Montag, 17. Juli 2017

[ #Vorarlberg ] Von Schamanen, Goldgräbern und Soldaten

Frühe Formen der „Aneignung“ von Gebirgen in Vorarlberg

Am 26. April des Jahres 1336 erreichte Francesco Petrarca, "lediglich aus Verlangen", zusammen mit seinem Bruder und zwei weiteren Begleitern den Gipfel des Mont Ventoux, den Windberg. Man bezeichnet ihn als den "Vater der Bergsteiger" und den 26.April 1336 als den "Geburtstag des Alpinismus". Gerne würde man auch in Vorarlberg einen frühen alpinistischen Start, eine alpinistische Großtat, eine Geburtsstunde des (Vorarlberger) Alpinismus belegen. Doch diesem Wunsch erteilt der Wissenschaftler eine Absage und belegt vielmehr einen Wechsel in der Wertung und Bewertung der Bergwelt, die keineswegs immer nur als gefährlich und ungeheuerlich gesehen wurde.

Die von dem Bludenzer Historiker und "Hexenforscher" Manfred Tschaikner angeführten Beispiele verweisen darauf, dass in dem langen Zeitraum, der nun durch archäologische und paläobotanische Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte alpiner Räume in Vorarlberg belegt ist, durchaus eine Art von Normalität in den Beziehungen der Menschen zum Gebirge herrschte. Auch wenn sie sich von unseren Vorstellungen stark unterschied, ermöglichte sie über viele Generationen hindurch alpines Leben, das sich nicht, wie bis vor kurzem geglaubt, auf saisonale Alpbewirtschaftung beschränkte.

Gipfelstürme als Vorarlberger Großtat konnte der Historiker nicht identifizieren und auch keinen Beleg für eine linear fortschreitende alpinistische Eroberung des (Vorarlberger) Alpenraums finden. Vielmehr hat er die Mär, dass der Bludenzer Vogteiverwalter Hauptmann David Pappus ein alpinistischer Vorarlberger Vorfahre sei und die Schesaplana erstiegen habe, widerlegt.

Mag. Dr. Manfred Tschaikner. Manfred Tschaikner wurde 1957 in Bludenz geboren und wuchs in Feldkirch und Dornbirn auf. Er maturierte 1975 am Bundesgymnasium Dornbirn und begann nach dem einjährig-freiwilligen Präsenzdienst 1976 an der Universität Innsbruck Germanistik und Geschichte zu studieren. Nach der Sponsion und Lehramtsprüfung 1982 unterrichtete er in Innsbruck und von 1983 bis 2002 als begeisterter Pädagoge am Bundesgymnasium Bludenz. Er zählte zu jenen Mittelschullehrern, die sich neben dem Lehramt auch um die Forschung bemühten.

Aufgrund einer Dissertation über die Hexenverfolgung in Vorarlberg wurde der Historiker 1992 von der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert. Inzwischen hat Tschaikner mehrere Bücher und wohl über 200 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. 2002 wechselte er ins Vorarlberger Landesarchiv nach Bregenz, wo er sehr engagiert und erfolgreich die Abteilung "Historisches Archiv" leitet. 2008 wurde ihm die Lehrbefugnis für das Fach Österreichische Geschichte an der Universität Wien erteilt. Sein Forschungsschwerpunkt bildet neben der allgemeinen Regionalgeschichte das frühneuzeitliche Hexenwesen Westösterreichs, Liechtensteins und der Ostschweiz, wo er international als Kapazität geachtet wird.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

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