Donnerstag, 14. April 2016

[ #Bregenz ] Hitlers unentbehrlicher Vorarlberger Helfer: Dr. Emil Gansser aus Bregenz


Wer weiß, denn schon, dass es ein "Vorarlberger" (Bild) war, welcher die Kontakte Hitlers zur Geldwirtschaft und Industrie hergestellt hatte?
Was nicht in euren Lesebüchern steht.Geschichten, welche im Geschichtsbuch fehlen,Sind immer die, um die sich alles dreht.(Erich Kästner)
Der Bregenzer Dr. Emil Gansser (auch Ganßer; * 7. Oktober 1874 in Bregenz; † 9. Januar 1941 in Berlin) war einer der ältesten und aktivsten Helfer Adolf Hitlers. Er gilt als der erfolgreichste Geldbeschaffer der NSDAP. Er ist in Bregenz geboren, übersiedelte aber mit seinen Eltern nach Stuttgart. 1924 fand er, nachdem er den deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert des Landesverrates bezichtigt hatte, Zuflucht bei der NS-Fabrikantenfamilie Faigle in Hard.

Siemens. Emil Gansser war schon sehr früh für Hitler in der Schweiz um dort Geldspenden für ihn auzutreiben. Er ist leitender Angestellter (Sprengstoffchemiker) beim Siemenskonzern in Stuttgart. Als aktivster und erfolgreichster Geldsammler im In- und Ausland für die junge und noch fast unbekannte NSDAP nützt er die weitverzweigten Auslandsbeziehungen von Siemens: Insbesondere in der Schweiz rekrutiert der umtriebige Gansser Millionenbeträge für die Faschistenpartei. Durch polizeiliche Ermittlungen ist beispielsweise zweifelsfrei im Jahre 1923 belegt, dass Gansser einmal 33.000 Schweizer Franken in die NSDAP-Kasse heimbrachte.

Belegt sind auch als von ihm "aufgerissene" Spender-Namen wie Borsig, Siemens, und der Malzkaffeefabrikant Richard Franck. Daneben arrangiert er im Frühjahr 1922 des "Proleten" Hitlers Auftritte im Berliner "Nationalklub" vor versammelter großindustrieller und bürgerlicher Prominenz. Gansser in einem Schreiben an einen weiteren Siemens-Nazi: "Wie kann die Masse des deutschen Volkes von der Roten Internationale auf den Boden des deutschen Volkstums zurückgeführt werden, oder wie schaffen wir einen deutschen Willensblock?"

Hitler durch Bregenz. Im August 1923 reiste Adolf Hitler höchst persönlich mit einem Visum ("zu Studienzwecken) in die Schweiz, um Geld zu sammeln. Er kam Sonntag, 26. August, mit einem Bodenseeschiff nach Romanshorn und fuhr von dort weiter mit dem Auto bis nach Zürich, wo er eine Reihe von Schweizer Unternehmern traf. Am darauffolgenden Dienstag besuchte Hitler noch den Schweizer General Wille auf dessen Landgut Mariafeld in Meilen. Nach einer Autofahrt den See entlang, durch St. Gallen und Bregenz hindurch kam Hitler dann am Abend wieder in Lindau an. Zwischen April und Dezember 1923 hielt sich Gansser mindestens sechs Mal zum Geld sammeln in der Schweiz auf. Der Schweizer Franken war in der Inflationszeit bei den Nazis natürlich sehr begehrt. Hitler Fahrer sagte nach dem Münchner Hitler-Putsch auch aus, dass er mehrmals in Schweizer Franken bezahlt wurde.

Gansser war jedenfalls bereits am 1. November 1922 bei einer Stippvisite Hitlers in die Schweiz dabei. Gemeinsam mit dem späteren Führer-Stellvertreter Rudolf Heß trägt er sich dort in das Gästebuch des Seidenfabikanten Schwarzenbach-Wille auf dem Landsitz Bocken in Horgen (bei Zürich) ein. Auch der "NS-Dichter" und Chefredakteur des Völkischen Beobachters Dietrich Eckart war dabei. Ganssers Bruder Hans hatte dessen erste NS-Hymne "Sturm" vertont und Eckarts Gedicht „Deutschland erwache“ vertont. Das Sturm-Lie wurde beim ersten NSDAP-Parteitag 1923 uraufgeführt. Es wurde aber wegen der "schlechten Singabrkeit" bald ausgetauscht.

Gansser war auch Mitglied der unter der Bezeichnung „Sternecker-Gruppe“ bekannten eingeschworenen Gemeinschaft alter NS-Kämpfer, die rund 300 Mitglieder umfasste. Zu diesem Freundeskreis hatten sich 1933 unter Leitung von Rudolf Schüssler die frühesten Anhänger Hitlers zusammengeschlossen, die sich Anfang der 1920er Jahre im Sterneckerbräu in München zusammengefunden hatten und Hitler anfangs ständig begleiteten. Um in den exklusiven Kreis aufgenommen zu werden, mussten die potentiellen Mitglieder mittels eines Fragebogens umfassend über ihr politisches Engagement für die Bewegung Auskunft geben und Zeugen für ihre Angaben benennen.

Antidemokrat. Im Juni 1922 rief der Emil Gansser dem deutschen Staatsoberhaupt Ebert auf dem Münchner Bahnhofsvorplatz "Landesverräter" zu. Ein solches Schlagwort kursierte schon seit einiger Zeit in der Presse. Der Vorwurf des Landesverrats stammte aus der Zeit, in der die Sozialdemokraten zu Reichsfeinden abgestempelt, ausgegrenzt und bekämpft worden waren. Konkret richtete sich der Vorwurf auf Friedrich Eberts Eintritt in die Streikleitung bei den Ausständen im Januar 1918. Ebert trat in einem vor dem Amtsgericht in München anhängigen Verfahren als Nebenkläger auf. Als das Gericht in München den Reichspräsidenten provokativ als Zeugen für den 7. Februar 1924 vorlud, beschloss Ebert auf das Anraten seines Rechtsanwaltes, den Strafantrag gegen Emil Gansser zurückzuziehen. Das brachte die antirepublikanische Hetzlawine erst richtig ins Rollen, denn der Rückzieher Eberts wurde kurzerhand in ein Eingeständnis der Schuld umgedeutet. Die Angelegenheit gipfelte in dem Urteil eines Magdeburger Gerichts: In seiner Urteilsbegründung stellte dieses fest, Ebert habe vom strafrechtlichen Standpunkt aus "durch seine Beteiligung an dem Berliner Massenstreik im Januar 1918" Landesverrat begangen. Jedem war es nun erlaubt, den Reichspräsidenten ungestraft als Landesverräter zu bezeichnen. Wer die Republik und ihre Vertreter hasste, fühlte sich durch dieses Urteil bestätigt. Das Magdeburger Urteil war politischer Rufmord. Friedrich Ebert war vom Ausgang dieses Prozesses tief getroffen. Er starb wenige Wochen nach diesem Urteil.

Korrupte Bagage. Hitler wusste Emil Gansser auch später zu helfen. Auf persönliche Anordnung Adolf Hitlers musste Bormann in der Zeit zwischen 28.3. und 15.4.1939 eine einmalige Unterstützung von 10.000 Reichsmark ausbezahlen um Ganssers dringendste Schulden und Mietzinsrückstände zu begleichen. Gleichzeitig wurden ihm aus der Amtskasse monatliche 600 Reichsmark an "Unterhaltszahlung" zur angemessenen Lebensführung gewährt. Die Unterstützung als "Ehrensold" war einkommenssteuerfrei und nicht pfändbar. Bei seinem Tod hinterließ Emil Gansser Schulden in Höhe von 41.328,55 RM, die von der Reichskanzlei, soweit als berechtigt anerkannt, beglichen wurden.

Findmittelbuch Deutsches Bundesarchiv: Pflegschaft und Nachlaßverwaltung Dr. Emil Gansser
Bemerkung: Sprengstoffchemiker bei Siemens & Halske, vermittelte Hitlers Vortrag vor dem Nationalen Klub 1919 e. V. in Berlin am 29. Mai 1922, 1937 - 1941 Krankenhausaufenthalt wegen Paralyse, 1941 gestorben

Enthält u.a.:
Zuschüsse zur Pflegschaft und zur Befriedigung der Gläubiger. - Nachruf von Lammers (Völkischer Beobachter Nr. 17 vom 17. Jan. 1941)
Unterlagen über Ganssers politische Tätigkeit 1922, dabei: Einladung zu Hitlers Vortrag (Fotokopie), Förderung dieses Vortrages durch den Siemens-Direktor Dr. Burhenne, Zeugnisse von Hitlers militärischen Vorgesetzten Oberstleutnant von Lünenschloß (Btl. Kdr. im Rgt. List) und Generalmajor Petz (Rgts-Kdr.) über Hitler als Regimentsordonnanz 1914 - 1916
Hans Gansser. Sein Bruder Hans Gansser (geb. 1884), war Sachverständiger für Musik im Württembergischen Kultusministerium und ein schauriger Dichter von NS-Liedern. Er wird auch als Komponist des Hakenkreuzliedes von Kernstock zitiert (Das Hakenkreuz -Lied Komponist: Hans Ganßer / Texter: Pfarrer Ottokar (Otto) Kernstock, Berliner Philharmoniker / Gesang: Gerhard Hüsch, 1933)

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