Freitag, 16. Oktober 2015

[ #Bludenz ] Die Bludenzer Reformatorenfamilie Kyber als Sprachschöpfer

Exlibris-Stempel von Elias Kyber
Konrad Gesner (1516 – 1565) - einer der berühmtesten und wichtigsten Naturforscher  - hatte vielfältige Kontakte zu Vorarlbergern. Die bekannteste ist wohl die zu Rheticus (1514 – 1574), dessen Mitschüler er in der  Frauenmünsterschule in Zürich 1528 war .  Eine ganz besondere scheint jedoch die zu der Bludenzer Reformatorenfamilie Kyber gewesen zu sein.

Kurze und einfältige Form eines christl. Catechismi. Gesner war nach dem Tod von David Kyber der Herausgeber dessen "Lexicon rei herbariae trilingue". David und Elias Kyber waren Söhne des Bludenzer Spitalkaplans  Lucius Kyber (1490-1550) , der aufgrund seines Glaubens im Strassburger Exil lehrte, auch Pfarrer der Reichsstadt Gengenbach (Baden-Württemberg) war.  1545 erschien dort ein evangelischer Katechismus mit dem Wappen der Reichsstadt, für Gengenbach und die Nachbartäler (Kurze und einfältige Form eines christl. Catechismi für die Kirche zu Gengenbach, 1545), herausgegeben und dem Stadtrat gewidmet von den drei damaligen Prädikanten Lucius Kyber, Thomas Lindner und Lorenz Montanus. Lucius Kyber war der erste evangelische Prediger in Gengenbach. Er wurde 1549 nach Einführung des Augsburger Interims und dem damit verbundenen Zusammenbruch der Reformation mit Lorenz Montanus aus Gengenbach vertrieben.

Lucius, David, Elias. Cornrad Gesner widmet ihm und dem Reformator und Vater von David Kyber  in dem oben erwähnten Buch eine umfangreiche Vorrede. David Kyber war Hebräischlehrer und Arzt in Strassburg . Er verstarb  schon mit 28 Jahren 1553 an der Pest.  Konrad Gesner und der deutsche reformatorische  Humanist Nikolaus Gerbel 1485-1560) liefern in einer Art Zwiesprache in einer Vorrede  ein hexametrisches Gedicht aus 91 Versen, 44 davon sind Gesner zugeordnet, 47 Gerbel.


Lexicon rei herbariae trilingue. David Kybers Leistung liegt auch in der botanischen Fachsprache. Er hat  nicht nur  mit seinem dreisprachigen Lexikon (Lexicon Rei herbariae trilingue,Rihel, 1553 - 548 Seiten, lateinisch-griechisch-deutsch) terminologisch in die Fachsprache eingewirkt. Er hat auch für das seinerzeit beliebte  deutsches Kräuterbuch von Hieronymus Bock eine lateinische Übersetzung geleistet. Das Ringen um eine botanische Fachterminologie sowohl der alten Sprachen als auch des Deutschen entfaltet sich dabei im Spannungsfeld von Philologie und Empirie, was eine umfassende Dokumentation der Synonyme – im Dienste der Medizin – zur Folge hat. Nach Konrad Gesner ist etwa die Gartentulpe (Tulipa gesneriana)  in den lateinischen Botanikverzeichnissen benannt.  


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1 Kommentar:

Sokrates hat gesagt…

Hier erfährt man immer wieder etwas Neues. Gerade dann, wenn man glaubte sich in der Landesgeschichte Vorarlbergs schon recht gut auszukennen.

Von http://bergfuchs.blogspot.co.at