Dienstag, 19. Juni 2018

[ #Bludenz ] Mord im Kloster: Sankt Peter in Bludenz


Das vermutlich um 1286 gegründete Sankt Peter gilt als ältestes bestehendes Kloster im Land Vorarlberg.  Am Vormittag des 10. August 1796 ermordete eine fanatisierte Menge den Kreishauptmann Indermauer und seine Begleiter auf bestialische Weise.

Das vermutlich um 1286 gegründete Sankt Peter gilt als ältestes bestehendes Kloster im Land Vorarlberg. Die erste urkundliche Nennung der St. Peterskirche stammt aus dem Jahr 1278; 1286 erhalten die Nonnen vom Churer Bischof Friedrich von Montfort die Regel des Hl. Augustinus sowie als urkundliche Schenkung die St. Peterskirche. Um 1420 weiht der Churer Weihbischof Pantaleon eine neue Klosterkirche ein. 1525 wird das Kloster von einem schweren Brand heimgesucht; alles wird vernichtet.

Ignaz Anton von Indermauer. In der Neuzeit erlangte das Kloster St.Peter in Bludenz besondere Aufmerksamkeit durch die Ermordung des Vorarlberger Kreishauptmannes Ignaz Anton von Indermauer am 9. August 1796, gemeinsam mit dem Oberamtsrat Franzin und dem Bregenzer Bürgermeister Weber durch rebellische Bauern aus Bürs und Montafon.

Auswanderungsverbot! Als Kreishauptmann unter dem Reformer Joseph II. schuf sich Indermauer viele Feinde in den konservativen Kreisen der Bevölkerung. Er führte die Untersuchungen über die Unruhen gegen die josephinischen Reformen und hatte im Ersten Koalitionskrieg die Ausfuhrsperre sowie das Auswanderungsverbot in die von der Französischen Revolution erfassten Länder zu überwachen. Ja - richtig gelesen! Die Vorarlberger Bevölkerung erregte der Umstand, dass sie nicht auswandern durften! Diese unpopulären Maßnahmen trafen sowohl die in der Textilproduktion Beschäftigten wie auch die zahlreichen Vorarlberger Saisonarbeiter, die traditionsgemäß den Sommer über in Frankreich arbeiteten.

Konservative Schulfeindlichkeit. Das ist aber noch lange nicht die "ganze Wahrheit". Bludenz weigerte sich beispielsweise schon 1777 die Kosten für die Lehrerausbildung zu bezahlen, was dazu führte, dass Bürgermeister und Bürgerschaftsvertreter 1779 für fünf Monate inhaftiert wurden. Vorarlberg zeigte sich schon damals kirchlich konservativ. Die Konflikte setzten sich jedoch fort, selbst nachdem die Stadt 1780 – wie schon zuvor Feldkirch und Bregenz – direkt der kaiserlichen Regierung unterstellt worden war. Seit Sommer 1786 amtierte in Bludenz anstelle von Stadtrat und Bürgermeister ein kaiserlicher Administrator.

Mord im Kloster. Im Frühjahr und Sommer 1789 äußerte vor allem die ländliche Bevölkerung der Pfarre Bludenz ihre Unzufriedenheit mit den neuen politischen Verhältnissen. Sie widersetzte sich mehrfach den josephinischen Kirchenreformen und ihrem Hauptvertreter, dem Pfarrer. Bei den bald darauf folgenden Abwehrkämpfen gegen die Franzosen, die im Zug des Ersten Koalitionskrieges auf Vorarlberg vorrückten, standen die Bludenzer Schützen unter dem Kommando des Kronenwirts Bernhard Riedmiller, der aus der Gegend von Memmingen stammte. Im Verlauf der Ereignisse kam es im Sommer 1796 im Kloster St. Peter zu dem schwerwiegenden Vorfall: Eine aufgebrachte Volksmasse aus der Region ermordete dort den Kreishauptmann Ignaz Anton von Indermauer und zwei weitere Beamte, die des Landesverrats bezichtigt wurden.

Bernhard Riedmiller.
Der Bludenzer "Freiheitskämpfer" Bernhard Riedmiller war übrigens nicht nur "Freiheitskämpfer" gegen die französischen Freiheiten sondern entzog sich 1809 den Gläubigern durch die Flucht ins benachbarte Tirol, wo der hoch Verschuldete sich den Tiroler Aufständischen anschloss. 1810 hatte er englische Unterstützungsgelder für die Aufständischen zu verteilen, wo er dann der Unterschlagung großer Summen beschuldigt wurde. Eine Untersuchungskommission erklärte den Bludenzer Freiheitshelden 1823 teilweise für schuldig und pfändete seine Pension zur Hälfte.

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