Mittwoch, 23. März 2022

[ #Blons ] Lawinenkatastrophe (1954) in Vorarlberg


Die Sondermarke zur Lawinenkatastrophe des Jahres 1954 in Vorarlberg zeigt allerdings eine verschneite Tiroler Ortschaft, St. Christoph am Arlberg.

Sonderpostmarke. Die Post- und Telegraphenverwaltung gab über Ermächtigung der Bundesregierung vom 2. Februar 1954 zugunsten der Lawinenopfer 1954 eine Sonderpostmarke zum Nennwert von einem Schilling und einem Zuschlag von 20 Groschen, Verkaufspreis also 1,20 S, heraus. Der Erlös des Zuschlages wurde dem Lawinenfonds der österreichischen Bundesregierung gewidmet. Infolge der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit wurde als Sonderpostmarke eine Aufdruckmarke herausgegeben. Als Marke wurde die Wertstufe 2,- S der Landschaftsserie 1945/47 mit dem Bild von St. Christoph am Arlberg gewählt. Auf der in leicht geänderter - blaugrüner - Farbe hergestellten Sonderpostmarke wurden in Groteskschrift in zwei Zeilen die Legende "Lawinenopfer 1954", ferner die neue Wert- und Zuschlagsangabe sowie die Währungsbezeichnung aufgedruckt. Die Wahl dieser Marke erfolgte lediglich, weil auf ihr eine Gebirgslandschaft im Schnee dargestellt ist und sich die Komposition des Bildes für den Überdruck besonders eignete - das Unglück selbst hat sich ja nicht in dieser Gegend ereignet.

Lawinenkatastrophe 1954 in Vorarlberg. Sie hatte ihren Schwerpunkt im Großen Walsertal, dort besonders die Gemeinden Blons, Sonntag, Fontanella und St. Gerold. Sie umfasste auch das Montafon, dort besonders Bartholomäberg, das Klostertal, dort besonders Dalaas, den Bregenzerwald, dort besonders Mellau und Hittisau.

Im Großen Walsertal gingen vom 10. bis 12. Jänner 1954 über 100 Lawinen ab. 147 Menschen wurden verschüttet, 80 kamen sofort ums Leben oder starben bald an ihren Verletzungen. 46 Häuser und 92 Ställe wurden total zerstört, viele Gebäude schwer beschädigt. Dazu kam der große Verlust an Vieh und Habe. Allein in Blons verschütteten Lawinen 96 der 365 Bewohner, 55 starben. 28 Häuser und 46 Ställe wurden zerstört.

Am 9. Dezember 1953 maß man in der Vorarlberger Berggemeinde Blons im Walsertal gar 30 Grad und Frühlingsblumen sprießten. Seit Jahrhunderten hatten die Walser Bergbauern mit der Unberechenbarkeit des Wetters leben gelernt, doch dieser warme Herbst ist beängstigend. Einen Monat später beginnt ein Winter, den man in Vorarlberg nie vergessen wird: binnen 24 Stunden fallen bis zu 2 Meter Schnee, es besteht höchste Lawinengefahr. Der an sich natürliche Lawinenschutz, der Bannwald, wurde von den traditionell großen Walserfamilien bereits über die Jahrhunderte dezimiert. Sie hatten ihn gerodet, um mehr Platz für Mensch und Vieh zu schaffen, einfach um ihre karge Existenz zu sichern.

Innerhalb zweier Tage gingen in ganz Vorarlberg gar 388 Lawinen ab, 270 Menschen wurden verschüttet, knapp die Hälfte von ihnen starb. Einen ganzen Tag lang war die Gemeinde Blons, waren die Überlebenden mit der Tragödie allein, denn die Telefonleitungen waren verschüttet und "tot", die Straßen unpassierbar. Mit bloßen Händen suchten die Menschen nach ihren Angehörigen, häufig eben auch Kinder. Als die Behörden endlich von der Katastrophe erfuhren, setzte eine Völkerwanderung ein: B-Gendarmerie, Hilfsorganisationen, Feuerwehren und Hunderte Freiwillige aus dem In- und Ausland nahmen den Weg ins tief verschneite Walsertal.

Erinnerungswege. Drei Erinnerungswege und die Lawinen Dokumentation in Hüggen und im Gemeindezentrum Blons erinnern an die Lawinenkatastrophe im Jänner 1954 und dokumentieren den Wiederaufbau und die Schutzmaßnahmen, die getroffen wurden.


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