bürger des Landes vor "entsittlichenden, verrohenden und das religiöse Empfinden verletzenden" Bildern bewahrt werden.  Satellitenempfang und Inernet machten dem Spuk - hinter dem vor allem die konsverative ÖVP mit dem seinerzeitigen Landeshauptmann Dr. Kessler stand - ein natürliches Ende.        
       
Austrofaschistische Tradition. Aber auch schon in der I. Republik wurde zensuriert, wie wohl seit Oktober 1918 jede Zensur in Österreich untersagt war. Getroffen hatte es den weltberühmten  Stummfilm des russischen Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925. Gesetzesbrecher war der Vorarlberger Landeshauptmann, der auch die austrofaschistische Verfassung (von Mussolini ab)geschrieben hatte:

" ... Jedenfalls reichte er dem Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Otto Ender aus, um den Film in seinem Bundesland verbieten zu lassen. Die sozialistische Arbeiter-Zeitung griff Otto Ender daraufhin in ihrer Berichterstattung an (27.6.1926). Dieses Vorgehen zeige wieder einmal, wie ungeniert die Christlichsozialen mit dem Gesetz umspringen. Es sei ja Enders Gepflogenheit Gesetze, die ihm nicht passen, einfach zu missachten. Die Arbeiter-Zeitung forderte den Verfassungsgerichtshof in dieser Frage anzurufen, da jede Form der Zensur in Österreich seit Oktober 1918 verboten sei. ... "


[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

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