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Mittwoch, 22. März 2023

[ #Walgau ] Die Getreidemühle in Düns


Die urkundliche Erstnennung stammt aus dem Jahr 1619. Paulus Tschütscher, Hubmeister in Feldkirch, gibt
 sie Peter Reüz zu Thünß zu Lehen. 

Ursprünglich lebte die Bevölkerung des Dorfes von der Land- und Forstwirtschaft. Heute sind nur noch einige wenige Landwirte im Dorf. Die Bauern auch aus den umliegenden Gemeinden brachten damals ihr Getreide zum Mahlen. Bis 1948 wurde die Mühle mit dem Wasser des Weyerbachs betrieben, danach wurde auf Strombetrieb umgestellt. Der Betrieb wurde 1958 eingestellt. Das Gebäude wurde fachmännisch restauriert und erscheint im alten Glanz mit Pilastermalerei (flacher, eckiger Wandpfeiler mit Basis, Schaft und Kapitel).

Die etwas unterhalb des Ortszentrums von Düns zwischen Montanast- und Weiherbach gelegene alte Mühle, ist die einzige noch erhaltene historische Getreidemühle von den ursprünglich mehreren im Walgau (z.B. Satteins, Bludesch, Nenzing). Sie waren für den regionalen Getreideanbau an den sonnigen Hängen des Walgaus und des großen Walsertales bis Mitte des 20. Jahrhunderts von Bedeutung.

Wohnhaus Alte Mühle Düns - Wikimedia

Unter Denkmalschutz. Man glaubt es kaum, noch bis 1958 wurde in Düns Korn gemahlen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1619. Nachdem Paulus Tschütscher, Hubmeister in Feldkirch, die Mahl- und Sägemühle von Kaspar Schuechter käuflich erworben hatte, gibt er sie Peter Reüz zu Thünß zu Lehen. Eine weitere Nennung erfährt die Mühle von Düns in einer Mühlordnung von 1643, in der die zu zahlenden Löhne festgelegt wurden.

Revitalisierung.
Mit Kaspar Moll wurde 1805 das Mahlwerk erneuert und kleine bauliche Veränderungen vorgenommen. Seither ist das Objekt in seiner Struktur und äußerlichen Erscheinung fast unverändert geblieben. Das Ziel der 1995 begonnenen Renovierung war von Beginn an die Revitalisierung des Gebäudes bis zur vollständigen Rekonstruktion und Instandsetzung der Mühle, um Mehl zu mahlen. Im Sommer 2010 wurde das Wasserrad nach Originalplänen rekonstruiert.





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      Samstag, 25. März 2023

      [ #Hohenems ] Stoffels Säge-Mühle Hohenems


      Das Freilichtmuseum wurde von 1981 bis 1987 in unermüdlicher Kleinarbeit von Alois Amann errichtet, der selber, wie seine Vorfahren, die beiden Handwerke Sägerei und Müllerei beruflich ausübte.

      Eine historische, wasserradangetriebene Säge und Mühle sind in Originalgröße in ihrer ursprünglichen romantischen Umgebung zu sehen und somit der Nachwelt sehr anschaulich erhalten.

      Öffnungszeiten
      Vom 25. April bis 31. Oktober,täglich von 9 bis 18 Uhr.Filmvorführung für Gruppen:"Vom Korn zum Brot".

      Führungen
      In deutscher und in englischer Sprache. Abendführungen nur nach Vereinbarung.

      EintrittErwachsene € 2,20Studenten € 1,50Kinder € 1,10

      Das Museum dokumentiert auf 600 m² über 2000 Jahre Mühlentechnik und ist dadurch zu einem europaweit, nach Meinung von Fachexperten sogar zu einem weltweit bedeutenden Mühlenmuseum geworden. In den letzten elf Jahren besuchten Personen aus insgesamt 88 verschiedenen Staaten aus fünf Kontinenten dieses Museum.

      Auf dem Anwesen Sägerstraße 11 bestanden ursprünglich auch zwei herrschaftliche Sägen, die 1803 bzw. 1812 in private Hände verkauft wurden. Seit damals lässt sich der ununterbrochene Betrieb als Säge und später, ab 1878, als Mühle nachweisen. Die Anlage, soweit bekannt, die immer mit zwei Wasserräder angetrieben wurde, ist seit dem Jahre 1835 im Besitz der Familie Kick-Amann mit Hausnamen "Stoffels". Im Jahre 1956 wurde der Mühlebetrieb und im Jahre 1979 der Sägebetrieb eingestellt. 22.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden in achtzehn Jahren haben Vater und Sohn in die Errichtung dieser Museumsanlage investiert, nicht nur um ihren eigenen Vorfahren ein Gewerbedenkmal zu setzen.


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      Mittwoch, 19. Januar 2022

      [ #Vorarlberg ] Das Bregenzer Minnesängerurbar (1379/1474): Von Pfund, Schilling und Erbsen


      Dieter Petras: Urbar der Herrschaft Bregenz 1379/1474 - MINNESÄNGERURBAR - Edition und Kommentar - Roderer Verlag, Regensburg 2013Quellen zur Geschichte Vorarlbergs, Band 16 (N. F.) Herausgegeben vom Vorarlberger Landesarchiv und dort auch online

      Urbar. Urbare sind ein Verzeichnis über Besitzrechte eines Grundherrn und Leistungen seiner Grunduntertanen und sind eine bedeutende Wirtschafts- und Rechtsquelle des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lehnswesens. Seit dem 13. Jahrhundert sind sie ein bedeutendes Instrument zur Organisierung und Wohlstandsmehrung der Landesherrschaft.

      Urbare dienten der Verwaltung insbesondere der Finanzverwaltung . Sie waren eine Art Grundbuch - weniger für die Untertanen den für die Grundherren zu deen Besitzsicherung. Schon der Begriff entstand aus dem althochdeutshen Wort urberan bzw. dem mittelhochdeutschen erbern (hervorbringen, Ertrag bringen bzw. ertragbringendes Grundstück).

      Bei der Archivalie, die die Grundlage der Publikation ist, handelt es sich um eine Abschrift des sogenannten Bregenzer „Minnesängerurbars“, dessen ursprüngliche Fassung nach 1379 niedergeschrieben wurde. Das Original ist verschollen. Die durchgängige Erwähnung von „Graf Haug“ verweist jedoch  auf Graf Hugo XII. von Montfort-Bregenz, dessen künstlerische Tätigkeit die nachträgliche Bezeichnung des Urbars begründet; desgleichen die Erwähnung des "Knechts" Burk Mangolt, der die Texte Graf Hugos vertonte. Die Abschrift wurde im Jahr 1474 im Namen seines Urenkels Graf Hermann II. von Montfort-Bregenz (1435 bis 1482) verfasst und beschreibt die Zinsen, Gülten und Rechte aus dem Teil der Herrschaft, der dem Haus Montfort nach der Teilung 13793 und dem Übergang der einen Hälfte der BregenzerHerrschaft an Österreich 1453 verblieb.

      Finanzamtsmist. Das in Rede stehende Urbar dokumentiert reichhaltige Abgabenformen: Neben Pfund, Schilling, Pfennig und Haller bezahlten die Untertanen ihre Abgaben in Wein, Eier, Erbsen, Eier und Heu. Dazu Korn, Gerste, Weizen, Hafer; in Schweinsschultern, Pfeffer, Wachs und Schmalz und Käse oder gar Mist. Daneben leisteten die Abgabepflichtigen, konkret die Leibeigenen, mitFronarbeiten.

      Als abgabepflichtige Güter galten Acker, Badstub, Baumgarten, Bündt, Garten, Haus mit Hofstatt, Hochmahd, Hof, Hoffrait, Hube, Kalkofen, Krautgarten, Mahd, Mühle, Säge, Schuppose, Varlehen, Vischenz, Walderbe, Weingarten, Widum, Wiese. Auch die Erbschaftssteuer war bereits bekannt und eingeführt, die nennt sich (in unserer heutigen Transskripition) sinnigerweise "Bestfall".

      Das Urbar zeigt auch über viele Jahrhunderte tradierte Vorarlberger Flur- und Personennamen und ist damit auch sprachgeschichtlich höchst wertvoll. Das Buch sollte daher auch in seiner gebundenen Form bei keinem Vorarlbergensien-Sammlung fehlen.


       [Zeitreiseführer #Vorarlberg ]⇒ 

      Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt:
      Inhaltsverzeichnis
      Einleitung 6
      Graf Hugo XII. von Montfort, der Minnesänger 7
      Die Teilungen 1379 und 1409 7
      Der Übergang an Österreich 9
      Beschreibung des Urbars 10
      Erläuterungen zur Edition 10
      Edition 12
      Informationen aus dem Urbar 50
      Personen-, Orts- und Sachregister 53
      Kommentar 67
      Suchindex 91
      Bibliografie 92

      Dienstag, 17. August 2021

      [ #Andelsbuch ] Geschichte der Wälder Demokratie - Bezeggsul


      Im Bregenzer Wald gibt es ein inhaltlich überraschendes Touristikangebot, eine Wanderung "Geschichte der Wälder Demokratie". Sie baut auf einer besonderen Regionalentwicklung auf, die gerne heroisierend und wohl auch verkürzt als "Bauernrepublik" beschrieben wird.
      Wanderung "Geschichte der Wälder Demokratie". Beginnend im Großdorf am Galgenhügel – durch den Wald abwärts nach Egg – Parzelle Mühle - Postamt/Ortsmitte Egg - links halten Richtung Andelsbuch - ca. 300 m geradeaus bis zur Fahrschule - rechts abbiegen zur Engelgasse - Parzelle Buchen - geradeaus - Parzelle Meisten und Gaß - weiter der Straße entlang zur Parzelle Wirth - St. Antonius Kapelle (Landammannsfeld) - geradeaus - Parzelle Ließen - Straße überqueren - auf dem Radwanderweg zum Bezegg-Stausee - Aufstieg entlang eines Bergbaches zur Bezegg-Sul - zum Bezeggpass (902 m) - dann Abstieg nach Bezau (historischer Hauptort des Bregenzerwaldes mit Gerichssitz, Kloster und Heimatmuseum) - ca. 3 Stunden Gehzeit.
      Bauernrepublik. Die politische Struktur Vorarlbergs – etwa ab 1380 "Habsburger Land" ohne starken Lokaladel – ließ es zu, dass sich eine besondere Art der Selbstverwaltung der Bauernschaft des Bregenzer Waldes herausbilden konnte. Die Behauptung allerdings, dass lange bevor man in Mitteleuropa von moderner Demokratie sprechen konnte, die Bauern im Bregenzerwald eine alleinige Volksvertretung gebildet hätten, lässt sich so nicht halten. Weit von der Zentrale Feldkirch entfernt, erlangte der Innerbregenzerwald zwar als eigenständiges Gericht eine beträchtliche Autonomie nach außen hin, während die kleinräumigeren Gerichte Lingenau-Alberschwende und Sulzberg eng an Bregenz gebunden blieben. Als politischer Begriff reduzierte sich "Bregenzerwald" seit 1338 auf den zur Herrschaft Feldkirch gehörenden Gerichtssprengel des Innerbregenzerwaldes.

      Als Vorsteher wurde eine Art Bürgermeister (Landamann) "gewählt", meist aus den angesehensten Familien des Bregenzerwaldes. Vom Jahre 1353 stammt auch der erste Hinweis, dass im Bregenzerwald ein Landammann regierte. Ammann und Räte wurden ursprünglich von der Herrschaft ernannt. Erst mit dem dem ausgehenden Mittelalter setzte sich deren Wahl durch die hausbesitzenden, der Gerichtsgenossenschaft angehörenden Männer in der Form des „Zulaufs“ durch: Die Kandidaten stellten sich an verschiedenen Punkten eines Platzes auf und die Wähler liefen dann auf ein Zeichen hin zum Kandidaten ihrer Wahl. Dieses recht spektakuläre Verfahren hatte allerdings auch Nachteile, immer wieder kam es zu Ausschreitungen, zu Prügeleien, zu Versuchen, andere Wähler gegen deren Willen zu einem bestimmten Kandidaten hinzuziehen. und auch von "geheim" war damit keine Rede.

      Als eine Folge dieser regionalen Verfassungsstrukturen bildete sich in den Bregenzerwälder Gerichten eine verwandtschaftlich eng verflochtene Honoratiorenschicht aus, die das politische und soziale Leben der Talschaft durch Jahrhunderte bestimmte, die Amtsträger stellte. Eindrucksvollstes Beispiel des Repräsentationswillens dieser Ton angebenden Gruppe ist das Gebäudeensemble um den Dorfplatz von Schwarzenberg. Dort hat sich zudem ein Tanzhaus erhalten, das nicht nur als dörflicher Mittelpunkt für Festlichkeiten, sondern auch als Tagungsort des Gerichtes diente. In Bezau etwa fungierte der Gasthof zur "Gams" als Stammsitz des bis in den Grafenstand aufgestiegenen Zweigs der Landammannfamilie Feuerstein.

      Das "Rathaus" des Landammannes befand sich auf der Bezegg, dem Pass zwischen Andelsbuch und Bezau. Hier wurde ein hölzernes "Haus", auf Säulen ruhend, errichtet, in dem die Angelegenheiten des hinteren Bregenzerwaldes beraten wurden. Die Aufhebung der "Wälderfreiheiten" und damit auch der Verlust dieser Selbstverwaltungsmöglichkeit ging mit dem aufgeklärten Herrscher Josepf II. zu Ende.

      Bezeggsul. Das besondere - und an die Papstwahl erinnernd - an diesem Rathaus war, dass der Zugang über eine Leiter führte, welche während des Sitzungsverlaufes entfernt und erst nach Abschluss der Sitzung wieder angebracht wurde. Somit war die Ratsversammlung von der Außenwelt abgeschnitten, was zugleich eine psychologische Wirkung auf die Ratsherren, wie auch auf die gewünschte Effizienz gehabt haben dürfte. Es wurde 1807 unter bayrischer Herrschaft abgerissen. Die erste urkundlich erwähnte Sitzung auf der Bezegg scheint 1522 auf. 1871 wurde die Bezeggsul errichtet, ein Denkmal zur Erinnerung an das Rathaus auf der Bezegg und das heutige Wahrzeichen von Andelsbuch.


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      Mittwoch, 22. März 2023

      [ #Feldkirch ] Feldkircher Stadtrecht: Bordell in Feldkirch

      Blütenlese zu einer Sittengeschichte Vorarlbergs im vorindustriellen Zeitalter.

      Wussten Sie, dass das Feldkircher Stadtrecht des 14. Jahrhunderts bereits ein Bordell kannte, in der Feldkircher Mühle (heute E-Werk), weshalb das Stadtrecht die Frauen dort auch "mülitöchter" oder "mülimaitlen" nennt.

      Kultur-, Alltags- und Sozialgeschichte. Als im 19. Jahrhundert "Sittengeschichte" zu einem Thema historischen Forschens wurde, subsumierte man darunter alles das, was wir heute als Kultur-, Alltags- und Sozialgeschichte bezeichnen würden. Später, an der Wende zum 20. Jahrhundert, erhielt der Begriff eine stark erotische Konnotation. In den letzten Jahren ist mit seiner Verwendung im Rahmen der Analyse politischer Systeme und ihres moralischen Zustands ein neuerlicher Bedeutungswandel eingetreten. Im Rahmen dieses Vortrags werden nun – um dem Reihentitel "Verbotene Liebe" gerecht zu werden – die Spannungsfelder zwischen Geschlechterbeziehungen und Normenkanon in den Mittelpunkt gerückt.

      eSource. Verba volant Nr. 74 (26.05.2010) - Onlinebeiträge des Vorarlberger Landesarchivs - Blütenlese zu einer Sittengeschichte Vorarlbergs im vorindustriellen Zeitalter - Vortrag von Alois Niederstätter in der Reihe "Verbotene Liebe" des Vorarlberger Landesarchivs am 26. Mai 2010 in Bregenz (Landesarchivs). Siehe Download unten.

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