Freitag, 11. Mai 2018

[ #Hohenems ] Die Burganlage Alt-Ems

Die Burganlage Alt-Ems mit sieben Toren, einer Zugbrücke und 47 Räumlichkeiten war einst eine der größten Burganlagen im süddeutschen Raum. Im finsteren Mittelalter wurde dort der geblendete Normannenkönig Wilhelm III. gefangen gehalten.

Die Burganlage Alt-Ems mit sieben Toren, einer Zugbrücke und 47 Räumlichkeiten war einst eine der größten Burganlagen im süddeutschen Raum. In 740 Metern Meereshöhe, 300 Meter über dem Rheintal und einer ursprünglichen Länge von 800 Metern und eine Breite von bis zu 85 Metern war sie nicht nur eine außergewöhnliche Langburg sondern auch eine Anlage, die eigentlich alle nennenswerten Bestandteile einer "Ritterburg" des Mittelalters bilderbuchartig aufweist: Zugbrücke - Vorburg - Burghof (Zwinger) - Wirtschaftsgebäude - Mauertürme - Palas - Kemenate - Kapelle - innerer Burghof - Bergfried, ...

Alt-Ems. Die Burg Alt-Ems ("alt" = hoch, Höhe,) wurde wahrscheinlich schon um 1130 unter den Welfen erbaute und ging 1179/1191 in Staufischen Besitz über. 1160 wird der erste Emser, ein Hainricus de Amedes (Amides, Ems), als Zeuge in einer Urkunde erwähnt. Die Brüder "Rudolfus et Goswinus de Amides" tauchen nach 1170 als Ministerialen des Staufers Friedrich von Schwaben auf.

Dunkles Mittelalter. Die Reichsministeriale waren mit der Burghut der in einem königlichen Forstgebiet erbauten Reichsburg Ems und der Sicherung der Reichsstraße nach Italien beauftragt. Kaiser Heinrich VI. vertraute ihnen 1195 den geblendeten und entmannten Normannenkönig Wilhelm III. von Sizilien, den Sohn des Tankred von Lecce, zur Bewachung auf der Burg Ems an, wo dieser nach nur zwei Jahren 1197 verstarb. Der jugendliche Normannenkönig Wilhelm III. von Sizilien war der erste hochadelige Gefangene auf Alt-Ems. Um 1206 wurde Bischof Bruno von Köln, ein prominenter Vertreter der Geistlichkeit , auf der Burg festgehalten.

Minnesänger. Ja selbst der Minnesänger fehlte nicht, auch wenn er kein Minnesänger im eigentlichen Sinne mehr war. Zwischen 1235 und 1238 nannte sich Rudolf von Ems, der Minnesänger, in seinen Dichtungen einen "Dienstmann ze Muntfort". Er starb 1254.

Burgkapelle. 1268 gelangten die Emser in den reichsunmittelbaren Ministerialenstand. Die wahrscheinlich schon 1311 bestehende Burgkapelle wurde 1351 dem Hl. Konrad geweiht. Ritter Ulrich I. (gest. um 1360) bekam 1343 die Erlaubnis zum Bau einer weiteren Burg: Neu-Ems/Glopper.

Habsburg. 1362 wandten sich die Emser Brüder Rudolf, Ulrich, Manquard und Egolf dem Hause Habsburg zu und traten in dessen Dienste. 1407 wurden die Burgen Alt- und Neu-Ems von den Appenzellern belagert und zerstört. Beide Burgen wurden danach wieder aufgebaut.

Um 1500 erfolgten weitgehende Um- und Zubauten auf Alt-Ems. 1533 stifteten die Gebrüder Georg Sigmund v. Ems und Ritter Wolf Dietrich eine Kaplanei auf der Burg. Im Bereich der Küche wurde bei der Grabung ein Teil eines Schlusssteines einer Tür oder eines Fensters mit der Jahreszahl 1537 gefunden. Ein klarer Hinweis auf diese Bautätigkeit.

Reichsgrafen. Am 27. April 1560 erhob Kaiser Ferdinand I. die Reichsritter von Ems in den Reichsgrafenstand. Es ist anzunehmen, dass die Burg unter dem ersten Grafen Jakob Hannibal I. (1530-1587), Sohn Wolf Dietrichs, auch eine festungsmäßige Ausstattung bekam.

Martino Longo. 1566 war dann der berühmte italienische Baumeister Martino Longo in Ems mit dem Bau des Palastes am Fuße des Schlossberges beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt führte Longo aber ebenso Reparaturen und Ergänzungsarbeiten auf der Alt-Ems durch. Beispielsweise wurden um den Konradsbrunnen Steinornamente mit sechs Gesichtern angebracht. Er ließ auch die Miß, den benachbarten Hügel, zusätzlich befestigen. Die eingemeißelte Jahreszahl 1563 an einem Felsen der so genannten Poppa (Güggelstein) zeugt von diesem Aufenthalt.


Die Burg muss aber schon damals wohl in einem schlechtem Zustand gewesen sein, sollte aber für die Ankunft Graf Hannibals und seiner sechzehnjährigen Frau Hortensia (die Schwester des Kardinals Carlo Borromeo) im Herbst 1566 wieder so bewohnbar sein, dass die junge Frau den aus Mailand gewohnten Komfort nicht arg vermissen musste.


Im Besonderen geht Longo in einem Brief vom 25. August 1566 auf die Fortschritte dieser Instandsetzungsarbeiten ein: im Saal die Verkleidung in Arbeit, Türen und Fensterrahmen poliert, Mauern weiß getüncht, Mauern erhöht und die Decken wieder angebracht, Glasfenster anfertigen lassen bzw. ausbessern lassen. Am 7. Dezember 1566 schreibt er endlich an Graf Hannibal, dass er die Stuben und Zimmer des Schlosses aufs netteste habe putzen und aufs allerbequemste mit Betten, Tischen und Skabellen (Skabelle = Grimm'sches Wörterbuch: Stuhl, Schemel) hat einrichten lassen. Auch den Brunnen habe er wieder hergerichtet und ringsum mit Steinornament versehen und an den Saalwänden die Gemälde anbringen lassen. Ende Jänner 1567 trifft Hannibal mit Hortensia in Hohenems ein.

Grafen(t)räume. Im Sommer 1618 erfolgten unter Graf Kaspar von Hohenems (1573 – 1640) einige Ergänzungs- und Ausbesserungsarbeiten auf der Alt-Ems. Dies betraf vor allem die Vorbefestigungen (Miß). Außerdem wurde der Palast im Dorfe fertig gestellt. Graf Karl Friedrich von Ems (gest. 1675) hatte die Idee einer Rheintalsperre, die aber nie errichtet wurde. 1676 wurde unter Franz Carl Anton von Ems auf Veranlassung des Kaisers eine ausführliche Inventarliste der Burg Alt-Ems erstellt. Sie beschreibt 52 Räume mit dem dazugehörenden Inventar.

Österreich. 1756 starb der vorletzte Emser Graf, Franz Rudolf von Ems. Der letzte Graf von Hohenems war Franz Wilhelm III., der in Graz in der Nacht vom 5. auf den 6. November 1759 verstarb. 1760 wurde die Burg inspiziert und schließlich auch zu dem Zwecke repariert, um 360 preußische Kriegsgefangene unterzubringen. Zu wenig Wasser und zu wenig Brennholz führten jedoch zu massiven Beschädigungen der Burganlage.

Peter Josef Leone. Am 17. Dezember 1765 erfolgte die Übernahme der Grafschaft durch Österreich. Der Feldkircher Stadtammann Peter Josef Leone wurde als letzter Gefangener in den Jahren 1768 – 1770 auf Alt-Ems festgehalten. Der fortschrittliche Migrantensohn Leone war den konservativen und klerikalen Feldkirchern ein Dorn im Auge gewesen und wurde Opfer derer Intrigen und sollte lebenslange Verbannung erfahren. Kaiserin Maria Theresia reduzierte seine Haft auf ein Jahr und gewährte ihm auf Schloss Hohenems den Status eines Privathäftlings "mit eigener Zehrung" und ärztlicher Betreuung. Schon 1770 kehrte Peter Joseph Leone nach Feldkirch zurück.

1770 kam es zum Verkauf der Festungsartillerie auf der Burg Altems. 1792 erfolgten Versteigerung und Abbruch der Burg.

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