Montag, 3. April 2017

[ #Vorarlberg ] Neophyten in Vorarlberg - Neubürger im Pflanzenreich

Die Ausbreitung "exotischer Arten" ist nahezu weltweit zu einem Problem geworden. 

Neophyten werden oft als prinzipiell Unerwünschtes, zu Bekämpfendes dargestellt, direkt übersetzt bedeutet er aber nur so viel wie "Neu-Pflanze". Dabei handelt es sich um Pflanzenarten, die in einem bestimmten Gebiet nicht einheimisch sind und die erst nach 1492 (Entdeckung Amerikas) unter direkter oder indirekter Mithilfe des Menschen in dieses Gebiet gelangt sind.

Archäophyten. Das Gegenstück zu den Neophyten sind die Archäophyten, also Arten, die seit der Sesshaftwerdung des Menschen nach der Jungsteinzeit eingewandert sind. Ihre Ansiedlung wurde durch die Kulturtätigkeit (Rodungstätigkeit, Ackerbau und Viehzucht, Siedlungstätigkeit) begünstigt. Meist sind dies lichtliebende Steppenpflanzen, viele von ihnen haben heute hohe Naturschutzrelevanz.

Invasive Arten. Die Ausbreitung "exotischer Pflanzenarten" ist nicht erst mit der Globalisierung aktuell geworden. Auch in Österreich gelten inzwischen 27 Prozent der wild wachsenden Pflanzen als Neubürger - als Neophyten.

Allerdings wird nur etwa eine von tausend Arten in ihrer neuen Heimat invasiv, dh zur Problempflanze.

Interessant ist, dass Pflanzen aus der alten Welt in der neuen Welt erfolgreicher sind als umgekehrt. Seit 1500 haben sich in Nordamerika 150 europäische Arten etabliert, während in Europa etwa 90 nordamerikanische Arten Fuß fassen konnten.

In Vorarlberg treten die meisten Neophyten nur sporadisch auf, einige sind echte Raritäten: Der Gezähnte Leindotter (Camelina alyssum) - ein Ackerwildkraut von der Balkanhalbinsel und aus Vorderasien - wurde von Josef Murr ehemals auf Leinäckern in Bregenz-Mehrerau beobachtet. Doch das nützte dem Ackerwildkraut nicht: Nach 1920 wurde diese Art in Österreich nicht mehr nachgewiesen, um 1950 ist das Ackerwildkraut gar weltweit ausgestorben.

Verdienstvoller Herausgeber der tollen Website ist das UMG Umweltbüro Grabher aus Bregenz.


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