Freitag, 10. Februar 2017

[ #Düns ] Traditionelles Wissen: Jagdberger Heumilchkäse


Der vordere Walgau zählt zu den alten Siedlungsgebieten Vorarlbergs. 

Der Raum Jagdberg ist das Gebiet der heutigen Gemeinden Satteins, Schlins, Röns, Schnifis, Düns und Dünserberg, welche auch zu starken Teilen durch die als Wehrbauern zugewanderten Walser besiedelt waren. Dieses politische Gebilde hatte mindestens ein halbes Jahrtausend lang die Geschicke der Region mitgeprägt. Erst durch die Modernisierung durch die Bildung neuer bayerischer Landesgerichte verlor das Gericht Jagdberg 1806 seine Funktion als Verwaltungseinheit.



Langanhaltende Käsereitradition.
Der Käse erlangt seinen speziellen charakteristischen Geschmack durch die Qualität der Heumilch und das Traditionelle Wissen um das Handwerk der Käsekunst.Die regionale Produktion von Jagdberger Heumilchkäse trägt durch eine naturnahe Milchkuhhaltung zur nachhaltigen Aufrechterhaltung der alpinen und gebirgigen Landschaftsform, sowie zur Erhaltung der Artenvielfalt der Wiesen und Weiden bei.

In den Urbaren des 14. Jahrhunderts werden die Gründe der Landesherrschaft hier fast immer neben Korn und Weizen (Scheffel) vor allem gegen Käselaibe (Wertkäse) verliehen. Seit "Urzeiten" war dort Heu das Futter in den Wintermonaten. In den Sommermonaten grasen die Tiere zusätzlich auf kräuterreichen Wiesen und Almen. Das heißt, die Kühe fressen vorwiegend Heu, Gras und nahrhafte Getreidemischungen. Das gibt der Heumilch ihren vollmundigen Geschmack und macht sie ohne Beimischungen und technische Behandlungen hartkäsefähig. Die Heuwirtschaft wirkt sich zudem positiv auf die Natur aus. Denn das Mähen und Weiden fördert die große Artenvielfalt.


Traditionelles Wissen.Traditionelles Wissen, im Sinne der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), ist - vereinfacht dargestellt- Wissen, das in einem traditionellen Zusammenhang geschaffen, bewahrt und zwischen den Generationen weitergegeben wird und verbunden ist mit einer lokalen Gemeinschaft, die sich mit der traditionellen Kultur identifiziert sowie von der Gemeinschaft als "Traditionelles Wissen" gesehen wird. "Traditionelles Wissen" ist ein Bereich des Geistigen Eigentumsrechtes.

Heumilch. Die Region Jagdberg Heumilchkäse befindet sich im Einzugsgebiet der Sennereien Schlins-Röns und Schnifis. Die Kühe dürfen nur mit Gras, Heu und Getreide gefüttert werden. Die "Heumilch" wird täglich angeliefert und vor der Verarbeitung auf Inhaltsstoffe und Beschaffenheit untersucht. Als Hauptprodukte werden der Schnifner Bergkäse und der Laurentiuskäse produziert.

Das wiederkäuergerechte Futter wirkt sich positiv auf die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Kühe aus und entspricht ganz dem heutigen Trend nach natürlichen und regionalen Produkten. Übrigens: Auch für viele internationale Käsespezialitäten wie Original Emmentaler, Original Bergkäse, Parmesan, verschiedene französische Käse-Spezialitäten ist die Verwendung ausschließlich von Heumilch vorgeschrieben, denn Heumilchkäse kann ohne Konservierungsmittel und Zusatzstoffe produziert werden. Seit Anbeginn kennt man keine andere Produktionsweise. Erst Mitte des 20. Jahrhundert wurde verstärkt auf Gärfutter – Silage (im Siloballen oder Silo konserviert) anstelle von Heu zurückgegriffen. Während 1970 der Anteil von Heu in Österreich noch 78 Prozent betrug, waren es 2000 nur mehr 34 Prozent.

Gesundes Lebensmittel. Studien sagen, dass Heumilch und Heumilchprodukte im Durchschnitt rund doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäuren (CLA) wie "Standardmilch" enthalten sollen.

[Zeitreiseführer #Vorarlberg ]

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