Mittwoch, 2. Juli 2014

[ #Bregenz ] Beschreibung der 1806 erfolgten feierlichen Uebergabe des Landes Vorarlberg an Seine Majestät den König von Baiern

Vorarlberg wurde am 13. März 1806 im damaligen Gasthof "Löwen" offiziell an Bayern übergeben. Diese Abtrennung Vorarlbergs von Österreich wurde nach Napoleons Niederlage bei Waterloo wieder rückgängig gemacht und knapp zehn Jahre später war Vorarlberg wieder bei Österreich.

Retrodigitalisat. Der seit 1785 in Bregenz tätige Buchhändler und Buchdrucker Joseph Brentano brachte 1806 ein zwölfseitiges Heftlein in Bregenz über ein historisches Ereignis heraus: "Beschreibung der unterm 13ten Monats Merz 1806 erfolgten feyerlichen Uebergabe des Landes Vorarlberg an Seine Majestät den König von Baiern Maximilian Joseph." Das Werk steht als Digitalisat online und kann auch als PDF heruntergeladen werden.


Vorarlberg - Lindau. Die Übergabe fand dann in Gegenwart aller bisherigen Beamten und der wichtigsten Vertreter der Vorarlberger Stände am 13. März 1806 im "Goldenen Löwen" an der Bregenzer Rathausstraße statt. Den Akt leitete eine Rede des französischen Bevollmächtigten, des Musterungsinspektors Villemancy ein. Er meinte, Österreichs Politik sei ein Hindernis gewesen, das den Interessen des gewerbefleißigen Volkes stets hemmend in den Weg getreten sei. Nach ihm sprachen Landeskommissär Preuß, Landesdirektor v. Mertz und der österreichische Landvogt v. Vintler. Landesdirektor v. Mertz sagte bedeutungsvoll: "Wir leben in dem merkwürdigsten Zeitabschnitte. Es ist unsere Bestimmung mehr oder minder beteiligte Zeitgenossen außerordentlicher geschichtlicher Erscheinungen zu sein, wobei der einzelne nicht mehr seinem Vaterlande allein und das Zeitereignis selbst nicht mehr dem Jahrhundert anzugehören scheint, in dem es sich zugetragen hat."  Landvogt v. Vintler schloss mit der Bitte um Förderung der einzigen Erwerbsquelle des Landes, der Industrie sich den Rednern an.

Auf den weltlichen Akt folgte ein Gottesdienst mit Tedeum. Die Predigt hielt der Stadtpfarrer Jak. Liberat Steger. Der Doppeladler verschwand und an seine Stelle trat das bayerische Wappenschild. Abends fand eine Serenade statt, zu der die "Bande" des Bataillons "von Weinbach" die Musik stellte.

Abends reisten die Vertreter .der neuen Herrschaft nach Lindau ab um diese Stadt in bayerischen Besitz zu nehmen, sie wurden von den Beamten und Ständevertretern bis an die Landesgrenze an der Laiblach geleitet. Lindau ist seit damals bis in die heutigen Tage, und damit seit über 200 Jahren bei Bayern.

Joseph Brentano (1747-1819). Josef Anton Bonifaz Brentano begann seine Tätigkeit als Drucker und Buchhändler in Bregenz im Februar 1785.  Die Typographische Gesellschaft - an der Gründung dieser Gesellschaft waren auch sein Vetter Dominikus von Brentano (fürstäbtisch-geistlicher Rat in Kempten) und der kemptische Hofrat Josef von Schleitheim beteiligt - hatte jedoch schon bald mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und ging 1788 in Konkurs. 22 Druckwerke aus dieser Wirkungsperiode Brentanos konnten bisher nachgewiesen werden. Joseph Brentano erholte sich danach allerdings wieder rasch von diesem wirtschaftlichen Tiefschlag und errichtete noch im selben Jahr einen neuen Betrieb, der letztlich mehrere hundert Publikationen hervorbrachte und über Jahrzehnte das Druckgewerbe in Vorarlberg beherrschte.

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