Mittwoch, 22. November 2017

[ #Vorarlberg ] "Wenn du nicht brav bist, dann kommst du auf den Jagdberg“

Dass das "Erziehungsheim Jagdberg" in der Nachkriegszeit ein Ort des psychischen und physischen Terrors war, ist bekannt, ebenso wie damals jedem Kind die Drohung "Wenn ihr nicht brav seid, dann kommt ihr auf den Jagdberg“ in den Knochen steckte.  

Das pädagogische Konzept des Jagdberges legitimierte, alles mit den Kindern und Jugendlichen zu machen, besonders Erniedrigung, Gewalt, Psychoterror, Missbrauch usw.
"Zumindest in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg übertraf die Anstaltserziehung alle anderen Erziehungshilfemaßnahmen – insbesondere die gelinderen – in Tirol ebenso wie in Vorarlberg."
Das System der Erziehungsheime hat gewaltvolle Erziehungspraktiken in all ihren Formen der körperlichen, psychischen und sexualisierten Gewalt erzeugt, toleriert und/oder war zu ihrer Verhinderung nicht willens oder nicht imstande. Machtstrukturen setzten Gewaltdynamiken
zwischen Erzieher/Erzieherin und ‚Zögling‘ aber auch zwischen den ‚Zöglingen‘ in Gang undhielten sie aufrecht.

Forschungsbericht. Ein umfangreicher Forschungsbericht entstand im Auftrag der Länder Tirol und Vorarlberg. Im Anschluss an die Präsentation und Evaluierung der Vorstudie (2012) wurde im Februar 2013 in gemeinsamer Verantwortung der Länder aus den darin vorgeschlagenen Projekten die „Studie zum Fürsorgeerziehungssystem Tirols und Vorarlbergs in der Zweiten Republik mit besonderer Schwerpunktsetzung auf die öffentliche Heimerziehung, die Landesheime und die Heimwirklichkeiten“ ausgewählt. Mit einer Laufzeit von 24 Monaten wurde das Projekt von 2013 bis 2015 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck durchgeführt.

Schon früh, in den 1920er Jahren, hatten die beiden Länder ein Abkommen für eine wechselweise Übernahme der Fürsorgekinder in Heimerziehung geschlossen. Im Zentrum der Untersuchung stehen die zur Verwirklichung der Fürsorgeerziehung errichteten Landesfürsorgeerziehungsheime der Region in der Zweiten Republik: der Jagdberg für schulpflichtige Buben, Kramsach-Mariatal für schulpflichtige Mädchen, Kleinvolderberg für schulentlassene Buben und junge Männer, und wegen seiner strategischen Bedeutung mit einer eigenen Detailstudie: Sankt Martin in Schwaz für schulentlassene Mädchen und junge Frauen. Sie bilden zusammen ein mächtiges Panorama pädagogischer Sonderorte anstaltsförmiger Ersatzerziehung.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt sagt mehr: 

Einleitung 11
Methodische und Methodologische Ausrichtung der Studie: Quellen und Auswertung 18
Die Jugendfürsorge bis 1938 49
Jugendfürsorge als Armenversorgung 49
Kinder- und Jugendfürsorge im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle 52
Exkurs: Die Tiroler Landesbesserungsanstalten 59
Zunahme des Organisationsgrades in der Jugendfürsorge ab 1900 67
Der Erste Weltkrieg als Katalysator für die öffentliche Jugendfürsorge 75
Teilerfolge der Jugendfürsorgeverbände in der Ersten Republik 78
 Der Abbau der öffentlichen Jugendwohlfahrt im „christlichen Ständestaat“ 85
Jugendfürsorge unter neuen Vorzeichen nach dem „Anschluss“ 87
Die Jugendfürsorge in der NS-Zeit 88
Die Modernisierung der Jugendwohlfahrt im frühen 20. Jahrhundert 89
Rassehygienische und erbbiologische Diskurse in der Jugendfürsorge 90
Die Rechtsentwicklung in Deutschland ab 1922 und die Umgestaltung der Jugendfürsorge 93
EXKURS: Kindheit & Jugend in der NS-Zeit 94
Die Ausgestaltung der nationalsozialistischen Jugendfürsorge ab 1933/1938 97
Die Jugendfürsorge in Tirol und Vorarlberg nach dem ‚Anschluss‘ 1938 101
Die Erziehungsheime Tirols und Vorarlbergs in der NS-Zeit 105
Exkurs: Der Einfluss der rassebiologischen Psychiatrie 110
Die Heimordnung und Dienstanweisung für die Erziehungsheime des Reichsgaus Tirol und
Vorarlberg 114
„Es ist anzunehmen, dass er unter der Einwirkung der straffen Lagerzucht
im begrenzten Umfange wieder gemeinschaftsfähig wird.“ 118
Die Jugendfürsorge der II. Republik 135
Die Reorganisation der Verwaltungsstruktur 139
Das Ringen um ein neues Jugendfürsorgegesetz 150
Die Pathologisierung der österreichischen Nachkriegsjugend 158
Das Regime der Fürsorge 172
„ den Zöglingen…angelastet“ - Veruntreuung von Geldern in Kleinvolderberg 179
„ob hier durch eine Epiphysankur eine sexuelle Beruhigung erreicht werden kann.“
– Heimerziehung unter medikalem Vorzeichen 189
Die Erzieherausbildung 209
„Die Durchführbarkeit der Fürsorgeerziehung ist nicht gegeben“ –
Eine geglückte Widerstandsgeschichte 219
Reformbestrebungen und das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1989 230
Landeserziehungsanstalt für schulpflichtige Buben –
der Jagdberg in Schlins 251
Der Beginn des Kinderrettungsgedankens in Vorarlberg 252
Das Asyl zur Rettung [sittlich] verwahrloster Kinder und Jugendlicher (1886-1939) 256
„Wir hatten Angst! Wir sind ja alle Kinder gewesen.“ 267
Gauerziehungsheim für schulpflichtige Buben (1940 -1945) 279
„Halt so ist es dort zugegangen, wie in einem Gefängnis.“ 290
Landeserziehungsanstalt für schulpflichtige Buben (1945-1976) 306
„Der Jagdberg ist für MICH ein Segen gewesen.“ 332
EXKURS: Gutachterin und Beraterin: Maria Nowak-Vogl und der Jagdberg 353
Landesjugendheim für schulpflichtige Buben (1976-1999) 358
„Sie dürfen nicht an meinen Schrank, nur ich habe das Recht dazu.“ 362
Vom Sozialpädagogischen Internat zur Paedakoop – der Jagdberg ab 1999 381
Das Landeserziehungsheim für schulentlassene Buben in Kleinvolderberg 391
Das Josefinum in Volders1886-1938 392
Das Gauerziehungsheim für schulpflichtige Mädchen in Kleinvolderberg 1939-1944 414
Das Landeserziehungsheim Kleinvolderberg 1945 bis 1990 425
„Da hast du so viele Stunden gearbeitet und dann ist kein Groschen da.“ 441
EXKURS: Von der „geschlossenen“ zur „offenen“ Heimerziehung männlicher Jugendlicher 475
Das Landeserziehungsheim für schulentlassene Mädchen – St. Martin in Schwaz 491
Vom Zwangsarbeitshaus zum Landeserziehungsheim (1826-1938) 491
Das Gauerziehungsheim St. Martin 505
St. Martin 1945 bis 1990 515
„Du bist von einer Gruppe in die andere befördert worden.“ 528
„Das war für mich entwürdigend.“ 551
 „Da habe ich gewusst, ich bin hier ausgeliefert...“ 566
Veränderungen ab den 1970er Jahren 582
„Eine Beschwerde nach der anderen, aber da ist nichts passiert.“ 591
Scheiternde Erneuerung der Heimstruktur und die Schließung des Erziehungsheims 600
Die Erziehungsanstalt Kramsach-Mariatal 613
Die Vorgeschichte bis 1945 617
Das Landeserziehungsheim 1946 bis 1971 630
„Ich habe Schläge bekommen, weil ich ihr keine Watsche gegeben habe.“ 636
Das „vergessene Kramsach“ 661
Anhang 673
Die konfessionellen Träger der Jugendfürsorge in Tirol und Vorarlberg 674
Bibliographie 715


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