Donnerstag, 23. Februar 2017

[ #Hohenems ] Die letzte Jüdin in Hohenems: Frau Frieda Nagelberg (1889-1942)

Wie sehr die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 auf die unmenschliche "Endlösung der Judenfrage" zielt, wird mit diesem Tag auch in Vorarlberg deutlich. 

An diesem Tag stirbt im KZ Rosen Markus Silberstein, ein Fotograf, der bereits im November 1939 aus "rassischen Gründen" von Hohenems der GESTAPO in Innsbruck überstellt und von dort ins KZ Sachsenhausen gebracht worden war.

Bis zur Wannseekonferenz von 1942 waren schon alle jüdischen Mitbürger Vorarlbergs, welche nicht als Mischlinge oder in Mischehen lebten, aus Vorarlberg verschwunden. Geflohen, verhaftet, deportiert, aus Verzweiflung aus dem Leben geschieden oder durch NS-Gewalt verstorben.


Nur eine einzige jüdische Frau, eine Büglerin lebte noch im Versorgungsheim in Hohenems. Dies verdankte sie bis dahin auch nur der Bürokratie. Sie war zu den Siebentage-Adventisten übergetreten und die jüdische Gemeinde fühlte sich nicht mehr zuständig, weil sie keine Glaubensjüdin war. Doch für den Hohenemser Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Josef Wolfgang blieb sie eine Jüdin und war ihm ihre Anwesenheit ein Dorn im Auge. Er intervenierte mehrmals bei übergeordneten Stellen und forderte ihre Umsiedlung. Schließlich war er sogar bereit, dafür in die eigene Tasche zu greifen:
"Wie bereits berichtet, lege ich größten Wert darauf, daß auch diese letzte Jüdin das Land Vorarlberg verläßt und wenn ihre Übersiedlung nach Wien an der Tragung der Fahrtkosten scheitern sollte, wäre ich bereit, dieselben zu übernehmen"
Christian Michelides,
Stolperstein für Frieda Nagelberg 2,
CC BY-SA 4.0
Und wirklich, vier Tage nach der Wannseekonferenz (freilich nicht unmittelbar im Zusammenhang mit dieser),  am 25.2.1942 ergriffen auch Frieda Nagelberg (1889-1942) die nationalsozialistischen Häscher. Ihr letztes "Lebenszeichen" stammt vom 9. April 1942. Sie wird an diesem Tag in das  "Durchgangslager" Izbica in Polen, unweit vom Vernichtungslager Majdanek/Lublin deportiert  (vgl. Harald Walser: "Antisemitismus in Vorarlberg" in Gedenkdienst Nr. 1/02).



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