Freitag, 24. März 2017

[ #Vorarlberg ] Name und Landwerdung Vorarlbergs

Vorarlberg Karte 1783 © Wikimedia
Es ist ein junges Land. Der Name hat sich erst vor rund 230 Jahren verfestigt. Der Name "Vorarlberg" beginnt sich erst ab 1750 einzubürgern und symbolisiert das Zusammenwachsen der Gebiete vor dem Arlberg zu einem Land.

Die Landwerdung selber hingegen war ein langatmiger Prozess und sein Ausgang auch lange ungewiss. Schon die kirchlichen Institutionen teilten das Land in Einflußzonen von Chur, Konstanz und St.Gallen, ja gar Augsburg.

Udalrichinger (Udalriche) traten ab 860 als Herren des Linz-, Argen- und Alpgaus auf. Sie herrschten ab zirka 920 von Bregenz aus und wurden nach dem Aussterben ihrer Kontrahenten, der Burkharde 973, die beide karolingische Grafengeschlechter (so nach deren häufigen Vornamen benannt) waren, das führende Herrschergeschlecht des Bodenseegebiets, namentlich im Gebiet des späteren Vorarlbergs. Als Erben der Udalrichinger erlangten die Grafen von Montfort um 1200 die Herrschaft im Gebiet von Bludenz, Bregenz und Feldkirch.

Grafen. Im hohen Mittelalter konkurierten die Grafen von Montfort mit den Hohenemser und Bregenzer Grafen. Die von von Bartholomäus Schnell 1616 in Hohenems gedruckte "Emser Chronik" bedeutete so etwas wie den "Beginn der Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung": Etwa 100 Wappen werden in diesem Werk dargestellt – ebenso wie kartografische Holzschnitte, unter anderem die älteste überlieferte Karte "Vorarlbergs". Die politischen Absichten, die hinter diesem Werk steckten, werden in eben dieser Landkarte, die das gesamte heutige Vorarlberg zeigt, deutlich: Mit schraffierten Grenzen ist darin jenes Gebiet gekennzeichnet, das, wenn es nach dem Willen des Initiators Graf Kaspar von Hohenems gegangen wäre, als „Unterrätien“ einen souveränen Territorialstaat unter der Herrschaft der Emser Grafen bilden sollte.

Habsburger. Ab 1750 gehen Maria Theresia und Josef II. daran, die Herrschaften "vor dem Arlberg" zu einem Land Vorarlberg mit einheitlicher Verwaltung und Rechtsordnung zu formen; gegen den Willen der Stände, die beileibe nicht gleichförmige "Vorarlberger" werden wollen. 1765 kommt die Reichsgrafschaft Hohenems mit dem Reichshof Lustenau hinzu, 1804 die Reichsherrschaft Blumenegg und die Propstei St. Gerold.

Provinz gegen Stadt. Weniger im Widerstand gegen Napoleons Heere als denn gegen die Modernisierung während der bayrischen Herrschaft (1809) wächst angeblich Vorarlberg als Schicksalsgemeinschaft. Die Abgrenzung und Selbständigkeitsbestrebung gegenüber Tirol führt zudem zur Betonung einer angeblichen "alemannischen" Eigenart, die sich später vor allem gegen das "Rote Wien" noch bis ans Ende des 20. Jahrhunderts als antimodernistische Propaganda betont.

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