Dienstag, 14. März 2017

[ #Vorarlberg ] Die Vorarlbergkarte "Provincia Arlbergica" von 1783 digital

Die bis dahin beste und genaueste Karte Vorarlbergs von Blasius Hueber ist als Retrodigitalisat online.

Nachdem der Autodidakt Peter Anich verschiedene Vermessungsinstrumente und Globen konstruiert hatte, wurde er von der österreichischen Regierung mit der Vermessung des nördlichen Tirols beauftragt. Nach seinem frühen Tod führte sein Gehilfe Blasius Hueber die Kartierung weiter. Der daraus resultierende Atlas Tyrolensis (20 Blätter im Massstab 1:103.800, Kupferstich, publiziert 1768 bis 1774) diente bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vielen Kartographen als Grundlage für neue Karten. Bis heute besticht dieses noch immer populäre Kartenwerk durch seine künstlerische Gestaltung, seine Genauigkeit und die ungewöhnliche Reichhaltigkeit an topographischen und thematischen Einzelheiten.

Der Krieg als Treibsatz der Kartographie. Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) hatte die vielen Mängel und Schwächen der habsburgischen Monarchie schonungslos aufgezeigt. Unter anderem hatte es sich für die Feldzüge des österreichischen Armee als nachteilig erwiesen, dass ihre Kommandeure und Feldherren auf kein zuverlässiges, großmaßstäbiges Kartenmaterial zurückgreifen konnten. Dem sollte abgeholfen werden. Vermessung und Kartographie wurden staatlich organisiert und die Landesaufnahme dem Militär anvertraut. Ab 1764 wurde Kronland für Kronland vom Militär vermessen und kartiert. Tirol und Vorarlberg blieben vorerst von dieser militärischen Vermessung ausgespart, weil mit dem Atlas Tyrolensis 1774 von Peter Anich und Blasius Hueber und der Vorarlberg-Karte des Blasius Hueber (1783) vermeintlich bereits aktuelles und exzellentes Kartenmaterial vorlag oder bereits in Arbeit war.
Vorarlbergkarte: Provincia Arlbergica. Eine Hofresolution Josephs II. ordnete im Jahre 1771 die Vermessung der Herrschaften vor dem Arlberg an, die erst 1752 der Regierung in Freiburg im Breisgau (Vorlanden) unterstellt worden waren. Gemeinsam mit Anton Kirchebner und vor allem eben dieser nahm Hueber die Aufnahmen und Vermessungen des Landes vor. Sie arbeiteten im Auftrag Josephs II. zwischen 1771 und 1774 an der Aufnahme des Geländes. 1776 hatte Hueber die Reinzeichnung seiner Karte beendet. Huebers Vorarlbergkarte (Provincia Arlbergica) war wohl sein Hauptwerk.

Es ist die bis dahin beste und genaueste Karte Vorarlbergs (Karte der Vorarlberger Herrschaften, die damals im Norden und Nordosten über die heutigen Landesgrenzen hinausreichten) neben der gemeinsam mit Peter Anich veranstalteten Landaufnahme Tirols das Hauptwerk des Bauerkartographen Blasius Huebers (1735-1814) und zugleich eine der international bedeutendsten kartographischen Leistungen des späten 18. Jahrhunderts.

Es dauerte jedoch bis 1783, ehe der Kupferstich fertig vorlag und die in Maßstab und Darstellung dem Atlas Tyrolensis gleichende Karte der Vorarlberger Herrschaften ausgeliefert wurde. Die Anerkennung des Hofes war ihm gewiss, er durfte fortan ein eigenes Wappen und Siegel führen und bekam eine lebenslängliche jährliche Pension von 200 Gulden.

Vorlanden. Blasius Hueber erstellte mit seinem Gehilfen Anton Kirchebner sukzessive verschiedene Karten des damaligen Vorderösterreichs:
  • Vorarlberg-Karte (aufgenommen 1771 bis 1774, gedruckt 1783),
  • Karte der Landvogtei Ober- und Niederschwaben (2 Blätter, aufgenommen 1775 bis 1780, gedruckt 1782),
  • Karte der Landgrafschaft Nellenburg (aufgenommen 1780 bis 1785, nicht publiziert),
  • Karte der Grafschaft Nieder- und Oberhohenberg (aufgenommen 1786, gedruckt 1788),
  • Karte der Markgrafschaft Burgau (aufgenommen 1788 bis 1793, gedruckt 1793).
Die Karten dieser Tiroler "Bauernkartographen" standen unter der wissenschaftlichen Betreuung des Jesuitenpaters Professor Ignaz von Weinhart und sind eine Besonderheit : Sie gehören zu den ersten modernen und zugleich auch den letzten von "Amateuren" angefertigten Karten in diesem Umfang.

Peter Anich (* 22. Februar 1723 in Oberperfuss, Tirol; † 1. September 1766 in Oberperfuss, Tirol) war Kartograf und Pionier der Hochgebirgskartografie und außerdem ein Bauer. Er fertigte einen Himmels- und einen Erdglobus an, die sich heute im Tiroler Landesmuseum befinden und schuf gemeinsam mit Blasius Hueber das 20 Blätter umfassende Kartenwerk von Tirol, den Atlas Tyrolensis.

Blasius Hueber (* 1. Februar 1735 Oberperfuss, Tirol; † 4. April 1814 Inzing bei Innsbruck), war Landvermesser und Bauer. Trotz geringer Schulbildung gelang es ihm, Landvermesser zu werden. Ab 1765 bearbeitete er mit Peter Anich das 20 Blätter umfassende Kartenwerk von Tirol. Es wurde 1774 als Kupferstich publiziert. Von 1771 bis 1774 erstellte er eine Karte von Vorarlberg, die 1783 gedruckt wurde, und danach arbeitete er von 1775 bis 1777 an einer Karte der Landvogtei Ober- und Niederschwaben, welche 1782 gedruckt wurde. In seiner Fertigkeit der Darstellung des Geländes übertraf er Peter Anich.

Anton Kirchebner (*13.7.1750 Oberperfuß, † 3.3.1831 Oberperfuß /Tirol) wurde von seinem Onkel Blasius Hueber 1768 zum Gehilfen genommen und in der Landesaufnahme unterwiesen. Von 1770 an begleitete er Hueber auf allen Vermessungsreisen, die zunächst noch für die Berichtigung und Ergänzung der Tirol-Karte notwendig waren, so daß auch er noch an diesem berühmten Werke (Atlas Tyrolensis) beteiligt war. An der 1771, 1773 und 1774 aufgenommenen und 1783 gedruckten Karte von Vorarlberg zeichnete er als Huebers Gehilfe zwei der vier verlangten Risse.

Professor Dr.phil. Ignaz von Weinhart, S.J. (Ignaz v. Weinhart zu Thierburg und Vollandsegg, *19.August 1705 Innsbruck - † 22. Mai 1787 Innsbruck) unternahm Beobachtungen der Position der Sonne und des Polarsterns, und führte barometrische Höhenmessungen durch, um bei der Vermessung Tirols möglichst genaue Werte zu erhalten. Er hatte auch die Leitung und Aufsicht für die Kartierung Tirols und der österreichischen Vorlande. Als Lehrer und Förderer von Peter Anich und Blasius Hueber war er wesentlich an der Entstehung dem Atlas Tyrolensis beteiligt. Im Auftrag Weinharts stellte Peter Anich auch einen von einem Uhrwerk angetriebenen Himmelsglobus her, der mit einem Durchmesser von etwa einem Meter und der Darstellung der Position von 76 Sternbildern und 1862 Einzelsternen weit hinaus großes Aufsehen erregte.

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