Montag, 25. Januar 2016

[ #Vorarlberg ] Joseph Feßler: Der Vorarlberger Bischof von St.Pölten

DDr. Klaus Küng ist "nur" der zweite gebürtige Vorarlberger, der in der Geschichte der Diözese St. Pölten zum Bischof bestellt wurde. Aus Vorarlberg  stammte auch Dr. Josef Feßler, Bischof in St. Pölten von 1865 bis 1872.

Joseph Feßler  (* 2. Dezember 1813 in Lochau,  als  erstes Kind von Gebhard und Genoveva Feßler ; † 25. April 1872 in Sankt Pölten) war römisch-katholischer Theologe und Bischof von Sankt Pölten.war von 1865 bis 1872 Bischof von St. Pölten und zuvor Weihbischof seiner Heimatdiözese Feldkirch.

Geboren in Lochau bei Bregenz, trat er nach dem Schulbesuch in Feldkirch  (1824 bis 1830), Salzburg und Innsbruck 1833 in das Brixener Priesterseminar ein. Nach seiner Priesterweihe 1837 lehrte er als Dozent für Kirchengeschichte und Kirchenrecht in Brixen, studierte aber auch an der Weltpriesterbildungsanstalt Frintaneum in Wien.

Konservativer Politiker. 1848 wurde Feßler als Abgeordneter für den Wahlbezirk Bregenz in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Reden hat er dort keine gehalten, angeblich weil sich alle anderen draum gedrängt hatten. Leo Haffner berichtet in seiem Aufsatz "Die Aufklärung und die Konservativen" (Ein Beitrag zur Geschichte der katholisch-konservativen Partei in Vorarlberg - Erschienen in: Nachträge. Zur neueren Vorarlberger Landesgeschichte. Hrsg. Von Meinrad Pichler, Fink's Verlag Bregenz 1983, S. 10-31) :
"Als Beispiel für die Spannungen zwischen führenden Vertretern der Kirche und Vorarlberger Demokraten mag der Hinweis auf eine Episode dienen: Bürger von Feldkirch, der Hochburg der Demokraten, waren über einen der Vorarlberger Delegierten im Frankfurter Parlament, den Theologen und späteren Bischof von St. Polten, Dr. Josef Feßler, "so aufgebracht, dass er auf der Heimreise, schon in Bregenz angelangt, nach Bayern zurückkehren musste, um über Imst ins Oberinntal und nach Innsbruck und Brixen zu gelangen". Er hatte sich, so Paula Geist in ihrer "Geschichte Vorarlbergs im Jahre 1848/49", "verdächtig gemacht durch die Art, in der er für alles stimmte, was reaktionär war und allem opponierte, was nur anscheinend in den Bereich des Fortschritts gehörte. ... Er stimmte gegen die Aufhebung des Adels, weil er nicht einsah, 'warum ein Graf oder ein Baron oder ein Herr von ... seinen Titel verlieren sollte, der niemand schade'. Er stimmte für die Todesstrafe, 'weil Gott nach der Lehre der heiligen Schrift den Obrigkeiten das Recht über Tod und Leben gegeben hat'. ... Er hat gegen die Wahrung des Briefgeheimnisses gestimmt, weil dieses Gesetz für Vorarlberg, wo solche 'Missbräuche' nicht herrschten, gar nicht in Betracht käme..." .
1852 wurde er als Professor für Kirchengeschichte an die Wiener Universität berufen. Er erwarb sich den Ruf eines Sachverständigen für die Unierte Kirche. Als Unierte Kirchen (offiziell Katholische Ostkirchen) werden jene Ostkirchen bezeichnet, die als Teilkirchen der römisch-katholischen Kirche unter dem Papst von Rom mit der Lateinischen Kirche in Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft stehen.  In der heftigen Diskussion um das Konkordat wandte er sich gegen die liberale Kritik und war auch später an den Verhandlungen um eine Revision des Konkordats beteiligt. Seine Position ist nicht unähnlich der heutigen: Er stand als konservativer Repräsentant des flachen Landes gegen die fortschrittsorientierten ökonomischen, kulturellen und sozialen  urbanen Entwicklungen.

Bischof von St. Pölten. 1862 wurde Joseph Feßler zum Weihbischof und Generalvikar der Diözese Feldkirch ernannt, zwei Jahre später erfolgte seine Ernennung zum Nachfolger des verstorbenen St. Pöltner Bischofs Ignaz Feigerle.  Am 30. April 1865 wurde er in St. Pölten inthronisiert. Während seines siebenjährigen Episkopats galt sein Wirken besonders dem Kampf gegen den Liberalismus und den liberalen Religionsgesetzen von 1868. Er erwarb 1869 für die katholische Kirche den "St. Pöltener Boten" als Sprachrohr gegen den Liberalismus und legte damit den Grundstein für die katholische niederrösterreichische Pressepolitik bis in die heutigen Tage, das Niederösterreichische Pressehaus.  In der Seelsorge in Niederösterreich war er aber so gut wie nicht tätig sondern kümmerte sich um die Belange der österreichischen und der Gesamtkirche.

Vaticanum I
Vatikanisches Konzil. Als ein (gemäßigter) Hauptvertreter des Unfehlbarkeitsdogmas in Österreich war er 1869/70 Generalsekretär des Vatikanischen Konzils. Das Erste Vatikanische Konzil (Vaticanum I vom   8. Dezember 1869 bis 20. Oktober 1870), das von der römisch-katholischen Kirche als das 20. Ökumenische Konzil angesehen wird, erhob die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes „bei endgültigen Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren“ definitiv zum Dogma.

Darüber führte er mit dem bedeutendsten  Kirchenrechtslehrer seines Jahrhunderts, Johann Friedrich (Ritter) von Schulte aus Prag,  einen wiederholenden Disput. Er konnte wohl als konservativer Repräsentant der katholischen Kirche die Abspaltung der Altkatholiken nicht wirksam begegnen, namentlich von Johann Friedrich (Ritter) von Schulte und  Johann Joseph Ignaz (Ritter) von Döllinger, obwohl sich gerade letzterer ständig gegen das Schisma wehrte und in der katholischen Kirche bleiben wollte, ja sich fortan um Ökumene bemühte. Diese Niederlage überrascht umso mehr, als es ihm ja umgekehrt gelungen war, Gegner des Dogmas unter den Bischöfen in Deutschland und  Österreich "umzudrehen". Offenbar war er hier weit weniger diplomatisch und unversöhnlicher, ließ eine weniger großzügige Interpretation zu als zu jener Zeit als man noch um die Mehrheit beim Vatikanischen Konzil bangen musste. Durch seinen frühen Tod im Alter von 59 Jahren fand sein kirchliches  und politisches Engagement gegen die Liberalen allerdings ein jähes Ende.

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