Donnerstag, 26. Januar 2017

[ #Vorarlberg ] Vorstellungen vom Teufel im frühneuzeitlichen Vorarlberg und Liechtenstein

Bild: Zwei Teufel sehen dabei zu, wie Josaphat von einer Frau verführt werden soll - Holzschnitt aus dem Legendenroman 'Barlaam und Josaphat' des Rudolf von Ems, 1476
Die Geschichte dieses regionalen "Teufelsglaubens" in mehreren Stufen.

Die Erfindung des Satans geht historisch einen konsequenten Weg und führte in der Geschichte dazu, dass nacheinander Juden, Heiden, Ketzer und Hexen für des Teufels erklärt und dann umgebracht wurden. Es war offenbar auch den Gläubigen der "liebe Gott" schwerer vorstellbar als seine böse Alternative.

In Vorarlberg einem Nährboden der Reformation gleichwie ein Musterland der katholischen Gegenreformation trieb die Teufelsaustreibung bisweilen seltsame Blüten:
"In der Stuben, einem Dorfe im Klosterthale, wagt es kein in gesegneten Umständen befindliches Bauernweib, während der Schwangerschaft in einem andern als schwarzen Trauer-Kleide zu erscheinen, weil sie mit der bangen Erwartung ringt, ob sie nicht etwa gar vom Teufel besessen ist! Die Ursache dieses noch zur Stunde unter den Klosterthalerinnen wüthenden Aberglaubens ist weiland Pfarrer Gasner, trüben Andenkens, der zu Klösterle in dem Klosterthale Seelsorger war, und in diesem winterlichen Bergwinkel (binnen 8 Wochen haben Frühling, Sommer, und Herbst hier ihr Tagewerk vollendet) an seinenobsessis, possessis und circumsessis gebrutet hat." (Zitiert nach Manfred Tschaikner: Gefürchtet, beschworen, bekämpft Vorstellungen vom Teufel im frühneuzeitlichen Vorarlberg und Liechtenstein, ÖGL 272f.)

Johann Joseph Gaßner (1727-1779) aus Klösterle
Teufelsbanner und Wunderheiler 
Gefürchtet, beschworen, bekämpft.
Dass nicht nur psychisch auffällige Person als “besessen” oder “verhext” verfolgt wurden, zeigt der Beitrag von Manfred Tschaikner "Gefürchtet, beschworen, bekämpft - Vorstellungen vom Teufel im frühneuzeitlichen Vorarlberg und Liechtenstein" in der Zeitschrift "Österreich in der Geschichte und Literatur (ÖGL, 54.Jg. 2010 Heft 4, 365 ff.) der hier als Download unter den Links zur Verfügung steht. Er entwickelt die Geschichte dieses regionalen Teufelsglaubens in mehreren Stufen, von dem "magischen Schäden" die in den Hexenverfolgungen ihre wichtige Rolle spielten, den sexualiserten Teufel (Buhlschaft) der insbesondere gegen Frauen wirkte, dann den Teufel, der es ermöglichte soziale Konflikte durch die Verfolgung der Teufelsanhänger zu "regeln" bis hin zu dem Arrangement mit dem Teufel, der so eine Art Wünschelrute für Schatzsucher wurde.

Mag. Dr. Manfred Tschaikner. Manfred Tschaikner wurde 1957 in Bludenz geboren und wuchs in Feldkirch und Dornbirn auf. Er maturierte 1975 am Bundesgymnasium Dornbirn und begann nach dem einjährig-freiwilligen Präsenzdienst 1976 an der Universität Innsbruck Germanistik und Geschichte zu studieren. Nach der Sponsion und Lehramtsprüfung 1982 unterrichtete er in Innsbruck und von 1983 bis 2002 als begeisterter Pädagoge am Bundesgymnasium Bludenz. Er zählte zu jenen Mittelschullehrern, die sich neben dem Lehramt auch um die Forschung bemühten. Aufgrund einer Dissertation über die Hexenverfolgung in Vorarlberg wurde der Historiker 1992 von der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert. Inzwischen hat Tschaikner mehrere Bücher und wohl über 200 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. 2002 wechselte er ins Vorarlberger Landesarchiv nach Bregenz, wo er sehr engagiert und erfolgreich die Abteilung "Historisches Archiv" leitet. 2008 wurde ihm die Lehrbefugnis für das Fach Österreichische Geschichte an der Universität Wien erteilt. Sein Forschungsschwerpunkt bildet neben der allgemeinen Regionalgeschichte das frühneuzeitliche Hexenwesen Westösterreichs, Liechtensteins und der Ostschweiz, wo er international als Kapazität geachtet wird.



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